Wir müssen raus in die normale Welt

24. Juli 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Reformationssommer in Mitteldeutschland: Über enttäuschte Erwartungen, Christsein in einer konfessionsfreien Welt, die Lust am Streit und das schwierige Gefühl der Heimat sprach Propst Johann Schneider, Regionalbischof von Halle-Wittenberg, mit Katja Schmidtke.Sommerlogo GuH

Wir treffen uns nicht in Halle, wo Ihr Büro ist, sondern in Wittenberg, wo in diesem Jahr die Musik spielt. Sie spielt ziemlich laut, aber vor weniger Publikum als erwartet.
Schneider:
Auf den ersten Blick stimmt das, aber wir müssen genau hinsehen. Die Gottesdienste in der Stadtkirche und in der Schlosskirche sind sehr gut besucht. Die Herausforderung, die ich sehe: Die Gruppen, die die Stadt besuchen, haben in der Regel ihr eigenes Programm und für zusätzliche Aktivitäten kaum Zeit. Einige Veranstaltungen sind gut besucht, einige werden kaum wahrgenommen.

Johann Schneider im Luthergarten in Wittenberg, einem Lieblingsplatz – im Hintergrund der Turm der Schlosskirche. Foto: Thomas Klitzsch

Johann Schneider im Luthergarten in Wittenberg, einem Lieblingsplatz – im Hintergrund der Turm der Schlosskirche. Foto: Thomas Klitzsch

Wir werden mit den enttäuschten Erwartungen klarkommen müssen, gerade bei Menschen, die von weither kommen, sich ehrenamtlich beteiligen oder ihren Urlaub einbringen. Da bleibt eine Spannung. Ein gutes Beispiel: Ich war auf einer nicht gut besuchten Veranstaltung, der Wind wehte, und eine Teilnehmerin schlug vor, nach drinnen zu gehen. Das ist eine typische Reaktion in der Kirche.

Wie meinen Sie das?
Schneider:
Wir ziehen uns in geschützte Räume zurück. Natürlich verlieren sich 15 Menschen auf einer Bühne mit 250 Plätzen. Aber all diese Formate auf der Weltausstellung sind doch eine gute Übung. Wir müssen als Kirche raus aus den Kirchenräumen auf die Marktplätze. Das ist auch die Quintessenz der Kirchentage auf dem Weg – bei aller Kritik. Dieses Hinausgehen in die normale Welt ist die zentrale Handlung.

Hinaus in die normale Welt – wir und die anderen? Woher kommt diese Trennung?
Schneider:
Was ich in fünf Jahren als Propst gelernt habe: Die konfessionslose Kultur bestimmt das Denken und tabuisiert subtil den Glauben. Glauben spielt einfach keine Rolle, er ist vollkommen irrelevant. Menschen verhalten sich wie religiöse Analphabeten. Wer glaubt, zieht sich in die Kirche zurück, weil er dort Menschen trifft, die ähnlich denken. Es erfordert einen Kraftakt, hinauszugehen.

So wie in Tröglitz: Nach dem Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft bat mich ein Gemeindekirchenrat, zum Friedensgebet zu kommen, die Stimmung war wie gelähmt. Ich legte den Bibelvers aus, dass Gott uns nicht einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, Zuversicht, Hoffnung gegeben hat und wollte den Gottesdienst mit einem Vaterunser, einer Segensbitte vor dem ausgebrannten Haus abschließen. Das war ganz schwer durchzusetzen. »Was sollen wir da machen?«, lautete die Gegenfrage. Einfach gehen, sich als Christ zeigen, singen und beten. Wir taten es und die Leute aus der Schrebergartensiedlung gegenüber standen am Zaun und guckten uns zu. Eine typische Situation.

Es ist ungewöhnlich, wenn Christen öffentlich zusammenkommen?
Schneider:
Es ist in dieser konfessionsfreien Welt seltsam, sich öffentlich zu treffen und etwas gemeinsam zu tun. Nach 1990 haben wir einen Schub von Individualisierung und Vereinzelung erlebt, in Ost wie West, sodass Gemeinschaftliches erst einmal verdächtig ist. Aber wir wollen die Botschaft, an die wir glauben, teilen. Und das gelingt aus meiner Sicht nur, wenn Menschen sich begegnen.

Als Regionalbischof begegnen Sie den Menschen. Wir haben das Gefühl, gerade bei heißen Themen klaffen die Meinungen zwischen Kirchenvolk und Kirchenleitung auseinander.
Schneider:
Ich denke an den Trägerverein des Schlosses Mansfeld, der in die Kritik geraten war. Der Verein hatte der Stadt die Vermietung eines Raumes im Schloss, das die Stadt Mansfeld als Standesamt nutzte, gekündigt. Es gab Streit um die Eintragung einer Lebenspartnerschaft und die anschließende Feier auf Schloss Mansfeld. Wir dürfen bei unserem Urteil nicht außer Acht lassen: Das sind alles engagierte Ehrenamtliche, sie legen die Grundlage unseres Glaubens, die Bibel, in einer gewissen Weise aus, und diese Auslegung entspricht manchmal nicht den Trends der theologischen Forschung. Es ist eine traditionelle Auslegung, besonders bei heißen Themen wie Homosexualität, Familie, Ehe.

Wir Theologen müssen uns prüfen, wie schnell wir mit unserer Position anderen sagen wollen, was geht und was nicht. Mir ist bei der Moderation in Mansfeld aufgefallen, dass auch ich schnell ein Korrektiv im Kopf habe, »nein, so kann man das nicht auslegen«. Aber wir sind gemeinsam Hörer des Wortes. Wir ringen um die Wahrheit, sie ist nichts Statisches.

Wie ging es in Mansfeld weiter?
Schneider:
Die Mitgliederversammlung hat die Kündigung zurückgenommen, aber man muss da sehr genau hinschauen. Der Vorstand hat nicht unverantwortlich gehandelt, die Mitgliederversammlung hat ihm weiterhin ihr Vertrauen geschenkt. Ergebnis des Gesprächs: Das Standesamt kann dort wieder Eintragungen gleichgeschlechtlicher Paare vornehmen. Ich bin dankbar für eine friedliche, zivilisierte Auseinandersetzung mit dem Standesamt und auch im Verein.

Wir streiten viel, aber oft unsachlich. Ich denke an all die Debatten um die AfD, an Tröglitz und Schnellroda.
Schneider:
Uns fehlen hier die öffentlichen Räume. Wo treffen wir andere Menschen, Menschen außerhalb unserer Kreise? Außerdem ist ein Verlust an zivilisierter Gesprächskultur festzustellen. Es gehört ein Maß an Zuhörenwollen und Ertragen, dass der andere eine andere Meinung hat, dazu. Wir sind als Kirche – und da nehme ich mich nicht aus – sehr schnell bei einem Urteil. Gerade in politischen Fragen formulieren wir schnell einen moralischen Anspruch.

Ich bin kein Freund von Appellen. Ich mag nicht moralisieren. Wenn Sie in einem sozialistischen Schulsystem aufwachsen, haben Sie genug Appelle gehört. Das wunderbarste Geschenk ist doch, dass wir frei denken und frei reden können.

Zu Schnellroda: Ich bin sehr dankbar, dass die Pfarrerin zuversichtlich und fröhlich ihren Dienst tut. Sie ist eine unbefangene Christin, kommt aus einem völlig säkularen Elternhaus, sie ist so normal, sie passt ganz genau da hin. Und sie hat die Gabe, mit allen zu reden, die ihr zuhören wollen.

Sie trafen während Ihrer Studienzeit in Erlangen auf Fairy von Lilienfeld, eine Theologin des Katechetischen Oberseminars Naumburg, die die DDR verlassen durfte und in Bayern die erste Theologin und ordinierte Pfarrerin war. Was haben Sie von ihr gelernt?
Schneider:
Ich habe bei ihr viel gelernt. Menschlich und inhaltlich. Menschlich verdanke ich ihr zum Beispiel den Impuls, als junger Vater und an der Endstation meiner Promotionsarbeit den Fernseher abzuschaffen. Und im ökumenischen Gespräch, dass es hilft, die Position des Gesprächspartners sehr gut zu kennen. Fairy kannte die theologischen Grundlagen der Orthodoxie oft besser als die orthodoxen Theologen.

Teilten Sie mit ihr die Erfahrung, in einem anderen Land neu anzufangen?
Schneider:
Ja. Sie sagte: »Lieber Herr Schneider, es wartet hier niemand auf Sie – aber es ist trotzdem gut, dass Sie hier sind.« Das lässt sich auf heute übertragen, egal ob Sie aus einem fremden Land kommen oder in eine neue Stadt ziehen. In der Regel wartet niemand auf Sie. Sie müssen selbst auf die Menschen zugehen. Das habe ich auch den Stipendiaten geraten, mit denen ich durch meine Arbeit an der Universität und später für die EKD zu tun hatte. Deutschland ist eine geschlossene Gesellschaft, und die Kirche gleich noch einmal. Die Aufgabe ist es, selbst die Kirchentür aufzumachen.

