Endlich im Rampenlicht

27. Januar 2017 von redaktionguh  
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Frauen haben die Reformation mitgestaltet. Das war lange vergessen. Auch an sie soll über 2017 hinaus erinnert werden.

Die Reformation hat auch Frauen angesprochen und aktiviert. Dass in der Taufe alle zu Priestern berufen sind und alle Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben, haben auch die Frauen gehört, ernst genommen und mit ihrem Leben und Handeln bezeugt. Leider schätzten die Männer ihrer Zeit und nachfolgender Jahrhunderte dies als zweitrangig oder noch weniger ein. Leider ist unser Wissen über diese Frauen verkümmert. Erst allmählich werden sie wiederentdeckt.

Dabei handelten Frauen so mutig, beharrlich und durchsetzungsstark wie Männer, in mancher Hinsicht mit mehr Klugheit und Besonnenheit als viele Reformatoren oder gar Martin Luther selbst. Mir ist das sehr deutlich geworden, als ich mich mit Anna II. zu Stolberg (1504–1574) beschäftigte – eine in vielerlei Hinsicht beeindruckende und überaus kluge Frau, die mit nicht einmal 13 Jahren Äbtissin im Stift zu Quedlinburg wurde. Als Reichsfürstin hatte sie die Kurwürde und war einzig Papst und Kaiser zu Gehorsam verpflichtet.

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Sehr wahrscheinlich sympathisierte sie schon lange mit dem neuen Glauben, wartete aber bis 1539 mit der Einführung der Reformation in Quedlinburg. Sie wollte ihrem katholisch gesinnten Schutzherrn Georg von Sachsen keinen Vorwand geben, sie zu entmachten.

Ihr musste klar gewesen sein, dass er nur darauf wartete. Und auch sein Nachfolger hoffte, Macht und Reichtum des Stifts an sich zu ziehen. So schritt Anna erst nach dem Tod des katholischen Schutzherrn zur Tat, und damit zugleich seinem nachfolgenden evangelischen zuvorkommend.

Die Stadt Quedlinburg verdankt ihr eine neue Kirchenordnung sowie ein völlig neu geordnetes Schul- und Finanzwesen. Sie berief den ersten Superintendenten und führte die Visitation ein. Das Besondere an ihr: Sie wartete den richtigen Zeitpunkt ab. So bewahrte sie – denn Äbtissin blieb sie weiterhin – eine erstaunliche Kontinuität trotz radikaler Umbrüche.

Anna II. zu Stolberg erreichte mit Mut und Klugheit sehr viel.

Für mich ist sie ein ermutigendes Beispiel dafür, auch heute mit Entschiedenheit und Geduld wichtige Veränderungen anzugehen und dabei den langen Atem nicht zu verlieren, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Und dabei im Blick zu haben: Es gibt auch heute so manche wohlmeinende »Schutzherren«, die hinter ihrem Beschützen-Wollen manche Machtbedürfnisse, wenn nicht gar -gelüste, ausleben wollen.

Am Beispiel Annas und der Biografien anderer Frauen habe ich die Reformationszeit besser kennengelernt: Wie komplex dieser Transformationsprozess war, der Kirche und Gesellschaft quer durch alle Schichten erfasste. Wie viele Menschen daran mitwirkten unter ihren jeweiligen, ganz speziellen Bedingungen.

Und ich habe gelernt, was der besondere Beitrag von Frauen war – ob als Fürstin mit großen Entscheidungsbefugnissen, als Verfasserin geistlicher Lieder, als Äbtissin mit geistlichen und weltlichen Leitungsaufgaben oder als Frau eines Reformators, die das Anliegen ihres Mannes nach Kräften unterstützte.

Der Blick zurück schärft den Blick für die Gegenwart, auf die »Frauenfrage« in der Kirche: Wie wirken Frauen heute in den Kirchen? Welche Veränderungen bewirken sie? Wo gehen ihre Worte ins Leere? Wo begegnen sie männlichem Reviergehabe? Was machen sie anders als Männer? Was können gerade sie besonders gut? Inwiefern leiten und führen Frauen anders? Wie veränderten und verändern sich Pfarramt und Gemeindeleben durch Pfarrerinnen, Kantorinnen und Gemeindepädagoginnen?

