Ostern mit Kanonenschlägen

7. Mai 2015 von redaktionguh  
Abgelegt unter Reisetagebuch

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Bunter Strauß von Eindrücken: Die Leserreise zum orthodoxen Osterfest auf die Kykladen

Während das heilige Licht von Kerze zu Kerze weitergegeben wird und Priester und Diakone auf dem Platz vor der Kirche die Liturgie singen, wird das zuvor noch vereinzelte Prasseln und Knallen zum ohrenbetäubenden Getöse. Hunderte von Knallkörpern fliegen durch die Gegend, Raketen steigen, farbige Funken sprühend, in den mitternächtlichen Himmel. In das hektische Klingeln der Kirchenglocken mischen sich dröhnende Kanonenschläge, die schon Sekundenbruchteile vor dem Trommelfell im Bauchfell spürbar werden. Und in all das erklingt der Ruf: »Christós Anésti!« – »Christus ist auferstanden!«

Es ist die Osternacht in Parikia, Hauptstadt der Kykladeninsel Páros. Feuerwerke steigen in dieser Nacht noch an vielen anderen Kirchen der Insel und ebenso auf den Nachbarinseln in den Himmel über der Ägäis. Griechisch-orthodoxe und katholische Christen feiern mit dieser bunten Mischung aus Silvesterknallerei und besinnlicher Osternacht gemeinsam nach dem julianischen Kalender das Fest der Auferstehung Christi. Es ist in der griechischen Kultur bis heute das wichtigste Fest überhaupt.

Fröhliche Runde unter strahlendem Mittelmeerhimmel: die »Glaube + Heimat«-Leserreisegruppe vor der berühmten Löwenstraße auf dem Ausgrabungsgelände der Insel Delos – Foto: Ioannis Giannourakos

Fröhliche Runde unter strahlendem Mittelmeerhimmel: die »Glaube + Heimat«-Leserreisegruppe vor der berühmten Löwenstraße auf dem Ausgrabungsgelände der Insel Delos – Foto: Ioannis Giannourakos

Für 28 Christen aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, die sich vom 9. bis 19. April mit »Glaube + Heimat« auf die Leserreise zu den »Inseln des Lichtes« gemacht hatten, hielten die Eilande der Ägäis allerdings noch mehr Überraschungen bereit: Frühchristliche Kirchen, byzantinische Kunst, Griechenlands größtes archäologisches Ausgrabungsgelände auf der antiken »heiligen Insel« Delos, die Geschichte des parischen Marmors und Griechenlands wichtigste Wallfahrtskirche auf Tinos waren nur einige der Höhepunkte.

Dazu kamen ganz besondere Begegnungen mit Menschen: etwa mit der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Athen oder mit dem katholischen Priester von Tinos. Und nicht zu vergessen mit dem orthodoxen Priester Papa Kostas in Ermoúpoli, der Hauptstadt der Insel Syros. Er lud die Christen aus Mitteldeutschland sogar spontan ein, während der Messe einen Gruß zu singen: »Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.« Dank geübter Chorsänger drang der protestantische Osterchoral sogar mehrstimmig durch die orthodoxe Basilika. Ein durchaus ungewöhnliches Zeichen ökumenischer Offenheit in einer Region, die auch innerhalb Griechenlands für ihre kirchlich besonders konservative Haltung bekannt ist.

Reiseleiter Ioannis Giannourakos, kurz »Janni« genannt, vermochte es, nicht nur die Geschichte von der Frühzeit über die Antike bis zur Gegenwart des griechischen Staates mit seinen aktuellen Problemen lebendig zu vermitteln. Er sorgte durch unermüdlichen organisatorischen Einsatz dafür, dass die Reise zu einem wahrhaft ganzheitlichen Erlebnis wurde: Ob Wanderungen in der herrlich blühenden Frühlingsnatur der Kykladen, ob die vielfältigen Begegnungen mit unverdorben echter ägäischer Küche oder das Osterlamm-Essen und die Teilnahme an einem Dorffest mit Tanz und Gesang – die Vielfalt der Eindrücke dieser »Reise in guter Gemeinschaft« wird wohl noch einige Zeit nachklingen.

Harald Krille