Lucas, der Buchdrucker

21. März 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Konfirmanden lernen Kunst und Handwerk Gutenbergs kennen

Lange ist es her, dass Lucas Gelegenheit zum Drucken hatte. Das war in der Grundschule. Heute ist er Konfirmand und darf erneut an einer Druckerpresse stehen. An einer richtigen, an einer, die dem Original der Druckerpresse von Gutenberg exakt nachempfunden wurde. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Lucas kommt aus Eschbach im Taunus und er gehört zu einer Gruppe von Mädchen und Jungen, die gemeinsam mit Jugendlichen aus Wandersleben (Kirchenkreis Gotha) eine Konfirmandenfreizeit in Thüringen verbringen. Das hat übrigens Tradition. Seit 1945 schon verbindet beide Kirchengemeinden eine Partnerschaft.

Blatt für Blatt wird vorbereitet, bevor es in die Druckpresse kommt. Lucas und seine Konfirmandengruppe aus dem Taunus erleben, wie aufwendig aber auch spannend die Herstellung eines Buches zur Zeit der Reformation war. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Blatt für Blatt wird vorbereitet, bevor es in die Druckpresse kommt. Lucas und seine Konfirmandengruppe aus dem Taunus erleben, wie aufwendig aber auch spannend die Herstellung eines Buches zur Zeit der Reformation war. Foto: Klaus-Dieter Simmen

»Während der DDR-Zeit beschränkte sie sich darauf, die Freunde jenseits der Grenze zu unterstützen«, sagt Pfarrerin Kerstin Steinmetz aus Eschbach. Mit der Wiedervereinigung wandelte es sich zu einer lebendigen Beziehung, die von gemeinsamen Besuchen geprägt ist. Seit 1997 schon gibt es die Freizeit für Konfirmanden.

An diesem Tag besuchen sie einen ganz besonderen Ort, nämlich die Menantes Literatur-Gedenkstätte in Wandersleben. Sie erinnert nicht nur an den Dichter Christian Friedrich Hunold, genannt Menantes, der in der Gemeinde geboren wurde. Die Gedenkstätte ist dazu ein außerschulischer Bildungsort, einer, der vornehmlich jungen Menschen die Handwerke der Buchherstellung und die Reformation nahe bringt. Und die Geschichte des Buches, so der Wandersleber Pfarrer Bernd Kramer, ist ein spannendes Abenteuer.

Im Jurywettbewerb mit Publikumsbeteiligung fördert das Magazin Chrismon auch in diesem Jahr herausragende Gemeindeprojekte. Mit seinem Konzept außerschulischer Lernort bewirbt sich das Pfarramt Apfelstädt, zu dem die Kirchgemeinde Wandersleben gehört, um eine Förderung. »Wir denken, dass unser Angebot das wert ist«, begründet Kramer diesen Schritt. Die Zahl der Schulklassen, die sich in der Gedenkstätte mit der Geschichte der Buchherstellung vertraut machen, steigt von Jahr zu Jahr.

Das mag auch daran liegen, dass hier alles andere als staubtrockene Theorie vermittelt wird. Natürlich gibt es einen Exkurs in die Geschichte – angefangen bei Federkiel und Tinte bis hin zum Buchhändler. Mitmachstationen lassen darüber hinaus die einzelnen Handwerke im besten Wortsinn erfahrbar werden. Wie beispielsweise beim Drucken. Hans-Otto Mempel aus der Werkstatt für künstlerische Druckgrafik in Vieselbach hat den Jungen die Arbeitsschritte erläutert. Nun nimmt er sich zurück, lässt sie alleine hantieren, was den Konfirmanden sichtlich Freude macht. Als Druckstock dient ein Linolschnitt von der Wanderslebener Kirche. Sorgfältig wird er mit der Farbwalze eingestrichen, dann kommt Blatt für Blatt in die Presse, ganz so, wie vor 300 Jahren die Buchseiten gedruckt wurden. »Haben die das damals wirklich so gemacht?«, will Lucas wissen. Und die jungen Leute beginnen zu ahnen, wieviel Arbeit in einem Buch steckt, ehe es vom Buchhändler vertrieben werden konnte.

Die Arbeit an der Gutenberg-Presse dient durchaus einem Zweck, denn die Bilder der Wanderslebener Kirche werden bald schon Bestandteil eines Leporellos sein, das eine zweite Gruppe anfertigt – aus Altpapier übrigens. Es wird geschnitten und gefalzt. Mitglieder des Menantes-Förderkreises haben ein Auge darauf, dass die einzelnen Arbeitsschritte eingehalten werden. Jedes einzelne dieser Werke wird übrigens mit Initialen verziert und daran arbeiten Anastasia und Marie. Sie sind schon erstaunt, wie viele Schreibwerkzeuge es gibt und entdecken so nebenbei, wie schön eine Handschrift sein kann. »Ein Buch ist das Werk vieler«, merkt Pfarrer Kramer an. Das im Zeitalter digitaler Technik hautnah zu erfahren und selbst daran mitzuwirken, sei Ziel dieses ungewöhnlichen außerschulischen Lernorts.

Klaus-Dieter Simmen

Die Bewerbung des Wanderslebener Projektes beim evangelischen Magagzin Chrismon kann man im Internet unterstützen:

https://chrismongemeinde.evangelisch.de/profile

Reformationsfrühling

17. März 2017 von redaktionguh  
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Reformation und Tourismus:
Reicht die Anziehungskraft des Lutherjahres als Touristen-Magnet, um gezielt Menschen nach Mitteldeutschland zu ziehen? Die Stammländer der Reformation scheinen gut vorbereitet und setzen auf das Prinzip Hoffnung.

Das Reformationsjubiläum 2017 ist »eine große Chance« für den Tourismus in Mitteldeutschland. Das sagte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin. Zusammen mit seinen Kollegen Wolfgang Tiefensee (SPD) aus Thüringen und Armin Willingmann (SPD) aus Sachsen-Anhalt oder, wie es Tiefensee formulierte, »der Boygroup aus Mitteldeutschland«, blickte er dort auf das anstehende Großereignis und seine Bedeutung für den Tourismus in der Region. Man spüre mittlerweile weltweit ein großes Interesse für die Region, sagte Dulig. Sogar in Südkorea sei er auf das Reformationsjubiläum angesprochen worden. Sachsen wolle 2017 dabei vor allem als Kulturland punkten. »Die große Chance, die wir haben, ist, dass unsere Region auf der Weltkarte sichtbar wird«, sagt Dulig. Denn noch wisse nicht jeder mit den Begriffen »Sachsen«, »Sachsen-Anhalt« und »Thüringen« etwas anzufangen.

