Gemeinsam Akzente setzen
20. Januar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Ökumene: Bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen wird in Köthen eröffnet.

In der sanierten Stadtkirche St. Jakob in Köthen startet am 22. Januar die Gebetswoche zur Einheit der Christen mit einem Gottesdienst. Foto: Heiko Rebsch
Nach der öffentlichen Aufmerksamkeit durch den Papstbesuch im vergangenen Jahr folgen nun wieder die Mühen der Ebene. Die regionalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen setzen auf die Zusammenarbeit vor Ort.
»Lasst das Trennende beiseite und sucht das Gemeinsame!« Der Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter gibt den Vertretern der katholischen Pfarrei St. Maria, der Alt-katholischen Gemeinde, der Baptisten sowie des Kirchenkreises bei der Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Köthen einen guten Rat mit auf den Weg. Gerade auf dem flachen Land sei die kirchliche Situation oft schwierig. »Hier müssen wir sehen, wie wir vor Ort Ökumene leben können.« Angesichts von mehr als 80 Prozent Nichtchristen liegt dem evangelische Theologen daran, in den Dörfern etwas voranzubringen. »Da lässt sich durchaus etwas machen«, ist er überzeugt.
Der Zusammenschluss zur lokalen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Ende vergangenen Jahres kommt aber auch sonst gerade rechtzeitig. An diesem Sonntag wird zumindest die Ökumene in Deutschland auf die Kleinstadt in Anhalt blicken. Dann startet dort mit einem Gottesdienst die bundesweite Gebetswoche für die Einheit der Christen.
Nicht nur der Chef der ACK Sachsen-Anhalt, der Ballenstedter Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich, verspricht sich davon eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Ökumene vor Ort. »Minderwertigkeitskomplexe brauchen wir hier nicht zu haben.« Tatsächlich besteht die ACK in Sachsen-Anhalt seit mehr als 30 Jahren. Zuletzt hat die Arbeitsgemeinschaft von zwölf Mitgliedskirchen und drei Gastmitgliedern vor knapp drei Jahren eine engere Zusammenarbeit beschlossen.
Auch in Thüringen loben die Verantwortlichen die guten Beziehungen der zehn Mitgliedskirchen untereinander. »Die Situation der Ökumene vor Ort ist in den letzten Jahren eigentlich immer gut gewesen«, befindet die Meininger Pröpstin Marita Krüger, die Geschäftsführerin der ACK Thüringen ist. Das kann auch Pfarrer Heinz Gunkel, Ökumenereferent im Bistum Erfurt, bestätigen. Selbst die Differenzen nach dem Papstbesuch haben aus seiner Sicht in der regionalen ACK keine Rolle gespielt. »Das war bei uns nicht das Thema.« Außerdem habe Benedikt XVI. den Kirchen damit eine Aufgabe vor die Füße gelegt, findet Gunkel.
Aus seiner Sicht geht es im Augenblick darum, die Zuständigkeiten zwischen der EKM und den Bistümern Erfurt und Magdeburg neu auszutarieren. Zudem habe es in der Vergangenheit immer theologische Gespräche gegeben – zum Amt oder über das Thema Mission. Auch der Ballenstedter Kreisoberpfarrer setzt auf die gemeinsame theologische Arbeit. Zuletzt ist in der ACK Sachsen-Anhalt eine Verständigung über das Taufverständnis angestoßen worden.
Neben diesen Gesprächen setzen schließlich gemeinsame Aktionen Akzente. Der wiederkehrende Ökumenetag in Sachsen-Anhalt etwa gehört ebenso dazu wie das Miteinander bei den Kirchen- und Katholikentagen. »Ökumene in der Mitte« lautet das Motto des bundesweit einmaligen Standes von zwei Landeskirchen und zwei Bistümern zu solchen Veranstaltungen. Dazu kommen die aktuellen Fragen im Blick auf die Lutherdekade und was die Kirchen hier zusammen angehen können.
