Es bleibt ein Experiment

12. Februar 2017 von redaktionguh  
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Gibt es in Deutschland genug engagierte Protestanten, um neben dem Berliner Kirchentag auch die sechs mitteldeutschen Kirchentage auf dem Weg zu einem Erfolg werden zu lassen? Mit den Posaunenchören in Leipzig, den Friedensthemen in Magdeburg oder den Umweltthemen in Dessau könnte das klappen.

Freilich – der Begriff »Erfolg« ist wie bei vielen anderen Themen auch an dieser Stelle relativ. Wer die Kirchentage auf dem Weg mit den Kirchentagen der DDR vergleicht, wird ebenso scheitern müssen wie bei einem Vergleich mit dem großen Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die Kirchentage auf dem Weg werden anders sein. Sie werden eine neue Veranstaltungsform sein, die es so im deutschen Protestantismus noch nicht gab.

Es werden Treffen sein für Engagierte, für Spezialisten, die sich abseits des großen Trubels in Berlin einem bestimmten Thema widmen wollen. Für Menschen, die vor dem großen Festgottesdienst in Wittenberg nicht die Menschenmassen der Großstadt, sondern die historischen Wirkungsstätten Luthers besuchen wollen. Für Christen aus Mitteldeutschland, die einen Kirchentag vor der Haustüre erleben.

Aber lohnt sich für so etwas der große Aufwand, wenn doch nur 5 000 Menschen nach Halle oder Dessau kommen werden? Auch das hängt davon ab, wo man den Maßstab setzt.

Wenn die 5 000 hinterher sagen, dass sie eine schöne Zeit in Halle und Eisleben hatten, und sich an diese Reise im Jahr 2017 ganz besonders gern zurückerinnern, wäre das jedenfalls ein besseres Ergebnis, als wenn 20 000 kommen, die am Ende typisch protestantisch, also grummeld unzufrieden sind. Und ansonsten dürfte es so sein wie bei allen Experimenten: Mehr wird man erst an deren Ende wissen.

Benjamin Lassiwe

90 Jahre und kein bisschen leise

12. Juli 2016 von redaktionguh  
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Jubiläum: »Gott zur Ehre, uns zur Freude« – Posaunenchor Jena feiert

Vor 90 Jahren, am 10. Juli 1926, gründeten sieben Bläser in Jena den Posaunenchor der Kirchengemeinde. Für die aktuell rund 30 Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores ist dies ein willkommener Anlass, das Jubiläum auf den Tag genau mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche St. Michael zu feiern.

Damals wie heute steht die Arbeit des Posaunenchores unter dem Leitmotiv »Gott zur Ehre – uns zur Freude«. Der Gottesdienst am 10. Juli um 10 Uhr wird von Superintendent Sebastian Neuß geleitet, die Predigt hält der frühere Jenaer Superindendent und heutige Propst Diethard Kamm.

Generationsübergreifend: So präsentiert sich der Jenaer Posaunenenchor im Jubiläumsjahr. Foto: Traugott Keßler

Generationsübergreifend: So präsentiert sich der Jenaer Posaunenenchor im Jubiläumsjahr. Foto: Traugott Keßler

Ab 15.30 Uhr wird es auf dem historischen Johannisfriedhof auf der Wiese vor dem Gärtnerhaus eine Gratulationscour geben, bei der Posaunenchöre aus benachbarten Gemeinden dem Jenaer Chor ihre musikalische Reverenz erweisen. Erklingen werden Choräle, Volkslieder zum Mitsingen sowie zeitgenössische Bläsermusik. Der stellvertretende Obmann des Posaunenwerkes, Steffen Pospischil, wird dabei Urkunden und Bläserabzeichen an langgediente Bläser überreichen. Auch zu dieser Veranstaltung sind Gemeindemitglieder und Gäste herzlich willkommen.