Auf der ITB in Berlin: Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (v. li.) mit r2017-Geschäftsführer Ulrich Schneider und dem Wittenberger Kirchmeister Bernhard Naumann als Luther. Foto: IMG Sachsen-Anhalt

Auf der ITB in Berlin: Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (v. li.) mit r2017-Geschäftsführer Ulrich Schneider und dem Wittenberger Kirchmeister Bernhard Naumann als Luther. Foto: IMG Sachsen-Anhalt

Ähnlich äußerten sich auch seine Kollegen aus den beiden anderen Ländern: »Erste Anmeldezahlen verraten, dass in Wittenberg in diesem Jahr einiges los sein wird«, sagte Willingmann. In Wittenberg seien schon heute so viele Vorbuchungen für Stadtführungen eingegangen, wie es sie im ganzen Jahr 2016 gegeben habe. Und auch Tiefensee berichtete, dass man deutlich spüre, dass das Interesse der Gäste an der Region wachse und die Übernachtungszahlen ansteigen. In Wittenberg werde im Reformationsjahr zudem »öffentliches WLAN im großen Stil« eingerichtet. Was die Besucher erlebten, sollten sie über Twitter, Instagram und Facebook direkt in die Welt hinaus transportieren können. »Solche WLAN-Netze gibt es im Ausland schon überall – jetzt zeigen wir, dass wir das auch in Wittenberg hinkriegen.« So sieht das auch Tiefensee: Seiner Ansicht nach wäre Luther heute der Erste, der die modernen Medien genutzt hätte. »Er wäre schon längst bei Instagram«, sagte Tiefensee. Seine Thesen hätte er in einer modernen Weise publiziert und seine Verbindung mit Katharina von Bora in die Genderdebatte eingebracht. »Wenn ich den Lutherweg gehe, sehe ich zwangsläufig mehr als Luther«, sagte Tiefensee. Er hoffe deswegen, dass durch das Jubiläum auch das Interesse an den übrigen Sehenswürdigkeiten angekurbelt werde. »Wir in Thüringen haben es dringend nötig, bekannter zu werden.«

Was der Reformator heute den Wirtschaftspolitikern bedeutet? »Ich schaue auf die Person Luther mit ganz großer Bewunderung«, sagte Tiefensee. Er fände es »sehr gut, dass Luther nicht nur für Dialog innerhalb der Kirchen steht, sondern dass das Thema Luther weit über die Kirche hinausstrahlt.« Luther stehe nicht nur für eine Reformation innerhalb der Kirche, sondern letztlich am Anfang der Moderne. »Luther hat versucht, dem einfachen Volk mit einfacher Sprache etwas nahezubringen, was lebenswichtig ist«, sagte Tiefensee. »Das hat ganz direkt mit Mitbestimmung und Teilhabe auch in der heutigen Zeit zu tun.« Vom Thesenanschlag gehe das Signal aus, dass ein Einzelner »mit einer wohldurchdachten und gut überlegten Kampagne auch etwas erreichen kann«, ergänzte Willingmann. Die Reformation sei auch ein Auftrag: »Es geht darum, zu zeigen, dass wir uns einem ständigen Veränderungsprozess unterwerfen.«

Benjamin Lassiwe

Mit Goethe zum Kirchentag

27. Februar 2017 von redaktionguh  
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Wenn Ende Mai in Jena und Weimar der Kirchentag auf dem Weg gefeiert wird, erhält nicht nur Goethes Vision von der Doppelstadt Aktualität.

Seine Gretchenfrage »Nun sag, wie hast du’s mit der Religion« (»Faust«) gibt das Motto des dreitägigen Megaevents mit nahezu 350 Veranstaltungen vor. Der Besuch lohnt sich unbedingt. Neben den großen Bühnenprogrammen gibt es eine Reihe von Podien, Andachten und Pilgerreisen zur inneren Einkehr.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst zu Himmelfahrt wird der Kirchentag auf dem Weimarer Marktplatz eröffnet (25.5.). Danach erwartet die Gäste auf mehreren Plätzen der Innenstadt ein abwechslungsreiches Abendprogramm mit Bands, Kleinkunst und Tischgesellschaften. Einen Tag später wird im Deutschen Nationaltheater (DNT) die Johannes-Passion von Philipp Emanuel Bach »semiszenisch« aufgeführt.

Zu den Höhepunkten in Jena gehören die »multimediale ökumenische Messe« in der Stadtkirche, eine Performance mit vertonten Lutherzitaten und katholischer Liturgie mit dem Ensemble der Musik- und Kunstschule und das Konzert »Lobgesang« mit dem Estonia Seltsi Segakoor aus Tallinn. An »Dom im FullDome Jena«, einem multimedialen Gottesdienst in der Kuppel im Planetarium, ist auch Superintendent Sebastian Neuß beteiligt. Für ihn ist Luther in krisenhafter Zeit wichtig, vor allem die Frage, was die Beschäftigung mit Religion für Geist und Seele bringen kann.
Kirche-vor-Ort-08-2017Interdisziplinäre Podien, Bibelarbeiten mit Politikern, darunter auch Ministerpräsident Bodo Ramelow, und Thementage wie »Scham, Gewalt, Liebe« gibt es in beiden Städten. Die Tickets gelten auch für den Pendelverkehr mit der Bahn.

Dass sich so viele Institutionen und Vereine in die Vorbereitungen mit eigenen Programmen eingebracht haben, ist für den Weimarer Superintendenten Heinrich Herbst eine beglückende Erfahrung: »Der Kirchentag betrifft die ganze Gesellschaft. Die Frage nach der Religion stellt sich neu als Sinnfrage.«

Die Veranstalter rechnen mit etwa 15 000 Menschen. Viele von ihnen übernachten in Gemeinschaftsunterkünften. Aber für die Beherbergung werden noch Quartiere gesucht. Dabei geht es weniger um Komfort, vielmehr – nach alter Kirchentagstradition – um die Gastfreundschaft und das Kennenlernen. Jeder, der ein Bett bereitstellen kann, sollte sich unter quartiere@r2017.org oder unter der Telefonnummer (0 34 91) 6 43 47 07 melden.

Am 28. Mai treffen sich alle »Kirchentage auf dem Weg«, zu denen auch Jena/Weimar zählt, in Wittenberg zum großen Festgottesdienst anlässlich des Reformationsjubiläums.

Doris Weilandt

Programminfos:

www.r2017.org/kirchentage-auf-dem-weg oder als App unter www.r2017.org/app.

Das Programm steht

13. Februar 2017 von redaktionguh  
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Planungen der Kirchentage in Erfurt und Weimar/Jena sind auf einem guten Weg

Wer eine große Veranstaltung plant, muss vieles im Blick haben: die Zahl der Gäste, ausreichend Sitzgelegenheiten und Essen, Unterhaltungsprogramm und vieles mehr. Bei der Vorbereitung der Kirchentage auf dem Weg ist das nicht anders – nur alles eine Spur größer.

