Es lohnt sich, die Blickrichtung zu ändern
4. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21, Vers 28

Michael Kleim, Stadtjugendpfarrer in Gera
Vieles drückt uns nieder und lastet auf unserem Haupt.
Manche Menschen sind geradezu in dieser gebeugten Haltung gefangen. Ängste, Traumata oder Depressionen lähmen die eigene Wahrnehmung. Und nun diese Aufforderung, die unserem Schutzreflex entgegensteht: »Seht auf und erhebt eure Häupter!« Was wird uns da schon wieder zugemutet? Denn es bedarf des Mutes, mit erhobenem Blick in die Welt zu schauen.
Doch hinter diesem Satz steht in Wirklichkeit und zugleich eine Verheißung. Es gibt einen Grund, aufzublicken und aufrecht zu stehen, »weil sich eure Erlösung naht«.
Es ist die Botschaft der Adventszeit: Gott ist nahe! Und Gottes Nähe dringt durch alle, auch durch die sichersten Absperrungen hindurch.
Gottes Nähe durchdringt die Mauern um unsere Herzen, all die Mauern aus Enttäuschung, Verletzung, Angst, Depression oder Hass; all die Mauern aus Schuld und Versagen.
Gott lockt uns immer wieder heraus aus unserer Enge. Er zeigt uns Möglichkeiten, mit Verletzungen und Schwierigkeiten zu leben. Er führt uns in die offene Weite. Gott sagt: »Seht auf, erhebt eure Häupter, denn das Leben erwartet euch. Die Tür zum Leben steht offen.«
Gottes Licht scheint durch den wirren Nebel unserer Probleme hindurch. Wir dürfen es schauen.
Gott ist uns nahe. Deshalb lohnt es sich auch, die Blickrichtung zu ändern.
Michael Kleim
Ruhepunkt im Großstadtgetriebe
16. September 2011 von redaktionguh
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Als die NPD am 6. August unter dem Motto »Rock für Deutschland« rechts- radikale Gruppen in Gera auftreten ließ, versammelten sich die Protestierenden zum Friedensgebet in der Trinitatiskirche. (Foto: privat)
Die 400-jährige Trinitatiskirche Gera bietet mehr als nur einen Raum zur Besinnung.
»Eine Kirche, die Geschichte atmet!« Mit diesen Worten beschreibt Stadtjugendpfarrer Michael Kleim die vor 400 Jahren geweihte Trinitatiskirche in Gera, deren wechselvoller Geschichte anlässlich des Jubiläums eine Fotoausstellung gewidmet ist: »Trinitatis – Biografie einer Kirche«.
Zur Eröffnung der »Nacht der Kirchen« übergab ihm hier am 3. September Pastorin Petra Doering, die seit 2005 das Gemeindeleben des Sprengels prägte, den Staffelstab. Während sie neue Aufgaben in Gera-Untermhaus und in der Seniorenarbeit übernommen hat, betreut ihr Nachfolger die Trinitatisgemeinde neben seinen Verpflichtungen in Gera-Frankenthal und im Stadtjugendpfarramt.
Gegenüber den »Gera-Arkaden« am Verkehrsknotenpunkt Heinrichstraße gelegen, sei das Gotteshaus ein Ort, in dem die Besucher dem Alltagsstress entfliehen können, ist sich Michael Kleim sicher. Deshalb lade er gerne Schulklassen dazu ein, zunächst vor der Kirche den Lärm und die Hektik auf sich wirken zu lassen, um dann umso deutlicher die besondere Atmosphäre des Innenraumes zu spüren, »der von all diesen Reizen befreit ist«.
Die Stille eröffne die Möglichkeit, »zu beten, zu träumen, an Menschen zu denken, die einem wichtig sind«, erläutert er weiter. Dazu gehöre in guter ökumenischer Tradition auch das Aufstellen von Kerzen, die »mit der Kraft des Lichtes« die Hinwendung zu Gott sichtbar werden lassen.
Die einstmals außerhalb der Stadtgrenzen errichtete Friedhofskapelle überstand die großen Stadtbrände der vergangenen Jahrhunderte und ist damit das älteste vollständig erhalten gebliebene Gebäude der Innenstadt! Bei Restaurierungsarbeiten Ende der 1960er Jahre gelang es, ihre ursprüngliche Renaissancegestalt wieder herzustellen.
