Kein Vorbild
3. Juni 2010 von redaktionguh
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Das hat es noch nicht gegeben: Weil er den Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermisste, ist Horst Köhler am vergangenen Montag als Bundespräsident zurückgetreten. Vor allem die Kritik nach dem Interview zum Afghanistaneinsatz hat ihn wohl so getroffen, dass er keinen anderen Ausweg sah. Mit diesem Paukenschlag mag er für sich die Konsequenz gezogen haben, der Bundesrepublik hat er damit keinen guten Dienst erwiesen. Der Rücktritt stürzt das Land in eine neue Verlegenheit. Offensichtlich hat Horst Köhler weder in der Politik noch in seiner Kirche oder im Glauben einen notwendigen Rückhalt gefunden. Auch das gibt zu denken.

Foto: Dariusz Rompa, sxc.hu
Schließlich: Wie sollen in den Städten und Gemeinden Bürger gefunden werden, die sich politisch engagieren und Verantwortung übernehmen sollen, wenn der oberste Repräsentant schon bei leichtem Gegenwind davonläuft? Was gibt ein Präsident, der gerade in der Bevölkerung sehr beliebt war, hier für ein Vorbild ab? Die Bürger erwarten zu Recht, dass ein Politiker oder Quereinsteiger, der ein solches Amt übernimmt, sie auch in schweren Zeiten nicht im Stich lässt. Mit seinem Rücktritt hat Horst Köhler selbst den Respekt vor dem Amt vermissen lassen.
Martin Hanusch
Maßstäbe
5. März 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Bischöfin Margot Käßmann bei einer Podiumsdiskussion beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2009 in Bremen, Deutschland. Quelle: evangelisch.de
Selten hat ein persönlicher Fehler die Menschen so bewegt wie der Fall von Margot Käßmann. Tagelang bestimmten ihre Alkoholfahrt und die Folgen die Schlagzeilen. Ihr schneller Rücktritt von allen Ämtern – als EKD-Ratsvorsitzende und als hannoversche Landesbischöfin – kam dennoch für viele überraschend. Doch es passt zur bisherigen Bischöfin, dass sie sich ohne Umschweife zu ihrem Fehlverhalten bekannt hat und auch die Konsequenzen trägt. Nicht zuletzt für diese Geradlinigkeit und für ihre offene Art, mit den Brüchen in ihrem Leben umzugehen, ist sie geschätzt worden.
Ihre Glaubwürdigkeit basiert auf einem hohen moralischen Anspruch. Mit ihrem Rücktritt hat sie ein Zeichen gesetzt. In der Kirche kann es einen anderen Umgang mit Schuld und persönlichem Versagen geben als in Politik und Wirtschaft. Zugleich hat sie deutlich gemacht, von wem sie sich dabei getragen weiß. So viel Glaubenszuversicht in schwerer Zeit predigt mehr als manche Grundsatzrede. Die Glaubwürdigkeit der evangelischen Kirche hat durch den Schritt jedenfalls nicht gelitten. Im Gegenteil: Durch die konsequente Haltung der bisherigen Spitzenfrau ist sie in der Achtung eher gewachsen. Zudem geht die Theologin der Kirche ja nicht verloren. Jetzt wird sie an anderer Stelle beweisen, was ihr wichtig ist.
In der EKD hinterlässt der Abgang Margot Käßmanns freilich eine Lücke, die vom designierten Nachfolger, dem rheinischen Präses Nikolaus Schneider, nur schwer auszufüllen sein wird. In einer Mediengesellschaft, die ganz auf Köpfe setzt, war sie das Gesicht der evangelischen Kirche – fröhlich und den Menschen zugewandt. Dass sie auch vor heißen Eisen nicht zurückgeschreckt ist, ob in der Frage des Afghanistan-Krieges oder bei der Trauerfeier nach dem Selbstmord von Torwart Robert Enke, hat ihr zwar nicht nur Beifall eingetragen, aber Diskussionen in Gang gesetzt. Als Ratsvorsitzende mag sie an den hohen Ansprüchen gescheitert sein, durch ihre Art des Umgangs mit Schuld hat sie jedoch überzeugt.
Martin Hanusch




