Kreuze sorgen für Aufsehen

25. September 2017 von redaktionguh  
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Ökumenisches Projekt: Seit einigen Tagen stehen bunte Kreuze in der Innenstadt von Mühlhausen. Sie sollen die Menschen zum Nachdenken bringen – über Gott und die Reformation.

Hinschauen, Nachdenken, Diskutieren, Innehalten. Der Mühlhäuser Steinweg hat sich vor einigen Tagen in einen Kreuzweg verwandelt. 37 Laternen haben nun ein Kreuz, an dem man nicht einfach vorübergehen kann. Jedes Holzkreuz ist 1,80 Meter groß und sehr individuell gestaltet: mit Fotos, Textilem, Patchwork, Bibelsprüchen, Malereien und auffälliger Dekoration. Gefertigt wurden sie von Kindergärten, Schulen, Familienkreisen, Kirchenämtern und Hilfsorganisationen der Stadt. Die Aktion ist nicht neu. 2006 hat der Mühlhäuser Stadtdechant Andreas Anhalt sie in Suhl, seiner damaligen Pfarrstelle, angeregt. Zwölf Jahre später machen 37 Mühlhäuser Gruppen mit. Platz wäre für 44 gewesen – so viele Laternenpfähle gibt es am Steinweg.

Individuell und bunt: Lilli, Marie, Yvaine, Smilla und Ida (v.l.) vor einigen der Holzkreuze. Das Kreuz mit dem Weinreben motiv wurde vom Ökumenischen Hainich Klinikum gestaltet.  Fotos: Claudia Götze

Individuell und bunt: Lilli, Marie, Yvaine, Smilla und Ida (v.l.) vor einigen der Holzkreuze. Das Kreuz mit dem Weinreben motiv wurde vom Ökumenischen Hainich Klinikum gestaltet. Fotos: Claudia Götze

»Den Höhepunkten dieses Jubeljahres wollen wir einen zum Nachdenken anregenden Kontrapunkt entgegensetzen, denn schließlich ist eine Folge der Reformation das Kreuz der Trennung, unter dem evangelische und katholische Christen seitdem leiden«, erklärt Pfarrer Anhalt. »Kreuze sind allgegenwärtig«, sagt Pfarrer Marc Pokoj bei der Andacht zu Beginn der Aktion. Angesichts 37 sehr individuell gestalteter Kreuze weist er die Gestalter darauf hin, dass sie auch mit Vandalismus und Verschwinden ihrer Kunstwerke rechnen müssen. Das »Kreuz mit dem Kreuz« könne ohnehin vielschichtig interpretiert werden. Vor allem stehe es als das Symbol für Leid, Krankheit und Tod. Doch bei einem kurzen Innehalten an jedem Kreuz heißt es: »Kreuz ist Heil, Leben, Hoffnung.«

»Wir wollen einfach schauen, was passiert, wie sich der Anblick der Kreuze im öffentlichen Raum auswirkt«, sagt Pfarrer Pokoj. Wichtig sei zugleich, dass sich die Gestalter Gedanken gemacht haben, was im Nachgang mit den Kreuzen passiert. Die Religionsschüler der Mühlhäuser Nikolai-Grundschule wollen das farbenfrohe Kreuz mit den Bienen in ihrem Unterrichtsraum aufhängen. 70 Religionskinder haben ein »Kreuz voller Leben« mit »Fleiß und Zusammenhalt des Bienenvolkes« dargestellt. Das Deutsche Rote Kreuz will es bei seinen Aktionen dabei haben, auch die Notfallseelsorge der Diakonie hat schon einen Platz reserviert.

Auch im sozialen Netzwerk hat die Aktion Diskussionen ausgelöst: Da gehörten Kreuze nicht hin, und Religion habe im öffentlichen Raum nichts zu suchen. »Was wohl die Neubürger dazu sagen werden?«, fragte ein Nutzer. Die Kreuze stehen natürlich auch vor einem türkischen Imbiss und einem arabischen Lebensmittellädchen. In einem weiteren Fall sorgt die gut lesbare Botschaft des Kreuzes »Ihr Kinderlein kommet« für ein Schmunzeln. Das Kreuz steht vor einer Schülerhilfe.

Claudia Götze

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Durchweg positive Einträge

18. September 2017 von redaktionguh  
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Bugenhagenhaus: Bilanz der EKM-Themenwochen – Botschaften zum Abschluss übergeben

Im Wittenberger Bugenhagenhaus präsentierten sich während der Weltausstellung Reformation Kirchenkreise und Initiativen aus der EKM. Mit der Projektverantwortlichen Adelheid Ebel sprach Willi Wild.

Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?
Ebel:
Es war ein toller Sommer. Im Bugenhagenhaus habe ich viele wunderbare Menschen aus unserer Landeskirche kennengelernt. Unsere Kirche lebt, da ist viel Kreativität und Engagement. Der Austausch war wirklich sehr wertvoll. Ein Höhepunkt für mich waren »Luthers Freunde« aus dem Südharz, die mit einer dreieinhalb Meter großen Lutherpuppe durch die Innenstadt gezogen sind und Besucher auf die Angebote im Bugenhagenhaus aufmerksam gemacht haben.

Wie war die Resonanz?
Ebel:
Wir haben die Erfahrung gemacht, wenn wir rausgehen, Menschen einladen und auf die Angebote aufmerksam machen, dann wirkte sich das auf die Resonanz im Haus aus. Nach dem Kirchentag hatten wir allerdings erst mal Flaute. Aber in der Urlaubszeit, im Juli und August, wurde es dann immer besser. Ich glaube, auch für die beteiligten Kirchenkreise war es eine schöne Erfahrung, wenn die Teams eine Woche gemeinsam hier in Wittenberg verbracht haben.

