Osterwort

15. April 2017 von redaktionguh  
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Aus dem Dunkel kommen sie, Maria von Magdala und die andere Maria. Wie ein Leichentuch liegt dieses Dunkel über ihnen, seit Jesus gekreuzigt wurde und gestorben ist. Erstarrt in Schreck und Trauer sind sie. Sie können nicht fassen, dass alles zu Ende sein soll, sein Leben und ihr Leben mit ihm.

Zwei von ihnen machen sich auf den Weg. Sie waren mit den anderen Jüngerinnen in Jesu Nähe geblieben – auch als er gekreuzigt wurde, auch als er starb, auch als er begraben wurde. Die Jünger flohen, einzig die Frauen waren geblieben. Während die Männer noch im Dunkel ihres Versagens, ihrer Scham und ihrer Angst verharren, machen die Frauen sich schon auf den Weg. Die Liebe zu ihm setzt sie in Bewegung. Noch einmal wollen sie ihn berühren. Den Geruch des Todes wollen sie von ihm nehmen mit wohlriechenden Ölen.

Als sie zum Grab kommen, gerät die Welt aus ihren Fugen. Die Erde bebt. Ein Engel erscheint. Die Wächter erstarren vor Angst und Furcht. Und die Frauen? Der Engel schickt sie auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkündigen: Der Gekreuzigte ist auferstanden! Ostern setzt in Bewegung und lässt herauskommen aus dem Dunkel von Leid und Not, Versagen und Schuld.

Ostern sendet uns auf den Weg des Lebens, hin zu Menschen, denen es übel ergeht: hin zu Kranken, Flüchtlingen, Kindern in Armut, Obdachlosen. Ostern lässt wider alle Vernunft hoffen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Frohe, bewegte Ostern wünsche ich Ihnen allen!

Ihre Landesbischöfin
Ilse Junkermann

Aufwachen

3. April 2016 von redaktionguh  
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Am Dienstag vor dem Osterfest, dem Fest der Auferstehung und des Lebens, schockten die Anschläge von Brüssel. Die Zahl der Todesopfer stieg inzwischen auf 35. Und zum Osterfest selbst eine neue Hiobsbotschaft: In einem Park der pakistanischen Großstadt Lahore reißt am Abend des Ostertages ein muslimischer Selbstmordattentäter 70 Menschen, darunter viele Frauen und 35 Kinder, in den Tod. Ausdrücklich wollte er vor allem Christen treffen.

Es wird Zeit, sich von einigen Illusionen zu verabschieden. Zum Beispiel von der mantraartig wiederholten Behauptung, der »eigentliche« Islam sei eine Religion des Friedens. Es ist offensichtlich, dass eine große Zahl der Muslime weltweit eine massive Nähe zu religiös begründeter Gewaltausübung hat. Es zeigt sich zudem immer wieder, dass es eben nicht nur einige wenige entwurzelte und perspektivlose junge Menschen sind, die sich und andere für Allah in den Tod bomben. Der Attentäter von Lahore soll Religionslehrer an einer Schule seiner Heimat gewesen sein. Und die Fianzierung solcher Terrorarmeen wie des »IS« ist nur durch umfassende Netzwerke quer durch alle Gesellschaftsschichten islamischer Staaten möglich.

Ist es da nicht geradezu eine Bringschuld des weltweiten Islam, sich nicht nur in Einzelstimmen vom Terror zu distanzieren, sondern sich offensiv und kritisch mit der eigenen Glaubens- und Lebenspraxis zu beschäftigen? Um der Glaubwürdigkeit willen muss man fragen: Warum hören wir nichts von einer gemeinsamen Fatwa gegen Selbstmord­anschläge? Im Falle einer vermeintlichen Beleidigung der eigenen Religion wird eine solche schnell verhängt. Wie etwa gegen Salman Rushdie, für dessen Tod das Kopfgeld erst im Februar dieses Jahres von iranischen Geistlichen auf rund vier Millionen Dollar erhöht wurde.

Harald Krille

Schulstart mit dem Osterfest

15. April 2013 von redaktionguh  
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Kreismuseum Bad Liebenwerda widmet sich der Kopplung zweier Feste

Ostern mit Schnee wie zur Weihnachtszeit! Warum nicht auch gleich noch den Schulanfang an diesem Tage feiern? Dass dies einmal möglich war, beweist derzeit das Kreismuseum Bad Liebenwerda. Einen Tag vor Karfreitag haben die ­Mitarbeiter des Kreismuseums eine Sonderausstellung aufgebaut, die das Osterfest mit dem Schulanfang verbindet.

