Kein gemeinsames Halleluja

25. November 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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NPD-naher Politiker im Kirchenchor sorgt in Teuchern für Verstimmung.

»Wir stecken in einem Dilemma«, sagt der für Teuchern zuständige Gemeindepfarrer Thomas Wisch. Einerseits gehöre der wegen seiner Nähe zur NPD umstrittene Hans Püschel, Ortsbürgermeister aus dem benachbarten Krauschwitz, zur Kirchengemeinde. Auf der anderen Seite müsse deutlich gesagt werden, dass die politische Meinung, die er vertrete, mit dem christlichen Menschenbild nicht im Einklang stehe. Leidtragender der Auseinandersetzung um den NPD-nahen Kommunalpolitiker ist nun der kleine Kirchenchor, in dem Püschel seit Jahren mitsingt.
Hans Püschel
Seitdem bekannt geworden ist, dass der Stadtchor von Teuchern einen Auftritt mit dem Kirchenchor ablehnt, weil der umstrittene Kommunalpolitiker dort Mitglied ist, ist die Unruhe in der Kleinstadt groß. Solange der Ortsbürgermeister von Krauschwitz in dem Kirchenchor mitsinge, gäbe es diesmal bei dem traditionellen Adventskonzert kein gemeinsames »Halleluja«, berichtet die in Halle erscheinende »Mitteldeutsche Zeitung« vergangene Woche unter Berufung auf ein Ensemblemitglied aus Teuchern. Mit einem Nazi sei ein gemeinsamer Gesang nicht möglich.

Im November 2010 sorgte Püschel zum ersten Mal für Schlagzeilen, als er den NPD-Bundesparteitag im nahe gelegenen Hohenmölsen besuchte und die Partei mehrfach öffentlich lobte. Der SPD-Kreisvorstand hatte daraufhin ein Parteiausschlussverfahren gegen Püschel eröffnet. Dem Rauswurf kam er jedoch mit einem Austritt zuvor. Vom Gemeindekirchenrat des Kirchspiels Teuchern, dem er auch vorstand, war Püschel bereits Mitte Januar ausgeschlossen worden. Bei der Landtagswahl am 20. März kandidierte er für die rechtextreme NPD. Die Partei verpasste aber den Einzug in den Landtag.

Bei der langfristigen Terminabsprache innerhalb des städtischen Chores habe niemand der 25 Frauen und Männer eine Mitwirkung beim Adventssingen angekreuzt, heißt es in dem Zeitungsbericht. Begründet worden sei die Entscheidung von Chormitgliedern unter anderem mit einer ausländerfeindlichen Haltung Püschels. Er stehe nicht mit jemanden auf der Bühne, »der die Nazis umarmt«, sagte ein Sänger.

Die Leitung des Kirchenchores äußerte sich betroffen von der Absage. Pfarrer Thomas Wisch kann die Haltung des Stadtchores verstehen, betont aber auch, dass im Chor und in der Kirchengemeinde »zwischen Person und Sache« durchaus unterschieden werde. Die Kirche sei an alle gewiesen. Püschel bekomme jedoch keine Plattform für seine politischen Inhalte, von denen sich die Gemeinde deutlich distanziere, so Wisch.

Für ihn stellt sich hier ein Problem ganz grundsätzlich. »Wie«, fragt der Pfarrer, »sollen wir in den Kirchengemeinden damit umgehen?«

(mkz/epd)

Flagge zeigen gegen Rechts

12. November 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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»Extremismus – Nein Danke!«: Mit einer Menschenkette zeigten die Menschen in Hohenmölsen Zivilcourage. 	(Foto: Alexander Bley)

»Extremismus – Nein Danke!«: Mit einer Menschenkette zeigten die Menschen in Hohenmölsen Zivilcourage. (Foto: Alexander Bley)


Gesellschaft: Breites Bündnis protestierte mit einem Aktionstag gegen den NPD-Bundesparteitag.