Welche Tür haben Sie aufgestoßen, als Sie 1985 von Siebenbürgen nach Würzburg gekommen sind?
Schneider:
Ich habe es in der Kirchengemeinde versucht, das war nicht leicht. Wir waren Exoten. Ich suchte mir einen Studentenkreis, obwohl ich noch kein Student war; ich musste ja in Deutschland mein Abitur zum zweiten Mal ablegen. Das Studium war dann das Tor, um Menschen wirklich kennenzulernen. Ich habe aber auch in dieser Zeit oft gespürt, mein Leben, meine Geschichte haben für die anderen etwas Fremdes. Ich habe gelernt, wo ich etwas über mich erzählen kann und wo nicht.

Haben Sie das Gefühl, Ihre Heimat verloren zu haben?
Schneider:
Verloren – nein. Wir sind zwar schweren Herzens gegangen, aber kurioserweise haben uns die Jugendlichen aus der DDR ermutigt. Sie sagten: »Christus geht mit euch.«

Verloren – ja. Das waren die Freunde, der persönliche Umgang, die vertraute Umgebung. Aber ich bin inzwischen fast jedes Jahr in Rumänien, und so ist es mir nicht verloren gegangen. Das Gefühl der Heimat hat sich verlagert in die Sprache.

Was ist für mich Heimat? Es ist die Vielfalt der Sprachen: Siebenbürgisch-Sächsisch, Ungarisch, Rumänisch, und es ist auch das Miteinander. Sie werden es nicht glauben, aber wenn ich in Halle bettelnde Roma treffe, fühle ich mich nicht unbehaglich. Wir kommen miteinander ins Gespräch.

Die Emigration war ein ungemeiner Zuwachs an Freiheit. Frei zu sagen, was ich denke, nicht zu unterscheiden, was ich privat und öffentlich sagen kann, und zu kritisieren. Ich kann an Texten kritisieren, ich kann sogar die Kirche kritisieren – und bleibe dennoch drin. Das ist doch wunderbar!

»Reformation geht weiter«, heißt ein EKM-Slogan. Was heißt das für Sie?
Schneider:
Ich hadere etwas damit, weil der Slogan etwas Appellatives hat. Was heißt das für mich – »Reformation geht weiter«? Dass wir die Offenheit zu einem kritischen Streit innerhalb der Kirchen brauchen. Ich sehe diese Bereitschaft noch nicht, auch nicht in unserer Kirche. Unsere Synode streitet aus meiner Sicht viel zu wenig über kon­troverse Themen im Licht der Schrift.

»Reformation geht weiter« heißt für mich: Mut zu klaren Aussagen, zu einem Bekenntnis, das herausfordert, aber nicht abstößt, sondern einlädt, und dass wir das, was wir teilen, in einer freundlichen Weise mitteilen und mit der Ablehnung, die wir auch erfahren, umgehen lernen.

Aber der Slogan ist für Kirchenleute. Fragen Sie Menschen auf dem Wittenberger Markt dazu, greifen diese sich wahrscheinlich an die Stirn: Oh Gott, kommen die nächstes Jahr alle wieder? Es wird sich zeigen, welche Wirkung dieses Jubiläumsjahr über Wittenberg hinaus hat. Es wird auch kritische Fragen geben, natürlich. All der Aufwand. Aber es ist eine große Chance für die mitteldeutsche Kirche.

Dr. Johann Schneider wurde 1963 im siebenbürgischen Mediasch (Rumänien) geboren. Nach der Lehre als Werkzeug­macher studierte er Theologie in Neuendettelsau, Tübingen, München, Erlangen und Rom. Später arbeitete er als Pfarrer und Dozent an der Universität Erlangen, beim Diakonischen Werk der EKD und beim Lutherischen Weltbund.

Seit 2007 war er als theologischer Oberkirchenrat im Kirchenamt der EKD in Hannover, insbesondere im ökumenischen Bereich, tätig. Im November 2011 wählte ihn die Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zum Regional­bischof des Propstsprengels Halle-Wittenberg. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Volksmusik und -kirche

19. Dezember 2016 von redaktionguh  
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Er war der unbestrittene »King of the Kings« der DDR-Volksmusikszene: Herbert Roth wäre am 14. Dezember 90 Jahre alt geworden. Dank der Schallplatte und des DDR-Fernsehens bin ich mit ihm und seinen Liedern quasi aufgewachsen. Mein Vater war absoluter Volksmusik-Fan und der heute noch in meinem Besitz befindliche Stapel seiner Vinylscheiben bringt etliche Kilo auf die Waage. Für mich als 14-, 15-Jährigen war es vor allem peinlich, wenn aus unseren Fenstern wieder und wieder das »Rennsteiglied« oder »Kleines Haus am Wald« auf die Straße drang. Inzwischen kann ich die Lieder auf der Basis der »versöhnten Verschiedenheit« tolerieren.
Was freilich kaum jemand weiß: Der gefeierte Suhler Barde, der nicht nur Volkslieder komponierte und sang, sondern unter Pseudonym auch so manchen DDR-Schlager schuf, der Träger der »Ehrenmedaille der Nationalen Front« und des »Vaterländischen Verdienstordens der DDR« in Gold, war und blieb Zeit seines Lebens Mitglied der evangelischen Kirche, wie mir seine Tochter Karin Roth bestätigte. Und zahlte damit bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1983 auch so manches nette Sümmchen an Kirchensteuern.
Die Familie von Herbert Roth verließ allerdings nach seiner Beerdigung die Kirche. Der Anlass ist aus heutiger Sicht kaum nachvollziehbar: Weil die offizielle Trauerfeier in Anwesenheit von DDR-Oberen als »weltliche« Feier firmierte, verweigerte die Kirchengemeinde damals das von Roth ausdrücklich gewünschte Glockengeläut.
Wie sich manche Menschen an Musikstilen reiben, reiben sich andere an der Kirche. Das ist leider bis heute so. So erklärte erst jüngst ein prominentes Mitglied der EKM gegenüber der Landesbischöfin seinen Austritt (siehe Seite 5).

Harald Krille

Anderen helfen mit der Kraft der Musik

13. November 2016 von redaktionguh  
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Ehrenamt: Seit acht Jahren organisieren Doris und Henry Lange Benefizkonzerte für das Anhalt-Hospiz in Dessau-Roßlau

Immer Mal etwas zu spenden, war Doris Lange dann doch zu wenig. »Ich wollte mich richtig einbringen, vielleicht auch mit meinem Fachwissen weiterhelfen«, erzählt die frühere Apothekerin aus Dessau-Waldersee. Das Anhalt-Hospiz brauchte damals, 2008, viele helfende Hände. Im Förderkreis des Hospizes fand die Apothekerin eine ehrenamtliche Heimat. Schnell wurde ihr und den anderen Mitstreitern bewusst, dass es vor allem finanzielle Unterstützung für die Einrichtung brauchte. Nur 90 Prozent der Kosten für Aufenthalte von Hospiz-Patienten wurden von den Krankenkassen getragen. Den restlichen Eigenanteil von zehn Prozent mussten Hospiz-Einrichtungen immer selbst auftreiben. Mit einem kürzlich verabschiedeten neuen Palliativgesetz ist der Eigenanteil auf fünf Prozent gesenkt worden. Aber Finanzierungslücken gibt es immer noch. Doch weil Doris Lange eben nicht nur spenden wollte, sprach sie mit ihrem

Doris und Henry Lange zu Hause an ihrem Klavier. Foto: Danny Gitter

Doris und Henry Lange zu Hause an ihrem Klavier. Foto: Danny Gitter

Mann Henry darüber, wie sie sich sinnvoll für das Hospiz einsetzen könnte. Da war die Idee zu einem Benefizkonzert geboren.
Die eine Leidenschaft, Bücher, hat Henry Lange zum Beruf gemacht – als ausgebildeter Buchhändler und späterer selbstständiger Verlagsvertreter. Die andere Leidenschaft, die Musik, pflegt er seit Jahrzehnten als großes Hobby. Im Leipziger Gewandhauschor wirkte er schon mit. Der Dessauer Lutherchor ist ihm genauso eine musikalische Heimat wie der Walderseer Kirchenchor, der er zeitweilig auch leitete. Daher stand der Ort für das erste Benefizkonzert 2008 auch schnell fest: die Walderseer Kirche St. Bartholomäi. Neun Mal wurde zu Gunsten des Anhalt-Hospizes hier schon musiziert, zuletzt am 25. September 2016. 1 323 Euro wurden beim letzten Konzert gespendet.

Für das Ehepaar Lange sind die Benefizkonzerte an jedem letzten Sonntag im September ein vierfacher Gewinn. Das Anhalt-Hospiz bekommt eine finanzielle Unterstützung, um die Finanzierungslücke der nicht getragenen Kosten durch die Krankenkassen zu deckeln. Die Sängerinnen und Sänger sowie die Instrumentalisten der Konzerte haben eine Plattform für ihr musikalisches Talent. Das Publikum der stets gut besuchten Konzerte erlebt einen Hörgenuss mit bekannten Volksliedern, Instrumentalstücken und Kirchenliedern. »Wir als Organisatoren haben natürlich auch unsere Freude an den Konzerten«, betont Henry Lange. Er leitet sie, seine Frau genießt die Atmosphäre meist als Zuschauerin.