Darum trafen sich in der vergangenen Woche nicht nur der Reformationsbeauftragte Jürgen Reifarth und der Leiter des Kirchentages auf dem Weg in Erfurt, Reiner Degenhardt, auf dem Erfurter Domplatz, sondern auch Vertreter der Kulturdirektion, der Feuerwehr und Polizei, der Marktmeister und viele mehr. »Wir haben auf dem januarkalten, nassen Boden des Domplatzes eine Decke hingelegt, unsere Pläne ausgebreitet und alle technischen Details für die Nutzung des Domplatzes geklärt«, so Reifarth. Denn der Domplatz ist die größte zu bespielende Fläche in Erfurt während des Kirchentages auf dem Weg. Dort sind unter anderem ein Himmelfahrt-Familienkaffee mit musikalischer Begleitung, ein öffentlicher Schauguss einer Glocke und natürlich zwei große Gottesdienste geplant.

Vor dem Luther-Denkmal am Anger: der Reformationsbeauftragte für Erfurt, Jürgen Reifarth. Er sieht den Kirchentag als große Chance. Fotos: Diana Steinbauer

Vor dem Luther-Denkmal am Anger: der Reformationsbeauftragte für Erfurt, Jürgen Reifarth. Er sieht den Kirchentag als große Chance. Fotos: Diana Steinbauer

Das Programm steht. Die Absprachen mit der Stadt sind getroffen, nun geht es an die Details. »In diesen Tagen gehen unsere Höhepunkt-Flyer in die Post, die helfen sollen, den Erfurter Kirchentag im Propstsprengel Eisenach-Erfurt noch bekannter zu machen«, so Reifarth. Auch durch Banner und Werbeplakate soll das gelingen.

»Ich erhoffe mir, dass die Gemeinden den Kirchentag auf dem Weg als Chance begreifen, uns als Kirche öffentlich zu präsentieren, sichtbar zu machen, was wir leben und was uns wichtig ist«, erklärt Reifarth. Darum gehe man mit den Veranstaltungen bewusst nach draußen, um gemeinsam zu feiern, zu essen und sich kennenzulernen.

Doch Kirchentage kosten Geld: den Veranstalter, aber auch die Gäste. Ein Drittel der Kalkulation müssen durch Teilnehmerbeiträge gedeckt werden. Das soll aber niemanden abschrecken. »Alles, was im öffentlichen Raum stattfindet, wird keinen Eintritt kosten«, versichert Jürgen Reifarth. Bei Veranstaltungen wie Podiumsdiskus­sionen, Vorträgen oder Konzerten werde aber nach der Tages- oder Dauerkarte gefragt werden.

Andre Poppowitsch (re.) und Johannes Schleußner mit dem Programm für Weimar/Jena

Andre Poppowitsch (re.) und Johannes Schleußner mit dem Programm für Weimar/Jena

Auch in Jena und Weimar geht es jetzt an die Feinplanung. »Unsere Veranstaltungs-App ist seit heute online«, freut sich Andre Poppowitsch, Referent für die Lutherdekade im Kirchenkreis Weimar. »Wir haben für den Doppelstandort Jena-Weimar bis zu 300 Veranstaltungen geplant und sind stolz, den Gästen eine große thematische Bandbreite anbieten zu können.«

Der Blick werde im Reformationsjubiläumsjahr auch bewusst nicht nur in die Vergangenheit gelenkt, sondern ziehe – frei nach dem Faust-Motto »Sag, wie hast du’s mit der Religion?« – auch moderne Gretchenfragen in den Fokus, betont Johannes Schleußner, der Koordinator des Kirchentages in Jena. Auf aktuelle Themen wie Rüstungsindustrie, Rechtsextremismus oder eine alternde Gesellschaft, darauf setzt man in Jena und Weimar.

»Seit einigen Jahren arbeiten Stadt und Kirche, Klassikstiftung und auch die Universitäten intensiv zusammen und haben in der Region bereits ein Bewusstsein für das Reformationsjubiläum schaffen können«, erklärt Poppowitsch. Er glaubt, dass das Programm Menschen unterschiedlichster Zielgruppen anziehen und in seiner Vielfalt nachhaltig sein wird. Und das über 2017 hinaus.

Diana Steinbauer

Mehr als »1 gute Nachricht«

Elbe, Frieden und Medien sind Schwerpunkte beim Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg

Der Magdeburger Superintendent Stephan Hoenen verschickt dieser Tage besonders viel Post. Denn die Gemeinden im Propstsprengel Stendal-Magdeburg bekommen von ihm das Werbematerial für den Kirchentag auf dem Weg vom 25. bis 27. Mai Magdeburg zum Abdruck in ihren Februar-März-Ausgaben der Gemeindebriefe. Wie viele Besucher zu dem Treffen unter dem Motto »Sie haben 1 gute Nachricht« in die Elbestadt kommen werden, kann zum jetzigen Zeitpunkt keiner sagen.

Auf jeden Fall haben Hoenen und der Magdeburger Oberbürgermeister Lutz Trümper Ende Januar die Privatquartierwerbung gestartet. Gästen ein Bett oder eine Couch zur Verfügung zu stellen, sei gute Tradition bei den Kirchentagen, so Hoenen. Die Privatquartiersuche steht unter dem Motto »Ich habe 1 guten Schlafplatz«.

Die Planung und Vorbereitung des Treffens läuft seit Jahren. »Die Zusammenarbeit ist beeindruckend«, sagt Anette Berger, Vorsitzende des 2013 gegründeten Programmausschusses für den Kirchentag auf dem Weg. In ihm sind die Stadt Magdeburg, die den Kirchentag zudem mit 300 000 Euro unterstützt, Kulturschaffende und der Kirchenkreis Magdeburg vertreten – rund 100 Ehrenamtliche, die in zahlreichen Untergruppen arbeiten. Über 400 Veranstaltungen sind geplant. Die Inhalte knüpfen an die Geschichte Magdeburgs an und verknüpfen sie mit der Gegenwart. Im Medienzen­trum in der Festung Mark wird daran erinnert, dass Magdeburg die erste protestantische Großstadt und als »unsers Herrgotts Kanzlei« Medienzentrum der Reformation war. Zudem gibt es Workshops, Podien und Impulse zur Rolle der Medien heute und einen Twittergottesdienst am 26. Mai aus der Wallonerkirche. Diese Kirche und die katholische Petrikirche nebenan bilden zum Kirchentag das Zentrum »Web und Spiritualität«. Im Dom und rund um den Dom ist das Thema »Frieden« angesiedelt – DAS Thema in einer Stadt, die 1631 und 1945 stark zerstört wurde, und das aktueller denn je ist. Hier wird auch Reformationsbotschafterin Margot Käßmann am 26. Mai einen Vortrag halten über das Thema »Nichts ist gut in Afghanistan«.
Kirche-vor-Ort-Logo-06-2017Um die Elbe geht es am 26. Mai beim Thementag »Dialog am Strom«, der an die bisherigen Diskussionen zur Zukunft anknüpft. Abends ist ein Elbefest geplant unter dem Motto »Magdeburg am Fluss der Reformation« – eine Welturaufführung zu eigens komponierter Musik mit spektakulären Licht- und Soundeffekten, Chören und einer Schiffsprozession an und auf der Elbe.

