Auf-Takt für neue Orgel

21. April 2018 von redaktionguh  
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Im Gedenken an Johann Walter, den »Kantor der Reformation« und »Vater der evangelischen Kirchenmusik«, soll die Margarethen-Kirche seines Geburtsortes Kahla eine neue Orgel erhalten. Der Beginn des ersten Bauabschnitts wird am 22. April mit einem Konzert und Informa­tionen zum Projekt gefeiert.

Der offizielle Start des Großprojektes, das ein finanzielles Volumen von insgesamt 750 000 Euro haben wird, erfolgte bereits im Herbst 2013. Damals getragen von der Hoffnung, das Vorhaben bis zum 500. Reformationsjubiläum realisieren zu können. Da dies nicht möglich war, müssen nun mehrere Bauabschnitte absolviert werden.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnte die Kirchengemeinde Kahla (Kirchenkreis Eisenberg) den Auftrag zum Bau des ersten Teils der neuen Johann-Walter-Orgel an die Orgelbaufirma Späth (Freiburg i. Br.) vergeben. »Die kleine Orgel, die vorne im Kirchenschiff unserer Stadtkirche ihren Platz finden soll, wird in der Werkstatt in Freiburg gebaut, bevor sie nach Kahla transportiert und in der Kirche aufgestellt wird«, ist von Maren Hellwig vom Förderkreis zu erfahren. Bei der promovierten Biologin laufen die organisatorischen Fäden des Orgelneubaus zusammen. Die Einweihung der kleinen Orgel solle im Jahre 2020 erfolgen. Zuvor müsse noch die Elektrik der Kirche komplett erneuert werden.

Wie das zukünftige Instrument aussehen wird, zeigt der abgebildete Entwurf. Der Orgelprospekt lehnt sich in Klang und Aussehen an Vorbilder aus Johann Walters Zeit an und nimmt zugleich die gotische Formensprache der Kirche auf. Farblich passt er sich an die jetzige Farbgebung des Kircheninneren an. Das »Johann-Walter-Positiv« wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Die Margarethenkirche mit ihren 440 Plätzen hat in der Region eine zentrale Rolle. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, über eine gute Orgel zu verfügen, die zu Gottesdiensten und Konzerten sowohl zum Lob Gottes als auch zur Freude der Besucher erklingt, betont Maren Hellwig weiter. Das bisherige Instrument sei mangelhaft und stark abgenutzt gewesen, was die Spielmöglichkeiten extrem eingeschränkt habe. Künstlerischen Ansprüchen wurde die Orgel nicht mehr gerecht. Reparaturen erschienen nicht mehr sinnvoll.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Den Initiatoren des Orgelprojekts sei schnell deutlich geworden, dass es zwar diverse Fördermöglichkeiten und Stiftungen für Restaurierungsarbeiten gebe, aber keine Unterstützung für Orgelneubauten. Zugleich habe man vor der Herausforderung gestanden, im Geburtsort Johann Walters ein hochwertiges Instrument in Auftrag zu geben, das umfassende Möglichkeiten zur Ausübung der Kirchenmusik bietet.

Johann Walter habe durch die Vertonung von Martin Luthers deutschen Liedtexten und die damit verbundene Förderung des Gemeindegesangs der Reformation musikalische Flügel verliehen, verweist Maren Hellwig auf historische Wurzeln. »Mit Luther setzte er sich ein für die Zusammengehörigkeit von Theologie und Musik und damit für den Erhalt der Kirchenmusik durch die Wirren der Reformationszeit. Durch seine Tätigkeit als Komponist, Dichter und Musiktheoretiker hat Walter die weitere Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik entscheidend beeinflusst. Er legte Grundlagen, auf denen Komponisten wie Bach, Händel oder Mendelssohn aufbauten. Mit Recht kann gesagt werden: Ohne Johann Walter keine evangelische Kirchenmusik!«

Dieses Erbe zu bewahren und seine Bedeutung zu würdigen, sei für Kahla eine aus der Geschichte gewachsene, besondere Verpflichtung. Der musikalischen Innovationskraft, die uns in Walter begegnet, soll in seiner Heimatstadt mit der »Johann-Walter-Orgel« ein Denkmal gesetzt werden, sind die Initiatoren überzeugt.

Die ca. 200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt sind mittlerweile zusammengekommen. Wenn dieser absolviert ist, soll auf der Westempore eine moderne, zweiflügelige Orgel mit 31 Registern errichtet werden, die das mittlere Fenster freilässt. Erst mit dieser Hauptorgel wird das geplante Instrument vollständig sein. Deshalb müssen noch viele Spendengelder gesammelt werden. Maren Hellwig wirbt deshalb für die Übernahme von Pfeifenpatenschaften. Wie man eine solche antreten kann, verrät die übersichtlich gestaltete Homepage! Hier findet sich auch das Spendenkonto.

Doch jetzt wird erst einmal der Baubeginn gefeiert, wobei Orgelbaumeister Tilmann Späth das Projekt präsentieren und Mitglieder des Förderkreises über die Rahmenbedingungen informieren werden. Die Schirmherrschaft des Großprojektes hat der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich übernommen, der einen Auszug aus seinem aktuellen Programm beisteuert. Der Jugendchor an St. Marien Greiz und die Junge Hofkapelle Greiz unter Leitung von Ralf Stiller bereichern die Veranstaltung mit weiteren Musikwerken.

Michael von Hintzenstern

22. April, 17 Uhr, Stadtkirche St. Margarethen Kahla

www.jwok.de

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Dem Glück näherkommen

13. April 2018 von redaktionguh  
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Der Weltglücksbericht versuchte kürzlich in Zahlen zu verpacken, wo die Menschen am glücklichsten sind und was dazu beiträgt. Deutschland belegte dabei Platz 15 – so die Wissenschaft.

Neben dem Bruttoinlandsprodukt wurden dem Index auch das Einkommen, der soziale Zusammenhalt, Gesundheit, die Freiheit der eigenen Entscheidungen und Korruption als Faktoren zugrunde gelegt. »In unserer Gesellschaft glauben viele, dass sich das Glück einstellt, sobald ihre Wünsche in Erfüllung gehen«, sagte der Philosoph, Publizist und Theologe Christoph Quarch kürzlich in einem Interview. Doch mache das nur kurzfristig zufrieden, aber nicht glücklich.