Welche Kommentare haben die Besucher im Gästebuch hinterlassen?
Ebel:
Die Kommentare sind durchweg positiv. Da heißt es dann: Vielen Dank für den einladenden Raum, für die Gestaltung, für den freundlichen Empfang, für interessante Ausstellungen, für gute Begegnung und gute Ideen, für eine tolle Zeit und tolle Gespräche. Ein Kind hat geschrieben: »Ich hab Kostüme angezogen, ich hab alte Schrift ausprobiert. Es hat mir gefallen.«

Ein Schatzkästchen mit Botschaften übergab Adelheid Ebel (rechts) an Reformationsbotschafterin Margot Käßmann (links). Foto: Thomas Klitzsch

Ein Schatzkästchen mit Botschaften übergab Adelheid Ebel (rechts) an Reformationsbotschafterin Margot Käßmann (links). Foto: Thomas Klitzsch

Der Kirchenkreis Mühlhausen hatte Kostüme mitgebracht. Damit konnte man sich fotografieren lassen. Ein weiterer Eintrag, der mich bewegt hat: »Ich wünsche der EKM den Mut eines Luthers, für Überzeugung Kopf und Kragen zu riskieren.« Diese Botschaft verstehe ich als Anregung für unsere Arbeit: Den Mut zu haben, Dinge zu lassen, wo wir wissen, das funktioniert nicht mehr. Stattdessen gemeinsam zu schauen, wo entsteht etwas Neues.

Reformation geht weiter – was bleibt von der Weltausstellung?
Ebel:
In der vergangenen Woche wurden die Zukunftsprojekte der EKM thematisiert. Die sogenannten Erprobungsräume stießen dabei auf großes Interesse auch von Mitgliedern anderer Landeskirchen. Dabei wurde gezeigt, welche Ideen und neuen Formen von Kirche in den Regionen erprobt werden und welche Auswirkungen sie haben. Da passiert Reformation ganz praktisch vor Ort. Sich darüber auszutauschen, das kam sehr gut an und geht weiter. Das war eine Art Zukunftswerkstatt mit regionalen Bezügen.

Die Weltausstellung Reformation ist zu Ende. Gilt das auch für die Aktivitäten des Kirchenkreises?
Ebel:
Nein, wir bleiben natürlich gute Gastgeber und es gibt weiterhin eine Reihe von Angeboten. Beispielsweise werden die ökumenischen Themengottesdienste in der Stadtkirche, gleich neben dem Bugenhagenhaus, jeden Mittwoch um 20.17 Uhr, bis zum 25. Oktober fortgesetzt. Im Reformationssommer haben wir gelernt, dass wir uns nicht verstecken brauchen. Wir wollen als Kirche auf vielfältige Weise erkennbar sein und uns dazu mutig auf den Marktplatz stellen.

www.kirchenkreis-wittenberg.de

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Nicht gegeneinander feiern

3. April 2017 von redaktionguh  
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Ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Volkenroda

Katholische und evangelische Christen vor allem aus Thüringen haben am Sonntag im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Vor dem Hintergrund des 500. Reformationsjubiläums stellten die Bischöfe des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, in ihren Predigten das Verbindende zwischen beiden Konfessionen heraus. Der Gottesdienst war Teil des sogenannten »Healing of Memories«-Prozesses (»Heilung der Erinnerung«), mit dem beide Kirchen gemeinsam Wege der Versöhnung gehen möchten.

 Gemeinsam:  Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

Gemeinsam: Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

In der Vergangenheit hätten die Feiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft, sagte Landesbischöfin Junkermann. »Wir feiern es in diesem Jahr nicht gegeneinander, Gott sei Dank!« Es sei das besondere Glück des 500. Reformationsjubiläums, »dass wir es als Christusfest feiern«.

Beide Kirchen stünden im Dienst der Versöhnung, unterstrich Junkermann. Gemeinsam stellten sie sich »klar gegen alle Angstmacherei vor Fremden, auch vor einer anderen Religion, gegen Vereinfachungen und Rückfall in Nationalismen«. Sie setzten sich ein für den Vorrang des Zivilen vor dem Militärischen, für Schlichten und Vermitteln.

Bischof Neymeyr sagte, inzwischen könnten evangelische und katholische Christen beim Gedenken an den Beginn der Reformation 1517 auch gemeinsam die schwierigen und bedauerlichen Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte vor Gott tragen. Der Erfurter katholische Bischof ging in seiner Predigt auch auf den Ort des Gottesdienstes ein, die Klosterkirche Volkenroda. Sie stehe beispielhaft für den Niedergang eines äußerst vielfältigen klösterlichen Lebens in Thüringen – und seiner Wiedergeburt.

Neymeyr erinnerte an die 23 Ordensgemeinschaften mit ihren 206 Klöstern, die es in Thüringen zu ihren Blütezeiten gegeben habe. Die Gründe für ihren Untergang seien »natürlich nicht nur bei der Reformation zu suchen«, sagte er. Manche der Klöster hätten auch »ihre geistliche Lebendigkeit verloren«.

Zurzeit gebe es wieder 28 Klöster und Ordensniederlassungen im Land. Das Kloster Volkenroda sei heute durch die Präsenz und das Wirken der Jesus-Bruderschaft ein Ort des Aufbruchs und der Hoffnung aus dem Geist des Evangeliums und der Ökumene. »Es ist ein guter Ort, um dort gemeinsam einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zu feiern«, betonte der Bischof.

(epd)

Reformation ging nicht alleine

31. März 2017 von redaktionguh  
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Luthers ungeliebte Brüder: Mitteldeutschland hat mehr zu bieten als Martin Luther. Zahlreiche Theologen mit ihren alternativen Reformationsideen will eine Ausstellung in Mühlhausen ins rechte Licht setzen.

