Wohin die Kirchensteuer geht

24. November 2017 von redaktionguh  
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Unerwartet: Die Einnahmen sprudeln, dank der guten Konjunktur. Und das, obwohl die Mitgliederzahlen sinken. Was haben die Kirchengemeinden vom Geldsegen?

Bei der Herbsttagung der Landessynode geht es immer auch um die Finanzen. Oberkirchenrat Stefan Große, der Finanzdezernent der EKM, hat schon andere Zeiten erlebt. Derzeit kann er seinen Bericht gelassen angehen. Die Kasse stimmt. Wie schon im vergangenen Jahr wird auch diesmal wieder ein Überschuss ausgewiesen. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer, 54 Prozent der sogenannten Plansumme, sind in Folge höher als prognostiziert.

Die Kirchensteuer allein mache es aber nicht, so Große. »Die EKM hängt am Tropf der Westkirchen.« Ohne den Finanzausgleich, das Solidarsystem der EKD – 26 Prozent des kirchlichen Haushalts –, sähe es schlecht aus. Hinzu kommen noch die Staatsleistungen, eine Art Pachtzins für einst vom Staat enteignetes Kirchenland. Dabei handelt es sich im Übrigen nicht um staatliche Almosen. Sie sind Verpflichtungen nach den Verträgen mit den Bundesländern, die zu Beginn der 90er-Jahre geschlossen wurden, und werden für die Besoldung und Versorgung von Pfarrern und Kirchenbeamten eingesetzt.

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

Ohne Umwege: In der Friedenskirche in Kittelsthal im Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen können Spender direkt entscheiden, wo ihr Geld ankommt. Foto: Mirjam Petermann

In Summe stehen der Landeskirche 200 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Auf die 733 000 Mitglieder umgerechnet sind das 275 Euro Plansumme pro Gemeindeglied. Die Zahlen stammen aus dem Entwurf des Haushaltsplans, über den das Kirchenparlament auf der Herbsttagung berät und entscheidet.

Der überwiegende Teil des Plansummenanteils (210 Euro) steht den Kirchengemeinden und -kreisen zur Verfügung. Große betont, dass aber auch aus dem allgemeinen landeskirchlichen Anteil Aufgaben finanziert werden, die die Arbeit in den Gemeinden ergänzen und stärken. Der überwiegende Teil der Plansumme müsse sogar den Kirchenkreisen direkt oder indirekt zur Verfügung gestellt werden. Das sei im EKM-Finanzgesetz zwingend geregelt. Der Anteil für die allgemeinen Aufgaben der Landeskirche beinhalte beispielsweise Aufwendungen für die Ausbildung von Pfarrern, Gemeindepädagogen und Lektoren, für die Notfallseelsorge oder die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Öffentlichkeitsarbeit. »Von jedem eingenommenen Euro gehen etwa 76 Cent in die Kirchenkreise und Gemeinden«, so der Finanzdezernent.

Eine Regelung, die die EKM von anderen Landeskirchen unterscheidet, ist die Tatsache, dass der landeskirchliche Anteil, also die Mittel, die dem Landeskirchenamt zur Erfüllung der Aufgaben zur Verfügung stehen, an die Entwicklung der Kosten im Verkündigungsdienst gekoppelt sind. Das heißt, wenn 2019 durch Einsparungen weniger Geld in die Kirchenkreise überwiesen wird, muss auch das Landeskirchenamt im gleichen prozentualen Verhältnis sparen. Das sorge dafür, erklärt Große, dass der allgemeine landeskirchliche Anteil nicht zu Lasten der Kirchengemeinden aufgebläht werde. Diese Koppelung gelte
»in guten, wie in schlechten Zeiten«.

Insgesamt werden ab Januar 2019, wenn das geänderte Finanzgesetz in Kraft tritt, 80 bis 90 Stellen in den 38 Kirchenkreisen wegfallen. Schon jetzt sind die Kreissynoden damit beschäftigt, darüber zu beraten und Stellenpläne zu entwerfen.

Die gute Konjunktur dürfe nach Großes Worten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die sinkenden Mitgliederzahlen und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren voll durchschlagen werden. Die Landeskirche und die Kirchenkreise seien jedoch vorbereitet. Große sieht eine gute Basis, »nüchtern, aber angstfrei weiterzumachen« und die Einsparziele zu erreichen.

