Neugierig auf Kirche und Glauben

11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Titelseite

Mission: Glaubenskurse sind auch in Mitteldeutschland im Kommen.

Christsein wird nicht mehr selbstverständlich in den Familien gelebt und über Generationen weitergegeben.
Die Entkirchlichung über Jahrzehnte hat das Ihre ­dazugetan. Glaubenskurse sind ein Angebot für Suchende und Interessierte – kirchennahe und kirchenferne Menschen.

Der Weg zum Glauben ist mit Zweifeln und Staunen gepflastert. Foto: epd-bild/Rainer Oettel

Der Weg zum Glauben ist mit Zweifeln und Staunen gepflastert. Foto: epd-bild/Rainer Oettel



Das hätte sie sich nie träumen lassen: Seit einigen Jahren ist Simone Schütze in der evangelischen Kirche engagiert, getauft und organisiert nun in Aschersleben den Alpha-Glaubenskurs mit. Durch eine Freundin war sie zuerst zum ­Kirchenchor gekommen, nahm am ersten Alpha-Kurs vor sechs Jahren teil und ist inzwischen mit anderen Ehrenamtlichen eine große Stütze für Pfarrer Georg Warnecke. Die 49-jährige Physiotherapeutin war in einem atheistischen Umfeld aufgewachsen und hatte keinen Kontakt zur Kirche. Es habe sich langsam entwickelt, sagt sie. Zuerst waren da viele Fragen, die mit dem Singen von Oratorien in der Kantorei auftauchten.

Dass eine christliche Sozialisation im Elternhaus nicht Voraussetzung für den Weg zum Glauben ist, hat eine Studie der Universität Greifswald bestätigt. Von 500 Befragten, die in den letzten 13 Jahren den Weg zur Kirche gefunden haben, waren 20 Prozent in nichtkirchlichen Familien aufgewachsen, von den ostdeutschen sogar rund die Hälfte. Mit 66 Prozent nehmen Glaubenskurse auf diesem Weg einen wichtigen Platz ein. »Nicht jeder Glaubenskurs passt überall. Alpha zum Beispiel funktioniert gut in ostdeutschen Stadtgemeinden«, findet der Aschersleber Pfarrer Georg Warnecke. »Man braucht einen langen Atem und viel Liebe für die Menschen.« Den Kurs hatte die Gemeinde durch die Partnergemeinde in Großbritannien kennengelernt. Alpha wie A – wie Anfangen.

Auf der Internetseite der Arbeits­gemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) finden Interessierte zahlreiche Kurse für Erwachsene und Jugendliche. Dass ein Bedarf besteht, zeigen Glaubenskurse in vielen Gemeinden der mitteldeutschen Kirche: In Jena hat im Februar das Seminar »Christ werden – Christ bleiben« mit einer Teilnehmerzahl von 30 Personen begonnen. In Lützensömmern bei Bad Tennstedt (Kirchenkreis Mühlhausen) trifft sich eine Gruppe zum Emmauskurs. Die Teilnehmer kommen am 4. März trotz Schneetreiben zum Rittergut: 18 Frauen und Männer, darunter drei Mädchen und ein Junge im Konfirmandenalter. Gemeindepädagogin Katrin Herwig richtet Obst und Gebäck auf einem Tisch. Stühle werden im Kreis aufgestellt. Manche fassen mit zu, andere plaudern.

Es ist der dritte Kurs im Kirchspiel. Es kommen Leute, die sich taufen lassen wollen oder die neugierig sind. »Wir machen auch Werbung im Gemeindekirchenrat – als Bildungsangebot«, sagt Pfarrerin Magdalena Wohlfarth. Eine der Kirchenältesten ist Margitta Bergmann. Die gelernte Chemikerin ist getauft und konfirmiert. »Man muss das Wissen von der Konfirmandenzeit auffrischen. Auf viele Fragen weiß man keine Antwort«, gesteht die 57-Jährige. Im Gemeinde­kirchenrat geht es vor allem um Verwaltung. Da fehle ihr die Glaubens­bildung. Sie schätzt die ganz andere Gemeinschaft bei »Emmaus«, die persönlichen Verbindungen. »Ich erlebe Trost und Zuspruch.« Jetzt würde sie auch mal zu Hause die Bibel in die Hand nehmen.

Auch beim Alpha-Kurs in Aschersleben ist die Gemeinschaft wichtig. Dort haben vor allem die Ehrenamt­lichen für die richtige Atmosphäre ­gesorgt. Der Kurs beginnt mit einem gemeinsamen Essen, Liedern. Die Teilnahme ist unverbindlich, was viele als angenehm empfinden. »Niemandem wird hinterhertelefoniert«, sagt Simone Schütze. Geduld, Fingerspitzengefühl und Authentizität sind wichtige Stichworte, die Georg Warnecke nennt. Inzwischen hat sich in Aschersleben ein Nachfolgeangebot entwickelt. »Kreuz und Quer« ist für Menschen, die weitermachen wollen.
Sowohl in Aschersleben als auch in Lützensömmern wurden die Angebote modifiziert. Andere Gemeinden »stricken« sich ihren Glaubenskurs selbst. Für Christine Reizig, Landespfarrerin für Gemeindeaufbau in Anhalt, sind die über die AMD angebotenen Kurse auf westdeutsche Verhältnisse zugeschnitten, wo in der Regel noch ein Minimum an Grundkenntnissen vorhanden sei. Deshalb gäbe es ihres Wissens zurzeit keine in Anhalt.

Die AMD hat genau aus diesem Grunde eine Befragung in ostdeutschen Kirchen durchgeführt und lädt am 15. März zu einem Workshop nach Leipzig ein, wo die Befragung ausgewertet und über ein Kursmodell für die neuen Bundesländer diskutiert werden soll.

Dietlind Steinhöfel