In Hohenmölsen bei Weißenfels haben Kirchen, Verbände und Politik an einem Strang gezogen und ein Zeichen gegen den rechten Ungeist gesetzt. Das könnte Schule machen.

»Wir sind eine bunte Stadt und das zeigen wir auch«, sagt Pfarrer Thomas Wisch im bunt geschmückten Sitzungssaal des Rathauses von Hohenmölsen (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz). Anlass für das Gespräch mit Medienvertretern aus ganz Deutschland am vergangenen Sonnabend ist der außerordentliche Bundesparteitag der rechtsextremen NPD im örtlichen Bürgerhaus. Zwar hat die Stadt versucht, mit Rechtsmitteln gegen die Ausrichtung in dem kommunalen Gebäude vorzugehen, doch ohne Erfolg.

Deshalb haben sich die Verantwortlichen, katholische und evangelische Kirche, Gruppen und Vereine entschieden, ein Aktionsbündnis zu gründen, das ein buntes Programm auf dem Marktplatz und dem Altmarkt präsentiert. »Wir zeigen, wie Hohenmölsen wirklich ist. Deswegen auch das Motto: Bunte Sta(d)tt Braune«, so Pfarrer Wisch, der mit seinem katholischen Amtskollegen Rudolf Hempel als Sprecher  fungiert.

Rings um die Stadtkirche St. Peter und das Rathaus wird von Ehrenamtlichen ein vielfältiges Programm geboten. Es gibt bunt geschmückte Stände, musikalische Beiträge sowie Informationsmaterial zu der rechtsextremen Partei. Denn Aufklärung sei enorm wichtig, findet auch Rechtsextremismus-Experte David Begrich vom Verein »Miteinander«. Nach seiner Einschätzung ist der Parteitag der NPD vor allem als Auftaktsignal für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im kommenden Jahr zu werten. Noch immer werde diese Partei nicht als wirklicher Gegner wahrgenommen, schätzt der Experte.

In Hohenmölsen zeigen engagierte Bürger am Sonnabend, was sie von den Ansichten der Partei halten und erklären, »dass hier nur die Kohle braun ist«. Eröffnet wird der »Aktionstag« von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). »Wir haben bereits einmal in Deutschland die Demokratie verspielt«, warnt der Ministerpräsident.

Vor allem der friedliche Protest sei wichtig gewesen, betont Pfarrer Wisch. Sein katholischer Amtskollege Hempel ergänzt: »Es ist gut zu wissen, dass die Stadt so zusammenhält.« Gemeinsam rufen sie die Bürger auf, die Hohenmölsener Erklärung zu unterschreiben. Viele solidarisierten sich so mit dem Aktionsbündnis und sprechen sich für Respekt, Demokratie und Toleranz aus.

homoe_014Auch der Aufruf, Stoffreste für eine bunte Toleranzkette mitzubringen, findet Gehör. Schon gegen Mittag reicht die Kette zweimal um die Stadtkirche und quer über den Altmarkt. »Die Unterstützung ist toll«, findet der Pfarrer. Nicht nur die der Bürgerinnen und Bürger; auch von außerhalb sind viele Engagierte gekommen, der Ministerpräsident sowie Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche, darunter der Wittenberger Propst Siegfried Kasparick.

Dass sich die mitteldeutsche Kirche (EKM) gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus einsetzt, ist nicht neu. Bereits 2008 hat sie das Themenjahr »Nächstenliebe verlangt Klarheit – Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus« ausgerufen. »Evangelischer Glaube und Rechtsextremismus sind unvereinbar«, sagt Christhard Wagner, Oberkirchenrat und Mitglied im Landeskirchenrat. Er begrüßt das Engagement der Hohenmölsener und würde sich das an mancher Stelle noch öfter wünschen. Mit Material und einem Leitfaden für Kirchengemeinden unterstützt die EKM den friedlichen Protest gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus.

