»Verfolgung« gestrichen

26. März 2018 von redaktionguh  
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Jahresbericht zur »Aufarbeitung« vorgelegt

Der mittlerweile dritte Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) »Aufarbeitung« der rot-rot-grünen Thüringer Landesregierung ist in Erfurt vorgelegt worden. Bei der Vorstellung hat Kultur-Staatssekretärin Babette Winter (SPD) vor übertriebenen Hoffnungen bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte gewarnt. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur und ihren Folgen führe nicht dazu, dass die Köpfe vermeintlicher Täter »auf dem Silbertablett« präsentiert würden, sagte sie.

Die seriöse Beschäftigung mit dem Thema »sei kein Sprint, sondern ein Lauf über eine längere Strecke«. Als einen ersten Erfolg sieht Winter, dass der Themenbereich »Christen in der DDR« nach der Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Kirchen »aktiv angegangen« worden sei. Die Arbeitsgemeinschaft gab sich den Namen »Christen, Kirchen und andere christliche Religionsgemeinschaften im DDR-Unrechtsstaat – Diskriminierung von Christen in der DDR und ihre Wirkungsgeschichte« (AG Christen). Ihr gehören Kirchenvertreter und Wissenschaftler an.

Mit Blick auf die historische Dimension des Begriffs »Christenverfolgung« habe die AG davon Abstand genommen, im Zusammenhang mit den Erfahrungen in der DDR allgemein von »verfolgten Christen« zu sprechen, heißt es weiter in dem Bericht.

Für missverständlich hält der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich, die Formulierung. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung gegenüber Betroffenen erklären möchte, dass der Begriff »Verfolgung« nicht zu ihrem Schicksal passe, so Dietrich gegenüber der Kirchenzeitung.

Man solle vielmehr die Perspektive wechseln, schlug Dietrich vor: »Wenn die Exekutive ein Urteil fällt, dann sollte es die Rechtsverhältnisse in der DDR betreffen«. Die verfassungsmäßig zugesagte Glaubens- und Gewissensfreiheit habe es in der SED-Herrschaft nie gegeben. Opfer dieser Politik seien letztlich alle Bürger gewesen. »Ihres Glaubens wegen verfolgt wurden Einzelne, zeitweise allerdings in großer Zahl«, so Dietrich weiter.

Anders als bei seinen beiden Vorläufern, soll das Papier bei seiner dritten Auflage auch im Plenum von den Abgeordneten diskutiert werden.

(epd/G+H)


Nur individuelle Lösungen

Kolloquium: Wie Wasserschäden an Kirchen vermieden werden können

Zwei Mal in kurzer Zeit wurden Kirchengebäude direkt oder indirekt von Hochwasser geschädigt. Für die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war es der Grund, 2015 ein Forschungsprojekt zu initiieren. Mit welchen Strategien lassen sich Gebäudeschäden vermeiden, lautete die Frage. Zudem wurden verschiedene Formen von Vertikalsperren aus den vergangenen 15 Jahren auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Partner bei dem dreijährigen Forschungsprojekt waren das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt (IDK) sowie das Institut für Geowissenschaften und Geographie im Fachgebiet Hydro- und Umweltgeologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Das Fazit der Fachleute: Die eine Lösung für alle von Hochwasser und steigendem Grundwasser betroffenen Kirchen gibt es nicht. Lösungen müssen immer individuell gefunden werden.

In der Regel, so die Architektin Susanne Bähre vom Baureferat der EKM, seien Kirchen im Mittelalter an hochwassersicheren Standorten erbaut worden. Doch es gebe auch Ausnahmen sowie Schäden durch den späteren Anstieg des Grundwassers. Sie stellte beim Abschlusskolloquium in Halle die Kirchen vor, die für das Forschungsprojekt ausgewählt worden waren.

Da ist die um 1280 erbaute Backsteinkirche im altmärkischen Räbel an der Elbe. In ihr stand nicht nur das Hochwasser. Weil die Apsis zum Teil vom Jahrhunderte später errichteten Elbdeich umschlossen ist, kam es zu Schimmelbefall und Holzfäulnis.
Die romanische Kirche in Sydow im Elbe-Havel-Winkel liegt zwar weit weg von Flüssen, aber steigendes Grundwasser schädigt sie. Die 1207 erbaute Kirche in Gottesgnaden bei Calbe wurde vom Saale-Hochwasser überflutet, die 1717 erbaute Kirche in Gruna in Nordsachsen vom Elbe-Hochwasser.

Die Kirche in Ostrau bei Halle, die in der Elsteraue liegt, erlitt Schäden durch schwankendes Grundwasser. Und die romanische Neumarktkirche in Merseburg hat ein Problem, weil sich ihr Fußbodenniveau fast in Höhe des Saale-Pegels befindet.

Professor Wolfgang Gossel (MLU)stellte die Methoden vor, mit denen Kirchen vor Wasserschäden bewahrt werden können. In Ostrau etwa wären Pumpen eine Lösung, um Schäden durch Grundwasseranstieg bei Hochwasser zu vermeiden. In Gruna könnte der Einbau einer kapillarbrechenden Schicht helfen (eine Schicht aus grobem Kies unter der Gründungssohle der Kirche, um den Aufstieg von Grundwasser ins Mauerwerk zu verhindern).

