Seelsorge im Riesenrad

19. März 2017 von redaktionguh  
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Seit zehn Jahren bereitet sich die Kirche auf das Reformationsjubiläum vor. Dass bei einer so langen Vorbereitung, an der sehr viele Menschen beteiligt sind, die Ideen nur so sprudeln, versteht sich von selbst. Da verwundert es nicht, wenn die Veranstalter nun einen Sommer der Superlative, das größte Fest aller Zeiten versprechen. Vorige Woche stellten sie ihr umfangreiches Programm vor.

In der kleinen Stadt Wittenberg, wo vor 500 Jahren die Reformation ihren Anfang nahm, wird die Welt zu Gast sein. Mindestens eine halbe Million Besucher werden erwartet. In 16 Wochen sind etwa 2 000 Veranstaltungen geplant. Sieben Großveranstaltungen zu sieben Themen sollen den aktuellen Bezug zur Reformation herstellen. Als teuerstes Projekt gilt die Kunstschau »Luther und die Avantgarde« im Alten Gefängnis, wo 68 national und international renommierte Künstler ihre Sicht auf die Reformation darstellen. Ein 20 Meter hohes Riesenrad soll Raum für Seelsorge bieten.

Event über Event. Die Organisatoren hatten einen großen Vorteil, der gewiss nicht alltäglich ist. Während andernorts meistens die Mittel knapp sind – in Wittenberg fließt das Geld in Strömen. Warum auch nicht! Wenn deutlich gemacht werden kann, dass die Reformation auch heute noch für Politik und Gesellschaft wie für den einzelnen Menschen von Bedeutung ist.

So schön Ideenreichtum und so einladend die Vielfalt der Projekte sein mögen – was wird bleiben? Der Augustinermönch hatte einst die befreiende Einsicht, dass Jesus Christus, die Bibel und die Gnade Gottes im Leben alles sind. Werden die Besucher in Wittenberg, wenn sie das Seelsorgeriesenrad besteigen, eine ähnlich existenzielle Erfahrung machen? Wenn ja, wäre das Jubiläum wirklich ein großes Fest.

Sabine Kuschel

Sorgenfresser

19. Februar 2017 von redaktionguh  
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Ich wusste gar nicht, was ein Sorgenfresser ist, als mein Patenkind sich einen solchen wünschte. Eine Plüschfigur, dessen Schlund sich mit einem Reißverschluss öffnen lässt und dem Kinder gern ihren Kummer – auf einen Zettel notiert oder aufgemalt – übergeben. Raphael ist acht Jahre alt. Er geht in die zweite Klasse. Am Ende der ersten Klasse war deutlich, dass das Lesen ihm schwerfällt. Deshalb musste er sogar im Urlaub an der Ostsee jeden Tag üben.

Ob ihm ein Sorgenfresser helfen könnte? Auf einen Zettel schrieb Raphael: »Ich muss besser lesen können« und vertraute seinen Kummer dem Fachmann für Sorgen im blau-weiß gestreiften Anzug an. Als ich mich nach einiger Zeit erkundigte, ob es Anzeichen für das erfolgreiche Wirken des Sorgenexperten gebe, wies mich Raphael zurecht: »Das geht nicht so schnell!« Natürlich, sich einzig und allein auf den kleinen Helfer zu verlassen, wäre zu kurz gedacht. Der Junge muss weiterhin täglich Lesen üben.

Eines Abends die Überraschung. Raphael rief an, um mir zu erzählen, dass das Zettelchen, auf dem er seinen Kummer notiert hatte, aus dem Bauch des Sorgenfressers verschwunden sei. Augenscheinlich aufgefressen. »Und wie geht’s mit dem Lesen?«, fragte ich zurück. »Gut«, antwortete der Junge.

Wenn ich mit meinem eigenen Latein am Ende bin, müssen noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sein. Die kindliche Hoffnung muss nicht, aber kann religiös gedeutet werden. Gott will unsere Sorgen tilgen, denn in der Bibel steht: Alle eure Sorgen werft auf den Herrn. Nun ist dieser biblische Rat für einen Achtjährigen wahrscheinlich noch nicht nachzuvollziehen. Dafür »wirft« das Kind seinen Kummer in den Sorgenfresser und signalisiert, dass es auf eine Kraft hofft, die außerhalb seiner selbst liegt.

Sabine Kuschel

Gehen oder bleiben

21. Januar 2017 von redaktionguh  
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Heiligabendgottesdienst mit Krippenspiel. Neben mir sitzt eine junge Mutter mit ihrem kleinen Jungen, etwa drei bis vier Jahre alt. Als die Hirten den Gang entlang nach vorn ziehen, würdigt der Kleine sie nur mit einem kurzen Blick. Er ist anderweitig beschäftigt. Mit seinem Plüschtier. Hin und wieder ist sein Stimmchen zu vernehmen, aber ganz friedlich. Die ältere Frau allerdings neben dem Kind fühlte sich offenbar in ihrer Andacht gestört. Sie gab der Mutter zu verstehen, dass sie mit dem Kind, das so wenig Anteilnahme am Gottesdienst zeige, die Kirche verlassen müsse. Ärgerlich und energisch entgegnete die junge Frau: »Nein, Sie müssen gehen!«

Vielleicht eine etwas harsche Reaktion, aber ich stimmte der Mutter innerlich zu. Gottesdienst mit Kindern. Hier stellt sich die Frage, ob es gut ist, sie in Watte zu packen oder nicht – ein Schwerpunkt dieser Ausgabe –, auf eine ganz andere Weise. Was erwarten wir von den Jüngsten in unserer Gemeinde? Sind wir bereit, uns auf sie einzustellen, gelegentlich ein Stück zurückzustecken?

Sehr wohltuend und entlastend fand ich das Wort eines Pfarrers im Taufgottesdienst. Den Eltern, die abwechselnd mit ihrem Baby auf dem Arm in der Kirche auf- und abliefen, sagte er: »Laufen Sie ruhig hin und her, wenn das Ihr Kind tröstet. Das stört nicht!« Richtig! Das stört nicht. Anders ist es freilich, wenn ein Kind lauthals schreit und sich über längere Zeit nicht beruhigen lässt. Das ist dann ebenso störend wie ein heftiger Hustenanfall eines Erwachsenen. Wahrscheinlich ist es in dem Fall besser, den Raum zu verlassen.

Nun ist nicht jeder Gottesdienst für kleine Kinder geeignet, aber beim Krippenspiel oder bei einer Taufe gehören sie dazu. Auch wenn sie dem Geschehen noch nicht folgen können und manchmal Unruhe verbreiten. »Wehret ihnen nicht.«

Sabine Kuschel

Lernen, ein Leben lang

11. November 2016 von redaktionguh  
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»Es geschieht nichts Neues unter der Sonne«: Diese nüchterne Erkenntnis des Predigers Salomo gilt einmal mehr für die Diskussion um die Praxisnähe des Theologiestudiums.