Menschliche Wünsche sind so umfangreich wie vielfältig. Es gibt viele Ziele, die auf dem Weg zum Lebensglück verwirklicht werden wollen. Die Kontrolle über die Planung und Verwirklichung des Lebens zu behalten, hat oberste Priorität – dafür wird alles getan und das möglichst effektiv.

Jenseits der erfassten Komponenten des Glücksindex ist das Glück in der Realität von viel mehr, und im schlimmsten Fall unkalkulierbaren, Faktoren abhängig. In Gesprächen und beim genauen Hinsehen scheint das, was wir als Glück bezeichnen, ein sehr instabiles Konstrukt zu sein. Zu viele Unsicherheiten tragen dazu bei: Banalitäten wie das Wetter ebenso wie unser Beruf, Hobbies, Urlaube und Erlebnisse, Beziehungen, die eigene Gesundheit und die unserer Mitmenschen.

»Der Anblick eines wahrhaft Glücklichen macht glücklich« Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). Foto: Phase4Photography – stock.adobe.com

»Der Anblick eines wahrhaft Glücklichen macht glücklich« Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832). Foto: Phase4Photography – stock.adobe.com

Überhaupt scheint die Gesundheit ein Hauptindikator für unser vermeintliches Glück oder Unglück zu sein – trotz medizinisch nie da gewesener Möglichkeiten zur Heilung und erheblicher Verbesserung der Lebensumstände Erkrankter. Das gilt auch für Menschen mit der Erbgutstörung Trisomie 21. Trotzdem entscheiden sich neun von zehn Schwangeren bei einer möglichen Erkrankung ihres ungeborenen Kindes dafür, die Schwangerschaft aufgrund dieser Indikation zu beenden. Die Möglichkeiten zur Feststellung dieser oder anderer Krankheiten im Mutterleib nehmen immer größere Ausmaße an. Der Grund: Ein krankes Kind könne kein glückliches Leben führen. Oder das eigene Lebensglück erheblich beschränken. Diese Entwicklung nimmt die ökumenische Aktion »Woche für das Leben« in diesen Tagen besonders in den Blick.

Geprägt sind unsere Glückserwartungen zu großen Teilen von den Idealen der Konsumgesellschaft. »Je mehr man ihnen folgt, umso unmöglicher wird es, diesen zu genügen«, formuliert Christoph Quarch weiter. In diesem Sinne definieren wir uns als »rationaler Egoist, der mit seiner Vernunft und Technik die Welt nach seinen Interessen einrichtet.« Treten Umstände auf, die uns nicht dienlich oder kontrollierbar sind, die uns mit Krankheiten und Unvollkommenem konfrontieren, stellt sich das vermeintliche Unglück ein, das es zu beseitigen gilt.

Es scheint ein Hamsterrad zu sein, dem schwer zu entkommen ist. Denn landläufig herrscht die Annahme vor, dass Glück machbar sei. »Jeder ist seines Glückes Schmied.« Die Fähigkeit, in einer gegebenen Situation glücklich zu sein, hängt also, außer von äußeren Umständen, auch von eigenen Einstellungen und Bemühungen ab. Das setzt uns unter Druck.

In der Bibel ist vom Glück keine Rede. Auch wenn Martin Luther einige Worte im Alten Testament mit »Glück« übersetzt hat, heißt keines wirklich das, was wir mit »Glück« meinen. Und doch lautete die Jahreslosung vor vier Jahren sehr einfach und eindringlich: »Gott nahe zu sein, ist mein Glück.« Diese Variante des Psalm 73,28 entsprach der damaligen ökumenischen Einheitsübersetzung.

Gelingt es, dem stetigen Mühen um das Lebensglück für einen Moment zu entkommen und eine Außenperspektive einzunehmen, scheint in der Tat das einzig Sinnvolle zu sein, was wir aus eigener Kraft tun können, um glücklich zu werden: uns Gott zu nähern. Es befreit uns vom Streben nach immer neuen Zielen und Idealen. Wir können unsere Prioritäten anders setzen, entgegen dem Drang zur Selbstoptimierung. Gottes Gegenwart stellt die noch so widrigen Umstände unseres Lebens in ein anderes Licht und gibt ihnen eine neue Wertigkeit. In seiner Gegenwart können wir lernen alles anzunehmen, egal wie fehlerhaft, unübersichtlich, ungeplant – und dennoch unser Glück finden.

Mirjam Petermann

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Evangelische Marktwirtschaft

16. Februar 2018 von redaktionguh  
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Arbeit als Gottesdienst: Das Verhältnis der Protestanten zur Wirtschaft war immer vielfältig. Da ist zum einen der Stolz darauf, dass sie es waren, die ein modernes, produktives Wirtschaften überhaupt erst in Gang setzten.

Ohne Luthers und Calvins Berufsethik und ihr Dienstethos, ohne Sparsamkeit und Hingabe an die Arbeit keine protestantische Arbeitsethik, kein ehrbares Handwerk und auch kein Unternehmertum. Die Reformatoren erklärten die Arbeit zum Gottesdienst, weswegen sie viele Feiertage abschafften und religiöse Energien in den Alltag umleiteten. Seitdem, so wird immer wieder gerne erzählt, waren die evangelischen Gegenden, besonders die reformierten, wirtschaftlich ganz vorne. Genau deswegen – nicht aus Nächstenliebe – holte seinerzeit der Große Kurfürst die strebsamen Hugenotten nach Brandenburg und Berlin.

Und so blieb das auch bis ins 19. Jahrhundert hinein. Die großen Unternehmergestalten der Gründerjahre: mit großer Mehrheit Protestanten. Lange blieben die katholischen Gegenden im Rückstand. Protestantismus und Wirtschaft legitimierten sich so gegenseitig: Wer modern sein wollte, der gehörte zu beidem dazu, war liberal – und mit Verachtung schaute man auf die anderen, die anscheinend in jeder Hinsicht rückwärtsgewandten Katholiken.