Die Jenaer Bläser sind ein gefragtes Ensemble: Auf rund 50 Einsätze pro Jahr kann der Chor verweisen. Dazu gehören die großen ökumenischen Gottesdienste auf dem Marktplatz ebenso wie der Waldgottesdienst am Himmelfahrtsfest, aber auch Einsätze in Seniorenheimen, bei Hochzeiten und Ständchen im Umfeld der Kirchengemeinde Jena. Sehr zur Freude vieler Jenaer sind Mitglieder des Chores auch einmal im Monat, jeweils am ersten Sonnabendvormittag, von der Sängerempore über dem Brautportal der Stadtkirche im Einsatz. Hier erklingen überwiegend bekannte Choräle und geistliche Volkslieder.

Eine noch junge Tradition, die erst im Jahr 2015 begründet wurde, aber bereits zahlreiche Freunde gewonnen hat. So wünschen auch viele dem Chor, dass er noch so manches Jubiläum begehen kann.

Traugott Keßler

Fast wie ein Familientreffen

6. Juni 2016 von redaktionguh  
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Posaunenchor Thale:  Die Liebe zur Musik und der christliche Glaube verbinden seit über 50 Jahren

Zur Ehre Gottes erklingen am Wochenende beim zweiten Deutschen Evangelischen Posaunentag in Dresden die Instrumente unter dem Motto »Luft nach oben«. Mit dabei ist auch der Posaunenchor der Harzer Kirchengemeinde Thale.

Sie sei die Dienstälteste im Posaunenchor, erzählt Ursula Meckel, Pastorin im Kirchenkreis Halberstadt. »Gleich, als ich vor 40 Jahren hierher kam, habe ich mitgemacht.« Doch die Geschichte reicht viel weiter zurück. Der aus Oschersleben zugezogene Heinz Ehrhardt entschloss sich 1961, in Thale einen Posaunenchor zu gründen und begann mit zwei ganz alten Instrumenten, bei denen er fehlende Schrauben durch Streichhölzer ersetzte. Zunächst mit zwei interessierten Jugendlichen; wenig später kam seine Ehefrau Doris dazu. Die beiden sind zwar nicht mehr aktiv, doch noch heute tragen vier Mitglieder des Posaunenchores den Namen Ehrhardt: Sohn Stefan ist unterdessen der organisatorische Leiter, dazu Schwiegertochter und zwei Enkelsöhne. Während Doris und Heinz als Ehrengäste beim Posaunentreffen in Dresden dabei sind, gehört ihr Sohn zu den »Strippenziehern«, die im Stadion dafür sorgen, dass das Zusammenspiel von rund 22 400 angemeldeten Musikern klappt.

Generationsübergreifendes Miteinander: Der Posaunenchor Thale unter Leitung von Kirchenmusikerin Christine Bick. An diesem Wochenende geht es gemeinsam zum zweiten Deutschen Evangelischen Posaunentag. Foto: Uwe Kraus

Generationsübergreifendes Miteinander: Der Posaunenchor Thale unter Leitung von Kirchenmusikerin Christine Bick. An diesem Wochenende geht es gemeinsam zum zweiten Deutschen Evangelischen Posaunentag. Foto: Uwe Kraus

An Freitagabenden wird das Gemeindehaus St. Andreas in Thale zum »klingenden Haus«; dann treffen sich dort zwölf Menschen zwischen 14 und 66 Jahren zur gemeinsamen Probe. »Das gleicht einem Familientreffen: Zwei Paare mit jeweils zwei Kindern, Vater und Sohn, ein Ehepaar. Irgendwie fühlen wir uns als Bläser-Familie, viele sind freundschaftlich und durch Patenschaften miteinander verbunden«, erläutert Ursula Meckel. »Wir waren schon 2008 beim ersten deutschlandweiten Posaunentag in Leipzig im Stadion dabei, dieses Jahr werden wir als Thalenser wieder komplett anreisen. Uns verbindet die gemeinsame Liebe zur Musik ebenso wie der christliche Glaube.«