Bei immer weniger hauptamtlichen Mitarbeitern in den Gemeinden müsse sich die inhaltliche Ausrichtung verändern, so wie das bei den »Erprobungsräumen« versucht werde. »Wir wollen Räume eröffnen, Neues denken und dabei optimistisch und fröhlich Gottes Wort verkündigen.«

Willi Wild

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Schluss mit Klimpern?

25. Juni 2017 von redaktionguh  
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Kollekte: Die Kirchengemeinden ärgern sich über Gebühren für Münzgeld bei Banken und Sparkassen – und suchen nach Lösungen.

Mal sind es 189,33 Euro, mal 267,94 Euro, am Gründonnerstag waren es nur 13,57 Euro: die Beträge, die Sonntag für Sonntag in der evangelischen Reglergemeinde in Erfurt im Kollekten-Körbchen landen, sind höchst unterschiedlich. Insgesamt aber freut sich Pfarrerin Gabriele Lipski: »Unsere Gemeinde spendet richtig viel.« Seit einiger Zeit ist diese Freude aber getrübt. Denn wenn Ga­briele Häußler vom Gemeindebüro die gespendeten Münzen montags bei der Bank einzahlen will, werden dafür seit Kurzem Gebühren fällig.

Die Sparkasse Mittelthüringen nimmt das Münzgeld nur noch in verschließbaren Sicherheitsbeuteln an. Pro Beutel müssen zehn Euro gezahlt werden. Entsprechend fielen die Reaktionen in der Gemeinde aus: »Alle Kreise waren wirklich entsetzt und haben gesagt: Das kann doch nicht wahr sein!«, sagt die Pfarrerin.

Kleingeld für große Aufgaben: Gemeindehaus oder Orgelsanierung – Kirchengemeinden sind auf Spenden angewiesen. – Foto: Markus Wetterauer

Kleingeld für große Aufgaben: Gemeindehaus oder Orgelsanierung – Kirchengemeinden sind auf Spenden angewiesen. – Foto: Markus Wetterauer

Kein Einzelfall. Das Problem mit den Gebühren fürs Geldzählen betrifft inzwischen fast alle Gemeinden in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Finanzdezernent Stefan Große nennt ein Beispiel: So hat die Kirchengemeinde Wittenberg im vergangenen Jahr stolze 1 800 Euro an Gebühren gezahlt. »Das erschwert das traditionelle Kollekten-Sammeln erheblich«, sagt er.

Die Sparkasse nennt zwei Gründe für die Gebühren. Zum einen hat die EU die Kreditinstitute verpflichtet, die eingezahlten Münzen auf Falschgeld zu kontrollieren. Das ist aufwendig und damit teuer. Zum anderen waren die bisher verwendeten Zählautomaten für Münzgeld oft kaputt, erklärt Sparkassen-Sprecherin Ka­tharina Höhne: »Das lag daran, dass mit dem Geld häufig Fremdkörper hineingelangt sind. Da ist ein Stückchen Stroh von den Körbchen mit reingekippt worden. Da ist mal ein bisschen Dreck dabei, eine Büroklammer oder Spielgeld.« Die Folge: Die Zählautomaten mussten ständig gereinigt und repariert werden. Jetzt zählt eine Firma im Auftrag der Sparkasse das Geld. Die Kosten dafür werden an die Kunden weitergegeben. Inzwischen werden bei so gut wie allen Kreditinstituten Gebühren für Münzgeld fällig – nur bei den Filialen der Bundesbank kann noch kostenlos gezählt werden.

Auch bei der Sparkasse Mittelthüringen hat sich die Situation etwas entspannt. Nach Protesten aus den Gemeinden werden jetzt pro Münzbeutel nicht mehr zehn, sondern nur noch drei Euro an Gebühren fällig, wie Pfarrer Ricklef Münnich erläutert, der Pressesprecher des ev. Kirchenkreises Erfurt. Außerdem gibt es nach seinen Angaben als Zugeständnis des Kreiskirchenamts an die Gemeinden die Möglichkeit, die Kollekten nicht mehr jede Woche, sondern nur noch alle zwei bis drei Wochen einzuzahlen. Auch dadurch ergeben sich noch mal niedrigere Gebühren. »Die Sparkasse ist uns entgegengekommen«, sagt Münnich. »Das ist vertretbar.«

Auch Sparkassen-Sprecherin Höhne wirbt um Verständnis. »Natürlich sind Kirchen und Vereine davon möglicherweise besonders betroffen«, sagt sie. »Aber wir haben diese Gebühren nicht aus reiner Willkür festgelegt oder um besonders viel Geld zu verdienen, sondern einfach, um die Kosten zu decken, die mit diesem Angebot entstanden sind.« Wenn für andere Dienstleistungen wie Telefon oder Internet Gebühren fällig werden, würden diese ja von den Kirchen oder Vereinen auch gezahlt.