Aber da gab es durchaus auch Bedenken. Die neue Wirtschaft, bald als Kapitalismus bezeichnet, sprengte in ihrer Aggressivität alles, was die Gesellschaft bis dahin zusammengehalten hatte: moralische Maßstäbe, Gemeinschaften, Schutz der Schwachen, Ordnungen aller Art, die Orientierung und Halt vermittelten. Je länger desto deutlicher schien nun nur noch das Geld, der Profit, die Konkurrenz zu regieren. Der Mensch – nur noch Mittel zum Zweck? Was hatte man da bloß losgetreten? Die Protestanten begannen sich zu besinnen und verpflichteten nun den Staat, um auch in der Wirtschaft mit Gesetzeskraft »von oben« für menschliche Maßstäbe zu sorgen. Dafür wurde ein »soziales Königtum« gefordert und einer der ganz großen evangelischen Reformer, Bismarck, bekannte sich gar – mit vielen anderen – als »Staatssozialist« – was allerdings mit dem Sozialismus der Arbeiterbewegung nichts zu tun hatte. Den lebendigen Kontakt zu ihr verlor die obrigkeitstreue Kirche. Und als dann 1919 die Könige und der Kaiser über Nacht verschwanden, wurden die Protestanten reaktionär – mit fürchterlichen Folgen. Zur Wirtschaft verloren die meisten den Bezug; man zog sich in den sozialen Bereich zurück. Innere Mission und Diakonie wurden zu Bewährungsfeldern der evangelischen Christen, während die Katholiken sehr erfolgreich die deutsche Wirtschafts- und Sozialordnung prägten.

Kirchturm – Geldtürme: Die Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main. Mittendrin der Kirchturm der evangelischen Hauptkirche St. Katharinen. Seit 1802 ist sie Eigentum der Stadt Frankfurt, die seitdem für den Unterhalt verantwortlich ist. Foto: Jörg Hackemann / travelview – stock.adobe.com

Kirchturm – Geldtürme: Die Skyline des Bankenviertels in Frankfurt am Main. Mittendrin der Kirchturm der evangelischen Hauptkirche St. Katharinen. Seit 1802 ist sie Eigentum der Stadt Frankfurt, die seitdem für den Unterhalt verantwortlich ist. Foto: Jörg Hackemann / travelview – stock.adobe.com

Aber dann waren es 1945 im Westen wiederum hauptsächlich Protestanten, die nun etwas völlig Neues konzipierten: die Soziale Marktwirtschaft als Dritten Weg zwischen angelsächsischem liberalen Marktkapitalismus und dem realen Sozialismus in der DDR und anderswo. Im Osten blieben Christen von politischer Mitgestaltung ausgeschlossen. Die Idee war: Man braucht eine starke unternehmerisch angetriebene Marktwirtschaft, um eine flexible Versorgung der Menschen sicherzustellen – und man braucht sozialen Ausgleich. Konkurrenz in der Wirtschaft ist nötig, um Machtballungen zu verhindern. Leistung muss gerecht belohnt werden; etwas, was den Deutschen bis heute ganz wichtig ist. Und natürlich braucht es soziale Sicherungen gegen Armut, Alter, Krankheiten, Arbeitslosigkeit: einen Sozialstaat.

Und heute? Der Wohlstand wächst immer weiter – die durchschnittliche Lebenserwartung steigt alle vier Jahre um ein Jahr. Angst vor Arbeitslosigkeit haben zur Zeit nur wenige Menschen. Und doch gibt es viel Kritik. Die soziale Ungleichheit ist gestiegen.

Deutschland gehört tatsächlich nur wenigen Reichen. Und der Unterschied zwischen Ost und West verschwindet nicht aus der Welt. Neue Trends – Digitalisierung – machen Angst: Wer kann da auf die Dauer noch mithalten? Armut ist gerade im reichen Deutschland ganz bitter, und Hartz IV ist sicherlich kein Ermutigungsprogramm. Ist das wirtschaftliche Leben von christlichen Werten bestimmt? Zweifel bleiben.

Gerhard Wegner

Der Autor ist Direktor des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD.

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Gesicht zeigen

11. Februar 2018 von redaktionguh  
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Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Ich bin ganz froh, dass nach dem Reformationsjahr um Luther etwas Ruhe eingekehrt ist. Der Reformator wurde schon arg strapaziert im vergangenen Jahr. Von seinen Thesen bis zur Nudel wurde geluthert, was das Zeug hielt. Musste sein, denn klar war: Nach der Luther-Dekade und dem Reformationsjubiläum will kaum mehr jemand etwas davon hören.

Denkste! Gleich drei Forschungseinrichtungen machen sich daran, jetzt, wo alles vorbei ist, den wahren Luther zu entdecken. Das Ziel: Am Ende will man wissen, wie der Reformator wirklich aussah. Diese Aussicht ist der Leibniz-Gemeinschaft sogar eine Million Euro wert. Es gehe darum, hieß es, zu klären, inwiefern die Gemälde ein realistisches Porträt von Luther entwarfen oder ob sie eine nachträgliche Heroisierung darstellen. Die These: Lucas Cranach der Ältere könnte Agitprop-Bilder anstatt authentischer Porträts geschaffen haben.

Damit müssen sich freilich die evangelisch-reformierten Kirchen nicht rumschlagen. Außerbiblische Elemente oder Bilder haben in den schlichten Räumen keinen Platz. Wie die Reformatoren Zwingli oder Calvin in echt ausgesehen haben, hat, glaube ich, noch niemanden wirklich interessiert.

Nach allem, was ich über Luther gelesen und gehört habe, hätte er das Projekt abgelehnt. Zeit- und Geldverschwendung. Gesicht zeigen ist etwas anderes. Mutig sein und für Überzeugungen einstehen. Glaube, Liebe, Hoffnung sichtbar machen und das wahre Gesicht des befreienden Evangeliums zu zeigen, das wäre Luther nicht nur ein Forschungsprojekt wert. Diese Erkenntnis trieb ihn an. Handelt es sich dabei nicht auch heute noch um den Kern und bei Jesus Christus um das wahre Gesicht unseres Glaubens?

