Fachmann für Beschaffung und Projektplanung

5. November 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Fundraising: Andreas Janßen berät Gemeinden und weiß, dass es um mehr als um Geld geht

Bekannt ist Andreas Janßen als Beauftragter für Kirche, Kultur und Tourismus in der Landeskirche Anhalts. Zudem war er bis Ende 2017 für das Reformationsjubiläum zuständig. Seit einem halben Jahr ist er in einer halben Stelle Fundraiser der Landeskirche Anhalts.

Schon wieder eine neue Mode?
Janßen:
So neu ist die gar nicht, und es ist eben keine »Mode«, die wir da aus dem englischsprachigen Raum übernommen haben. Seit den 1990er Jahren etabliert sich Fundraising in Deutschland und wird inzwischen von vielen Vereinen, gemeinnützigen Organisationen und auch den Kirchen angewendet. Denn nicht alles, was wir als Kirche gerne tun möchten, können wir aus unserem Haushalt und verschiedenen öffentlichen Zuwendungen finanzieren.

Was haben Sie zu tun? Klingt wie das Stopfen von Haushaltslöchern?
Janßen:
Das ist eine völlig falsche Vorstellung. Es geht eben nicht darum, Geld für den Etat der Landeskirche einzuwerben. Sondern es geht darum, Gemeinden und Kirchenkreise dabei zu unterstützen, konkrete Projekte zu verwirklichen. Es geht um mehr als um reine Geldbeschaffung. Es geht auch um das Einwerben von Sach- oder Dienstleitungen sowie um Beratung und Öffentlichkeitsarbeit.

Wie darf ich das verstehen?
Janßen:
Meine Aufgabe beginnt schon mit der Planung eines bestimmten Projektes und der Strategie der Mittelbeschaffung. Idealerweise soll es so sein, dass ich von Anfang an mit am Tisch sitze und berate. Zurzeit bin ich mit zwei Projekten befasst: dem Wiederaufbau einer alten Orgel und E-Learning in der Schule.

Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgabe vorbereitet?
Janßen:
Ich habe im vorigen Jahr ein berufsbegleitendes Studium zum Kulturmanager und Fundraiser abgeschlossen. Meine Erfahrungen aus meiner Tätigkeit im Tourismus – etwa für das Anhalt-800-Jubiläum 2012 – und für das 500. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag sowie mein über die Jahre aufgebautes Netzwerk helfen mir auch jetzt. Ich kenne die Landeskirche sehr gut und musste mich nicht erst in Strukturen einarbeiten, wie es jemand hätte tun müssen, der von außen gekommen wäre.

Andreas Janßen. Foto: Landeskirche Anhalts

Andreas Janßen. Foto: Landeskirche Anhalts

Außerdem unterstützen mich meine Kollegen in anderen Landeskirchen: Dirk Buchmann aus der mitteldeutschen Landeskirche, Dorothee Ehlig aus Sachsen sowie Andreas Hesse von der Diakonie Mitteldeutschland. Grundsätzlich sind die Fundraiser in Deutschland sehr gut vernetzt, und in diese Netzwerke habe ich mich eingearbeitet.

Das klingt alles gut, aber wo liegen die Probleme?
Janßen:
Die Region Anhalt ist im bundesweiten Vergleich finanziell und wirtschaftlich nicht so stark wie andere Regionen. Deshalb ist einer meiner Schwerpunkte das Einwerben öffentlicher Fördermittel. Und da übernehme ich die aufwändige Antragstellung.

Grundsätzlich ist die jahrzehntelange Erfahrung der Fundraiser, dass Geldgeber lieber in Menschen investieren als in Steine. Daher sage ich ehrlich, dass ich keine Wunder wirken kann und dass die Verwirklichung mancher Pläne auch mit Hilfe eines Fundraisers lange dauern kann.

Eine kurze Bilanz …
Janßen:
Die neue Aufgabe macht mir Spaß. Die Ausbildung und der Weg, den ich eingeschlagen habe, haben sich gelohnt. Und ich hoffe, dass ich trotz der oben genannten Probleme vielen Gemeinden in Anhalt helfen kann.

Die Fragen stellte Angela Stoye.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Herbststimmung im Luthergarten

26. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Foto: epd-bild

Foto: epd-bild

Bis zum Reformationsjubiläum 2017 sollten 500 Bäume auf dem ovalen Gelände hinter der Wittenberger Schlosskirche wachsen, in dessen Mitte eine stilisierte Lutherrose mit Kreuz angelegt ist. Das »Himmelskreuz« ist ein Kunstwerk aus zwei übereinander schwebenden Kreuzen. Am Reformationstag 2018 soll nun der letzte Baum für das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) gepflanzt werden.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Ein Weg, der sich lohnt

15. Oktober 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Jubiläum: Pilgerroute auf den Spuren Luthers in Sachsen-Anhalt besteht seit zehn Jahren

Als sich der Landwirt Wolf von Bila aus Wohlsdorf bei Köthen am 25. August 2006 mit einer Idee an die Landeskirche Anhalts wandte, war nicht abzusehen, was daraus werden würde. Sein Vorschlag lautete, die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg durch einen Pilgerweg zu verbinden. Einen Monat später gab es das erste Planungstreffen in seinem Haus. Vertreter von Kirchen, Kommunen und Tourismusverbänden ließen sich von der Idee anstecken. Zwei Jahre später wurde der Lutherweg durch Sachsen-Anhalt eingeweiht. Er war der erste auf den Spuren des Reformators überhaupt. Heute ist er ein Wegenetz, das sich durch sechs Bundesländer zieht.