Keine Frage: Auch Regler-Pfarrerin Gabriele Lipski findet die niedrigeren Gebühren besser. Zufrieden ist sie dennoch nicht. »Ich würde mir natürlich wünschen, dass es nichts kostet. Denn das sind Spendengelder. Kein Mensch hat daran Gewinn. Schön ist das nicht.« Deshalb hat sie sich mit Gemeindegliedern überlegt, ob es Alternativen gibt. Eine Idee: viele kleine Händler brauchen Münzgeld zum Wechseln, und müssen dafür bei den Banken auch zahlen. So entstand die Überlegung, »eine Art Win-win-Situation zu schaffen: Wir tragen zu den Händlern unser Geld und die geben uns Scheine dafür«, sagt Lipski, schränkt aber gleich ein: »Das ist alles sehr mühsam. Es muss jemand rollen und hinbringen und wir müssen immer einen Händler haben, der das gerade braucht.« Auch kleine Spenden-Chips, die vorher im Gemeindebüro gekauft werden und dann in den Klingelbeutel geworfen werden, hält sie für deutlich umständlicher als Bargeld.

»Eine Patentlösung gibt es nicht«, sagt auch EKM-Finanz-Chef Stefan Große. In kleineren Gemeinden wechseln manchmal Ehrenamtliche die gesammelten Münzen in Scheine, die danach ohne Gebühren aufs Konto eingezahlt werden können, berichtet er. In Kirchen mit vielen Touristen als Besucher, wie der Taufkirche in Eisleben, könnte ein elektronischer Opferstock die Lösung sein. »Hier fallen aber auch Anschaffungskosten an«, gibt Große zu bedenken. Wie er sieht auch Sparkassen-Sprecherin Katharina Höhne künftig im Spenden per Bank-Karte oder Handy eine Möglichkeit. Bei kleineren Beträgen ist das ohne Geheimzahl oder Unterschrift machbar.

Schweden hat seit etlichen Jahren Erfahrung damit. Dort stehen in vielen Kirchen »Kollektomaten«. Die Geräte sehen so ähnlich aus wie Geldautomaten. Gottesdienst-Besucher spenden mit ihrer Bank-Karte. Am Bildschirm wählen sie den Betrag und den Zweck (Orgel-Reparatur, neue Gesangbücher oder vielleicht doch lieber Brot für die Welt?). Wer seine Steuer-Nummer eingibt, bekommt gleich noch eine Spenden-Quittung fürs Finanzamt dazu.

Pfarrerin Lipski will, wie die meisten ihrer Kollegen, zumindest vorläufig am traditionellen Kollekten-Modell mit Körbchen und Münzen festhalten. »Mir ist noch keine bessere Lösung eingefallen«, sagt sie, und fügt lachend dazu: »Außer, dass alle nur noch Scheine einwerfen.«

Markus Wetterauer

Verantwortliche Finanzplanung

29. November 2016 von redaktionguh  
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Finanzbericht: Kirchensteuer, Finanzausgleich, Staatsleistungen. Die Einnahmenseite in der EKM entwickelt sich gut. Trotzdem bremst der Finanzdezernent die Euphorie.

Auch wenn der EKM im kommenden Jahr allein über die Netto-Kirchensteuereinnahmen eine Million Euro mehr als vorgesehen zufließen, sei das rettende Ufer noch längst nicht erreicht, so Stefan Große. »Die Struktur unserer Einnahmen ist noch immer fragil«, warnt der Oberkirchenrat. Die Landeskirche finanziere sich nur zu 55 Prozent aus eigenen Kirchensteuereinnahmen. Die andere Hälfte stamme aus dem Finanzausgleich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und den Staatsleistungen. Um den Finanzausgleich nicht zu gefährden, gelte es, den EKD-Solidarpakt auch in Zukunft einzuhalten. Die Mindeststandards einer verantwortlichen Finanzplanung müssten weiter erfüllt werden. Auch sei die Versorgungslücke der Vergangenheit noch nicht geschlossen, erläuterte der Finanzdezernent. Bis 2019 seien die neuen Stellenbemessungskriterien im Verkündigungsdienst umzusetzen. Die EKM stehe dadurch vor »zwingenden Kürzungen, auch im landeskirchlichen Bereich«.