Die Reformation – das ist Martin Luther, aber eben nicht nur. »Wir feiern kein Lutherjubiläum, wir feiern ein Reformationsjubiläum«, betont deshalb der Direktor der Mühlhäuser Museen, der Historiker Thomas T. Müller. »Man muss schauen, wer war damals noch unterwegs? Was haben die anderen frühen Reformatoren gedacht und geschrieben? Was hatten sie für Ideen?«

In der Mühlhäuser Kornmarktkirche werden Leben und Glauben um 1517 lebendig. Neben einer Druckerpresse sind Gebrauchsgegenstände, Ordenstrachten, Heiligenstatuen und religiöse Schriften ausgestellt, die die Reformatoren inspirierten und beeinflussten. Foto: Tino Sieland/Mühlhäuser Museen

In der Mühlhäuser Kornmarktkirche werden Leben und Glauben um 1517 lebendig. Neben einer Druckerpresse sind Gebrauchsgegenstände, Ordenstrachten, Heiligenstatuen und religiöse Schriften ausgestellt, die die Reformatoren inspirierten und beeinflussten. Foto: Tino Sieland/Mühlhäuser Museen

Müller hat darum mit seinen Mitstreitern die Ausstellung »Ungeliebte Brüder« in der Kornmarktkirche in Mühlhausen konzipiert. Sie lenkt den Blick auf jene Theologen, die von der reinen lutherischen Lehre abwichen und eigene, teilweise radikale reformatorische Ideen verfolgten. »Ungeliebte Brüder«, so hat Luther die anderen Reformatoren nie bezeichnet. »Der Titel drückt aus, dass diese Menschen damals auf dem gleichen Weg waren, wobei der eine oder andere einen anderen Abzweig nahm«, so Müller. Wie in so mancher Familie, wo man nicht immer der gleichen Ansicht, aber dennoch miteinander verbunden ist.

Theologen, wie Luthers Doktorvater Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, der einer der produktivsten Flugschriftenautoren der frühen Reformation war, werden in der Ausstellung ebenso gewürdigt wie der ehemalige Benediktiner Matthäus Hisolidus, der in Mühlhausen und Creuzburg wirkte. Karlstadt verließ Wittenberg nach den Unruhen von 1521 und 1522 und nachdem er sich öffentlich für die Entfernung aller Heiligenbilder aus den Kirchen eingesetzt hatte. Dadurch war es bereits zum Bruch mit Luther gekommen. In Orlamünde, wo er ab 1523 als Pfarrer wirkte, setzte er seine reformatorischen Ideen um. Den Gottesdienst hielt er in deutscher Sprache. Altäre, Bildnisse und Heiligenfiguren verschwanden aus der Kirche. Auf Betreiben Luthers erhielt Karlstadt in Kursachsen ein Predigt- und Schreibverbot, 1529 ging er nach Zürich und Basel, wo er 1541 starb.

Über das Schicksal von Hisolidus ist gar nichts bekannt. Der unbequeme Reformator, der 1525 aus Creuburg ausgewiesen wurde, verschwindet spurlos. Auch andere bedeutende Reformatoren dieser Zeit verlieren sich im Nebel der Zeit: von Heinrich Pfeiffer, dem Reformator in Mühlhausen, ist ebenso wenig die Rede wie von Jakob Strauß. Letzterer gilt als Reformator Eisenachs. Denn auch, wenn Luther auf der Wartburg war und einige Predigten in der Stadt hielt, die protestantische Bewegung hatte in der Wartburgstadt der ehemalige Dominikaner Strauß umgesetzt.

Strauß, der aus Basel stammte, erlangte überregionale Bedeutung. Seine Schriften wurden zahlreich nachgedruckt. Seine Schrift wider die Wucherzinsen, in der er nicht nur die verurteilt, die Wucherzinsen erheben, sondern auch jene, die diese zahlen, wurde zum Politikum. Die Herrschenden waren rasend, und auch Luther sah sich in der Pflicht zu handeln und ging gegen den »Irrlehrer« vor.

Thomas Müntzer ist wohl der berühmteste der »anderen« Reformatoren und als Widersacher Luthers bekannt. Darum fehlt auch er nicht in der Reihe der »ungeliebten Brüder«. Der Historiker Müller betrachtet Müntzer als das erste innerprotestantische Opfer der Reformation. »Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, Müntzer wird zum Synonym für die Aufständischen des Bauernkrieges und wird damit zum ersten innerprotestantischen Ketzer gemacht. Strauss ergeht es ähnlich.«

Wer damals nicht der reinen lutherischen Lehre folgte, verschwand, wie etwa Fritz Erbe im Turm der Wartburg oder Hisolidus im Nebel der Zeit. Die grausame Polemik, mit der Luther und seine Anhänger zum Beispiel Thomas Müntzer straften, hält bis heute an. Ein Umstand, den die Ausstellung in der Kornmarktkirche in Mühlhausen zu ändern versucht.

Diana Steinbauer

Die Ausstellung »Luthers ungeliebte Brüder« ist noch bis zum 31. Oktober im Bauern­kriegsmuseum Kornmarktkirche in Mühlhausen zu sehen. Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr.

www.mhl-museen.de

Pfarrbüro in der Einkaufszone

29. August 2016 von redaktionguh  
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Kirchenkreis Mühlhausen: Erprobungsraum in einem Ladenlokal in Bad Langensalza eröffnet

Ein Pfarrbüro mit Schaufenster und Schlagzeug: In der Fußgängerzone von Bad Langensalza hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschlands (EKM) ihren ersten Erprobungsraum in einem Ladenlokal eröffnet. Dieses Ladenlokal soll Kirchengeschichte schreiben und testen, wie Kirche noch besser die Menschen erreicht, wünscht sich der Projektverantwortliche, Pfarrer Johannes Beck.