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Ehrung: Bei der Jubiläumsfeier in Kemberg wurden Gert Scholz (Schköna), Gabriele und Rudolf Kunze (Pratau) sowie Dieter Schröter für ihr ehrenamtliches Engagement bei der Pflege des Lutherweges ausgezeichnet. Links im Bild Ministerpräsident Reiner Haseloff, rechts der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Ekkehard Steinhäuser. Foto: Johannes Killyen

Zum zehnjährigen Bestehen des Lutherweges Sachsen-Anhalt würdigte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ihn als touristisches und spirituelles Projekt. »Die Idee, Luthers zahlreiche Wege nachzuzeichnen und Pilger ebenso wie Wanderer zu bedeutenden Orten der Reformation in Sachsen-Anhalt zu führen, ist aufgegangen«, sagte er einem Festakt am 4. Oktober in Kemberg bei Wittenberg. »Ich bin froh, dass der Lutherweg auch nach dem Reformationsjubiläum 2017 weiter besteht und bestehen wird. Vor diesem Hintergrund ist das zehnjährige Jubiläum ein wichtiger Zwischenschritt«, so Haseloff, der auch Schirmherr des Lutherweges in Sachsen-Anhalt ist.

Der Lutherweg Sachsen-Anhalt war am 28. März 2008 in Höhnstedt nahe der Lutherstadt Eisleben von Vertretern aus Kirche, Tourismus, Politik und von Verbänden eingeweiht worden. Er verbindet im Sinne seines Erfinders auf dem Rundkurs die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg. Im Norden verläuft er durch Anhalt, im Süden durch Halle an der Saale. 2017 wurde eine zusätzliche Strecke von Zerbst nach Magdeburg aufgenommen.

Hinter Eisleben führt der Weg, der insgesamt rund 460 Kilometer lang ist, nach Mansfeld-Lutherstadt und weiter in Richtung Thüringen. Nach und nach kamen weitere Lutherwege in Thüringen, Sachsen, Bayern, Hessen und zuletzt in Brandenburg dazu. Als Dachorganisation sichert die Deutsche Lutherweg-Gesellschaft die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Lutherwegen. Zugleich ist sie Trägerin der Koordinationsstelle für den Lutherweg Sachsen-Anhalt, die von Grit Gröbel geleitet wird.

Bei der Jubiläumsfeier erinnerte der Präsident der Lutherweg-Gesellschaft, Pfarrer Ekkehard Steinhäuser, an einige Initiatoren des Lutherweges: an den oben genannten, 2012 verstorbenen Wolf von Bila oder den katholischen Pfarrer Willi Kraning. In einem Referat wies Steinhäuser darauf hin, dass Luther das Pilgern mit dem Ziel, dadurch Gottes Gnade zu erreichen, abgelehnt habe. Zugleich gebe es heute aber zahlreiche Gründe für ein »evangelisches Pilgern«, etwa das Erlebnis des gemeinschaftlichen Christseins. »Außerdem kann man beim Pilgern seinen Problemen nicht weglaufen, man ist sich selbst näher und kann auch Gott besser zuhören.«

Steinhäuser würdigte in einem Gespräch mit der Kirchenzeitung auch die Arbeit der ehrenamtlichen Weg-Pfleger, von denen bei der Feier in Kemberg einige ausgezeichnet wurden. Für die Zukunft des Weges wünscht er, dass es immer wieder und immer mehr Menschen gibt, die nach dem Pilgern mit dem Gefühl innerer Zufriedenheit nach Hause zurückkehren und sagen: Ja, das Pilgern tut gut.

(G+H)

www.lutherweg.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Christusfest mit Auftrag

25. Mai 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Was bleibt vom Reformationsjubiläum? An erster Stelle ein Satz der Bibel. Einer, der schon vor 2017 da war und der auch zukünftig bleiben und gelten wird: »Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.«

Was bleibt noch? Es bleibt eine revidierte Übersetzung der Lutherbibel. In unserer säkular geprägten Gesellschaft haben Menschen sie gekauft und so die Heilige Schrift zu sich nach Hause geholt. Sollte es Wichtigeres geben als das? Und weil wir gerade bei Büchern sind: Neue historische Bücher machten deutlich, dass wir es im Blick auf die Reformation mit einer vielfältigen reformatorischen Bewegung zu tun haben. Dass Martin Luthers Welt eine uns heute fremde Welt ist. Dass wir Erkenntnisse der Reformation deshalb für heute neu verstehen müssen. Und dass wir manches, was Martin Luther vertreten hat, heute klar zurückweisen müssen. Wie seinen Antijudaismus. Der historische Blick auf die Reformation hat heilsamen Abstand hergestellt, neues Verstehen und neue Fragen geweckt, das eigene Denken herausgefordert. Und das schadet ja nie.

Vor einem Jahr: Die Kirchentage auf dem Weg und die Abschlussveranstaltung auf den Elbwiesen bei Wittenberg. Der begehbare Bibelturm (Foto) am Bahnhof der Lutherstadt war weithin sichtbar. Wie so vieles andere ist er längst wieder abgebaut. Foto: epd-bild

Vor einem Jahr: Die Kirchentage auf dem Weg und die Abschlussveranstaltung auf den Elbwiesen bei Wittenberg. Der begehbare Bibelturm (Foto) am Bahnhof der Lutherstadt war weithin sichtbar. Wie so vieles andere ist er längst wieder abgebaut. Foto: epd-bild

Als ökumenisches Christusfest hat das Reformationsgedenken zu einem vertieften Verständnis der Konfessionen beigetragen. Es tat gut, in ökumenischer Verbundenheit Gottesdienste zu feiern. Es war wichtig, Verletzungen und Fragen auszusprechen, die das Miteinander belasten. Und es war wohltuend, gegenseitig Wertschätzung und Respekt zu erfahren. Manches, was dabei ausgesprochen und gefeiert wurde, hat öffentlich nachvollzogen, was im alltäglichen ökumenischen Miteinander schon länger gewachsen ist. Aus dem gemeinsamen Christusfest folgt der Auftrag, jetzt nicht genügsam stehenzubleiben, sondern weiter miteinander unterwegs und dabei über Trennendes wie Gemeinsames im Gespräch zu sein. Zwischen katholischer und evangelischer Kirche sind das vor allem Fragen des Kirchen- und des Amtsverständnisses und daraus resultierend des Abendmahles.