Durch die Schulaufsicht der Kirche wurde seit der Kaiserzeit bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges der Schulanfangstermin auf diesen wichtigen kirchlichen Feiertag gelegt. Mit der Übernahme der Schulaufsicht durch den Staat wurde der Termin von dem kirchlichen Feiertag abgekoppelt. In vielen westlichen Bundesländern wurde noch bis in die 1960er Jahre hinein Ostern eingeschult.

Pappmaché-Hasen krönten die Schultüten

So entstanden mit Osterhasen verzierte Schultüten, die mit kleinen und großen Ostereiern gefüllt wurden, Unterrichtsmaterialien mit farbintensiven Ostermotiven und Bücher, die den Ostergedanken und den Schulanfang als gemeinsames Thema hatten, kamen hinzu.

Auf manchen Schultüten, die auch Ostertüten hießen, thronte ganz oben ein Osterhase aus Pappmaché oder sogar aus Schokolade. Auch Palmkätzchen und Frühlingsblumen auf den Tüten weisen auf das frühe Datum im Jahr hin.

Während das Osterfest im Laufe der Jahrzehnte als Termin für die Einschulung und die damit verbundenen gemeinsamen Symbole an Bedeutung verlor, trat die Zuckertüte zum Schulanfang ihren Siegeszug an.

Der neue Brauch fasste zuerst in Städten Fuß

Der Brauch stammt aus dem 19. Jahrhundert aus den Regionen Sachsen, Thüringen, Schlesien und Böhmen. Dort tauchen die ersten mit Gebäck gefüllten Oster- und Schultüten auf. Sie wurden entweder überreicht oder von einem Zuckertütenbaum gepflückt.

Bettina Beyer vom Kreismuseum Bad Liebenwerda zeigt einige der Exponate, die den fröhlichen Schulanfang zu jener Zeit illustrieren, als noch Ostern die Einschulung war. Foto: Veit Rösler

Bettina Beyer vom Kreismuseum Bad Liebenwerda zeigt einige der Exponate, die den fröhlichen Schulanfang zu jener Zeit illustrieren, als noch Ostern die Einschulung war. Foto: Veit Rösler

Außerhalb dieser Gebiete waren die bunten Tüten mit Süßigkeiten vor 1914 weitgehend unbekannt. Die Verbreitung der Schultüten geschah von den Großstädten auf die ländlichen Gebiete, wo es zum Teil lange dauerte, bis sich der Brauch durchsetzen konnte. Dabei hat sich die Form der Tüten mit dem prinzipiellen Aufbau aus einer Spitztüte, mit meist runder, seltener eckiger Öffnung kaum geändert. Heute sind die gefüllten Tüten zum Schulanfang in ganz Deutschland und vielen Teilen Österreichs verbreitet.

Nach Ostern wächst in den Kindergärten die Aufregung unter den Kindern der großen Gruppe. Die Einschulung rückt näher. Beim Abschiedsfest erhält jedes Kind seine erste kleine Zuckertüte vom Zuckertütenbaum, was die Vorfreude auf die eigentliche Zuckertüte am Tage der Einschulung nur noch weiter befördert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht natürlich der Abc-Schütze mit seiner Zuckertüte und den vielen mittlerweile schon historischen Utensilien, darunter hölzerner Griffelkasten, Schiefertafel, Lehrbuch, Schulheft und Ranzen, die er ab sofort mit sich zu tragen hatte.

Privater Sammler als Leihgeber

Teile der Sonderausstellung im Museum Bad Liebenwerda sind Leihgaben aus der privaten Sammlung des Hamburger Lehrers Hans-Günter Löwe und des Archivs für historische Alltagsfotografie von Susann Hellemann und Lothar Binger aus Kleinmachnow bei Berlin.

Die Ausstellung ist Teil des diesjährigen Kulturlandthemas »Kindheit in Brandenburg«.

Veit Rösler

Ausstellungsgespräch: 14. April, 15 Uhr.
Die Ausstellung wird bis zum 8. September im Museum Bad Liebenwerda, Burgplatz 2, gezeigt. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, jeweils 14 bis 17 Uhr, Sonnabend, Sonn- und Feiertag, jeweils 14 bis 17.30 Uhr.