Als ich 1983 anfing, Theologie zu studieren, gab es etliche Kommilitonen, die sich Sorgen machten, ob die universitäre Ausbildung sie ausreichend auf ihren Beruf vorbereitet. Statt der alten Sprachen wünschten sich manche mehr praktische Anleitung für die Predigt oder den Konfirmandenunterricht. Andere vermissten die Ermutigung im Glauben, der ihnen bei den exegetischen Übungen abhandenzukommen schien. Von jeher fürchten Studierende, dass das, was sie an wissenschaftlicher Theorie an der Uni lernen, wenig für ihren späteren Berufsalltag nutzt – das gilt nicht nur für das Theologiestudium.

Gesprächsrunde über Eck: »Glaube + Heimat« brachte die Jenaer Studenten (v.l.) Julia Braband und Felix Kalbe mit Prodekanin Miriam Rose und Dekan Manuel Vogel zum Gedankenaustausch an einen Tisch. Foto: Adrienne Uebbing

Gesprächsrunde über Eck: »Glaube + Heimat« brachte die Jenaer Studenten (v.l.) Julia Braband und Felix Kalbe mit Prodekanin Miriam Rose und Dekan Manuel Vogel zum Gedankenaustausch an einen Tisch. Foto: Adrienne Uebbing

Für mich war die Christenlehre die Initialzündung für den Glauben. Die Geschichten von Jesus Christus wirkten wie ein Alternativ- oder Kontrastprogramm zur DDR-Wirklichkeit auf dem Dorfe in den späten 1950er-, Anfang der 1960er-Jahre. Wie Jesus mit einer Ehebrecherin umgeht. Die Geschichten vom barmherzigen Samariter, dem verlorenen Sohn, weiteten meinen Horizont. Was ich da hörte, erschien mir nachahmenswert, lebenswert. An der Pfarrersfamilie sah ich, dass die Bibelgeschichten irgendwie auf sie abgefärbt hatten. Ihr Lebensstil hob sich ab von dem üblichen. Wer glaubt und die Bibel liest, lebt offensichtlich anders. Das hat mich sehr beeindruckt. Diese Erfahrungen sind der Grundstock meines Glaubens und die Voraussetzung, später Theologie zu studieren.

An die Zeit meines Studiums erinnere ich mich sehr gern. Das war eine große Bereicherung! Es stimmt zwar, dass ich heute keinen biblischen Urtext mehr in Hebräisch oder Griechisch lese und übersetze. Kaum ein Pfarrer tut dies, weil im Alltag die Zeit fehlt und ohne Übung die Fähigkeit dazu schwindet. Aber diese alten Sprachen haben mir ein Gefühl für die biblischen Schriften vermittelt, für den Kontext, in dem sie aufgeschrieben wurden, das ich nicht vermissen möchte.

Wer sich in die Theologie begibt, betritt ein kultur- und religionsgeschichtlich weites Feld. Das Christentum ist etwa 2 000 Jahre alt. Dessen Geschichte zumindest ansatzweise zu überblicken, dazu bietet das Studium die Chance. Professor Manuel Vogel, Dekan der Theologischen Fakultät in Jena, spricht mir voll aus dem Herzen, wenn er sagt, er habe es als einen Genuss empfunden, wissenschaftlich arbeiten und sich bilden zu können. Die Zeit kommt im Leben so nie wieder. Zudem ist es von großem Wert, während des Studiums mit konträren theologischen Argumenten konfrontiert zu werden, darüber frei und offen diskutieren zu können. »Das ist später im Pfarramt sehr wichtig, zu akzeptieren, dass Gemeindemitglieder auf sehr verschiedene Weise glauben, und behutsam ein Verständnis dafür zu entwickeln«, unterstreicht Prodekanin Professor Miriam Rose. Und sie verweist auf die stürmische Entwicklung der Theologie. Studierende sollten sich mit den gegensätzlichen Positionen auseinandersetzen.

Angesichts des breiten Spektrums an Wissen, das im Studium vermittelt werden soll, kommen die praktischen Seiten tatsächlich etwas zu kurz. Aber das macht nichts. Es bleibt ein Leben lang Zeit, sich im Beruf zu profilieren und jene Fähigkeiten anzueignen, die im Pfarramt gefragt sind. Wie für alle Absolventen beginnt für Theologen nach dem Studium ein neuer Abschnitt des Lernens, der nie zu seinem Abschluss kommt.

Ich bin nach dem Studium nicht Pfarrerin, sondern Journalistin geworden. Die Theologie ist eine gute Grundlage für meine Arbeit in der Kirchenzeitungsredaktion. Aber selbstverständlich musste ich vieles lernen, was das Studium mir logischerweise nicht vermittelt hatte. Das heißt aber nicht, dass ich nicht eine Menge mitbekommen habe, von dem ich bis heute profitiere.

Sabine Kuschel

Lutherbibel: Der Hirsch schreit wieder

14. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Die neue, alte Bibel: Der Thüringer Altbischof Professor Christoph Kähler leitete die Überarbeitung, an der 70 Experten beteiligt waren. Mit ihm sprach Sabine Kuschel.

Herr Professor Kähler, was ist neu an der revidierten Lutherbibel?
Kähler: Es ist wieder etwas mehr Luther drin. Wir haben schätzungsweise bei einem Drittel unserer 16000 Änderungen wieder den Text hergestellt wie ihn Luther konzipiert hat. Zweitens ist die revidierte Fassung eine genauere Übersetzung des griechischen und hebräischen Textes. Wenn Luthers ursprünglicher Text den Ausgangstext sorgfältiger wiedergegeben hatte, dann stellten wir seine Übersetzung wieder her. Wir sind näher bei Luther und näher bei dem Ausgangstext, also näher bei dem Urtext.

Können Sie einige Textbeispiele nennen, wie sie vor der Revision lauteten und wie Sie übersetzt haben?
Kähler: Ja, am einfachsten ist Psalm 42: “Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.” So lesen wir es jetzt in unseren Bibeln. Luther hatte sich aber genauer an das Hebräische gehalten und das gleiche Verb gleich wiedergegeben: “Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott zu dir.” In dieser Revision kehren wir zum alten Wortlaut zurück. Das hat den Vorzug, dass das Bild einer schreienden Seele unterstreicht, wie elementar die Not ist, die der Psalmbeter ausdrückt.

In der Matthäus-Fassung der Sturmstillung steht jetzt nicht mehr, dass sich ein Sturm erhebt (Mt 8,24). So steht es nicht im griechischen Text. Darum hatte Luther übersetzt: »Da erhob sich ein groß Ungestüm im Meer.« Diese Formulierung ist heute schwer verständlich.

Wir haben jetzt an diese Stelle gesetzt: “Da war ein großes Beben im Meer.” Das „große Beben im Meer“ ist genauer am Text dran: Es beschreibt die Katastrophen der Endzeit, wie Matthäus sie sieht, und beschreibt damit genauer das, was im griechischen Text steht.

Auf der Wartburg übergab Altbischof Christoph Kähler (li.) vor einem Jahr die neue Lutherbibel an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Foto: epd-bild/Sascha Wilms

Auf der Wartburg übergab Altbischof Christoph Kähler (li.) vor einem Jahr die neue Lutherbibel an den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Foto: epd-bild/Sascha Wilms

An anderen Stellen haben wir Korrekturen zurückgenommen. In der Offenbarung, Kapitel 2, Vers 9, und Kapitel 3, Vers 9, ist 1956 übersetzt worden: »Synagoge des Satans«. Das kann zu schrecklichen Missverständnissen führen. Luther selbst sprach von einer »Schule des Satans«, was andere Missverständnisse nahelegt. Deshalb haben wir das griechische Wort Synagoge wörtlich übersetzt als »Versammlung« des Satans. Aber eben nicht Kirche oder Moschee oder Synagoge des Satans. Sondern es ging darum: Da gibt es eine Gruppe, die von dem Seher in der Offenbarung als eine Versammlung angesehen wird. Sie behaupten, sie seien Juden, sie sind es aber nicht, sie sind eine Versammlung des Satans.

Und bei den Paulus-Briefen ist aus der Anrede “Liebe Brüder” sogar “Liebe Brüder und Schwestern” geworden…
Kähler: Ja, im Griechischen ist das Wort für Brüder und für Schwestern fast dasselbe Wort. Es gibt nur verschiedene Endungen. Im deutschen Sprachgebrauch sind Brüder und Schwestern sehr verschiedene Worte. Deswegen haben wir gesagt: Wenn Paulus ganze Gemeinden anredet, die aus Frauen und Männern bestehen, dann muss das heute hörbar werden und vom Sinn her übersetzt werden. So hat Luther auch an vielen Stellen gearbeitet. Dann muss man die »Brüder und Schwestern« übersetzen. Das machen übrigens die beiden anderen großen deutschen Gebrauchsbibeln genauso: Die Zürcher Bibel 2007 und die kommende revidierte Einheitsübersetzung, die 2017 erscheinen wird. Die reden auch von Brüdern und Schwestern, weil wir wissen, dass Frauen dabei gewesen sind, zum Teil in leitenden Funktionen, was man gelegentlich übersehen hat.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass das manche bibeltreue Christen empört…
Kähler: Wir haben in der Regel keine weiblichen Ausdrücke gewählt, wo sie nicht da sind. Aber wenn ganze Gemeinden angeredet werden, von denen wir wissen, dass Frauen führende Funktionen hatten, können wir nicht so tun, als ob es nur Männer gegeben hat. Natürlich steht im griechischen Text nur der Begriff für Brüder. Aber der ist dem Begriff für Schwestern so ähnlich, dass damals jedenfalls Frauen sich mit gemeint gefühlt haben. Das ist in Deutschland noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Fall gewesen. Aber wenn wir “Brüder” anreden, hören Frauen heute nicht mehr, dass sie da auch noch gemeint seien. Das ist die Wirklichkeit der Gemeinde, die ich als Pfarrer wahrnehmen muss. Ich muss den Frauen signalisieren, damals sind die Frauen mit angeredet worden, sie hatten wichtige Funktionen in den Gemeinden. Paulus hat eine Frau wie Phöbe, die in Kenchreä Gemeindeleiterin war, als seine Patronin bezeichnet. Das muss man irgendwie wiedergeben können.

Ja, ich denke, zur Bibeltreue gehört, dass man wie Luther den Sinn der Bibel wiedergibt und nicht nur den Wortlaut.

Das Dolmetschen war für Luther und seine Mitstreiter ein mühsamer Prozess. Sie haben um die Worte gerungen. Wie war das in dem Team von 70 Experten?
Kähler: Wir sind ähnlich wie Luther vorgegangen. Einer hat sich zu Hause an den Schreibtisch gesetzt und ist mühsam Wort für Wort durchgegangen: Ist das noch sinnvoll und korrekt oder müssen wir anders formulieren? Wir hatten ausführliche schriftliche Vorlagen, eine Tabelle mit dem griechischen oder hebräischen Text, der katholischen Einheitsübersetzung, der reformierten Zürcher Bibel, Luthers Fassung von 1545, also der letzten, die er noch gesehen hat, und der Revision von 1984, also der, die im Moment im gottesdienstlichen Gebrauch ist. Dann ist der Bearbeiter eines Bibelabschnittes mit seinem Übersetzungsvorschlag in seine sechs- bis zehnköpfige Gruppe gegangen. Diese hat entweder gesagt: Was der Bearbeiter gedacht hat, leuchtet uns ein. Das machen wir genau so, wie er es vorschlägt. Oder sie haben gesagt: Das Problem, das der Bearbeiter anzeigt, ist ein Problem, aber seine Lösung ist nicht gut, deswegen haben wir an der Stelle einen anderen Vorschlag. Oder: Der alte Text ist besser, darum bleiben wir dabei.

Die Gruppe hat dann ihrerseits ihre Entscheidung begründet und ihre Vorlage mit neuen Tabellenspalten in den Lenkungsausschuss gegeben. Der Lenkungsausschuss hat dasselbe wie die Gruppe gemacht. Er hat gesagt: Der Vorschlag der Gruppe leuchtet uns ein. Das machen wir. Oder er hat gesagt: Das Problem braucht eine andere Lösung. Entweder haben wir die eingesetzt oder gesagt, das hat Luther so gut übersetzt, das kann gar nicht verbessert werden, das bleibt so, wie es ist. Wir haben sehr viele Vorschläge abgelehnt. Wir haben im Lenkungsausschuss sehr darauf geachtet, dass wir möglichst nahe bei Luther bleiben.

Es gab auch Texte, die für Streit und Diskussion gesorgt haben?
Kähler: Problematisch war für uns die Frage, wie wir das Vaterunser übersetzen. Es ging vor allem um die Frage, ob wir übersetzen: “Erlass uns unsere Schulden” oder “Vergib uns unsere Schuld”. Der Lenkungsausschuss hat dann endgültig entschieden: Wir bleiben bei dem Vaterunser-Text. Weil das, was im Griechischen steht, zwar im Plural formuliert ist, aber im Deutschen sind Schuld und Schulden als Plural zwei ganz verschiedene Begriffe geworden. Schuld ist etwas Moralisches, Ethisches, eine Verfehlung. Und Schulden sind Finanzverbindlichkeiten. Es geht primär um die Schuld vor Gott, die man im Deutschen nur in der Einzahl bezeichnen kann. Deswegen sind wir dabei geblieben, auch wenn die Einheitsübersetzung und die Zürcher Bibel es anders machen. Damit man vergleichen kann, haben wir in der Lutherbibel eine Anmerkung gemacht, dass man wörtlich übersetzen kann: “Erlass uns unsere Schulden.”

An anderen Stellen war die Frage, ob wir bei “Heiland” bleiben oder eine andere Übersetzung wählen. Die andere Übersetzung wäre “Retter” gewesen. “Euch ist heute der Retter geboren.” Wir wollten das Wort “Heiland” im Deutschen nicht verlieren. Es ist eine altertümliche Vokabel. Die wird heute wenig gebraucht. Aber wir meinten, dass im “Heiland” mehr drinsteckt, das Heil, sodass wir den “Heiland” belassen und nicht durch “retten” und “Retter” ersetzt haben.

Eher am Rande gab es ein bisschen Streit zwischen den Nordlichtern und denen, die jetzt im Süden wohnen, ob wir wie Luther von dem Wassergefährt auf dem See Genezareth sagen, dass das ein Schiff ist. So hat Luther übersetzt. Oder ob wir bei Boot bleiben? So hat man das vor 50 Jahren konsequent geändert. Leute, die eher im Norden zu Hause sind, haben gesagt: Also das ist wirklich nur ein Boot, mit dem die über den See geschippert sind, aber doch kein Schiff. Ein Schiff ist etwas anderes als ein Boot. Wenn man sich heute die Boote anguckt, mit denen die auf dem See Genezareth gefischt habendann ist ganz klar nach unserem Sprachgebrauch ein Boot. Daher bleiben wir bei dieser Bezeichnung.

Was Sie schildern, sind Streitpunkte um einzelne Worte?
Kähler: Ja. In der Regel haben wir uns kaum noch darum streiten müssen, wie wir mit ganzen Sätzen umgehen? Den Streit gab es vor 50 Jahren. Damals ging es um die Frage, ob man sozusagen das moderne Deutsch spricht, in dem Verben ziemlich konsequent an einer bestimmten Stelle im Satz stehen? Wenn ich einen Nebensatz bilde, dann wird in der Regel das Verb an das Ende des Nebensatzes gestellt: “Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt”, so hat man vor 50 Jahren formulieren wollen. Die Umstellung an den Anfang des Satzes  ist aber inzwischen von Germanisten sehr wohl als eine Stilmöglichkeit wieder anerkannt. Man darf auch sagen: “Was ihr getan habt einem von meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.” Und die Betonung, die dann eher auf den “geringsten Brüdern” liegt, diese deutsche Betonung, die wollten wir erreichen. Also haben wir die etwas größere Freiheit im Satzbau Luthers wieder aufgenommen. Weil wir inzwischen vorzügliche Germanisten und Linguisten kennen, die uns sagen: Das Idealmaß, die eine deutsche Sprache, nach der sich alle und immer richten müssen, auch in Luthers Bibel, dieses Ideal, das ist unrealistisch und engt die lebendige Sprache unnötig ein.

Was glauben Sie, wie wird diese revidierte Lutherbibel bei der jüngeren Generation ankommen?
Kähler: Es gibt, um ein Extrembeispiel zu nennen, die sogenannte “Volxbibel”, die versucht, den Rapper-Slang nachzumachen. Die hat den Anfang von Psalm 23 “Der Herr ist mein Hirte” so wiedergegeben: “Gott höchstpersönlich ist mein Dauergastgeber [whoa]« – ich  kenne keinen Jugendlichen, der sich mit dieser Sprache völlig identifiziert. Wenn man das einmal vorträgt, dann finden das manche ganz lustig. Aber ist es wichtig? Und: Kann man sich den ganzen Psalm merken?

Viele Erfahrungen in den Gemeinden lauten: Wenn wir Konfirmanden und Schüler sorgfältig einführen und sie nicht allein lassen mit der “Lutherbibel”, dann hören sie daraus, dass es um etwas ganz Besonderes geht, was auch eine besondere Sprache hat. Das muss man miteinander besprechen. Ich weiß, dass manche Sätze von den Konfirmanden und von jüngeren Schülern nicht sofort aufgenommen werden können. Gut. Damit muss man umgehen. Für Leute, die nur mit einem moderneren Deutsch klarkommen, braucht man Einstiegsbibeln, die das Lesen erleichtern. Dafür gibt es inzwischen gute Beispiele.

Für mich hat die sprachlich beste Form die Basis-Bibel. Relativ gut ist die Gute-Nachricht-Bibel, die verbessert wurde. Sie war zum Teil problematisch, ist aber im Lauf der Zeit sehr viel zuverlässiger und sorgfältiger geworden. Aber die Grunderfahrung ist die, dass Leute die es ernsthaft meinen, irgendwann endgültig zu Luther zurückfinden.

Vielleicht kann man so viel sagen: Die Lutherbibel hat ein bestimmtes Profil. In den Buchhandlungen werden heute über 40 verschiedene Übersetzungen der Bibel angeboten. Es ging nicht mehr darum, die Lutherbibel zu der einen einzigen Gebrauchsbibel in der evangelischen Kirche zu machen. Das schaffen wir nicht. Wir haben drei große Gebrauchs-Bibeln in Deutschland: Die reformierte Zürcher Bibel, die katholische Einheitsübersetzung und die Lutherübersetzung. Wir wollten das Profil der Lutherbibel schärfen. Wo ernsthaft gelesen und nachgedacht wird, erweist sich die Lutherbibel als unverzichtbar. Die ist nach wie vor ein Wurf, den nicht wir, sondern Luther und seine Mitarbeiter geschaffen haben.

Sie blicken ganz zufrieden auf Ihr Werk?
Kähler: Also, man muss dazu das sagen, was auch andere zur revidierten Einheitsübersetzung gemeint haben und was auch die Zürcher zu ihrem Werk sagen: Es gibt nicht die perfekte Bibel-Übersetzung. Wir haben zum Teil schnelle Entscheidungen gefällt. Auch wenn wir sie gründlich vorbereitet haben, wird es immer mal ein Ungenügend geben. Jetzt, wenn ich einzelne Kapitel insgesamt durchgehe, gibt es Entscheidungen, von denen ich sage: Nun ja, die hätten wir vielleicht anders fällen können oder die hätten wir gar nicht fällen müssen oder wir hätten gut beim alten Text bleiben können. Insgesamt aber bin ich froh und zufrieden über das, was geleistet worden ist. Es ist ein besserer Text geworden nach diesen beiden Kriterien: Mehr Luther, und er ist genauer und an manchen Stellen auch deutlich lesbarer geworden.

Wann wird es die nächste Revision geben?
Kähler: Das weiß ich nicht. Eine Bibelübersetzung muss etwa alle zwei Generationen lang auf den Prüfstand gestellt werden, weil es neue Erkenntnisse der Wissenschaft gibt. Auch die Sprache kann sich so verändern, dass Ausdrücke so missverständlich geworden sind, dass man sie nicht weiter verwenden kann.

Trau keiner Studie

2. Oktober 2016 von redaktionguh  
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Jeder Einkauf im Supermarkt ist ein Erntedankfest: dieses reiche Angebot an Äpfeln, Pflaumen, Tomaten und Kürbissen!

Leider schlummert in vielen Nahrungsmitteln so manche tatsächliche oder vermeintliche Gefahr. Genuss ohne Angst oder Reue ist heutzutage kaum möglich. Rinderwahnsinn, Hormone und Antibiotika im Fleisch, Glykol im Wein. Doch nicht nur Lebensmittelskandale sorgen dafür, dass einem der Appetit vergeht. Auf der Suche nach Krankheitsursachen beziehungsweise nach der optimalen Ernährung geraten so manche Erntegaben auf die Fahndungsliste verdächtiger Lebensmittel. Eier wegen ihres hohen Cholesteringehaltes. Brot, weil es reich an Kohlenhydraten ist, die angeblich dick machen. Auch dem Kaffee wurden etliche Untugenden zugeschrieben.

Was gestern als ungesund galt, ist heute der Gesundheit zuträglich. Wer geglaubt hat, Eier erhöhen den Cholesterinspiegel und damit das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt, hat sich geirrt. Und sollte fortan das Frühstücksei am Sonntagmorgen und an jedem anderen Tag sorglos genießen. Glücklicherweise sind auch Studien, die dem Kaffee eine schädliche Wirkung attestierten, widerlegt. Das anregende Getränk wirkt gegen Gicht, tut der Leber gut und – gilt als Schlankmacher. Na dann – warum nicht dazu etwas Brot! Denn dass das dick macht, gilt nur so lange, bis eine Ernährungsstudie das Gegenteil belegt.

Es versteht sich von selbst, dass es bei allem, was wir tun, denken und essen, auf das richtige Maß ankommt. Jedes Übermaß kann schaden. Das Maß zu erkennen, ist Gabe Gottes – und Aufgabe. Deshalb: Wohl dem, der den Studien nicht allzu viel Bedeutung beimisst und nicht jedem neuen Trend hinterherläuft.

Sabine Kuschel

Zum Glück gezwungen

19. September 2016 von redaktionguh  
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Eine heilsame Empfehlung für eine Lebensbalance gibt schon die Bibel. Im ersten Buch Mose wird ausführlich berichtet, wie Gott sechs Tage »alle Hände voll zu tun hatte«, um die Erde zu schaffen. Aber am siebenten Tag »ruhte er von allen seinen Werken«. Er betrachtete alles, was er geschaffen hatte und hatte seine helle Freude an allem. Die alttestamentliche Schöpfungsgeschichte lehrt, selbst Gott, der es eigentlich nicht nötig haben müsste, legt nach sechs Tagen Arbeit die Hände in den Schoß. Wie hätte er sonst sehen können, dass alles gut war.
Wir Menschen brauchen den Wechsel von Anspannung und Entspannung, von Aktivität und Ruhe. Manchmal ist das körperlich genau zu spüren. Wenn nach einer Phase intensiven Nachdenkens oder praktischen Tätigseins die Konzentration schwindet, sich Müdigkeit einstellt. Nichts gelingt mehr! Aber nach einer Pause geht es oft viel besser.

Manchmal müssen wir zu unserem Glück gezwungen werden. Mit der gesetzlich geschützte Ruhe am Sonntag beispielsweise. Und sie hat es schwer. Neben den klassischen Sonntagsarbeitern in der Pflege, bei Polizei und Bahn, Tankstellen und Gaststätten wird in immer mehr Bereichen, in Wirtschaft, Tourismus und Industrie, um Ausnahmeregelungen gerungen. Nach Umfragen eines Marktforschungsinstituts würde fast ein Drittel der Deutschen für eine Aufhebung des Verkaufsverbotes am Sonntag plädieren.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sind froh, wenn sie an verkaufsoffenen Sonntagen einkaufen gehen können. Die Tendenz zeigt: ein ausgewogenes Verhältnis zu finden will gelernt sein. Wenn dies so einfach wäre, gäbe es kaum eine Empfehlung dafür in der Bibel. Und das dritte Gebot wäre überflüssig. Ist es aber nicht!

Sabine Kuschel

»Der demografische Wandel trifft uns hart«

29. August 2016 von redaktionguh  
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Im Jahr 2025 könnte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland etwa 35 Prozent weniger Kirchensteuerzahler haben. Wie stellt sie sich darauf ein? Sabine Kuschel sprach darüber mit Finanzdezernent Oberkirchenrat Stefan Große.

Herr Oberkirchenrat Große, wie stellt sich die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) auf den demografischen Wandel ein?
Große:
Die EKM kann sich allein aus ihren Kirchensteuern nicht finanzieren. Lediglich etwa 50 Prozent der Einnahmen sind Kirchensteuern unserer Mitglieder. Etwa 30 Prozent der Einnahmen kommen aus dem Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und damit von der Gemeinschaft der Geberkirchen. Und etwa 20 Prozent sind Staatsleistungen von den Bundesländern, aufgrund der Staatskirchenverträge aus den frühen 1990er-Jahren.

Stefan Große (57), Leiter des Finanzdezernates im Landeskirchenamt Erfurt. Foto: Harald Krille

Stefan Große (57), Leiter des Finanzdezernates im Landeskirchenamt Erfurt. Foto: Harald Krille

Der demografische Wandel trifft uns hart, aber auch ganz unterschiedlich: Im Norden der EKM wirkt er tendenziell stärker, im Süden aufgrund der höheren Kirchlichkeit weniger. Aber in etlichen Städten nimmt die Gemeindegliederzahl wegen des gesellschaftlichen Trends, in die Städte und Ballungszentren zu ziehen, zu. Mit dem Finanzgesetz ist es uns schon ganz gut gelungen, die unterschiedlichen Situationen in der EKM zu berücksichtigen. Es setzt ganz bewusst nur Rahmenbedingungen für die Arbeit in den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden. Dort kann die Arbeit dann auf die unterschiedlichen Voraussetzungen eingestellt werden. Der Schwerpunkt liegt darin, den Verkündigungsdienst finanziell zu gewährleisten. Zuerst kommen also die Inhalte. Dafür geben wir das meiste Geld aus.

Die Formel für die Berechnung der zu finanzierenden Stellen für den Verkündigungsdienst kommt mit wenigen Kriterien aus: Gemeindegliederzahl, Einwohnerzahl, die Zahl der Landgemeinden und der prozentuale Christenanteil. Das sind die Makrokriterien. Aufgabe der Kirchenkreise ist es, ihrer jeweiligen Situation und Einsicht angepasste Mikrokriterien zu entwickeln und auf der Grundlage dieser Mikrokriterien die Stellen, die sie aufgrund der Makrokriterien zur Verfügung haben, im Kirchenkreis aufzuteilen. Lebendig wird das Prinzip durch eine transparente und offene Auseinandersetzung im jeweiligen Kirchenkreis.

Wo soll in den nächsten Jahren gespart werden?
Große:
Wir hatten in den letzten Jahren ein gutes Kirchensteueraufkommen. Nur muss man auch sehen, dass EKD-weit seit 1994 die staatlichen Steuern um 50 Prozent gestiegen sind, die Kirchensteuern um durchschnittlich nur 18 Prozent, die Kosten aber um
40 Prozent. Die Entwicklung der Gemeindeglieder ist weiter rückläufig!

Wir gehen nach derzeitiger Planung davon aus, dass wir im Jahr 2025 mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation 35 Prozent weniger Kirchensteuerzahler aus dem Bereich der Erwerbstätigen haben werden. Damit werden die Einnahmen sinken und wir müssen die Ausgaben anpassen. Das ist bitter, wird aber nicht weniger bitter, wenn wir die Augen davor verschließen. Wenn wir uns aber heute unaufgeregt darauf einstellen, nicht in Panik verfallen, angemessen langfristig planen und die Chancen aus der vergleichsweise guten Situation heute nutzen, wird auch dies – mit allen Schwierigkeiten – gestaltbar sein.

Wir versuchen zunächst die Einnahmen zu stabilisieren. Neben der Kirchensteuer gibt es noch weitere Einnahmen, wie zum Beispiel die Einnahmen aus Grundstücken. Hier denke ich insbesondere an die Pachteinnahmen aus dem Pfarrland, die den Kirchenkreisen zur Verfügung stehen. Immerhin finanzieren die Kirchenkreise der EKM gegenwärtig rund 140 Pfarrstellen aus den Pfarrlandeinnahmen. Dem Baulastfonds der Kirchenkreise fließen aus den Pachten rund 5 Millionen Euro zu. Deutlich Luft nach oben gibt es beim Gemeindebeitrag, der in voller Höhe in der jeweiligen Kirchengemeinde bleibt. Wie bei allen Spenden kommt es sehr darauf an, ob und wie geworben wird, ob es konkrete Projekte
gibt, die den Beitrag plausibel machen.

Wo muss oder soll denn nun konkret gespart werden?
Große:
Sparen ist übrigens eine Bezeichnung, die nicht zutreffend ist. Wer spart, legt etwas von dem, was er übrighat, auf die hohe Kante. Wir versuchen von dem Geld, das wir heute schon zu wenig haben, weniger auszugeben. Dabei kommen wir an dem Schwerpunkt, dem Verkündigungsdienst, leider nicht vorbei. Ab Januar 2019 müssen die Kirchenkreise ihre bisherigen Stellenpläne aufgrund der veränderten Kriterien anpassen. Das wird zu einer zusätzlichen Einsparung von rund 80 Stellen im Verkündigungsdienst der 37 Kirchenkreise führen.

Das Finanzgesetz legt auch fest, dass die Finanzierung der Ebene der Landeskirche und aller ihrer Aktivitäten an die Entwicklung auf der Ebene der Kirchenkreise und Kirchengemeinden gekoppelt ist.
Große:
Das betrifft alle gesamtkirchlichen Aufgaben vom Zuschuss für die Diakonie über die Finanzierung des Pädagogisch-Theologischen Instituts, der Evangelischen Akademien, der Tagungshäuser, der Sonderseelsorge bis hin zum Landeskirchenamt oder Zuschüssen für die Kirchenzeitung, um ein paar Beispiele zu nennen. Es kann in der EKM nicht auf der Ebene der Kirchenkreise und Kirchengemeinden weniger und auf der Ebene der Landeskirche mehr Geld ausgegeben werden. Daher hat Präsidentin Andrae in ihrem Sommerinterview auf den Betrag von 2,5 bis 3 Millionen Euro hingewiesen, den die Landeskirche bis 2019 einsparen muss. Das wird hart und für das Landeskirchenamt kann ich sagen: Wir sind schon mitten in den Diskussionen.

Wie kann vermieden werden, dass der nächsten Generation Lasten übergeben werden?
Große:
Wir haben in den vergangenen Jahren auf dem Weg der finanziellen Konsolidierung der EKM einiges geschafft. Die guten Kirchensteuer-Jahre waren da hilfreich. Wir konnten gerade bei der Sicherung der Pensionsansprüche Fortschritte erreichen. Gleichzeitig bescheinigt uns ein Versorgungsgutachten eine Lücke bei der Absicherung von immer noch 122 Millionen Euro. Diese wäre durch eine entsprechende Sonderzahlung zu schließen. Daran arbeiten wir. Wäre sie geschlossen, hätten wir im Haushalt Mittel frei. Diese könnten gezielt eingesetzt werden, um langfristig weitere Mittel zu akkumulieren, die die zukünftigen Haushalte derer, die nach uns Verantwortung tragen, entlasten würden.

Gut ist auch, dass die EKM selbst keine Kredite zur Finanzierung des laufenden Haushalts benötigt. Die Kreditbelastung der Kirchenkreise und Kirchengemeinden ist ebenfalls rückläufig. Kredite auf diesen Ebenen wurden stets nur für Investitionsvorhaben und im Regelfall auch nur für 10 Jahre aufgenommen.

Der Blick in die Zukunft: Wie wird die EKM im Jahr 2025 aussehen? Wo liegen ihre Schwerpunkte?
Große:
In zehn Jahren sind wir, so Gott will und keine Katastrophen eintreten, finanziell so solide wie heute. Wir werden hoffentlich Chancen noch zu nutzen wissen.

Dazu gehören für mich die Erprobungsräume, die hoffentlich bis dahin Nachahmer gefunden haben. Innovationsfreude sollte uns beflügeln und stärker sein als manche Klage, die bestimmt ihre Berechtigung hat, aber nicht das letzte Wort haben sollte. Schön wäre es auch, wenn dann in der EKM wieder stärker über Inhalte und erst in zweiter Linie über Geld gesprochen würde. Kirche ist zuerst eine lebendige Gemeinschaft, die Christen zusammenführt, die sie gestalten wollen, und das nicht mit dem Taschenrechner, sondern mit dem Bekenntnis zu dem, der da war, der da ist und der da sein wird.

Mitteldeutsch-2-35-2016

Wirkungsvolle Zahlenspiele

26. August 2016 von redaktionguh  
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Der Mathematiker Gerd Bosbach sieht die demografische Entwicklung nicht so dramatisch wie sie meistens dargestellt wird.

Der demografische Wandel scheint seit Jahren in Deutschland ein Sorgenkind zu sein. Zu wenig Kinder, zu viele alte Menschen, die der nachwachsenden Generation zur Last fallen. Dieses Horrorbild wird von der Zukunft in Deutschland gezeichnet. Einer, der die Bevölkerungsentwicklung nicht so dramatisch sieht, ist der Mathematiker Gerd Bosbach, Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Hochschule Koblenz. »Hier wird eine Notsituation konstruiert, die keiner statistischen Untersuchung standhält.« Den großen Fehler sieht der Mathematiker in den 50-Jahres-Prognosen, die nur in die Zukunft schauen, die Vergangenheit jedoch ausblenden. Der Professor lenkt den Blick auf die Entwicklung im 20. Jahrhundert. Die Bevölkerung sei um etwa 30 Jahre gealtert, der Kinderanteil habe sich halbiert, der Rentenanteil verdreifacht. Nach der aktuellen »Logik« von Demografie hätte eigentlich eine wirtschaftlich-soziale Katastrophe eintreten müssen. Dies ist nicht passiert. Stattdessen, so Bosbach, sind sowohl der Sozialstaat als auch der Wohlstand explodiert. 1966 habe kein Mensch gewusst, wie die Welt 2016 aussieht. Ebenso könne niemand vorhersagen, wie sich die Welt in den kommenden 50 Jahren entwickeln wird. All die Warnungen vor einer stetig wachsenden Zahl von pflegebedürftigen alten Menschen oder vor Arbeitskräftemangel beruhten auf Ergebnissen von Modellrechnungen, erläutert der Professor. So gehen Statistiken beispielsweise davon aus, dass sich die Zahl der Erwerbsfähigen um gut ein Drittel verringert. »Das macht Angst«, bemerkt Bosbach, die sei jedoch unbegründet, denn der Rückgang des Arbeitskräftepotenzials um etwa 34 Prozent sei keine Herausforderung für morgen, sondern eine, für die wir mehr als 50 Jahre Zeit haben. »Fürs Jahr betrachtet, liegt der Rückgang also nur bei 0,8 Prozent. Anders ausgedrückt: Nächstes Jahr müssen 99 das schaffen, was heute 100 schaffen!« Die Produktivitätsentwicklung sei bei diesen Berechnungen ebenso wenig berücksichtigt wie die gesetzlich beschlossene Rente mit 67.

Die Kirche als Spiegel der Gesellschaft: Nicht nur die Gesamtbevölkerung wird immer älter, auch die Kirche steht angesichts der Tatsache, dass ihre Mitglieder älter und immer weniger werden, vor großen Herausforderungen. Grafik: G+H; mit Verwendung von Bildelementen von Wilhelmine Wulff_All Silhouettes /pixelio.de

Die Kirche als Spiegel der Gesellschaft: Nicht nur die Gesamtbevölkerung wird immer älter, auch die Kirche steht angesichts der Tatsache, dass ihre Mitglieder älter und immer weniger werden, vor großen Herausforderungen. Grafik: G+H; mit Verwendung von Bildelementen von Wilhelmine Wulff_All Silhouettes /pixelio.de

Wie konnte die Bevölkerungsstatistik, die vor 20 Jahren ein Schattendasein fristete, derart salonfähig werden? Die Gewinner der Demografie-Debatte macht der Mathematiker unter den Arbeitgebern und der Versicherungsbranche ausfindig. Die Arbeitgeber, sagt Bosbach, konnten aus der paritätisch finanzierten Rente aussteigen, da Arbeitnehmer die Riester-Rente allein finanzieren. Und die Versicherer würden durch Riester- und Rürup-Rente Milliardengewinne einfahren.

Um deutlich zu machen, wie Zahlenspiele wirkungsvoll eingesetzt werden, nennt Bosbach die Klage über den angeblich demografisch bedingten Ärztemangel. Tatsächlich aber hindere ein strenger Numerus clausus für das Medizinstudium viele junge Menschen daran, den Arztberuf zu ergreifen.

Der Professor kommt auf die Kinderzahlen in Deutschland zu sprechen. Es werde versucht, uns »demografisch« weiszumachen, dass die 1,4 Kinder pro Frau ein Riesenproblem seien, Deutschland der Untergang drohe. Seit 1970, also seit etwa zwei Generationen, betont Bosbach, hat Deutschland nach offiziellen Berechnungen 1,4 Kinder pro Frau. »Seitdem hat sich aber die Bevölkerungszahl nicht drastisch dezimiert, sondern ist von 78,1 auf 80,8 Millionen gewachsen.«

Apropos Kinderzahlen. Die demografische Entwicklung werde nicht erst heute verantwortlich gemacht für die wirtschaftliche Situation. Um 1900 ging es den Menschen in Deutschland wesentlich schlechter, so der Mathematiker, damals wurde der niedrige Wohlstand mit dem Kinderreichtum begründet. »Jetzt ist es umgekehrt.« Die niedrige Geburtenrate müsse herhalten, um sinkenden Wohlstand zu prognostizieren.

Bosbachs Erkenntnis, dass der demografische Wandel mit Gelassenheit gesehen werden kann, ist gewiss auch für die Kirche bedenkenswert. Ihre Sorgen um kleiner werdende Gemeinden kann sie allerdings nicht beiseitelegen. Das tut sie auch nicht. Seit Jahren nimmt sie die Zahlen ernst und ist bemüht, sich auf die veränderte Situation einzustellen.

Sabine Kuschel

Nicht Rückblick, sondern Aufbruch

15. August 2016 von redaktionguh  
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Für unsere Sommerinterview-Serie traf Sabine Kuschel Margot Käßmann in einem Berliner Restaurant. Sie sprachen über das Reformationsjubiläum, Mission, Karriere und Zukunftspläne.

Frau Käßmann, Sie sind Botschafterin für das Reformationsjubiläum – was sind die Herausforderungen dieses Jobs?
Käßmann:
Der Bundestag hat gesagt, das Reformationsjubiläum ist von kulturhistorischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland, für Europa, ja, die Welt. Meine Aufgabe ist, nach außen zu vermitteln, dass das Reformationsjubiläum alle angeht. Es ist kein binnenkirchliches Ereignis, sondern auch ein säkulares. Das macht mir besonders Spaß. Ich habe zudem viele Partnerkirchen im Ausland besucht.

Es wird kein deutsch-nationales Reformationsjubiläum wie 1817 oder 1917 werden, sondern ein internationales. Einerseits, weil Gäste aus dem Ausland zu uns kommen, andererseits, weil unsere Partnerkirchen in Asien, Afrika, Lateinamerika sagen: Das ist auch unser Jubiläum. Die Partnerkirchen in aller Welt entwickeln tolle Ideen, wie sie das Jubiläumsjahr vor Ort begehen wollen.

Sportlich: Mit dem Fahrrad kam Margot Käßmann zum Interview in eines ihrer Lieblingsrestaurants in der Hauptstadt. Foto: Sabine Kuschel

Sportlich: Mit dem Fahrrad kam Margot Käßmann zum Interview in eines ihrer Lieblingsrestaurants in der Hauptstadt. Foto: Sabine Kuschel

Eine Arbeit, die Freude macht?
Käßmann:
Weil ich meine Arbeit auch mit Leidenschaft mache. Ich finde diese Form berufstätig zu sein jetzt noch schöner, als Ratsvorsitzende zu sein. Sämtliche Dienstverpflichtungen wie Sitzungen, Akteneinsicht, Dokumente redigieren, habe ich nicht mehr. Ich kann schreiben, Vorträge halten, ich predige jede Woche woanders, quer durch die Republik. Das macht mir Spaß.

Was beschäftigt Sie zurzeit am meisten?
Käßmann:
Die Konzeption der Welt–ausstellung. Wir werden 16 Wochen vom 20. Mai bis 4. September 2017 Wittenberg sozusagen als Ausstellungsgelände erleben. Es wird 14 Themenwochen geben, die wir jetzt inhaltlich planen. Themen sind unter anderen Europa, Ökumene, Bildung, Gerechtigkeit, Dialog der Religionen, Frieden, Spiritualität.

Worauf freuen Sie sich besonders?
Käßmann:
Auf den Reformationssommer insgesamt. Jeden Tag, den ganzen Sommer, werden Menschen nach Wittenberg kommen, um am Ende sagen zu können: Das war nicht Rückblick, sondern das war Aufbruch.

Was könnte schiefgehen?
Käßmann:
Dass es Desinteresse gibt. Die Kirchen in Ostdeutschland haben es wirklich schwer. Sie sind in einer Minderheitssituation. Es ist da eine besondere Herausforderung, überzeugend von Gott zu reden. Ich wünsche mir, dass das Reformationsjubiläum für die Kirchen in Ostdeutschland ein ermutigendes Ereignis wird.

Das Wort »Mission« hat einen schlechten Klang, auch in Deutschland. Aber mittlerweile ist die Einsicht gewachsen, wenn Christen hier nicht missionarisch wirken, stirbt der Glauben. Wie stehen Sie zur Mission?
Käßmann:
Bei einer Tagung 1998 in Simbabwe hörte ich Nelson Mandela sagen: Die Missionare haben vielleicht viele Fehler gemacht, aber sie haben uns in Südafrika den Gedanken in den Kopf gesetzt, dass wir Schwarzen genausoviel wert sind wie die Weißen. Dieser Gedanke ist nicht mehr weggegangen. Das fand ich sehr interessant.

Ich denke, es ist richtig, diesen Gedanken von der Würde jedes Menschen weiterzugeben. Es gibt einen schönen Satz: »Missionarisch sein heißt, lebe so, dass andere dich fragen, warum du so lebst.« Ich finde, die Christen sollten sich nicht scheuen, auch zu sagen, wo der Grund ihrer Haltung liegt. Sie sollten offen über ihren Glauben reden.

Und die Türen der Kirchen sollten weit geöffnet werden für die Menschen. Bei der Weltausstellung in Wittenberg haben wir beispielsweise ein Panorama von Yadegar Asisi, das schlicht spannend ist für Menschen mit und ohne Glauben. Ich wünsche mir, dass das auch eine missionarische Chance hat 2017.

Was eine Theologin in Deutschland erreichen kann, haben Sie erreicht. Wie haben Sie das geschafft?
Käßmann:
Es hat sich eines aus dem anderen ergeben. Ich hatte zweimal im Leben einen großen Vorteil durch Glück. 1974 hatte ich ein Stipendium in den USA gewonnen. Ich hatte mich fast nebenbei in der Schule beworben und konnte ein Jahr in den USA verbringen. Das war eine enorme Horizonterweiterung. Dort habe ich fließend Englisch gelernt.
Sommerlogo GuHAls ich 1983 als Jugenddelegierte der Landeskirche Kurhessen-Waldeck in Vancouver teilnahm, wurde ich als jüngstes Mitglied in den Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen gewählt. Da war ich bis 2002 Mitglied. Das sind fast 20 Jahre, in denen ich internationale Erfahrungen sammeln konnte, Sitzungen zu leiten hatte. Das war eine intensive Erfahrung, die für mich später in Leitungssituationen von großem Vorteil war, etwa als Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, auch dann bei der Wahl zur Landesbischöfin. Ich wäre sicher nicht Bischöfin geworden ohne diese Vancouver-Vorgeschichte.

Und dann: Wenn ich gefragt wurde, hatte ich oft den Mut, »Ja« zu sagen. Das liegt vielleicht auch daran: meine Mutter hatte nie Zweifel, dass eine Frau alles erreichen kann.

Wittenberg ist eine kleine Stadt, in der Reformationsgeschichte geschrieben wurde. Wissen die Wittenberger um den Wert ihrer Stadt?
Käßmann:
Die Wittenberger wissen, was ihre Stadt wert ist. Wittenberg war ein Zentrum von Ideen und Gedanken, auch universitär. Die Stadt sollte nicht unterschätzt werden. Es wird jetzt viel renoviert. Es ist großartig, dass die historischen Stätten so aufgearbeitet werden. Es tut sich einiges.

Was kommt danach, nach dem großen Fest und Jubiläumsjahr?
Käßmann:
Meine Erfahrung mit Kirchentagen ist nun sehr, sehr lang. Menschen, die von Kirchentagen zurück nach Hause kommen, bringen Ideen mit; sie sind ermutigt, haben eine Tankstelle für die Seele erlebt und können dann in ihrer kleinen Gemeinde vielfach wieder Erfahrungen umsetzen.
Sonne-webEs werden viele neue Verbindungen entstehen, die dann auch Kreativität freisetzen. Wir geben das Reformationsjubiläum 2018 weiter in die Schweizer Kirchen. Sie werden ab 2019 ihren Zwingli ins Zentrum setzen. Und viele Orte werden weitermachen. Ich denke eher an Aufbruch, als an Abfeiern.

Und wie wird es für Sie persönlich weitergehen?
Käßmann:
Für das Jahr 2018 habe ich schon jetzt viele Einladungen. Bis Juni 2018 werde ich unterwegs sein. Am
3. Juni 2018 werde ich 60 und werde offiziell in Pension gehen. Von Juni bis Dezember nehme ich keine Einladungen an, um auch den Bruch zu markieren. Aber danach kann ich ja glücklicherweise weiterhin schreiben, Vorträge halten, predigen. Langweilen werde ich mich nicht.

Ich wünsche mir, mehr Zeit für die Enkelkinder zu haben. Drei habe ich schon.

Wie geht es Ihnen mit dem Älterwerden?
Käßmann:
Ich merke schon, dass ich älter werde. Neulich bin ich mit meiner jüngsten Tochter zum Joggen gegangen. Als sie 115 Stufentreppen rasant hochgelaufen ist, musste ich mich anstrengen, dass ich hinterherkomme. Ich merke das Alter auch an den Falten, aber ich fühle mich noch nicht so alt wie ich bin.

Allerdings beschäftige ich mich öfter mit der Frage, wie mein Leben im Alter aussehen soll. Willst du in deiner Wohnung bleiben? Willst du Teil einer Wohngemeinschaft sein? Ich bin sehr dankbar, dass es heute professionelle ambulante Pflege gibt. Niemand muss unbedingt in ein Pflegeheim gehen, sondern kann zu Hause bleiben. Das würde ich auch gerne.

Mein Jahrgang taucht häufiger in den Traueranzeigen auf. Ich hänge am Leben, ich will jetzt noch nicht sterben, aber wenn es so sein sollte, wäre das für mich okay. Ich habe ein volles Leben gelebt.

Ich hatte vor zehn Jahren Brustkrebs. Das hätte auch anders ausgehen können. Ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich gesund geblieben bin.

Gibt es einen Lieblingsort, wo Sie Kraft tanken?
Käßmann:
Die Insel Usedom ist ein wunderschöner Flecken Erde. Ich habe dort ein Ferienhaus. Ich möchte dort beerdigt werden. Und hier in Berlin gibt es ein großes kulturelles Angebot, Theater, Museen, Kino. Heute Morgen, das Wetter war so schön, bin ich an den Schlachtensee gefahren, dort bin ich gern. Ich bin um den See gelaufen und dann eine halbe Stunde geschwommen. Das war großartig.

Ich mache gern Sport: Laufen, Schwimmen, Radfahren. Oder ich lege mich aufs Sofa und gucke im Fernsehen ein Fußballspiel oder den »Tatort«. Oder ich setze mich auf meinen kleinen Balkon und lese einen Krimi. Ich gehe auch gern ins Kabarett und ins Kino.

Professor Dr. Dr. h. c. Margot Käßmann wird am Donnerstag, 25. August, in Weimar als Festrednerin anlässlich des Empfangs von Kirche und Diakonie zum Herdergeburtstag erwartet. Ihr Thema: »Reformationsjubiläum 2017 – was gibt es da zu feiern?« Beginn der Veranstaltung, zu der auch die Verleihung des diesjährigen Herderförderpreises gehört, ist 17 Uhr in der Stadtkirche St. Peter und Paul.

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