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Hochwasser an der Hochstraße in Halle im Juni 2013, hinten die Kirche St. Georgen. Damals wurden historische Hoch- wasserstände verzeichnet. Die Saale hatte am Pegel Trotha die Marke von acht Metern überschritten, der höchste Wert seit mehreren hundert Jahren. Foto: epd-bild

Die Kirche in Sydow bekam Probleme mit dem Wasser nach dem Elbe-Deichbruch 2013 bei Fischbeck. Diese hingen mit der unzureichenden Pflege des alten Grabensystems zusammen, so der Fachmann. Um die Kirche und die Häuser des Dorfes trocken zu halten, müssten die Gräben instand gehalten werden.

Gossel betonte, dass alle Maßnahmen wie Brunnen, kapillarbrechende Schichten, Vertikalsperren im Mauerwerk oder die Pflege von Gräben immer auf das Gebäude zugeschnitten sein müssten. Bei Hochwasser müssten Notstromaggregat und Pumpen schnell einzubauen sein. Auch deren regelmäßige Wartung sei erforderlich.

Matthias Zötzl (IDK) zeigte am Beispiel von Putzmusterflächen in der Merseburger Neumarktkirche deren unterschiedliche Wirksamkeit auf. Auch zu Mörtelsorten oder zum Einbau von Vertikalsperren könne er keine generelle Empfehlung geben. Vor Baubeginn müsse immer genau erforscht werden, woher das Wasser im Gemäuer komme. Und die Frage, ob Mauerwerk total abgedichtet werden müsse oder ob es »atmen« dürfe, sei unter Baufachleuten umstritten.

In der Diskussion kamen die »Handreichung für den Katastrophenfall – insbesondere Hochwasser« und der »Objektbezogene Maßnahmeplan bei Hochwasser« der EKM zur Sprache. Erfahrungen aus dem Jahr 2013 hätten gezeigt, dass im Ernstfall jeder mit sich selber beschäftigt sei, hieß es da. Umso wichtiger sei es, vorab genau zu planen und die Verantwortlichkeiten festzulegen, betonte Susanne Bähre.

Angela Stoye

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Auf Wiedersehen!

15. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst …« So haben sie es im Gottesdienst am 3. Advent 1968 im Dom zu Magdeburg gesungen.

Noch eine weitere Strophe und dann verklingen die letzten Töne. Bischof Werner Krusche betritt die Kanzel. Die Geschichte von Johannes dem Täufer legt er aus: »An der Gestalt und der Predigt Johannes des Täufers, des prophetischen Zeugen an der Grenze zu der alten und der neuen Zeit, wird eines mit unerhörter Klarheit deutlich: Einer, den Gott beschlagnahmt hat zu seinem prophetischen Prediger, ruft den Leuten nicht etwas hinterher, sondern er ruft ihnen etwas von vorne zu. Wem dieses Wort gegeben ist, der steht nicht im Dienste des Vergangenen, sondern im Dienste des Kommenden, der läuft seiner Zeit nicht hinterher, sondern der ist ihr mit dem ihm aufgetragenen Worte vorweg und ruft ihr zu, welche Stunde es geschlagen hat.«

Wie mag dies in den Ohren der 15 jungen Menschen geklungen haben, die in diesem Gottesdienst im Jahr 1968 ordiniert werden sollten? Was für eine völlig andere Erwartung an ihren Dienst formulierte Werner Krusche hier – verglichen mit dem, was im staatlichen Bereich das Bild von kirchlichen Menschen war! Der Gemeinde etwas von vorne zurufen. Wissen, dass die Geschichte, die wir erleben, auf ein Ziel zuläuft, welches wir als Menschen auch mit dem wissenschaftlichsten aller Modelle nicht beeinflussen können.

»Der Evangelist Lukas zählt mit größter Exaktheit die Namen derer auf, die damals die politische Macht ausübten. Das ist doch wohl nicht nur aus chronologischen Interessen geschehen. Damit will der Evangelist doch sagen: Als diese Männer Geschichte machten, da hat Gott mitten in der politischen Geschichte seine Geschichte angefangen, so dass in der Tat die Weltgeschichte seitdem Geschichte nach Christus ist. Nein: nicht nach Christus, sondern mit Christus; denn der, dessen Kommen Johannes ankündigte, ist ja nicht – wie die Machthaber – gekommen, um wieder zu gehen, sondern er ist gekommen, um wieder zu kommen.
Titel-Artikel-50-2017Die Weltgeschichte schreitet auf eine Zukunft zu, in der endgültig herauskommt, dass in Jesus Gottes Liebe unterwegs gewesen ist in dieser Welt und dass der das Leben gewonnen hat, der sich von Jesus hat lieben und von ihm zur Weitergabe der Liebe hat bewegen lassen.«

