Mit Herzblut bei der Sache

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Reformationsjubiläum: Mancher fragt sich, ob die Beteiligung für Anhalt nicht eine Nummer zu groß ist. Zwar ist manches offen, aber dass etliche Hürden genommen sind, macht Mut.

Wenn am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg die Weltausstellung Reformation eröffnet wird, ist die Landeskirche Anhalts mit ihrem Übersee-Container-Projekt mitten im Geschehen. Im Vorfeld tauchte mehrfach die Frage auf, ob die kleinste Landeskirche in der EKD die Anforderungen des Reformationssommers überhaupt bewältigen könne. »Das ist sicher eine Bürde für unsere Landeskirche«, sagt Andreas Janßen, Leiter der anhaltischen Arbeitsstelle »Luther 2017«, »aber keine untragbare Last.« Anhalt habe sich durch seine Vorbereitung auf das Jubiläum 2017 in der EKD »ein Standing geschaffen, das uns als Kirche zurzeit nicht in Frage stellt«. Anhalt sei im Gespräch, werde aber manchmal sehr kritisch hinterfragt.

Mit Blick auf den Europäischen Stationenweg am 18. Mai in Bernburg sagte Janßen, dass sich das Programm mit dem großer Städte messen könne. »Man merkt sehr deutlich, dass der Kirchenkreis über die Erfahrungen aus zwei anhaltischen Kirchentagen verfügt.«

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

In der Ausstellung »Frauen(er)leben in Anhalt«, die am 14. Mai in der Dessauer Marienkirche eröffnet wurde und die auch zum Kirchentag auf dem Weg gezeigt wird, steckt viel zusätzlicher Einsatz einer Autorinnengruppe (mehr in der nächsten Ausgabe). Zur Eröffnung musizierten ein Projektchor und das Broken Consort Dessau.n Foto: Johannes Killyen

Für den Kirchentag auf dem Weg in Dessau sei es schwierig gewesen, Gastgeber für das Anhalt-Mahl zu finden. Deshalb habe es lange Zeit auf der Kippe gestanden. Aber: »Bei der letzten Infoveranstaltung wurden wir dann plötzlich so überrannt, dass wir Bierzeltgarnituren nachordern mussten.« Solche Begebenheiten machten Mut und ließen hoffen, dass der gesamte Kirchentag die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Zudem sei die Programmvielfalt nur möglich, weil Haupt- und Ehrenamtliche unermüdlich daran mitgearbeitet hätten. »Darin steckt viel anhaltisches Herzblut.« Grundsätzlich sei zum Thema »Ehrenamt« zu sagen, dass es immer schwieriger werde, die benötigten Helfer zu finden. »Wir merken, dass die Kirchengemeinden mit ihren älter werdenden Gemeindegliedern an ihre Grenzen stoßen.« Darin, dass nicht nur Anhalt, sondern auch dem Deutschen Evangelischen Kirchentag Helfer fehlten, sieht Janßen ein gesellschaftliches Problem, »dass uns in den nächsten Jahren noch zu beschäftigen hat«.

Die Vorbereitung der Weltausstellung Reformation vom 20. Mai bis 10. September stelle Anhalt jeden Tag vor neue Herausforderungen. Viele habe man vor einigen Monaten nicht absehen können.

Zum Beispiel den Standortwechsel der drei Übersee-Container, die nun im Luthergarten in der Nähe des Wittenberger Altstadtbahnhofes zu finden seien. »Der Standortwechsel führte dazu, dass wir einen neuen umfangreichen Bauantrag bei der Stadt Wittenberg stellen mussten, der mit Kosten verbunden ist.« Zudem habe sich herausgestellt, dass Verabredungen, die zu Beginn der zweijährigen Vorbereitung auf die Weltausstellung getroffen wurden, nicht mehr einzuhalten seien. So habe der Café-Betreiber auf dem Container-Sonnendeck abgesagt. Mit der Bernburger Kanzlerstiftung sei aber eine Alternative gefunden worden. Zudem habe ein Gewerbetreibender, der die Übersee-Container nach der Weltausstellung kaufen wollte, abgesagt. Sollten die Container nicht bis September verkauft werden, müssten sie nach Dessau zurück. Das sei mit hohen Kosten verbunden. Auch die Suche nach Sponsoren und Teamern für das Containerprojekt verlaufe nicht ohne Probleme. Gut ist, dass der obere der drei Container (die beiden unteren enthalten eine Ausstellung) fast durchgehend an Interessenten habe vermietet werden können. So sei vom 20. Mai bis Mitte Juni die Landeskirche Baden zu Gast, danach die Kirche der Pfalz. Von Juli bis September kommen unter anderen anhaltische Städte und die Tourismusregion Harz.