Fotos: epd-bild; Claudia Hautumm/pixelio.de; Tim Reckmann/pixelio.de; EKD – Grafik: G+H/Adrienne Uebbing

Fotos: epd-bild; Claudia Hautumm/pixelio.de; Tim Reckmann/pixelio.de; EKD – Grafik: G+H/Adrienne Uebbing

Und so Große weiter: »Mit dem Haushalt 2017 wollen wir die Finanzierung der Aufgaben von Heute mit der Schaffung von finanziellen Spielräumen für Morgen zusammenbringen.« Die Kirchensteuereinnahmen sollen für Investitionen beispielsweise in den Schulinvestitionsfonds und die Gemeinde-Erprobungsräume genutzt werden. Der kirchlichen Basis kommen direkt 121,7 Millionen Euro zugute.

Insgesamt sieht der Haushalt rund 76,5 Prozent der Plansumme für die Kirchenkreise und Kirchengemeinden vor. Der Landeskirche mit ihren Werken und Einrichtungen verbleiben damit für ihre Aufgaben rund 20 Prozent der Plansumme.

Foto: Timo Klostermeier/pixelio.de – Grafik: G+H/Adrienne Uebbing

Foto: Timo Klostermeier/pixelio.de – Grafik: G+H/Adrienne Uebbing

In Zukunft sei allerdings nicht mehr mit einem Zuwachs an Kirchensteuereinnahmen zu rechnen, prognostiziert der Finanzdezernent. Die mittelfristige Finanzplanung zeige, dass momentan der Zenit überschritten sei, und die Kirchensteuer in den nächsten Jahren moderat sinken werde. Im Sommer sagte Große in einem Gespräch mit »Glaube + Heimat«, dass im Jahr 2025 mit etwa 35 Prozent weniger Kirchensteuerzahlern zu rechnen sei. »Damit werden die Einnahmen sinken, und wir müssen die Ausgaben anpassen«, so seine Einschätzung.

Willi Wild

www.ekmd.de/kirche/landessynode/tagungen

Leergut braucht Querdenker

8. März 2016 von redaktionguh  
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EKM-Projekt zur Internationalen Bauausstellung Thüringen 2023

Die Wertschätzung von Leergut erfordert Aufmerksamkeit und macht Arbeit, zahlt sich aber nicht nur an der Kasse des Supermarktes aus. Ähnlich ist es mit der Nutzung leerstehender Kirchengebäude.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen macht »Stadtland« zu ihrem Thema und hat hier fünf Schwerpunkte gesetzt. Eine der sogenannten IBA-Baustellen heißt »LeerGut«. Ihr gilt 2016 besondere Aufmerksamkeit. Die eingangs erwähnten Erfahrungen am Flaschenautomaten des Einkaufszentrums sind dabei durchaus relevant.

Mit diesem Flyer werben die EKM und die IBA Thüringen für die Auftaktveranstaltung am 19. März um 14 Uhr in der Kaufmannskirche Erfurt: Dort wird das Querdenker-Projekt vorgestellt und Interessierte können sich über Möglichkeiten zur Beteiligung informieren. Foto: EKM

Mit diesem Flyer werben die EKM und die IBA Thüringen für die Auftaktveranstaltung am 19. März um 14 Uhr in der Kaufmannskirche Erfurt: Dort wird das Querdenker-Projekt vorgestellt und Interessierte können sich über Möglichkeiten zur Beteiligung informieren. Foto: EKM

Leer stehende Gebäude sind in Stadt und Land anzutreffen. Für Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBAThüringen, sind sie wertvolle Produkte geistiger Leistung und menschlicher Arbeit, deren Potenziale erkannt werden müssen und mit denen anders umzugehen sei, als sie ungenutzt verfallen zu lassen oder gar abzureißen. Sie seien »leer und gut«, verbaute, geronnene Geschichte, die eine Zukunft verdient. Kirchen, so hob sie hervor, seien hier die prominentesten Beispiele.

