Auch die Jüngsten gehören dazu

23. September 2011 von redaktionguh  
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Projekt: Kirchenkreis Merseburg will das Abendmahl mit Kindern in den Gemeinden weiter fördern.


In einigen Gemeinden wird das Kinderabendmahl längst praktiziert, andere diskutieren noch oder lehnen es ab. Im nächsten Jahr soll eine Handreichung zum Thema erscheinen.

In rund einem Drittel der Gemeinden der mitteldeutschen Kirche wird das Abendmahl mit Kindern bereits praktiziert. (Foto: Maik Schuck)

In rund einem Drittel der Gemeinden der mitteldeutschen Kirche wird das Abendmahl mit Kindern bereits praktiziert. (Foto: Maik Schuck)

Kinder beim Abendmahl – geht das überhaupt? Die Antwort von Monika Groß, Referentin für die Arbeit mit Kindern und Familien im Kirchenkreis Merseburg, ist eindeutig: »Ja.« Deswegen unterstützt sie mit anderen Haupt- und Ehrenamtlichen die Initiative des Kirchenkreises, das Thema Abendmahl mit Kindern in die Gemeinden zu tragen.

Bereits Anfang der 1980er Jahre hatten ostdeutsche Landeskirchen beschlossen, dass es die Möglichkeit geben soll, Kinder am Abendmahl teilhaben zu lassen. Nach der Wende wurde das noch einmal in der Kirchenprovinz Sachen bekräftigt. Wie in anderen Landeskirchen auch wurde es den ­Gemeinden überlassen, diesen Beschluss umzusetzen. Und so blieb das Vorhaben bei einigen liegen.

In Merseburg flammte die Diskussion vor drei Jahren wieder auf. Damals beschäftigte sich der Konvent damit, und schnell wurde deutlich, dass viele Gemeinden bereits Kinder zum Abendmahl eingeladen hatten, diese Praxis bei einigen aber wieder eingeschlafen war. In anderen Orten hingegen blieben die Mädchen und Jungen weiter ausgeschlossen.

»Die Kinder verstehen nicht, was sie feiern«, meinen die Gegner des Abendmahls mit Kindern. Außerdem werde die Bedeutung der Konfirmation unterhöhlt, bei der junge Menschen in der Regel das erste Abendmahl in ihrer Gemeinde feiern.

Nach Ansicht des Hallenser Religionspädagogen Michael Domsgen spricht aus theologischer Sicht nichts dagegen. In der Bibel selbst findet sich zum Thema »Kinderabendmahl« zwar kein Beleg dafür.

Die Befürworter führen jedoch die Kindersegnung als Schlüsselstelle an. Kinder könnten viel mehr vom Abendmahl begreifen, wenn sie es als Teilnehmende erleben, so Domsgen. Die Erfahrung von gemeinsamen Abendmahlsfeiern zeigt zudem, dass die Feiern an Lebendigkeit gewinnen und daher auch deren Akzeptanz in der Gemeinde steigt.

Bunt gemischt sieht es nicht nur in Merseburg aus. Auch in der Landeskirche zeichnet sich dieses Bild ab, weiß Elisabeth Müller, Referentin für Ehrenamt und Kindergottesdienst im Gemeindedienst der mitteldeutschen Kirche. Ungefähr 35 Prozent der Gemeinden ermöglichen es Kindern aller Altersstufen, am Abendmahl teilzunehmen, weitere 30 Prozent sind zu diesem Thema intensiv im Gespräch.

Die Praxis ist dabei sehr unterschiedlich: Bei einigen werden bereits Kleinkinder dazu gebeten, in anderen Orten gibt es eine Art Altersbeschränkung oder die Kinder werden gesegnet. Weil die Landeskirche dem Thema offen gegenüber steht, möchte sie zu intensivem Nachdenken anregen.

Eine Arbeitsgruppe erstellt dazu eine Arbeitshilfe, die im kommenden Frühjahr den Kirchenkreisen zur Verfügung stehen soll. Auch in Anhalt wird das Thema intensiv diskutiert und eine Handreichung vorbereitet.

In Merseburg ist man schon ein Stück weiter. Bereits Anfang des Jahres beschloss der Kreiskirchenrat, die Gemeinden für das Thema gewinnen zu wollen. Auf der Frühjahrssynode wurde das Vorhaben vorgestellt und in Arbeitsgruppen erörtert.

Auch einen Faltblatt gibt es bereits. Dort ist nachzulesen, was in den Augen der Initiatoren für das Abendmahl mit Kindern spricht. So zum Beispiel, dass die Kinder als Getaufte zur Gemeinde gehören. Warum sie dann beim Abendmahl ausschließen? Immerhin mache Gott das Geschenk seiner Liebe nicht abhängig von Können oder Verstehen des Einzelnen, heißt es weiter.

Natürlich ist es mit dem Infoblatt nicht getan. »Wir sind jetzt an dem Punkt angelangt, an dem wir das Material in die Gemeinden geben, damit die Arbeit dort losgehen kann«, sagt Monika Groß. In der Herbstsynode sollen die Vertreter dann berichten, was bisher vor Ort gelaufen ist und auch, ob der jeweilige Gemeindekirchenrat sich für oder gegen das Kinderabendmahl ausgesprochen hat.