»Die Präsenz Anhalts in Wittenberg«, so Andreas Janßen, »wird sicherlich an manchen Stellen zur Herausforderung.« Trotzdem gibt er sich optimistisch. »Ich kann nicht im Geringsten sagen, wie dieser Sommer zu Ende gehen wird. Ich weiß aber, dass es immer einen Weg gibt.«

Angela Stoye

Ideen aus den Kirchenkreisen

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Bugenhagenhaus: EKM auf der »Weltausstellung Reformation«

Mit Ausstellungen, Vorträgen und Filmvorführungen ist auch die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands auf der »Weltausstellung Reformation« präsent. Vom
20. Mai bis 10. September sind Kirchenkreise und Werke der EKM Teil des Reformationssommers, sagte Adelheid Ebel vom EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum in Wittenberg. Im Bugenhagenhaus neben der Stadtkirche stellt sich die Landeskirche vor.

»Die Idee eines Ausstellungsorts für die EKM geht auf Propst Siegfried Kasparick zurück«, erinnert Adelheid Ebel an den im vergangenen Jahr verstorbenen Ökumene- und Reformationsbeauftragten der mitteldeutschen Landeskirche. Gemeinsam mit Christiane Schulz, Leiterin der landeskirchlichen Geschäftsstelle für die Lutherdekade, hat Adelheid Ebel diese Idee umgesetzt. Das Programm ist angelehnt an die 16 Themenwochen der »Weltausstellung Reformation«, die mittwochs beginnen und bis Montag dauern; dienstags ist die Weltausstellung geschlossen.

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Adelheid Ebel, EKM-Projektbüro Reformationsjubiläum im Bugenhagenhaus. Foto: Thomas Klitzsch

Den Auftakt in der Festwoche vom 20. bis 29. Mai macht die von Landesbischöfin Ilse Junkermann zum Reformationsjubiläum angestoßene Initiative »Offene Kirche« sowie das Querdenker-Projekt von Kirche und Internationaler Bauausstellung in Thüringen. In der sich anschließenden Europa-Woche rücken die Beziehungen der EKM zu ihren europäischen Partnern in den Fokus. In der Ökumene-Woche ab 7. Juni präsentiert sich das Lothar-Kreyssig-Ökumene-Zen­trum, und der Kirchenkreis Bad Liebenwerda wird schildern, wie Ökumene im Elbe-Elster-Land gelebt wird. Mitte August heißt die Themenwoche »Bibel und Bild«: Dann werden im Bugenhagenhaus der Kirchenkreis Weimar mit seiner Kinderbibel, die Kunstgutbeauftragte der EKM und die Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen das Programm gestalten. In den Blick genommen werden dabei Kinderbilder des Reformationszeitalters.

Auch die Evangelischen Frauen, die Evangelische Erwachsenenbildung, die Schulstiftung, viele Kirchenkreise aus Nord und Süd sowie die Erprobungsräume stellen sich im Verlauf der Weltausstellung im Bugenhagenhaus vor. »Die vielen Ideen zeugen von der Fülle unserer Landeskirche«, freut sich Adelheid Ebel über die Vielfalt der kommenden Wochen.

Katja Schmidtke

Große Bühne für die Reformation

22. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Drei, zwei, eins und … los! Jetzt heißt es »Bühne frei« für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg.

Noch in der letzten Woche brauchte man viel Vorstellungskraft, um zu erahnen, was hinter den Bauzäunen entsteht. Aus Holz und Stahl und Lehm wuchsen in der Lutherstadt Pavillons und Bühnen. Für mehr als 100 Veranstaltungen pro Woche sollen sie vom 20. Mai bis 10. September Platz bieten für Gottesdienste und Podiumsdiskussionen, Workshops, Klassik- und Popkonzerte. Zum Startschuss der Weltausstellung anlässlich des 500. Reformationsjubiläums will die Wittenberger Altstadt von sieben Themengebieten umgeben sein, den »Toren der Freiheit«.

Eine Freiluftausstellung entlang der Altstadtgrenzen Wittenbergs lenkt ab dem 20. Mai den Blick auf die historischen Ereignisse und ihre Folgen bis in die Gegenwart. Bei der Weltausstellung Reformation dienen sieben »Tore der Freiheit« bis Mitte September als Präsentationsfläche für mehr als 80 Aussteller. Kirchen und Organisationen aus aller Welt fragen dabei nach den Herausforderungen unserer Zeit und laden zum Informieren, Mitdiskutieren und Feiern ein. Illu: r2017/G+H

Eine Freiluftausstellung entlang der Altstadtgrenzen Wittenbergs lenkt ab dem 20. Mai den Blick auf die historischen Ereignisse und ihre Folgen bis in die Gegenwart. Bei der Weltausstellung Reformation dienen sieben »Tore der Freiheit« bis Mitte September als Präsentationsfläche für mehr als 80 Aussteller. Kirchen und Organisationen aus aller Welt fragen dabei nach den Herausforderungen unserer Zeit und laden zum Informieren, Mitdiskutieren und Feiern ein. Illu: r2017/G+H

Wer am Hauptbahnhof mit dem Rundgang durch die ehemaligen Wallanlagen um die Lutherstadt startet, kann sich von der größten erklimmbaren Bibel der Welt aus einen Überblick verschaffen. Die Treppe im Turminneren bringt die Gäste im Zickzack dem Himmel näher und soll ihnen einen Perspektivwechsel ermöglichen. Auch der Platz für den Truck des Europäischen Stationenweges ist im Willkommensbereich vorgesehen. Er zeigt Reformationsgeschichten, die er aus verschiedenen Ländern mit nach Wittenberg bringt.

