Spaß mit Zirkus »ZappZarap«

29. Oktober 2010 von redaktionguh  
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Südthüringer Kirchengemeinden luden Kinder zum Mitmach-Zirkus ein.

 Während der ­täglichen ­Manegeproben zeigten die ­jungen Hobby-Artisten im Alter zwischen fünf und 14 Jahren ­Kostproben von dem, was dann später die Eltern in Staunen ­versetzen sollte. (Foto: Annett Recknagel)

Während der ­täglichen ­Manegeproben zeigten die ­jungen Hobby-Artisten im Alter zwischen fünf und 14 Jahren ­Kostproben von dem, was dann später die Eltern in Staunen ­versetzen sollte. (Foto: Annett Recknagel)

Hepp – mit einem Satz springt die neunjährige Margarete auf den großen Plastikball. Pfarrerin Silke Sauer hält sie gut fest. Da oben sicher zu stehen ist nicht einfach. Jetzt bekommt das Mädchen einen Reifen.

Ein kurzer Wackler. Lächeln.

Reifen ab.

Hepp – die Übung ist beendet.

»Das macht schon Spaß«, sagt Margarete. Ein bisschen ist sie außer Puste. Aber das gehört dazu. Konzentration braucht man auch beim Diabolo. Ben ist in Zella-Mehlis zu Hause – beim Zirkus will er etwas lernen. Jede Menge neuer Freunde hat der Zehnjährige ebenso wie Bruno, Paul und Janek schon gefunden. Außerdem hat sich Ben in der Fakir-Gruppe eingeschrieben. »Das ist cool«, finden auch die Mädchen. »Da kann man Mut zeigen«, meinen Tabea und Luise. Gemeinsam mit insgesamt 100 Kindern aus dem Haseltal und der Dolmar­region standen sie in der vorigen ­Woche im Kinder-Mitmach-Zirkus »ZappZarap« im Rampenlicht.

Dabei interessierte nicht, ob man ein Rechenkünstler ist, gut schwimmen kann oder immer alle Wörter richtig schreibt. Im Zirkuszelt bestimmen Mut, Sich-Trauen und Spaß. Hier kommen auch solche Kinder zum Zug, die sonst in der zweiten Reihe stehen, sagt die Steinbach-Hallenbergerin Christa Usbeck. Sie ist eine von über 20 freiwilligen Helferinnen, die die Probenarbeiten für die große Aufführung vor der Elternschar unterstützt. Und Christa Usbeck bemerkt, wie diese Aufgabe den Kindern guttat, sie motivierte und als Team zusammenschweißte.

Genau das ist das Anliegen des Kinder-Mitmach-Zirkus aus Leverkusen. »Nicht trauen war gestern – Zirkus ist heute« steht es in Großbuch­staben auf den Wagen. Für das Projekt hat sich der Gemeindekirchenrat bereits vor längerer Zeit entschieden.

Pfarrerin Silke Sauer aus Viernau wollte damit ein sinnvolles Angebot für Kinder in den Ferien schaffen. Und traf prompt ins Schwarze. Rund um das Zelt und im Gemeindehaus herrschte während der Probenwoche buntes Treiben.

Die Tage begannen am Morgen mit einer Andacht in der Kirche und endeten am Nachmittag in der Manege, wo Einstudiertes begutachtet wurde. Mit großen Augen saßen die Kinder da. Die Stimmung war grandios. Es wurde geklatscht, gejubelt, getrampelt und gepfiffen.

Träger des Projektes ist die Kirchengemeinde Viernau – ohne die ­Finanzspritze der Landeskirche von 7.500 Euro wäre es aber nicht möglich gewesen. Außerdem freute sich Pfarrerin Sauer über die Unterstützung des Kirchenkreises Henneberger Land, des Dekanates Schmalkalden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck sowie vieler Helfer und einheimischer Sponsoren. Sie alle können gewiss sein, mit ihrem Tun ein Strahlen in 100 Paar Kinderaugen gezaubert zu haben.