Seit 1965 ist der Chor »spielfähig«, etwa 80 Bläser zählten über das halbe Jahrhundert dazu, an die 60 von ihnen hat Heinz Ehrhardt ausgebildet. Mal übernahmen hauptamtliche Kantoren den Chor, mal gab es Hilfe vom Posaunenwerk der Landeskirche, mal dirigierte der Gründer selbst. Seit dem 40. Chorjubiläum gibt die Quedlinburger Kantorin Christine Bick den Takt vor. »Wir wollen das Evangelium laut in die Welt hinausposaunen«, sagte Stephan Eichner beim ersten Kreisposaunentag des Kirchenkreises Halberstadt. Er ist Pfarrer in Osterwieck und als Obmann des Posaunenwerks der EKM einer der Macher des Dresdner Posaunentags.

Ob ihre Mitglieder zehn oder über 70 Jahre alt sind, die Posaunenchöre des Kirchenkreises Halberstadt verfügen über etwa 100 Mitglieder, jeder vierte Ton kommt dabei von einer Frau. In vielen Gemeinden werde die Jugendbläserarbeit ehrenamtlich betreut oder in Zusammenarbeit mit Musikschulen betrieben und zeige gute Ergebnisse. »Wir gehören gerade zum ländlichen Raum einfach dazu. Das ist schön und eine Anerkennung für uns«, so Ursula Meckel, die als Vertretungspfarrerin unterdessen 47 Gemeinden im Kirchenkreis kennengelernt hat.

Die Programmhöhepunkte der nächsten Monate stehen: »Am 10. Juni gestalten wir den ökumenischen Gottesdienst zum 1 050. Ortsjubiläum im Burghof von Hessen (Harz), im benachbarten Zilly blasen wir im September zum großen Erntedankgottesdienst des Dorfes.«

Uwe Kraus

Viel Luft nach oben

3. Juni 2016 von redaktionguh  
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Kirchenmusik: Beim weltgrößten Posaunenchortreffen in Dresden sind viele Blechbläser aus Mitteldeutschland dabei

Wenn sich an diesem Wochenende die Blechbläser in Dresden versammeln, treffen unterschiedliche Ausprägungen kirchlicher Posaunenarbeit aufeinander.

Über die Hälfte aller Posaunenbläserinnen und Posaunenbläser aus der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist am Deutschen Evangelischen Posaunentag beteiligt. »Ich bin stolz darauf, dass rund 120 von 230 Bläsern aus unserer Landeskirche mit dabei sind«, freut sich Landesposaunenwart Steffen Bischoff aus Wertlau bei Zerbst. Aus der EKM reisen 1 517 von insgesamt 3 023 Posaunenchormitgliedern nach Elbflorenz, ist von Landesposaunenwart Matthias Schmeiß (Zella-Mehlis) zu erfahren.
Posaunenchöre gibt es in Deutschland seit mehr als 170 Jahren. Ihr Repertoire ist breit gefächert. Es reicht von Chorälen und alten Bläserstücken bis hin zu neuen Liedern, Spirituals und Volksliedern. In den Posaunenchören gibt es Menschen aller Alters- und sozialen Schichten.

Guter Ansatz, ganzer Einsatz: Premiere für die Jungbläser im Posaunenchor der Kreuzkirche Weimar (von links): Joachim (8 Jahre) mit der Taschentrompete, Elias (10)  und Ivo (11) beim Himmelfahrtsgottesdienst im Freien auf Schloss Belvedere. Foto: Harald Krille

Guter Ansatz, ganzer Einsatz: Premiere für die Jungbläser im Posaunenchor der Kreuzkirche Weimar (von links): Joachim (8 Jahre) mit der Taschentrompete, Elias (10) und Ivo (11) beim Himmelfahrtsgottesdienst im Freien auf Schloss Belvedere. Foto: Harald Krille