Zum Reformationsjubiläum kamen viele Touristen in unsere Region. Was die Reformation hier jeweils vor Ort historisch, gegenwärtig und zukünftig bedeutet, hat Interesse gefunden. Das hat die Kirchengemeinden gestärkt. Es hat Gemeindeglieder ermutigt. Hat Kontakte zu anderen Akteuren der Zivilgesellschaft gefestigt und neue finden lassen. Hat Gemeinschaft neu entdecken lassen – besonders eindrücklich in vielfältigen Formen der Mahlgemeinschaft und Gastfreundschaft. Hier werden wir zukünftig anknüpfen können. Dazu gehören auch die Gespräche und Begegnungen mit Menschen anderer religiöser Überzeugungen. Die Fortsetzung eines vertieften interreligiösen Austausches und die Diskussion über das Zusammenleben in einer pluralen und multireligiösen Gesellschaft gehören für mich ganz unbedingt zur Bilanz des Reformationsjubiläums. Wie Einheit in Vielfalt entsteht und gelebt wird, hat in der reformatorischen Bewegung durch die Jahrhunderte hindurch zu unterschiedlichen Antworten geführt. Das war ein Lernprozess, der auch zu der Einsicht führte, dass Menschen unterschiedlicher religiöser, kultureller und politischer Prägung nur in »versöhnter Verschiedenheit« friedlich miteinander leben können. Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Lernprozess können wir einbringen in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskurs.

Die Kooperationen und Kontakte vor Ort haben auch Mitgliedschaftsfragen neu in den Blick gerückt. Wer gehört zu uns? Was ist mit denen, die dabei sind, aber nicht dazugehören? Die sich mit uns für andere engagieren, aber nicht Kirchenmitglieder sind? Und dennoch bei uns sind. An unserer Seite. Mit uns befreundet. Was bedeutet das für unser Verständnis von Taufe, Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer? Vielleicht geht es um weniger starre Grenzen. Und darum, öffentlicher zu werden. So, wie es die Reformation einmal gedacht hat: An alle weitersagen und für alle erfahrbar machen, was es heißt, aus der Gnade und Liebe dessen zu leben, von dem Christenmenschen bekennen: »Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.«

Kristina Kühnbaum-Schmidt

Die Autorin ist Regionalbischöfin für den Propstsprengel Meiningen-Suhl und war Reformations-Scout für die EKD-Synode.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Auf-Takt für neue Orgel

21. April 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

Im Gedenken an Johann Walter, den »Kantor der Reformation« und »Vater der evangelischen Kirchenmusik«, soll die Margarethen-Kirche seines Geburtsortes Kahla eine neue Orgel erhalten. Der Beginn des ersten Bauabschnitts wird am 22. April mit einem Konzert und Informa­tionen zum Projekt gefeiert.

Der offizielle Start des Großprojektes, das ein finanzielles Volumen von insgesamt 750 000 Euro haben wird, erfolgte bereits im Herbst 2013. Damals getragen von der Hoffnung, das Vorhaben bis zum 500. Reformationsjubiläum realisieren zu können. Da dies nicht möglich war, müssen nun mehrere Bauabschnitte absolviert werden.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnte die Kirchengemeinde Kahla (Kirchenkreis Eisenberg) den Auftrag zum Bau des ersten Teils der neuen Johann-Walter-Orgel an die Orgelbaufirma Späth (Freiburg i. Br.) vergeben. »Die kleine Orgel, die vorne im Kirchenschiff unserer Stadtkirche ihren Platz finden soll, wird in der Werkstatt in Freiburg gebaut, bevor sie nach Kahla transportiert und in der Kirche aufgestellt wird«, ist von Maren Hellwig vom Förderkreis zu erfahren. Bei der promovierten Biologin laufen die organisatorischen Fäden des Orgelneubaus zusammen. Die Einweihung der kleinen Orgel solle im Jahre 2020 erfolgen. Zuvor müsse noch die Elektrik der Kirche komplett erneuert werden.

Wie das zukünftige Instrument aussehen wird, zeigt der abgebildete Entwurf. Der Orgelprospekt lehnt sich in Klang und Aussehen an Vorbilder aus Johann Walters Zeit an und nimmt zugleich die gotische Formensprache der Kirche auf. Farblich passt er sich an die jetzige Farbgebung des Kircheninneren an. Das »Johann-Walter-Positiv« wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Die Margarethenkirche mit ihren 440 Plätzen hat in der Region eine zentrale Rolle. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, über eine gute Orgel zu verfügen, die zu Gottesdiensten und Konzerten sowohl zum Lob Gottes als auch zur Freude der Besucher erklingt, betont Maren Hellwig weiter. Das bisherige Instrument sei mangelhaft und stark abgenutzt gewesen, was die Spielmöglichkeiten extrem eingeschränkt habe. Künstlerischen Ansprüchen wurde die Orgel nicht mehr gerecht. Reparaturen erschienen nicht mehr sinnvoll.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Das Orgelpositiv wird an der Nordwand aufgestellt und verfügt über zehn klingende Register, die in historischer und moderner Stimmung gespielt werden können.