Dieses Antlitz zu suchen, halte ich für eine lohnende Aufgabe!

Willi Wild

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»Wer singt, betet doppelt«

15. Januar 2018 von redaktionguh  
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Ursprung aller Musik ist die Anbetung Gottes in Tönen

Dieser Satz wird dem alten Kirchenvater Augustinus zugeschrieben, aber auch Martin Luther soll ihn geäußert haben. Es ist zu vermuten, dass dieser ihn bereits als Augustinermönch verinnerlicht hat. Der Reformator wusste genau, was er tat, als er seine wichtigsten Botschaften in Lieder verpackte. »Die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Gottes; sie vertreibt den Teufel und macht die Menschen fröhlich«, beschreibt er ihre Bedeutung für Glaube und Gemüt.

Luther war ein geübter Sänger und Lautenspieler. In seinem Werk als Lieddichter und Tonschöpfer hat er die reformatorischen Glaubenssätze in einer mitreißenden Musiksprache verbreitet. Dafür sprechen »Ohrwürmer« wie der zündende Choral »Ein feste Burg ist unser Gott«. Seine Lieder sowie die seiner Wegbegleiter entfalteten große Wirkung bei der Ausbreitung der Reformation.

Traditionsreich: Seit 1925 singt der Bachchor Eisenach in der Taufkirche des großen Komponisten und Thomaskantors. Foto: Roland Kiehne

Traditionsreich: Seit 1925 singt der Bachchor Eisenach in der Taufkirche des großen Komponisten und Thomaskantors. Foto: Roland Kiehne

Die Bibel ist voll von Gesang und Musik. Ganze Bücher sind in Form von Liedern geschrieben – so etwa die Psalmen oder das Hohelied Salomos. Aus dem synagogalen Gottesdienst des Judentums stammt die Tradition, biblische Gebetstexte nicht einfach sprechend zu deklamieren, sondern singend vorzutragen. In der christlichen Praxis entstanden aus Gebetstexten immer kunstvollere Melodien. Stand am Anfang zunächst der Sprechgesang auf einem einzelnen Ton, ergaben sich in der Folgezeit aus der Betonung bestimmter Silben Melodiefloskeln, die zu ausgefeilten Melodiefolgen weiterentwickelt wurden. Ein schönes Beispiel dafür ist die im neunten Jahrhundert entstandene gregorianische Antiphon »Da pacem, Domine«, die Luther 1529 nachdichtete. Unter der Nr. 421 ist die deutsche Nachdichtung des Reformators bis heute im Evangelischen Gesangbuch (EG) zu finden: »Verleih uns Frieden gnädiglich«.

So entstanden Hunderte von Gebetsmelodien. Über einen langen Zeitraum wurden diese mündlich überliefert. Die Kantoren kannten sie auswendig und brachten sie jeweils ihren Gemeinden und Nachfolgern bei. Um ihren Fortbestand zu sichern, begann man, sie aufzuzeichnen. So entstanden die sogenannten »Neumen«. Das griechische Wort »Neuma« (deutsch: »Wink«) umschreibt, dass der melodische Verlauf mit Symbolen bzw. Handzeichen angezeigt wurde.

Mit der Entwicklung des Notenliniensystems wurde es möglich, genaue Tonhöhen zu notieren. Aus dem freien Fluss des am Sprechrhythmus orientierten gregorianischen Chorals entwickelten sich nun feste Rhythmen. So war es möglich, den Gesang einzelner Stimmgruppen oder Instrumente zu koordinieren! Damit war die Basis für mehrstimmige Musikwerke geschaffen, von denen bis heute unzählige geschaffen wurden. Dabei sollte nicht verdrängt werden: Der Ursprung aller Musik ist das gesungene Gebet.

Michael von Hintzenstern

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Logistische Herausforderung

9. Januar 2018 von redaktionguh  
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Forschungsbibliothek: Einzug im sanierten Wittenberger Schloss

Matthias Meinhardt hätte auch eine andere Stelle antreten können, aber die Chance, eine Forschungsbibliothek von Rang zu entwickeln und einzurichten, bietet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur einmal im Leben. Für Meinhardt jedenfalls ist es eine Premiere: Der Wissenschaftler, der 1969 in Braunschweig geboren wurde, in Kiel studierte und zuletzt 2015 Forschungsstipendiat am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main war, ist Leiter der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek in Wittenberg. Ihr Domizil hat die Einrichtung im sanierten Schloss und was vor kurzem noch sehr abstrakt war, nimmt immer mehr Gestalt an. Zwar ist mit dem Einzug der Bücher erst ab Anfang Januar 2018 zu rechnen, aber die Infrastruktur gibt es und sie vervollständigt sich zunehmend.

Abendstimmung am Wittenberger Schloss: In zwei Etagen zieht im Januar die Reformationsgeschichtliche Bibliothek mit 220 000 Büchern ein. Foto: Thomas Klitzsch

Abendstimmung am Wittenberger Schloss: In zwei Etagen zieht im Januar die Reformationsgeschichtliche Bibliothek mit 220 000 Büchern ein. Foto: Thomas Klitzsch

Insgesamt werden über zwei Etagen auf einer Gesamtfläche von 1 800 Quadratmetern 220 000 Bücher aus den Bibliotheken des Evangelischen Predigerseminars Wittenberg und dem Lutherhaus Wittenberg der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammengeführt. Neben einem Magazin wird es einen öffentlichen Bereich geben mit Lesesaal und Freihandbibliothek, außerdem einen Digitalisierungsbereich. Was die Bücher betrifft, so liefen kürzlich noch die Ausschreibungen für den Umzug. Dass dieser mit großem logistischen Aufwand verbunden sein wird, liegt auf der Hand. Bücher aus dem 15. Jahrhundert, das älteste Stück stamme gar aus dem 12. Jahrhundert, oder zig Werkausgaben von viel schreibenden Reformatoren wie etwa Philipp Melanchthon, die transportiert man nicht im Pappkarton.