Im Rotehornpark ist das Zentrum Kinder, Familien, Jugend und Sport angesiedelt. Und was wäre ein Kirchentag ohne Musik? Kinderchöre aus dem Kirchenkreis Halberstadt etwa führen das Musical »Martin Luther« auf, der Magdeburger Kantatenchor plant das Mitsingoratorium »Die Schöpfung« und das Musicalprojekt Altmark »Eleazar – der 4. König«. Beethovens 9. Sinfonie erklingt auf der Theaterbühne auf dem Domplatz. Am Sonnabend heißt es ab 17 Uhr im Klosterbergegarten »Kirchentag trifft Ekmagadi«, die Magdeburger Kultursommernacht. Mit dem Reisesegen für ihre Fahrt zum Abschlussgottesdienst am Sonntag in Wittenberg werden die Besucher am Sonnabend entlassen.

Angela Stoye/epd


Unterwegs nach Wittenberg

10. Februar 2017 von redaktionguh  
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In Mitteldeutschland gibt es zeitgleich mit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag die Kirchentage auf dem Weg.

Die Bläser treffen sich in Leipzig. Wer gerne Schiff fährt, kommt nach Magdeburg. Und für Gospelfans sind Halle und Eisleben eine gute Wahl. Bis zu 100000 Menschen werden erwartet, wenn parallel zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg vom 25. bis 28. Mai in den acht Städten Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena und Weimar, Dessau-Roßlau sowie Halle und Eisleben insgesamt sechs Kirchentage auf dem Weg stattfinden sollen. In der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt in Berlin wurde jüngst das rund 2000 Veranstaltungen umfassende Programm dieser Treffen vorgestellt.

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

Herbergssuche anno 2017. Für die sechs Kirchentage auf dem Weg in Magdeburg, Erfurt, Jena/ Weimar, Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben und Leipzig werden noch jede Menge Unterkünfte gesucht. Mehr dazu unter www.r2017.org/betten. Illustration: G+H/Daniel Leyva, r2017/Katharina Gschwendtner, r2017

»Kirchentage auf dem Weg gibt es nur im Jahr des Reformationsjubiläums«, sagte der Abteilungsleiter Marketing des Vereins Reformationsjubiläum 2017, Christof Vetter. Im Unterschied zu dem zeitgleich stattfindenden Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Potsdam böten sie etwas intimere Veranstaltungen, »wer nicht zum großen Kirchentag nach Berlin fährt, weil ihm das zu groß ist, fährt vielleicht nach Mitteldeutschland«.

Dabei werden die Kirchentage auf dem Weg schon von der Teilnehmerzahl her höchst unterschiedlich aussehen: In Halle und Dessau werden von den Veranstaltern jeweils nur 5000 Menschen erwartet. Leipzig dagegen, wo im vergangenen Jahr der Katholikentag stattfand, wird mit 50000 erwarteten Besuchern in die Nähe eines klassischen Kirchentags kommen. Denn dort treffen sich schwerpunktmäßig die Posaunenchöre, proben für den großen Festgottesdienst in Wittenberg und veranstalten am Tag zuvor ein großes Festkonzert auf dem Marktplatz.

In Magdeburg wird das Zentrum Frieden angesiedelt sein, in Jena und Weimar finden sich Samba-, Capoeira- und Folk-Bands aus allen Teilen Deutschlands ein, darunter auch Musiker von Rio Reisers Protestband »Ton, Steine, Scherben«.

Und in Dessau steht wegen des dort ansässigen Umweltbundesamtes die Bewahrung der Schöpfung ganz oben auf dem Kirchentagsprogramm. »Wir streiten und fragen, feiern und singen, beten und schweigen nicht allein in Berlin beim 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag«, sagt Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au.

Man veranstalte Kirchentage auch dort, »wo die reformatorischen Ideen groß wurden, von wo aus sie verbreitet und weitergedacht wurden«. Dabei wolle man auch nicht verkennen, in welchem Umfeld die Veranstaltungen stattfänden: »Nichts, was mit Religion und Glauben zu tun hat, ist in Berlin und Mitteldeutschland selbstverständlich.«

Selbstverständlich bei einem Kirchentag ist dagegen der Auftritt der EKD-Lutherbotschafterin Margot Käßmann. Während sie am Donnerstag auf dem Berliner Kirchentag zu Gast ist, wird sie am Freitag und Samstag der Kirchentagswoche vor allem bei den »Kirchentagen auf dem Weg« präsent sein. »Die Kirchentage auf dem Weg nehmen auf, dass die Region Mitteldeutschland für die Reformationszeit prägend war«, sagt Käßmann. »Sie laden ein, Orte der Reformation kennenzulernen und den Menschen in diesen Orten zu begegnen.« Weil die Veranstaltungen kleiner sind als die des großen Kirchentags in Berlin, sind auch die Eintrittskarten etwas günstiger: Die Dauerkarte in Dessau oder Leipzig kostet 59 Euro, während sie in Berlin mit 99 Euro zu Buche schlägt. Für das gesamte Projekt der Kirchentage auf dem Weg, das wie der Berliner Kirchentag auch in den großen Festgottesdienst in Wittenberg mündet, haben die Veranstalter Kosten von 12,5 Millionen Euro kalkuliert: Zwei Millionen Euro werden dabei von den gastgebenden Kommunen aufgebracht – entweder als Bargeld oder als geldwerter Vorteil. »Die Stadt Dessau hat uns beispielsweise angeboten, dass ihr Bauamt unsere Bühne gleich selbst konstruiert«, sagt der Geschäftsführer des Reformationsjubiläums, Hartwig Bodmann. »So brauchen wir keinen Architekten mehr, und die Bühne ist auch gleich genehmigt.«

Und die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützen die Veranstaltungsreihe mit 4,8 Millionen Euro. Den Rest will der Kirchentag über Teilnehmerbeiträge, Spenden, Sponsoring und die Unterstützung der beteiligten Landeskirchen selbst aufbringen.

Benjamin Lassiwe

Endlich im Rampenlicht

27. Januar 2017 von redaktionguh  
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Frauen haben die Reformation mitgestaltet. Das war lange vergessen. Auch an sie soll über 2017 hinaus erinnert werden.

Die Reformation hat auch Frauen angesprochen und aktiviert. Dass in der Taufe alle zu Priestern berufen sind und alle Menschen einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben, haben auch die Frauen gehört, ernst genommen und mit ihrem Leben und Handeln bezeugt. Leider schätzten die Männer ihrer Zeit und nachfolgender Jahrhunderte dies als zweitrangig oder noch weniger ein. Leider ist unser Wissen über diese Frauen verkümmert. Erst allmählich werden sie wiederentdeckt.

Dabei handelten Frauen so mutig, beharrlich und durchsetzungsstark wie Männer, in mancher Hinsicht mit mehr Klugheit und Besonnenheit als viele Reformatoren oder gar Martin Luther selbst. Mir ist das sehr deutlich geworden, als ich mich mit Anna II. zu Stolberg (1504–1574) beschäftigte – eine in vielerlei Hinsicht beeindruckende und überaus kluge Frau, die mit nicht einmal 13 Jahren Äbtissin im Stift zu Quedlinburg wurde. Als Reichsfürstin hatte sie die Kurwürde und war einzig Papst und Kaiser zu Gehorsam verpflichtet.