Den Initiatoren des Orgelprojekts sei schnell deutlich geworden, dass es zwar diverse Fördermöglichkeiten und Stiftungen für Restaurierungsarbeiten gebe, aber keine Unterstützung für Orgelneubauten. Zugleich habe man vor der Herausforderung gestanden, im Geburtsort Johann Walters ein hochwertiges Instrument in Auftrag zu geben, das umfassende Möglichkeiten zur Ausübung der Kirchenmusik bietet.

Johann Walter habe durch die Vertonung von Martin Luthers deutschen Liedtexten und die damit verbundene Förderung des Gemeindegesangs der Reformation musikalische Flügel verliehen, verweist Maren Hellwig auf historische Wurzeln. »Mit Luther setzte er sich ein für die Zusammengehörigkeit von Theologie und Musik und damit für den Erhalt der Kirchenmusik durch die Wirren der Reformationszeit. Durch seine Tätigkeit als Komponist, Dichter und Musiktheoretiker hat Walter die weitere Entwicklung der evangelischen Kirchenmusik entscheidend beeinflusst. Er legte Grundlagen, auf denen Komponisten wie Bach, Händel oder Mendelssohn aufbauten. Mit Recht kann gesagt werden: Ohne Johann Walter keine evangelische Kirchenmusik!«

Dieses Erbe zu bewahren und seine Bedeutung zu würdigen, sei für Kahla eine aus der Geschichte gewachsene, besondere Verpflichtung. Der musikalischen Innovationskraft, die uns in Walter begegnet, soll in seiner Heimatstadt mit der »Johann-Walter-Orgel« ein Denkmal gesetzt werden, sind die Initiatoren überzeugt.

Die ca. 200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt sind mittlerweile zusammengekommen. Wenn dieser absolviert ist, soll auf der Westempore eine moderne, zweiflügelige Orgel mit 31 Registern errichtet werden, die das mittlere Fenster freilässt. Erst mit dieser Hauptorgel wird das geplante Instrument vollständig sein. Deshalb müssen noch viele Spendengelder gesammelt werden. Maren Hellwig wirbt deshalb für die Übernahme von Pfeifenpatenschaften. Wie man eine solche antreten kann, verrät die übersichtlich gestaltete Homepage! Hier findet sich auch das Spendenkonto.

Doch jetzt wird erst einmal der Baubeginn gefeiert, wobei Orgelbaumeister Tilmann Späth das Projekt präsentieren und Mitglieder des Förderkreises über die Rahmenbedingungen informieren werden. Die Schirmherrschaft des Großprojektes hat der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich übernommen, der einen Auszug aus seinem aktuellen Programm beisteuert. Der Jugendchor an St. Marien Greiz und die Junge Hofkapelle Greiz unter Leitung von Ralf Stiller bereichern die Veranstaltung mit weiteren Musikwerken.

Michael von Hintzenstern

22. April, 17 Uhr, Stadtkirche St. Margarethen Kahla

www.jwok.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Reformationsgeschichte vor der Haustür

5. Februar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kirche vor Ort

Comments Off

Ausgezeichnet: Hobbyhistoriker Uwe Lehmann erhielt für eine Familiengeschichte einen Preis

Viele kennen Uwe Lehmann als Gästeführer mit schwarzer Kutte und Laterne. Jetzt wurde er im Rahmen des Historikerpreises »Ur-Krostitzer Jahresring« in der Kategorie Familiengeschichte geehrt. Er richtet sich an Hobbyhistoriker, die sich vorrangig mit regionaler Geschichte beschäftigen. Uwe Lehmanns Publikation behandelt »Die Familie derer von Lüschwitz zu Zwötzen vor, während und nach der Reformation«.

Uwe Lehmann ist in diesem Geraer Stadtteil aufgewachsen. Von klein auf interessierte sich der Hobbyhistoriker für die Geschichte von Gera, insbesondere seines Heimatortes Zwötzen. Die Mitglieder der benachbarten Kirchengemeinden Zwötzen, Liebschwitz, Taubenpreskeln und Kaimberg kennen ihn vom vierteljährlichen Gemeindeblatt. Seit über 20 Jahren schreibt Lehmann Beiträge zur Ortsgeschichte und berichtet dabei von Persönlichkeiten und Ereignissen in seiner Heimat. Seit Anfang der 90er-Jahre gehört er zum Gemeindekirchenrat und übernimmt auch des Öfteren als Lektor die Gottesdienste.

Uwe Lehmann vor der Kanzel in der Zwötzener Kirche mit seiner Publikation über die Familiengeschichte derer von Lüschwitz, für die er ausgezeichnet wurde.

Uwe Lehmann vor der Kanzel in der Zwötzener Kirche mit seiner Publikation über die Familiengeschichte derer von Lüschwitz, für die er ausgezeichnet wurde.

»Im Zuge der Lutherdekade und dem Reformationsjubiläum habe ich eine Schulung für die Geraer Gästeführer organisiert und über die Geschichte und die Personen der Reformation in Gera berichtet. Im Zusammenhang meiner Recherchen bin ich neugierig geworden und wollte wissen, was zu dieser Zeit hier in Zwötzen passierte«, erklärt er. »Dabei stieß ich auf die Familie derer von Lüschwitz, die hier zwischen 1450 und 1691, also knapp 250 Jahre, lebte und Eigentümer des Rittergutes in Zwötzen war.« Der Anlass für seine Nachforschungen war ein Aufruf zur Reformationsgeschichte vor Ort vom Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Über sechs Monate studierte Lehmann historische Schriften im Internet, war im Stadtmuseum Gera, dem Stadtarchiv und in der Geraer Bibliothek aktiv. Dabei stieß er auf das Phänomen, dass fast alle männlichen Nachkommen derer von Lüschwitz den Vornamen Gerhard trugen. »Ich habe in meiner Arbeit versucht, das Adelsgeschlecht zu sortieren. Dabei bin ich auf 33 Nachfahren mit dem Namen Gerhard gekommen, die ich erstmals unterschieden und mit römischen Zahlen versehen habe«, weiß der Hobbyhistoriker. Schon vor 1533 habe der evangelische Glaube um Gera herum Fuß gefasst, obwohl der Herr der Stadt selbst sehr lange am Katholizismus festhielt.