»Perspektiven für kirchliche Gebäude – Aufgabe? Abgabe? Wandel?« lautet das Thema des EKM-Projekts für die IBA Thüringen. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sei ein Riese hinsichtlich Fläche und Gebäudezahl, aber ein Zwerg, wenn man auf die Zahl der Gemeindeglieder schaue. Rund 20 Prozent aller Kirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands stehen hier, aber nur vier Prozent ihrer Mitglieder wohnen in Sachsen-Anhalt und Thüringen. »Da wird die Diskrepanz deutlich«, erklärte Oberkirchenrat Stefan Große. Deshalb habe man dankbar die IBA-Chance erfasst und möchte den Prozess nun selbst mit dem offenen internationalen Ideenwettbewerb »Stadtland: Kirche. Querdenker für Thüringen 2017« befördern. »Wir sind auf frische, ungewöhnliche Impulse angewiesen«, so der Finanzdezernent der EKM. Bei der Erhaltung der Kirchen kam man in den letzten Jahrzehnten gut voran. Die etwa 400 Kirchbauvereine in der EKM erwiesen sich dabei als engagierte Partner. Wenn dann aber Fragen zur Nutzungsperspektive für die geliebte Dorfkirche gestellt würden, fielen die Antworten dünner aus, so seine Erfahrung. Auch manch interessante Tagung gehe an der Wirklichkeit ostdeutscher Probleme vorbei. »Wir wollen es wie Luther machen und dem Volke aufs Maul schauen«, so Große.

Und zum Reformationsjubiläum erhoffe man sich 500 Beiträge, von denen drei bis fünf die Möglichkeit der Realisierung bis zum IBA-Finale 2023 erhalten sollen. Vom Wettbewerbsstart am 19. März und den Modalitäten der Teilnahme werden wir in der Kirchenzeitung berichten.

Direkt vor der Kaufmannskirche steht der Querdenker Martin Luther und betrachtet das bunte Einkaufsgetümmel zu seinen Füßen. Auf dem Denkmalssockel ist Psalm 118, Vers 17 zu lesen: »Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herren Werk verkündigen.« Ihm würde es an einer Idee für die Nutzung unserer Kirchen nicht mangeln.

Uta Schäfer

Der Wind weht, wo er will

16. November 2015 von redaktionguh  
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Energiewende: Der Strombedarf der EKM soll auf ökologische Weise selbst erzeugt werden

Wenn etwas Unsichtbares etwas Sichtbares bewegt, dann meint man in der Kirche meist den Heiligen Geist. Unsichtbar, immateriell und stark ist auch der Wind, mit dem der Heilige Geist oft verglichen wird. Die Kraft des Windes will man sich in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zu nutze machen.

Manchmal passen alte Weisheiten einfach. Auch bei erneuerbaren Energien. Ein chinesisches Sprichwort sagt: »Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.« Oder, aktueller: Wind­räder. Die EKM macht genau dies: Windräder bauen und betreiben. Mit einem eigenen Unternehmen, dem »EKM-StromVerbund«. Wie aber wird eine Landeskirche Stromproduzent?

Drübeck, 2010: Die Herbsttagung der Landessynode stimmt einem Beschluss des Umwelt-Ausschusses zu. »Die Landessynode bittet den Landeskirchenrat zu prüfen, ob die EKM (…) eigene Investitionen in erneuerbare Energien vornehmen kann«, hieß es da. In der folgenden Frühjahrstagung in Wittenberg sollte die Synode einen abschließenden Beschluss fassen. Sechs Tage vor Synodenbeginn bebte in Fukushima die Erde. Der entstandene Tsunami und dessen Folgen sind bekannt. Auch auf die Energiepolitik hierzulande. Die Investition in erneuerbare Energien wird von den Synodalen bei neun Gegenstimmen und elf Enthaltungen abgesegnet. Im Herbst 2011 beschließt das Kollegium des Landeskirchenamtes (LKA) in Erfurt die Gründung eines eigenen kirchlichen Unternehmens – auf Empfehlung einer renommierten Wirtschaftsprüfergesellschaft. Im Folgejahr wurde der »EKM-StromVerbund« aus der Taufe gehoben, der sich um die beschlossenen Investitionen kümmern soll. Die Pläne für eine solche Unternehmensgründung bestanden schon lange vor dem Synodalbeschluss, wie Oberkonsistorialrat Diethard Brandt vom Referat für Grundstücke der EKM gegenüber »Glaube+Heimat« erklärte.

