Die Fortsetzung: Schluss mit dem Dunkel!

2. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.

Sacharja 9, Vers 9

Es ist dem ein Ende gemacht, was uns beschwert. Schluss mit dem Dunkel! Die dritte Tür, der dritte Dezember, erster Advent, erstes Licht.

Licht! Ja, es vertreibt das Dunkel. Der Trost leuchtet auf. So lasst die Lichter brennen. In den Fenstern, auf den Kränzen. Die Ketten und Kerzen, knipst sie an in den Häusern, ja, meinetwegen auch die elektrischen Teelichter auf den Tischen, solange es uns an das erinnert, was wir ersehnen.

Spart nicht, ausnahmsweise mal nicht, nein, verschwendet Licht. Entzündet das Feuer des Anfangs für die Hoffnung auf Licht. Und wir kramen es raus, all das, was dazugehört, und stellen es hin: gut sichtbar für die Menschen in den Häusern und für die, die draußen vorbeigehen: die Schwippbögen, Sterne und Laternen.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Licht, Licht, machet Licht für unsere Seelen, und lasset die Lichter brennen, denn es ist der Anfang. Wir entzünden die Lichter der Hoffnung für die Zeit des Aufbruchs. Und die Lichter brennen, wir sehen sie im Dunkeln leuchten, ja, auch immer noch auf den Friedhöfen, in den Kirchen, ewige Lichter für das ewige Licht. Die Vielen zeigen das eine: Lichter, entzündet an Orten des Abschieds und Gedenkens für das erneute Willkommen.

Er kommt, der Eine und Einzige. Wenn wir sonst so oft sagen, dass andere ihm entgegengegangen sind, so sehen wir jetzt: Er kommt. Und wir dürfen ihn willkommen heißen.

Zeigt ihm, wie hell es leuchtet, wenn wir die Kerzen anzünden, die Lichter des Glaubens, angesteckt am Licht der Gewissheit.

Er kommt, er ist da, Gott, der Herr, der das Licht der Welt ist und dessen Strahlen wir im Kleinen abbilden, wenn wir es leuchten lassen. Zündet sie an, die erste, die zweite Kerze, jedes nur findbare Licht in euch und gebt es weiter. Spart nicht, teilt Hoffnung, Glaube, Liebe, Zuversicht, Willkommen und Mitgefühl, teilt Licht.

Das ist Advent, das ist Erinnern, das ist Licht. So gedenken wir des Anfangs.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

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Der Tod ist nicht das Ende – Fortsetzung folgt

25. November 2017 von redaktionguh  
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Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

Lukas 12, Vers 35

So gedenken wir des Endes. Und es sind so viele Kerzen in diesem Jahr. Wir nennen die Namen, den Geburtstag, den Sterbetag, und wir entzünden eine Kerze für jeden. Für jeden einzelnen Menschen, der von uns gegangen ist, für jeden, der Licht in unser Leben gebracht hat als Ehefrau, Vater, Kind, Freund.

Beim Entzünden kommen die Erinnerungen. An die Menschen auf den Fotos neben ihrem eigenen Sarg, ihrer Urne, sie lachen, sind am Höhepunkt ihres Lebens. Junge Menschen, so wie sie vor vielen Jahren aussahen, in schwarz-weiß, oder noch keine zehn Jahre her, im Urlaub, den Arm um den Mann gelegt oder auf die Schulter der Kinder, im Kreis der Freunde. Alte Menschen bei Jubelfeiern, stolz an der Stirnseite des Tisches bei ihrem 80sten Geburtstag, oder bei der Diamentenen Hochzeit, frische Frisuren, noch einmal mobilisierte Kräfte. Wir halten inne, lassen das Licht wirken. Dann die nächste Kerze, der nächste Name. Bilder vom Moment des Abschiedes, trauernde Angehörige, Tränen, Trost. Es ist ein Ende.

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

Aber lasst die Lichter brennen! Entzündet das Licht des Erinnerns am Licht der Ewigkeit! So oft haben wir eine Kerze in unseren Gottesdiensten dieses Jahr angezündet. Wenn Gott einen Menschen aus unserer Mitte heimgerufen hat. Wir kündigen ihn ab, wir beten für ihn und die Angehörigen, und wir entzünden schon hier, mitten im Kirchenjahr, eine Kerze für ihn. Entzünden das Licht der Trauer am Licht der Auferstehung! Das rote Licht begleitet uns im Gottesdienst, steht unter dem Kreuz auf dem Altar, nimmt unsere Gedanken, den Trost, den gemeinsamen Gesang, Gottes Segen in sich auf. Bei den letzten Tönen der Orgel geben wir es den Angehörigen mit nach Hause.