Zu den größten Herausforderungen gehört Meinhardt zufolge die Klimasituation in den Räumen, die so stabilisiert werden muss, dass die Kulturgüter überhaupt erst eingebracht werden können. Lange sind darum Bautrockner gelaufen, um die Räume zu entfeuchten. Auch Mitte November wurden noch Klimadaten erhoben und ausgewertet. Die Eröffnung der Forschungsbibliothek ist für Februar 2018 geplant. Dann soll auch die Homepage an den Start gehen, später werden zudem Fernleihen möglich sein. Begleitet wird Meinhardts Arbeit von einem wissenschaftlichen Beirat, in dem sich bibliothekarischer und kirchenhistorischer Sachverstand vereinen.

Was die künftigen Nutzer betrifft, so hat Meinhardt, der zurzeit mit einem Team von sieben Personen arbeitet, natürlich die nationale und internationale Forscherwelt im Blick. Aber auch für interessierte Bürger der Stadt soll die Bibliothek in Teilen nutzbar sein. Anbieten wird man zu festen Terminen kulturhistorische Rundgänge. Und man werde Veranstaltungsformate entwickeln, die sich an eine breite Öffentlichkeit richten. Und die, sagt Meinhardt, wolle nicht zuletzt »ihr Schloss« sehen.

Corinna Nitz

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Mobilität von allen Seiten

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Interview: Torgaus Pfarrerin Christiane Schmidt über ein stürmisches Jahr 2017

Torgau war zu Luthers Zeiten politisches Machtzentrum und gilt damit als Amme der Reformation. So gab es in diesem Jahr auch in der sächsischen Stadt viele Veranstaltungen. Über das außergewöhnliche Jahr sprach Pfarrerin Christiane Schmidt mit Katja Schmidtke.

Welche Bilanz des Reformationsjahres ziehen Sie für Torgau?
Schmidt:
Es war ein stürmisches Jahr, in jeder Hinsicht. Die Andacht zur Kirchweih mussten wir in die Alte Superintendentur verlegen, weil das Landratsamt den Schlosshof wegen des Sturmtiefs gesperrt hatte. Auch inhaltlich ist viel passiert. Ich ziehe ein positives Fazit. Viele Anmeldungen von Reise- und Gemeindegruppen liegen vor, die durch unsere Kirchen geführt werden möchten oder bei Kantor Ekkehard Saretz eine musikalische Andacht feiern möchten. Wir feiern Gottesdienst mit vielen Gästen. Es hat sich viel getan in der Stadt: Die Lutherin-Stube ist neu, das Spalatin- und Johann-Walter-Museum hat eröffnet, im Schloss gibt es neue Dauer- und Sonderausstellungen. Wir haben wirklich keinen Grund zu meckern. Natürlich sind hier keine Massen von Menschen gekommen, das hätte uns auch wirklich überrascht.

Sie schauen also nicht neidisch nach Wittenberg?
Schmidt:
Nein, überhaupt nicht. Wir freuen uns über das, was hier passiert ist und haben keinen Anlass zu Konkurrenzdenken. Im Gegenteil, es bestehen sehr freundschaftliche Kontakte nach Wittenberg. Was uns eher zu schaffen macht, ist, dass wir wegen der unterschiedlichen Grenzen von Land und Landeskirche zwischen den Stühlen sitzen. Politisch gehören wir zu Dresden, kirchlich zu Magdeburg. Inzwischen ist der Beauftragte der evangelischen Landeskirchen beim Freistaat Sachsen öfter zu Gast.
Und wir blicken auf Kommendes: 2018 ist Torgau Ausrichter des Tages der Sachsen, 2019 feiern wir 475 Jahre Schlosskapelle und 2022 haben wir die Landesgartenschau in der Stadt.

Christiane Schmidt. Foto: Katja Schmidtke

Christiane Schmidt. Foto: Katja Schmidtke

Und was bleibt von 2017?
Schmidt:
Das Memorandum von Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff, aber auch die Podiumsdebatte Anfang Oktober mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und der Ostbeauftragten der Bundesregierung Iris Gleicke zeigen den Weg. Wir müssen uns fragen: Wie geht es weiter mit unserer Kirche nach 2017? Wie können wir bei den Menschen sein und was können wir leisten angesichts sinkender Mitarbeiterzahlen? Wir sind durch die Verhältnisse bei uns im Kirchenkreis zu diesen Fragen gezwungen. Sie führen uns aber zurück zu Luthers Prämissen. Wir dürfen uns trotz aller Jubiläen nicht mit Events verzetteln. Feste sind schön und gut, aber sie binden Kraft und Geld. Feste können andere besser ausrichten als wir. Wir müssen uns um den geistlichen Alltag kümmern, um das Leben in den Gemeinden, wir müssen ansprechbare Seelsorger sein. Gerade nach der Bundestagswahl. Die Ratlosigkeit angesichts der AfD-Wahlergebnisse ist groß. Da müssen wir miteinander ins Gespräch kommen.

Wie ist denn die Stimmung in der Torgauer Gemeinde?
Schmidt:
Es hat uns gut getan, dass in diesem Jahr so viele Menschen zu uns gekommen sind und mit uns Gottesdienst gefeiert haben. Ob es im Inneren etwas bewegt hat, das vermag ich nicht zu sagen. Von einem geistlichen Aufbruch zu reden, wäre wohl zu viel. Deutlich spüren die Menschen aber die Diskrepanz zwischen dem Jubiläum und den Stellenkürzungen vor Ort. Viele machen sich große Sorgen, wie es weitergeht.

