Auf die Zukunft ausgerichtet
27. März 2011 von redaktionguh
Abgelegt unter Wort zur Woche
Comments Off
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Lukas 9, Vers 62
Jetzt mal Hand aufs Herz: Irgendwie passt dieser Spruch nicht so richtig in unsere Kirche. Hätte Jesus nichts anderes sagen können? So etwas wie: »Wer zurückschaut, analysiert Vergangenes, beachtet die gegenwärtige Situation und wertet Statistiken für die Zukunft aus, der ist genau richtig für das Reich Gottes.«
Dann hätten wir es heute viel einfacher in einer Kirche, wo derjenige, der seine Hand an die Kirchentür legt, 500 Jahre Baugeschichte vor der Nase hat. Wo der, der seine Hand ins Gesangbuch legt, mit großer Wahrscheinlichkeit den Musikgeschmack des 30-jährigen Krieges antrifft. Und wo der, der seine Hand an die Strukturen legt, alte Traditionen berührt.
Hätte er nicht etwas anderes sagen können, damit wir in Ruhe in Erinnerung schwelgen können, wie schön es mal war? Damit wir in aller Beharrlichkeit Besitzstände verteidigen können. Damit wir uns an längst überholten Fragestellungen abarbeiten können. Hätte er doch ein wenig umsichtiger formuliert. Aber nein, er musste es ja auf die Spitze treiben.Seine Kirche soll nach vorne schauen, ins anbrechende neue Zeitalter seiner Herrschaft. Seine Kirche soll die Zukunft im Auge haben, die eben keine Verlängerung der Vergangenheit ist. Seine Kirche soll eine Avantgarde-Kirche sein, aber nicht in medienwirksamen Diskussionen auf den Plüschsofas der Fernseh-Talkshows, in denen sowieso nur die üblichen Themen bearbeitet werden, eben keine Trendsetter-Kirche. Nein, seine Kirche ist Avantgarde-Kirche im eigentlichen Sinn. Denn die Avantgarde bezeichnet die Vorhut im Militär, die als erstes dort ist, wo alle anderen noch hin sollen.
Der Glaube an diesen Herrn ist auf Zukunft und Hoffnung ausgerichtet, auf seine Herrschaft, die im Leben dessen beginnt, der seine Hand an den Pflug legt. Daher: Gott sei Dank, dass er nichts anderes gesagt hat.
Michel Debus, Pfarrer in Triebes
Empfänglich für die gute Botschaft
25. November 2010 von redaktionguh
Abgelegt unter Titelseite

»Jauchzet, frohlocket …«: Mit dem Beginn der Adventszeit steht vielerorts in den Kirchen wieder das Weihnachtsoratorium auf dem Programm. (Foto: Viktoria Kühne)
Advent: Mit Konzerten, Lichterkirchen und Krippenspielen stimmen sich die Kirchengemeinden auf Weihnachten ein.
Die Adventszeit ist Anlass zur Vorfreude. In den Wochen vor dem Fest lassen sich auch Menschen von den Angeboten der Gemeinden ansprechen, die der Kirche sonst eher fernstehen.
Was wäre die Adventszeit ohne Kirchenmusik! Gerade die kirchenmusikalischen Angebote sprechen Menschen an, die der Kirche sonst fernbleiben. Das Blasen der Posaunenchöre auf Straßen und Märkten, die Kirchenkonzerte erfahren in der Weihnachtszeit großen Zuspruch. Ebenso die Krippenspiele und Lichterandachten. Dabei sind Kirchenkonzerte, Kerzen und der Stern mehr als festliche Ruhe- und Glanzpunkte in den ansonsten stressigen und dunklen Wochen vor dem Fest. Sie sind Mittel, die auf die biblische Weihnachtsbotschaft weisen.
Als solche träfen sie durchaus nicht ins Leere, meint Pfarrer Matthias Ansorg vom Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). »Symbole wie Lichterkirchen, Kerzen und der Stern sprechen Leute an, die sonst nicht zur Kirche kommen.« In der Adventszeit seien die Menschen offener und empfänglicher als sonst. Deshalb sollten Kirchengemeinden die Chance nutzen und auf Menschen zugehen. »Sie dürfen sich aber nicht darauf verlassen, dass die Menschen kommen, sondern müssen zu ihnen gehen«, rät Ansorg. »Und sei es ein Glühweinstand, wo man ins Gespräch kommt.«
Für einige Kirchengemeinden ist die Beteiligung an Weihnachtsmärkten, die eine große Anziehungskraft haben, solch ein Schritt vor die Kirchentür. In Triebes (Kirchenkreis Greiz) etwa veranstaltet die Kirchengemeinde am Sonnabend vor dem 3. Advent gemeinsam mit Vereinen und Anwohnern einen »Christkindelmarkt«. Die Erlöse kommen den nichtkirchlichen Kindergärten des Ortes zugute. Der Name sei eine Idee des Bürgermeisters, weil sich dieser Markt von dem »normalen« am 1. Advent stattfindenden abheben solle, so Pfarrer Michel Debus. Das schöne Ambiente vor der Kirche, die gemütliche Atmosphäre machten den Christkindelmarkt zu etwas Besonderem. Mit großer Außenwirkung. 1500 Leute aus der Umgebung besuchten ihn und von Jahr zu Jahr kämen mehr, sagt Debus. Am Abend werde dann noch zu einer Lichterandacht eingeladen. Ähnliche »Geheimtipps« seien die Märkte in Kiliansroda und Niedergrunstedt (Kirchenkreis Weimar), sagt Pfarrer Joachim Neubert.