Hier spricht der bischöfliche Prediger seine ganze Gemeinde an. Er nimmt die Bewegung der Predigt des Täufers am Jordan auf. So wenig die einzelnen Menschen dieses große Geschehen Gottes beeinflussen können, so sehr sind sie darin eingebunden. In der Geschichte mit Christus zu leben heißt, diesen in das eigene Leben wirken zu lassen. Von Früchten der Buße sprechen an jenem Sonntag in Magdeburg der Täufer Johannes und der Bischof Werner Krusche: »Wenn Jesus kommt, ist es mit ein bisschen Religion nicht getan. Religiöse Handlungen, die isoliert wären von unseren politischen Handlungen, ein Christentum, das nur in der Kirche und zu Hause, nicht aber in der Schule und im Betrieb praktiziert würde, zählte vor dem kommenden Christus absolut nichts. Er sucht Lebensäußerungen, die sichtbar machen, dass in diesem Leben etwas radikal und total neu geworden ist durch ihn.«

Das radikal Neue leben, in einer Welt, die auch heute, im Advent 2017, noch unter der Last des Alten leidet. Das leben, was wir hoffen: Dass alles Leid, alle Ungerechtigkeit einmal ein Ende haben. Gott hat seine Geschichte mit seinen Menschen nicht abgeschlossen: Er führt sie zum Ziel. So werden wir es auch an diesem dritten Adventssonntag wieder singen: »Ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.« (EG 10,3)

Katja Albrecht

Die Autorin ist Pfarrerin in Merseburg. Sie referierte bei der Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Bischof Krusche über die politische Dimension seines Wirkens.


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Farbe, Duft und Licht

12. Juni 2017 von redaktionguh  
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Wie Blumen den Kirchenraum verändern, erfahren Ehrenamtliche in Merseburg

Kirchen riechen oft etwas muffig. Sie werden staunen, wie sich das verändert, wenn wir Blumen und Grün in das Gotteshaus bringen.« So begrüßt Floristin Bianca Uebe rund 20 ehrenamtliche Helferinnen aus dem Kirchenkreis Merseburg. Allesamt schmücken sie zum Teil bereits seit Jahrzehnten die Kirche in ihrem Heimatort.

Zum Beispiel die 61-jährige Ursula Knappe aus Steigra. »Ich habe einen eigenen großen Garten. Da wird jede Woche ein Strauß gepflückt, um ihn frisch auf den Altar zu stellen«, schildert sie. »Ich mache das gern. Die Kirche wirkt durch die Farbenpracht der Blumen freundlicher und feierlicher.« Eingeladen zur Floristikfortbildung hat der Kirchenkreis Merseburg. »Uns ist es wichtig, dass sich Ehrenamtliche in Fortbildungen austauschen können, Neues mit auf den Weg bekommen und voneinander lernen – und das bestenfalls an andere weitergeben. Gute Fortbildungen verstehe ich als eine Möglichkeit der Wertschätzung für die teilweise jahrelange treue ehrenamtliche Arbeit«, sagt Lydia Schubert, Kreisfachreferentin für die Arbeit mit Ehrenamtlichen. Bereits im Frühjahr widmeten sich die Hobbyfloristen dem Blumenschmuck, damals zum Thema Ostern und Taufe. Diesmal lautet das Thema »Sommer und Hochzeit«.

»Wir schmücken die Kirche für das Ja, das die Menschen zueinander sagen. Und wir schmücken die Kirche für das Ja, das Gott zu uns Menschen sagt«, beginnt Schubert die Floristik-Fortbildung mit einer Andacht. »Die Gemeinschaft mit Gott feiern wir jeden Sonntag. Und zu solch einem Fest gehören Blumen.«

Nach der Andacht schickt Bianca Uebe, die einen Blumenladen in Merseburg betreibt, die Helfer zunächst ins Grüne, um ausreichend Blattwerk heranzuschaffen. Für Blumen hatte die 40-Jährige selbst gesorgt. Ihre Liebe zur Kirche und zur Natur ist der werdenden Mutter anzumerken. Sie lacht. »Ja, ich bin selbst sehr gläubig. Ich genieße die Stille in der Kirche. Und wenn dann durch Blumen etwas Farbe, Duft und Licht hinzukommen, geht es mir gut.« Mit dem Altarschmuck, so findet sie, gebe man der Gemeinde einen Gruß und Dank zurück. »Leider werden es immer weniger, die unsere Kirchen ehrenamtlich schmücken. Und die, die es machen, werden immer älter.«

Mit vollen Körben kommen die Frauen in die kleine Altenburger Kirche St. Viti in Merseburg zurück. Nun werden die Ranken von Wein, Efeu und Clematis sowie die unterschiedlichen Blätter und Gräser sortiert. Dann geht es ans Werk, soll doch Altarschmuck, ein Bodengesteck und eine Ranke um das Eingangsportal entstehen. Es gilt, das Gestühl für das Brautpaar, die Kirchenbänke und die Festtafel zu dekorieren.

