Kein Vergleich(en) mit anderen

26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Herr, wer ist dir gleich? Der du den Elenden rettest vor dem,  der ihm zu stark ist, und den Elenden und Armen vor seinen Räubern.Psalm 35, Vers 10.

Ach, hätte ich doch so unkomplizierte Kinder wie Frau Meier, oder könnte ich nicht mal in dem schicken Hotel Urlaub machen wie Familie Weber, und der Friseur von meiner besten Freundin ist viel besser als meiner. Vergleichen macht unzufrieden. Ich bin scheinbar so klein und minderwertig. Es gibt immer jemanden, der etwas Besseres besitzt, schicker aussieht und etwas kann, was ich überhaupt nicht hinbekomme.

Foto: Tulay Palaz (Sxc.hu)

Foto: Tulay Palaz (Sxc.hu)

Je mehr ich vergleiche, desto mehr verschwimmt die Realität. Am Ende ist einfach alles schlecht. Vielleicht ist die Fastenzeit eine Möglichkeit, sich das Vergleichen und Nörgeln bewusst zu machen und bewusst auf die guten Dinge zu blicken, die es zweifellos in jedem Leben gibt.

Der Beter des Psalms leidet unter vielen Bedrohungen und Feinden. Er fühlt sich am Ende zurecht ganz klein und verloren und hätte allen Grund zum Jammern. Mit dem Kleinmachen beim Vergleichen ist es etwas anderes. Ich stelle mein Licht unter den Scheffel und mache nicht nur mich, sondern auch Gott klein, der mich so geschaffen hat.

Der Psalmist steht jedoch mitten in allem Leid staunend vor Gott, der sich jeglichem Vergleich entzieht. Er ist ihm dankbar, weil bei ihm Hilfe zu finden ist. Denn obwohl Gott so unvergleichlich und unfassbar ist, ist er gerade für die Armen und Elenden da, die seine Größe und Nähe erkennen.

Beim Vergleichen mit scheinbar Bessergestellten hingegen gerät Gott ganz aus dem Blick. Ich bin nicht so toll und ich kann das nicht. Um den Teufelskreis des Vergleichens zu durchbrechen, hilft nur ein Blickwechsel, weg vom Ich hin zu Gott. Ihm darf ich vertrauen, weil er ein Retter und ein Starker ist. Bei ihm darf ich geborgen sein und kann ihm ­anvertrauen, was ich bin und was ich brauche, was gelingt und wo es mangelt. Mit dem Unvergleichbaren zu leben macht alles Vergleichen doch hinfällig.

Sandra Reinhardt, Pfarrerin in Crawinkel