Samen im Angebot: Pfarrer Johannes Beck und Superintendent Andreas Piontek zerschneiden das rote Band vor dem Ladenlokal Erprobungsraum in Bad Langensalzas Innenstadt. Foto: Claudia Götze

Samen im Angebot: Pfarrer Johannes Beck und Superintendent Andreas Piontek zerschneiden das rote Band vor dem Ladenlokal Erprobungsraum in Bad Langensalzas Innenstadt. Foto: Claudia Götze

Beck ist neu im Kirchenkreis Mühlhausen. Für den 33-Jährigen ist es die erste Pfarrstelle. »Eine Pfarrstelle ohne feste Gemeinde und regelmäßige Gottesdienste«, sagt er. Er wird aber trotzdem in einem Bereich mit 26 Gemeinden in den vier Pfarreien Bad Langensalza, Bad Tennstedt, Großvargula und Kirchheiligen unterwegs sein.

Dass er nicht wie seine Pfarrkollegen in die festen Strukturen der Gemeindearbeit eingebunden ist, soll ihm den Freiraum verschaffen für »andere Formen von Gemeindearbeit«. Er wolle gute Ideen für Kirche und Gemeinde ausprobieren, sagt Beck.

Sein Erprobungsraum sind vor allem die Menschen. Mit ihnen will er hier in der Einkaufszone querdenken und herausfinden, was geht und was nicht. »Ein Laden zwischen einem Café und einem Sanitätshaus. Das passt prima«, findet auch der Mühlhäuser Superintendent Andreas Piontek. »Was soll es nun in unserem Laden zu kaufen geben?«, fragt er am vergangenen Sonntag bei der Eröffnung in die Runde und hebt die »Vielfalt im Sortiment« hervor. Und betont die Besonderheit: »Wir verkaufen keine reifen Früchte, wir verkaufen die Samen«. Die Menschen sollten aber das »Komm mal vorbei« nicht allzu wörtlich nehmen, sondern hineinkommen. Dieser Laden solle zu einem Ort der Gemeinschaft werden, wünscht sich der Superintendent.

Beck selbst möchte für den Erprobungsraum recht schnell ein Netz von Ehrenamtlichen spinnen. Deshalb wird es an diesem Sonntag, 28. August, einen Informationsabend geben. »Da­raus soll eine Gruppe von Ehrenamtlichen wachsen«, hofft Beck. Bis dahin hängen auf jeden Fall die Bilder von Ralf Klement vom Verein Kunstwestthüringer im Kirchenladen: Eine erste »malerische Erprobung«, wie der Pfarrer es nennt. Beck wird die Erprobung auch »theoretisch« begleiten. »Wir wollen im Gespräch bleiben, Wege reflektieren und Impulse geben.« Er will wissen: »Lässt sich Kirche anders denken? Was ist dran in der Region? Was hilft in der Zukunft?«

Das Zahnrad auf der Schaufensterscheibe soll Programm sein: Beck möchte mit dem Laden und Erprobungsraum in der Region Bad Langensalza wie ein Zahnrad funktionieren – als Antrieb für eine Maschine, die letztlich ein ganzes Feld bestellt.

Claudia Götze

www.erprobungsraum-lsz.de

Glaube und Heimat im Alltag

6. Juni 2016 von redaktionguh  
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Vorkonfirmanden im Gespräch mit Passanten und der Bischöfin

Eine Gruppe Vorkonfirmanden aus Schmölln und Umgebung war kürzlich in Magdeburg. Bei einer dreitägigen Rüstzeit, begleitet von Pfarrer Dietmar Wiegand und Theologiestudentin Marie Dworschak, beschäftigten sich die neun Mädchen und Jungen intensiv mit dem Thema »Glaube und Heimat«. Dabei ging es nicht etwa um den Titel oder den Inhalt der Kirchenzeitung, sondern darum, was die Menschen in Magdeburg mit den Begriffen verbinden.

Die Jugendlichen bei ihrer Straßenumfrage vor dem Hundertwasserhaus: Lukas Schroer, Moritz Kruscha, Noah Drischmann, Julian Baunack, Marie Dworschak, Angelina Degner, Melissa Schäfer, Trine Müller, Jona Zels (v. l. n. r.). Foto: privat

Die Jugendlichen bei ihrer Straßenumfrage vor dem Hundertwasserhaus: Lukas Schroer, Moritz Kruscha, Noah Drischmann, Julian Baunack, Marie Dworschak, Angelina Degner, Melissa Schäfer, Trine Müller, Jona Zels (v. l. n. r.). Foto: privat

Um Meinungen einzuholen, mischten sich die Mädchen und Jungen ins Großstadtgetümmel und stellten einigen Passanten die gezielte Frage: »Woran glauben Sie und was ist für Sie Heimat?« Die Reaktionen fielen völlig unterschiedlich aus. So war es für die jungen Menschen nicht verwunderlich, dass in der 230 000-Einwohner-Stadt, in der nur noch etwa zehn Prozent der Bevölkerung der Landeskirche angehören, der Glaube für viele an Bedeutung verloren hat. Mit den Fragen zum Glauben, zu Gott und ewigen Leben, sind die Jugendlichen hauptsächlich mit Antworten wie »Kann ich mir nicht vorstellen«, oder »Irgendetwas wird es schon geben« konfrontiert worden. Typische Zeugnisse dafür, dass sich die Angesprochenen noch nie so richtig Gedanken gemacht hatten. Sie trafen aber auch ein Ehepaar, das offen bekannt hat, dass es betet und ihm der Glaube Halt gibt. Auch der Heimat-Begriff war bei den Befragten ganz unterschiedlich besetzt. Von Ablehnung bis zu einem bewegenden Gespräch mit einer Frau, die nach langer Zeit wieder einmal ihre Heimatstadt besuchte, reichte die Bandbreite.