»Was uns in Thüringen im Moment bewegt, ist der Rückgang der Mitgliedszahlen«, erklärt die Meininger Regionalbischöfin. Die Kirchen müssten deshalb fragen, wie sie in einer säkularen Gesellschaft gemeinsam ihre Anliegen vertreten könnten. Das ist auch ganz im Sinn des ACK-Vorsitzenden in Sachsen-Anhalt, der auf die 2001 von den Europäischen Kirchen unterzeichnete Charta Oecumenica verweist. Danach sollen sich die Kirchen schon jetzt zu mehr Gemeinsamkeiten verpflichten. Leider sei das aber noch nicht überall angekommen, bedauert Dittrich. »Aber eigentlich müssten wir begründen, wenn wir etwas nicht zusammen machen.«
Martin Hanusch
Sonntag, 22. Januar
Köthen, Sankt Jakob, 14 Uhr: »Wir werden alle verwandelt« – Bundesweiter Auftaktgottesdienst der Gebetswoche für die Einheit der Christen mit dem Vorsitzenden der ACK, dem Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber, Kreisoberpfarrer Jürgen Dittrich (Harzgerode), Bischof Gerhard Feige (Magdeburg), Kirchenpräsident Joachim Liebig und Regina Claaß vom Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeiden in Deutschland. Musik: Bach-Chor Köthen. Leitung: KMD Martina Apitz
Ein Trialog mit Prominenten
11. Juli 2011 von redaktionguh
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Margot Käßmann predigt zum Auftakt der neuen Gottesdienstreihe »Prominenz im Gespräch« anlässlich der sachsen-anhaltischen Landesausstellung in Naumburg. Foto: Constanze Matthes
Naumburger Dom lädt während der Landesausstellung zu besonderer Gottesdienst-Reihe ein. Zum Auftakt kam Margot Käßmann und sprach zum Thema Ökumene.
Mit Regenschirmen und in Scharen kamen sie in den Naumburger Dom und nahmen Platz im Ostchor: Die Gottesdienstbesucher aus der Domstadt und den umliegenden Gemeinden. Der trübe, unsommerliche erste Julisonntag war für die Naumburger Kirchengemeinde ein besonderer. Anlässlich der Landesausstellung wurde zum ersten Mal zur neuen Gottesdienst-Reihe mit dem Titel »Prominenz im Gespräch« eingeladen. Zum Auftakt kam die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Margot Käßmann, in die Domstadt.
»Wir wollen einen Trialog führen, in dessen Mittelpunkt prominente Persönlichkeiten, Exponate der Landesausstellung und Kantaten Johann Sebastian Bachs stehen«, betonte Dompfarrer Michael Bartsch. So sprach Margot Käßmann über die Bedeutung Bachs und die Wirkung der Stifterfigur Uta von Ballenstedt, die in den Fokus des ersten Gottesdienstes dieser Reihe gerückt wurde. Großes Thema der 53-Jährigen bildete jedoch die Ökumene, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von katholischer und evangelischer Kirche. »Uns verbindet mehr, als uns voneinander trennt. Ich hoffe, dass die Ökumene keine Illusion ist«, sagte Käßmann.
Die Ökumene sei, so der Naumburger Dompfarrer, eine der aktuellen Fragen, die nun mit der Gottesdienst-Reihe angesprochen und diskutiert werden sollten. »Wir haben uns Themen gezielt ausgesucht, die uns alle beschäftigen, mit denen wir auch selbstkritische Fragen stellen werden«, erklärte der 47-Jährige. So wird sich der Autor des Romans »Schlafes Bruder«, Robert Schneider, im nächsten Gottesdienst am 24. Juli der Werbung und ihren Versprechen widmen. Drei Wochen später spricht Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD, über die Kirche als Moralinstanz. Zu den weiteren Prominenten zählen die Theologieprofessoren Martin Petzoldt und Notger Slenczka, die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann sowie der Journalist Robert Leicht.
Doch nicht nur die Prominenten bilden die Besonderheit. Speziell sei auch die enge Zusammenarbeit mit Domkantor Jan-Martin Drafehn und der Kunsthistorikerin Claudia Kunde. »Die Reihe ist ein gutes Beispiel für Teamarbeit zwischen Theologen, Kunsthistorikern und Musikern, die es so ja nicht immer gibt«, betonte der Domprediger. Der Verlag »Vandenhoeck & Ruprecht« hat sogar angeboten, die Predigten sowie die Erläuterungen zu den Exponaten und den Kantaten samt der Liturgie in einem Band der Reihe »Dienst am Wort« zu veröffentlichen.
Constanze Matthes
Lernen für besseres Verstehen
9. Mai 2011 von redaktionguh
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Von Roßlau in Sachsen-Anhalt nach Havertown im US-Bundesstaat Pennsylvania: Vor zehn Jahren begann die Gemeindepartnerschaft, zu der gegenseitige Besuche gehören. Foto: Kirchengemeinde
Landessynode Anhalts befasste sich mit Ökumene, Weltmission und Partnerschaften.