Vor der sonntäglichen Kür kommt bekanntlich die Pflicht. Immer vier Probentermine, jeweils einmal pro Woche, werden vor den jährlichen Benefizkonzerten im großen Saal der Anhaltischen Diakonissenanstalt in der Dessauer Gropiusallee angesetzt. Manche Mitstreiter sind treue Weggefährten. Die meisten aber kommen und gehen. Choristen verschiedener Prägungen, Hobbysänger, Schüler und Studenten haben schon mitgemacht. Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, aus einer bunten Truppe einen harmonischen Chor zu formen. Doch es klappt und wird auch nächstes Jahr zum zehnten Mal klappen. Davon sind beide überzeugt.

Danny Gitter

Samba für die Seele

24. April 2016 von redaktionguh  
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Wohl nie gab es mehr gedruckte Noten als heute, und gleichzeitig war das Selbersingen nie so aus dem Lebensalltag verdrängt. Lassen Sie doch einen Moment die Zeitung sinken, schließen Sie die Augen und beginnen leise ein Lied zu summen, zu singen, und horchen Sie, was es in Ihnen und Ihrem Umfeld anstößt!

Viele gute Gründe sprechen dafür, die musikalischen Schätze der Kirche aus Tradition und Gegenwart singend zu pflegen und zu bewahren. Mir scheint, wir schreiben und reden darüber umso mehr, je mehr es uns abhandenkommt. Außerdem könnte es sogar sein, dass der »Musikmarkt« der ökonomisierten Wohlstandsgesellschaft gar nicht mehr das trifft, was wir gern als Gottesgeschenk preisen. Wenn Musik über Kopfhörer nicht mehr Kommunikation, sondern Isolation fördert; wenn sie derartig pusht, dass sie als eine Spielart von Gewalt erfahrbar wird; wenn sie als süßer Zuckerguss die Sinne verkleistert, anstatt Wahrnehmung zu schärfen, zu vertiefen; wenn die Klangberieselung in Kaufhäusern bis in den Fahrstuhl und die Toiletten reicht und Musik als Stimulanz missbraucht und letztlich verachtet wird. So werden wir unfähig zur Stille.

Aber jedes Ohr hat einen hohen Anspruch an Klang und kann außergewöhnlich gut differenzieren. Wenn wir hörend singen, sind wir auf einer guten und wichtigen Spur. Dabei kann ein Lied der Trauer natürlich ein Blues sein, kann Wut und Empörung berechtigt Stilmittel des Rock benutzen und ein fröhliches Lied als Samba daherkommen: Es geht nicht um die Stilrichtung, sondern darum, offenohrig zu sein, der Schwerhörigkeit der Seele zu entkommen, offen für Begegnung. Laden Sie mich doch einfach ein: <mathias.gauer@ekmd.de>

Mathias Gauer

Der Autor ist Landessingwart der EKM.

Ohne das Lied wäre alles anders

23. April 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98,1

Es war ein langer und weiter gemeinsamer Weg. Ich weiß noch, wie wir uns kennenlernten, ein Haufen zusammengewürfelter Vikare. Der Weg noch vor uns, die Aufbruchfreude und Unsicherheit in uns. Ein verlegener erster Moment. Dann greift einer zur Gitarre, Bücher werden geholt. Wir singen noch einmal das eine alberne Lied aus dem Seminar gerade, danach noch das Schöne, was einer letztens gehört hat, wir lachen und können gar nicht aufhören.

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Einer singt brummelnd und leise, einer selbstbewusst schief, ein dritter hält die Stimmlage. Einer setzt sich ans Klavier. Später suchen wir absurde Gegenstände zusammen, wir machen Musik. Und wir wachsen zusammen. Über den Liederbüchern begegnen sich die Blicke. Wir verstehen. Wir loben Gott und wundern uns über diese Gemeinschaft so verschiedener Menschen wie wir es sind.

Jetzt – zweieinhalb Jahre später: Wir sitzen wieder zusammen, eine vertraute und doch ganz andere Runde, wir sind jetzt Pfarrer. Einige von uns fehlen. Da stimmt einer das Lied an, unser Lied, das schöne, und wir singen es auswendig. Jeder singt die Strophe, die ihm gerade einfällt, total egal, ob es passt: wir singen. Der Stress der letzten Tage ist für einen kurzen Moment weggefegt im Chor der Stimmen; das Unsichere der kommenden Zeit vergessen, und ihr, die ihr uns gerade fehlt, ihr seid über das Lied für einen Moment mit im Raum.

Einer hat die Augen geschlossen, ein anderer blickt in die Runde. Wir verstehen einander. Wir loben Gott und wundern uns über die Wege, die wir gegangen sind und gehen. Die der Anwesenden und der Abwesenden.

Ein Kreis in der Gemeinde. Wir beginnen mit einem Lied. Jemand hat Geburtstag, er darf es sich wünschen. Und wir anderen, wir singen für ihn, wir singen miteinander. Wir teilen das Lied wie später den Kaffee und unsere Gedanken. Ohne das Lied wäre es anders, wären wir eine andere Gemeinschaft. Über den zugeklappten Büchern lächeln wir uns später zu: schön ist es, dieses Lied, seit damals … Wir verstehen einander im Lob Gottes.

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Erste Kirchenmusikschule Deutschlands als Modellprojekt

11. April 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Vor 90 Jahren wurde die Ausbildungsstätte in Aschersleben im Harz gegründet

Bewegungen der verschiedensten Art prägten die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – in der Theologie, im Orgelbau, in der Politik und in der Kirchenmusik. Ein bis dahin nur am Rande wahrgenommener Beruf rückte dabei ins allgemeine kirchliche Bewusstsein. Am 18. April 1926 ist im sachsen-anhaltischen Aschersleben die erste Kirchenmusikschule in Deutschland gegründet wurde. Das Städtchen am Nordrand des Harzes wurde damit zur Wiege von Generationen von Kirchenmusikern, die das kirchliche Leben vor allem im Osten Deutschlands bis heute prägen.

Zeitgleich fand das 1921 eingerichtete »Institut für Kirchenmusik« Leipzig seine endgültige Gestalt als Ausbildungsstätte der sächsischen Kirche am Landeskonservatorium. Der Typ der Kirchenmusikschule aber ist durch Aschersleben geprägt worden. Bis dahin gab es nur eine Lehrer- und Organisten-Ausbildung an den entsprechenden Instituten.

In den ersten zehn Jahren leitet Seminaroberlehrer Julius Bürger, der auch Organist an der Stephanikirche in Aschersleben ist, die Ausbildungsstätte. Danach übernimmt Bernhard Henking, zugleich Domkantor in Magdeburg, dieses Amt. 1939 erfolgt der Umzug nach Halle in die Wilhelmstraße 10 (heute Emil-Abderhalden-Straße). Die schwierigen Umstände dieser Jahre führen dazu, dass Henking, der Schweizer Staatsbürger ist, im gleichen Jahr das Land verlässt. Der Schreker-Schüler Kurt Fiebig, zuvor als Dozent in Aschersleben tätig, wird neuer Direktor und Kirchenmusiker an der Ulrichskirche Halle.

Aufführung der Hochschule für Kirchenmusik in der Pauluskirche in Halle. Foto: Barbara Bräuer

Aufführung der Hochschule für Kirchenmusik in der Pauluskirche in Halle. Foto: Barbara Bräuer

Bis 1972 fungiert diese als Kirche der Ausbildungsstätte. Dort werden hauptsächlich die Konzerte und sonntäglichen Gottesdienste gestaltet. Da die Männer im Krieg sind, studieren bis 1945 fast ausschließlich Frauen. Die Studentin Gisela Wessel führt in diesen Jahren die Ausbildung.

Noch vor der Kapitulation kann im April unter amerikanischer Besatzung der Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden. Fiebig kehrt Ende 1945 aus der Gefangenschaft zurück und übernimmt erneut die Leitung. 1951 geht er nach Hamburg und Eberhard Wenzel – bisher Direktor der Görlitzer Kirchenmusikschule – übernimmt die Leitung.

Inzwischen ist der Beruf des Kirchenmusikers fest in der Kirche verankert und die A-B-C-Ausbildung etabliert. Halle ist in der DDR die einzige Kirchenmusikschule mit der Ausbildung zum A-Kirchenmusiker. Die A-Prüfungen werden bis etwa 1954 auch von Professoren der staatlichen Hochschulen abgenommen. Da es in der DDR keine kirchliche Hochschularbeit geben darf, wird die Kirchenmusikschule Halle als Fachschule eingestuft und die A-Prüfung verliert den Rang eines Hochschulabschlusses. Das wird am 1. Juli 1993 durch das Land Sachsen-Anhalt rückwirkend korrigiert. Seitdem gibt es die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik (EHK).

Nach den beiden Komponisten Fiebig und Wenzel übernahm der Mecklenburger Walter Bruhns die Leitung bis zu seinem plötzlichen Tod 1977. Es waren die Jahre, in denen die Kirche aus dem öffentlichen Raum weitestgehend verdrängt war und die Studenten sich fragten, was sie denn nach dem Erlöschen des Berufes machen sollten. Es war aber auch die Zeit, in der Bruhns die erste Nachkriegsaufführung des »Elias« leitete und die Orgelbegeisterung der 1970er-Jahre die Kirchen mit jungen Leuten füllte.