Höhepunkt der Reise war die Gesprächsrunde mit Landesbischöfin Ilse Junkermann zum selben Thema. Die Vorkonfirmanden konnten ihre Fragen loswerden und die Bischöfin antwortete bereitwillig. Lukas Schroer, der die 7. Klasse des Christlichen Spalatin-Gymnasiums Altenburg besucht, bedankte sich bei der Landesbischöfin. »Das Treffen bei Ihnen hat mir sehr gefallen und das persönliche Gespräch hat mich beeindruckt. Sie haben einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen«, so der 13-Jährige aus Bohra bei Schmölln. Dass er so schnell eine Antwort bekommen würde, hätte Lukas nicht erwartet. »Auch ich war beeindruckt vom Gespräch mit euch und wie gut ihr euch darauf vorbereitet habt. Ich hoffe, ihr hattet noch gute Tage in Magdeburg«, schrieb die Bischöfin zurück. Auf dem Programm standen außerdem ein Besuch des Doms und des Hundertwasserhauses sowie die Teilnahme an einem Ordinationsgottesdienst. Eine Stadtrallye, ein Filmabend und mehrere Andachten rundeten die Rüstzeit ab.

»Wir versuchen, in der Konfirmandenarbeit erlebnisorientiert zu arbeiten. Die Jugendlichen sollen Kirche erleben und Glaubenszeugnisse authentisch vermittelt bekommen. Nach der Fahrt zur Jugendkirche in Mühlhausen hat diese Rüstzeit in Magdeburg, gerade auch der Besuch bei der Landesbischöfin, Spuren hinterlassen«, so das Resümee von Pfarrer Dietmar Wiegand.

Ilka Jost

»Mein Gott, wie lang, ach lange«

17. Januar 2016 von redaktionguh  
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Vor genau 300 Jahren: Bach-Kantate erklang erstmals am zweiten Sonntag nach Epiphanias 1716 in Weimar

Obwohl Johann Sebastian Bach in seinem Entlassungsgesuch an den Rat der Stadt Mühlhausen vom 25. Juni 1708 argumentierte, er habe »den Endzweck [seines Schaffens], nemlich eine regulirte kirchen music zu Gottes Ehren, und Ihren Willen nach« an seiner bisherigen Wirkungsstätte, der Mühlhäuser Kirche Divi Blasii, nicht verwirklichen können, blieb dieses Ziel auch in seiner neuen Stellung am Weimarer Hof zunächst unerfüllt: als Hoforganist und Violinist der fürstlichen Kapelle war er in den ersten Jahren (1708–1714) nicht mit der Komposition von Kirchenkantaten beauftragt. Erst mit seiner Ernennung zum Konzertmeister der Hofkapelle im März 1714 gehörte es zu seinen Verpflichtungen, »monatlich neue Stücke« zu komponieren und aufzuführen.

Mit besonderem Engagement hat sich Bach sogleich der neuen Aufgabe gewidmet und eine Reihe aufwendig besetzter Kirchenwerke bis zum Osterfest 1715 komponiert. Die unmittelbar darauf folgenden Kirchenwerke sind in ihreren Dimensionen überraschenderweise jedoch reduziert und erwecken den Eindruck, als habe Bach von seinem bisherigen Aufführungskonzept aus irgendeinem Grund Abstand nehmen müssen.

Der Chor, dem Bach bis Ostern 1715 noch anspruchsvolle Aufgaben zugewiesen hatte, tritt fortan in den Hintergrund. Zumeist wird er nur noch zur Ausführung eines vierstimmigen Choralsatzes am Schluss der Kantate herangezogen. Die Kantaten sind überwiegend kammermusikalisch dis­poniert. Ob der stets auf Sparsamkeit bedachte regierende Herzog Wilhelm Ernst etwa Vorbehalte gegenüber opulent besetzten Kirchenstücken hatte verlauten lassen?

Zudem veränderte ein Trauerfall das Leben am Weimarer Hof schlagartig: Am 1. August 1715 starb Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar, weshalb am 11. August die »gänzliche Landestrauer« für das gesamte weimarische Fürstentum verordnet wurde. Nirgendwo durfte musiziert werden und auch die Kantatenaufführungen in der Schlosskirche konnten mit sofortiger Wirkung nicht mehr stattfinden.

Allerdings begann man bereits nach 13 Wochen, die Landestrauer schrittweise zu lockern: Am 10. November 1715 wurde in allen Kirchen des Herzogtums erstmals wieder musiziert und Bach hatte in der Folgezeit (seinem schon genannten Auftrag gemäß) Kirchenstücke zu komponieren und aufzuführen – darunter auch die Kantate »Mein Gott, wie lang, ach lange« (BWV 155), die erstmalig am zweiten Sonntag nach Epiphanias 1716 – also vor genau 300 Jahren – im Frühgottesdienst der Weimarer Schlosskirche unter seiner Leitung erklang.

Das Libretto hatte der Weimarer Oberkonsistorialsekretär Salomon Franck beigesteuert. Es basiert auf dem 2. Kapitel des Johannes-Evangeliums, wo von der Hochzeit zu Kana berichtet wird: Jesus bleibt im Verborgenen, bis seine Stunde zum Handeln gekommen ist. Das Werk gehört zu den wenigen Weimarer Kantaten, die uns aus den Jahren 1716/1717 überliefert sind – vielleicht deshalb, weil Bach einen Teil seiner am Weimarer Hofe komponierten Kirchenwerke zurücklassen musste, als er im Dezember 1717 nach vierwöchiger Haft aus den Diensten des Herzogs in Ungnaden entlassen wurde. Über die näheren Hintergründe der Arrestierung wird in der Bach-Forschung noch immer gerätselt.