Da wird gewunden, geflochten, gesteckt – und auch gestöhnt. Denn das Schmücken mit Geschmack ist kein leichtes Ding. Wie windet man den Buchs um die gepolsterten Stühle und warum fliegt der Bankschmuck immer wieder nach unten? Schließlich dürfen die kleinen Hochzeitskränze nicht mit Reißzwecken ans Holz gepinnt werden. Bianca Uebe hilft ganz ohne Pinnnadeln und verrät so manchen Kniff, wie Zweige, Blüten und Blätter am rechten Fleck bleiben und noch imposanter wirken.

Nach drei Stunden angestrengter Arbeit in fröhlicher Frauenrunde ist es geschafft. Das Gotteshaus strahlt in sommerlicher Frische. Die Tür kann aufgehen für das Hochzeitspaar. Mit wenigen Mitteln, wie dem Grün aus der Natur, etwas Bindeband und Draht, ist ein imposanter Schmuck entstanden. Zeit, um an der festlich geschmückten Tafel Platz zu nehmen und gemeinsam zu speisen.

Im November lädt der Kirchenkreis wieder zur Fortbildung ein. Dann geht es winterlich zu. Das Thema heißt Advent und Weihnachten. Leuchtet die St. Viti jetzt im Frühsommer hellgrün und weiß, wird sie dann in Burgund und Dunkelgrün erstrahlen.

Petra Wozny

Berufsziel erreicht

1. Mai 2017 von redaktionguh  
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Nachwuchs: 29 frisch ordinierte Pfarrerinnen und Pfarrer

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) werden in diesem Jahr insgesamt 29 Theologen, 19 Frauen und 10 Männer, zu Pfarrern und Gemeindepädagogen ordiniert. Damit übertrage ihnen die EKM das Recht, öffentlich in Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen das Evangelium zu verkündigen und die Sakramente – Taufe und Abendmahl – zu spenden, teilte die mitteldeutsche Kirche mit. Diese Beauftragung gelte auf Lebenszeit.

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

Propst Christian Stawenow (links) segnet Ann-Sophie Schäfer. Ordination ist die Einsegnung in den Dienst der Kirche. Zentrales Zeichen ist dabei die Handauflegung. Foto: Hannah Katinka Beck

In Eisenach wurden zur Pfarrerin oder zum Pfarrer ordiniert: Anne Boel­ter (Kirchenkreis Schleiz), Johannes Burkhardt (KK Erfurt), Kathrin Hollax (KK Haldensleben-Wolmirstedt), Hanna Jäger (KK Torgau-Delitzsch), Inga Mergner (KK Eisleben-Sömmerda), Conrad Neubert (KK Arnstadt-Ilmenau), Christina Petri (KK Gotha), Jürgen Reifarth (KK Erfurt), Ann-Sophie Schäfer (KK Torgau-Delitzsch), Jennifer Scherf (KK Merseburg) und Stefanie Schwalbe (KK Schleiz). Conrad Krannich erhält als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität in Halle einen Predigtauftrag in der Reformierten Domgemeinde. In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Oberin Annegret Bachmann (KK Eisenach-Gers­tungen), Dr. Gabriel Gatzsche (KK Arnstadt-Ilmenau), Ernest Goldhahn (KK Waltershausen-Ohrdruf), Anita Meinig (KK Arnstadt-Ilmenau) und Mirko Weisser (KK Altenburger Land).

Am Sonntag werden in Wittenberg zur Pfarrerin beziehungsweise zum Pfarrer ordiniert: Susanne Entschel (Sondervikariat in Melbourne/Australien), Constanze Greiner (KK Henneberger Land), Martina Grigutsch (KK Egeln), Ina Lambert (KK Haldensleben-Wolmirstedt) und Torben Linke (KK Bad Liebenwerda). In ihren Dienst als Ordinierte Gemeindepädagogin wird ordiniert Rebekka Prozell (KK Elbe-Fläming). In den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst werden ordiniert Angela Göbke (KK Magdeburg), Ga­briele Grothe (KK Elbe-Fläming), Birgit Kamprath (KK Altenburger Land), Michaela Möbius (KK Stendal) und Reiner Sporer (KK Halberstadt). Ramón Seliger, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erhält mit seiner Ordination einen Predigtauftrag in Weimar.

Die Ernennung und Einsegnung erfolgte in Eisenach durch Landesbischöfin Ilse Junkermann und den Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, Christian Stawenow. In Wittenberg wird neben der Landesbischöfin der Regionalbischof des Propstsprengels Stendal-Magdeburg, Christoph Hackbeil, mitwirken.

(G+H/epd)

Glauben ist anders: Ohne Vertrauen geht nichts

25. Februar 2017 von redaktionguh  
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Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Lukas 18, Vers 31

Auf gehts, lasst uns gehen – ob die Jünger gewusst haben, was da alles auf sie zukommt? Wenn sie die Erzählungen der Propheten kannten, hatten sie sicher eine Ahnung von dem, was in Jerusalem passieren würde. Natürlich: Aus heutiger Sicht sind wir schlauer; aber die Jünger konnten es damals gewiss nicht begreifen und verstehen. Wie auch.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Denn ihr Jesus war schon immer ganz anders. Sein Leben eröffnete ihnen neue Welten. Er wendete sich denen zu, die keiner sehen wollte. Sie hörten ihm zu und folgten ihm. Alles an ihm war anders. Und dennoch, oder vielleicht genau deswegen, hatte er diese ganz bestimmte Anziehungskraft. Möglicherweise war es das, was sie spürten: Von diesem Mann geht mehr aus, als sie je begreifen konnten.