Nach dem Tod von Walter Bruhns und einer einjährigen Leitung durch Dr. Ursula Herrmann übernimmt 1978 der bis dahin schon im Hause tätige Helmut Gleim für 22 Jahre das Rektorat. In diese Zeit fallen die schwierigen Übergangsjahre in das neue Deutschland und die Anpassung an gänzlich veränderte Bedingungen. Die Studierenden dieser Jahre wissen von begeisternden Aufführungen und einer fundierten Ausbildung zu berichten.

Nach einem Interim mit Konrad Brandt übernimmt Wolfgang Kupke im Jahr 2000 die Leitung und hat sie bis zur Stunde inne. 2001 kann ein neues Haus in der Kleinen Ulrichstraße bezogen werden. Fortan sind Wohnen, Essen und Arbeiten getrennte Bereiche. Dem sommerlichen Garten in der Abderhalden-Straße trauert mancher nach, aber das neue Haus besticht durch seine funktionale Schönheit.

Neben dieser äußeren Veränderung, gibt es im Laufe der Jahre auch verschiedene inhaltliche, so etwa die Zusammenarbeit mit der benachbarten Universität im kombinierten Studiengang »Bachelor Kirchenmusik/Lehramt Musik an Gymnasien«, die Einführung des Bachelor-Master-Systems, die regelmäßige Durchführung von Orchesterseminaren mit der Staatskapelle Halle und vieles mehr.

Die Studierenden heute müssen über ein Erlöschen ihres Berufes nicht nachdenken. Dem 100. Geburtstag des Hauses kann mit Zuversicht entgegengesehen werden.

Matthias Jacob

»Wir kommen mit Musik«

15. März 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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Initiativen in Kamsdorf und Saalfeld bieten neue Integrationsmöglichkeiten für Flüchtlinge

Orientalische Klänge auf der Oud verweben sich mit europäischer Musik. Junge Leute der Saalfelder Musikschule spielen gemeinsam mit Abdallah Ghbash das von ihm komponierte Lied »For Syrian Children« für Oud und Zupfinstrumente. Astrid Pautzke vom Kunstraum Kamsdorf nennt dies: »Eine Brücke zwischen Orient und Okzident.« Grit und Sven Einsiedel, Astrid Pautzke sowie Jana und Fritz Bauer, die das Zupfinstrumenten-Ensemble »Querdas Saltandas« der Musikschule Saalfeld leiten, organisierten dieses gemeinsame Konzert mit Abdallah Ghbash.

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Abdallah Ghbash will zwischen Deutschen und Flüchtlingen musikalische Brücken bauen. Foto: Wolfgang Hesse

Dem grausamen Spruch der IS-Terrormiliz »We’re coming to slaughter you (Wir kommen, um euch zu schlachten)« möchte Abdallah Ghbash sein Motto gegenüberstellen: »We’re coming with the music (Wir kommen mit der Musik)«. Mit Musik und Kunst möchte der begabte Musiker für Menschlichkeit und Völkerverständigung werben. Seine Lieder erzählen vom Streben der syrischen Menschen nach Freiheit, von der Situation der Flüchtlinge in türkischen Auffanglagern und vom Leid auf dem Weg über das Meer nach Griechenland.

Sechs Jahre studierte Abdallah Ghbash in Syrien Musik und die Oud, eine orientalische Kurzhalslaute. Wegen massiven politischen Drucks auf seine musikalische Arbeit durch den syrischen Sicherheitsapparat musste der Musiker 2011 Aleppo, seine Heimatstadt, verlassen. Während seines Exils entstanden zwei Alben, eingespielt in Jordanien und in Istanbul. Im Herbst letzten Jahres wurde seine Aufenthaltserlaubnis für die Türkei nicht verlängert. Deshalb nahm der 28-Jährige die beschwerliche Flucht über den Balkan bis nach Deutschland in Kauf und kam schließlich nach Saalfeld. Der eher unpolitische syrische Musiker wünscht sich für die Menschen in seiner Heimat und für den gesamten arabischen Raum ein Ende der Kriegshandlungen und einen friedlichen Wiederaufbau. Persönlich erhofft sich der Musiker, weiter studieren und endlich seine Ideen umsetzen zu können, was ihm in Syrien verwehrt blieb. »Mir liegt es sehr am Herzen, mit der Musik deutsche und geflohene Musiker, Deutsche und Flüchtlinge auf der Ebene von Mensch zu Mensch zusammenzubringen.« Den Menschen, die gegen die Kriegsflüchtlinge in Deutschland demonstrieren, möchte er die Botschaft mitgeben: »Demonstriert nicht gegen die Flüchtlinge, demonstriert gegen den Krieg, vor dem die Menschen fliehen müssen.«

»Musik und Kunst bilden bei der Integration eine Einheit«, meint Astrid Pautzke. »Viele Flüchtlinge bringen allein nur ihr künstlerisches Können mit nach Deutschland.« Seit Sommer 2015 bietet sie mit ihrem kreativen Projekt OASE im Kunstraum Kamsdorf eine Kunstwerkstatt an. »Es ist bereichernd, wenn man diese Menschen kennenlernen kann. Es ergeben sich beim gemeinsamen Arbeiten und Erzählen viele persönliche Kontakte.« Erste Arbeiten dieses Kunstprojektes von Flüchtlingen und Deutschen wurden in einer Ausstellung Ende November letzten Jahres gezeigt.

Wolfgang Hesse

www.kunstraum-kamsdorf.de

Der Teufel klingt ziemlich schräg

13. Februar 2016 von redaktionguh  
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Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

1. Johannes 3, Vers 8 b

Der Teufel hat in der Musik sein eigenes Intervall, den Tritonus. Isoliert klingt er ziemlich schräg, irgendwie nicht richtig, obwohl er genau in der Mitte eines Tons und seiner Oktave liegt. Zu finden und ganz bewusst eingesetzt bei Bach über Beethoven, Mendelssohn Bartholdy, Wagner bis zu Jimi Hendrix und den Simpsons. Die übermäßige Quarte, die harmonisch problematisch ist und nach Auflösung schreit, gehört ihm.

 Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

So verlockend er auch daherkommt, irgendetwas ist nicht richtig, beim Diábolos, dem »Durcheinanderwerfer«, selbst wenn sein Intervall eine Frage der geschickten Gewöhnung ist. Jesus hat der Versuchung in der Wüste widerstanden, den Missklang herausgehört. Er hatte dazu ein gutes Stimmgerät. Er argumentiert mit der Schrift, richtet sie auf.

Auch für uns gilt: »Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert« (Micha 6,8). Vor allem, so betont es auch der Schreiber des
1. Johannesbriefes, und zeitübergreifend gilt das Recht für die Schwächeren und aufmerksames Leben vor Gott. Das mochte der Teufel noch nie. Aber wie sehr wir uns auch anstrengen würden, dem Gesetz Gottes, das unser Maßstab bleibt, zu genügen, – und das fängt bekanntlich schon bei bösen Gedanken, begehrlichen Blicken und verweigerter Feindesliebe an, – es würde uns nicht gelingen, in unserer globalen Welt schon gar nicht. Der Teufel hätte feines Spiel mit uns, der Heilsweg bliebe uns verschlossen, wenn nicht, ja wenn nicht Jesus Christus mit seinem feinen Gehör und seiner Gerechtigkeit für uns eingetreten wäre, dem Teufel zu einer zugigen Wohnung und dem Cherub zu neuen Arbeitsbedingungen verholfen hätte.

Wir sind frei, als Gottes geliebte Kinder seinen Willen zu befolgen und in Hoffnung, dass er uns nicht in Versuchung führen möge. Dieses dürfen wir in der Passionszeit bedenken, beten, feiern und mit uns selbst und anderen versöhnt leben. Allerdings, der Tritonus schreit noch immer nach Auflösung. Möge Gott helfen – »Jehoschua« – Gott hilft.

Sabine Wegner, Pfarrerin in Hohenstein-Liebenrode

Der Wort-Hirte

3. Dezember 2015 von redaktionguh  
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Michael Trowitzsch zum Tod von Klaus-Peter Hertzsch

So sitzt er am Feuer und erzählt, der zerbrechliche Hirte, dieser so mündliche Mensch, Klaus-Peter Hertzsch, der Wort-Hirte. Es ist dunkel. Neben ihm seine Sigrid. Er erzählt, wie er das meisterhaft kann, anschaulich und bildkräftig: von Jona und dem Fisch, von Bileam und dem Esel, von Daniel und den Löwen und von vielen, vielen anderen biblischen Szenen, ihrem Trost und ihrer Ermutigung, ihrer visionären Kraft, ihren Zielvorstellungen, ihrer Wanderung durch die Zeit, von ihrer Behütung der Armen und Elenden, von der Barmherzigkeit, auf die wir alle doch so angewiesen sind, er, der Erzähler, auch.