Daneben schicken alle Stationen der vergangenen Monate Städtebanner nach Sachsen-Anhalt. Von ihnen wird der Fußweg vom Bahnhof in die Innenstadt flankiert.

Zu den Themen Spiritualität, Jugend, Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, Globalisierung, Kultur sowie Ökumene und Religion haben Institutionen aus Politik und Gesellschaft verschiedene Orte zum Innehalten, Lernen und zum Austausch geschaffen, zum Beispiel das »House of One« als interreligiöses Begegnungszentrum oder die Stege am Bunkerberg neben dem Lutherhaus zur Selbsterfahrung und Meditation.

Auch Landeskirchen aus dem Verbund der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tragen mit eigenen Projekten zur Weltausstellung bei. So lassen die Bayern im Torraum Ökumene einen Garten entstehen, der aus jedem Jahrhundert seit Martin Luther einen Reformator der bayerischen Kirchengeschichte vorstellt. Hannover schafft einen »Erlebnis-Raum«, in dem sich Besucher mit der Bedeutung der Taufe auseinandersetzen und an ihr eigenes Christwerden erinnern lassen können.

Einen weiteren Erlebnisraum bietet die Landeskirche Hessen und Nassau rund um das Thema »Segen«. Neben ihrer preisgekrönten »LichtKirche«, die für Trauungen und Taufen gebucht werden kann, soll im Torraum Globalisierung der Segens-Roboter »BlessU-2« zur Diskussion anregen.

Dienstags ist Ruhetag auf der Welt­ausstellung, was aber keine Langeweile bedeutet. Vier Besuchermagnete der Lutherstadt werden durchgehend geöffnet sein: das Riesenrad »Zwischen Himmel und Erde« in den südlichen Wallanlagen dreht sich für Aussichts- und Gesprächssuchende gleichermaßen, denn auf Wunsch steigt ein Seelsorger mit in die Gondel. Yadegar Asisis Panorama »Luther 1517« lädt zu einem Rundgang durch das damalige Wittenberg ein. Und auch die beiden Kunstausstellungen (»Luther! 95 Schätze – 95 Menschen« mit der Mitmachausstellung »Der Mönch war’s!« sowie »Luther und die Avantgarde«) am Ost- und Westende der Altstadt haben Dauerbetrieb.

Christina Özlem Geisler (epd)

Luther-Disput: Altes Format neu aufgelegt

16. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Im Lutherstammort Möhra diskutierten Experten und Publikum ein aktuelles Thema

Vier Experten, zwei Streitparteien und eine kontroverse Fragestellung: »Christlicher Glaube und andere Religionen – wie geht das?« Geht das überhaupt? Darüber diskutierten Theo Sundermeier, Daniel Baumann, Reinhard Hempelmann und Matthias Baum im Lutherstammort Möhra.

Mit ihrem Gespräch ließen die Theologen und Religionswissenschaftler ein Format wiederaufleben, das vor einem halben Jahrtausend unter ähnlichen Umständen an der Universität Leipzig zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Damals, in der sogenannten Leipziger Disputation, stritten Martin Luther, Philipp Melanchthon und Andreas Karlstadt als Vertreter der Reformationsbewegung mit dem katholischen Theologen Johannes Eck über den Ablass, die Stellung des Papstes, menschliche Willensfreiheit und göttliche Gnade.
Fast drei Wochen dauerte die »Kirchenschlacht« 1519, und sie endete mit dem endgültigen Bruch zwischen der reformatorischen Lehre Luthers und der römisch-katholischen Kirche.

»Wir müssen lernen, tolerant zu sein«, leitete der Religionswissenschaftler und Ethnologe Theo Sundermeier die Diskussion in Möhra ein und fügte hinzu: »Es gibt aber keine echte Toleranz ohne Intoleranz. Wer nach allen Seiten hin offen ist, ist nicht ganz dicht.« Toleranz dürfe nicht in Gleichgültigkeit enden, sondern müsse das gegenseitige Verständnis fördern.

Insbesondere mit Blick auf den interreligiösen Dialog zwischen Christentum und Islam bestimmten die Themen Identität, Toleranz und wechselseitige Begegnung den Luther-Disput. »Differenzen dürfen nicht das Ende der Kommunikation bedeuten, aber auch nicht heruntergespielt werden. Zum Dialog gehört Offenheit, aber auch Standfestigkeit«, reagierte Reinhard Hempelmann, Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, auf Sundermeiers Statement. Darin waren sich beide Streitparteien einig: Eine Nivellierung der Unterschiede bringe den Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen nicht weiter. Das Ertragen der Unterschiede schon.

Überhaupt unterstützten sich die Theologen mit ihren Argumenten mehr, als sich gegenseitig zu entkräften. Ein Streitgespräch fand nicht statt, das stellten auch die zahlreichen Besucher fest. Nur in einem Punkt herrschte Uneinigkeit. »Ich glaube nicht, dass es möglich ist, zusammen zu glauben, sich zusammen zu bekennen, zusammen zu beten«, sagte Matthias Baum. Dem widersprach Pfarrer Daniel Baumann, der für einige Zeit in Israel lebte und arbeitete.