Andreas Glöckner

Kirchenmusik-Höhepunkte 2016

3. Januar 2016 von redaktionguh  
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Jubiläen von Max Reger und Wolfgang Amadeus Mozart prägen das Festprogramm

Zu den kirchenmusikalischen Highlights 2016 gehört zweifelsohne der Deutsche Evangelische Posaunentag vom 3. bis 5. Juni in Dresden, an dem auch zahlreiche Bläser aus Thüringen und Sachsen-Anhalt teilnehmen. »Das wird wohl das größte Bläsertreffen der Welt werden, denn bis Ende November lagen schon über 13 000 Anmeldungen vor«, freut sich Landesposaunenwart Matthias Schmeiß (Zella-Mehlis).

Foto: Harald Krille

Foto: Harald Krille

Der 100. Todestag von Max Reger bietet in Thüringen den Anlass, ein Festjahr zu feiern. Er studierte mit 17 Jahren in Sondershausen bei Hugo Riemann, dirigierte mit »seinen Meiningern« das damals beste Orchester Europas, orgelte mit Begeisterung in »Thüringer Nestern« und verbrachte seine letzten Lebensjahre in Jena. Er konzipierte in Bad Salzungen die Orgel (41 Register), die 1909 von der Firma Sauer erbaut und von Thomaskantor Karl Straube eingeweiht wurde. In der Meininger Zeit (1911–1914) spielte er oft die Schlimbach-Orgel der Stadtkirche, die später von der Firma Walcker nach seinen Vorstellungen erweitert wurde. Er gilt als größter deutscher Orgelkomponist nach Johann Sebastian Bach. In seinen Wirkungsorten, aber auch in Arnstadt, Ilmenau, Oberweißbach, Rudolstadt, Saalfeld und Suhl soll deshalb sein gesamtes Orgelwerk erklingen. Die Meininger Kantorei und Hofkapelle bringen in einem Festkonzert sein Requiem sowie weitere Werke zu Gehör (13. November, 17 Uhr, Stadtkirche). Choralkantaten des Komponisten werden in der Trinitatiskirche Sondershausen aufgeführt (25. und 28. März, jeweils 9.30 Uhr, 20. November, 17 Uhr, 24. Dezember, 17 Uhr), aber auch in Eisenach und Nordhausen.

Der 225. Todestag von Wolfgang Amadeus Mozart regte einzelne Kantoren an, sein Requiem in Aschersleben (25. September, 17 Uhr, Stephanikirche), Haldensleben (23. Oktober, 17 Uhr, St. Marien), Erfurt (19. November, 19.30, Thomaskirche) und Eisenach (13. November, 17 Uhr, Georgenkirche) aufzuführen.

Johann Sebastian Bachs Johannes­passion erklingt in Saalfeld (4. März, 19.30 Uhr, Johanneskirche), Eisenach (20. März, 17 Uhr, Georgenkirche), Nordhausen (20. März, 19 Uhr, St. Blasii), Delitzsch (25. März, 17 Uhr, Marienkirche) und Köthen (25. März, 17 Uhr, St. Jakobskirche). Seine Matthäuspassion wird in Erfurt aufgeführt (20. März, 19 Uhr, Thomaskirche). Der Jubel des Weihnachtsoratoriums soll wieder nahezu 50 Mal erschallen!

Zu den großen Oratorien, die 2016 aufgeführt werden, gehören von Georg Friedrich Händel »Der Messias« (Wernigerode, 3. Oktober, 17 Uhr, Sylvestrikirche), von Joseph Haydn »Die Jahreszeiten« (Halberstadt, 4. Juni, 18 Uhr, Dom) und »Die Schöpfung« (Dessau, 2. Oktober, 17 Uhr, Johanniskirche), von Giuseppe Verdi die »Messa da Requiem« (Stendal, 25. September, 18 Uhr, Dom), von Johannes Brahms »Ein deutsches Requiem« (Mühlhausen, 20. November, 18 Uhr, Kornmarktkirche) und von Felix Mendelssohn Bartholdy die Sinfonie-Kantate »Lobgesang« (Waltershausen, 31. Oktober, 17 Uhr, Stadtkirche).

Michael von Hintzenstern

Blech und dicke Backen: Angebote des Posaunenwerkes im Jahr 2016

Die Angebote sind zum Teil mit Leistungsgruppen (LG) gekennzeichnet: LG 1 für Anfänger, LG 2 für »normale Bläser«, LG 3 für Fortgeschrittene.

Jungbläserlehrgang (LG 1 + 2), 1. bis 4. Februar in Wernigerode, Kosten: 90 Euro (Geschwisterermäßigung möglich), ab dem 18. Lebensjahr 100 Euro, Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung sofort

Bläserseminar »Harzer Bläsertag« (LG 2), 5. März in Neinstedt, Kosten: 10 Euro, Vorstellung »Gloria 2016«, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 5. Februar

Bläserseminar und Jungbläsertag (LG 1–3), 5. März in Gardelegen, Kosten: 10 Euro, Vorstellung »Gloria 2016«, Intensivtraining für Jungbläser, Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung bis 5. Februar

Impulstag (D-Ausbildung), 12. März in Erfurt, Inhalt: Musiklehre, Gehörbildung, Gesangbuchkunde, Informationen zur D-Ausbildung, Leitung: LSW Mathias Gauer, LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 10. Februar

Seniorenbläserwochenende, 1. bis 3. April in Bad Blankenburg, Kosten: 90 Euro, EZ-Zuschlag: 15 Euro, Inhalt: gemeinsames Musizieren, geistliche Begleitung; auch mit Ehepartnern, Leitung: Pfarrer i. R. Herrmann Günther (Königsee), Kantor i. R. Horst Mey (Buttstädt), LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 20. Februar

Bläserseminar »Just Roblee« (LG 2–3), 9. April in Meiningen, Kosten: 20 Euro, Inhalt: Bläsermusik in Swing, Pop & Folk, Referent: Prof. Richard Roblee (Iphofen), Anmeldung bis 1. März