Dieses Licht der Gemeinschaft und des Mitfühlens, entzündet für die Stunden der Einsamkeit und der Dunkelheit. Ein Leben ging zu Ende. Ein Leben beginnt. Hier fühlen wir uns mit Schwärze umhüllt, dort, so lassen wir es uns zusagen, ist reines Licht. Unser Leben fängt Feuer am Licht der Auferstehung. Es ist ein Anfang, denn … (Fortsetzung folgt)

Sophie Kersten, Pfarrerin in Langula-Kammerforst

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Ohne das Lied wäre alles anders

23. April 2016 von redaktionguh  
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Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Psalm 98,1

Es war ein langer und weiter gemeinsamer Weg. Ich weiß noch, wie wir uns kennenlernten, ein Haufen zusammengewürfelter Vikare. Der Weg noch vor uns, die Aufbruchfreude und Unsicherheit in uns. Ein verlegener erster Moment. Dann greift einer zur Gitarre, Bücher werden geholt. Wir singen noch einmal das eine alberne Lied aus dem Seminar gerade, danach noch das Schöne, was einer letztens gehört hat, wir lachen und können gar nicht aufhören.

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Einer singt brummelnd und leise, einer selbstbewusst schief, ein dritter hält die Stimmlage. Einer setzt sich ans Klavier. Später suchen wir absurde Gegenstände zusammen, wir machen Musik. Und wir wachsen zusammen. Über den Liederbüchern begegnen sich die Blicke. Wir verstehen. Wir loben Gott und wundern uns über diese Gemeinschaft so verschiedener Menschen wie wir es sind.

Jetzt – zweieinhalb Jahre später: Wir sitzen wieder zusammen, eine vertraute und doch ganz andere Runde, wir sind jetzt Pfarrer. Einige von uns fehlen. Da stimmt einer das Lied an, unser Lied, das schöne, und wir singen es auswendig. Jeder singt die Strophe, die ihm gerade einfällt, total egal, ob es passt: wir singen. Der Stress der letzten Tage ist für einen kurzen Moment weggefegt im Chor der Stimmen; das Unsichere der kommenden Zeit vergessen, und ihr, die ihr uns gerade fehlt, ihr seid über das Lied für einen Moment mit im Raum.

Einer hat die Augen geschlossen, ein anderer blickt in die Runde. Wir verstehen einander. Wir loben Gott und wundern uns über die Wege, die wir gegangen sind und gehen. Die der Anwesenden und der Abwesenden.

Ein Kreis in der Gemeinde. Wir beginnen mit einem Lied. Jemand hat Geburtstag, er darf es sich wünschen. Und wir anderen, wir singen für ihn, wir singen miteinander. Wir teilen das Lied wie später den Kaffee und unsere Gedanken. Ohne das Lied wäre es anders, wären wir eine andere Gemeinschaft. Über den zugeklappten Büchern lächeln wir uns später zu: schön ist es, dieses Lied, seit damals … Wir verstehen einander im Lob Gottes.

Pfarrerin Sophie Kersten, Langula-Kammerforst

Dankbarkeit soll mein Refrain sein

5. September 2015 von redaktionguh  
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Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Psalm 103, Vers 2

Ein Psalm, gesungen nach einer inneren Melodie. Ich spreche zu mir und sage:

Singe! Singe dem, der dich Tag für Tag begleitet. Singe, Herz, singe dem Herrn, denn er hat dir Gutes getan. Ja, ich will singen, und dies soll mein Refrain werden. Ich singe dem Herrn, der mich geschaffen hat. Dem, der mir den Atem einhauchte und meine Stimme gab. Dem, der mir das Licht meiner Augen schenkte, damit ich sehe. Ich will singen dem, der mir die Ohren öffnete zu hören. Dem, der meine Hände formte, die ich zu seinem Lob emporheben und mit denen ich in der Welt handeln kann. Singe, Herz, singe dem Herrn, denn er hat dir Gutes getan! Doch so oft versagt mir meine Stimme, zu leise erklingt sie. Da ist so viel, was mich bedrängt, mir die Luft zum Atmen und die Kraft zum Handeln nimmt. Des Nachts werden mir die Sorgen zu schwer und kein Licht will mir scheinen. Die Stimmen der anderen sind so laut, ich kann sie nicht unterscheiden von deinem Klang. Und höre ich deine Stimme, so ist es mir schwer ihr zu glauben. Und dann bin ich verzagt, unsicher und weiß nichts anzufangen mit meinen Gaben, mit den eigenen Händen. Ich verschränke sie im Schoß und bin ganz still. Aber dann klingt sie in mir, die Melodie. Und sie drängt zögernd nach außen.

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen

Singe, Herz, singe dem Herrn, denn er hat dir Gutes getan! Ich weiß, dass es einen gibt, der nicht darauf schaut, was ich leiste. Er ist mir auch in der Stille nah. Er weiß: Ich bin sein Kind. Und manchmal so schwach. Dann hilft er mir zu sein, was ich zu leicht vergesse: ein Mensch unter Menschen.

So singe, Herz, singe dem Herrn, denn er hat dir Gutes getan! Er hilft mir wieder auf, öffnet in mir das Herz und die Ohren. Mit ihm kann ich deutlich sehen, klarer sprechen. Kann wieder sein, der ich bin: ein Mensch unter Menschen. Ja, Gutes hat der Herr an mir getan! Und er tut es jeden Tag aufs Neue. So reich bin ich beschenkt, immer wieder hilft er mir, es zu erkennen. Damit ich nicht vergesse, dass alles von ihm kommt. So singe, Herz, singe dem Herrn, denn er hat dir Gutes getan!

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen

Miteinander übers Wasser laufen

29. August 2015 von redaktionguh  
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Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, Vers 40

Bibelarbeit in einer Werkstatt für angepasste Arbeit. Sieben Beschäftigte sind gekommen. Statt mit gemalten möchte ich heute mit inneren Bildern arbeiten. So bitte ich alle, die Augen zu schließen. Und dann erzähle ich die Geschichte vom sinkenden Petrus. Wie Jesus betet und die Jünger im Boot vorausfahren, wie Jesus ihnen auf dem See gehend hinterherkommt. Dass sie ihn für ein Gespenst halten und dann Petrus den Mut hat, es seinem Herrn gleichzutun. Wie es ihm gelingt, auf dem Wasser zu laufen, wie er scheitert. Und wie Jesus ihm die rettende Hand reicht. Als die Jünger und Jesus wieder im Boot sitzen und alle ihre Augen öffnen, sehe ich, dass sich die Sieben an den Händen halten, auch über freie Stühle hinweg. Da sitzen sie, halten sich fest und sind froh, wieder zu sehen.

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen

Im folgenden Gespräch höre ich: Ja, das war eine gute Geschichte, aber allein hätten sie jetzt nicht sein wollen. Das war zu schwer, da, allein auf dem Wasser. Gut, dass Jesus Petrus geholfen hat! Gut, dass sie nah genug zusammensaßen, um sich gegenseitig zu halten! Petrus’ Gang auf dem Wasser wird für uns zum Gang auf unsicherem Grund. Seine Verzweiflung, sein Schrecken wird unser Schrecken. Und Jesu Hand, rettend und emporziehend, wird zur Hand des realen Nächsten. Des Nächsten, der genauso sinkend, hilfesuchend, betroffen ist. Und der keine Scheu hat vor dem anderen. Denn gemeinsam, das sagten alle, waren sie so stark, gemeinsam konnten sie es schaffen. Diese Bibelstunde ist viele Jahre her, und wenn ich heute die Geschichte vom sinkenden Petrus höre, steigen andere Bilder in mir auf. Doch ich schließe wieder meine Augen und sehe sie vor mir, die sieben Menschen im Andachtsraum, wie sie im Boot sitzen, wie sie auf dem Wasser zu laufen versuchen, untergehen – und sich gegenseitig vor dem Ertrinken retten. Ich sehe ihre Hände über Stühle hinweg miteinander verbunden zu einer tragenden Kette. Und ich merke: Nächster sein, das geht. Und es ist manchmal so einfach.

Sophie Kersten, Vikarin in Mühlhausen