Ein Lied gegen meine Angst
6. August 2010 von redaktionguh
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Lass sie innewerden, dass Gott Herrscher ist in Jakob, bis an die Enden der Erde.
Psalm 59, Vers 14b
Was für einen Anfang hat dieser Psalm: Ein güldenes Kleinod Davids, vorzusingen, nach der Weise »Vertilge nicht«, als Saul hinsandte und sein Haus bewachen ließ, um ihn zu töten! Eine ganze Lebensgeschichte liegt hier verborgen und wird offenbar. Ein Lied, das ich nicht im Herzen eingrabe, sondern heraussinge, um es zu teilen mit Menschen, mit Gott.
In höchster Not, den Tod schon greifbar, mit Angst im Herzen und Hass in der Seele findet jemand Worte und Töne und macht sich Luft. Und mir fällt ein, wie schwer es oft ist, bei Beerdigungen zu singen. Weil die Tradition abreißt, weil die Kinder die Lieder nicht mehr kennen, den Weg zur Kirche schon gar nicht. Und dann beginnen die Klänge spärlich und werden lauter und stärker und umgreifen den Raum der Trauer. Da war schon mal einer, der hat dasselbe erlebt. Dessen Worte darf ich leihen. In dessen Klage darf ich einfallen und hoffen, dass auch seine Zuversicht von mir Besitz ergreift. Im finsteren Keller pfeife ich ein Lied gegen meine Angst. Und ich höre meine Stimme und bin nicht mehr allein.

Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch
Ich spüre die Entlastung, ich kann aus der Ecke, in die ich gedrängt war, herauskommen, Schritt für Schritt, immer schneller, immer mutiger. Im Keller, in der Not darf ich mehr glauben, mehr singen, als ich verstehe. Ich darf singen, dass Er Herrscher ist auf Erden, auch wenn ich davon schmerzlich wenig oft erlebe. Manche Worte, manche Klänge erfüllen sich, wenn sie ans Licht kommen. Ein güldenes Kleinod, im Keller geboren, erstrahlt am Himmel der Welt.
Stephan Pecusa, Pfarrer in Delitzsch