Auf gehts, lasst uns gehen – was würdest du tun, würde dir das heute jemand sagen? Vermutlich würde ich erst einmal wissen wollen, wo es hingehen soll. Ich möchte mich doch absichern. Nichts ist anstrengender, als einen Weg zweimal zu gehen. Dann möchte ich wissen, was es für einen Sinn hat, das Ganze.

Einfach etwas zu tun, ohne zu wissen, wofür und weshalb, ist das nicht Zeitverschwendung? Also, ohne Erklärungen und genauen Plan kommt in meinem Leben vieles nicht so schnell in Gang. Mein Leben habe ich gern selbst in der Hand.

Mein Glaube ist da ganz anders. Mit ihm gehe ich Wege, die ich vorher noch nicht kannte. Ich begebe mich auf ungewöhnliche, manchmal auch schwierige Pfade, mit einer tiefen inneren Gewissheit, dass genau das jetzt das Richtige ist. Das fühlt sich gut an und tut gut. Vielleicht ist es dieses Gefühl, das mich an meinem Glauben festhalten lässt, egal wann und wo, egal wie hoch der Berg oder wie tief das Wasser ist. Ich kann ihn nicht erklären, aber er bewegt etwas in mir und um mich, das ich nicht in der Hand habe und das gut so ist!

Dafür laufe ich gern los.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin, Merseburg

Schweres Gepäck einfach mal abstellen

18. Februar 2017 von redaktionguh  
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Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.

Hebräer 3, Vers 15

Für gewöhnlich sind Herzen rot. Leuchtende, pulsierende Herzen. Sie zieren die Notizblöcke verliebter Teenager oder schmücken dieser Tage die Schaufenster der Blumengeschäfte zum Valentinstag. In meiner Vorstellung sind Herzen meist rot, und medizinisch betrachtet trägt das Organ ebenso eine rote Farbe. Doch wie sehen sie wirklich aus, unsere Herzen, und was treibt sie um?

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin Merseburg

Manch einer hat ein gutes Gespür dafür, was sein eigenes Herz im übertragenen Sinne so beschäftigt. Es gibt sie, diese Herzensmenschen, die mit Liebe und Leidenschaft durch ihr buntes Leben streifen und sich und anderen Freude bereiten. Das kommt der Vorstellung der rot-pulsierenden Herzen am nächsten.

Doch ich wage zu behaupten, es gibt auch andere Herzen. Die, die kaum beweglich sind. Herzen, die ihre Vergangenheit als Narben mit sich tragen. Herzen, die hart geworden sind, weil Erinnerungen sie erstarrt haben. Menschen mit solchen Herzen gibt es. Oft verschließen sie sich all dem, was das Herz im Innersten angehen könnte. Nur verständlich, denn viel zu schmerzhaft sind die Narben.

Es gibt sie, die Menschen mit starren Herzen. Manchmal kann ich ihre Lebensweise verstehen, und doch drängt es mich oft, sie wachzurütteln. Ich wünschte, ich könnte sie trösten, ihnen etwas Angemessenes sagen. Ich wünschte, sie würden wach werden. Ich wünschte, sie würden hören, damit sich ihre Erstarrung löst. Damit sie das Leben, was vor ihnen liegt, wahrnehmen können, ohne Wenn und Aber. Einmal unbeschwert nach vorn schauen können, ohne Last.

Sicher, es gibt immer ein Aber, und was morgen kommt, das liegt nun mal viel zu oft eben nicht in unseren Händen oder Worten. Und ja, viele Erinnerungen tragen wir als schweres Gepäck mit uns. Doch wie wäre es, den Rucksack einmal abzustellen? Vielleicht nicht gleich für den ganzen Weg, vielleicht erstmal nur für ein paar Schritte. Erst einen, dann zwei. Wer weiß, was wir dann sehen – wenn wir nach vorn schauen.

Kathrin Hollax, Hochschulseelsorgerin, Merseburg

Freiheitsgeschichte(n) im Doppelpack

9. Januar 2017 von redaktionguh  
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Viele der Reformationsorte 2017 stehen auch für die friedliche Revolution 1989/90, beleuchtet die ehemalige thüringische Ministerpräsidentin in einem Beitrag für die Kirchenzeitung.

Die 500. Wiederkehr des Thesenanschlags von Martin Luther an die Schlosskirche von Wittenberg ist ein Weltereignis. Daran zweifelt zum Auftakt dieses Jubiläumsjahres 2017 niemand. Dennoch stellt sich die Frage, was dieses epochale Ereignis aus dem Jahr 1517 den heutigen Bewohnern der einstigen reformatorischen Kernlandschaften in Ost- und Mitteldeutschland bedeutet.