Wie durch ein Wunder hat die 1518 gegossene Glocke überlebt, die im 2. Weltkrieg eingeschmolzen werden sollte. Sie schlägt heute »inmitten pulsierenden Lebens«. Die Kirche ist von Dienstag bis Samstag jeweils von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Jeden Dienstag erklingt ab 17 Uhr Orgelmusik.
In Gera bilden die Christen eine bescheidene Minderheit. 55.000 Bewohnern der Innenstadt stehen 5.000 Gemeindeglieder gegenüber, von denen immerhin 1.500 zum Trinitatissprengel gehören. In den letzten Jahren ist es gelungen, das Gotteshaus als Ort der Jugend, der Friedensgebete und des interreligiösen Dialogs zu etablieren.
Michael Kleim freut sich, dass das 400-jährige Jubiläum auch in der nichtkirchlichen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, wovon die guten Besucherzahlen der Festwoche zeugen. »Nun stellt sich der Sprengel wieder den Aufgaben seines Alltages!«
Michael von Hintzenstern
Zuerst ist der Mensch Mensch
4. April 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Studientag in Halle beschäftigte sich mit dem Dialog von Christen und Muslimen.
Wie steht es um den Dialog von Menschen mit christlichem und muslimischem Glauben? Welche Erfahrungen gibt es? Und wie geht man mit Vorurteilen um? Mit diesen Fragen beschäftigte sich ein Studientag unter dem Motto »Verstehen und verantworten«, zu dem das Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum der mitteldeutschen Kirche (EKM) in die Franckeschen Stiftungen nach Halle eingeladen hatte.
»Ich habe mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern in Halle gute Erfahrungen gemacht. Das soll ansteckend wirken«, erläuterte Hanna Manser vom Ökumenezentrum, die den Studientag für Gemeindevertreter und interessierte Multiplikatoren ins Leben gerufen hatte. Ihr ging es darum, etwas gegen das Fremdheitsempfinden gegenüber Menschen zu tun, die auch an Gott, den Schöpfer, glauben.
Deshalb war der Grundtenor der Veranstaltung, dass wir weg von den exotischen Betrachtungen des anderen kommen müssen. Die Grundlagen dazu umriss Hamideh Mohagheghi, Lehrbeauftragte für Islamische Theologie in Paderborn, in ihrem zentralen Referat zum Thema: »Was verbindet die abrahamitischen Religionen aus muslimischer Sicht?« Sie lieferte viele Impulse für die anschließenden Diskussionen.
Im Folgenden ging es dann in verschiedenen Arbeitsgruppen um Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs. Betrachtet wurden die Bereiche Islam und Christentum in der Schule, in der Seelsorge beziehungsweise in der Verantwortung unserer Gesellschaft sowie beim Pilgern. Der interreligiöse Dialog war auch Gegenstand eines abschließenden Podiumsgesprächs mit Martin Affolderbach aus Hannover, promovierter Theologe und Referent für Islam bei der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Anja Amelal, eine Deutsche mit muslimischem Glauben, Mutter von fünf Kindern und Studentin der Erziehungswissenschaften, machte deutlich: »Wichtig ist, dass man sich als Mensch begegnet und seine Augen öffnet für den anderen.«
Pfarrer Michael Kleim aus Gera hat viele Erfahrungen mit interreligiösen Gesprächen. Nicht nur Christen und Muslime suchten dasGespräch, sondern auch Atheisten mit ihrer Weltsicht und ihren Fragen. »Sie kommen, weil sie an dem Thema interessiert sind oder an der Auseinandersetzung damit«, berichtete er. Dabei fiel ihm auf: »Auch Vertreter einer Glaubensrichtung haben zu einem Thema oft ganz unterschiedliche Meinungen.«
Der interreligiöse Dialog hängt immer eng mit interkulturellen Fragen zusammen. In diesem Zusammenhang ging es auch vor dem Hintergrund der aktuellen Mediendiskussionen darum, ob der Islam zu Deutschland gehöre. Bilder über den Islam, beispielsweise das Bild des Kopftuchs oder das des Rollenverhältnisses von Mann und Frau, sind oft so stark in den Köpfen der Menschen verankert, dass sie schwer auszumerzen sind. Populisten nutzten diese Vorurteile, und das erschwere den Bau von Brücken, war man sich auf dem Podium einig.