Der emeritierte Pfarrer Reinhold Krause (81) hat 40 Jahre im Posaunenchor seiner Gemeinde im ostthüringischen Auma mitgespielt, bevor er seinen »Ruhestand« in Tiefurt (Kirchenkreis Weimar) antrat. Hier kann man ihn auch heute noch beim wöchentlichen Choralblasen vor der am Park gelegenen Kirche erleben. »Immer dabei: das 1907 gebaute, bislang ohne jede Reparatur funktionierende Kuhlohorn«, erzählt der promovierte Theologe. »Ein echtes Arbeitspferd!«

Reinhold Krause erhielt eine wesentliche Prägung durch seinen Vater, der ab 1908 an der neuen Christuskirche in Berlin-Oberschöneweide einen Posaunenchor aufgebaut hatte, der den Vorstellungen des »Posaunengenerals« Johannes Kuhlo (1856 bis 1941) folgte. Dessen Klangideal war am A-cappella-Chorgesang orientiert und bevorzugte deshalb Hörner weiter Mensur.

Der blasende Pfarrer hat aber auch miterlebt, wie sich die Klangvorstellungen seit Beginn der 1950er-Jahre gewandelt haben. Er erinnert daran, dass es beim Bachfest 1950 aus dem Leipziger Musikinstrumentenmuseum heraus Impulse gegeben habe, mit Zink und eng mensurierten Posaunen ein »neues Register« zu etablieren. Je enger die Mensur, umso obertonreicher das Frequenzspektrum! So wurde eine authentische Klangfarbe zurückerobert, die sich gerade mit der Wiederentdeckung alter Bläserintraden und Turmmusiken als große Bereicherung erwiesen hat! Zu den Wegbereitern gehörte dabei das Ensemble »Blasende Music Leipzig«.

Heute ist die Posaunenarbeit zwischen »Kuhlohorn«, historischer Aufführungspraxis und neuen Formen breit aufgestellt.

EKM-Landesposaunenwart Matthias Schmeiß kann ein Lied davon singen: »Typisch für Posaunenchöre ist die Verbindung von Traditionellem und Modernem sowie generationenübergreifende Gruppen. In Dresden spiegelt sich diese Vielfalt auch wider, z. B. beim Morgenchoral­blasen an 100 Plätzen der Stadt, bei alten bekannten Bläserstücken, aber auch Auftragskompositionen in zeitgenössischer Tonsprache, Romantik, Swing und Pop.«

Die Zahl der Posaunenchöre und Bläser ist in den letzten zehn Jahren fast konstant geblieben. Jedoch sind die Chöre älter geworden, d. h. der Anteil der über 60-Jährigen liegt durchschnittlich bei fast 25 Prozent, in manchen Chören sogar weit darüber. »Andererseits nehmen wir dankbar wahr, dass gerade diese Altersgruppe zu den aktivsten gehört. Gut ein Viertel der Bläser (26,6 Prozent) ist weiblich, etwa jeder Zehnte bis 14 Jahre jung«, so Schmeiß. In Auswertung der Jahresstatistik kann er konkrete Zahlen nennen: 2015 gab es im Posaunenwerk der EKM 232 Posaunenchöre mit insgesamt 3 023 Bläserinnen und Bläsern. Davon waren 342 Anfänger und 744 über 60 Jahre alt. Diese haben 9 621 Proben und 6 754 Einsätze durchgeführt.

»Posaunenchorarbeit ist Kirchenmusik, Gemeindeaufbau, Gemeinschaft, Bildung, Ehrenamt, Verkündigung und Mission«, lautet das Fazit von Matthias Schmeiß. Dabei seien die Bläser häufig über ihre Gemeindegrenzen hinaus aktiv und oft unterwegs.