Windräder in direkter Nachbarschaft zur Kirche, wie hier in Wormstedt im Kirchenkreis Apolda-Buttstädt. Foto: Adrienne Uebbing

Windräder in direkter Nachbarschaft zur Kirche, wie hier in Wormstedt im Kirchenkreis Apolda-Buttstädt. Foto: Adrienne Uebbing

Stefan Große, Finanzdezernent der EKM, sagte im November 2011 kurz nach dem Beschluss: »Die EKM verbraucht jährlich 33 Millionen Kilowattstunden Strom. Unser Ziel ist es, genauso viel Strom auf ökologische Weise selbst zu erzeugen.« Neu an dem Vorschlag war, selbst in die Energieerzeugung zu investieren. Zwar drehen sich seit Mitte der 1990er Jahre bereits rund 140 Windräder auf Kirchengrundstücken. Aber bisher gehört keines davon der Kirche selbst. Mit der Gründung des »EKM-StromVerbundes« sollte sich das ändern.

Derzeit betreibt das kirchliche Unternehmen drei Wind­energieanlagen. Zwei in der Nähe von Halle und ein drittes im Kirchenkreis Gotha. In Planung sind weitere in Brandenburg, Nordhausen und Gera. Der selbst produzierte Kirchenstrom beläuft sich derzeit auf jährlich etwa 15 Millionen Kilowattstunden.

Kein billiges Unterfangen. Der Einstieg in die Welt der Strom­erzeuger kostete die EKM bisher rund 11,7 Millionen Euro. Finanziert wurde dies durch Kirchenbanken, der Eigenanteil von 20 Prozent (rund 2,3 Millionen Euro) stammt aus dem Grundvermögensfonds der EKM. In diesen Fonds fließen die Gewinne zurück. Im Jahr 2014 waren es gut 1,5 Millionen Euro. Für Thomas Wick, Sachbereichsleiter Landwirtschaft im Referat für Grundstückswesen des LKA in Magdeburg, ist diese innerkirchliche Wertschöpfungskette entscheidend. Er erklärt: »Die Kirchengemeinde, auf deren Grund die Windräder errichtet werden, bekommt Pacht von der Landeskirche. Finanziert wird alles durch die Kirchenbank, kirchliche Fonds geben das Eigenkapital, in die die Einnahmen zurückfließen und am Ende gibt es Kirchenstrom.« Energie von der Kirche für die Kirche.

In einer ersten Ausbauphase soll der Stromverbrauch der verfassten Kirche, in der zweiten
auch der Verbrauch der diakonischen Einrichtungen (insgesamt 55 Millionen Kilowattstunden) aus kircheneigenen Windkraftanlagen gedeckt werden. Diethard Brandt kann sich auch eine kirchliche Direktvermarktung vorstellen. Die EKM wäre dann nicht nur Stromerzeuger, sondern auch -anbieter. Doch Brandts Blick in die Zukunft wirkt ein wenig gedämpft. »Lange kommunale Planungszeiträume und die zunehmende Zurückhaltung von Kirchengemeinden bei der Bereitstellung kirchlicher Grundstücke behindern neue Projekte.«

Doch Windenergieanlagen haben auch mit anderen Problemen zu kämpfen. Im Durchschnitt werden die Betriebskosten mit 2,5 bis 4 Prozent der Investitionskosten beziffert – ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Und: Nach Recherchen des Südwestrundfunks sind viele Windkraftanlagen unrentabel. Die Auslastung eines Windrades wird in Volllaststunden gerechnet. Gut 1 700 Volllaststunden gelten dabei als Richtwert, um rentabel zu wirtschaften. Nur werde dieser oft verfehlt. Gründe können mangelnder Wind oder verfehlte und zu hoch angesetzte Windgutachten sein. So berichten Betreiber aus Süddeutschland, dass ihre Windertragsgutachten um 20 bis 35 Prozent zu hoch angesetzt seien. Weniger Wind bedeutet weniger Rendite. Dabei nehmen die Erträge mit der Windgeschwindigkeit nicht linear ab oder zu, sondern potentiell. Was also passiert, wenn die EKM-Windräder in die Verlustzone geraten? Aus welchen Töpfen müsste dann Geld genommen werden? »Das wird nicht passieren«, sagt Thomas Wick. Bisher sei das Unternehmen profitabel, auch wenn 2014, das erste volle Betriebsjahr, ein schwaches Jahr war. Außerdem sei die Laufzeit auf 20 Jahre angesetzt. Windarme Jahre können so durch die regionale Verteilung der Anlagen aufgefangen werden. Ein ursprünglich für die Herbsttagung der Synode geplanter Bericht über die Erträge der Anlagen kann aber, so heißt es aus dem Landeskirchenamt, leider noch nicht vorgelegt werden.

