Handwerk und Kunst

24. April 2016 von redaktionguh  
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Der 16-jährige Raphael Brandstäter komponiert eine Sinfonie für die Paulusgemeinde

Am Anfang, sagt Raphael Brandstäter, habe ihn das Gefühl der Überforderung beherrscht. Er, der 16-Jährige, soll eine Sinfonie für die kirchenmusikalisch stark geprägte Paulusgemeinde in Halle schreiben? Raphael ist überrascht – aber auch dankbar und glücklich, er spricht von einer »riesengroßen Ehre«. Das Musiktalent will jede Chance nutzen und sagt Kirchenmusikdirektor und Pauluskantor Andreas Mücksch zu.

Raphael Brandstäter mit seinen Aufzeichnungen. Foto: Katja Schmidtke

Raphael Brandstäter mit seinen Aufzeichnungen. Foto: Katja Schmidtke

Am 23. Oktober, während eines Literaturgottesdiensts, soll das Auftragswerk uraufgeführt werden. Die Orchestersinfonie bezieht sich auf das Krebstagebuch des Regisseurs, Autoren und Künstlers Christoph Schlingensief »So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein«. Ein schweres, bedrückendes Thema für einen jungen Mann. »Ja, aber ich traue es ihm zu. Raphael beschäftigt sich auch mit ernsten Themen. Er ist ein denkender junger Mensch, der sich an einer Sache festbeißen kann«, sagt Kantor Mücksch. Erstmals vergibt die Paulusgemeinde ein Auftragswerk an einen so jungen Musiker, und Andreas Mücksch ist überzeugt, »wir gehen kein Risiko ein«.

Raphael Brandstäter stammt aus einer musikalischen Familie. Im Alter von fünf Jahren begann er, Geige zu spielen und nennt sie auch elf Jahre später noch sein Lieblingsinstrument. Heute besucht der junge Mann die Latina in den Franckeschen Stiftungen; das Landesgymnasium ist für seinen exzellenten Musikzweig bekannt. Zusätzlich zur Schule nimmt er seit drei Jahren Kompositionsunterricht, denn Raphael macht nicht nur Musik, er schreibt sie auch gern. »Die ersten Versuche habe ich im Alter von sieben Jahren gemacht. Das war relativ früh und relativ fürchterlich«, sagt er heute und lächelt.

Kammermusik, die er für Streicher und Bläser geschrieben hat, wurde schon einmal von Mitschülern aufgeführt. Aber eine Sinfonie für ein ganzes Orchester? »Eine Herausforderung«, sagt er. Am Anfang geht es flott von der Hand, doch dann kommt der Punkt, an dem es stockt und »damit beginnt die richtige Arbeit«. Komponieren bezeichnet der junge Musiker als Handwerk, bei dem es Regeln einzuhalten gilt. Aber diese anzuwenden und zu einer eigenen Handschrift zusammenzusetzen, ist Kunst.

Seine Sinfonie, verrät er schon einmal, wird Anklänge romantischer Musik haben, mit viel Dramatik. »Denn die steckt ja auch im Text, Wut und Verzweiflung, aber auch schöne Augenblicke und Momente, die Kraft geben«, erzählt er. Strenge Programmmusik ist sein Werk nicht, er erzählt nicht das Tagebuch nach; ein wiederkehrendes Leitmotiv wird es aber geben. Gerade ist Raphael Brandstäter in der Phase des Orchestrierens, die Stimmen sind vorhanden, nun werden sie auf das Orchester verteilt. Im Sommer soll er fertig sein; Kantor Mücksch ist gespannt.

Katja Schmidtke