Kostenlos, aber nicht umsonst – Gaben zum Einsatz bringen

12. August 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.

Lukas 12, Vers 48

Viel mehr als ich brauche. Mehr als genug. Deutlich mehr als zu wenig. Eben reichlich. Gegeben, nicht gekauft oder erworben. Nicht durch Feilschen oder Handeln geschickt beschafft, sondern einfach gegeben. Für nix. Geschenkt oder zumindest geliehen.
Viel, etliches mehr als nur etwas. Eben allerhand, was da ist. Suchen, nicht zufällig entdecken, sondern bewusst danach gucken.

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Forschen. Anvertrauen, etwas Wertvolles übergeben. Vertrauen schenken. Es in die Hände des anderen legen. Fordern, auffordern, anfordern. Fordernd sein, einfordern, verlangen. Wer bin ich und was ist mir gegeben? Wer wird was von mir fordern?

In der Bibelgeschichte, die dem Bibelvers vorangeht, ist es eindeutig: Ein Diener soll sich so verhalten, dass sein Herr jeden Augenblick wiederkommen kann. Egal zu welcher Stunde, der Diener tut seinen Dienst und verhält sich vorbildlich. Dann wird er reich belohnt werden. Missbraucht er jedoch die Abwesenheit seines Herrn, so droht harte Strafe.

Egal in welcher Situation, egal in welcher Position: Uns ist so viel gegeben. Ich möchte mein Tun und Wirken nicht schleifen lassen, sondern motiviert und engagiert voranbringen. Der Chef könnte jeden Augenblick dazukommen. Doch möchte ich nicht aus Angst so agieren, sondern weil mir die Sache am Herzen liegt. Der Menschensohn wird kommen – dann, wenn wir es nicht erwarten.

Folglich müsste es doch bald so weit sein, oder? Wer rechnet denn überhaupt mit seiner baldigen Wiederkunft?

Dann bleibt nur noch zu klären: Was wird denn von mir verlangt? Diese Frage wird in der Bibelstelle nicht beantwortet. Stattdessen muss wohl jeder für sich in seiner aktuellen Lebenswirklichkeit nach einer Antwort auf diese Frage suchen. Was steht mir zur Verfügung? Wo kann ich mich und meine Gaben einbringen? Wo bin ich Diener und wer ist mein Herr? Mir ist viel gegeben. Dafür kann ich dankbar sein. Doch es geht auch eine Verantwortung damit einher, der ich hoffentlich gerecht werde.

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Was würde Jesus tun? – Der Anstoß, sich zusammenzuraufen

5. August 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Epheser 5, Verse 8 b und 9

Als Jugendliche hatte ich ein Armband, auf dem stand in weißen Buchstaben auf schwarzem Untergrund »W W J D«, die Abkürzung für: What would Jesus do (Was würde Jesus tun?)

Ich bin dadurch sicher nicht zu einem besseren Menschen geworden. Doch gab es tatsächlich eine konkrete Situation, in der es »geholfen« hat. Während einer Jugendfreizeit waren wir zu dritt auf dem Zimmer: Ich und Anni und eben die Dritte. Leider ließen wir sie immer mal spüren, dass sie eben mit in unserem Zimmer untergebracht werden musste. In einem recht hitzigen Hin und Her am Abend wurde mir beim zufälligen Blick auf dieses Armband bewusst, dass das ganz und gar nicht WWJD war – das, was Jesus tun würde.

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Im Vers 8 heißt es: Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Die Bibelverse machen einen Unterschied deutlich: Früher dunkel, jetzt hell. Und dieses hell soll deutlich werden. Wir sind Licht in Gott. Wenn wir nicht Licht in die Welt tragen, bleibt es dunkel. Die Lichtmetaphern der Bibel sind eindeutig: Wir sollen es eben nicht unter den Scheffel stellen, sondern es hinaus in die Welt tragen.

Papst Franziskus ruft seine Ordensbrüder auf, »Anders-Orte« zu schaffen. Wäre es nicht toll, wenn es gelingt, dass Menschen den Unterschied spüren? Dass tatsächlich etwas anders ist als im normalen alltäglichen Umgang. Da, wo Christen zusammentreffen, soll Gottes Gegenwart spürbar werden! Ich denke nicht, dass es darum geht, unbedingt ein besserer Mensch zu sein. Stattdessen dürfen wir wahrhaftig erkennen, dass wir Kinder des Lichts sind, und dieses Geschenk in Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit an unsere Mitmenschen weitergeben.

Schließlich haben wir drei uns auf der Jugendfreizeit doch noch zusammengerauft. Wir wurden vielleicht nicht beste Freunde, doch ein bisschen »Frucht des Lichts« wurde in unserem Zimmer in den letzten Tagen der Freizeit hoffentlich erlebbar.