Visitationsprotokolle mit den Namen derer von Lüschwitz belegten, dass es unweit von Gera Lutheraner gab. »Gerhard [XXVIII.] war ein bedeutender Vertreter der Familie und ein Zeitgenosse von Heinrich Posthumus Reuß«, hat Uwe Lehmann herausgefunden. Der Reuße herrschte um 1600 und gilt als Vollender der Reformation in Gera. »Auf das Wirken dieses Gerhards geht möglicherweise die Wandlung der Rittergutskapelle in eine Kirche zurück«, schätzt Lehmann. »Heinrich Posthumus spendete Geld für einen Turm an der Kirche in Zwötzen. 1604 hatte Zwötzen einen eigenen Pfarrer, der ab 1610 auch im Ort wohnte.«

Noch sei die Familiengeschichte nicht zu Ende geschrieben, gibt Uwe Lehmann zu bedenken, denn erst um 1735 starb die Familie mit dem Tod des letzten männlichen Nachfahrens aus. Er möchte einen Teil des Preisgeldes in Höhe von 500 Euro für die Weiterarbeit verwenden. Dazu will er in Franken recherchieren, wo ein bedeutender Zweig der Familie derer von Lüschwitz lebte. Ein Teil des Preisgeldes stellt Lehmann dem Geschichtsverein in Zwötzen zur Verfügung, dessen Gründungsmitglied er ist und der ihn bei seiner Publikation unterstützte.

Wolfgang Hesse

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Sinfonie der Tausend

28. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Wenn Sie in dieser Ausgabe die Panoramaseiten 6 und 7 aufschlagen, bekommen Sie ein vielfältiges Bild der kirchenmusikalischen Höhepunkte des Jahres 2018. Wer geglaubt hatte, dass es nach dem 500. Reformationsjubiläum mit unzähligen Aktivitäten und Großprojekten eine gewisse Erschlaffung geben werde, wird eines Besseren belehrt.

Kaum ein anderer musikalischer Bereich ist so vielfältig wie die Kirchenmusik, die nicht nur der Liturgie dient, sondern mit ihren zahlreichen Aktivitäten im Konzertleben eine Brücke in die Gesellschaft schlägt. Das veranlasste vor einem Jahr das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) in Bonn, ein neues Portal zum Thema »Kirchenmusik – Musik in Religionen« zu installieren. Die vom Deutschen Musikrat getragene Einrichtung legte damit erstmals ein Angebot vor, das umfassend und systematisch über die aktuelle Situation der evangelischen und katholischen Kirchenmusik informiert und dabei auch die Musik in anderen Glaubensgemeinschaften in den Blick nimmt.

Mehr als 900 000 Menschen in Deutschland sind derzeit in 36 000 vokalen und 15 000 instrumentalen Ensembles der Kirchen aktiv. Den 3 300 hauptberuflichen Kantorinnen und Kantoren stehen etwa neun Mal so viele neben- und ehrenamtliche Kirchenmusikerinnen und -musiker gegenüber. Mit mehr als 66 000 Veranstaltungen jährlich erreicht die evangelische Kirche über sieben Millionen Zuhörer und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zum Musikleben in Deutschland, vor allem auch in ländlichen Regionen.

Mitteldeutschland braucht sich da nicht zu verstecken, wie unschwer der Kirchenzeitung zu entnehmen ist.

Michael v. Hintzenstern

https://themen.miz.org/kirchenmusik

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Stollen für Bibeln

11. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Anhalt

Comments Off

Aktion: Backwerk aus Zieko soll mithelfen, dass Bücher nach Äthiopien kommen

Als in anderen Orten noch der Abschluss des Reformationsjubiläums gefeiert wurde, wurde im Pfarrgarten von Zieko wieder einmal der alte Backofen geheizt. Seit 2006 agiert in dem Dorf im Kirchenkreis Zerbst mehrere Male im Jahr ein Back-Team um den Kirchenältesten und Konditormeister Andreas Nestmann. Wurden in den Anfangsjahren Speckkuchen und Brote für Gemeindefeste gebacken, war es Ende Oktober wieder Weihnachtsgebäck: Genau hundert je ein Kilogramm schwere Stollen, die das Team aus den gespendeten Rohstoffen der Wikana Keks- und Nahrungsmittel GmbH herstellte, verließen den Backofen – und gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. »Wer einen Stollen haben will, muss vorbestellen«, sagt Pfarrer Martin Bahlmann. Gebacken wird immer für einen guten Zweck. Konfirmanden zum Beispiel buken hier schon Brote für »Brot für die Welt«. In diesem Jahr fließt der Erlös der Stollen in den Versand von etwa 2 000 deutsch-oromischen Kinderbibeln nach Äthiopien. 790 Euro sind schon für die Transportkosten gespendet worden.

