Kirche ist kein Verein, sondern ein Stück Himmel auf Erden

12. Mai 2018 von redaktionguh  
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Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.

Johannes 12, Vers 32

Wozu ist die Kirche da? Wozu weht der Heilige Geist durch unsere Institutionen und durch unsere Köpfe und lässt sich trotz aller Gottlosigkeit der Welt nicht zum Schweigen bringen? »Wir sind Kirche für Andere«, so heißt eine beliebte zeitgemäße und allgemein verständlich scheinende Antwort der Christen, die wir sehr rasch in den Mund nehmen, vielleicht auch um uns vor der Welt zu rechtfertigen.

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Im Wochenspruch aus dem Johannes-Evangelium höre ich etwas anderes. Da geht es zunächst nicht um die Anderen, sondern um uns selbst. Wir Christen haben es mit unserem Glauben und Hoffen alltäglich schwer genug. Damit wir uns Glauben und Hoffnung bewahren, brauchen wir Abstand, brauchen wir immer wieder den Blick des auferstandenen Herrn von oben herab auf unser Leben, auf unsere Erde. Denn die letzten Rätsel unseres Daseins lösen sich nicht im erfolgreichen oder erfolglosen Engagement in unserer weltlichen politischen Gesellschaft. Die Fragen nach dem Woher und Wohin, nach Schuld und Vergebung, beantwortet mir das Glaubensbekenntnis. Es sagt mir, dass ich Gottes geliebtes Kind bin und bleibe.

Ohne diese Zusage, ohne den Trost des Heiligen Geistes, bin auch ich als Christ und Kirchenmitglied in der Welt so umhergetrieben, orientierungslos und um mich selber kreisend wie jeder andere. Nur, wer seinen Kopf wieder und wieder nach dem Himmel streckt, kann hier auf Erden engagiert und voller Nächstenliebe politisch handeln. Unsere Kirche ist darum kein »Verein«, sondern eine durch Wort und Sakrament getragene Gemeinschaft, in der wir, weil Gott gegenwärtig ist, Halt und Trost finden dürfen.

So erstaunlich das klingt, unsere Kirche ist schon ein kleines Stückchen des Himmels auf Erden. Wenn Christen in ihr Trost und Halt finden, können sie gar nicht anders, als sich für Bedrohte, Ausgegrenzte und Fremde einzusetzen. Sie können auch gegen den Strom schwimmen, weil Gott ihnen hilft, den Kopf über Wasser zu halten.

Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de


Mit Herz und Teamgeist

16. Dezember 2014 von redaktionguh  
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Petra Hegt managt die Evangelische Stadtmission Erfurt

Alle Jahre wieder am Nikolaustag öffnet in der Erfurter Allerheiligenstraße das »Restaurant des Herzens«. Es hält für Menschen bis Mitte Januar täglich kostenlos ein warmes Mittagessen, Kaffee und Kuchen bereit. An den Wochenenden wird den Gästen – Bedürftigen und Einsamen – zudem Kulturelles geboten. Dass die umfangreiche Arbeit der Evangelischen Stadtmission Erfurt, die in der Advents- und Weihnachtszeit das »Restaurant des Herzens« betreibt, auf festem Grund steht, ist auch Geschäftsführerin Petra Hegt zu verdanken. Sie übernahm vor zehn Jahren die Verantwortung. 2004 habe der Kirchenkreis einen Mitgesellschafter für die Stadtmission gesucht, sagt die zierliche Frau. Denn das Sozialunternehmen sei permanent von Insolvenz bedroht gewesen.

Die diakonische Einrichtung Marienstift Arnstadt konnte gewonnen werden. Und Petra Hegt, die beim Marienstift als Kaufmännischer Vorstand tätig ist, wurde nun auch die Geschäftsführung in Erfurt übertragen. Einen Tag pro Woche ist sie in ihrem schlichten Büro in der Allerheiligenstraße. Seit Kurzem hat sie einen neuen Mann vor Ort, der sie als zweiter Geschäftsführer unterstützt: Christoph Knoll, Pfarrer an der Thomasgemeinde. Im Herbst war sein Vorgänger Andreas Lindner in den Ruhestand verabschiedet worden.

Die erste Zeit sei nicht leicht gewesen, bekennt die 53-Jährige. Doch die Kolleginnen und Kollegen hätten alle an einem Strang gezogen. »Das hat uns in kurzer Zeit zusammengeschweißt«, sagt sie. Die Netzwerkerin versteht es, Sponsoren anzusprechen, Menschen zu sensibilisieren, weil sie selbst mit ihrer Person hinter der sozialen Arbeit steht. 200 000 Euro Bargeldspenden brauchen sie jedes Jahr, um schwarze Zahlen zu schreiben. Da ist ihr Talent für Netzwerkarbeit und ihre offene und gewinnende Ausstrahlung ein großes Plus. »Wir wollen die Arbeit mit Herz machen, denn es geht ja um Menschen. Da können wir nicht technokratisch und bürokratisch handeln«, betont sie. Die Evangelische Stadtmission betreibt unter anderem das Obdachlosenheim »Haus Zuflucht«, das »Café des Herzens«, ein Suchthilfezentrum, das Frauenhaus, offene Sozialarbeit und anderes. Dass diese wichtige Arbeit weitergehen kann, dafür setzt Petra Hegt gern Kraft, Zeit und Talent ein.

Petra Hegt. Foto: Dietlind Steinhöfel

Petra Hegt. Foto: Dietlind Steinhöfel

Als »Managerin mit Herz« wurde sie deshalb im Herbst mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Doch sie winkt ab. Natürlich habe sie sich gefreut, aber sie sei ja nicht allein. »Ich habe kluge und engagierte Kolleginnen und Kollegen, die ihre Arbeit vorbildlich leisten.« Rund 60 Festangestellte und zahlreiche Ehrenamtliche stehen ihr zur Seite. Die Arbeit mache viel Freude, sagt Mitarbeiterin Doris Winkler, die für die Spendenerfassung zuständig ist. »Bei so einer tollen Chefin!«

Das Team ist Petra Hegt wichtig – ebenso wie die Vertragspartner: die Stadt Erfurt, der Freistaat, Vereine, Organisationen, auch Einzelpersonen spenden regelmäßig. Sie lobt das soziale Engagement der Thüringer Landeshauptstadt, in der die Unterstützung überparteilich funktioniert. Dass die Bankkauffrau und studierte Ökonomin strukturiert arbeiten muss, versteht sich. Ihre Arbeitswoche hat mindestens 60 Stunden. Wie sie dann neben dem Beruf auch noch in Aufsichtsräten, im Gemeindekirchenrat und der Kreissynode tätig sein kann, scheint ein Rätsel. Die Arbeit mache ihr Spaß. Das ist wohl das Geheimnis. »Meine Kraft hole ich bei meiner Familie«, sagt Petra Hegt. Dazu gehören ihr Mann, zwei Kinder und ein Enkel. Zudem treibe sie viel Sport, liest auf dem Ergometer Bücher und hört Musik beim Autofahren. Und Kuchen backt sie auch gern.

Priorität habe jedoch bei ihr immer, »wenn einer vor der Tür steht und ein Problem hat«.

Dietlind Steinhöfel