Baumann sprach sich am Ende der Diskussion auch für ein »Konzert verschiedener Religionen« aus und für Liebe unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Sprache. Mit der Erkenntnis, dass interreligiöser Dialog einen doppelten Lernprozess anstoße, endete der Luther-Disput. So stellte Sundermeier fest: »Durch einen Dialog wird man auf den eigenen Glauben zurückgeworfen. Intensiv über den eigenen Glauben nachzudenken lohnt sich.«

Hannah Katinka Beck

Geschichtenmobil macht am 18. Mai in Bernburg Station

14. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Foto: Engelbert Pülicher

Foto: Engelbert Pülicher

Bernburg rüstet sich für die Ankunft des Geschichtenmobils, das seit November vorigen Jahres auf dem Europäischen Stationenweg unterwegs ist. Am 15. Mai wird dafür ein besonderes Tor – ein Salzstock aus dem Bergbau – aufgebaut. Am Abend des 17. Mai wird der Truck in Bernburg auf dem Karlsplatz eintreffen und die Ausstellung von Kirchenpräsident Joachim Liebig und Oberbürgermeister Henry Schütz eröffnet (18.30 Uhr). Am Donnerstag gibt es dann den ganzen Tag ein informatives und unterhaltsames Programm, bevor der Truck am Vormittag des 19. Mai nach Wittenberg weiterfährt. Bernburg ist die einzige Station, die der Truck in Anhalt anfährt.

Mit dabei sind dann auch Reformationsgeschichten aus der Region. Im Rahmen eines Wettbewerbs waren Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgerufen worden, ihre persönliche Geschichte einzusenden. Am 8. Mai tagte zur Kür der Gewinner im Büro des Kreisoberpfarrers die Jury des Wettbewerbes (von links): Pfarrer Sven Baier, die Leiterin der Musikschule, Antje Folkers, Martin Setz von der katholischen Gemeinde, Anja Senze Kanzler von Pfau’schen Stiftung, Bürgermeister Paul Koller, Professorin Elena Kashtanova von der Hochschule Anhalt und Angret Zahradnik, Schulleiterin i. R. des Campus Technicus. Die Namen der Gewinner werden am 18. Mai auf der Hauptbühne bekannt gegeben. Das Gesamtprogramm der Station Bernburg steht unter dem Motto »Salz der Erde – Leben mit Geschmack«.

www.landeskirche-anhalts.de

Musical zum Jubiläum

8. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Evangelische Grundschule Eisenach feiert 15-jähriges Bestehen mit Neuinszenierung

In diesem Jahr gibt es viel zu feiern. Auch für die Evangelische Grundschule Eisenach. Zu ihrem 15-jährigen Bestehen kommen, bekannterweise, 500 Jahre Reformation und, eher weniger bekannt, das Gedenken an den 250. Todestag des Komponisten Georg Philipp Telemann.

Wie zum Schuljubiläum vor fünf Jahren sollte es wieder ein Musical geben; am besten eins, das die anderen beiden Jubiläen miteinander verbindet.

Heraus kam das Musical »Etwas Neues«. Zum einen geht es darin um den Komponisten Telemann, der an seinem Schreibtisch sitzt und verzweifelt versucht, eine neue Kirchenkantate zu komponieren. Zufällig fällt ihm und seiner Frau Amalie ein Notenblatt mit Luthers »Ein feste Burg ist unser Gott« in die Hände, und es beginnt die Geschichte in der Geschichte: Telemann erzählt Amalie das Leben der Luthers, insbesondere das der Katharina von Bora. Wie sie im Kloster aufwächst, während sich die Welt außerhalb grundlegend verändert. Wie sie von Luthers Schriften fasziniert und gleichzeitig verzweifelt ist.

Probebühne des Landestheaters Eisenach: Über 50 Schülerinnen und Schüler studieren unter Leitung ihrer Musiklehrerin Almuth Heinze ihre Gesangsstimmen ein. Foto: Mirjam Petermann

Probebühne des Landestheaters Eisenach: Über 50 Schülerinnen und Schüler studieren unter Leitung ihrer Musiklehrerin Almuth Heinze ihre Gesangsstimmen ein. Foto: Mirjam Petermann

Eindrucksvoll mit Stimme und Gesten zeigten die Katharina-Darstellerinnen Henriette und Sarah diesen Konflikt bei den Proben ihres Solos »Gott, du mein Gott«. Während hier zurückhaltend das Klavier begleitet, ist in der nächsten Szene ein treibender Beat von Trommeln und Bass zu hören, wenn Katharina und die anderen Nonnen flüchten. Der Chor von fast 50 Schülerinnen und Schülern singt voller Begeisterung »Still und leise muss es sein, steckt die Nonnen in die Tonne rein.«

Der Text des Stücks stammt aus der Feder von Schulleiterin Manja Güldenpfennig. Voller Lob ist sie über die Darsteller und deren Begeisterung für die alten Texte, die Konzentration und das Durchhaltevermögen. »Das sind ja keine auserwählten Kinder, sondern Kinder, die das ganze Schuljahr über in einem normalen integrativen Chor gemeinsam singen«, sagt sie. Und musizieren. Ein Flötenquartett und Trommeln sind dabei ebenso zu hören wie Mitarbeiter der Schule, die mit Gitarre, Bass und sogar einem Dudelsack Unterstützung leisten.