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Frauen der Reformation: Unser Titelbild greift zurück auf das Tafelgemälde, das die Malerin Mariana Lepadus im Rahmen des Projektes »Frauen der Reformation in der Region« geschaffen hat, und das 12 Frauen der Reformationszeit an einem Abendmahlstisch versammelt darstellt. Illustration: Mariana Lepadus/www.frauenarbeit-ekm.de

Sehr wahrscheinlich sympathisierte sie schon lange mit dem neuen Glauben, wartete aber bis 1539 mit der Einführung der Reformation in Quedlinburg. Sie wollte ihrem katholisch gesinnten Schutzherrn Georg von Sachsen keinen Vorwand geben, sie zu entmachten.

Ihr musste klar gewesen sein, dass er nur darauf wartete. Und auch sein Nachfolger hoffte, Macht und Reichtum des Stifts an sich zu ziehen. So schritt Anna erst nach dem Tod des katholischen Schutzherrn zur Tat, und damit zugleich seinem nachfolgenden evangelischen zuvorkommend.

Die Stadt Quedlinburg verdankt ihr eine neue Kirchenordnung sowie ein völlig neu geordnetes Schul- und Finanzwesen. Sie berief den ersten Superintendenten und führte die Visitation ein. Das Besondere an ihr: Sie wartete den richtigen Zeitpunkt ab. So bewahrte sie – denn Äbtissin blieb sie weiterhin – eine erstaunliche Kontinuität trotz radikaler Umbrüche.

Anna II. zu Stolberg erreichte mit Mut und Klugheit sehr viel.

Für mich ist sie ein ermutigendes Beispiel dafür, auch heute mit Entschiedenheit und Geduld wichtige Veränderungen anzugehen und dabei den langen Atem nicht zu verlieren, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Und dabei im Blick zu haben: Es gibt auch heute so manche wohlmeinende »Schutzherren«, die hinter ihrem Beschützen-Wollen manche Machtbedürfnisse, wenn nicht gar -gelüste, ausleben wollen.

Am Beispiel Annas und der Biografien anderer Frauen habe ich die Reformationszeit besser kennengelernt: Wie komplex dieser Transformationsprozess war, der Kirche und Gesellschaft quer durch alle Schichten erfasste. Wie viele Menschen daran mitwirkten unter ihren jeweiligen, ganz speziellen Bedingungen.

Und ich habe gelernt, was der besondere Beitrag von Frauen war – ob als Fürstin mit großen Entscheidungsbefugnissen, als Verfasserin geistlicher Lieder, als Äbtissin mit geistlichen und weltlichen Leitungsaufgaben oder als Frau eines Reformators, die das Anliegen ihres Mannes nach Kräften unterstützte.

Der Blick zurück schärft den Blick für die Gegenwart, auf die »Frauenfrage« in der Kirche: Wie wirken Frauen heute in den Kirchen? Welche Veränderungen bewirken sie? Wo gehen ihre Worte ins Leere? Wo begegnen sie männlichem Reviergehabe? Was machen sie anders als Männer? Was können gerade sie besonders gut? Inwiefern leiten und führen Frauen anders? Wie veränderten und verändern sich Pfarramt und Gemeindeleben durch Pfarrerinnen, Kantorinnen und Gemeindepädagoginnen?

Mit der 2012 eröffneten Wanderausstellung »Frauen der Reformation in der Region« hat die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland die Beschäftigung mit Zeuginnen der Reformation angestoßen – weg von Idealgeschichten und nur einer Heldenfigur. Sie hat die bisherige Schattengeschichte der Frauen der Reformationszeit ins Licht der Aufmerksamkeit geholt. Dieser Prozess, hoffe ich, ist mit dem 500. Jubiläumsjahr der Reformation noch lange nicht beendet.

Landesbischöfin Ilse Junkermann

»Gedächtnis der Reformation«

16. Januar 2017 von redaktionguh  
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15 Thesen: Oberbürgermeister meldet Anspruch Gothas an, Lutherstadt zu sein

Gotha hat sich zum »Gedächtnis der Reformation« erklärt. Mit 15 Thesen unterstreicht Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) diesen Anspruch. Dabei reicht das Spektrum der von ihm angeführten Ereignisse aus vorreformatorischen Zeiten über unmittelbare Aktivitäten Martin Luthers bis hin zu dessen Wunsch, in der Stadt zu sterben und dort begraben zu sein.

Der Kreuzgang des Augustinerklosters in der »göttlichen Stadt«. Hier hatte der Reformator seine erste Leitungsstelle. Foto: Augustinerkloster Gotha

Der Kreuzgang des Augustinerklosters in der »göttlichen Stadt«. Hier hatte der Reformator seine erste Leitungsstelle. Foto: Augustinerkloster Gotha

Zudem veröffentlichte die Stadt eine Liste mit 17 Gedächtnisorten der Reformation. Darin sind unter anderem die Cranach-Bilder auf Schloss Friedenstein, der größte Flügelaltar der Zeit sowie die erste barocke protestantische Schlosskirche angeführt. Mit Stolz wird zudem auf die Sammlungen der Universitäts- und Forschungsbibliothek Gotha verwiesen. Hier befinden sich neben 1 100 Briefen Luthers auch 280 Handschriften mit mehr als 15 800 Einzeldokumenten sowie 700 Flugblätter der Reformation.

Gotha brauche den Vergleich mit anderen Luther-Städten wie dem Geburts- und Sterbeort Eisleben, seiner Universitätsstadt Erfurt oder Wittenberg mit dem legendären Thesenanschlag nicht scheuen. »Bereits vor 300 Jahren entwickelte sich die Stadt zum frühen Zentrum der Reformationsforschung. Um es kurz zu sagen – Gotha ist das Gedächtnis der Reformation«, erklärte der Oberbürgermeister.

Gothaer Thesen zu Luther:

1. Martin Luther war mehrfach in Gotha. Mindestens sieben Aufenthalte Luthers in Gotha sind belegt. Luther predigte, wohnte und arbeitete in Gotha.

2. Bereits vor Luthers erstem Besuch gab es reformatorische Ansätze in Gotha. In Gotha lebte von 1504 bis 1526 der große Humanist Mutianus Rufus, den man als die bedeutendste Geistesgröße der Hochrenaissance schätzt und der in Gotha einen Gelehrtenkreis versammelte. Er war ein erster massiver Kritiker der katholischen Kirche.

3. Martin Luthers erster Aufenthalt in Gotha hatte besondere Bedeutung. Die Gothaer Augustinereremiten wählten Luther am 29. April 1515 zu ihrem Distriktvikar, sozusagen zum Vorgesetzten. Es war Luthers erste Leitungsstelle, der Beginn seiner Karriere.