Michael von Hintzenstern

Singen und Klingen

28. September 2015 von redaktionguh  
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Die Landeskirchenmusiktage in Torgau waren ein voller Erfolg

Ja, es war das erhoffte, vielfarbige Fest der Kirchenmusik, dessen Angebote auf gute Resonanz und pure Begeisterung stießen«, stellt Dietrich Ehrenwerth, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), zufrieden fest. Und einen besseren Ort als Torgau, von wo vor fast 500 Jahren Impulse für Gemeindegesang und Kirchenmusik ausgingen, wo Johann Walter mit Schülern des Gymnasiums und Bürgern der Stadt die erste evangelische Kantorei gründete, konnte es mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2017 nicht geben. Dafür habe es sich gelohnt, den Vierjahresrhythmus der Landeskirchenmusiktage ausnahmsweise um ein Jahr zu verlängern, damit neben der Stadtkirche auch die Schlosskirche frisch restauriert in die Veranstaltungen einbezogen werden konnte, so Dietrich Ehrenwerth.

Höhepunkt der Landeskirchenmusiktage war der Festgottesdienst am vergangenen Sonntag in der Torgauer Stadtkirche St. Marien. Mathias Gauer, der hier in sein Amt als Landessingwart eingeführt worden war, lud zum gemeinsamen Gesang ein. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst zudem von der Kurrende Bad Düben und dem Auswahlchor der Blechbläser. Fotos Wolfgang Sens

Höhepunkt der Landeskirchenmusiktage war der Festgottesdienst am vergangenen Sonntag in der Torgauer Stadtkirche St. Marien. Mathias Gauer, der hier in sein Amt als Landessingwart eingeführt worden war, lud zum gemeinsamen Gesang ein. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst zudem von der Kurrende Bad Düben und dem Auswahlchor der Blechbläser. Foto: Wolfgang Sens

Die Vorbereitungsgruppe hatte für die Landeskirchenmusiktage vom 18. bis 21. September ein vielfältiges Programm mit hochkarätigen Konzerten, musikalischen Andachten, interessanten Vorträgen und Seminarangeboten zusammengestellt. Dabei wurde offensichtlich eine gute Auswahl an Themen und Dozenten getroffen, die die 180 Dauerteilnehmer in den acht Kursangeboten zu schätzen wussten.

Landeskirchenmusiktage wollen eine Zusammenschau kirchenmusikalischer Arbeit öffentlich machen und dienen zugleich der Weiterbildung haupt- und ehrenamtlich Tätiger. Genauso wichtig: Das Gespräch unter Kolleginnen und Kollegen über Sorgen und Probleme in Sachen kirchenmusikalischer Arbeit und deren Stellenwert innerhalb des Verkündigungsdienstes, sind die Kirchenmusiker in ihren Gemeinden fachlich gesehen ja meist Einzelkämpfer – allerdings mit großer Breitenwirkung.

Ingo Brackes Lichtkunstprojekt »luthERleuchtet« (siehe auch G+H Nr. 38, Seite 8) setzte am 19. September die Torgauer Schlosskirche in ein vielfarbiges, beziehungsreiches Licht. Fotos Wolfgang Sens

Ingo Brackes Lichtkunstprojekt »luthERleuchtet«setzte am 19. September die Torgauer Schlosskirche in ein vielfarbiges, beziehungsreiches Licht. Foto: Wolfgang Sens

Derzeit gibt es in der EKM etwa 850 Chöre, in denen 15 000 Menschen aller Altersgruppen singen. Dazu kommen 240 Posaunenchöre mit etwa 3 000 Bläsern. Schon lange ist das Blechblasinstrument keine Domäne der Männer mehr. Besonders bei den Jungbläsern habe es hier »einen gigantischen Wandel« gegeben, beobachtet Landesposaunenwart Matthias Schmeiß. Hinzu kommen noch weitere 140 Instrumentalgruppen, vom Blockflötenquartett bis zum Kammerorchester. Aktuell seien in der EKM 185 hauptamtliche Kirchenmusikerinnen und -musiker tätig, wobei in der Zahl die 100 Prozentstelle genauso berücksichtigt ist wie die mit kleinen Anteilen. Dazu kommen etwa 1 300 Organisten, 400 Chorleiter und 175 Posaunenchorleiter jeweils im Neben- oder Ehrenamt.