Für die Vertonung und die musikalische Umsetzung ist Musiklehrerin Almuth Heinze zuständig. Seit November probt sie mit den Schülern die Lieder und Texte für das gesanglich durchaus anspruchsvolle Stück. Große Ton­sprünge, koloraturenähnliche Passagen und dynamische Variationen verlangen den Schülern einiges ab. »Das Besondere an dem Chor ist, dass sie alle gerne singen«, sagt Heinze.

Nach der Flucht erzählt das Musical weiter von Katharinas Ankunft in Wittenberg, der Eheschließung und dem nicht ganz unproblematischen Zusammenleben mit Luther. Es zeichnet ihr Leben als kluge Hausfrau, erfolgreiche Unternehmerin und liebende Mutter mit einem starken Glauben.

Inhaltlich und musikalisch hat das Stück die verschiedenen Geschichten eng verwoben, mit vielen Details. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Telemann-Stück »Etwas Neues«. Es liefert nicht nur den Titel, sondern beschreibt auch inhaltlich mehrere Ebenen, wie Manja Güldenpfennig erklärt: »Telemann und Luther haben beide etwas Neues gewagt. Einer mit seinen Kantaten, der andere mit seinen Schriften. Und Katharina natürlich auch.« Dass sie die zentrale Figur des Stücks ist, hat noch einen anderen Grund, auch »etwas Neues«. Denn ab dem kommenden Schuljahr wird die Schule ihren Namen »Katharina von Bora« tragen. Sie »gehört zu den Wurzeln unseres evangelischen Glaubens. Darum sollte man sie kennen und zu schätzen wissen«, heißt es am Ende des Stücks, was durchaus als Begründung für die Namenswahl verstanden werden kann.

Mirjam Petermann

Premiere: Samstag, 6. Mai, 14.30 Uhr, Nikolaikirche Eisenach; eine weitere Aufführung folgt um 17 Uhr. Innerhalb der Eisenacher Telemanntage: 17. Juni, 19 Uhr.

Luther und die Deutschen

5. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Eine weitere nationale Sonderausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums hat seit dieser Woche an einem symbolträchtigen Platz ihre Türen geöffnet.

Die Ausstellung »Luther und die Deutschen« führt an einen authentischen Ort der Reformation, auf die Wartburg in Eisenach, wo Luther nach dem Reichstag in Worms 1521 als Junker Jörg Zuflucht fand. Präsentiert werden dort rund 300 Exponate aus den Beständen der Wartburg-Stiftung sowie von nationalen und internationalen Leihgebern.

»Die Wartburg als Erinnerungsort und Nationaldenkmal ist geeignet, um das Verhältnis von Luther zu den Deutschen der vergangenen 500 Jahre zu beleuchten«, so sieht es der Kurator Dr. Marc Höchner. Bereits seit etwa drei Wochen wird im Burghof ein besonderes Ausstellungsobjekt präsentiert: der originalgetreu nachgebaute Kobelwagen, mit dem Luther damals unterwegs war.

Wie hat die Reformation die Deutschen und die deutsche Geschichte beeinflusst? Wie wandelte sich das Bild Luthers, je nach den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten? Diesen Fragen nähert sich die Schau in drei großen Abschnitten, wobei die gesamte Burg nicht nur Ausstellungsraum, sondern zugleich auch Exponat sei, so der Kurator.

Die nationale Sonderausstellung »Luther und die Deutschen« auf der Wartburg in Eisenach ist bis 5. November 2017 täglich von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. www.3xhammer.de/eisenach/

Die nationale Sonderausstellung »Luther und die Deutschen« auf der Wartburg in Eisenach ist bis 5. November 2017 täglich von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. www.3xhammer.de/eisenach/

Interviews mit Besuchern der Wartburg und mit Experten vermitteln den Ausstellungsbesuchern zu Beginn Einblicke in das, was Luther den Menschen bis heute zu sagen hat. Das erste Kapitel der Schau beschäftigt sich mit der Wartburg, erläutert die geschichtlichen Ereignisse, die dazu führten, dass Luther hierherkam, und was ihn hier umtrieb: die Übersetzung großer Teile der Bibel. Dieses weltgeschichtliche Ereignis dokumentieren Erstausgaben der Übersetzung des Neuen Testamentes, die 1522 erschienen sind. Wie es mit der Wartburg weiterging, nachdem Luther sie verlassen hatte, und bis zu ihrem Umbau im 19. Jahrhundert, wird ebenfalls thematisiert.