Den 11. September 2001 wird Jürgen Tobies so schnell nicht vergessen. Das hat nicht nur mit dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York zu tun. Genau vier Tage später, am 15. September, sollten eigentlich Gemeindeglieder der United Church of Christ (UCC) aus den USA die Kirchengemeinde Roßlau besuchen. Doch die Gäste aus Havertown in Pennsylvania mussten wegen des Anschlags die Reise absagen. An dem Treffen, welches die Partnerschaft zwischen den Gemeinden begründen sollte, nahm lediglich eine amerikanische Familie teil, weil sie schon vor »9/11« in Roßlau weilte.
Aus dem Auftakt mit Hindernissen hat sich dennoch eine lebendige Partnerschaft entwickelt, aus der beide Partner lernten, so Pfarrer Tobies vor der am 29. April in Dessau-Roßlau tagenden Landessynode Anhalts. Auf der Tagesordnung standen als Schwerpunkte Ökumene und Weltmission am Beginn des 21. Jahrhunderts sowie Gemeindepartnerschaften.
Bei den Treffen, so Jürgen Tobies, lernten die Teilnehmer viel: zum Beispiel etwas über Vor- und Nachteile von Orts- beziehungsweise Personalgemeinden, über Vorteile des deutschen Systems des Kirchensteuereinzugs gegenüber der freien Finanzierung einer US-amerikanischen Kirchengemeinde oder die Tatsache, dass sich in den USA das Gemeindeleben wegen des großen räumlichen Einzugsgebietes auf Sonntage konzentriert. Mangelnde Sprachkenntnisse seien bei den Treffen kaum ein Hindernis gewesen: »Mit Wörterbuch und Händen kommt man gut voran«, so der Pfarrer, dessen Gemeinde im Sommer wieder Besuch aus den USA erwartet.
Die Petrusgemeinde in Dessau ist eine von fünf evangelisch-unierten Gemeinden, die seit Jahrzehnten verbunden sind. Die Partnerschaft entstand aus einer Initiative von Christen aus Speyer in der Pfalz und der United Reformed Church aus Purley bei London, die sich 1967 zum ersten Mal trafen. Die Gemeinden stellten auch Kontakte zur Immanuel Congegrational Church in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut her. Aufgrund der Partnerschaft zwischen Anhalt und der Pfalz wurden Mitte der 60er Jahre Kontakte zwischen Speyer und Dessau geknüpft und in den 1970er Jahren nach Ostrava in der Tschechoslowakei. Jedes dritte Jahr stattfindende Konferenzen aller Partner gab es bis zum Mauerfall in Berlin-Weißensee. 2004 richtete die Petrusgemeinde eine Konferenz aus.
Gut für Horizont und Gemeindeleben
Die Vorbereitungen darauf begannen zwei Jahre zuvor mit der inhaltlichen Arbeit und ein Jahr zuvor mit der Bildung von elf Organisationsteams, die von Exkursionen über Finanzierung bis zur Privatquartiersuche alles regelten. »Dafür müssen auch Gemeindeglieder außerhalb des ›harten Kerns‹ gewonnen werden«, sagte der Partnerschaftsbeauftragte der Petrusgemeinde, Udo Stork, in seinem Vortrag vor der Synode. Kamen doch rund 60 Personen für etwa zehn Tage zusammen.
Die Wirkung der Partnerschaften schätzt Stork durchweg positiv ein. Nicht nur, weil die Treffen das Gemeindeleben aktivieren, den Glauben stärken und sich Freundschaften entwickeln. Auch der Horizont weitet sich. »Berichte der Medien über diese Länder und deren Menschen sieht man dann in einem anderen Licht«, bilanziert Udo Stork.
Über Ökumene und Weltmission zu Beginn des 21. Jahrhunderts sprach der Direktor des Berliner Missionswerkes, Roland Herpich, vor der Synode. Neben der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gehört Anhalt zu denen, die das 1824 in Berlin als »Gesellschaft zur Beförderung der Evangelischen Mission unter den Heiden« gegründete Werk tragen. »Mission«, so Herpich, »kehrt heute ins eigene Land zurück.« In Deutschland müsse die Gesellschaft neu klären, wie sie mit Religion umgeht. Berlin zum Beispiel sei heute mit 160 ausländischen Gemeinden interkonfessi-onell und interreligiös. Angesichts vieler konfessionsloser Menschen sei der kulturelle und der Bildungsauftrag groß. Christen seien sich aber in vielen Fragen nicht einig. »Probleme bekommen wir aus der Ökumene zurückgespiegelt«, sagte Herpich. Ökumene sei aber immer Baustelle. »Kirche kann auf verschiedene Art gebaut werden, das müssen wir zulassen.«
Die Synodalen ermunterten in ihrem Beschluss Kirchengemeinden der Landeskirche »ausdrücklich«, an Partnerschaften teilzuhaben. Denn »gegenseitiges ökumenisches Lernen« sei »wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich Menschen in geistlicher und kultureller Hinsicht besser verstehen«.
