Engagiert, beliebt und umstritten
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Am Sonntag wird Pröpstin Elfriede Begrich, Regionalbischöfin zu Erfurt, aus ihrem Amt verabschiedet.

Pröpstin Elfriede Begrich hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg. (Foto: Burkhard Dube)
Schnell speichert sie noch die Rede für den Nachmittag zum Hiroshima-Gedenken ab. Die kleine zierliche Frau, die auch unterm Talar hochhackige Schuhe trägt, kennt keine Langeweile. Elfriede Begrich ist engagiert, gefragt, beliebt, umstritten. Jeden Sonntag hält sie ein bis zwei Gottesdienste – trotz vollem Terminkalender. Beim Plaudern über ihre Hobbys findet sie ein treffliches Bild: »Das Schönste am Reiten ist: Man hält die Zügel in der Hand und wird trotzdem getragen. Und das Pferd bleibt besser in der Spur als ich.«
Sie lacht.
Zehn Jahre war die Theologin Pröpstin zu Erfurt-Nordhausen. Sie war es gern und hat ihre Spuren hinterlassen. Der Mühlhäuser Superintendent Andreas Piontek hat sie all die Jahre erlebt. »Wir waren eine tolle Gemeinschaft«, spricht er für die Ephoren der Propstei. »Ich persönlich schätze ihre direkte Art und dass es ihr immer um das Wort Gottes geht. Da ist sie vollkommen authentisch.«
Mit dieser direkten Art kam nicht jeder klar, weiß sie selbst. »Es fällt mir schwer, diplomatisch zu handeln und bis ins Detail zu überlegen, wie das bei diesem oder jenem ankommt. Das ist auch eine Last«, bekennt sie. Vor allem die Nähe zur Partei »Die Linke« wird der Theologin vorgeworfen. Sie steht dazu. »Links« sei für sie keine parteipolitische Option. »Das Evangelium stellt uns nach ›unten‹, und ich verbinde mit ›links‹ das Soziale, das Gerechtigkeitsempfinden, die Friedensethik.« Das sehe sie bei dieser Partei. »Ob sich das ändert, wenn die Linken mal regieren … Ich will erst einmal glauben, dass sie meinen, was sie sagen.«
Elfriede Begrich sind Menschen wichtig, die Vielfalt und die Beziehungen, die sie zu ihnen knüpft. »Es gibt keinen, bei dem ich nicht ein Stück Ebenbild Gottes sehe«, sagt sie. Jeder sei ein Mosaikstein in ihrem Weiter gewesen, auch die Gegner. Ihr lägen vor allem jene am Herzen, die draußen stehen oder ganz wenige sind. Deshalb war sie in ihrer Amtszeit viel in den Gemeinden unterwegs, hat mit den Mitarbeitern, Kirchenältesten, Lehrern und Kindern gesprochen. In den letzten Amtsjahren wird die 63-Jährige als Beauftragte für religionspädagogische Arbeit mit Erzieherinnen arbeiten und ihre Gaben nutzen.
Eine prägende Zeit war für die gebürtige Berlinerin ihr Amt als Schülerpfarrerin in Halle (1975–83). Die Glaubens-, Lebens- und Denkgemeinschaft sei sehr intensiv gewesen. »Unser großes Vorbild war Ernesto Cardenal.« Die Befreiungstheologie, die Verbindung von Gesellschaft und Glauben, von Glauben und Leben – das habe sie und die jungen Menschen damals beschäftigt. Heute ist ihr vor allem Martin Niemöller ein Vorbild mit der »schlichtesten aller Fragen«: Was würde Jesus dazu sagen?
Die Theologin hat auch ganz unbekannte Seiten. Dass sie sportlich ist, joggt, gern auf Schlittschuhen steht und das Meer liebt, wissen manche. Aber: »Ich kann auch Strümpfe stricken. Das traut mir niemand zu.« Der Mutter von drei Kindern und drei Enkeln ist die Familie wichtig, obwohl sie wenig Zeit für ihre Kinder hatte. Heute erzählt sie den Enkeln gern biblische und andere Geschichten.
Eine Woche vor ihrer Verabschiedung am 22. August ist sie noch einmal mit »ihren« Ephoren auf Wanderung im Harz.
Dietlind Steinhöfel
Verabschiedung Pröpstin Elfriede Begrich:
22. August, 14 Uhr, Augustinerkirche zu Erfurt