Ökumenische Christus-Wallfahrt, 24. April, Kloster Volkenroda, Inhalt: Begleitung der Pilgerwege, Bläsermusik, Gottesdienst im Christus-Pavillon, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 1. April

Deutscher Evangelischer Posaunentag, 3. bis 5. Juni in Dresden, Kosten: 27 Euro, Motto: »Luft nach oben«, Inhalt: das größte Bläsertreffen der Welt, Anmeldung bis 31. Januar (www.dept2016.de/anmeldung)

Bläserfahrt (LG 2–3), 24. bis 29. Juni, Region Eichsfeld, Kosten: 20 Euro, Inhalt: Geistliche Bläsermusiken, Diakonisches Blasen, gemeinsame Freizeitgestaltung, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 10. Mai

Posaunenchorleiterlehrgang (gemeinsam mit dem Posaunenwerk Anhalt), 19. bis 21. August in Bad Blankenburg, Kosten: 90 Euro, EZ-Zuschlag: 15 Euro, Inhalt: praktische Chorleitung, Probenmethodik, Literaturkunde, Einzelunterricht, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, LPW Frank Plewka, LPW Steffen Bischoff, Anmeldung bis 10. Juli

Bläserrundfunkgottesdienst, 27. bis 28. August in Bad Tennstedt, Bläsergottesdienst live auf MDR-Figaro, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, stellv. Obmann Pfarrer Steffen Pospischil, Anmeldung bis 10. Juli

Kreisposaunenwarte-Treffen, 10. September in Erfurt, Inhalt: Impulse für die Arbeit der Kreisposaunenwarte, Erfahrungsaustausch, Informationen aus dem Posaunenwerk, gemeinsames Musizieren, Leitung: Obmann Pfarrer Stephan Eichner, LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 10. August

Seminar für erwachsene Jungbläser und Jungbläserausbilder (LG 1+2), 17. September in Schkeuditz, Kosten: 10 Euro, Inhalt: bläserische und musiktheoretische Grundlagen, gemeinsames Musizieren; parallel werden Grundlagen der Jungbläserausbildung vermittelt, Leitung: LPW Frank Plewka & Team, Anmeldung bis 20. August

Bittgottesdienst (LG 2–3), 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marien­born, Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung bis 1. September

Jungbläserfreizeit (LG 1+2), 10. bis 13. Oktober in Weißensee, Kosten: 90 Euro (Geschwisterermäßigung möglich), ab dem 18. Lebensjahr 120 Euro, Leitung: LPW Matthias Schmeiß, Anmeldung bis 1. September

24-Stunden-Workshop (LG 2–3), 11. bis 12. November in Elbingerode, Kosten: 55 Euro, EZ-Zuschlag: 10 Euro, Inhalt: Vorstellen und Erarbeiten der Bläserliteratur zum Reformationsjubiläum, Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung bis 10. Oktober

Bläsermusik zum Advent (LG 2–3), 27. November in Magdeburg, Inhalt: Adventliche Bläsermusik, Projekt eines Posaunenchores auf Zeit (3 Proben), Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung bis 31. Oktober

Musik im Kerzenschein
(LG 2–3), 4. Dezember in Halle, Projekt eines Posaunenchores auf Zeit (5 Proben), Leitung: LPW Frank Plewka, Anmeldung bis 31. August

Anmeldung: Posaunenwerk der EKM, Meister-Eckehart-Str. 1, 99084 Erfurt, Telefon (03 61) 73 77 68 81, Fax (03 61) 73 77 68 89, E-Mail <posaunenwerk@ekmd.de>

www.posaunenwerk-ekm.de

Reparieren statt wegwerfen

17. November 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

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Thüringer Umweltpreis für Kindergarten »Elisabeth von Thüringen« in Mühlhausen

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat am 2. November im Erfurter Naturkundemuseum den Thüringer Umweltpreis 2015 verliehen. Hierfür gab es insgesamt 29 Bewerbungen, deren Bandbreite von Ressourcenschutzprojekten in Kindertagesstätten und Unternehmen aller Größenordnungen über Arten- und Sortenschutzbemühungen im Agrarbetrieb und an Weinbergen bis zum vielfältigen Umweltengagement in örtlichen Vereinen reicht. Über einen zweiten Preis und 2 500 Euro kann sich der evangelische Kindergarten »Elisabeth von Thüringen« des Kirchspiels Mühlhausen freuen, in dessen Projekt »Elisabeth repariert – Nachhaltigkeit ganz praktisch« die Kinder zusammen mit engagierten Erzieherinnen, Eltern, Großeltern und anderen Freiwilligen kaputten Dingen neues Leben einhauchen.

Den Kindergarten »Elisabeth von Thüringen« in Mühlhausen besuchen 61 Kinder im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt. Im September 2014 wurde in einem Nebengebäude auf dem Gelände der Einrichtung eine Werkstatt eingerichtet. Die Kinder erlernen in ihr den sicheren Umgang mit Werkzeug und die Arbeit mit verschiedenen Werkstoffen, darunter auch Dinge, die sonst im Müll gelandet wären.

Zur Eröffnung der Werkstatt wurde ein sogenanntes »Repaircafé« veranstaltet. In diesem wird die Idee umgesetzt, defekte Gegenstände zu reparieren, um Müll zu vermeiden und der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen. Angeregt von der niederländischen Umweltjournalistin Martina Postma, hat sich aus solchen Selbsthilfewerkstätten inzwischen eine internationale Bewegung entwickelt. Freiwillige Helfer stehen den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite – und regen zur Nachahmung an. So auch in Mühlhausen.

Die von den Kindern mitgebrachten kaputten Sachen, z. B. Roller oder Puppenkleider, wurden vor ihren Augen und gemeinsam mit ihnen repariert oder umfunktioniert. Dadurch wird ein ressourcenschonender und nachhaltiger Umgang mit den Materialien sowie deren Wertschätzung vermittelt.