Angela Stoye
Historischer Besuch
16. April 2011 von redaktionguh
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Es ist eine kleine kirchenpolitische Sensation und eine große Geste dazu. Papst Benedikt XVI. will bei seinem Deutschlandbesuch im September einen deutlicheren ökumenischen Akzent setzen. So wird das Oberhaupt der katholischen Kirche in Erfurt nicht nur mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland zu einem Gespräch zusammentreffen, er will mit den EKD-Vertretern auch einen gemeinsamen Wortgottesdienst im Augustinerkloster feiern. Damit setzt er ein klares Zeichen für das Miteinander der Kirchen. Schon allein das verdient Anerkennung und Respekt.
Zudem kann der Symbolgehalt gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn mit der Begegnung und dem Gottesdienst im Augustinerkloster wird erstmals nach 500 Jahren ein Papst einen authentischen Lutherort besuchen. Zugleich kommt Benedikt XVI. damit aber auch an einen Ort, der für die gemeinsamen Wurzeln steht, schließlich hat Luther hier als Mönch gelebt. Ohnehin hätte der Papst bei seinem Besuch im »Kernland der Reformation« auch schlecht an der evangelischen Kirche vorbeigehen können. Das wäre ein deutlicher Affront.
Wunderdinge sollte freilich niemand von dem Besuch erwarten. Schließlich bleibt das ökumenische Verhältnis schwierig. Einerseits ist es auch dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation zu verdanken, dass die katholische Kirche 1999 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre unterschrieben hat, die die reformatorischen Kernanliegen aufgreift. Auf der anderen Seite hat Joseph Ratzinger nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die evangelische Kirche nicht als Kirche im eigentlichen Sinn anerkennt, weil sie nach seiner Ansicht im Sakraments- und Amtsverständnis »Defizite« aufweist. Das hat zu heftigen Verstimmungen geführt. Dass der Papst nun den Weg in Luthers Augustinerkloster sucht, ist zumindest eine kleine Wiedergutmachung.
Martin Hanusch
Bis zur Einheit dauert es
3. April 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Gottesdienst in der Dessauer Georgenkirche – 14 Kirchen gehören jetzt zur ACK Sachsen-Anhalt. Foto: Thomas Altmann
Ökumene-Tag: Armenisch-Apostolische Kirche in die ACK Sachsen-Anhalt aufgenommen.
Gabe oder Aufgabe? Die Farben, die Schnittmuster, die Symbole: 18 Liturgen zeichnen ein Bild der Vielfalt in die Georgenkirche in Dessau-Roßlau. Und eindringlich greift der altaramäische Hymnus »Urlach Ler« von der Empore. In einem ökumenischen Gottesdienst wurde am 26. März die Aufnahme der Armenisch-Apostolischen Kirche in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Sachsen-Anhalt gefeiert. Ziel der ACK ist es, die Einheit der Kirchen zu fördern. Mit diesem Gottesdienst ging auch der Ökumene-Tag 2011 zu Ende. Eingeladen hatte die Ökumenische Kommission für pastorale Fragen in Zusammenarbeit mit der ACK Sachsen-Anhalt.
Dorothea Sattler, Professorin für Ökumenische Theologie und Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, referierte über das Thema »Mein persönlicher Glaube und die Glaubensbekenntnisse der Kirchen(n) – Sichtung eines Spannungsverhältnisses«. Das Memorandum von Theologieprofessoren und -professorinnen zur Krise der katholischen Kirche vom 4. Februar habe sie bewusst nicht unterschrieben, weil ihr die Anliegen wichtig erschienen. Es sei die falsche Zeit gewesen, der falsche, feuilletonistische Ton und eine Verengung auf die europäische Perspektive.
Die Professorin fordert ein »polyzentrisches Konzept« der Ökumene mit Achtsamkeit vor kulturellen Unterschieden. Als Land der Reformation nehme Deutschland eine Sonderstellung ein. Mit Blick auf den Reformationsjahrestag 2017 sprach Sattler von »späten Früchten« aus der Begegnung mit der Reformation, von der Einführung der Muttersprache im Gottesdienst, von einer Hierarchie der Wahrheiten in Entsprechung zur Nähe der Bibel und vom Konsens in der Rechtfertigungslehre, dem Vertrauen, »sich angenommen zu wissen, auch wenn wir uns als unannehmbar erfahren«.