Den Einfluss der Reformation auf theologisch-geistiger Ebene beleuchtet der zweite Abschnitt der Ausstellung. Was war das Neue an Luthers Lehre? Was sind die kultur- und geistesgeschichtlichen Folgen? Die älteste Ausgabe des Liedes »Ein feste Burg ist unser Gott« beispielsweise veranschaulicht die Bedeutung des Kirchengesangs im Luthertum. Der Einfluss der Reformation auf das Bildungswesen wird am Beispiel der Universität Jena gezeigt. Ihre Gründung, so Höchner, sei eine direkte Folge der Reformation. Entwicklungen nach Luthers Zeiten, wie Pietismus, Aufklärung und katholische Reformbewegungen, die bis heute ausstrahlen, werden erklärt.

Die Ausstellung widmet sich im dritten Teil den politischen Folgen der Reformation. Sie zeichnet die politische Dynamik des 16. und 17. Jahrhunderts nach – einer Epoche, geprägt von Auseinandersetzungen und Kriegen; bis schließlich nach dem Dreißigjährigen Krieg im Heiligen Römischen Reich drei anerkannte Konfessionen existierten: Luthertum, reformierte Kirche und katholische Kirche.

Abschließend nimmt die Schau die jüngere Vergangenheit, das Lutherbild des 19. und 20. Jahrhunderts, in den Blick. Wie Höchner erläutert, trat dann der Theologe, Prediger und Kirchenmann in den Hintergrund, und Luther wurde als Gründungsfigur des deutschen Nationalstaates betrachtet und dementsprechend negativ beurteilt. Mit diesem Problem seien die beiden deutschen Staaten nach 1945 unterschiedlich umgegangen, wie die Ausstellung darstellt.

Sabine Kuschel

Evangelium hat Vorrang

1. Mai 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Landessynode debattiert über Strukturreform und lehnt geschlechtergerechte Sprache ab

Überlegungen zur Einführung freikirchlicher Strukturen in der verfassten Evangelischen Landeskirche Anhalts hat Kirchenpräsident Joachim Liebig eine Absage erteilt. Das bestehende System sei gewachsen und werde auch weiterhin Bestand haben, sagte Liebig auf der Frühjahrssynode in Alexisbad im Harz. Trotzdem sei es notwendig, sich über die Strukturen Gedanken zu machen, fügte er hinzu.

Dazu hat die Kirchenleitung ein Impulspapier veröffentlicht. Der Kirchenpräsident betonte, dass den Überlegungen immer vorangestellt sein sollte, was der Verkündigung des Evangeliums diene. Nichtsdestotrotz sei eine unabhängige Wirtschaftsprüfung beauftragt worden, die finanzielle Lage zu analysieren. Damit wolle man auch gegenüber dem Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland aussagefähig sein. Bei der Tagung nahmen die Diskussionen über die Zukunft der kleinsten Landeskirche in Deutschland breiten Raum ein. In Arbeitsgruppen erarbeiteten die Delegierten Vorstellungen und Thesen. Kirchenpräsident Liebig hob hervor, dass es schon einige schriftliche Rückläufe zum Impulspapier gebe. Allmählich komme die Diskussion darüber in Kreissynoden und Kirchengemeinden in Gang.

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Eine Andacht mit Pfarrer Andreas Müller in der Petruskapelle Alexisbad bildete den Auftakt der zweitägigen Beratungen der anhaltischen Synode. Foto: Killyen/Landeskirche Anhalts

Nachgedacht wird auch über eine Neuorientierung in der sozialen Arbeit. Der Vorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Eberhard Grüneberg, warb für die Einführung einer hauptamtlichen Gemeindediakonie. Auf Gemeindeebene sei die soziale Arbeit zugunsten der professionellen Hilfe in staatlich finanzierten Einrichtungen zurückgetreten. Dabei sei aber deutlich geworden, dass es soziale Problemlagen gebe, die die institutionalisierte Diakonie nicht erfassen könne. Eine Gemeindesozialarbeit sollte dabei als »Scharnier« dienen, das die Kirchengemeinde und die eigenständigen diakonischen Träger miteinander verbindet, sagte Grüneberg.

Die Synode sprach sich zudem gegen eine Verfassungsänderung aus. Damit sollte eine geschlechtergerechte Sprache eingeführt werden. Nur 23 der 33 Synodalen stimmten für den Entwurf. 25 Ja-Stimmen wären für eine Verfassungsänderung notwendig. Einige der Synodalen hielten die Änderungen für überflüssig, dem Zeitgeist geschuldet und die Hinzufügung der weiblichen Form für sprachlich ungelenk. In der Neuformulierung der Verfassung sollten es beispielsweise »Pfarrerinnen und Pfarrer« und »Kirchenpräsidentin und Kirchenpräsident« heißen. Der stellvertretende Synodenpräses Wolfram Hädicke verteidigte die Änderungen: »Der Entwurf geht stärker darauf ein, dass Frauen verantwortlich mitarbeiten.« Die Ablehnung könnte als Signal missverstanden werden, dass die männerdominierte Landessynode die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen nicht schätze. Vor allem die vier Vertreterinnen im Kirchenparlament nahmen das Wahlergebnis mit Unverständnis zur Kenntnis.

