Laurenz und Frohsina

20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Naturschutzbund zieht eine positive Bilanz beim »Lebensraum Kirchturm«.

Am 13. August sind vier Jungstörche nach Süden aufgebrochen. Die Altstörche bleiben in der Regel bis Ende August. Es ist die achte Brut, die im neuen Quartier auf der Kirche St. Laurentii in Schönebeck-Frohse (Kirchenkreis Egeln) herangewachsen ist. Die Kirche sei ab 2001 von Grund auf saniert worden, informiert Gemeindepfarrer Johannes Beyer, zuerst die Türme. Mit der Deckung des Kirchenschiffes im Jahr darauf wurde eine ­Unterlage für ein Storchennest aufgesetzt. Schon im selben Jahr nahm ein Storchenpaar die Wohnung an. In der nahen Elbe findet es reichlich Nahrung.

Damals war noch Pfarrer Johannes Schulz für die Kirche zuständig. Er und vor allem seiner Frau Agnes liegen die besonderen Kirchenbewohner am Herzen. Sie suchten sich Partner beim Naturschutzbund (Nabu) und beim Storchenhof Loburg.

Im Juni wurden die vier Jungstörche auf der Kirche St. Lautentii in Schönebeck-Frohse durch den Förster beringt (Foto: Agnes Schulz)

Im Juni wurden die vier Jungstörche auf der Kirche St. Lautentii in Schönebeck-Frohse durch den Förster beringt (Foto: Agnes Schulz)

Drei bis vier Jungstörche gibt es nun jedes Jahr. »Das ist für ganz Frohse eine tolle Sache«, schwärmt Agnes Schulz. Das Ehepaar, das inzwischen im Ruhestand ist, lebt weiterhin in Kirchennähe und fühlt sich für den »Lebensraum Kirchturm« zuständig. Zum Storchennest kam ein Kasten für Schleiereulen und ein »Mauerseglerhotel«, wo zehn Mauerseglerpaare Platz haben. Das allerdings wurde noch nicht angenommen. »Mauersegler mögen keine Holzkästen«, hat Agnes Schulz erfahren.

»Wir müssen noch Sand in die Kästen geben.« Auch an  Flugöffnungen für Fledermäuse wurde bei der Sanierung des Kirchturms gedacht. Das Engagement ist im März dieses Jahres mit der Nabu-Plakette »Lebensraum Kirchturm« für St. Laurentii belohnt worden.

In diesem Monat zog der Nabu eine positive Bilanz: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 400 Kirchen, die diese Plakette tragen. Zu den Spitzenreitern gehört Thüringen mit 49 ausgezeichneten Kirchen. Nur Baden-Württemberg mit 100 und Rheinland-Pfalz mit 67 sind besser. Die Kirche Brahmenau-Groitschen (Kirchenkreis Gera) war die erste im Freistaat Thüringen, die 2007 die Auszeichnung erhielt. In Sachsen-Anhalt tragen bislang elf Kirchen die Plakette.

Der Nabu hatte 2007 gemeinsam mit dem Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen die Aktion »Lebensraum Kirchturm« initiiert. Mit der Aktion soll über naturschutzfreundliche Sanierungen von Kirchtürmen informiert werden. Kirchtürme sind für Schleiereulen, Turmfalken ebenso für Fledermäuse Ersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen, die sie in den Städten kaum vorfinden. Durch Einfluglöcher und Nistkästen an Kirchtürmen ist jedoch auch hier ein gutes Zusammenleben von Mensch und Tier möglich. In Frohse hat das Storchenpaar inzwischen einen Namen: Laurenz und Frohsina.

(ds)