Nicht nur ein stiller Beobachter
3. Februar 2011 von redaktionguh
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Der Herr wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist,
und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.
1. Korinther 4, Vers 5

Peter Herrfurth, Pfarrer der Autobahnkirche in Hohenwarsleben
Nichts bleibt dem Auge des gewogenen Fernsehzuschauers verborgen.
Es kommt unbarmherzig ans Kamera-Licht.
Darf das denn wahr sein, dass mir zum Paulus-Spruch zuerst der Voyeurismus unserer allgegenwärtigen Medienwelt einfällt? Es ist mir fast unangenehm. Denn Er hat doch nichts mit Big Brother zu tun? Obwohl – Jesus als »großer Bruder« – der Gedanke ist mir schon recht!
In der Niederndodeleber Peter-Paul-Kirche blickt über dem Hochaltar das bekannte Dreiecks-Auge auf die Gemeinde, zumindest im Gottesdienst oder bei Konzertabenden. Doch ich muss gestehen, dass ich es nicht mag, dieses still beobachtende allgegenwärtige Wächter-Auge. Es erinnert mich zu sehr an George Orwells »1984«, jenes Büchlein des perfekten Überwachungsstaates.
Nein, ich mag dieses beäugende Gottesbild nicht, weil es Ihn auf den stillen Beobachter reduziert und mich in einen schutzlosen Fokus stellt. Dabei spiegelt ein Auge an sich bloß die Wirklichkeit wieder – als Abbild der Realität auf der Netzhaut – und obendrein wird dabei alles auf den Kopf gestellt.
Nein, das ist Er nicht. Gottes Blick geht viel tiefer, weil er nicht nur widerspiegelt, was der Augenschein wahrnimmt. Er, der offenbart, aber mich nie bloßstellt.
Nein, es geht Ihm nicht um das neugierige Beobachten seiner geschöpflichen Ebenbilder.
Er ist kein Big Brother, sondern mein großer Bruder, im besten Sinne. Mein Bruder, der mich gut kennt, der mir liebend ins Herz blickt, um mich aus der Finsternis ans Licht zu heben.
Er ist nicht nur Beobachter.
Er, der all mein Trachten durchschaut und mich hütet wie seinen Augapfel, wird bestimmt auch ein Auge zudrücken.
Denn Er sieht und vergibt.
Peter Herrfurth
Rettungsboot für die Gebeutelten
4. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Psalm 119, Vers 81

Peter Herrfurth, Pfarrer in Niederndodeleben
Vor drei Wochen trieb das Beben Haitis Überlebende betend durch die Straßen. Journalisten berichteten von den Jesus-Rufen, die über die Verwüstungen hallten. Andere sind irre geworden durch die Haltlosigkeit der Lebensfesten. Die Folgen werden etliche nie verwinden, manche sind körperlich schwer gezeichnet.
Und meine Seele rumort, besteht auf einer Antwort. Du weißt, ich komme nicht ständig mit Forderungen. Das wäre ja furchtbar. Ein stetiges Verlangen, Bestehen, Fordern kann kein Dauerzustand sein, sonst würde irgendetwas nicht stimmen zwischen uns. Aber gerade weil ich dir vertraue, muss ich auch kritisch fordernd mein Verlangen vorbringen. Ich muss das nicht mit meinen Worten machen – das ist sehr hilfreich. Zum Glück kann ich einen für mich sprechen lassen, der das Leben erfahren hat, einen Psalmbeter: Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort. (Psalm 119,81)
Ja, ich weiß, immer wieder werden dir diese Warum-Fragen gestellt. Nach dem Tsunami, nach Nine-eleven, nach Auschwitz – immer wenn deine Schöpfung so heftig erschüttert wird durch Naturgewalten oder böse Mächte. Aber auch, wenn im persönlichen Alltag die Katastrophe schmerzlich Einzug hält.
Lieber Gott, meine Seele verlangt nach deinem Heil – dass der Staub sich legt, Kinder ein Zuhause finden, Gärten blühen und Menschen wieder lachen können – weil du da bist. Denn das ist das Rettungsboot der Gebeutelten dieser Welt, die dir vertrauen und auf dein Wort hoffen, was auch geschieht. Dein Wort: »Ich werde mit dir sein« gilt uns allen. Das hoffe ich.
Peter Herrfurth, Pfarrer in Niederndodeleben