In der Kirche fließen nun nicht mehr nur Ströme des lebendigen Wassers. Sondern auch eigens produzierter grüner Strom. So lange der Wind weht.

Stefan Körner

Den Auftrag vor Augen haben

23. April 2015 von redaktionguh  
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Landessynode: Vom 16. bis 18. April tagte die Landessynode der EKM im Kloster Drübeck

Die neue Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland scheute sich nicht, von Anfang an Tacheles zu reden.

Neben einem Wahlmarathon stand ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der ersten Zusammenkunft der II. Landessynode der EKM: die Veränderungen im Finanzgesetz. Finanzdezernent Stefan Große erläuterte die Änderungen am vergangenen Freitag vor der Synode in Drübeck. Die anschließende Aussprache zeigte, dass die neuen Synodalen kein Blatt vor den Mund nehmen und die Probleme am Schopfe packen.

Zur konstituierenden Tagung der II. Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war ein Wahlmarathon zu bewältigen. Foto: Frank Drechsler

Zur konstituierenden Tagung der II. Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war ein Wahlmarathon zu bewältigen. Foto: Frank Drechsler

Die Überprüfung des Finanzgesetzes der EKM, zu dem sich Kirchengemeinden, -kreise und Gremien vom 1. April bis 30. Juni 2014 in einem Stellungnahmeverfahren äußern konnten, ist abgeschlossen und zahlreiche Vorschläge sind aufgenommen. Am 1. Januar 2016 soll es in Kraft treten.

Zuerst die gute Nachricht: Die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen verschaffen der Landeskirche Luft. Die Erhöhung der Gemeindegliederzahlen pro Pfarrstelle von 1 200 auf 1 350 kann dadurch bis einschließlich 2018 aufgeschoben werden. Geplant war die Umsetzung schon ab nächstem Jahr. Die drei Jahre können jedoch kein Ruhekissen sein, sondern müssen für ein Umdenken und Suchen nach neuen Wegen genutzt werden. Darin waren sich die Synodalen und die Vertreter der Kirchenleitung einig. Denn 2019 stehe noch mal eine Kürzung um 75 Pfarrstellen an, wenn die Kirchenmitgliederzahl weiter sinkt. Die demografische Situation und die Abwanderung aus den Regionen legen dies nahe.

Der Synodale Ulrich Neundorf mahnte eine ehrliche Debatte an. »Was hindert uns daran, über eine ›Perspektive 2030‹ nachzudenken, ohne gleich ein Gesetz verabschieden zu müssen.« Ihn wie auch andere Synodale bedrückte, dass »Städte begünstigt werden und Druck auf die kleineren Kirchenkreise ausgeübt wird, sich zusammenschließen«.

Darüber müsse man langfristig reden und nicht scheibchenweise drehen. Volker Wilde kritisierte: »Mir fehlen die Visionen. Wir schrauben nur innerhalb unseres Systems. Wir müssen Mut haben, den Problemen ins Auge zu sehen.« Und Ernst-Ulrich Wachter fragte: »Schrumpfen die da oben genauso wie wir?« Für die klaren Worte bedankte sich Stefan Große ausdrücklich. Er unterstrich, dass die Finanzierung der kirchlichen Arbeit mit dem Finanzgesetz und den aus der Erfahrung gewachsenen Änderungen des Gesetzes auf einem guten Weg sind. So wird zukünftig zum Beispiel beim Kreis­anteil für allgemeine Aufgaben nicht nur die Zahl der Einwohner, sondern auch die der Gemeindeglieder berücksichtigt. Man müsse jedoch langfristig denken, so Große.

Dass das Problem nicht nur am fehlenden Geld liegt, machte der Synodale Wilfried Kästel deutlich. »Die Kirche hat kein Finanzproblem, sondern ein Glaubensproblem«, zitierte er den derzeitigen Leiter der Finanzabteilung der EKD, Thomas Begrich.

