Eine Gemeinde im Aufbruch
4. März 2011 von redaktionguh
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Die Kirche in Wölfis ist saniert, das lebendige Gemeindeleben kann nun wachsen.

Pfarrerin mit Weitblick und Tatendrang: Sandra Reinhardt wirkt seit 2008 in Wölfis. (Foto: Hartmut Ellrich)
Es ist kalt in der Wölfiser St.-Crucis-Kirche, als Pfarrerin Sandra Reinhardt (44) das Gotteshaus aufschließt. Drinnen angekommen fällt der Blick zunächst auf den barocken Kanzelaltar, der den weiten Raum mit seinen dreigeschossigen Emporen beherrscht. Unweigerlich blickt man nach oben in die hölzerne Tonne, wo noch vor wenigen Jahren gähnende Leere herrschte.
Die Kirchengemeinde bewies Mut, als sie 2008 den Gräfenhainer Maler und Restaurator Gert Weber mit einem Farbkonzept und der Gestaltung der fünf zentralen Deckenfelder beauftragt hatte. Sein in kräftigen Farben gestalteter Kreuzweg antwortet seitdem unmittelbar auf den Namen der Kirche. Noch fehlen die Farbfassung von Altar und Orgel.
Dennoch steht hinter der engagierten Pfarrerin, die sich mit Ehemann Lars Christian eine 125-Prozent-Stelle teilt, eine lebendige Gemeinde. 771 Seelen, darunter viele junge Familien, prägen das Leben des Dorfes im Kirchenkreis Waltershausen-Ohrdruf.
Die Verbundenheit zum Gotteshaus geht dabei weit über die Gemeindegrenzen hinaus, berichtet Sandra Reinhardt. So gestaltet das Blasorchester Wölfis alljährlich das Konzert zum zweiten Weihnachtsfeiertag, und der Frauenchor wirkt beim Gemeindefest im Sommer mit. Mit letzterem setzten Lars und Sandra Reinhardt ganz eigene Akzente, denn jede der zu ihrem Kirchspiel gehörenden drei Gemeinden feiert seit 2009 ihr ganz individuelles Fest. Wie erfolgreich die Wölfiser im Feiern sind, zeigt der alljährliche Weihnachtsmarkt, dessen Erlös 2010 die neue Beleuchtung im Kircheninneren ermöglichte.
Zu den Aktivitäten gehörte bis zum Ruhestand von Amtsvorgänger Falk Blüthner auch die alljährliche Büttenrede des Pfarrers als Gegenpart für die Unterstützung des weihnachtlichen Krippenspiels durch den Faschingsverein. Doch für Büttenreden muss man geboren sein, und Sandra Reinhardt gesteht freimütig, dieses Talent nicht zu besitzen. Dagegen versteht sie es mit ihrem Mann, die Kinder und Jugendlichen vom Glauben zu begeistern, sei es mit dem monatlich stattfindenden und von Annett Triebel aus Wölfis gestalteten Kindergottesdienst, der Kinder- und Jugendarbeit von Katechetin Ulrike Großkopp aus Ohrdruf oder der eigenen Konfirmandenarbeit.
Nicht weniger als 14 Konfirmanden zählt das Kirchspiel 2011. Auch der Jugendkreis im 2009 eingeweihten Raum findet in Wölfis statt. Die ältere Generation trifft sich monatlich einmal zum Seniorenkreis. Neu ist das Angebot, St. Crucis gegen ein Entgelt für Trauerfeiern über Konfessionsgrenzen hinaus zu öffnen. Man darf gespannt sein, welche Ideen die sympathische Pfarrerin und ihr Gemeindekirchenrat noch entwickeln. In Wölfis fallen sie garantiert auf fruchtbaren Boden.
Hartmut Ellrich
Kein Vergleich(en) mit anderen
26. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Herr, wer ist dir gleich? Der du den Elenden rettest vor dem, der ihm zu stark ist, und den Elenden und Armen vor seinen Räubern.Psalm 35, Vers 10.
Ach, hätte ich doch so unkomplizierte Kinder wie Frau Meier, oder könnte ich nicht mal in dem schicken Hotel Urlaub machen wie Familie Weber, und der Friseur von meiner besten Freundin ist viel besser als meiner. Vergleichen macht unzufrieden. Ich bin scheinbar so klein und minderwertig. Es gibt immer jemanden, der etwas Besseres besitzt, schicker aussieht und etwas kann, was ich überhaupt nicht hinbekomme.

Foto: Tulay Palaz (Sxc.hu)
Je mehr ich vergleiche, desto mehr verschwimmt die Realität. Am Ende ist einfach alles schlecht. Vielleicht ist die Fastenzeit eine Möglichkeit, sich das Vergleichen und Nörgeln bewusst zu machen und bewusst auf die guten Dinge zu blicken, die es zweifellos in jedem Leben gibt.
Der Beter des Psalms leidet unter vielen Bedrohungen und Feinden. Er fühlt sich am Ende zurecht ganz klein und verloren und hätte allen Grund zum Jammern. Mit dem Kleinmachen beim Vergleichen ist es etwas anderes. Ich stelle mein Licht unter den Scheffel und mache nicht nur mich, sondern auch Gott klein, der mich so geschaffen hat.
Der Psalmist steht jedoch mitten in allem Leid staunend vor Gott, der sich jeglichem Vergleich entzieht. Er ist ihm dankbar, weil bei ihm Hilfe zu finden ist. Denn obwohl Gott so unvergleichlich und unfassbar ist, ist er gerade für die Armen und Elenden da, die seine Größe und Nähe erkennen.
Beim Vergleichen mit scheinbar Bessergestellten hingegen gerät Gott ganz aus dem Blick. Ich bin nicht so toll und ich kann das nicht. Um den Teufelskreis des Vergleichens zu durchbrechen, hilft nur ein Blickwechsel, weg vom Ich hin zu Gott. Ihm darf ich vertrauen, weil er ein Retter und ein Starker ist. Bei ihm darf ich geborgen sein und kann ihm anvertrauen, was ich bin und was ich brauche, was gelingt und wo es mangelt. Mit dem Unvergleichbaren zu leben macht alles Vergleichen doch hinfällig.
Sandra Reinhardt, Pfarrerin in Crawinkel