»Wir als Landeskirche haben uns verpflichtet, den Gemeinden zu helfen, sei es mit Arbeitsmaterial oder  wenn Leute, die Gesicht gegen Rechts zeigen, in Bedrängnis geraten«, so Wagner. Im Übrigen findet er, dass auch der Gang zur Wahlurne und die Entscheidung für eine demokratische Partei schon ein Beitrag gegen Rechts sein kann.

Claudia Petasch

Glocken in Laucha läuteten gegen rechte Gewalt

26. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mit einem »Tag der Mitmenschlichkeit« protestierte ein Bündnis aus Kirche und Vereinen gegen NPD-Kundgebung.

Die Glocken läuteten am 18. August eindringlich in Laucha (Kirchenkreis Naumburg-Zeitz). Das war wohl das deutlichste  Zeichen, mit dem auf den ersten »Tag der Mitmenschlichkeit« aufmerksam gemacht wurde. In und vor der Kirche waren Stände aufgebaut. 14 ortsansässige Vereine beteiligten sich. Der Karnevalisten- und der Heimatverein präsentierten sich ebenso wie der Schützenverein. In der Kirche wurde das Programm mit Liedern, Musik, einer Andacht und Gesprächsrunden gestaltet.

»Laucha ist bunt und nicht braun«, stand auf einem Transparent geschrieben. Der Tag sollte den Protest gegen die angekündigte NPD-Aktion in Laucha zeigen. Der Ort war in den vergangenen Wochen in die Negativschlagzeilen geraten. Wirbel hatte es um den entlassenen Fußballtrainer und Bezirksschornsteinfeger Lutz Battke (NPD) gegeben. Verschärft wurde es durch einen Überfall auf einen jugendlichen Israeli im April. NPD-Stadtratsmitglied und Kreistagsmitglied Battke hatte trotz Kritik bis vor kurzem die F-Jugend beim BSC 99 Laucha trainiert. Dem Verein gehört auch der mutmaßliche Täter des Überfalles an.

Der Angriff, der Trainer, aber auch die mediale Außenwirkung seien Anlass gewesen, intensiver über das Thema nachzudenken, erklärte Bürgermeisterin  Jana Grandi. »Heute ist ein Tag, um kritisch mit der Vergangenheit umzugehen«, sagte David Begrich, Rechtsextremimus-Experte vom Verein »Miteinander«. Laucha müsse sich seiner Verantwortung stellen, auch dann, wenn das Medieninteresse abgeflaut sei.

Großes Medieninteresse: »Tag der Mitmenschlichkeit« kontra NPD-Aktion. (Foto: Andrea Hamann)

Großes Medieninteresse: »Tag der Mitmenschlichkeit« kontra NPD-Aktion. (Foto: Andrea Hamann)

Es gäbe mittlerweile eine Spannung zwischen Laucha und seiner Außenwelt, sagte Pfarrerin Anne-Christina Wegner. Sie selber sei entsetzt gewesen, als sie bemerkt habe, dass die Leute des Ortes plötzlich alle wie braune Bestien erscheinen. Daraufhin habe sie bei den Menschen Frust bemerkt und dann aber die Erkenntnis, dass gezeigt werden müsse, dass es anders ist. »Auch Jugendliche wollen heute nach der Schule herkommen und zeigen, dass sie gegen Rechts sind«, sagte sie. Der Druck von außen und die Dynamik der Ereignisse hätten dazu geführt, dass in Laucha die Erkenntnis zu reifen beginnt, dass Politik und Lebenswelt, Politik und Sport sich nicht trennen lassen. »Man muss den Finger in die Wunde legen, den Menschen zeigen, mit wem sie es zu tun haben«, so Begrich.

Aber es wurde nicht nur geredet auf dem »Tag der Mitmenschlichkeit«. Insgesamt 2000 Euro sammelten Vereine und Kirchengemeinde für die Flutopfer in Pakistan. Am 25. August übergab Gemeindekirchenrat Günter Röder den Scheck an Detlef Harland, Regionalchef für die Diakonie Katastrophenhilfe.

Andrea Hamann