»Warum diese unzähligen Vorurteile?«
Weithin Konsens sei ferner, dass schon die Bibel zur Tradition gehöre. Deshalb gebe es kein Gegensatz von Bibel und Tradition. Sattler fragt, ob das erste immer das bessere sei. Was sich herausbilde, habe sich bewährt. Auf das frühe Charismamodell sei die Übertragung der Ämter gefolgt. Aber gerade die Frage der Ämter bleibe wohl das Trennende, auch und gerade im Blick auf das Abendmahl. Eucharistie sei kein zusätzliches Opfer, sondern die Vergegenwärtigung des Opfers. Es gebe unterschiedliche Modelle, sich diese Vergegenwärtigung vorzustellen und keine dogmatischen Bedenken gegen eine Feier mit Brot und Wein. Auch die evangelische Austeilungsordnung im Halbkreis, um den Gemeinschaftscharakter zu unterstreichen, wäre möglich. Andererseits forderte Sattler einen sorgsamen Umgang mit den übrigen Mahlgaben und unterstrich den Wert des Totengedächtnisses in der Eucharistie.
Immer wieder werden Vor- und Nachteile angefragt. Synodal oder autoritativ? Sind Mehrheitsbeschlüsse der Wahrheit näher? Maria Magdalena, die »Urapostelin«, findet Erwähnung, Geschlechterrollen und Verständigungsbrücken: »Auf welches Ziel hin sind wir unterwegs«, fragt Sattler, »zur echten Einheit? Es wird dauern. Aber wir sind alternativlos auf dem Weg.« Im Gespräch gibt es unter anderem eine Anfrage an die lutherischen Krchen, die keine Abendmahlsgemeinschaft pflegen.
Gesprächsrunden folgen. Joachim Liebig, Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalts, moderiert die Gruppe »Wie verhält sich mein persönliches Gewissen zur Glaubenstradition meiner Kirche?« Da geht es um Toleranz und Beliebigkeit, um Bekenntnis und Individualismus. »Werden wir einsam in der Angst, fremdbestimmt zu sein?«, fragt Liebig.
»Und das Licht scheint in die Finsternis« – Der Erzbischof der Armenisch-Apostolischen Kirche in Deutschland, Karekin Bekdjian, predigt über Johannes 1, 5–11. Noch eher als in Rom wurde in Armenien das Christentum Staatsreligion. Am Konzil von Chalcedon, das die Zwei-Naturen-Lehre Christi festschrieb, nahm die armenische Kirche nicht teil. Auch unausgesprochen denkt man unweigerlich an den Völkermord im Osmanischen Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Erzbischof ermuntert zum Gebet der Reue, fragt: »Warum diese unzähligen Vorurteile?«
Thomas Altmann
Ein Schlüssel zum Erfolg
20. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Der Stand der evangelischen und katholischen Kirchen aus Mitteldeutschland zeigte »Ökumene in der Mitte«. Besucher konnten sich über gemeinsame Aktivitäten und die gute ökumenische Zusammenarbeit informieren. Foto: Harald Krille
Auch zahlreiche Christen aus Mitteldeutschland waren beim Kirchentag in München dabei
»Der Zusammenhalt ist schon toll«, sagen Patrick, Doro, André und Franzi übereinstimmend. Die vier jungen Leute aus Gotha sind als Teamer mit einer Konfirmandengruppe zum Ökumenischen Kirchentag nach München gefahren.
Jetzt schlendern sie über die Agora, den »Markt der Möglichkeiten«, und schauen sich bei den Projekten und Initiativen um. Vor allem die Vielseitigkeit begeistert sie. »Ich war gestern bei der Rockandacht, das war schon ein Highlight«, erzählt Patrick. Franzi dagegen ist bei einem Vortrag von Margot Käßmann gewesen. »Das war schon ein Erlebnis, sie mal live zu sehen«, meint sie. Am Stand des Kirchenkreises Egeln bleiben sie kurz stehen und lassen sich die Gemeindeagende erklären.
»Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«
Nicht weit davon entfernt steuern Besucher auf den großen Stand der Kirchen aus Mitteldeutschland zu. Hier präsentieren sich Anhalt, die mitteldeutsche Kirche sowie die beiden Bistümer Erfurt und Magdeburg gemeinsam. »Ökumene in der Mitte« steht auf den »Ortseingangsschildern«, die den offenen Stand in der Messehalle A6 markieren. In der Mitte befinden sich nicht nur Säulen, die die Kirchen und Bistümer, sondern vor allem elf ökumenische Projekte vorstellen. »Wir wollten bewusst keine Strukturen zeigen, sondern Inhalte«, sagt Pfarrer Karsten Müller, Leiter des Gemeindedienstes in Neudietendorf.
