Das Wahrzeichen ist gerettet

11. April 2011 von redaktionguh  
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Pfarrerin Maria Bartsch (li.) und Reinhard Moczko, Projektleiter des Planungsbüros »Hyder Consulting« (2. v. re.), freuen sich mit den Mitarbeitern, Handwerkern und Kirchenältesten über die gelungene Sanierung. Der 1588/89 errichtete Turm der Stadtkirche in Löbejün musste in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder repariert werden. Mitte der 1980er Jahre war er sogar einsturzgefährdet. Foto: Martin Hanusch

Pfarrerin Maria Bartsch (li.) und Reinhard Moczko, Projektleiter des Planungsbüros »Hyder Consulting« (2. v. re.), freuen sich mit den Mitarbeitern, Handwerkern und Kirchenältesten über die gelungene Sanierung. Der 1588/89 errichtete Turm der Stadtkirche in Löbejün musste in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder repariert werden. Mitte der 1980er Jahre war er sogar einsturzgefährdet. Foto: Martin Hanusch


Turm der Stadtkirche St. Petri in Löbejün wurde saniert und jetzt abgerüstet.

Der Blick richtet sich nach oben. »Endlich haben wir es geschafft und darauf sind wir schon ein bisschen stolz«, sagt Pfarrerin Maria Bartsch und deutet auf den Kirchturm. Jahrlang war das 48 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt Löbejün (Kirchenkreis Halle-Saalkreis) das Sorgenkind der Gemeinde. Nicht nur das Mauerwerk war stark verwittert und Fugen bröckelten beträchtlich. Zuletzt drohten ganze Steine vom Turm herabzufallen. Doch nun konnte ein wichtiger Bauabschnitt abgeschlossen werden. Am Freitag vergangener Woche sind die Gerüste nach achtmonatiger Sanierung gefallen, der aus dem Jahr 1589 stammende Turm prägt jetzt neu verputzt die Silhouette der Kleinstadt nördlich von Halle.

Für die Gemeinde ist das ein schöner Erfolg. Fast fünf Jahre seien die Planungen für die Sicherungsmaßnahme gelaufen, berichtet die Pfarrerin, die erst 2009 die Gemeinde übernommen hat. Doch wie so oft haperte es am Geld. Insgesamt 157.000 Euro sind am Ende in die dringend notwendige Sanierung geflossen. Neben der Landeskirche, die 69.000 Euro beisteuerte, und dem Kirchenkreis mit 50.000 Euro hat die kleine Gemeinde selbst gut 33.000 Euro aufgebracht. Aber auch die beteiligten Firmen aus der Region haben ihren Beitrag geleistet. Jetzt zeigt sich die Pfarrerin zuversichtlich, dass die Kirchengemeinde die noch fehlenden 5.000 Euro auftreibt.

»Der Turm ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Gemeinde lebt«

Gleichwohl ist der Kirchturm damit noch nicht ganz fertig. Der Sockel wartet ebenso auf eine Sanierung wie der kleine Treppenturm, der sich an den Turmschaft schmiegt. Auch im Inneren der Kirche gibt es etliches zu tun. Zwei Fenster müssen hier erneuert werden – vier neue Fenster konnten bereits in der Vergangenheit eingebaut werden. Außerdem steht eine  Reparatur der 100 Jahre alten Rühlmann-Orgel an. »Unser derzeit größtes Problem«, wie Maria Bartsch sagt. Auf knapp 100.000 Euro beziffert die Pfarrerin den Finanzbedarf, um die Stadtkirche rundherum wieder in Schuss zu bringen.

Doch im Moment überwiegt die Freude über das Erreichte. So habe sich die Gemeinde lange um die Sanierung des Turms bemüht. Bereits 2009 seien Vorbereitungen getroffen worden, aber dann mussten die Arbeiten wieder verschoben werden, berichtet Ernst-Friedrich Leiberich. »Dass es jetzt gelungen ist, ist schon allerhand«, meint der Kirchenälteste, der sich seit 50 Jahren in der Kirche engagiert. Der sanierte Turm sei ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Gemeinde lebt, findet Joachim Schönemann, der als beratendes Mitglied im Gemeindekirchenrat mitarbeitet.

Nach Abschluss der Bauarbeiten hat sich die Pfarrerin ihrerseits einiges vorgenommen. Nun sei es an der Zeit, sich wieder verstärkt der Arbeit mit den Menschen zuzuwenden. Außerdem stehen in diesem Jahr weitere Höhepunkte im Gemeindeleben an. So gilt es nicht nur die offizielle Einweihung des sanierten Turmes zu feiern (am 14. Mai). Zur 1050-Jahr-Feier der Stadt ist am 4. Juni ein ökumenischer Festgottesdienst geplant. Dazu würden auch die Stadtväter und -mütter erwartet, sagt die Pfarrerin. Ohnehin bemüht sich die Gemeinde um ein gutes Verhältnis zur Kommune und zu den ortsansässigen Vereinen.