4. Luther hielt in Gotha eine wortgewaltige Predigt. Wie eine Sage berichtet, hat Luther am 8. April 1521 in der Augustinerkirche so heftig gepredigt, dass sich die Steine aus dem Mauerwerk lösten und zu Boden polterten.

5. Gotha war schon frühzeitig eine Stadt der Reformation. Schon 1522 predigte Johann Langenhan an der Margarethenkirche Luthers Wort, er war einer der ersten evangelischen Pfarrer auf deutschem Boden.

6. Gotha hat das älteste reformatorische Gymnasium Deutschlands. Im Dezember 1524 gründete Martin Luthers Freund Friedrich Myconius aus einer alten Lateinschule das erste frühneuzeitliche akademische Gymnasium.

7. Luther berief in Gotha den ersten Superintendenten Deutschlands. Im Jahr 1529, vielleicht auch schon drei Jahre früher, hat Luther seinen Vertrauten Friedrich Myconius, der seit 1524 in Gotha als Pfarrer wirkte und im Gothaer Pfaffensturm viel Blutvergießen verhinderte, zum ersten Superintendenten berufen.

8. Eine Gothaerin war Trauzeugin Martin Luthers. Die Ehefrau des Malers Lucas Cranach und Tochter eines Gothaer Ratsherren, Barbara Cranach geb. Brengebier, und ihr Mann waren am 13. Juni 1525 Trauzeugen der Hochzeit von Martin Luther und Katharina von Bora.

9. Gotha steht mit einem Ereignis zur Verteidigung der Reformation in Verbindung. Am 27. Februar 1526 verhandelten auf der Burg Grimmenstein Landgraf Phillip von Hessen (1504 bis 1567) und Kurfürst Johann von Sachsen (1468–1532) den »Gotha-Torgauer Bund«, das erste Waffenbündnis zum Schutz der Reformation.

10. Ein Gothaer brachte der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf den evangelischen Glauben. Im Jahr 1527 hielt Friedrich Myconius seine erste Predigt und diskutierte mit einem Kölner Franziskanermönch, den er im Streitgespräch bezwang.

11. In Gotha wurde die erste Mädchenschule der Reformation gegründet. Die 1522 eröffnete deutsche Schreibschule an der Margarethenkirche wurde im Jahr 1534 zu einer Mädchenschule umgewandelt und eine Frau wurde als Lehrerin angestellt. Es ist die erste Mädchenschule der Reformation.

12. In Gotha befindet sich die älteste Beschreibung der Reformation aus Luthers Zeit. Der Historiker Daniel Gerth hat diese Beschreibung im Jahr 2016 im Thüringischen Staatsarchiv Gotha entdeckt. Sie stammt aus dem Jahr 1535.

13. Luther wollte in Gotha sterben. Am 27. Februar 1537 diktierte Martin Luther auf dem Sterbebett zu Gotha sein erstes Testament, er wollte in Gotha begraben werden. Der Gothaer Bürgermeister Johann Oßwald ließ ihn Wasser trinken, bis er wieder gesundete.

14. Luther erwähnte Gotha als »göttliche Stadt«. In einem Brief an Friedrich Myconius vom 27. Juli 1537 schrieb Luther über Gotha als »civitas divina«. Gotha war für ihn die »göttliche Stadt«.

15. In Gotha gibt es ein originales Bauwerk aus Luthers Zeit. Das Haus »Zu den zwei Helmen« am Hauptmarkt 15 ist zwei Jahre vor Luthers Tod (1544) gebaut worden und bis zum heutigen Tag als Wohn- und Geschäftshaus erhalten. Die Augustinerkirche ist nur in ihren Grundmauern und in Einzelbauteilen aus der Lutherzeit erhalten.
(epd)


Gesungene Reformation

13. Januar 2017 von redaktionguh  
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Die Palette der kirchen-musikalischen Höhepunkte im Reformationsjahr 2017 reicht von Luthers eigenem Liedschaffen über große Oratorien bis hin zu Musicals.

Die Reformation war von Anfang an eine Singbewegung, vor allem Luthers Lieder wurden zum Markenzeichen der evangelischen Kirche. Für ihn war die Musik »eine der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes«. 1524 schuf er zusammen mit dem »Ur-Kantor« der evangelischen Kirchenmusik, dem in Kahla geborenen und in Torgau wirkenden Johann Walter, ein vierstimmiges Chorgesangbuch, dem bald eine Ausgabe für die Gemeinden folgte. Von den 40 Liedern, die Luther verfasste, stehen heute noch 31 im Evangelischen Gesangbuch. Sie sind von zahlreichen Komponisten immer wieder neu bearbeitet worden. Dies nahmen die Kantoren des Kirchenkreises Eisenberg zum Anlass, eine Konzertreihe zu konzipieren, in der – passend zum kirchlichen Festkalender – »sein gesamtes Liedschaffen an zwölf Konzertorten gewürdigt wird«, ist von Kantor Philipp Popp zu erfahren. Luthers nachweihnachtliche Lieder eröffnen den Reigen in Hermsdorf (22. Januar).

Posaunenklänge, das Pop-Oratorium »Luther« oder Chormusik: Kirchenmusikalische Höhepunkte im Reformationsjahr in Mitteldeutschland. Grafik: G+H; Fotos: Harald Krille, Creative Kirche Witten, Ute Nicklisch

Posaunenklänge, das Pop-Oratorium »Luther« oder Chormusik: Kirchenmusikalische Höhepunkte im Reformationsjahr in Mitteldeutschland. Grafik: G+H; Fotos: Harald Krille, Creative Kirche Witten, Ute Nicklisch

In der Georgenkirche in Eisenach kreuzten sich die Lebenswege von Martin Luther und Johann Sebastian Bach, die hier im Abstand von 200 Jahren in der Kurrende gesungen haben. In der Taufkirche des Komponisten wird es über einhundert musikalische Angebote geben. Zu den Höhepunkten gehören die Auftritte von drei bedeutenden Knabenchören: der Tölzer Knabenchor gastiert mit Bachs »Matthäus-Passion« (14. April, 15 Uhr), die Kruzianer aus Dresden auf einem »Musikfest für Martin Luther« (28. April, 19.30 Uhr) und die Thomaner aus Leipzig zu den »Telemann-Tagen« (20. Juni, 19.30 Uhr).

In Magdeburg wird dazu eingeladen, innerhalb des »Kirchentages auf dem Weg« am 26. Mai an den Proben in der Johanniskirche teilzunehmen (ab 9.30 Uhr) und bei der Aufführung von Joseph Haydns »Schöpfung« bei der Aufführung des Oratoriums (16 Uhr) mitzusingen. Das gleiche Werk studiert ein Projektchor zur Thüringer Landesgartenschau in Apolda ein (24. Juni, 17 Uhr, Lutherkirche).

Auffallend ist, dass neben den alljährlichen »Highlights« gleich mehrere der großen Oratorien von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt werden: »Lobgesang« in Aschersleben (24. September, 17 Uhr, St.-Stephani-Kirche) und Saalfeld (1. Oktober, 17 Uhr, Johanneskirche), »Elias« in Rudolstadt (13. Mai, 19 Uhr, Stadtkirche) sowie »Paulus« in Merseburg (17. September, 18 Uhr, Dom) und Dessau (31. Oktober, 17 Uhr, Johanniskirche).