Der Grad der Entkirchlichung ganzer Landstriche zwischen Wittenberg, Eisleben, Torgau, Erfurt, Eisenach oder Schmalkalden, um nur einige der wichtigsten Orte der Reformationsgeschichte zu nennen, wiegt schwer. Dabei ist der Grad der Entkirchlichung dieser Gebiete mit einer bisweilen gar unter zehn Prozent tendierenden Kirchenzugehörigkeit der Bevölkerung nicht nur Folge der vergangenen sechs Jahrzehnte Diktaturerfahrung, sondern auch Ergebnis von »Freiheitsgeschichte« der vergangenen 25 Jahre nach 1990. Hier fanden die Verlockungen der neuen Konsumgesellschaft im historischen Materialismus der einstigen DDR-Ideologen durchaus fruchtbaren Boden.

Dieser dramatischen Entkirchlichungsgeschichte steht allerdings ein bemerkenswerter Befund über die offensichtliche Langlebigkeit historischer Prägungen entgegen. Das gilt auch dann, wenn gegenwärtigen Zeitgenossen die eigene Geschichte allenfalls rudimentär im Gedächtnis geblieben sein mag. Nimmt man beispielsweise eine Landkarte mit den Orten der friedlichen Revolution auf dem Gebiet der DDR des Jahres 1989 zur Hand, wird man feststellen, dass neben den im In- und Ausland bekannten Zentren der Revolution mit Berlin, Leipzig und Dresden viele Orte angegeben sind, in denen es ebenfalls offene Demonstrationen gegen Maßnahmen der erstarrten DDR-Staatsführung bereits im Zeitraum vom 13. August bis zum 31. Oktober 1989 gegeben hat; einem Zeitraum, in dem der friedliche Verlauf der Revolution alles andere als ausgemacht galt.

Es sind vor allem Städte und Gemeinden, die sich im Süden der ehemaligen DDR zu einem fast flächendeckenden Revolutionsgebiet bereits vor dem Fall der Mauer vom 9. November 1989 verdichteten. Vergleicht man diese Karte mit einer Landkarte der Ausbreitung der Reformation nach Luthers Thesenanschlag von 1517, hat man einen nahezu identischen Befund. So sind auf dieser Revolutionskarte von 1989 neben den bekannten Lutherstädten wie Wittenberg, Eisleben, Erfurt, Eisenach, Torgau, Schmalkalden, Halle, Jena oder Altenburg auch das thüringische Eisfeld, Hildburghausen, Arnstadt, Gotha, Nordhausen, Schleiz, Greiz und Lobenstein, Eisenberg, Camburg, Neustadt/Orla, Mühlhausen, Tambach-Dietharz, Waltershausen und weitere Städte und Gemeinden ausgewiesen.

Gleiches trifft auf heutige sachsen-anhaltische und sächsische Orte wie Halberstadt, Magdeburg, Calbe, Stendal, Arendsee, Dessau, Zerbst, Köthen, Weißenfels, Merseburg und Naumburg, Plauen, Oelsnitz oder Meißen zu.

Diese Orte haben ihre aus den kirchlichen Friedensgebeten hervorgegangene Revolutionsgeschichte 1989 und sind zugleich Orte, in denen die reformatorische Lehre, mancherorts freilich auch mit Rückschlägen, frühzeitig angenommen wurde.

Die Namen von Luthers Mitstreitern in diesen hier nur exemplarisch aufgeführten Gemeinden sind Legion. Sie reichen von Georg Spalatin in Altenburg über Justus Jonas, der in Leipzig, Halle, Naumburg, Zerbst, aber auch in Eisfeld und Südthüringen wirkte, über Friedrich Myconius in Gotha und Georg Rauth, der von Plauen aus wichtige Orte des Vogt- und Reußenlandes zur Reformation führte. Nicht weniger spannend ist der vorerst erfolglose Volksaufstand von 1524/25 gegen die Obrigkeit in Calbe.

Zu nennen sind der Luther-Vertraute und Dichter Paul Rebhuhn in Oelsnitz, der Jenaer Superintendent Anton Musa, der erster evangelischer Pfarrer in Mittweida wurde, Johann Spangenberg als Reformator Nordhausens oder Nikolaus von Amsdorf als erster evangelischer Bischof von Naumburg. Auf diesen Spuren lohnt es sich im Reformationsjahr 2017 einer doppelten Freiheitsgeschichte nachzugehen: der von 1517 und der von 1989/90.

Christine Lieberknecht

Die Autorin war von 2009 bis 2014 Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen.
Bis 1990 war sie als Pastorin tätig, seit 1991 ist sie durchgehend Abgeordnete der CDU im Thüringer Landtag.