Judith Kölling, Gemeindepädagogin in Pratau

Komm her und greif zu – ich habe genug für uns beide

23. Juli 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.

Lukas 12, Vers 48

Mir ist viel gegeben. Ich wurde nicht gefragt, ob ich es haben wollte. Jetzt habe ich es an der Backe: alles, das volle Paket, das ganze Programm. Muss ich wirklich? Hat irgendjemand
danach gefragt, ob ich das überhaupt schaffe? Ob ich qualifiziert genug bin? Wer viel kann, muss viel machen. Und wer viel hat, … Ja, wohin jetzt damit? Aufteilen, Abgeben, Verteilen – ein treuer und kluger Verwalter sein. Die anderen in den Blick nehmen: Dem da fehlt es; der da hat es nötig.

Komm her und greif zu. Ich habe genug für uns beide. Für dich und für mich und für den anderen auch noch. Nicht, dass ich das wollte: den Aufwand, die Verantwortung.
Wie gesagt, ich wurde nicht gefragt, ob ich es wollte. Es wurde mir anvertraut und das Vertrauen will ich nicht missbrauchen. Ich könnte, aber nein – das geht einfach nicht. Jetzt hab ich es halt.

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau

Du brauchst davon? Du willst? Dann komm und nimm. Nimm, so viel du brauchst. Wie gesagt: Ich wollte das gar nicht haben und weiß auch nicht, warum es mir gegeben wurde. Also nimm. Ich habe überreichlich viel.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es immer mehr wird, obwohl ich abgebe und verteile. Wenn du nicht wärst und der andere, wenn ihr nicht nehmen würdet und ich nicht geben könnte, würde es verkümmern. Und das wäre dann auch schade – irgendwie. Jetzt führt es dich zu mir. Ich kenne dich gar nicht. Noch nicht. Aber es passt. Das, was ich habe, kann ich mit dir teilen. Und vielleicht hast du etwas, was mir fehlt. Gemeinsam hat es alles einen Sinn.

Ich wurde nicht gefragt, aber ich schaffe das schon. Ich sehe, dass es sich lohnt, dass es gut ist. Mir ist viel gegeben.

Und dir?

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau

Müssen, sollen, dürfen – Liebe ohne Vorschriften

16. Juli 2016 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Epheser 5, Verse 8 b bis 9

Nein! Du sollst … Du darfst nicht … Lass das! Ein ganzer Katalog an Vorschriften, wie Christen leben sollen, umrahmt den Bibeltext dieser Woche. Da bekomme ich schnell den Eindruck der Überforderung. Andererseits regt sich in mir eine Abwehrhaltung. Kann ich nicht sehr gut selbst einschätzen, was gut und richtig ist? Muss ich mir das vorschreiben lassen? Andere haben Paulus’ Empfehlungen vielleicht nötig, aber ich doch nicht!

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau

Dabei übersehe ich die Grundaussage, die Paulus aus dem Gefängnis von Rom schickt: Wir sind Gottes geliebte Kinder. Als solche sollen wir leben! In einem Umfeld von Orientierungslosigkeit bietet er Orientierung an. Was ist Finsternis und was dient dem Licht? Ändert sich mein Umfeld? Nicht unbedingt, doch ich selbst darf mich verändern. Ich muss nicht mehr bei dem mitmachen, was die anderen vormachen und anpreisen.

Ich brauche keine Angst haben, das Wichtigste zu verpassen. Ich muss nicht befürchten, zu kurz zu kommen. Stattdessen bin ich so überreich beschenkt, dass ich abgeben und teilen kann: Ich habe Zeit für die, die meiner Aufmerksamkeit bedürfen. Ich investiere Geld für die, denen das Nötigste fehlt. Ich habe ein offenes Ohr für die, die unter der Last ihrer Sorgen zu fallen drohen. Ich setze ein klares Nein für die, die das Bewusstsein für Heil und Unheil verloren haben. Nicht weil wir müssen oder sollen, sondern weil es uns gut tut! Darum sollen wir als Kinder des Lichts leben, reich beschenkt und rundum versorgt. Wir sind befreit zu einem Leben, das Jesus selbst als Vorbild hat. Paulus fordert uns auf, Ja zum Leben zu sagen. Aus dem Katalog an Verboten und Geboten wird ein Angebot. Als geliebte Geschöpfe Gottes, die diese Liebe auch mit anderen teilen dürfen, dessen können wir uns neu bewusst werden. So wird das Leben reicher und lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit werden uns geschenkt.

Ja! Du darfst, aber du musst nicht. Du bist geliebt und angenommen. Lebe als Kind des Lichts!

Judith Kölling, Gemeindepädagogin im Vorbereitungsdienst in Pratau