Groß ist die Zahl an Wiederentdeckungen. Dazu gehört das Oratorium »Abbadona« von August Mühling (1786 bis 1847), der ab 1843 Domorganist in Magdeburg war, das die Hochschule für Kirchenmusik in Halle präsentiert (29. Mai, 19.30 Uhr, Pauluskirche). Das Oratorium »König David« von Carl Gottlieb Reißiger (1798–1859), der als Nachfolger Carl Maria von Webers als Hofkapellmeister in Dresden wirkte, wird in der St. Jacobikirche Köthen vom dortigen Bachchor dargeboten (5. Juni, 17 Uhr). Das Oratorium »Luther in Worms« von Ludwig Meinardus (1827–1896), für dessen Aufführung sich Franz Liszt einsetzte und das 1883 dem Komponisten zu internationaler Berühmtheit verhalf, wird in Weimar der Vergessenheit entrissen (11. November, 19.30 Uhr, Stadtkirche).

Die Gattung »Musical« erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dabei gibt es für die eigenen Bedürfnisse selbst geschaffene Stücke ebenso wie überregional vertriebene Kompositionen. Zu einem Zentrum entwickelt sich dabei Rudolstadt, wo gerade das Musical »Fröbel und Luther« von Katja Bettenhausen erarbeitet wird (18. Juni, 14 Uhr, Stadtkirche). »Jona – erst verschluckt, dann ausgespuckt« von Michael Pen­kuhn-Wasserthal wird von der Paulus-Singschule Magdeburg einstudiert (8. Mai, 17 Uhr, Pauluskirche). Das Leben des Reformators steht im Mittelpunkt eines Musicals von Gerd-Peter Münden, das in Weimar (27. Mai, 16.30 Uhr, Stadtkirche), Apolda (9. September, 16 Uhr, Lutherkirche) und Meiningen (17. September, 17 Uhr, Stadtkirche) zu erleben ist.

Michael von Hintzenstern

Luther-Dekade trifft Dada-Dekade

9. Januar 2017 von redaktionguh  
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Sie ist in gewisser Weise ein ironischer Kommentar zur Luther-Dekade, die seit 2008 mit Themenjahren das 500. Reformationsjubiläum vorbereitet: die Weimarer Dada-Dekade 2012–2022.

Auch hier gibt es einen historischen Anknüpfungspunkt: den »Internationalen Kongress der Dadaisten und Konstruktivisten«, der vom 25. bis 27. September 1922 in Weimar und Jena veranstaltet wurde. Weil dieses einzigartige Treffen damals in der Klassikerstadt keine Beachtung fand, soll durch die Proklamation der Dekade sein 100. Jahrestag ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Zu den weit gereisten Teilnehmern gehörten aus dem Westen der dadaistische Freundeskreis um Hans Arp, Kurt Schwitters und Tristan Tzara und aus dem Osten die Suprematisten und Konstruktivisten um El Lissitzky und László Moholy-Nagy. Die Organisation lag in den Händen des Holländers Theo van Doesburg (1883–1931), der 1921 und 1922 Kurse im Umfeld des Weimarer Bauhauses hielt, zu den Mitbegründern der abstrakten Malerei gehörte und sich zeitweilig dem Dadaismus anschloss. Er schrieb unter dem Namen I. K. Bonset dadaistische Gedichte und veröffentlichte diese in seiner Zeitschrift »Mecano«.

Die Wärmflaschen-Ente von Reinhard von Gigantikow ist im Lügenmuseum Radebeul ausgestellt. Foto: Amac Garbe

Die Wärmflaschen-Ente von Reinhard von Gigantikow ist im Lügenmuseum Radebeul ausgestellt. Foto: Amac Garbe

Mit der »Dada-Dekade 2012–2022« geht es den Veranstaltern – der Galerie Markt 21 und dem Verein »Klang Projekte Weimar« – nicht um kollektive Denkmalpflege, sondern um eine Mobilisierung der schöpferischen Kräfte, die heute in der »freien Szene« existieren. Bei der Vorbereitung des 100. Kongress-Jubiläums setzen sie deshalb auch auf Themenjahre, die historische und lokale Querverbindungen herstellen, wie z. B. »Jena – Japan – Jenseits« (2013) oder »Hoch – Höher – HÖCH. Dada mit HANNAH aus Gotha« (2014), wobei die vor 125 Jahren in Gotha geborene erste Dadaistin und Wegbereiterin von Collage und Fotomontage im Mittelpunkt stand. Während 2015 unter dem Motto »Grachten – Kräche – Kreationen« ein 1923 durchgeführter »Dada-Feldzug« in die Niederlande mit einer Wohnwagen-Tour nach Amsterdam nachgestellt wurde, war es 2016 der 100. Geburtstag von Dada, der unter der Überschrift »Zürich – Züklon – Züankaly« auch am Gründungsort, dem »Cabaret Voltaire«, in der Schweizer Metropole begangen wurde.

Unter dem Titel »Reformation, Revolution, Reklamation« treffen in diesem Jahr beide Dekaden aufeinander. Dabei stehen jene geschichtlichen Ereignisse im Mittelpunkt, die vor 500 bzw. 100 Jahren für Furore sorgten: Luthers Thesenanschlag und die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Darüber hinaus reagieren die Initiatoren auf brisante gesellschaftspolitische Entwicklungen. Die Performance »Neujahrsempfang« zur Eröffnung des sechsten Themenjahres wird deshalb mit einer Ausstellung des »Ideenmillionärs« Richard von Gigantikow verknüpft, den »Die Zeit« als »letzten Dadaisten des wilden Ostens« bezeichnete.

Der gebürtige Erfurter, der bereits in den 1980er-Jahren mit spektakulären Kunst-Aktionen in der Ostberliner Szene am Prenzlauer Berg gegen die offizielle Kulturpolitik auftrat, ist bis heute unbequem geblieben. So intervenierte er im Juni 2016 mit der »WuKaMenta« vor der Frauenkirche in Dresden und lud 33 internationale Künstler ein. Die Idee einer Ausstellung von »Wunderkammern zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum« wird in diesem Jahr fortgesetzt und der Frage nachgehen: »Anders leben, aber wie?« Außerdem sind »Montags-Messen« auf dem Neumarkt geplant.