Weniger auf missionarische Wirkung setzt die Domgemeinde in Magdeburg. Vielmehr möchte sie ihre Verbundenheit mit den kranken und alten Menschen zum Ausdruck bringen. Am 4. Advent wird zu einem Kurzgottesdienst eingeladen. »Eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Lippen, eine halbe Stunde Gottesdienst mit den Füßen«, so der Slogan von Domprediger Giselher Quast. Auf großen Tischen liegen 60 bis 80 Päckchen bereit. Gepackt werden sie am 2. Advent. Dann steht nach einem Familiengottesdienst Singen und Basteln auf dem Programm. Die selbstgestalteten Geschenke werden schön verpackt und dann am 4. Advent ausgetragen. An der seit etwa 30 Jahren stattfindenden Besuchsaktion beteiligten sich viele Familien, gern auch Außenstehende der Gemeinde, erzählt Quast.
In der Erfurter Michaeliskirche wird seit einigen Jahren ein Theaterstück aufgeführt: »Die gesamte Weihnachtsgeschichte gespielt von drei Personen«. Für die Weihnachtsbotschaft nach Lukas sei ein humorvoller Rahmen gefunden worden, der nicht nur kirchlich Angehauchte, sondern auch Nichtchristen anspreche, sagt Regisseur Harald Richter. »Das war eine Gratwanderung, denn das Stück sollte nicht in Klamauk ausarten.«
Sein Anliegen sei gewesen, die Weihnachtsbotschaft als gute, große, schöne Geschichte zu erzählen, so Richter. Die drei spielenden Personen des Stücks nennen sich »Verein zur Bewahrung und Erhaltung der rechten weihnachtlichen Stimmung e. V.«. Bei dem Versuch, ein Krippenspiel aufzuführen, komme es zu vielen Missverständnissen, beschreibt der Regisseur die humorvolle Rahmenhandlung. Nach der Resonanz in den Vorjahren zu urteilen, spreche das Theaterstück Jung und Alt an, Christen wie Kirchenferne.
Sabine Kuschel
Ist dieser Gott noch heilig?
20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Wort zur Woche
Comments Off
Erhebet den Herrn, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße, denn er ist heilig.
Psalm 99, Vers 5
Gott ist heilig! So heißt es am Ende dieses Psalmwortes. Das ist mir nicht neu! Ich singe es immer wieder beim Abendmahl. Natürlich redet die Bibel auch davon: Gott ist heilig. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Klar, denken Sie, natürlich ist er das. Aber mal Hand auf’s Hirn, was heißt das denn eigentlich?
Ich bin ehrlich zu Ihnen: Wenn ich wirklich durchbuchstabiere, was das heißt, wäre mir manchmal lieber, unser himmlischer Vater, der dreieinige Gott, dessen heilige Gegenwart wir zu Pfingsten feiern, wäre gar nicht so heilig, wie es die Bibel sagt.

Michel Debus, Pfarrer in Triebes
Ist dieser Gott dann noch heilig? Denn wenn er das ist, dann hat er ein Problem damit, wenn mir in meinem Leben anderes heilig wäre. Dann ist er unwillig, wenn mir nichts über meine Gesundheit geht. Dann ist er verärgert, wenn ich mich damit abfinde, dass Geld die Welt regiert. Dann ist er zornig, wenn mein Erfolg und mein bequemes Leben an erster Stelle stehen und es mir egal wäre, was mit seiner Schöpfung und seinen geliebten Kindern in der Welt passiert.
Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich mir gut überlegen, wie ich als Beter eigentlich lebe, ob ich mich so, wie ich bin, auch nur in die Nähe des Schemels seiner Füße wage. Wenn er wirklich heilig ist, dann muss ich knien vor ihm aus Demut und mein Leben in seinem Angesicht ändern. Wenn wir damit ernst machen, hat das Folgen.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir mehr über Gottes Liebe wissen, als über seine Heiligkeit. Zum Glück für uns ist er beides: liebevoll und heilig. Wir sollten aufpassen, das eine nicht mit dem anderen zu überdecken.
Michel Debus, Pfarrer in Triebes







