Kirche mit anderen
25. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Mitteldeutsche Landessynode beriet in Bad Sulza über Zukunft der Gemeindearbeit

Im Fokus: Drei Tage lang ging es auf der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland im thüringischen Bad Sulza um Zukunftsfragen. Fotos: Maik Schuck
»Umkehr ist nötig zu einer Kirche, die bereit ist, sich verändern zu lassen, die bereit ist, aus einer geschlossenen oder geschlossen wirkenden Gemeinschaft herauszugehen.« Schon zum Auftakt stimmte Landesbischöfin Ilse Junkermann die 83 Synodalen bei der Frühjahrstagung vom 18. bis 20. März im thüringischen Bad Sulza auf das anstehende Schwerpunktthema ein. Einen Tag wollte sich das Kirchenparlament Zeit nehmen, um über das zentrale Thema »Gemeinde unterwegs« zu beraten.
Bereits in ihrem Bericht »Ein geselliger Gott freut sich an einer geselligen Kirche« warb die Bischöfin für mehr Offenheit in den Gemeinden. Heute müsse die »Kirche für andere« weiterentwickelt werden zu einer »Kirche mit anderen«. Kirche dürfe »kein Verein von untereinander Gleichgesinnten« sein, sagte sie. »Geselligkeit braucht Vielfalt und im besten Fall Freude am anderen, in jedem Fall Respekt vor dem Anderssein des Anderen.« Zudem sei es »ganz wichtig, dass wir auch so aus uns herausgehen, dass wir mit anderen feiern«. Der Sonntag mit seinen Gottesdiensten gebe eine Ahnung davon, dass Menschsein mehr ist als Arbeiten, Geld verdienen und sich sein Leben verdienen, stellte die Theologin in ihrem Bericht fest. Für die Kirche sei der Sonntag und sein Schutz deshalb unaufgebbar.
Zugleich verwies die Landesbischöfin darauf, dass die Gesellschaften nicht über ihre Grenzen hinaus leben dürften, wenn es eine gelingende Gemeinschaft zwischen den Menschen geben solle. Als Beispiel nannte sie den Klimawandel und den Schuldenberg. »Eine Ethik des Genug ist Voraussetzung für eine Qualität von Leben, die das Glück nicht darin verheißt, dass der Konsumgüterverbrauch endlos gesteigert werden kann.« Vielmehr gehe es um eine Qualität von oben, die von gelingender Gemeinschaft geprägt sei.
Aber nicht nur der Bischofsbericht thematisierte die aktuellen Herausforderungen. Auch im Beitrag der Bildungskammer zu den Perspektiven der Gemeindepädagogik drehte es sich letztlich um einen notwendigen Mentalitätswandel. Die Bildungsangebote in der EKM müssten sich künftig verstärkt an Benachteiligte wenden, erklärte der Hallenser Religionspädagoge Michael Domsgen. Bislang erreichten die Gemeinden vor allem Menschen der etablierten Mittelschicht. Nach christlichem Verständnis sollte es jedoch darum gehen, möglichst vielen Menschen den Zugang zu Bildung zu verschaffen und Benachteiligten durch Bildungsangebote neue Chancen zu eröffnen. Hier müsse die Gemeindepädagogik Angebote unterbreiten. Familienpatenschaften, Ehrenamtsbörsen sowie kulturelle Initiativen und Kirchbauvereine würden in diese Richtung weisen.
Einen Vorgeschmack auf solche Überlegungen gab schließlich die Weiterarbeit am Schwerpunktthema »Gemeinde unterwegs«. In einem Bericht waren die rund 200 Wortmeldungen der Herbstsynode zur Ausrichtung der Gemeindearbeit, zu den Themen Gottesdienst, Kinder- und Jugendarbeit, Kirchenmusik, Mission, Diakonie sowie zur haupt- und ehrenamtlichen Arbeit zusammengefasst worden. In Arbeitsgruppen diskutierten die Synodalen anschließend die anstehenden Aufgaben – vom Wahrnehmen der eigenen Gemeinderealität über die Vernetzung in der Region bis zur gabenorientierten Teamleitung.
Es sei gut gewesen, dass sich die Synode darauf eingelassen habe, lobte Präses Wolf von Marschall. Zugleich kündigte er eine Weiterarbeit am Thema an. So soll es im Jahr 2012 einen Gemeindekongress geben, um die Ergebnisse in die Gemeinden und Kirchenkreise zu tragen. »Ich glaube«, fügte der Präses hinzu, »wir sind auf einem guten Weg.«
Martin Hanusch
Die Berichte und Beschlüsse der Synode stehen im Internet unter: www.ekmd.de