Dass sich die Hoffnungsgemeinde Zieko für Äthiopien engagiert, ist einer Frau zu verdanken, die heute nicht mehr in dem Ort lebt: Gerit Kostolnik (heute verheiratete Decke) reiste 2001 mit dem Berliner Missionswerk und der Evangelischen Erwachsenenbildung nach Äthiopien. Daraus entwickelte sich eine Partnerschaft Anhalts zur Western-Wollega-Bethel-Synode der Mekane-Yesus-Kirche im Rahmen des Berliner Missionswerkes. Sie wurde mit Beschluss der anhaltischen Kirchenleitung vom 22. Juni 2005 besiegelt und entwickelte sich unter Bahlmanns Vorgänger Dankmar Pahlings weiter. So wurden unter anderem Stipendien für Theologie-Studierende finanziert oder das Aufbaustudium für einen äthiopischen Pfarrer. Besuchsreisen kamen in größeren Abständen zustande. »Und jedes Mal, wenn Äthiopier zu Gast im Berliner Missionswerk sind, kommen sie auch nach Zieko«, berichtet Pfarrer Bahlmann.

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Foto: Anh. Bibelgesellschaft

Ein großes Projekt war die im März 2015 vorgestellte Kinderbibel in der äthiopischen Sprache Oromisch und in Deutsch. Hierfür hatten Kinder aus Gemeinden beider Kirchen Bilder zu 14 Geschichten aus dem Neuen Testament gemalt. Zudem stellt das Buch auch Glauben und Leben in der jeweils anderen Kirche vor. Die Idee, so etwas in Anhalt zu machen, hatte Pfarrer Bahlmann, nachdem er vor Jahren eine viersprachige Kinderbibel gesehen hatte, die der Synodalverband IV der Evangelisch-reformierten Kirche zusammen mit der Presbyterianischen Kirche von Ghana und der Norddeutschen Mission herausgegeben hatte.

Von der deutsch-oromischen Kinderbibel wurden drei Paletten gleich im Frühjahr 2015 nach Äthiopien geliefert. Die Bücher sind zum Beispiel in Sonntagsschulklassen im Einsatz. Von den in Deutschland befindlichen Bibeln können noch Exemplare an Interessenten verkauft werden. Das nächste Partnerschaftsprojekt ist schon geplant. »Wir wollen Geld für eine Getreidemühle sammeln, die die Menschen im Kirchenkreis Alaku dringend benötigen«, so Pfarrer Bahlmann.

Angela Stoye

Kinderbibel-Preis: 10 Euro. Bestellung: Pfarrer Torsten Neumann, Anhaltische Bibelgesellschaft, E-Mail <bibel@kircheanhalt.de>

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Kirchenparlament auf dem Weg

20. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Nach dem Reformationsjahr und vor der Herbstsynode: Dieter Lomberg, Präses der Landes­synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), stellt sich den Fragen von Willi Wild.

Thema: Reformationsjahr


Wie haben Sie das Reformationsjahr erlebt?
Lomberg:
Es war ein Jahr mit vielen Veranstaltungen, die alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr stark gefordert haben. Alle haben ihr Bestes gegeben. Kirche ist im Gespräch gewesen.

Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Lomberg:
Die Kirchen haben viel Aufmerksamkeit bekommen und damit auch der Glaube an Gott. Das ist sehr wichtig und darf bei aller Kritik nicht untergehen. Es wurden sicherlich mit Gottes Angebot mehr Menschen erreicht, als bei Veranstaltungen gezählt wurden. Da wirkt bestimmt noch einiges nach.

Schade war, dass die Kirchentage auf dem Weg nicht das verdiente Echo gefunden haben. Aber dazu ist schon viel gesagt und geschrieben worden; weiteres will ich mir ersparen. Es wird daraus gelernt werden. Bewerten muss das jeder für sich selbst und nicht für andere! Ich bin mir sehr sicher, dass es trotz aller Enttäuschungen über die Teilnehmerzahlen wichtige Impulse für die Regionen gegeben hat. Mal sehen, was später daraus wird.

Tonangebend: Präses Dieter Lomberg bei der Frühjahrstagung der Landessynode der EKM. Foto: Willi Wild

Tonangebend: Präses Dieter Lomberg bei der Frühjahrstagung der Landessynode der EKM. Foto: Willi Wild

Wie wurde das Reformationsjubiläum in Ihrem Kirchenkreis und Ihrer Kirchengemeinde begangen?
Lomberg:
Ich möchte meinen Kirchenkreis gar nicht herausheben. Ich weiß, dass es in allen Kirchenkreisen sehr viele sehr gute Veranstaltungen gab. Die Berichte dazu im Landeskirchenrat haben mich beeindruckt.

Es ist überraschend, wieviel Kreativität und Ideenreichtum, Gottes Wort zu den Menschen zu bringen, wir in der gesamten EKM haben. Mich freut dieses breite Spektrum des Engagements, gerade auch der Ehrenamtlichen. Da kann ich nur vielen, vielen Dank sagen.

Es gab in der unmittelbaren Nähe meines Kirchenkreises den Kirchentag auf dem Weg in Magdeburg, in den wir als Gemeinden des Kirchenkreises eingebunden waren. Neben anderen Veranstaltungen gab und gibt es auch im nächsten Jahr noch die 12 Pilgerwege zu den Stätten, wo Luther nicht war. Ein Highlight, das Menschen einander nähergebracht hat.

Wie groß war dort das Interesse an Luther und der Reformation?
Lomberg:
Es gab wie überall ein unterschiedliches Interesse.

Wie haben Sie die Kirchentage auf dem Weg erlebt?
Lomberg:
Ich konnte leider aus beruflichen Gründen nicht an so vielen Veranstaltungen teilnehmen, wie ich gerne gewollt hätte. Aber das, was ich in Wittenberg, wo ich wegen der Proben zum Abschlussgottesdienst schon ab Freitagabend war, persönlich erlebt habe, fand ich sehr beeindruckend. Für alle anderen Veranstaltungsorte gilt das auch, ich habe davon viel Gutes gehört.