Wie kann es denn weitergehen? Welche Ideen gibt es?
Schmidt:
Wir haben in der Region zwei Kolleginnen im Entsendungsdienst, die neue Wege beschreiten. Das ist sehr befruchtend, auch für mich selbst. Ich denke, künftig werden die Hauptamtlichen in einer Region enger zusammenarbeiten. Wir werden Teams bilden. Dennoch wird das bei einigen Gemeindegliedern das diffuse Gefühl verstärken, dass sich die Kirche aus der Fläche zurückzieht und der Pfarrer, die Pfarrerin nicht mehr zu sehen ist. Was soll ich sagen? Sicher ist nicht in jeder Kirche an jedem Sonntag Gottesdienst, aber bestimmt in der Nähe. Frau Gleicke mahnte bei unserem Diskussionsabend, dass es eine Bring- und Holschuld gebe. Kirche von morgen erfordert Mobilität von allen Seiten. Ich bin trotz aller Herausforderungen frohen Mutes und denke oft an Altbischof Noacks Worte: Wir (Hauptamtliche) müssen die Kirche nicht retten, das macht der liebe Gott schon selbst.

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Wertvolle Leihgabe für Eisenacher Lutherhaus

20. November 2017 von redaktionguh  
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Foto: Jensen Zlotowicz

Foto: Jensen Zlotowicz

Das Lutherhaus in Eisenach freut sich über ein neues seltenes Exponat. Thomas Wurzel (li.) von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen übergab dem Museum eine anti-lutherische Streitschrift von Thomas Murner aus dem Jahr 1520 als Dauerleihgabe. »Von Doctor Martin Luthers lere[n] vnd predigen Das sie argwenig seint, vn[d] nit gentzlich glaubwirdig zuhalten« sei eine wertvolle Ergänzung der reformationsgeschichtlichen Sammlung des Lutherhauses, erklärte Museumsdirektor Jochen Birkenmeier (Mitte). Thomas Murner (1475–1537) gehört zu Luthers prominentesten katholischen Kritikern.

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Kirchenparlament auf dem Weg

20. November 2017 von redaktionguh  
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Nach dem Reformationsjahr und vor der Herbstsynode: Dieter Lomberg, Präses der Landes­synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), stellt sich den Fragen von Willi Wild.

Thema: Reformationsjahr


Wie haben Sie das Reformationsjahr erlebt?
Lomberg:
Es war ein Jahr mit vielen Veranstaltungen, die alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr stark gefordert haben. Alle haben ihr Bestes gegeben. Kirche ist im Gespräch gewesen.

Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Lomberg:
Die Kirchen haben viel Aufmerksamkeit bekommen und damit auch der Glaube an Gott. Das ist sehr wichtig und darf bei aller Kritik nicht untergehen. Es wurden sicherlich mit Gottes Angebot mehr Menschen erreicht, als bei Veranstaltungen gezählt wurden. Da wirkt bestimmt noch einiges nach.

Schade war, dass die Kirchentage auf dem Weg nicht das verdiente Echo gefunden haben. Aber dazu ist schon viel gesagt und geschrieben worden; weiteres will ich mir ersparen. Es wird daraus gelernt werden. Bewerten muss das jeder für sich selbst und nicht für andere! Ich bin mir sehr sicher, dass es trotz aller Enttäuschungen über die Teilnehmerzahlen wichtige Impulse für die Regionen gegeben hat. Mal sehen, was später daraus wird.

Tonangebend: Präses Dieter Lomberg bei der Frühjahrstagung der Landessynode der EKM. Foto: Willi Wild

Tonangebend: Präses Dieter Lomberg bei der Frühjahrstagung der Landessynode der EKM. Foto: Willi Wild

Wie wurde das Reformationsjubiläum in Ihrem Kirchenkreis und Ihrer Kirchengemeinde begangen?
Lomberg:
Ich möchte meinen Kirchenkreis gar nicht herausheben. Ich weiß, dass es in allen Kirchenkreisen sehr viele sehr gute Veranstaltungen gab. Die Berichte dazu im Landeskirchenrat haben mich beeindruckt.

Es ist überraschend, wieviel Kreativität und Ideenreichtum, Gottes Wort zu den Menschen zu bringen, wir in der gesamten EKM haben. Mich freut dieses breite Spektrum des Engagements, gerade auch der Ehrenamtlichen. Da kann ich nur vielen, vielen Dank sagen.

Es gab in der unmittelbaren Nähe meines Kirchenkreises den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg, in den wir als Gemeinden des Kirchenkreises eingebunden waren. Neben anderen Veranstaltungen gab und gibt es auch im nächsten Jahr noch die 12 Pilgerwege zu den Stätten, wo Luther nicht war. Ein Highlight, das Menschen einander nähergebracht hat.

Wie groß war dort das Interesse an Luther und der Reformation?
Lomberg:
Es gab wie überall ein unterschiedliches Interesse.

Wie haben Sie die Kirchentage auf dem Weg erlebt?
Lomberg:
Ich konnte leider aus beruflichen Gründen nicht an so vielen Veranstaltungen teilnehmen, wie ich gerne gewollt hätte. Aber das, was ich in Wittenberg, wo ich wegen der Proben zum Abschlussgottesdienst schon ab Freitagabend war, persönlich erlebt habe, fand ich sehr beeindruckend. Für alle anderen Veranstaltungsorte gilt das auch, ich habe davon viel Gutes gehört.

Thema: Ökumene


Im Reformationsjahr wurde von den Bischöfen die Ökumene sehr stark betont. Sehen Sie sichtbare Fortschritte?
Lomberg:
Ich denke, es ist zu früh, da jetzt und sofort etwas zu erwarten.

500 Jahre Trennung und Differenzen können nicht sofort nach dem 31. Oktober 2017 aufgehoben und geklärt werden. Aber ich sehe viele weitgehende kleine und größere Fortschritte.

So haben wir einen sehr guten Austausch und eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Bistümern Erfurt und Magdeburg. Ich nehme schon lange wahr, dass das nicht zuletzt aufgrund der auf beiden Seiten handelnden Personen sehr gut funktioniert. Es ist ein offener Dialog, in dem angesprochen wird, wo der Schuh drückt. Dadurch hat auch das Reformationsgedenken seine ökumenische Wendung genommen.

Dafür ist den katholischen Brüdern und Schwestern sehr zu danken und den Verantwortlichen in der EKM und der EKD, die dies so gut aufgenommen und umgesetzt haben.