Die demografische Entwicklung macht auch um die Kirchenmusik keinen Bogen und Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt es auch hier. Doch: Die Kirchenmusik verbindet nach wie vor die Generationen und vermag Kirchen mit Klang und Menschen zu füllen, ob auf höchstem Niveau, wie bei den jüngsten Landeskirchenmusiktagen in Torgau, oder etwas bescheidener während des sonntäglichen Gottesdienstes in der Dorfkirche.

Uta Schäfer

Ostern wird auf dem Gottesacker geblasen

18. April 2014 von redaktionguh  
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Die Gnadauer Brüdergemeine lässt den ganzen Ort an der Auferstehungsfreude teilhaben

Die Gnadauer Brüdergemeine, im Kirchenkreis Egeln gelegen, pflegt mit der Feier des Ostermorgens einen alten Brauch: Mitglieder des Bläserchores spielen dabei eine wesentliche Rolle. Und es mag sie hart ankommen, denn sie müssen Frühaufsteher sein. Wenn am 20. April langsam die Dämmerung einsetzt, waren die Bläser bereits fleißig. »Wir treffen uns etwa zweieinhalb Stunden vor Sonnenaufgang im Kirchsaal«, sagt Pfarrer Friedemann Hasting. Danach wird gemeinsam bei einer Familie im Ort gefrühstückt, denn ein leerer Bauch bläst nicht gern.

Danach marschieren die Musiker zum »Aufblasen« durch die noch mucksmäuschenstillen Straßen, um die Gnadauer am Höhepunkt des gottesdienstlichen Lebens der Brüdergemeine teilhaben zu lassen. Egal ob sie Christen oder Atheisten sind, sie hören Choräle, wenn die Vögel in den Bäumen noch schlafen.

Auf einem Notenblatt steht auch das Osterlied »Christ ist erstanden« aus dem 12. Jahrhundert. Kein Geringerer als Martin Luther war offenbar ein Fan dieses Titels: »Alle Lieder singt man sich mit der Zeit müde, aber das ›Christ ist erstanden‹ muss man alle Jahr wieder singen.« Was für eine Magie der Töne! In Gnadau noch verstärkt durch die Dämmerung.

Dienstags treffen sich die Mitglieder des Posaunenchores im Altenheim der Gnadauer Anstalten zur Probe. 50 Auftritte hat die Gruppe im Jahr. Ältestes Mitglied ist Joachim Gemsjäger (links). Foto: Thomas Linßner

Dienstags treffen sich die Mitglieder des Posaunenchores im Altenheim der Gnadauer Anstalten zur Probe. 50 Auftritte hat die Gruppe im Jahr. Ältestes Mitglied ist Joachim Gemsjäger (links). Foto: Thomas Linßner

Friedemann Hasting spricht vom Wecken, das man aus praktischen Gründen gern in die Nähe von Straßenlaternen verlegt. Denn dort herrscht Notenlicht, derweil es im Dorf noch relativ dunkel ist. In diesem Zusammenhang erzählt der mit 79 Jahren älteste Bläser Joachim Gemsjäger eine Episode aus den 50er Jahren: »Wir hatten hier zu DDR-Zeiten überwiegend CDU-Bürgermeister. Aber damals dann doch einen von der SED.« Dem sei das »kirchliche Spektakel« aus ideologischen Gründen suspekt gewesen. »Es war kein Zufall, als am Ostermorgen plötzlich die Straßenbeleuchtung nicht mehr brannte«, so Gemsjäger. Die Partei hatte nicht nur immer recht, sondern den Herrnhutern quasi auch das Licht ausgeknipst. »Doch wir wussten uns zu helfen«, lächelt der alte Gnadauer. Mit einer mobilen Karbidlampe begegneten sie derartigen Attacken. Was in den Folgejahren praktischerweise beibehalten wurde. »Wer die tragen musste, war trotzdem nicht zu beneiden«, weiß der 79-Jährige noch genau, »der musste nämlich noch eher aufstehen als die anderen, um die Lampe in Gang zu bringen«.

