Sie leiht couragierten Frauen ihre Stimme

11. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen

Engagiert sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus: Iris Berben mit Gastgeber Harald Seidel bei ihrer Lesung in Greiz, Foto: Karsten Schaarschmidt

Engagiert sich gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus: Iris Berben mit Gastgeber Harald Seidel bei ihrer Lesung in Greiz, Foto: Karsten Schaarschmidt

Iris Berben gestaltete in Greiz eine Buchpräsentation zwischen Weinen und Lachen

Bereits eine dreiviertel Stunde vor Beginn des Abends stieß der Fürstensaal des Oberen Schlosses in Greiz an seine Kapazitätsgrenze. Kaum noch ein Stehplatz war zu ergattern. Am En­de drängten sich am 5. März gut 350 Personen in dem Raum – und wollten Iris Berben erleben. Die Schauspielerin war zu Gast bei der Reihe »Prominente im Gespräch«, um ihr gemeinsam mit der Journalistin Nicole Maibaum verfasstes Buch »Frau­en bewegen die Welt« vorzustellen.

Iris Berben bahnt sich pünktlich ­einen Weg durch die Wartenden, ­begrüßt die Ehrengäste, nimmt im ­Podium Platz, wühlt noch einmal kurz in der Tasche, rückt Papiere auf dem Tisch zurecht. »Ich bin etwas erschlagen wegen des Andrangs, das Herz klopft«, begrüßt sie ihre zahlreichen weiblichen, aber auch die männlichen Zuhörer. Ohnehin sei ihr Buch, wird sie später am Abend sagen, »kein Buch gegen die Männer, im Gegenteil«. In vielen Biografien der 24 porträtierten Frauen, die sich sozial, gegen Unmenschlichkeit, für Frieden oder die Rechte von Kindern engagieren, seien es die Männer, die hinter diesen Frauen stehen und ihnen die Kraft für ihren Einsatz geben würden.

Dann beginnt Iris Berben zu lesen. Sie wirkt ernst, ehrlich betroffen und unverstellt. Keine Spur von großer Diva; was die attraktive Frau mit ihren langen, offenen schwarzen Haaren auch nicht nötig hat. Zwei Geschichten hat sie ausgesucht. Die erste ­erzählt von Esther Mujawayo aus ­Ruanda. Ihr Lebensweg ist eines jener Beispiele, welches schier unfassbare Leid der Mensch dem Menschen antun kann; aber auch ein Beweis für Kraft und Stärke. 1994, in den blutigen Kämpfen zwischen Hutu und Tutsi, wurden Ehemann, Schwestern, Eltern und der Großteil ihrer Familie ermordet. Sie konnte fliehen, überlebte mit ihren drei Töchtern – und stand wieder auf. Heute lebt sie mit ihrem zweiten Mann in Neukirchen-Vluyn und arbeitet als Trauma-Therapeutin im Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Düsseldorf. Ruanda hat sie nicht vergessen, baute dort mit anderen Witwen die Hilfsorganisation Avega auf.

Die zweite Geschichte spielt mitten in Deutschland, im sachsen-anhal­tischen Schönebeck. Es ist die Geschichte der Lehrerin Christine Bullert, die sich mit ihren Schülern in dem Projekt »Zeitenspringer« mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt und sich gegen Rechtsextremismus engagiert.

Es sind ernsthafte, berührende  90 Minuten, in denen Iris Berben ­mutigen und couragierten Frauen ihre klare, ausdrucksstarke Stimme schenkt. Doch das Leben besteht nicht nur aus Leid und Trauer. Und schließlich gibt es noch die Schauspielerin Iris Berben, die an der Seite des unvergessenen Diether Krebs in »Sketchup« Millionen Menschen zum Lachen brachte, in Filmen wie »Buddenbrooks« brillierte oder als Kommissarin Rosa Roth in der gleichnamigen Fernsehserie Verbrecher jagt. Locker, lässig und natürlich erzählt sie Anekdoten aus der Film- und Fernsehwelt, beantwortet geduldig die Fragen der Gäste.

»Spielen und Kochen kann ich ganz gut, Schreiben fällt mir schwer«, erfahren die Zuhörer von Iris Berben im Bezug auf die zweieinhalbjährige Entstehungszeit des Buchs, oder dass sie die Dokumentarfilmerei interessiert, dass Thomas Thieme nach Diether Krebs nun ihr neuer Wunschpartner für Film und Bühne ist, dass »besonders das Arbeiten an Sketchen Knochenarbeit ist«, dass sie eine enge Verbindung zu Israel hat, dass sie Religionen interessieren, aber »wütend machen, wenn sie politisch missbraucht werden«.

Natürlich beantwortet sie auch die Frage nach den kommenden Projekten. Ostern werde sie in der ­Verfilmung eines Henning-Mankell-Krimis zu sehen sein, im Herbst in der Tragikkomödie »Meine Familie bringt mich um«. »Und dann komme ich wieder hierher«, sagt sie, denn ein ­Folgetermin ist schon vereinbart. Und so war es nicht nur für die Gäste, ­sondern auch für Iris Berben »ein  aus tiefstem Herzen beeindruckender Abend«.

Karsten Schaarschmidt

Iris Berben, Nicole Maibaum: »Frauen bewegen die Welt«, Verlag Droemer und Knaur, 352 Seiten, ISBN 978-3-426-27468-2, 19,95 Euro

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