Mit der 2012 eröffneten Wanderausstellung »Frauen der Reformation in der Region« hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland die Beschäftigung mit Zeuginnen der Reformation angestoßen – weg von Idealgeschichten und nur einer Heldenfigur. Sie hat die bisherige Schattengeschichte der Frauen der Reformationszeit ins Licht der Aufmerksamkeit geholt. Dieser Prozess, hoffe ich, ist mit dem 500. Jubiläumsjahr der Reformation noch lange nicht beendet.

Landesbischöfin Ilse Junkermann

Lohma kämpft im Fernsehen

25. Mai 2012 von redaktionguh  
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Stiftung KiBa stellt »himmlische halbe Million« zur Verfügung

Die Kirche in Lohma bei Schmölln könnte ein Schmuckstück sein. Doch schon seit über 20 Jahren gleicht das 1487 erstmals erwähnte Kleinod einer Baustelle. Fußboden, Gestühl und Orgel sind ausgebaut, die wertvolle Stuckdecke nur zum Teil restauriert. Auch der Außenputz fehlt. Einzig und allein Dach und Turm wurden vor einigen Jahren erneuert, um fortschreitende Schäden zu verhindern. Trotzdem finden gelegentlich noch Gottesdienste, Trauungen und Taufen statt.

Die Kirche steht Pfingstmontag im Rampenlicht. Foto: Ilka Jost

Die Kirche steht Pfingstmontag im Rampenlicht. Foto: Ilka Jost

Nun gibt es für die Lohmaer Hoffnung. Das Dorf geht am Pfingstmontag in der Show »Mach dich ran« des MDR-Fernsehens an den Start. In der Sendung, in der ab 19.50 Uhr jeweils ein Ort aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt in der Stadthalle Zwickau gegeneinander antreten, geht es um eine »himmlische halbe Million« für sanierungsbedürftige Dorfkirchen. Das Geld wird von der Stiftung »KiBa« (Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland) zur Verfügung stellt.

Dem Sieger winken 300.000 Euro, dem Zweit- und Drittplatzierten 150.000 bzw. 50.000 Euro. Natürlich streben die Lohmaer nach dem ersten Platz. »Mit dem Geld könnten wir ­unsere ganze Kirche sanieren. Für uns ist aber jede Platzierung ein Gewinn. Wir sind überglücklich, dass wir aus über 50 Kirchen ausgewählt wurden, nachdem es 2008 mit der Teilnahme nicht geklappt hatte. Bei der Anmeldung wäre es fast zu einer Verwechslung mit dem anderen Lohma in unserem Kirchenkreis gekommen«, berichtet Birgit Tscheuschner.

Sie ist die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats und Mitglied im Freundeskreis der Kirche, der sich seit 2006 für eine Restaurierung stark macht. Bisher wurden 30.000 Euro verbaut, die sich aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde, Lottomitteln und Spendengeldern zusammensetzen. In die Teilnahme setzen die Lohmaer große Hoffnung, denn die Kirche soll für sie wieder das Zentrum im Ort werden. »Wenn die Instandsetzung abgeschlossen ist, wollen wir das Gemeindeleben neu aufbauen, mit Gottesdiensten und Gemeindefesten«, so Birgit Tscheuschner.

Im Vorfeld wurden die drei Kirchen – für Sachsen geht Burkhardswalde und für Sachsen-Anhalt Großwirschleben an den Start – bereits in der MDR-Montagssendung »Mach dich ran« vorgestellt. Lohma war am 7. Mai als erster Ort an der Reihe, wo Marlis Geidner-Girot das Dorf würdig vertreten hat. Gut geschlagen hat sich auch Karla Göthe aus Nöbdenitz, die in der Sendung einen Gewinn in Höhe von 905 Euro erzielen konnte. Das Geld will sie für das von ihr initiierte Projekt »Mehrgenerationenkochen« zur Verfügung stellen, das sich noch im  Aufbau befindet. Geplant ist, im Nöbdenitzer Kirchgemeindehaus eine Küche einzurichten, wo vor allem die jüngere Generation an die gesunde Ernährung herangeführt werden soll. Lohma gehört zum Kirchspiel Schmölln und zur Kirchengemeinde Nöbdenitz, für die Pfarrer Dietmar Wiegand zuständig ist. Im Ort leben 200 Einwohner, davon 45 Gemeindeglieder.

Ilka Jost