Mitteldeutscher Kirchentag 2013 in Jena: Klaus-Peter Hertzsch und seine Frau Sigrid beim Abendmahl. Foto: Jürgen Scheere

Mitteldeutscher Kirchentag 2013 in Jena: Klaus-Peter Hertzsch und seine Frau Sigrid beim Abendmahl. Foto: Jürgen Scheere

Unverwechselbar der Ton, den er anschlägt: beharrlich, tapfer, im Aufruf, den neuen Wegen zu vertrauen, und selbst aus diesem Vertrauen lebend. Ganz bewusst den Tag vor dem Abend lobend. Mit einem Untergrund tiefer Stille. Mit großer Sehnsucht. Er erzählt. Dem Erklären stellt er das kluge Erzählen gegenüber. Erzählend kann man vielleicht umso besser denken. Selber durchaus theoriestark, hält er am Vorrang des Praktischen fest. Er ergreift Partei: »Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit!« Er ist einer von denen.
Und dann berichtet er ein wenig auch von seinem eigenen Leben. Von der Kindheit mit den Brüdern in der Pfarrer- und Professorenfamilie in Eisenach. Von der für ihn so wichtigen Musik Johann Sebastian Bachs. Von den Operationen und der lebenslangen Seh-Behinderung. Von seiner Zeit als Studentenpfarrer und dann als Professor für Praktische Theologie als Nachfolger seines Vaters ab 1969 in Jena. Von seinen inzwischen legendären Literatur-Vorlesungen. Von den Synoden auf den verschiedenen Ebenen, den unendlich vielen Andachten, Bibelarbeiten, Predigten, Vorträgen, Zeitungsartikeln, Gedichten. »Gebrauchstexte« nennt er das, es ist aber immer viel mehr. Die Ehrenbürgerschaft in Jena, die Verleihung der »Luther-Medaille«? Er erwähnt es von sich aus nicht. Stattdessen berichtet er ein wenig auch vom Ruhestand, der schweren Zeit der letzten Jahre in Pflegeheimen. Sigrid, Gott sei Dank, an seiner Seite.

Ja, eine Aura umgibt ihn. Im Alter noch mehr als früher. Eine anrührende, große Menschlichkeit, eine schwer zu beschreibende Vollmacht, etwas Charismatisches. Inzwischen eine Vertrauensperson und väterliche Gestalt, war er schon immer ein zutiefst versöhnlicher Mensch. Gerne spricht er vom »fleißigen« Kompromiss – der ihm in den verschiedenen Kontroversen dann auch häufig gelingt. Unfassbar viel verdankt die Thüringer Kirche seiner geistlichen, spirituellen Kraft – nicht zuletzt dem Seelsorger vieler Menschen aus den Gemeinden, aber auch dem Seelsorger vieler Seelsorger, Pfarrer und Pastorinnen, Oberkirchenräten, Bischöfen. In großer Dankbarkeit denken viele Generationen mitteldeutscher Theologen, viele Christen in Deutschland, Wissenschaftler, Politiker, Mitarbeiter in diakonischen Einrichtungen, Katechetinnen, Religionslehrer und -lehrerinnen, Menschen aus den verschiedensten Lebensbereichen an Klaus-Peter Hertzsch!

Aber dann erhebt er noch einmal die kräftige Stimme und sagt, was ihm nun, dem Ende zu, wichtig ist: »Sag meinen Kindern, dass sie weiterziehn!« Dass sie mutig weiterziehn: geradewegs auf den zu, der ihnen entgegenkommt, den Herrn. Und dann erreicht ihn, den Pastor, den erzählenden Hirten auf dem Felde der Zeit, der geheimnisvolle Ruf nach Bethlehem – um dort nun endgültig zu sehen. Endlich. Zu sehen, ganz und gar, mit unverschatteten, hellen Augen, mit endlich freigewordenem Blick – dem lichterlohen Augenblick. Und er macht sich auf den Weg, mit seinem bunten Schal, jetzt, im Advent. Das Land ist hell und weit.

Das ist unsere Zuversicht: Der, von Geburt an fast blind, seinerseits so viel zu sehen gab, der die Schönheiten und die Kraft der Geschichten so vieler biblischer Texte und der immer wieder ihre Hoffnungsbilder vor Augen gemalt hat – er wird schauen »die Geschichte, die da geschehen ist«. Gebe Gott es! Wie er erkannt worden ist vom göttlichen Guten Hirten, so wird er menschlich erkennen von Angesicht zu Angesicht, mit wunderbar aufgetanen Augen. Diese Sehnsucht wird erfüllt: »Ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde!«

Klaus-Peter Hertzsch, Pastor, Professor, Prediger, Seelsorger, Autor, Liederdichter, geboren 1930 in Jena, gestorben am 25. November in seiner Geburtsstadt.

Der Autor ist Professor für Systematische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Erinnerungen

Klaus-Peter Hertzsch predigen zu hören, war für ganz verschiedene Menschen eindrucksvoll, weil unser Leben durch das Licht der Barmherzigkeit Gottes erhellt wurde. Unser Lehrer hat in eindrucksvoller Weise die wissenschaftliche Auslegung der Heiligen Schrift und die kirchliche Lehre in die praktische Theologie einbezogen. Wir haben als seine Schüler begreifen können, dass gute Theologie solche Predigten ermöglicht.

Christoph Kähler, Altbischof und Weggefährte

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Als Vertreter der Jenaer Universität war Professor Hertzsch Mitglied der Thüringer Landessynode. Dort habe ich ihn nahezu 20 Jahre erlebt und seine sachlichen, auf Ausgleich zielenden Redebeiträge sowie seine Formulierungen in Beschlussvorlagen sehr geschätzt. Dankbar bin ich ihm auch für seine Andachten bei den Tagungen, die er nicht als Professor, sondern als Pfarrer und Seelsorger gehalten hat.

Karl-Heinz Jagusch, ehemaliger Präses der Thüringer Landessynode

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Mit seinem homiletischen Seminar war  Prof Hertzsch auch in unserer Superintendentur. Dabei hielt er uns auch im Konvent eine Morgenandacht., natürlich auswendig.  Nie habe  ich vorher den 139. Psalm so eindringlich gehört, schlicht und betont zugleich, einfach und deshalb so tief eindrücklich. Und wenn ich heute  eines seiner Bücher lese, höre ich immer seine unverkennbare Stimme.  Was er sagte war stimmig und er selbst identisch. So hat er viele unserer Pfarrerinnen und Pfarrer geprägt.

Roland Hoffmann, Altbischof

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Ich bin dankbar, Klaus-Peter Hertzsch gekannt zu haben: Durch manche persönliche Begegnung und durch seine Veröffentlichungen. Er war ein aufmerksamer Zuhörer und ein begnadeter Erzähler. Besonders leuchtet für mich seine Liebe zur Heiligen Schrift: Im Hören auf die biblischen Texte und im Weitererzählen ihres unerschöpflichen Reichtums hat Klaus-Peter Hertzsch gelebt. Generationen von Pfarrern und Pastorinnen und unsere gesamte Kirche verdanken ihm sehr viel!

Ilse Junkermann, Landesbischöfin

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Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir 1990 als Erstsemester-Studenten zu Professor Hertzsch nach Hause eingeladen worden sind. Er konnte gut zuhören und Fragen stellen, die wirkliches Interesse zeigten. Später beim „politischen Salon“ in Jena war ich immer wieder beeindruckt, wie er bis zuletzt innerkirchliche, landes- und weltpolitische Themen durchdachte und akzentuiert in unseren Kreis einbrachte. Darüber hinaus verlor er nie den Blick für die Herausforderungen unseres Alltags.

Ulrich Matthias Spengler, Pfarrer in Bad Berka

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Der erste Tag an der theologischen Fakultät in Jena. Wir Studenten wurden von Professor Hertzsch empfangen. Die ersten Worte die er an uns richtete: Er zitierte aus dem Kopf 1. Korinther 13. Von den legendären Literaturvorlesungen zehre ich noch heute. Der Hörsaal platzte aus allen Nähten. Heinrich Böll, Christa Wolf, Johannes Bobrowski oder Max Frisch habe ich durch ihn kennen und schätzen gelernt.

Ralf-Uwe Beck, Kirchenrat

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Manuskripte können durch redaktionelle Bearbeitung durchaus gewinnen. Bei Klaus-Peter Hertzsch verbot sich jeder Eingriff. Dabei handelte es sich in der Regel um mündliche Rede, die später verschriftlicht worden war. Es war seine besondere Begabung, druckreif reden zu können mit Worten, die genau passten, die Gewicht hatten und die seine Zuhörer und Leser denken ließen: Genauso ist es! Klaus-Peter Hertzsch hat seinerseits die Predigten und Meditationen, Gedichte und Lieder, Balladen und das Krippenspiel nur als Gebrauchstexte für konkrete Anlässe und nicht als Literatur für die Nachwelt gesehen. Die widerspricht ihm entschieden und singt mit wachsender Begeisterung „Vertraut den neuen Wegen“, liest mit immer neuem Vergnügen die gereimten Geschichten aus dem Alten Testament und kann die Rollen aus dem Thüringer Krippenspiel auswendig. Solch eine Erfolgsgeschichte würde sich mancher Literat wünschen.

