Auch Luther war schon hier …

25. Juli 2014 von redaktionguh  
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50 Christen aus Mitteldeutschland gingen Ostern 2014 auf eine ökumenische Wallfahrt nach Rom

Das gab es bisher so noch nicht: Je 25 Leser der evangelischen Kirchenzeitungen in Mitteldeutschland, »Glaube + Heimat« sowie »Der Sonntag«, und der katholischen Wochenzeitung »Tag des Herrn« machten sich über Ostern gemeinsam zu einer ökumenischen Pilgerfahrt nach Rom auf. Doch nicht nur um Papst und Petersdom, antikes und barockes Rom sowie Pizza und Pasta ging es dabei. Ob beim Besuch der frühchristlichen Katakomben oder bei der traditionellen Kreuz­wegandacht am Karfreitagabend im Kolosseum: Die Reise wurde auch zu einer Begegnung mit der 1 500-jährigen gemeinsamen Märtyrer- und Kirchengeschichte. In einer Sonderführung auf dem Campo Santo Teutonico erläuterte Rektor Hans Peter Fischer den deutschen Besuchern die Geschichte und Gegenwart des exterritorialen Gebietes innerhalb des Vatikans, zu dem heute neben einem Friedhof auch ein deutschsprachiges Priesterkolleg gehört.

Die ökumenische Pilgergruppe vor der Kulisse des Petersdomes – zugegeben, bei der Perspektive hat der Fotograf in der virtuellen Dunkelkammer ein wenig gemogelt … Pater Ralf Sagner (links) aus Leipzig und Redakteur Harald Krille (rechts) aus Weimar begleiteten die Gruppe. – Foto: Harald Krille

Die ökumenische Pilgergruppe vor der Kulisse des Petersdomes – zugegeben, bei der Perspektive hat der Fotograf in der virtuellen Dunkelkammer ein wenig gemogelt … Pater Ralf Sagner (links) aus Leipzig und Redakteur Harald Krille (rechts) aus Weimar begleiteten die Gruppe. – Foto: Harald Krille

Zwischen dem Friedhof und dem Petersdom stand ursprünglich auch der jetzt auf dem Petersplatz befindliche Obelisk als Markierung der antiken Arena des Kaisers Nero – die in der ersten großen Christenverfolgung Roms traurige Berühmtheit erlangte. Und: Auch Luther habe mit hoher Sicherheit bei seiner Romreise als Mönch 1510 bzw. 1511 auf dem Campo Santo Teutonico Station gemacht, zeigte sich Fischer überzeugt. Denn das Institut war zur damaligen Zeit erste Anlaufstätte für die Pilger aus Deutschland.

Den besten Gottesdienst in Rom erlebte der spätere Reformator in der deutschen katholischen Nationalkirche Santa Marie dell’Anima in der Altstadt Roms. Was lag näher, als dass auch die mitteldeutschen Pilger einen gemeinsamen Gottesdienst in dieser »frühen Lutherstätte« feierten? Zu den Höhepunkten der Reise aber gehörte sicherlich die Feier der Auferstehung Christi in der Ostermesse mit Papst Franziskus auf dem Petersdom, gemeinsam mit 150 000 Pilgern aus aller Welt. Weltkirche zum Anfassen! Und eine Sternstunde wurde die Begegnung mit dem Oberhaupt des weltweiten Benediktinerordens, Notger Wolf. Mehr als eine Stunde nahm sich der durch Bücher und Fernsehsendungen bekannte Abtprimas Zeit für das Gespräch mit seinen deutschen Landsleuten. Nicht ohne einen kritischen Blick auf die Zustände in Kirche und Gesellschaft zu werfen. Das Fazit am Ende: fünf ebenso anstrengende wie anregende Tage, die zeigten, dass evangelische und katholische Christen weit mehr verbindet als trennt.

Harald Krille