Thema: Ökumene


Im Reformationsjahr wurde von den Bischöfen die Ökumene sehr stark betont. Sehen Sie sichtbare Fortschritte?
Lomberg:
Ich denke, es ist zu früh, da jetzt und sofort etwas zu erwarten.

500 Jahre Trennung und Differenzen können nicht sofort nach dem 31. Oktober 2017 aufgehoben und geklärt werden. Aber ich sehe viele weitgehende kleine und größere Fortschritte.

So haben wir einen sehr guten Austausch und eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Bistümern Erfurt und Magdeburg. Ich nehme schon lange wahr, dass das nicht zuletzt aufgrund der auf beiden Seiten handelnden Personen sehr gut funktioniert. Es ist ein offener Dialog, in dem angesprochen wird, wo der Schuh drückt. Dadurch hat auch das Reformationsgedenken seine ökumenische Wendung genommen.

Dafür ist den katholischen Brüdern und Schwestern sehr zu danken und den Verantwortlichen in der EKM und der EKD, die dies so gut aufgenommen und umgesetzt haben.

Thema: Herbstsynode

Welchen Raum wird eine Auswertung des Reformationsjahres auf der Herbssynode in Erfurt einnehmen?
Lomberg:
Wir werden die Diskussion erst in der Frühjahrssynode führen. Da ist dann mehr – auch emotionaler – Abstand vorhanden und wir wollen uns mit dem Thema Gemeinde beschäftigen. Dann gibt es unter dem Punkt »Die Reformation geht weiter« auch einen Rückblick auf 2017 und die gesamte Dekade. Das ist wichtig, um von diesem rückblickenden Ausgangspunkt die Zukunft gut diskutieren zu können.

Welche Schwerpunkte gibt es bei dieser Synodentagung?
Lomberg:
Thematischer Schwerpunkt wird unter dem Synodenmotto »Evangelisch – Ein Kreuz für die Welt« das Thema »Evangelium kommunizieren in einer mehrheitlich konfessionslosen Gesellschaft« sein. Dabei haben die hier aufgewachsenen Brüder und Schwestern einen großen Erfahrungsschatz, den wir heben wollen. Nur so können wir uns an alte Ideen erinnern und neue entwickeln, wie wir Wege zu den Menschen gefunden haben und wiederfinden können.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien sein – diesmal zu Fragen der Schulseelsorge, den Modellregionen »Gemeindearbeit mit Familienperspektive« und die Zukunft der Kindergottesdienstarbeit.

Traditionell ist die Herbstsynode auch eine der Finanzen; es wird um den neuen Haushalt und die damit verbundenen Beschlüsse gehen, sowie um die Abnahme der Jahresrechnung 2016.

Thema: Ehe für alle

Die Evangelische Jugend wollte die »Ehe für alle« thematisieren. Was ist daraus geworden?
Lomberg:
Die Landessynode hat beschlossen, dass anhaltender Gesprächsbedarf besteht. Die derzeitige kirchliche Praxis soll bestehen und sich entwickeln. Sie hat festgestellt, dass die für die Trauung von Mann und Frau und für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vorgesehenen liturgischen Ordnungen im Grunde gleich sind.

Die Landessynode entschied über den Antrag der Jugendsynodalen zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Der Landeskirchenrat wurde aber von ihr gebeten, ein geeignetes Format zu finden, in dem dieses Gespräch in absehbarer Zeit weitergeführt werden kann.

Genauso wird verfahren. Das Thema ist damit »nicht vom Tisch«, sondern es wird mit der gebotenen Sorgfalt diskutiert. Es muss ein Beschluss gefunden werden, der die Gemeinden nicht zerreißt. Dafür braucht es etwas Zeit – auch, wenn dies dem jugendlichen Tatendrang nicht folgt.

Hier etwas zu befeuern, nur um jetzt einen Beschluss zu bekommen, den die Mitglieder der Gemeinden nicht mittragen können, hilft nicht. Wir werden sicherlich immer verschiedene Meinungen dazu haben, aber wir müssen dahinkommen, dass der Beschluss von allen mitgetragen werden kann, auch wenn sie ihm aus welchen Gründen auch immer nicht zustimmen können.

Wir haben bei der damaligen Beschlussfassung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare eine sehr gute Diskussion gehabt und ein hohes Einvernehmen. Das wünsche ich mir auch hier, und dass wir jeden in der Diskussion mitnehmen.

Thema: Jugendsynode

Die Einbeziehung der Jugend ist Ihnen wichtig. Wie weit sind die Überlegungen einer gemeinsamen Synodentagung mit der Evangelischen Jugend – einer »Jugendsynode« – gediehen?
Lomberg:
Dazu kann ich nichts sagen, weil es dazu auf Beschluss der Synode eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Synode, des Landesjugendkonventes, des Bundes Evangelischer Jugend in Mitteldeutschland und des (Landes-)Kinder- und Jugendpfarramtes gibt. Diese Arbeitsgruppe wird den Beschluss der Landessynode abarbeiten, die für die Vorbereitung der Jugendsynode unter anderem die folgenden beiden Impulse gegeben und beschlossen hat:

1. Auf der Jugendsynode werden mit Blick auf Gegenwart und Zukunft der Kirche relevante Fragen aus der Perspektive junger Menschen miteinander beraten;

2. Die Jugendsynode soll neben den Synodalen der Landessynode unter Beteiligung von bis zu 80 jungen Menschen im Sinne des Kinder- und Jugendgesetzes (KiJuG) stattfinden. Sie sollen in der Regel das 27. Lebensjahr nicht überschritten haben.