Annett Recknagel

Bronzener Jubelton zum Fest

30. Dezember 2009 von redaktionguh  
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Der Heilige Abend wurde im südthüringischen Christes mit neuen Glocken eingeläutet

In einem rundum weiß-roten Farbkleid und mit ­einer neuen ­vergoldeten Turmzier präsentiert sich seit ­kurzem die ­Christeser Kirche, für die die Dorfbewohner in Anspruch nehmen, sie sei die kleinste dreischiffige Basilika in Europa. (Foto: Jürgen Glocke)

In einem rundum weiß-roten Farbkleid und mit ­einer neuen ­vergoldeten Turmzier präsentiert sich seit ­kurzem die ­Christeser Kirche, für die die Dorfbewohner in Anspruch nehmen, sie sei die kleinste dreischiffige Basilika in Europa. (Foto: Jürgen Glocke)

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk holten sich die Einwohner von Christes (Kirchenkreis Henneberger Land) schon vor der eigentlichen Bescherung ab: Zum ersten Mal hörten sie beim Gottesdienst am Heiligen Abend den Klang der drei neuen Bronzeglocken, die die Kirchengemeinde im Herbst hatte fertigen lassen. Damit endete zugleich eine der längsten Sanierungsmaßnahmen an dem um 1440 errichteten Bauwerk.

Wenige Tage nach dem 1. Advent waren an der kleinen dreischiffigen Basilika »Unserer lieben Frauen zum Christus« die Gerüste gefallen. Weil die Fördermittel- und Zuschussquellen zuweilen nur tröpfelten und zeitweise ganz versiegten, mussten die Planungen immer wieder umgeworfen, Bauabschnitte zerstückelt werden. Schließlich zog sich die Außen­sanierung der Kirche über acht Jahre hin. Doch am Ende zählt das Ergebnis. Die auffälligste Veränderung: Dort, wo der Blick des Betrachters seit Menschengedenken auf blanken Sandstein traf, fällt er jetzt auf Putz und Farbe. Auch wenn die Beschichtung bei den Dorfbewohnern nicht sofort auf ungeteilte Begeisterung stieß, entspricht diese doch dem historischen Aussehen und schützt gegen eindringende Feuchtigkeit. Die schlimmsten Bauwerkswunden wurden bereits in den vorangegangenen Bauabschnitten kuriert: Trockenlegung der Fundamente, Bekämpfung von Hausschwamm, statische Maßnahmen und Dachinstandsetzung.

Die Außensanierung des 20 Meter hohen Turmes war dem letzten Bauabschnitt in diesem Jahr vorbehalten. Spektakulärste Aktion dabei: die komplette Abnahme der Turmhaube mittels eines 50 Meter hohen Autokrans. Bei den Vorbereitungen zur Turmsanierung war der statisch bedenk­liche Zustand des Glockenstuhls aufgefallen. Da darüber hinaus die drei 90 Jahre alten Stahlglocken an die Grenze ihrer Nutzungsdauer stießen, entschloss sich der Gemeindekirchenrat, drei neue Bronzeglocken in der Kunstgießerei Lauchhammer gießen zu lassen. Ein riskanter Entschluss fürwahr, denn wie das auf rund 50.000 Euro veranschlagte, aber nirgends eingeordnete Vorhaben bezahlt werden sollte, war zunächst ungewiss.

»Ich habe anfangs nicht gewusst, wie das viele Geld aufgebracht werden soll«, räumte Pfarrerin Silke Sauer ein. Die Gelegenheit, im Zuge der geplanten und finanziell abgesicherten Turmsanierung zusätzlich auch die ­alten Eisenglocken durch bronzene zu ersetzen, sei jedoch einmalig gewesen. Ihr blieb nichts weiter übrig, als auf die Hilfsbereitschaft der Menschen und auf Gott zu vertrauen. Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen. Und das unmöglich Geglaubte wurde möglich. Die Finanzierung konnte gesichert werden – auch dank der Unterstützung seitens der Katarina und Gerhard Hoffmann-Stiftung in Hamburg und des Freistaates Thüringen (Lottomittel).

Ob das Gelingen des Werks einem Wunder zuzuschreiben ist oder einfach nur ein Indiz dafür ist, dass Glaube, Mut und engagiertes Herangehen Berge versetzen können, sei ­dahingestellt. Ganz sicher aber sind die Glocken in der Christeser Kirche, die im Mittelalter ein viel besuchtes Wallfahrtsziel war, auch heute noch ganz vielen Menschen wichtig als ­Begleiter durch den Tag und das Leben und als ein Stück Heimat. Ergriffen lauschten daher die Christeser beim Weihnachtsgottesdienst dem Klang ihres neuen Geläuts. Welch ­passenderen Moment für einen klingenden Neuanfang hätte es geben können als den Heiligen Abend.

Jürgen Glocke