Im Sommer 2012 ist ein Kreiskirchentag mit Familiengottesdienst geplant. Dazu sind alle getauften Kinder eingeladen, um gemeinsam mit den anderen Abendmahl zu feiern.

Claudia Petasch

Kirche mit anderen

25. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mitteldeutsche Landessynode beriet in Bad Sulza über Zukunft der Gemeindearbeit

Im Fokus: Drei Tage lang ging es auf der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland im thüringischen Bad Sulza um Zukunftsfragen. Fotos: Maik Schuck

Im Fokus: Drei Tage lang ging es auf der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland im thüringischen Bad Sulza um Zukunftsfragen. Fotos: Maik Schuck

»Umkehr ist nötig zu einer Kirche, die bereit ist, sich verändern zu lassen, die bereit ist, aus einer geschlossenen oder geschlossen wirkenden Gemeinschaft herauszugehen.« Schon zum Auftakt stimmte Landesbischöfin Ilse Junkermann die 83 Synodalen bei der Frühjahrstagung vom 18. bis 20. März im thüringischen Bad Sulza auf das anstehende Schwerpunktthema ein. Einen Tag wollte sich das Kirchenparlament Zeit nehmen, um über das zentrale Thema »Gemeinde unterwegs« zu beraten.

Bereits in ihrem Bericht »Ein geselliger Gott freut sich an einer geselligen Kirche« warb die Bischöfin für mehr Offenheit in den Gemeinden. Heute müsse die »Kirche für andere« weiterentwickelt werden zu einer »Kirche mit anderen«. Kirche dürfe »kein Verein von untereinander Gleichgesinnten« sein, sagte sie. »Geselligkeit braucht Vielfalt und im besten Fall Freude am anderen, in jedem Fall Respekt vor dem Anderssein des Anderen.« Zudem sei es »ganz wichtig, dass wir auch so aus uns herausgehen, dass wir mit anderen feiern«. Der Sonntag mit seinen Gottesdiensten gebe eine Ahnung davon, dass Menschsein mehr ist als Arbeiten, Geld verdienen und sich sein Leben verdienen, stellte die Theologin in ihrem Bericht fest. Für die Kirche sei der Sonntag und sein Schutz deshalb unaufgebbar.

Zugleich verwies die Landesbischöfin darauf, dass die Gesellschaften nicht über ihre Grenzen hinaus leben dürften, wenn es eine gelingende Gemeinschaft zwischen den Menschen geben solle. Als Beispiel nannte sie den Klimawandel und den Schuldenberg. »Eine Ethik des Genug ist Voraussetzung für eine Qualität von Leben, die das Glück nicht darin verheißt, dass der Konsumgüterverbrauch endlos gesteigert werden kann.« Vielmehr gehe es um eine Qualität von oben, die von gelingender Gemeinschaft geprägt sei.

Aber nicht nur der Bischofsbericht thematisierte die aktuellen Herausforderungen. Auch im Beitrag der Bildungskammer zu den Perspektiven der Gemeindepädagogik drehte es sich letztlich um einen notwendigen Mentalitätswandel. Die Bildungsangebote in der EKM müssten sich künftig verstärkt an Benachteiligte wenden, erklärte der Hallenser Religionspädagoge Michael Domsgen. Bislang erreichten die Gemeinden vor allem Menschen der etablierten Mittelschicht. Nach christlichem Verständnis sollte es jedoch darum gehen, möglichst vielen Menschen den Zugang zu Bildung zu verschaffen und Benachteiligten durch Bildungsangebote neue Chancen zu eröffnen. Hier müsse die Gemeindepädagogik Angebote unterbreiten. Familienpatenschaften, Ehrenamtsbörsen sowie kulturelle Initiativen und Kirchbauvereine würden in diese Richtung weisen.

Einen Vorgeschmack auf solche Überlegungen gab schließlich die Weiterarbeit am Schwerpunktthema »Gemeinde unterwegs«. In einem Bericht waren die rund 200 Wortmeldungen der Herbstsynode zur Ausrichtung der Gemeindearbeit, zu den Themen Gottesdienst, Kinder- und Jugendarbeit, Kirchenmusik, Mission, Diakonie sowie zur haupt- und ehrenamtlichen Arbeit zusammengefasst worden. In Arbeitsgruppen diskutierten die Synodalen anschließend die anstehenden Aufgaben – vom Wahrnehmen der eigenen Gemeinderealität über die Vernetzung in der Region bis zur gabenorientierten Teamleitung.

Es sei gut gewesen, dass sich die Synode darauf eingelassen habe, lobte Präses Wolf von Marschall. Zugleich kündigte er eine Weiterarbeit am Thema an. So soll es im Jahr 2012 einen Gemeindekongress geben, um die Ergebnisse in die Gemeinden und Kirchenkreise zu tragen. »Ich glaube«, fügte der Präses hinzu, »wir sind auf einem guten Weg.«

Martin Hanusch

Die Berichte und Beschlüsse der Synode stehen im Internet unter: www.ekmd.de