Tausend Lichter im Dom

9. Februar 2015 von redaktionguh  
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Festgottesdienst läutete Jubiläumsjahr für Merseburg und Leipzig ein

Schüler der evangelischen Grundschule und des Domgymnasiums von Merseburg sowie Studenten der Fachhochschule hatten zu Lichtmess viel zu tun: Im Merseburger Dom entzündeten sie rund 1 000 Kerzen. So setzten sie das ehrwürdige Gebäude ins rechte Licht für einen ganz besonderen Gottesdienst. Die Vereinigten Domstifter und das Evangelische Kirchspiel Merseburg hatten am 2. Februar dazu eingeladen, schließlich gibt es einen würdigen Anlass: Geschrieben wird 1 000 Jahre Kaiserdom zu Merseburg ebenso wie 1 000 Jahre der Ersterwähnung der Stadt Leipzig.

Domherr Hans-Hubert Werner entzündete während des Lichtmess-Gottesdienstes am Montag die Altarkerzen im Merseburger Dom. Foto: Petra Wozny

Domherr Hans-Hubert Werner entzündete während des Lichtmess-Gottesdienstes am Montag die Altarkerzen im Merseburger Dom. Foto: Petra Wozny

Die Stadt Leipzig wurde erstmals am 20. Dezember 1015 in der Chronik des Merseburger Bischofs Thietmar (975 bis 1018) als »urbs Libzi« erwähnt. Zudem legte Thietmar, der zu den bedeutendsten Chronisten des ottonischen Zeitalters gehört, am 18. Mai 1015 eigenhändig den Grundstein des Merseburger Domes in Form eines Kreuzes. Bereits zu Zeiten Heinrichs II., römisch-deutscher Kaiser von 1014 bis 1024, wurde Lichtmess im Beisein des Herrschers in Merseburg festlich begangen.

Am Gottesdienst wirkten mit der Regionalbischof des Sprengels Halle-Wittenberg, Propst Johann Schneider, Domkapitular Bernhard Scholz vom Bistum Magdeburg, Dechant Curt Becker von den Vereinigten Domstiftern und Pfarrerin Dorothea Arndt, stellvertretende Superintendentin des Kirchenbezirks Leipzig. Zudem füllten Vertreter aller Religionsgemeinschaften, der Politik und Wirtschaft sowie Bürger der Region den Dom. Michael Schönheit, der Merseburger Domorganist und zugleich Leipzigs Gewandhaus­organist, ließ dafür die Ladegastorgel klingen. Propst Schneider fand in seiner Predigt mahnende Worte. In der Region fielen ihm Gottvergessenheit ebenso auf wie eine Entsolidarisierung. Die anstehenden Jubiläen seien aus seiner Sicht ein guter Anlass, dass die Menschen sich auf Gott besinnen und sich des Teilens wieder stärker bewusst werden. Tausend Jahre Geschichte wurde dann noch einmal lebendig, als die Domherren an bedeutende Stifter, Bischöfe, Superintendenten, aber auch an Kirchmusiker erinnerten. Für jedes Jahrhundert wurde zusätzlich eine Kerze entzündet.

Der Leipziger Bürgermeister Torsten Bonew (CDU) erinnerte daran, dass die sächsische Metropole einst unter Merseburgs Kirchenrecht stand. Die gemeinsamen Jubiläen rückten nun Mitteldeutschland zusammen. Die zahlreichen Höhepunkte aus Anlass des Jubiläums seien ein guter Grund, sich gegenseitig zu besuchen. Bonew lud besonders zur Nacht der offenen Gotteshäuser am 3. Juni im Zuge einer Festwoche vom 30. Mai bis 7. Juni in Leipzig ein. Domprediger Martin Eberle nahm dies gern an und hieß den Bürgermeister seinerseits in Merseburg mit den Worten willkommen: »Dies ist auch ihr Dom«, was den Gästen ein Lächeln entlockte.

Petra Wozny (mit epd)

Vorschau: Vom 10. August bis 9. November öffnet die Sonderausstellung »1 000 Jahre Kaiserdom Merseburg«.

www.vereinigtedomstifter.de

www.leipzig2015.de

Grandioses Konzert

28. Oktober 2014 von redaktionguh  
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Die Stadt Merseburg mit ihren großen Kirchen Dom und Stadtkirche bildet ein kirchenmusikalisches Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung und mit besonderen
Aufgaben und Schwerpunkten. Bedeutende Orgeln, mehrere Chöre, die Konzertreihen in Dom und Stadtkirche, besondere Gottesdienste sowie die Einbindung der Kirchenmusik in das kulturelle Angebot der Stadt zeugen von dem hohen Stellenwert der Kirchenmusik.

Foto: www.kirchenmusik-merseburg.de

Foto: www.kirchenmusik-merseburg.de

So eröffnete die Domkantorei Merseburg am 13. September gemeinsam mit der Staatskapelle Halle unter der Leitung von Stefan Mücksch die 44. Merseburger Orgeltage mit einem großen Konzert: Stabat mater von Antonin Dvorak für Soli, Chor, Orgel und Orchester. Die Orgeltage ziehen jährlich viele Musikinteressierte aus der Region, aber auch dem In- und Ausland an.