Richard von Gigantikows »Lügenmuseum«, seit 2012 in Radebeul beheimatet, zeigt »Reliquien einer traumatisch eingestürzten Inneneinrichtung namens DDR«. Aus seinem reichen Fundus sind in Weimar unter dem Titel »RiRaRutsch« Collagen, Installationen, Licht- und Klanginszenierungen zu sehen, wie z. B. »Die Kathedrale des Sozialismus«. Sie zeigt die Lüge der im rosa Licht erscheinenden Geschichte. »Nicht für jeden war die DDR ein Gefangenenlager mit Wachtürmen und Stacheldraht. Für viele Verweigerer, Bürgerrechtler und Künstler schon«, betont der Ausstellungsmacher. Ihre Wut und ihr erlebtes Unrecht hätten sie deshalb mit ihren Kunstwerken zum Ausdruck gebracht. »Dada ist antikünstlerische Geste, raumfüllende Ausstellungsästhetik und aufwühlende Geisteshaltung mit Biss, die in der Weimarer Galerie den befruchtenden Rahmen findet«, ist der Künstler überzeugt.

Michael von Hintzenstern

Der Autor ist Initiator der Dada-Dekade 2012–2022

13. Januar bis 22. Februar, Galerie Markt 21, Weimar, täglich 18 bis 24 Uhr, Eintritt frei; Eröffnung: Freitag, 13. 1., 21 Uhr, mit Uraufführung eines neuen Werkes durch den »Absurden Chor Weimar«

www.dadamenta.eu

Christusfest feiern wir gerne mit

11. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Der katholische Bischof Gerhard Feige zur Ökumene vor 2017

Der Lutherchoral »Ein feste Burg« eröffnete am 30. September in der Jakobskirche in Köthen einen besonderen Vortragsabend. Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige war auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Köthen zu einem Vortrag in die Bachstadt gekommen. Kirchenmusikdirektorin Martina Apitz hatte bewusst die von dem Katholiken Max Reger komponierte Choralfantasie aus dem Jahr 1898 ausgewählt. Ökumene in Gestalt von Musik zu einer Zeit, als diese weltweite Bewegung zur Einigung und Zusammenarbeit der Christen langsam zu wachsen begann.

»Es verbindet uns mehr als uns trennt«

In seiner Einführung ging der frühere Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter, der Bischof Feige im Namen der Köthener ACK eingeladen hatte, auf das im September in München vorgestellte Gemeinsame Wort von evangelischer und katholischer Kirche vor den Feiern zum 500. Reformationsjubiläum 2017 ein. Es trägt den Titel »Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen«*. Erstmals werde ein Reformationsjubiläum in ökumenischer Gemeinschaft begangen, heißt es darin. »Es ist wichtig, dass wir über das Einende und über das Trennende sprechen können«, so Lauter, und fügte mit Blick auf diverse Erinnerungen aus seiner Kindheit an: »Ich bin Gott dankbar für diesen Weg.«

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige (re.) im Gespräch mit dem früheren Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter, der die ACK Köthen mit begründet hatte. Foto: Heiko Rebsch

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige (re.) im Gespräch mit dem früheren Köthener Kreisoberpfarrer Dietrich Lauter, der die ACK Köthen mit begründet hatte. Foto: Heiko Rebsch

Um Zusammenarbeit, Freundschaft und Dialog – auch über das Trennende hinweg – ging es im Vortrag von Bischof Feige, der Mitglied des Ökumenisch-Theologischen Arbeitskreises in Ostdeutschland und seit dem Jahr 2012 Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Er stellte fest, dass es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–65) zwar enorme Fortschritte, aber auch Ermüdungserscheinungen und Rückschläge gegeben habe. Aber: »Es verbindet uns mehr als uns trennt«, so der Bischof, der seit 2014 auch Mitglied des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ist. In Deutschland sei die ökumenische Lage besser als anderswo, sagte er mit Blick auf orthodoxe und freikirchliche Christen. Von »ökumenischer Eiszeit« könne keine Rede sein, auch wenn nicht alles bestens sei. Im Neuen Testament werde an mehreren Stellen darauf verwiesen, dass das Bemühen um Einheit den Christen ein Herzensanliegen sein solle. Die Christen der verschiedenen Konfessionen sollten sich jeweils von den Stärken der anderen anregen lassen und den Austausch der Gaben pflegen.

Ökumene wird für Bischof Feige konkret, indem Christen erstens ihren Glauben bezeugen, zweitens den theologischen Dialog suchen (»In der Vergangenheit ist man im Eifer um den wahren Glauben auseinander gegangen, nicht wegen Bagatellen.«) und drittens tun, was eint. Vor allem das Erste – beten, nachdenken, den Glauben bezeugen – sei keine betuliche Angelegenheit. Denn Umkehr und Erneuerung betreffe alle Christen. Er plädierte für »reinigende Veränderung statt Selbstzufriedenheit«. Das gemeinsame Tun, die »Ökumene des Lebens«, erwachse aus gemeinsamer Lebenserfahrung. Feige erinnerte an die Erfahrungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, aus Diktaturen und der ostdeutschen Diaspora und an die vielen Impulse, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausgingen. »Ökumene ist in Sachsen-Anhalt kein Fremdwort«, sagte er mit Blick auf Erfahrungen aus vier Jahrzehnten DDR, in Erinnerung an den ökumenischen Kirchentag 1996 in Eisleben zu Martin Luthers 450. Todestag oder an das Engagement der Kirchen in bestimmten gesellschaftlichen Fragen. Der katholische Bischof bedauerte die »extreme Entkirchlichung« in Sachsen-Anhalt. Umso wichtiger sei es, dass Christen gemeinsam unterwegs seien.

»Ökumene ist in Sachsen-Anhalt kein Fremdwort«

Gerhard Feige verschwieg in seinem Vortrag nicht seine Bedenken und seine gemischten Gefühle, die er zur Eröffnung der Lutherdekade im Jahr 2008 hatte. »Wird es eine Jubel- und Profilierungsfeier des Protestantismus mit antikatholischen Spitzen?«, hatte er in einem Beitrag für die Kirchenzeitung gefragt (Nr. 38 vom 21. September 2008). »Dazu reichte schon, die Reformation als ›Morgenröte der Moderne‹ oder ›Geburtsstunde der Freiheit‹ hinzustellen. Das wäre nicht nur historisch fragwürdig, sondern auch kaum an den Kriterien des Evangeliums orientiert. ›Katholisch‹ zu sein hätte dann das Image von ›unzeitgemäß‹ und ›hinter der Aufklärung zurückgeblieben‹.« Für ihn sei es eine spannende Frage, ob sich evangelische und katholische Christen nach der Dekade und dem Jubiläum näher oder ferner seien.

Seitdem, so Gerhard Feige am Freitag vergangener Woche in Köthen, sei enorm viel passiert. Es habe einen ökumenischen Lernprozess mit »vielen positiven Früchten« gegeben. »Um 2017 gemeinsam feiern zu können, müssen wir an die Quellen zurückgehen«, schloss er seinen Vortrag. Er erinnerte daran, dass der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Juni dieses Jahres mit Blick auf das bevorstehende 500. Reformationsjubiläum von einem »Christusfest« gesprochen habe*. »Auf dieser Basis feiern wir Katholiken gerne mit.«

Angela Stoye

Ausführliche Informationen zu den mit * gekennzeichneten Stellen unter www.ekd.de/International/Ökumenische Zusammenschlüsse/Pressemitteilungen

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