Christine Lässig

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“November 1989: erste große Demonstration in Jena. Am Eichplatz Halt, auf der Ebene vor der damaligen Mensa sind die Mikrofone aufgebaut. Wir, Vertreter der Bürgerbewegungen “Demokratie jetzt”, “Neues Forum”, “Demokratischer Aufbruch” und andere stehen mit Klaus-Peter Hertzsch vor den versammelten Demonstranten und sprechen über die Forderungen nach Freiheit, Demokratie und die neuen Hoffnungen eines Weges, der sich so langsam auftut. Klaus-Peter Hertzsch redet von der inneren Freiheit und warnt vor der Sehnsucht nach schneller und damit auch gefährlicher Übernahme wirtschaftlicher Strukturen im Blick auf die Bundesrepublik. Er spricht von den Ketten und Fesseln der Vergangenheit, die wir nicht gegen die neuen Ketten und Fesseln eintauschen sollen. Anfangs bekommt er viel Beifall von Tausenden, die auf dem Platz zuhören. Dann ein Satz, den Stille begleitet: “Auch Ladenketten können fesseln”, warnt er. Der Beifall kommt nur noch von einigen Wenigen. Ernüchterung. Weitsicht. Mitunter gilt der Prophet im eigenen Land am wenigsten…

Friederike Spengler (damals stud. theol. und stellvertr. Sprecherin für “Demokratie jetzt!” in Thüringen)

*

Kirche leiten durch Freundesrat

Zweimal hat Prof Dr. Klaus-Peter Hertzsch zu Entscheidungen geholfen, die das Leben meiner Familie und mein eigenes tief veränderten:

Zum ersten Mal, als der Visitator und Leiter des Aufsichtsbezirkes Süd unser Landeskirche OKR Ernst Köhler, mich dringlich bat, die Leitung der Grenzsuperintendentur Saalfeld mit 32 Pfarrstellen und 34 Gemeinden im grenznahen Sperrgebiert zu übernehmen.

Dort lebten die Menschen in einer belastenden Isolierung: Verwandte und Freunde konnten nur mit Sonderpassierschein zu Besuch kommen; – diese Scheine wurden oft verweigert.

Ein Studienfreund, Hans-Joachim Schoeps, jahrzehntelang Grenzpfarrer in Lichtentanne, bemerkte zu diesem Angebot: das würde nicht leicht für dich werden, ich würde mich freuen und viele andere auch:

Dazu Klaus-Peter: dort wird jemand gebraucht, der gerade in Konflikten mit staatlichen Stellen vorbehaltlos für seine Leute eintritt. Wärst Du dazu bereit ?

Ausweichend antwortete ich: vor Zeiten war das viel einfacher. Da kam ein Prophet des Weges, warf seinen Mantel über den Umworbenen und sachte schlicht „Du bist der Mann“!

Da legte Klaus- Peter des Kopf schief, sah mich lächelnd von der Seite an und stellte trocken fest – nicht immer sehen Propheten  wie Propheten aus!

Wer wollte da noch diskutieren? Das zweite Mal griff er ein, als für das Ausbildungsdezernat im Landeskirchenrat jemand gesucht wurde. Er schrieb mir aus Erfahrungen, das die  Auszubildenden jemand brauchten der mit Ihnen so lebt, dass sie sich begleitet fühlen könnten.

Ich werthe mich mit Händen und Füßen. Aus der vielseitigen Gemeindearbeit mit allen Generationen ausscheiden und nach Eisenach ins Amt wechseln. Nein! Ich bleibe in Saalfeld.

Dazu Prof. Dr. Hertzsch: „dann verbinde doch beides miteinander“: „Learning by Doing“ – im Leben mit der Gemeinde ausbilden. Predigen lernen durch Predigten halten und danach mit den Predigthörern darüber sprechen.

So geschah es. Die Jahre die dann kamen, zähle ich zu den reichsten in meinen Leben:

Dienstag für Dienstag in vielen Predigtkreisen „vor Ort“ unterwegs sein mit gründlichen gemeinsamen theologischen Arbeit zu den vorgegeben Predigttexten, danach  Gespräche mit den Zuhörern.

Der inzwischen zum Universitätsprofessor berufene Freund blieb an unserer Seite – er kam, wann immer wir ich ihn brauchten zu Kirchenältenstentagen und Jugendkonventen.Nun ist er uns wieder vorausgegangen: „In jene Weiten“ wo sich im Osterlicht die Berge Gottes breiten. Diese Zeilen hat er mir vor kurzen erst geschrieben.

Hab Dank für Deine Treue, lieber Freund! Du bist nun am Ziel. Friede sei mit Dir! – Jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Dein Ludwig Große (Oberkirchenrat i.R.) aus Bad Blankenburg

*

1.

Klaus-Peter Hertzsch liebte die weiten Ausblicke. So wenig er wirklich im Detail sehen konnte, was da vor ihm und vor uns lag, so sehr war er gewiss: ‚Das Land ist hell und weit’. Und bei aller Sorge um die Zukunft dieser armen Erde war in ihm die unverwüstliche Zuversicht, dass die Horizonte zuletzt hell sind. Noch in den späten Jahren und Tagen war der Blick in einen leuchtenden Abendhimmel für ihn ungeheuer tröstlich. Wie gern hat er sich auf unseren zahlreichen Spaziergängen auf einer Bank niedergelassen, um für ein paar Augenblicke den hellen Horizont, das freundliche Abendlicht zu genießen.

2.

Die Predigten von Klaus-Peter Hertzsch, vor allem in den späten achtziger und den neunziger Jahren, waren für mich Augenblicke voller Klarheit und Trost. Es war der Eindruck: der Prediger redet von meiner, von unserer Wirklichkeit. Und diese Wirklichkeit erschien vom Evangelium her, wie er es entfaltete und zur Sprache brachte, in einem neuen Licht. Und schließlich gab es selbst  geradezu prophetisch mahnenden Worten angesichts himmelschreiender Zustände in dieser Welt immer ein Wort der Zuversicht. Immer ging es  um die einfachen und großen Fragen: Wer sind wir? Wie wollen wir leben? Wofür sind wir verantwortlich? Was trägt? Worauf gehen wir zu? Wer kommt uns entgehen?

3.

Darf man auch an so etwas erinnern? In den achtziger Jahren, als ich Mitarbeiter bei Klaus-Peter Hertzsch war, haben wir in den Dienstbesprechungen unglaublich viel geraucht. Er hat damals sein gesamtes Vorlesungsprogramm in der Praktischen Theologie noch einmal neu konzipiert. Da gab es viel Gesprächsbedarf. Denn er hat seine wichtigen Überlegungen immer aus der Begegnung, aus dem Dialog gewonnen. Und obwohl es seiner Gesundheit sicher nicht zuträglich war, wurde dabei wirklich viel geraucht. Als das Rauchen weniger opportun wurde, zeigte Klaus-Peter sich als großer Kuchenfreund. Noch in den späten Jahren konnten er für ein zweites Stück Kuchen alles andere stehen lassen, um vielleicht beim dritten zu sagen: Ich bin dem nicht gewachsen.

Dr. Matthias Rost, Pfarrer

Pfarrer Dr. Matthias Rost

Predigt zur Beerdigung von Klaus-Peter Hertzsch

am 11. Dezember 2015

in der Stadtkirche St. Michael in Jena

Gnade sei mit Euch, und Frieden von dem, der da war und der da ist und der da kommt!

Das Wort der Bibel für diese Stunde steht im Matthäusevangelium. Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Liebe versammelte Gemeinde, liebe Trauernde! „Sag meinen Kindern, dass sie weiterziehn!“  Ich sage euch heute: Zieht weiter, Schwestern und Brüder! Klaus-Peter Hertzsch ist am Ziel. Zieht weiter „und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.“

Ehe wir weiterziehen, halten wir inne, schauen wir zurück, erinnern wir uns dankbar an das gemeinsame Leben, an die gemeinsame Wanderung durch die Zeit. Erzählen wir, was unser Leben reich gemacht hat: Erinnerungen, Erfahrungen – und die Verheißung, die wir geteilt haben, die Verheißung des mitgehenden Christus, des entgegenkommenden Gottes: Ich bin bei euch.

Auch wenn wir viel verlieren: nichts ist verloren. Der Reichtum dieses großen Lebens in diesem fragilen Menschen bleibt uns. Er hat ihn mit uns geteilt, in seinen „Gebrauchstexten“, in den Gedichten und den biblischen Balladen, in Predigten und Vorträgen, – in farbiger Sprache, in nützlicher Lehre, im beharrlichen Gespräch, im hartnäckigen Fragen, im aufmerksamen Zuhören, und im Erzählen.

Im Erzählen war er lebendig: im Erzählen vom Allltag der kleinen Leute, im Erzählen seines eigenen Lebensch –  und von unserer Sehnsucht und Hoffnung. Erzählen war die eigentliche Form seines Denkens und Redens. Die Kirche war ihm Erzählgemeinschaft. Von der „Wanderung durch die Zeit“ muss man erzählen. Von den großen Verheißungen und Hoffnungen des Glaubens kann man zuletzt überhaupt nur erzählen. Argumente helfen da wenig. Die dogmatische Tradition der Kirche, die den Glauben erklären will, ist ihm immer ein wenig fremd geblieben.  Erzählen, was war. Erzählen, wie es wird.

Im Erzählen wird Vergangenes erinnert, wird Gegenwart verständlich, werden Konturen der Zukunft gewonnen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie wollen wir leben? Worauf gehen wir zu? Wer kommt uns entgegen?

Erzählen wir also von Klaus-Peter Hertzsch! Erzählgemeinschaft auch wir – heute. Was aber sollen wir erzählen aus diesem selbsterzählten Leben? Es sind doch so viele Erinnerungen präsent unter uns.