In seinem Bericht über die Aktivitäten während des Reformationssommers räumte Pfarrer Andreas Janßen ein, dass bei den Vorbereitungen nicht alles rund laufe. Es mangele an ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Anmeldezahlen lägen hinter den Erwartungen zurück. »Der Reformationssommer ist eine Bürde für unsere kleine Landeskirche, aber er ist keine Last«, sagte Janßen. Er sehe auch eine Chance. Die Landeskirche werde in der Öffentlichkeit wahrgenommen, sei im Gespräch und werde auch kritisch hinterfragt.

Willi Wild/epd

Schmuckstück in Blau: Die Kirche von Dobraschütz

24. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Barockes Kleinod am Lutherweg erstrahlt wieder in voller Schönheit

Von der Erschließung des Lutherweges können neben den touristischen Zentren auch die ländlichen Regionen profitieren. Ein Beispiel dafür ist Dobraschütz im Kirchenkreis Altenburger Land. Immer öfter finden Besuchergruppen und Wanderer den Weg in den 50-Seelen-Ort. Der Lutherweg führt an der kleinen Barockkirche vorbei, auf die die Dorfbewohner besonders stolz sind. Innerhalb von fünf Jahren ist ihnen das scheinbar Unmögliche gelungen: die Komplettsanierung des 1752 erbauten Gotteshauses. Nach der Restaurierung des Innenraumes erstrahlt nun auch das äußere Antlitz in hellen, freundlichen Farben.

Blaues Wunder: Der Innenraum der Kirche in Dobraschütz ist mit Malereien im Stil des Bauernbarock verziert. Foto: Ilka Jost

Blaues Wunder: Der Innenraum der Kirche in Dobraschütz ist mit Malereien im Stil des Bauernbarock verziert. Foto: Ilka Jost

Wer durch das Portal schreitet, kommt ins Staunen. Die gesamte Ausstattung, bis ins kleinste Detail, ist in erfrischendem Blau gehalten. Wohin das Auge reicht, finden sich Malereien in Form von Engeln, Blumengebinden, Ornamenten und Bibelsprüchen im Stile des Bauernbarocks, die so in der Region einzigartig sind. »Glücklicherweise war alles im Originalzustand erhalten, als 2011 mit den Arbeiten begonnen wurde. Die letzte Restaurierung des Innenraums ist ziemlich genau einhundert Jahre her, und an der Decke und dem Inventar hatte nicht nur der Zahn der Zeit, sondern auch der Holzwurm genagt. An einigen Stellen waren die Malereien nur noch zu erahnen«, berichtet Ralf Neuber, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates.

Rund 189 000 Euro flossen in das Bauprojekt. Um den Eigenanteil von ca. 43 000 Euro stemmen zu können, startete die kleine Kirchengemeinde außergewöhnliche Spendenaktionen. So wurden Patenschaften für die Neuvergoldung der 126 Sterne an der Decke abgeschlossen, Benefizkonzerte veranstaltet und viele Arbeiten in Eigenleistungen erbracht. Beachtlich war der Einsatz von Karl Jungbeck, Inhaber der Altenburger Senffabrik, der mit einem befreundeten Orgelbaumeister die Orgelsanierung selbst in die Hand nahm.

Belohnt wurde all das Engagement mit einer Förderung durch die Stiftungen Denkmalschutz und Kirchenbau (KiBa) und Auszeichnungen mit dem Denkmalschutzpreis des Altenburger Landes 2013 und dem Thüringer Denkmalschutzpreis 2014. Auch Landeskirche, Kirchenkreis und viele Einzelspender unterstützten das Vorhaben.

Eine Gelegenheit, das »Schmuckstück in Blau« in Augenschein zu nehmen, bietet das Kirchen- und Dorffest am 27. Mai.

Ilka Jost


Torgau baut Brücken

Europäischer Stationenweg: Der Truck macht Halt in der Stadt an der Elbe

Vor einem halben Jahr startete der 33 Tonnen schwere himmelblaue Truck der evangelischen Kirche seine Reise durch 67 Städte in 19 Ländern Europas. Inzwischen ist er beladen mit vielen Geschichten rund um die Reformation und mit ganz persönlichen Glaubenserfahrungen. Der internationalen Bedeutung der Reformation nachzuspüren und ein Band zu knüpfen, sind die Ziele des »Europäischen Stationenwegs«, einem der zentralen Projekte zum Reformationsjubiläum. Nun macht der Truck zum ersten Mal seit seinem Start Halt auf dem Gebiet der EKM.

Schloss Hartenfels: politisches Zentrum der Reformation. Foto: Katja Schmidtke

Schloss Hartenfels: politisches Zentrum der Reformation. Foto: Katja Schmidtke

In Torgau wird das begehbare Multimediamobil am 25. April auf dem Marktplatz erwartet. Ab 10 Uhr steht es für Neugierige offen. Die Stadt an der Elbe stellt den Tag passend dazu unter den Titel »Torgau baut Brücken. Reformation – Begegnung – Gegenwart«. Mit kulturellen Beiträgen soll eine Brücke geschlagen werden von der Reformationszeit über die historische Begegnung amerikanischer und russischer Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 bis ins Heute. Im Fokus steht die Frage nach verbindenden Werten zwischen Völkern und Religionen. Alle Stadtbewohner, Gäste und Touristen sind herzlich eingeladen, den Reformationstruck auf dem Marktplatz zu besuchen und eigene Beiträge – aufgezeichnet von Videokameras – im Inneren des Trucks zu hinterlassen.