Das nächste Mal wird die Domkantorei in einem musikalischen Gottesdienst zum Adventsbeginn, am 30. November im Dom zu hören sein (10 Uhr). Am 21. Dezember führt sie zusammen mit dem Kammerorchester Halle und Gesangssolisten in der Merseburger Stadtkirche das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf (17 Uhr).

Resignation oder Aufbruch

21. April 2014 von redaktionguh  
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Die Situation von Landgemeinden war Thema in Halle

Wer im ländlichen Raum lebt, kennt die Probleme: kaum Einkaufsmöglichkeiten, wenige Ärzte, Schulen oder Kindergärten, rare Arbeitsmöglichkeiten. Und Abwanderung. Vor allem Letzteres trifft mit noch größerer Härte auch die Kirchengemeinden. Im Vergleich zur allgemeinen Abwanderung ist der Verlust an Kirchenmitgliedern höher, die Kirchen schrumpfen dreimal schneller als die Dörfer und Städte in Mitteldeutschland.

Die Teilnehmer setzten sich mit der Gegenwart und Zukunft von Kirche auf dem Lande auseinander. Foto: Stefan Körner

Die Teilnehmer setzten sich mit der Gegenwart und Zukunft von Kirche auf dem Lande auseinander. Foto: Stefan Körner

Wie mit der Situation umzugehen sei, war Thema eines Fachtages Gemeindeentwicklung am 11. April in Halle. Mit großer Resonanz. Rund 90 Pfarrerinnen und Pfarrer diskutierten über Perspektiven kirchlichen Handelns im ländlichen Raum. Dass die Situation oft nicht zu Euphorie einlädt, wurde durch den Demografie-Experten Manuel Slupina vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung unterstrichen. In so manchen Regionen sei durch Wegzug, Ausdünnung von Infrastruktur und Überalterung eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt worden, die kaum mehr aufzuhalten ist. Doch auch angesichts demografischer Hiobsbotschaften gebe es Lichtblicke. Manche Dörfer wachsen gegen den Trend, und vor allem das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen, setze oft Innovationskräfte und Engagement frei. Wo solche Kräfte walten, sei ein Dorf noch nicht am Ende.

Eine Lösung für alle könne es darum nicht geben, so Thomas Schlegel, Kirchenrat im Dezernat Gemeinde der EKM und zweiter Referent des Fachtages. In den vergangen Jahren seien die Strukturen immer nur angepasst, aber nie hinterfragt worden. »Das System beginnt zu reißen. Vielfach können Pfarrer auch das Grundprogramm der Gemeindearbeit nicht mehr bedienen«, meint Schlegel. Das heißt: Die bestehenden kirchlichen Strukturen gehören dringend reformiert, da sie mitunter innovative Gemeindekonzepte nicht nur im ländlichen Raum eher behindern als fördern. Darum will die Kirchenleitung nach Auskunft von Thomas Schlegel noch im laufenden Jahr Erprobungsräume schaffen, in denen Pfarrerinnen und Pfarrer alternative Gemeindemodelle erproben könnten. Über kurz oder lang werden sich, so Schlegel, im gesamten Bereich der EKM die Strukturen ändern müssen: »Die Impulse, die von einem Fachtag wie diesem ausgehen, können nur bedingt in den bestehenden Strukturen umgesetzt werden.« Dazu aber seien Menschen nötig, die solche Änderungen auch wollen.

Daran scheint es zumindest zum Fachtag in Halle nicht zu mangeln, wenn mitunter auch skeptische Stimmen zu hören sind. »Es ist mir nicht klar, wie die Kirche solche Projekte finanziell und personell stemmen will«, meint Anna Mittermayer, Vikarin in Krina (Kirchenkreis Wittenberg). Aus ihrer Sicht werde hier in viel zu großen Schritten gedacht: »Solche Modelle stehen immer in der Gefahr, nach dem Auslaufen der Projektmittel wieder einzuschlafen.«

Auch Dorothea Heizmann, Pfarrerin im Kirchenkreis Südharz, sieht strukturellen Handlungsbedarf: »Es gibt jetzt schon gute Ideen in Gemeinden, die aber oft an mangelnder Unterstützung oder den Strukturen scheitern.« Aber auch das Denken in den Gemeinden selbst wird als Problem erkannt. Christiane Kellner, Superintendentin in Merseburg, glaubt, dass manche Gemeindeglieder zu oft der Vergangenheit nachtrauern. »Ich habe das Gefühl, wir sind in einer Art Schockstarre, weil vieles nicht mehr so weitergeht wie bisher. Und so manche Engagierte ziehen sich zurück, wenn sie merken, dass sie nichts bewegen können, weil es Kräfte gibt, die zu sehr am Bestehenden hängen.« Gerade in einer solchen Situation sei es aber wichtig, quer zu denken und sich von alten Vorstellungen zu verabschieden. Veränderung beginne im Kopf, so Kellner.

Auf Seiten der Kirchenleitung scheint, das zeigt der Fachtag, ein Umdenken eingesetzt zu haben, ein Weiter-so ist nicht mehr möglich. Und das sei, so Christiane Kellner, ein sehr wichtiges Signal.

Stefan Körner

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