Wir sehen ihn vom Ricarda-Huch-Weg hinabeilen in die Stadt, und tappend die Ibrahimstraße hinaufsteigen zur Sektion Theologie. Die braune Schultertasche, in der das Vorlesungsmanuskript und das Pausenbrot Platz haben. Schwer tragen konnte er nicht. Und mehr brauchte er nicht. Wir sehen ihn am Katheder stehen im Großen Hörsaal. Und wir hören ihn, wie er die Vorlesung beginnt, am Semesteranfang mit 1.Kor 13: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht …“ Und dann legt er seine Papiere zurecht, auf die er später nur gelegentlich einen Blick werfen wird; sie bieten ohnehin nur ein paar Stichworte. Er setzt die extrastarke Lesebrille auf, schaltet, etwas mühsam wegen seiner deformierten Hände, ein Diktiergerät ein, und beginnt.

Wir sehen ihn: mit Dir, Sigrid, zusammen am abgeräumten Frühstückstisch sitzen, noch ein Glas Tee vor sich. Du liest ihm vor, er hört Dir zu, mit untergeschlagenem Bein, mit geneigtem Kopf. Aufsätze, auf die er Bezug nehmen will, hast du ihm vorgelesen. Romane, die er in der Literaturvorlesung besprechen wird. Arbeiten von Studenten, die er bewerten muss.

Du, Sigrid, hast dein eigenes berufliches Leben aufgegeben und dich ganz in den Dienst des seinen gestellt. Da er seit seiner Jugend Gedrucktes nur noch mit größter Mühe entziffern konnte, war er auf Dich angewiesen, die Vorleserin und Frau seines Lebens.

Er war darum viel mehr ein Mensch des Hörens und des Redens als des Schreibens. Kurz vor seiner Emeritierung hat er mir gesagt: Wenn ich mich heute noch einmal um meine Professur bewerben müsste – mit meiner schmalen Veröffentlichungsliste hätte ich keine Chance.

Wir sehen ihn mit Dir, Martin, dem kleinen Jungen unterwegs durch Berlin, und selbst noch einmal neben dir in kindlicher, staunender Entdeckerfreude unterwegs in die Welt, in Berlin Mitte, auf dem Dorotheestädtischen Friedhof an Brechts Grab oder im Tierpark.

Und wir sehen dich neben ihm am Computer, wo er selbst spät noch gelernt hat, seine Stichworte in der ganz eigenen Kurzschrift endlich groß aufzuschreiben. Wie Du ihm den Text rettest, den er wieder einmal zum Absturz gebracht hat.

Sie, die Brüder, sehen ihn, den älteren Bruder in Eisenach, im Pfarrhaus am Ehrensteig. Den Schuljungen, den Chorsänger. Er musste vorsichtig sein wegen seines bedrohten Augenlichtes. Er sollte jede körperliche Anstrengung vermeiden. Er ging darum handfesten Konflikten schon damals und auch später lieber aus dem Wege.

Wir sehen ihn im Pfarrhaus Tautenburg, damals Wochenendquartier der Jenaer Studentengemeinde, oben am Giebelfenster stehen mit einem Blick ins freundliche Tal.

Da hat er die Danielballade gerade

in einer Nacht vollendet.

„Ein schöner Morgen kam in Sicht,

der Beter stand im Morgenlicht.

Die ganze Schöpfung war erhellt

und lobte Gott, den Herrn der Welt.“

Wir sehen ihn, eine Zigarette mehr paffend als rauchend, in einer Gruppe von Studenten stehen. Da ist er zwar eine Generation älter, aber fast so jung wie sie. Alles Leben ist Begegnung. Und gute Theologie entsteht im Gespräch. Am Ende kluger Debatten stand für ihn nie das Urteil: Das ist richtig oder falsch. Sondern: Das leuchtet mir ein – oder nicht.

Wir sehen ihn auf einer Synodaltagung sich mit seiner unverwechselbaren Geste zu Wort melden. Und er trägt eine Erklärung vor, die der kluge Arbeiter an „fleißigen“ Kompromissen mit ein paar Mitstreitern in späten Nachtstunden erarbeitet hat. Mit verhaltenem Stolz hielt er sich zugute: er habe sein Lebtag nie eine Unterschrift unter einen Text gesetzt, den er nicht selbst mit verfasst hatte.

Und wir sehen ihn, nein, wir hören ihn, am Heiligabend 22 Uhr drüben in der Friedenskirche -  oder in der Silvesternacht hier auf dieser Kanzel predigen. Er legt uns die Jahreslosung des kommenden Jahres aus. Und während die Silvesterböller draußen unsere dumpfe Zukunftsangst hier drinnen untermalen, spricht er von der Klarheit des Herrn und der Freundlichkeit Gottes, die uns zugewandt bleiben wird auch im kommenden Jahr. Zu klein, beschämend ungläubig fand er immer die Hoffnung, dass es in unserer behüteten Welt noch eine Weile so bleiben möge wie es ist – während draußen die geringsten Schwestern und Brüder nichts sehnlicher hoffen, als dass diese Welt endlich anders werde: die Hungernden in Afrika, die in den Trümmerstädten in Syrien, die globalen Arbeitssklavinnen in den Textilfabriken in Bangladesh. Hoffen, dass es anders wird!

Und so hat er immer von neuem die großen Hoffnungsbilder der Bibel proklamiert: vom Shalom zwischen Mensch und Natur, von der großen Festtafel, vom großen Essen, zu der alle eingeladen sind von Norden und Süden, von Ost und West, vom Erdreich, das den Sanftmütigen gehört, von der Stadt, in der Gott bei den Menschen wohnt und alle Tränen abgewischt werden. „Darauf lasst uns hoffen und zuleben! Das lohnt sich.“

Wir haben uns angelehnt bei ihm, der selbst so bedürftig erschien. Bedürftig sich anzulehnen, geleitet und getragen zu werden. Er war eine transparente Existenz. Nicht so, wie die Medienstars, bei denen die Pressescheinwerfer noch in den privatesten Winkel leuchten – es gab manches, das er lieber verborgen hielt. Vielmehr so, wie bei einem alten Weihnachtstransparent: Durch das dahinter stehende Licht treten die Konturen deutlicher hervor – Kein Glaubensheld, sondern ein Mensch, der sich im Menschlichen bewährt.

Im Kloster Drübeck haben wir vor einigen Jahren den Tagungsräumen Namen gegeben, Namen bedeutender Persönlichkeiten unserer Kirche. Fürs Pastoralkolleg stand ein Namen schnell fest: es sollte der von Werner Krusche sein, dem Bischof der Kirchenprovinz in den 70er/80er Jahren. Wir suchten nach einer Persönlichkeit, die für die Thüringer Hälfte unserer neuen Landeskirche ähnlich prägend und orientierend gewirkt hat. Ich schlug Klaus-Peter Hertzsch vor. Kann man einen Lebenden bitten, seinen Namen dafür zur Verfügung zu stellen?

Ich habe ihm unsere Überlegungen geschildert. Und seine Antwort, in seiner unnachahmlich bescheidenen Eitelkeit: Matthias, da fällt mir auch niemand ein, der passender wäre.

Seitdem hat ein Raum in Drübeck seinen Namen. Und wir sind dort gewesen vor zwei Jahren. Da war eine Tagesfahrt schon ein kleines Abenteuer.

Im Übrigen hatten die letzten Jahre wenig Abenteuerliches. Er konnte nur schwer akzeptieren, dass Ihr Euer Zuhause am Ricarda-Huch-Weg vor drei Jahren aufgeben musstet. Er hat darunter gelitten, dass er sich auf sein früher phänomenales Textgedächtnis zuletzt nicht mehr verlassen konnte. Er hat sich durch manchen Morgen mühsam in den Tag gekämpft. Und hatte oft das Gefühl, aus der Mitte des Lebens

nun ganz an den Rand geraten zu sein.

So viele Erinnerungen: Geschichten, Begegnungen, Augenblicke. „presente“ – ruft die Gemeinde in Lateinamerika, wenn der Name eines Verstorbenen genannt wird. „presente“, Klaus-Peter Hertzsch. „presente“ sagt Christus: ich bin bei euch.

Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Das hat er uns aufgetragen zu hören in dieser Stunde. Seinen Konfirmationsspruch. Den hat er sich selbst ausgesucht. Schon mit 13 wurde er von Vater Erich konfirmiert. Der war Religiöser Sozialist und SPD-Mitglied gewesen und hatte Juden aus Nazideutschland zur Flucht verholfen. Er hat, wie die Söhne erst später erfuhren, ständig damit gerechnet, dass er irgendwann entdeckt und die Gestapo ihn mitnehmen würde. Und er wollte, dass seine Jungen ihn als den in Erinnerung behalten, der sie in die Gemeinde einführt.

Klaus-Peter hatte schon seine ganze Schulzeit hindurch die Erfahrung gemacht, dass er mit seiner Behinderung nicht zu den Starken, Durchsetzungsfähigen, zu den Beinharten gehörte. Und er hatte die ganz frühe Erfahrung einer abgrundtiefen Verlassenheit gemacht, die ihn lebenslang nicht losgelassen hat: Als Mutter Karen den Fünfjährigen zu einer ersten Augenoperation nach Berlin gebracht hatte, in dieses hohe dunkle Gebäude und ihn dort zurücklassen musste unter lauter fremden Menschen, Schwestern, Pflegern, Ärzten, in einer fremden, bedrohlichen Welt. Und wie er der Mutter nachsah, die das Zimmer verließ und das Haus – und der kleine Junge blieb da völlig allein.