Übrigens nicht zur symbolisch, sondern auch wortwörtlich werden in Torgau am 25. April Brücken gebaut. Zu erleben ist der Bau einer Holzbrücke durch Schüler ab 15 Uhr auf dem Markt. Grußworte sprechen Jürgen Schilling, Mitarbeiter im Projektbüro Reformprozess der EKD, und Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth.

Später erinnert Torgau an die historische Begegnung US-amerikanischer und sowjetischer Armeeeinheiten auf der zerstörten Elbbrücke bei Torgau am 25. April 1945. Dort besiegelten sie symbolisch das nahe Ende des Hitler-Regimes. Daran erinnert die Stadt jährlich mit dem »Elbe Day«. Die Gedenkveranstaltung am Denkmal der Begegnung beginnt 16 Uhr. Unter den Rednern ist auch Superintendent Mathias Imbusch. Der Tag endet mit einer Festveranstaltung im Rathaus (17 Uhr), hier spricht Landesbischöfin Ilse Junkermann über das Brückenbauen.

Wer bereits am Vormittag Zeit hat, ist eingeladen in die Kulturbastion, Straße der Jugend 14b. Dort öffnet von 10 bis 11.30 Uhr das Erzählcafé, in dem es um das »Ankommen in Torgau 1945 bis 2017« geht. Zeitzeugen sind mit Schülern des Johann-Walter-Gymnasiums im Gespräch.

Nächste Station auf dem »Europäischen Stationenweg« nach Torgau ist die Bundeshauptstadt Berlin, Gastgeberin des Kirchentags. Das blaue Geschichtenmobil tourt knapp vier Wochen weiter durch das Land und macht unter anderem Halt in Eisenach (5. Mai) und Bernburg (18. Mai), bevor es am 20. Mai in der Lutherstadt Wittenberg ankommt und dort die »Weltausstellung Reformation« eröffnet.

(G+H)


Nicht gegeneinander feiern

3. April 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Ökumenischer Versöhnungsgottesdienst in Volkenroda

Katholische und evangelische Christen vor allem aus Thüringen haben am Sonntag im Kloster Volkenroda bei Mühlhausen einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Vor dem Hintergrund des 500. Reformationsjubiläums stellten die Bischöfe des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, in ihren Predigten das Verbindende zwischen beiden Konfessionen heraus. Der Gottesdienst war Teil des sogenannten »Healing of Memories«-Prozesses (»Heilung der Erinnerung«), mit dem beide Kirchen gemeinsam Wege der Versöhnung gehen möchten.

 Gemeinsam:  Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

Gemeinsam: Landesbischöfin Ilse Junkermann (rechts) und Erfurts katho­lischer Bischof Ulrich Neymeyr. Foto: Sascha Wilms

In der Vergangenheit hätten die Feiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen eher vertieft, sagte Landesbischöfin Junkermann. »Wir feiern es in diesem Jahr nicht gegeneinander, Gott sei Dank!« Es sei das besondere Glück des 500. Reformationsjubiläums, »dass wir es als Christusfest feiern«.

Beide Kirchen stünden im Dienst der Versöhnung, unterstrich Junkermann. Gemeinsam stellten sie sich »klar gegen alle Angstmacherei vor Fremden, auch vor einer anderen Religion, gegen Vereinfachungen und Rückfall in Nationalismen«. Sie setzten sich ein für den Vorrang des Zivilen vor dem Militärischen, für Schlichten und Vermitteln.

Bischof Neymeyr sagte, inzwischen könnten evangelische und katholische Christen beim Gedenken an den Beginn der Reformation 1517 auch gemeinsam die schwierigen und bedauerlichen Ereignisse und Entwicklungen der Geschichte vor Gott tragen. Der Erfurter katholische Bischof ging in seiner Predigt auch auf den Ort des Gottesdienstes ein, die Klosterkirche Volkenroda. Sie stehe beispielhaft für den Niedergang eines äußerst vielfältigen klösterlichen Lebens in Thüringen – und seiner Wiedergeburt.

Neymeyr erinnerte an die 23 Ordensgemeinschaften mit ihren 206 Klöstern, die es in Thüringen zu ihren Blütezeiten gegeben habe. Die Gründe für ihren Untergang seien »natürlich nicht nur bei der Reformation zu suchen«, sagte er. Manche der Klöster hätten auch »ihre geistliche Lebendigkeit verloren«.

Zurzeit gebe es wieder 28 Klöster und Ordensniederlassungen im Land. Das Kloster Volkenroda sei heute durch die Präsenz und das Wirken der Jesus-Bruderschaft ein Ort des Aufbruchs und der Hoffnung aus dem Geist des Evangeliums und der Ökumene. »Es ist ein guter Ort, um dort gemeinsam einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zu feiern«, betonte der Bischof.

(epd)

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