»Das Problem sind vor allem jene, bei denen das Resonanz findet«, brachte es Kleim auf den Punkt. Bei aller erstrebenswerter Diskussion über Religion sei es vor allem wichtig, Menschen als Menschen wahrzunehmen und nicht unbedingt als Vertreter einer Religion.
Claudia Crodel
Aufstehen gegen Rechts-Rock
20. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Nach dem Friedensgebet in der Trinitatiskirche zu Gera ziehen die Christen zur Geraer Heinrichsbrücke. Foto: Uwe Müller
Zum Friedensgebet am 10. Juli war die Trinitatiskirche in Gera überfüllt
Trotz brütender Hitze beteiligten sich viele Bürgerinnen und Bürger am 10. Juli in Gera an den friedlichen Protesten gegen die NPD-Propagandaveranstaltung »Rock für Deutschland«. Ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit setzten die Kirchen mit einem ökumenischen Friedensgebet. Die Kirche St. Trinitatis, nur etwa 400 Meter vom Veranstaltungsort der Neonazis entfernt, war bereits bis auf den letzten Platz besetzt, als die Glocken noch zum Friedensgebet riefen. 350 Menschen fanden sich in dem Gotteshaus ein, viele nahmen mit einem Stehplatz vorlieb oder setzten sich im Mittelgang auf den Fußboden. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD) und Bürgermeister Norbert Hein (CDU).
Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof im Propstsprengel Eisenach-Erfurt, erklärte: »Wir müssen erschrecken, wenn mit Musik zu Rassismus und Gewalt eingeladen wird. Aber wir dürfen uns nicht lähmen lassen.« Angesichts von 149 Opfern rechtsextremer Gewalt seit der Wiedervereinigung, davon die Hälfte in den sogenannten neuen Bundesländern, forderte er auf: Der Anstand gebiete es, dagegen den Aufstand anzusagen. Die Freiheit sei ein hohes Gut, »sie bedarf unserer Aufmerksamkeit und Pflege«. Es brauche Vorbilder, wie sie zum Beispiel die junge deutsche Fußballnationalmannschaft verkörpere – mit einem gemeinsamen Traum, einem gemeinsamen Weg und einem gemeinsamen Ziel.
»Rechtsrock ist keine musikalische Kunstrichtung. Es ist kriminelle Energie, gepaart mit Hass und Gewalt«, äußerte Stadtjugendpfarrer Michael Kleim.
Die Kirchen hatten sich in Gera in die vielfältigen Aktionen des Runden Tisches und von Bürgerbündnissen eingebracht. An 15 Veranstaltungsorten versammelten sich Bürger, um gegen das NPD-Konzert zu demonstrieren. Auf der Heinrichsbrücke, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, wurde der Straßenbahnverkehr mit einer Sitzblockade unterbrochen. Nur unter Geleitschutz der Polizei konnten die Rechtsextremen durch einen abgeriegelten Korridor auf der Brücke zu ihrem Veranstaltungsort gelangen. »Ihr habt den Krieg verlor’n«, skandierten Gegendemonstranten, als Teilnehmer zum NPD-Propagandafestival zur Spielwiese liefen.
Dass die Erben der »Kriegsverlierer« von 1945 zum achten Mal Gera auserkoren hatten, um ihre Ideologie wiederauferstehen zu lassen, wollten zahlreiche Menschen nicht hinnehmen. So viele wie noch nie demonstrierten gegen die rechte Veranstaltung. Die Kirche spricht von bis zu 2000 Teilnehmern an den verschiedenen Aktionen. Beim NPD-Fest hatten sich Polizeiangaben zufolge rund 1200 Personen aus Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen versammelt. Im Vorjahr hatte die NPD noch 4000 Leute mobilisieren können.
Uwe Müller