Hier liegen auch die Schwierigkeiten, die zu lösen sind: Es soll eine breite Partizipation junger Menschen ermöglicht werden. Aber leider gibt es Kirchenkreise, die keine Vertreter in den Landesjugendkonvent entsenden, etwa weil sie keinen Kreisjugendkonvent haben. Dort gibt es zwar Informationen über Entwicklungen im Bereich politischer und kirchlicher Jugendarbeit sowie eine jugendpolitische Vertretung im Landkreis, aber die kirchenkreisliche und landeskirchliche jugendpolitische Arbeit und Vertretung nehmen Jugendliche offenbar nicht wahr.

Das ist schade, wenn dies durch Kirchenkreismitarbeiter wahrgenommen werden soll oder durch die Synodalen in der Landessynode. Zu den Jugendsynodalen dürfte es kaum bis keine Kontakte geben. Da ist es für mich schwer vorstellbar, dass diese Jugendlichen wirkungsvoll mit ihren Anliegen vertreten werden. Zumindest wird ihnen ein Stück gelebter Kirchendemokratie, Partizipation und Mitbestimmung vorenthalten.

Vorschläge der zu bearbeitenden Themen können sowohl durch die Antragsberechtigten an die Landessynode als auch aus der kirchlichen Arbeit mit Jugendlichen erfolgen. Bei der Themenfindung ist ein wichtiges Kriterium, dass es sich möglichst nicht um ein »reines Jugendthema« handeln soll, sondern um eines, das die Synodalen und die Jugenddelegierten gemeinsam etwas angeht, nur in unterschiedlichen und sich überschneidenden Facetten.

Die Synode erhält spätestens zur Frühjahrstagung 2018 einen Sachstandsbericht.

Thema: Zukunft

»Reformation geht weiter« steht auf einem Banner der EKM. Was bleibt und was wird weitergehen?
Lomberg:
So viel prophetische Gabe habe ich nicht. Es werden die begonnenen Prozesse in den Gemeinden weitergehen (»Wie wollen wir heute und in Zukunft Gemeinde sein?«, »Wie können wir das schaffen?«, »Welche nichtfinanzielle Hilfe brauchen wir?« …).

Ich hoffe, die Reformationsdekade hat noch mehr Ideen gebracht. Wir werden uns weiter reformieren müssen, was dazu führt, dass wir – bildlich gesprochen – Türen (nicht die Kirchen- und Gemeindetüren!) schließen und neue aufmachen werden. Wir sind und bleiben hoffentlich weiter eine Landeskirche, die in Bewegung ist, die aber auch dort fest steht, wo es nötig ist. In allem gegründet auf Gottes Zusagen an uns als Gemeindeglieder, als Gemeinde und als Kirche.

Ein wichtiges Reformationsziel ist es vielleicht, dass wir innerkirchlich wahrhaftiger werden, tatsächlich eine Kirche des Friedens vor allem nach innen werden. Dass wir offener und ehrlicher miteinander umgehen, als wir es bis jetzt tun. Ich bin als Kirche wenig glaubwürdig, wenn ich von anderen gelebten Frieden fordere, es aber in unserem Umgang mit Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinden, Gremien und der Kirche nicht so mache, wie ich es von anderen verlange.

Bis das bei uns gelebte Praxis ist, ist es wohl noch ein steiniger Weg. Ich wünsche mir, dass der Wille, diesen Weg zu gehen, ernsthaft besteht.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Unterm Strich

19. November 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich verrechnet. Mindestens 12 Millio­nen Euro Defizit für das Reformationsjubiläum. Offiziell ist die Rede vom »erhöhten Zuschussbedarf«. Dahinter verbergen sich Fehlkalkulationen für die Weltausstellung Reformation in Wittenberg und die Ticketverkäufe bei den Kirchentagen auf dem Weg. Die vorgesehenen 30 Millionen Euro reichen nicht aus.

Die Mehrkosten will die EKD alleine tragen, hieß es. Im Klartext bedeutet das, dass die 20 Landeskirchen, die zur EKD gehören, über die Finanzumlage nun im Nachgang die Mehrkosten übernehmen. Das hätte nicht sein müssen. Die kritischen Stimmen aus Mitteldeutschland im Vorfeld zu Konzept und Umsetzung etwa der Kirchentage auf dem Weg hat man ignoriert. Das Endergebnis ist bekannt.

Kein Wunder, dass im Nachgang bei der Synode in Bonn auf eine Bilanz der gastgebenden mitteldeutschen Landeskirchen verzichtet wurde. Vermutlich hätte man, anders als die Reformationsbotschafterin, die Finger in die Wunde gelegt. Geradezu kontraproduktiv war es, für die Kirchentage Eintritt zu verlangen, während man sich in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) bemühte, alle Kirchengebäude im Reformationsjahr – kostenfrei – zu öffnen.

In der Erfolgsbilanz werden vor allem die großen Kaffeetafeln auf den Marktplätzen der Kirchentagsorte hervorgehoben. Hier sei Kirche erkennbar und mitten unter den Menschen gewesen. So war es. Die Arbeit wurde – umsonst und draußen – hauptsächlich von Ehrenamtlichen organisiert, ohne »erhöhten Zuschussbedarf«.

Wenn dieses Jahr etwas gezeigt hat, dann dies: Gespräche über Gott und die Welt gelingen eher auf öffentlichen Plätzen als hinter Bezahlschranken. Das war schon vor 500 Jahren so. Eine Binsenweisheit.

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »