Auf Seitenpfaden unterwegs
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus

Auch an der Reppichauer Kirche stehen Skulpturen, die den historischen Malerein im Sachsenspielel nachempfunden wurden (Foto: privat)
Fritz Matthei heißt die Pilger willkommen. Vor dem Start der dritten Etappe des »Pilgerns auf dem Lutherweg 2010« führt er das Dutzend Gehwillige, welches sich am 14. August versammelt hat, durch die romanische Nikolaikirche in Aken. Gekonnt zeigt Matthei Wege auf, die von der einst wohlhabenden Elbeschifferstadt in die Welt führten. Nach Österreich zum Beispiel, wo Theodor von Sickel Karriere machte. Der Sohn einer Akener Pfarrersfamilie stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Diplomatik (Urkundenlehre) auf neue Grundlagen.
Nach kurzer Andacht gehen die Pilger auf das 20 Kilometer entfernte Köthen zu. Zwar sind im Spätsommer die Wälder noch nicht bunt, aber die Stoppelfelder hier gelb. Halb verwilderte Obstbäume säumen den Weg. Pflaumen und Äpfel müssen noch reifen, aber die Mirabellen schmecken bereits.
Hinter Wäldchen, Wiesen, Pferdekoppeln kommt Reppichau in Sicht. Das Dorf präsentiert sich als Freilichtmuseum. Überlebensgroße Figuren, die der örtliche Kunstschmied Frank Schönemann anfertigte, stehen am Dorfteich und anderswo. Wandmalereien an Häusern stammen von Steffen Rogge aus Köthen. Alle sind nach historischen Vorlagen geschaffen: den bebilderten Handschriften des Sachsenspiegels, des wichtigsten deutschen Rechtsbuches des Mittelalters.
Sein Autor, Eike von Repgow (um 1180 bis um 1135), gilt als Sohn des Dorfes. Tatsache ist: Aus dem Jahr 1159 sind der Ortsname Ripechove und die Brüder Marquard, Eico und Arnold überliefert. Ob es sich bei Eico wirklich um den Verfasser des Sachsenspiegels handelt, ob der berühmte Eike überhaupt mit der in Reppichau ansässigen Familie verwandt war, bleibt aufgrund der Quellenlage umstritten. Trotzdem: Die Kunstwerke und das Informationszentrum in Form einer Burg mit Zinnen und Türmchen machen das Dorf unverwechselbar.
Die Dorfkirche besteht aus einem fast völlig von Efeu umschlungenen romanischen Turm und dem 1823 fertiggestellten Schiff. Hier ist Zeit für die nächste Andacht, danach für eine Kaffeepause unter den alten Bäumen des Kirchgartens und dem kritischen Blick Eike von Repgows, für den ein Denkmal seit 1934 an der Turmmauer steht.
Von Reppichau aus wird der Lutherweg entlang eines Radweges über Elsnigk nach Osternienburg geführt, dann mit der Straße nach Sibbesdorf und Zehringen bis Köthen. Was für Radler ideal ist – feste, glatte Fahrbahnen – erfreut nicht unbedingt den Fußgänger. Die Gruppe schlägt deshalb bei Reppichau eine schmale Straße nach Kleinzerbst und dann einen Weg an den Rustteichen vorbei nach Osternienburg ein. Später geht sie auf Nebenstraßen über Pißdorf und Elsdorf nach Köthen weiter.
Mit jedem Schritt werden die Türme der Jakobskirche, die irgendwann am Horizont auftauchen, größer. Die Pilger durchqueren die Schlossanlage und erreichen schließlich die Noch-Baustelle Jakobskirche, wo Pfarrer Wolfram Hädicke die Andacht übernimmt. Dankbar lässt sich die Gruppe auf den staubigen Kirchenbänken nieder und betrachtet das fast fertig restaurierte Kirchenschiff. Bis zum Beginn der Bachfesttage am 1. September wird auch das letzte Stäubchen verschwunden sein.
Angela Stoye
Letztes »Pilgern auf dem Lutherweg 2010« am 4. September von Köthen nach Bernburg. Anmeldungen diesmal an Sonja Hahn, E-Mail sonja.hahn@gmx.net