Ein großes Kreuz mit einer Dornenkrone weist auf ein ökumenisches Projekt aus Suhl hin. Hier haben evangelische und katholische Christen zum 300-jährigen Bestehen der evangelischen Kreuzkirchengemeinde eine Aktion gestartet und 17 Kreuze in der Innenstadt aufgestellt. Jetzt berichten sie den interessierten Besuchern, was das ausgelöst hat und wie es bis heute nachwirkt. So gebe es nicht nur eine ökumenische Wandergruppe, auch Weltgebetstage, Weltladen und regionale Kirchentage würden gemeinsam verantwortet. »Wir demonstrieren quasi Ökumene in der Mitte«, meinte Beate Liehmann von der katholischen Gemeinde. Nebenan erklärt Matthias Simon Besuchern an vier echten Straßenbahnsitzen das Projekt »Ökumene am Fluss« in Magdeburg. Entscheidend sei nicht, ob jemand evangelisch oder katholisch ist, »sondern ob wir etwas gemeinsam tun«, glaubt der Pfarrer.
Aber die Vertreter aus Mitteldeutschland beteiligen sich nicht nur an den Informationsständen auf dem Markt. Landesbischöfin Ilse Junkermann und Oberkirchenrat Manfred Seifert aus Dessau sitzen auf Ökumene-Podien. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hält eine Bibelarbeit und spricht mit Pfarrer Christfried Boelter im »Forum Lebenswelt Land« über Bündnisse für den ländlichen Raum.
Auch das kirchentagserfahrene Ehepaar Renate und Reinhard Höppner ist in München beschäftigt. Bei einem Podium zur Ökumenischen Versammlung »gestern – heute – morgen« geben die Pfarrerin und der ehemalige sachsen-anhaltische Ministerpräsident Auskunft, wie das damals war bei den Treffen in Dresden und Magdeburg. Dies sei auch ein Höhepunkt der Ökumene gewesen, weil alle Kirchen beteiligt gewesen sind, erklären sie. Heute, ergänzt Heino Falcke, lange Jahre Propst in Erfurt, müssten die Kirchen wieder mehr gemeinsam tun und zu einer Stimme finden. Gerade jetzt, »wo uns die Kolateralschäden der Globalisierung einholen«, sei das wichtig.
Dass die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor Ort gut funktioniert, berichten schließlich Vertreter der evangelischen Thomas-Gemeinde und der katholischen Gemeinde St. Wigbert/St. Crucis aus Erfurt auf einem Podium. »Wir wollen in der Stadt als Christen wahrgenommen werden, gleich welcher Konfession«, erklärt Kirchenälteste Anne-
marie Keller. In ökumenischen Gottesdiensten wird ihre Partnerschaft konkret. Am Pfingstmontag sowie am Buß- und Bettag feiern die Gemeinden ein gemeinsames Agape-Mahl. »Es hält die Sehnsucht in uns wach, eines Tages gemeinsam am Tisch zu sitzen«, so Pfarrgemeinderätin Heike Skroblin. Das gegenseitige Vertrauen ist jedenfalls schon jetzt da: Der katholische Pfarrer besitzt einen Schlüssel für die evangelische Kirche und umgekehrt.
Martin Hanusch
Ökumene in der Mitte
13. Mai 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Kirchentag: Projekte aus Thüringen und Sachsen-Anhalt stellen in München ihre Arbeit vor
Sie haben Geschichten, Projekte und Hoffnung im Gepäck: 2.500 Christen aus Thüringen und Sachsen-
Anhalt sind beim zweiten Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München dabei.

Auf dem Weg zum Ökumenischen Kirchentag nach München: Eine Fahrradpilgergruppe aus Bremen machte am vergangenen Sonnabend im Gothaer Augustinerkloster Station, wohin der Thüringer Landesausschuss zu einem Vortreffen eingeladen hatte. Foto: Wieland Fischer
Lag es am Bart? Oder an der Haartracht? »Du gehörst doch hier bestimmt zur Friedensbewegung«, knüpfte Brigitta Schmidt 1985 im Erfurter Dom ganz unkompliziert Kontakt zu »Knopf« Burkhardt. Brigitta Schmidt gehörte zur katholischen Friedensbewegung »Pax Chris-ti« im bayerischen Erdingen, »Knopf« Burkhardt engagierte sich in der Offenen Arbeit Erfurt. Wer jetzt am Wochenende auf dem Ökumenischen Kirchentag in München über die Agora schlendert, der erfährt, was aus dieser Begegnung geworden ist: Auf einer Litfasssäule erzählen die Erdinger und die Erfurter von ihren vielen Treffen seitdem.