Thema: Herbstsynode

Welchen Raum wird eine Auswertung des Reformationsjahres auf der Herbssynode in Erfurt einnehmen?
Lomberg:
Wir werden die Diskussion erst in der Frühjahrssynode führen. Da ist dann mehr – auch emotionaler – Abstand vorhanden und wir wollen uns mit dem Thema Gemeinde beschäftigen. Dann gibt es unter dem Punkt »Die Reformation geht weiter« auch einen Rückblick auf 2017 und die gesamte Dekade. Das ist wichtig, um von diesem rückblickenden Ausgangspunkt die Zukunft gut diskutieren zu können.

Welche Schwerpunkte gibt es bei dieser Synodentagung?
Lomberg:
Thematischer Schwerpunkt wird unter dem Synodenmotto »Evangelisch – Ein Kreuz für die Welt« das Thema »Evangelium kommunizieren in einer mehrheitlich konfessionslosen Gesellschaft« sein. Dabei haben die hier aufgewachsenen Brüder und Schwestern einen großen Erfahrungsschatz, den wir heben wollen. Nur so können wir uns an alte Ideen erinnern und neue entwickeln, wie wir Wege zu den Menschen gefunden haben und wiederfinden können.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien sein – diesmal zu Fragen der Schulseelsorge, den Modellregionen »Gemeindearbeit mit Familienperspektive« und die Zukunft der Kindergottesdienstarbeit.

Traditionell ist die Herbstsynode auch eine der Finanzen; es wird um den neuen Haushalt und die damit verbundenen Beschlüsse gehen, sowie um die Abnahme der Jahresrechnung 2016.

Thema: Ehe für alle

Die Evangelische Jugend wollte die »Ehe für alle« thematisieren. Was ist daraus geworden?
Lomberg:
Die Landessynode hat beschlossen, dass anhaltender Gesprächsbedarf besteht. Die derzeitige kirchliche Praxis soll bestehen und sich entwickeln. Sie hat festgestellt, dass die für die Trauung von Mann und Frau und für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vorgesehenen liturgischen Ordnungen im Grunde gleich sind.

Die Landessynode entschied über den Antrag der Jugendsynodalen zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Der Landeskirchenrat wurde aber von ihr gebeten, ein geeignetes Format zu finden, in dem dieses Gespräch in absehbarer Zeit weitergeführt werden kann.

Genauso wird verfahren. Das Thema ist damit »nicht vom Tisch«, sondern es wird mit der gebotenen Sorgfalt diskutiert. Es muss ein Beschluss gefunden werden, der die Gemeinden nicht zerreißt. Dafür braucht es etwas Zeit – auch, wenn dies dem jugendlichen Tatendrang nicht folgt.

Hier etwas zu befeuern, nur um jetzt einen Beschluss zu bekommen, den die Mitglieder der Gemeinden nicht mittragen können, hilft nicht. Wir werden sicherlich immer verschiedene Meinungen dazu haben, aber wir müssen dahinkommen, dass der Beschluss von allen mitgetragen werden kann, auch wenn sie ihm aus welchen Gründen auch immer nicht zustimmen können.

Wir haben bei der damaligen Beschlussfassung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine sehr gute Diskussion gehabt und ein hohes Einvernehmen. Das wünsche ich mir auch hier, und dass wir jeden in der Diskussion mitnehmen.

Thema: Jugendsynode

Die Einbeziehung der Jugend ist Ihnen wichtig. Wie weit sind die Überlegungen einer gemeinsamen Synodentagung mit der Evangelischen Jugend – einer »Jugendsynode« – gediehen?
Lomberg:
Dazu kann ich nichts sagen, weil es dazu auf Beschluss der Synode eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Synode, des Landesjugendkonventes, des Bundes Evangelischer Jugend in Mitteldeutschland und des (Landes-)Kinder- und Jugendpfarramtes gibt. Diese Arbeitsgruppe wird den Beschluss der Landessynode abarbeiten, die für die Vorbereitung der Jugendsynode unter anderem die folgenden beiden Impulse gegeben und beschlossen hat:

1. Auf der Jugendsynode werden mit Blick auf Gegenwart und Zukunft der Kirche relevante Fragen aus der Perspektive junger Menschen miteinander beraten;

2. Die Jugendsynode soll neben den Synodalen der Landessynode unter Beteiligung von bis zu 80 jungen Menschen im Sinne des Kinder- und Jugendgesetzes (KiJuG) stattfinden. Sie sollen in der Regel das 27. Lebensjahr nicht überschritten haben.

Hier liegen auch die Schwierigkeiten, die zu lösen sind: Es soll eine breite Partizipation junger Menschen ermöglicht werden. Aber leider gibt es Kirchenkreise, die keine Vertreter in den Landesjugendkonvent entsenden, etwa weil sie keinen Kreisjugendkonvent haben. Dort gibt es zwar Informationen über Entwicklungen im Bereich politischer und kirchlicher Jugendarbeit sowie eine jugendpolitische Vertretung im Landkreis, aber die kirchenkreisliche und landeskirchliche jugendpolitische Arbeit und Vertretung nehmen Jugendliche offenbar nicht wahr.

Das ist schade, wenn dies durch Kirchenkreismitarbeiter wahrgenommen werden soll oder durch die Synodalen in der Landessynode. Zu den Jugendsynodalen dürfte es kaum bis keine Kontakte geben. Da ist es für mich schwer vorstellbar, dass diese Jugendlichen wirkungsvoll mit ihren Anliegen vertreten werden. Zumindest wird ihnen ein Stück gelebter Kirchendemokratie, Partizipation und Mitbestimmung vorenthalten.

Vorschläge der zu bearbeitenden Themen können sowohl durch die Antragsberechtigten an die Landessynode als auch aus der kirchlichen Arbeit mit Jugendlichen erfolgen. Bei der Themenfindung ist ein wichtiges Kriterium, dass es sich möglichst nicht um ein »reines Jugendthema« handeln soll, sondern um eines, das die Synodalen und die Jugenddelegierten gemeinsam etwas angeht, nur in unterschiedlichen und sich überschneidenden Facetten.

Die Synode erhält spätestens zur Frühjahrstagung 2018 einen Sachstandsbericht.