In einem Seminar zum „Predigen im Krankenhaus“ hat er einmal mit uns über seine Erfahrungen nachgedacht, die er in verschiedenen Lebensphasen als Patient gemacht hatte: weitere Augenoperationen in der Kindheit. Tage in völliger Dunkelheit. Die erste Narkose, und wie im Schwinden der Sinne ein grauenvoller Chor von Geisterstimmen ihn umgibt: „Jetzt haben wir dich! Jetzt haben wir dich!“ Die Lungenoperation in Zürich, die der Tuberkulose ein Ende setzen sollte. Die späteren Operationen seiner rheumazerstörten Hände.

Und er hat erzählt: diese Nacht nach der Lungen-OP, dieses Fallen, diese bodenlose Einsamkeit, ohne Zeit und Raum, ohne Vergangenheit und Zukunft, zwischen Leben und Tod, absolut einsame Gegenwart, das war die Hölle. Darum war, wie es früher im Glaubensbekenntnis hieß, Christus sei „niedergefahren zur Hölle“, tröstlich für ihn: zu wissen, in welche Abgründe du auch versinkst: Christus kennt das. Er war auch da. „Ich bin bei euch.“ Auch in der Höllenerfahrung, auch dort.

Und dann hat er dieses abgrundtiefe Alleinsein und die Angst darin als ein Urtrauma der Menschheit erkannt: in dieser Welt völlig allein gelassen zu sein, mit unseren Ängsten, mit unseren Problemen, mit unserer Ratlosigkeit, mit unserer Verantwortung: Bodenlose Einsamkeit, Gottverlassenheit.

Aber in solche Angst und Ratlosigkeit hinein spricht nun der auferstandene Christus: „Siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Den Jüngern, zu denen Christus spricht, sitzt noch das Entsetzen des Karfreitags in den Gliedern. „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und nun nimmt der Auferstandene Abschied von ihnen, und sie sehen ihm nach, „und sie zweifeln“. Er aber schickt sie weg, in eine fremde Welt, zu unbekannten Menschen. Tauft sie, gebt weiter, was ich euch gelehrt habe: „Selig die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Alles was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen.“ Das lehrt sie. Geht. Abschied.

Es ist aber ein Abschied, der ganz anders ist. Sonst sagt der, der geht: Behaltet mich in guter Erinnerung! Und haltet euch an das, was ich euch gesagt habe. Von jetzt an müsst ihr ohne mich auskommen.

Hier aber sagt einer, der Abschied nimmt: Geht, aber ich bin bei euch.

Als der Evangelist dieses Wort aufschrieb, da war freilich schon ein ganzes Lebensalter ins Land gegangen seit diesem merkwürdigen Abschied. Da hatten die Jünger nicht nur die überraschende Zusage und Verheißung. Da hatten sie längst auch die überzeugende Erfahrung: Es ist wahr, er ist bei uns gewesen, all die Zeit: im einsamen Boot auf nächtlicher stürmischer See, und auf der Wanderung durch das weite Land. In Trümmerstädten, und als wir unsere Hoffnung streitbar verteidigen mussten vor den Großen der Welt. Als wir in großer Gemeinde versammelt waren, aber auch als wir völlig einsam waren in einem lichtlosen Kerker. Er ist bei uns gewesen. Nicht nur an besonderen Tagen, an Tagen einer starken Erinnerung oder einer freundlichen Fügung oder in Glücksmomenten. Sondern alle Tage, eingeschlossen die mühsamen, die tristen, die dunklen Tage, von Montag bis zum Wochenende, von Neujahr bis zum Jahresende, von der Taufe bis zum Lebensende. Alle Tage. Sollte das nun nicht auch gelten von heute an, bis ans Ende der Welt? „Ich bin bei euch.“

Und nicht zufällig steht wohl nun unmittelbar vor diesem Christuswort erstmals in der Heiligen Schrift der Name des dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, in den hinein sie taufen sollen. Denn hier zeigt sich bereits die Erfahrung der frühen Christinnen und Christen: „der Herr, mit dem wir redeten und handelten“, „und der so vielgestaltig uns begegnet“ – der ist bei uns auf eine geheimnisvoll vielfältige Weise, und doch immer ein und derselbe.

Als Schöpfer, der sich zeigt in Morgenlicht, wie in den Farben des Herbstes, im Neugeborenen und als einer der uns trägt bis ins Alter.

Als Heiliger Geist, in Kraft, in Liebe und Besonnenheit, in Klarheit, in Freundschaft und in großer Gemeinde. Und zuletzt doch als einer von uns: mit menschlichem Antlitz, gezeichnet vom Lieben und Leiden auf dieser Erde und zugleich mit leuchtendem Angesicht. Geheimnis des Glaubens: Ich bin bei euch. „Er blieb sich immer gleich,

doch wir sind die Verwandelten.“

Am Abend, bevor er gestorben ist, war ich bei Klaus-Peter. Wir haben den Psalm gebetet: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe.“ Und mit Sigrid zusammen haben wir das Abendlied gesungen, das er sich oft gewünscht hat: „Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen durch einen sanften Tod.“ Dann habe ich seine Aufmerksamkeit noch einmal auf das Bild gelenkt, das Sie jetzt vorn auf dem Blatt haben. Jahrzehntelang hing es in seinem Zimmer, über seiner Schlafstatt. Und wer jemals am Richarda-Huch-Weg bei ihm zu Besuch war, hat es dort gesehen. Auch an seinem letzten Lebensort, im Gertrud-Schäfer-Haus hing es über seinem Bett. Und nun habe ich ihm noch einmal gesagt, was er ja inwendig kannte: wie die drei Könige unter der Decke liegen, einer schon wach, denn der Engel hat ihn angerührt – und der weist auf den Morgenstern. Weist den Weg ins Kommende, dorthin wo Gott und Mensch zusammen sind für immer.

Unter diesem Bild ist er gestorben. „Noch am Abend brechen wir auf.“ – „Siehe, ich bin bei euch“, spricht Christus, „alle Tage“, bis an euer Ende, „bis an der Welt Ende.“

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher größer ist als all unser Verstehen und Begreifen, bewahren unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

Pfarrer Dr. Matthias Rost

Jacob-Michelsen-Str. 5

07749 Jena

Tel 03641-425352

mmrost@googlemail.com

Komik, Lieder und Geschichten

1. August 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

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An die 100 Programme in Kirchen und Pfarrhäusern in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Vom 1. August bis zum 31. Oktober wird zum 19. Kleinkunstfestival »Grenzgänger« der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) eingeladen. Rund 100 Veranstaltungen an mehr als 80 verschiedenen Orten in Sachsen-Anhalt und Thüringen sind geplant. Veranstaltungsorte sind überwiegend Kirchen und Pfarrhäuser im ländlichen Raum. Das Programm reicht von klassischer Musik über Gospel bis hin zu Folk und Jazz. Es gibt musikalische Lesungen, Puppenspiel und Theater.

Clown Leo erzählt vom Leben Jesu mit Komik und Musik. Er tritt am 30. August in Werben und am 31. Oktober in Eisenberg auf. Foto: Veranstalter

Clown Leo erzählt vom Leben Jesu mit Komik und Musik. Er tritt am 30. August in Werben und am 31. Oktober in Eisenberg auf. Foto: Veranstalter

Anliegen des Grenzgänger-Festivals ist es, die vorhandenen kirchlichen Räume nicht nur für gottesdienstliche Zwecke, sondern auch kulturell zu nutzen. Das Festival soll zudem regional beheimateten Künstlern eine Plattform bieten und ihre Programme einem breiten Publikum zugänglich machen. »Früher war die Kirche Mittelpunkt der Gesellschaft, sie gehörte dazu. Mit dem Festival rücken wir die Kirche wieder stärker in diese Mitte, indem wir sie auch anders nutzen als nur zu Gottesdiensten«, sagt Michael Madjera, Vorstandsvorsitzender des Festivals.

Auf dem Programm des Festivals stehen in diesem Jahr u. a. die Gruppe »NyponSyskon«, die Texte deutscher Sagen und Volkslieder in einer jazzigen Inszenierung verarbeitet. Die Sängerinnen und Sänger der Gruppe »GospelThur« präsentieren ein breites Spektrum aus Gospels, Spirituals, afrikanischen Liedern, Popsongs und modernen christlichen Liedern mit deutschen Texten. Der Clown Leo erzählt vom Leben Jesu mit Komik und Musik. Klaus Witthinrich bietet eine kabarettistische Lesung über die real-existierende Kirchlichkeit. Und Elisabeth Haug präsentiert in einem kleinen Kammerspiel die Tischreden der Katharina Luther. (mkz)

1. August, 17 Uhr, Nikolaistiftskirche, Beuster: Zauberhafte Violine und Marimba mit dem Orbis-Trio; 1. August, 20 Uhr, Klosterruine Stadtroda: »Parzival« mit der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt

www.grenzgaengerfestival.de

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