Eine »ehrliche, aufrechte Verbindung« nennt Kerstin Brückner von der Offenen Arbeit diesen Kontakt, auf den sie sich wieder sehr gefreut hat. Dass Frieden miteinander vornehmlich »über das Herz geht«, erzählt Wolfgang Musigmann von der Offenen Arbeit, das demonstrieren Erfurter und Erdinger beim freitäglichen Podium »Frieden – Gerechtigkeit – Bewahrung der Schöpfung« auf ganz eigene Weise – in einer Performance.
Wie ein Bienenschwarm summt derzeit die bayerische Landshauptstadt. Das Erfurter Beispiel ist quasi nur eine kleine Wabe innerhalb der nicht weniger als 3.000 Angebote zum Mitreden und Mitdenken, zum Beten, Schauen und zur Begegnung. Über 2.500 Christen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen pilgerten zu Fuß, per Rad oder Bahn zum 2. Ökumenischen Kirchentag, im Koffer nicht nur ihre Präsentationen, sondern auch allerhand Erwartungen: Ganz kurzfristig meldete sich Gabriele Brendel noch als Betreuerin an für die Orthodoxe Vesper am Freitag – eine riesig lange Tafel, an der 10.000 Menschen Platz nehmen sollen. Mit vorbereitet hatte die Saalfelder Gemeindepädagogin schon das Kirchentagspodium zum Religionsunterricht. »Was ich mir vom Kirchentag wünsche, sind eindeutige Worte«, formuliert sie entschieden. »Da war mir manches in letzter Zeit doch zu beliebig. Gerade in Richtung Zusammenwachsen, gemeinsames Abendmahl.« Ein Stichwort, das Inge Linck von der Erfurter Predigergemeinde mit Schwung aufgreift: »Ich erwarte, dass da die Basis losprescht und die Hürden umreißt!« Auch Klärendes in Richtung Ökumene erhofft sie sich vom Kirchentag.
Wegen der Missbrauchsfälle wollte Annette Hildebrandt aus Teuchern zunächst gar nicht nach München fahren. »Aber ich will mir von der Debatte darüber selbst ein Bild machen«, hat sich die Geschäftsführerin des Kirchentagslandesausschusses in der Kirchenprovinz Sachsen entschieden. Und wie die anderen freut sie sich auf die ungeheure Vielfalt der Angebote, auf Kirchenmusik, Gemeinschaft, anspruchsvolle Diskussionen.
Allein auf drei Podien wird sich Landesbischöfin Ilse Junkermann zu Wort melden. Wenn sie am Freitag auf dem Messegelände gemeinsam mit dem anhaltischen Kirchenpräsidenten Joachim Liebig und ihrem katholischen Kollegen Gerhard Feige (Magdeburg) und Weihbischof Reinhard Hauke (Erfurt) über »Die ökumenische Praxis in Mitteldeutschland« spricht, haben die Zuhörer gleich bildlich vor Augen, wovon die Rede ist: Elf Projekte stellen Thüringen und Sachsen-Anhalt unter der Überschrift »Ökumene in der Mitte« in München vor.
Kennenlernen können Besucher auf diese Weise beispielsweise das Dörfchen Garitz bei Dessau: Dessen Bewohner – zu 80 Prozent Christen und wiederum je zur Hälfte katholisch und evangelisch – feierten den 750. Geburtstag ihres Ortes vor einem Jahr mit einem ökumenischen Kirchentag. Der Wörlitzer Bibelturm ist ebenso vertreten wie die Elterninitiative Ökumenischer Kindergarten aus Nordhausen. Vorgestellt wird das Magdeburger Projekt »hingucken – mitdenken – einmischen« gegen Neonazis und nicht zuletzt die Erfurter Initiative »Folge dem Stern«. Ein »positives Schaufenster für Kirche« ist für Wolfgang Musigmann aber nicht nur jene Ausstellung, sondern dieser Kirchentag in seiner hochkarätigen Besetzung und seiner unvergleichlichen Buntheit insgesamt. »Das hat Kirche auch nötig«, bekräftigt Annette Hildebrandt, »immer mal wieder zu zeigen – da ist noch Leben drin!«
Kathrin Schanze
Genug gemeinsame Themen
23. Dezember 2009 von redaktionguh
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Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, sprach in Halle/S. über Ökumene

Prof. Dr. Friedrich Weber ist seit 2004 Braunschweiger Landesbischof und seit März 2004 ACK-Vorsitzender (Foto: landeskirche-braunschweig.de)
»Wir kümmern uns nicht mehr darum«, sagt der Mann in der ersten Reihe. Was er meint, ist weder resignativ noch ignorant: Er spricht über Glaubensvollzüge in seiner gemischt-konfessionellen Ehe und über die Tatsache, dass es sehr wohl möglich ist, sich den jeweiligen kirchlichen Gepflogenheiten anzupassen. Für Friedrich Weber, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Bischof der Braunschweiger Landeskirche eine zweigeteilte Botschaft, die sich da an seinen Vortrag im »Montagsgespräch« in der Paulusgemeinde in Halle anschließt. So lobt der Bischof zum einen den unverkrampften Umgang an der Basis und mahnt zum anderen an, dass Ökumene auch die Reflexion und das Wissen um das Trennende und Verbindende braucht.