Der Beginn des Gnadauer Osterblasens orientiert sich bis heute am Aufgang der Sonne. Ist der Ostertermin früh im Jahr, dürfen die Akteure länger schlafen. Der Tagesanbruch hat einen tiefen Sinngehalt: Es ist der Übergang vom Dunkel zum Licht, das Neuwerden der ganzen Schöpfung am Ostermorgen. Vögel zwitschern, der Tag erwacht, Christus ist auferstanden.

In diesem Jahr beginnt die Ostermorgenfeier im Großen Saal um 5.45 Uhr. Pfarrer Hasting wird daran erinnern, dass der Ostermorgen in der Brüdergemeine eine Demonstration für das Leben ist.

Begleitet von den Bläsern zieht die Gemeinde dann pünktlich zum Sonnenaufgang gegen 6 Uhr zum nahe gelegenen Gottesacker, wo es eine etwa 15-minütige Liturgie gibt, während der die Namen der seit Ostern vorigen Jahres Verstorbenen verlesen werden.

Die Herrnhuter pflegen den etwas antiquierten Begriff »Gottesacker« übrigens ganz bewusst, denn hier wird die Saat für ein anderes Leben
gelegt.

Thomas Linßner

Die Schlüssel zum Leben

18. April 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Jesus Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Offenbarung 1, Vers 18

In den Proben unseres Posaunenchores wird gern gelacht. Mitunter auch über Bläserwitze, die wir uns nach ausgiebigem Musizieren in launiger Runde bei Wasser, Bier und Wein erzählen. Dieser gehört dazu: Warum spielen Posaunenchöre so ungern auf Friedhöfen? Weil es dort zu viele Kreuze gibt. Und natürlich spielen wir voller Osterfreude in früher Morgenstunde am Tag der Auferstehung Jesu auf unserem Friedhof – unterm Kreuz und auch mit Chorälen, die Kreuze als Vorzeichen aufweisen. Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit, singen die Frühaufsteher zu hellen Tönen mit zwei ##. Dann wird auch gelacht! Es ist ja Ostern. Mit dem alten Brauch des Osterlachens wird der Tod verlacht.

Steffen Schulz,  ordinierter Prädikant,  Schulgemeinde Oppin

Steffen Schulz, ordinierter Prädikant, Schulgemeinde Oppin

Lachen als Zeichen der Befreiung, als Sprache des Herzens. Es ist ein Schlüssel zum Leben. Schließlich wird gelacht, wenn sich eine Spannung auflöst, eine Kluft überwunden wird oder sich überraschend eine Tür ins Leben öffnet. Dann tut sich der Himmel auf, und wir können das Kommende genießen. Im Lachen hält Gott unser Heil bereit. Er, der zerstört hat der Höllen Pfort, uns erlöst vom ewgen Tod und uns erkauft das Paradeis. Das lässt uns ein strahlendes, lachendes Halleluja singen. Jubelnd preisen und loben wir Gott. Und Christus, der Marien Sohn, ist die Schlüsselfigur dazu. Mit ihm bricht eine neue Wirklichkeit an – das unmittelbare Leben mit Gott.

Auf dem Friedhof wird freilich auch der Wochenspruch aus der Offenbarung des Johannes vorgelesen: »Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.« Der Vers hat eine für mich sprengende, den Tod verlachende Bedeutung. Damit öffnen sich Türen und Tore, Hoffnungen werden wach und Trost entfaltet sich. Das Leben frohlockt. Mit dieser frohen Botschaft im Ohr können wir gleichsam für andere zum Türöffner werden. Im positiven Sinne können dann gar drei Kreuze gemacht werden.

Fröhliche Ostern!

Steffen Schulz, ordinierter Prädikant, Schulgemeinde Oppin