Ursula Rautenberg, Leiterin der Kindertagesstätte: »Dank der großen Unterstützung, die wir bei der Vorbereitung von allen Seiten erfahren haben, ist das Repaircafé ein großer Erfolg geworden. Die Kinder haben verstanden, dass es sich lohnt, defekte Spielsachen und andere Gegenstände zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen. Die Organisation des Repaircafés macht sehr viel Arbeit, aber sie lohnt sich.«

Der Kindergarten des Evangelischen Kirchspiels Mühlhausen engagiert sich selbstverständlich auch in den Kirchengemeinden bei der Gestaltung von Familiengottesdiensten zu Erntedank oder im Advent. Die Kinder besuchen Seniorennachmittage und erfreuen mit Liedern, Spielen und Gedichten die Gemeindeglieder. Außerdem wird dreimal im Jahr ein Kindergottesdienst organisiert, an dem sich alle drei Kindergärten des Kirchspiels beteiligen.

(G+H)

Der Honig der Kirchenbienen

7. September 2015 von redaktionguh  
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Schöpfungszeit: In den Wochen vor dem Erntedankfest feiern Kirchengemeinden Gottes Schöpfung

Die Schöpfungszeit vom 1. September bis Erntedank ist eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. In Ballhausen steht das Schöpfungsfest im Zeichen ihrer Kirchenbienen.

Ballhausen im Kirchenkreis Mühlhausen hat eigenen Honig von Kirchenbienen. Und es ist beileibe keine Ausnahme. Bei der Recherche finden sich zahlreiche Beispiele für Kirchenbienen. Hintergrund ist unter anderem die aktuelle Entwicklung hin zum Stadtimker, so Christoph Victor, Pfarrer im Ruhestand und begeisterter Imker aus Weimar. »Eigentlich eine paradoxe Entwicklung«, so Victor. Aber angesichts der Monokulturen durch die großen landwirtschaftlichen Anbauflächen in den meisten ländlichen Gebieten fänden die Bienen, die über einen Flugradius von etwa vier Kilometer verfügen, in den von Mischkulturen geprägten stadtnahen Gebieten mehr Tracht, also Pflanzen, die besonders reichhaltig Nektar und Pollen erzeugen. Auch junge Menschen entdecken die Imkerei. So beobachte er, dass es wieder mehr Imker gibt, hingegen die Zahl der Bienenvölker sinkt.

Pfarrgärten sind oft eine perfekte Speisekammer für Bienen. Es ist wichtig, dass sie Pflanzen vorfinden, die reich an Nektar und Pollen sind. Foto: Adrienne Uebbing

Pfarrgärten sind oft eine perfekte Speisekammer für Bienen. Es ist wichtig, dass sie Pflanzen vorfinden, die reich an Nektar und Pollen sind. Foto: Adrienne Uebbing

Bilder aus China, wo aus Ermangelung der fleißigen Helfer Menschen die Bestäubung in den Obstplantagen und auf den Feldern mehr schlecht als recht übernehmen, sind eine Mahnung. Viele kennen das fälschlicherweise Albert Einstein zugeschriebene Zitat: »Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.« Denn Bienen spielen eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem und faszinieren mit ihren bis heute noch nicht abschließend erforschten Leistungen. Bienen und Kirche, die Verbindung ist nicht neu: Bereits in der Bibel wird oft auf Honig und auf die Bienen Bezug genommen. Imker haben zudem einen eigenen Schutzpatron, den heiligen Ambrosius. Um das Jahr 900 herum erlebten die Waldbienenhaltung (Zeidlerei) und die Bienenhaltung in den Klöstern eine Blütezeit. Für Altarkerzen und Votivgaben verwendet, bestand ein hoher Bedarf an Wachs. Honig und Wachs waren damals Zins- und Zahlungsmittel. In der vorreformatorischen Zeit durften in Kirchen und Klöstern ausschließlich Bienenwachskerzen abgebrannt werden, weil die Biene als Symbol für Jungfräulichkeit verehrt wurde. So benötigte allein die Wittenberger Schlosskirche jährlich rund 35 570 Pfund Bienenwachs. Christoph Victor hat dafür einen treffenden Begriff parat: »Die Bienen waren die Elektrizitätswerke des Mittelalters.«

Mit der Reformation wurde die Nachfrage nach Wachs spürbar geringer. Außerdem kamen durch die Handelsbeziehungen nach Übersee jährlich wachsende Mengen von Zucker nach Europa. Diese Einflüsse führten zu einem Niedergang der Zeidlerei, verstärkt durch die kriegerischen Ereignisse des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Erst im 18. Jahrhundert kam es zu einer Neubewertung von Imkerei, zum einen als Unterstützung des verarmten Bauernstandes, zum anderen als Objekt wissenschaftlicher Betrachtungen. Es entstand eine Vielzahl bienenkundlicher Veröffentlichungen. Gerade die Landpfarrer hatten, nicht zuletzt aufgrund ihrer spärlichen Besoldung, großes Interesse an der Modernisierung der bäuerlichen Bienenhaltung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben zwei Imker als Thüringer Bienenpfarrer Geschichte geschrieben: Ferdinand Gerstung (1860–1925) und August Ludwig (1867–1951). Es ist lohnenswert, sich über diese beiden Väter der modernen Imkerei im Deutschen Bienenmuseum in Weimar zu informieren. Von Ferdinand Gerstung ist folgendes Zitat überliefert: »Was nun aber die Bienenzucht besonders wertvoll macht und ihr das Gepräge einer edlen Naturliebhaberei gibt, das ist der Umstand, dass sie sich wie keine andere auch an das Gemüt des Menschen wendet.«

Adrienne Uebbing

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