Weber hatte sich für diesen Abend des 14. Dezember vorgenommen, die Ökumene auf dem Weg der Lutherdekade bis 2017 zu beschreiben. Kenntnisreich und detailliert fasste der ACK-Vorsitzende die Ereignisse, Papiere und Gespräche der vergangenen zehn Jahre zusammen, gab Insiderwissen preis und eigene Erlebnisse zum Besten. Was die Lutherdekade betrifft – da scheint in den verschiedenen Programmen und Schwerpunktjahren kein Platz für die Ökumene. Ohne allzu kritisch mit der eigenen Kirche umzugehen, macht Weber keinen Hehl daraus, dass er hier Chancen verpasst sieht. Er bedient sich einer Äußerung des Magdeburger katholischen Bischofs Gerhard Feige, der bei den Protestanten angefragt habe, ob keiner daran gedacht hätte, dass die Lutherdekade bis 2017 auch etwas mit der katholischen Kirche im Reformationsland zu tun haben könnte. »Ein ernsthaft verärgerter Bischof – zu Recht«, sagt der evangelische Amtsbruder.
Bricht eine neue Eiszeit in der Ökumene an? Die zurückliegenden Jahre zeigen viele Ereignisse und vor allem Papiere, die den Eindruck begründen. Seit 2001 hat die katholische Kirche einige Äußerungen getan, die den gemeinsamen Ökumene-Bemühungen deutlich entgegenstehen. Ein nicht autorisierter Brief aus dem Kirchenamt der EKD in Hannover hat wiederum für Unmut gesorgt. Das Papier wurde zwar zurückgezogen, dann aber anonym in Zeitungen lanciert. Stoff für einen Roman über internationale Verwicklungen. Obendrein gibt es jetzt mit Margot Käßmann eine geschiedene Frau als EKD-Ratsvorsitzende. Äußert da die Russisch-Orthodoxe Kirche laut, was die Katholiken nur denken – dass man mit einer Frau an der protestantischen Spitze nicht reden könne?
Friedrich Weber schlägt bewusst und offenbar in großer Einigkeit mit dem vatikanischen Ökumene-Beauftragen Kardinal Walter Kasper andere Töne an. Da werden gezielt die Erfolge und Gemeinsamkeiten betont. »Wir vergessen, was wir erreicht haben – das ist die eigentliche Gefahr für die Ökumene«, sagt Weber in Halle. Oder auch dies: »Kann man in Deutschland über die eigene Konfession reden in Absehung der anderen Konfession?« Die Annäherung werde nicht über die Frage der Eucharistie gelingen, schätzt Weber nüchtern ein, wohl aber über das Gemeinsame im Glaubensbekenntnis, über die Taufe und die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die katholische und evangelische Kirche 1999 unterzeichnet haben. Weber macht den etwa 50 Zuhörern aus evangelischen und katholischen Gemeinden der Saalestadt den Vorschlag, für die jeweils andere Konfession zu beten: »Wofür ich bete, das ist für mich wichtig.«
Die nahe Zukunft birgt genügend gemeinsame Themen für die Ökumene in Deutschland. Das parallele Schrumpfen, der Traditions- und Wissensverlust in den jüngeren Generationen, Struktur- und Nachwuchsprobleme in den Amtskirchen, gemeinsame Nutzung von Sakralräumen – auch Not macht verbindend erfinderisch. In der Außenwahrnehmung einer säkularen Gesellschaft gewinnt Ökumene noch eine andere Dimension: »Wir leiden an den Schwächen der jeweils anderen und wir müssen lernen, uns an den Stärken der anderen zu freuen.«
Frieder Weigmann