Thema: Zukunft

»Reformation geht weiter« steht auf einem Banner der EKM. Was bleibt und was wird weitergehen?
Lomberg:
So viel prophetische Gabe habe ich nicht. Es werden die begonnenen Prozesse in den Gemeinden weitergehen (»Wie wollen wir heute und in Zukunft Gemeinde sein?«, »Wie können wir das schaffen?«, »Welche nichtfinanzielle Hilfe brauchen wir?« …).

Ich hoffe, die Reformationsdekade hat noch mehr Ideen gebracht. Wir werden uns weiter reformieren müssen, was dazu führt, dass wir – bildlich gesprochen – Türen (nicht die Kirchen- und Gemeindetüren!) schließen und neue aufmachen werden. Wir sind und bleiben hoffentlich weiter eine Landeskirche, die in Bewegung ist, die aber auch dort fest steht, wo es nötig ist. In allem gegründet auf Gottes Zusagen an uns als Gemeindeglieder, als Gemeinde und als Kirche.

Ein wichtiges Reformationsziel ist es vielleicht, dass wir innerkirchlich wahrhaftiger werden, tatsächlich eine Kirche des Friedens vor allem nach innen werden. Dass wir offener und ehrlicher miteinander umgehen, als wir es bis jetzt tun. Ich bin als Kirche wenig glaubwürdig, wenn ich von anderen gelebten Frieden fordere, es aber in unserem Umgang mit Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinden, Gremien und der Kirche nicht so mache, wie ich es von anderen verlange.

Bis das bei uns gelebte Praxis ist, ist es wohl noch ein steiniger Weg. Ich wünsche mir, dass der Wille, diesen Weg zu gehen, ernsthaft besteht.

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Erlebnis für Auge und Hand

14. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Neue Paramente für Erfurts Augustinerklosterkirche entstanden an der Burg Giebichenstein

Die neuen Paramente auf dem Altar und der Kanzel der Augustinerklosterkirche in Erfurt strahlen mit den Farben der prächtigen Fenster um die Wette. Sie leuchten rot, in verschiedenen Schattierungen, die man aus der Ferne als Faltenwurf wahrnimmt. Tritt man näher und berührt den Stoff, dann kann man Vieles ertasten: erhabene feste Stoffe, weiche Wolle, straffe Webfäden. Ein Erlebnis für die Wahrnehmung mit Auge und Hand.

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Leuchtend: Der rote Altarbehang für die Augustinerklosterkirche steht für Kraft, Glauben und Bekenntnis. Die Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Cornelia Buchheim, Margarita Wenzel und Inka Schottdorf (v. l.) haben ihn geschaffen. Foto: Diana Steinbauer

Zum Reformationstag wurden die ersten neuen Paramente an die Augustinerkirche in Erfurt übergeben. Studentinnen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle haben sie gemeinsam mit Professor Ulrich Reimkasten gestaltet. »Nachdem 2014 die restaurierten mittelalterlichen Fenster in der Kirche eingebaut wurden, entstand die Idee eines neuen Schmuckes des Altares und damit der Wunsch nach neuen Paramenten«, erklärt Augustinerpfarrerin Irene Mildenberger.

Die Idee, gemeinsam mit der Burg Giebichenstein zu arbeiten, wurde geboren und vom Freundeskreis des Augustinerklosters unterstützt – ideell und finanziell.

Die beiden roten Paramente tragen den Titel »Anfang« und schmückten beim Gottesdienst am 31. Oktober zum ersten Mal die Kirche.

»Wir wollten mit den Paramenten Kraft ausdrücken. Die Kraft der eigenen Überzeugung«, erklärt Margarita Wenzel. Sie und ihre Mitstreiterinnen haben sich lange und intensiv mit der Geschichte des Ortes und der Bedeutung liturgischer Farben auseinandergesetzt. »Rot, das ist der Glaube, der Heilige Geist, das Bekenntnis. Wir wollten der Haltung und dem Stadtpunkt Martin Luthers und dem gesprochenen Wort damit Ausdruck verleihen«, ergänzt Kommilitonin Inka Schottdorf.

70 Prozent der Garne färbten die Studenten selbst

Dazu beschäftigten sich die Studenten mit Klanggrafiken und ließen sich von diesen inspirieren. Solche Klanggrafik wurde interpretiert und malerisch so lang weiter ausgeformt, bis sich schließlich eine ganz eigene Bildsprache fand. Vom malerischen Entwurf wurde das Bild in der Technik der Jacquardweberei umgesetzt.

Eine extreme Farbenkraft sollte die Textilien prägen. Dafür haben die Studentinnen im Laufe der Arbeit fast 70 Prozent der Garne, die sie benutzten, selbst gefärbt. Alpaca-Mohair-Wolle oder Viskose-Seide sind nur ein Teil all der verschiedenen Garne, die hier zum Einsatz kamen. Flauschig, fest, hoch und tief, zeichnen sie sich als zusammengewobenes Textil ab.

Professor Ulrich Reimkasten spricht von einer großen Ehre, ein solches Projekt umsetzen zu dürfen. »Zur Ehre kam aber auch Angst, etwas zu schaffen, was der Kraft und Qualität des Ortes und der Fenster in der Kirche nicht entspricht«, erläutert er. Er hat die Hoffnung, dass mit den neuen Paramenten der religiöse Charakter des Ortes bei den vielen Besuchern, die das Augustiner­kloster vorrangig aus touristischem Interesse besuchen, noch stärkeren Eindruck macht. »Über die ästhetische Begeisterung soll die Begeisterung für die religiöse Bedeutung des Ortes geweckt werden«, so Reimkasten. Er sieht die Paramente als Antwort auf die Bildgewaltigkeit und Farbigkeit der Fenster der Augustinerkirche.

Kunsthochschule entwirft weitere Altarbehänge

Pünktlich zum Reformationsjubiläum haben die neuen rotfarbenen Paramente den Anfang gemacht und schmücken nun den Altar der Klosterkirche. Im Laufe des Kirchenjahres werden drei weitere Paramente in den Farben Weiß, Grün und Violett dazu kommen. Die Entwürfe existieren bereits.

Diana Steinbauer

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