Was die Pfarrerin jedoch besonders freut: In diesem Jahr stehen gleich vier Taufen in der Gemeinde an, zu der rund 250 Mitglieder gehören. Erst in der vergangenen Woche hat ein Taufkurs für Erwachsene mit sechs Teilnehmern begonnen. »So langsam«, sagt Maria Bartsch mit einem Lächeln, »kommt hier richtig Leben in die ›Bude‹.«

Martin Hanusch

Klangvolles Jubiläum

30. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Älter als die 100-Jährige ist der reich verzierte Prospekt der  Rühlmann- Orgel, dessen Fertigstellung auf 1834  datiert wird. Foto: Dirk Vogel

Älter als die 100-Jährige ist der reich verzierte Prospekt der Rühlmann- Orgel, dessen Fertigstellung auf 1834 datiert wird. Foto: Dirk Vogel


Die Mühlhäuser Rühlmann-Orgel in St. Petri trägt zum 100. Geburtstag ein frisches Kleid

Am 1. August beginnt in der St.-Petri-Kirche in Mühlhausen eine besondere Gottesdienstreihe: Die klingende Predigt. Anlass dafür ist die Wiederinbetriebnahme der Rühlmann-Orgel und deren 100-jähriges Jubiläum im September.

Pünktlich zum hundertsten Geburtstag der Orgel ist auch ihre ­Sanierung abgeschlossen. Dass eine Reparatur des Instruments der Orgelbaufirma Wilhelm Rühlmann aus Zörbig vonnöten war, wurde im Laufe der Zeit immer deutlicher. So hinterließen die Weltkriege sowie Schäden im Kirchendach und der Zahn der Zeit ihre Spuren.

Die Reinigung der Pfeifen zur Verbesserung der Klangqualität, eine Instandsetzung des Spieltisches sowie die Erneuerung der Elektrik sind nur einige Punkte des Restaurierungsplanes gewesen. Auch der reich verzierte Prospekt der Vorgängerorgel der Firma Schulze aus Paulinzella musste sich einer denkmalschutzgemäßen Reparatur unterziehen, nachdem dort die Holzwürmer über Jahre hinweg aktiv waren.

Die Orgelverkleidung stammt schon aus dem Jahr 1834. Um das Projekt der Instandsetzung realisieren zu können, gründete sich im Februar 2006 der Förderverein zur Erhaltung der Rühlmann-Orgel. 42 Mitglieder engagieren sich seitdem vielseitig für die Finanzierung des Vorhabens, sie organisierten beispielsweise verschiedene Veranstaltungen, mobilisierten weitere Unterstützer und arbeiteten selbst tatkräftig mit.

Die Einnahmen aus einem Flohmarkt, Kuchenbasaren sowie gespendete Geldgeschenke von Jubilaren und den Gemeindemitgliedern flossen genauso in die Sanierungskasse ein wie der Erlös aus dem Verkauf eines eigens hergestellten Orgelkalenders. Zusammen mit Fördergeldern und Spenden konnten bislang über 120000 Euro gesammelt werden.

Die Verbindung aus dem Biedermeier-Prospekt und der original erhaltenen romantischen Rühlmann-Orgel ist eine Seltenheit und muss unbedingt bewahrt bleiben, betont die Vereinsvorsitzende Ines Großkopf. »Dies ist eine ganz besondere Orgel«, sagt sie und verweist auf die Einschätzung des Orgelsachverständigen Albrecht Lobenstein, der das Kunstwerk von hohem Rang ebenso lobte wie der Orgelstimmer, der das Instrument in St. Petri als eine der schönsten Orgeln ganz Thüringens bezeichnet.

Das erste Mal nach dem Pfeifenausbau im September des letzten Jahres wird die Orgel im Rahmen der »Klingenden Predigt« durch Organist Christian Kopp mit Eigenkompositionen am kommenden Sonntag zu hören sein. Die Predigtreihe im August werden Kreiskantor Oliver Stechbart, der sich der klassischen Orgelliteratur zuwendet, und Kantor Albrecht Lobenstein mit Improvisationen fortsetzen. Dabei wird der Predigttext des Sonntags musikalisch umgesetzt.

Das Orgeljubiläum wird mit Konzert und Festgottesdienst am Wochenende des 11. und 12. September gefeiert. Die Kirchengemeinde St. Petri/Margarethen freut sich auf das neue Klangerlebnis der instandgesetzten Rühlmann-Orgel, die auch in Zukunft zu Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern wieder in klarem Ton erklingen wird.

Daniela Lange

Festgottesdienst mit Pröpstin Elfriede Begrich und Kantor Christian Kopp am 1. August, 10 Uhr, St. Petri, Mühlhausen