Angesichts der munteren Debatte kann man mit einer sehr kreativen Arbeit der II. Landessynode rechnen. Das macht Hoffnung, wie von Synodalen und kirchenleitenden Vertretern zu hören war. Landesbischöfin Ilse Junkermann brachte es auf den Punkt: »Ich bin sehr froh über die Diskussion. Wir können nicht nach dem bisherigen Vorgehen einfach weiter abbauen, sondern wir müssen umbauen. Aber wir haben keine Patentrezepte.« Mit Blick auf die große Belastung der Mitarbeitenden sagte sie: »Alle sind erschöpft, aber wir sollen das Frohmachende verkündigen! Wir haben einen Auftrag in der Welt. Meine Sorge ist, dass wir durch die Sorge um uns selbst diesen Auftrag nicht mehr sehen.«

Dietlind Steinhöfel

Alle Dokumente unter: www.ekmd.de

Post von der Bank – kein Grund zur Unruhe

20. Mai 2014 von redaktionguh  
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Kirchensteuer auf Kapitalerträge wurden schon immer erhoben – nur das Verfahren ist neu

Haben Sie auch Post von Ihrer Bank oder Versicherung erhalten wegen der Kirchensteuer? In Deutschland sind auf Kapitalerträge, also zum Beispiel auf Zinsen, Steuern zu zahlen. Festgelegt ist auch, dass, genau wie bei der Lohnsteuer, neun Prozent dieser Kapitalertragssteuer noch als Kirchensteuer zu entrichten sind. Neu ist das nicht. Das Verfahren dazu wird allerdings zum 1. Januar 2015 geändert. Die Sache hat für viel Verwirrung gesorgt. Der Finanzdezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Stefan Große, erläutert.

OKR Stefan Große gibt Auskunft. Foto: Harald Krille

OKR Stefan Große gibt Auskunft. Foto: Harald Krille

Herr Große, was ändert sich ab 2015?
Große:
Die Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird automatisiert. Für Sie als Bankkunde entfällt der Auftrag zum Einbehalt der Kirchensteuer oder die Einbeziehung der Kirchensteuer in die Steuererklärung.

Wer muss denn Kirchensteuer auf Kapitalerträge entrichten?
Große:
Nur Kirchenmitglieder. Und auch nur, wenn die Kapitalerträge über den Freibeträgen liegen, also mehr als 801 Euro betragen, bei Verheirateten mehr als 1 602 Euro im ganzen Jahr. Das ist nicht neu. Nur das Erhebungsverfahren verändert sich.

Was heißt das konkret an einem Beispiel?
Große:
Wer beispielsweise 1 000 Euro Zinsen und Dividenden im Jahr erhält, zahlt darauf knapp fünf Euro Kirchensteuer. Handelt es sich um ein gemeinsam veranlagtes Ehepaar, sind bei 1 000 Euro weder Kapitalertragssteuern noch Kirchensteuer fällig, weil dies unter dem Freibetrag liegt.

Wie funktioniert das neue Verfahren praktisch?
Große:
Banken erhalten erstmals im Herbst dieses Jahres vom Bundeszentralamt für Steuern das für die Erhebung notwendige Religionsmerkmal, also den Hinweis, ob und welcher Kirche jemand angehört. Die Bank führt dann die Kapitalertragssteuer und die Kirchensteuer automatisch ab. Bisher musste jeder bei der Steuererklärung selbst daran denken und seine Kapitalerträge angeben.

Die Belange des Datenschutzes sind gewahrt. Man kann der Datenweitergabe widersprechen – für das Jahr 2015 bis zum 30. Juni 2014.

Was passiert, wenn ich als Kunde widerspreche?
Große:
Dann erhält die Bank vom Bundeszentralamt für Steuern einen neutralen Wert und behält keine Kirchensteuer ein. Allerdings müssen Sie in Ihrer Steuererklärung im folgenden Jahr diese Angaben selbstständig nachholen.

Wenn jemand Fragen zur Kirchensteuer hat?
Große:
… sollte er unser gebührenfreies Kirchensteuertelefon nutzen, einfach anrufen: (08 00) 7 13 71 37.

Die Fragen stellte Ralf-Uwe Beck.

Weitere Informationen auch im Internet:

www.ekmd.de

Gemeinsam die Zukunft gestalten

23. Februar 2014 von redaktionguh  
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Interview: Nach fünf Jahren Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und zwei Jahren mit neuem Finanzgesetz (Teil 2)

Über die Entwicklung in der EKM sprachen Dietlind Steinhöfel und Harald Krille mit Finanzdezernent Stefan Große und Personaldezernent Michael Lehmann (siehe Nummer 7, Seite 5).

Derzeit sind die Kirchensteuereinnahmen aufgrund der guten Konjunktur unerwartet hoch. Doch in der Gesellschaft werden die Rufe nach einem Wegfall des staatlichen Kirchensteuereinzugs und der Staatsleistungen immer lauter. Beunruhigt das den Finanzchef?
Große:
Diese Rufe waren schon mal zu hören. Ob sie wirklich lauter werden, weiß ich gar nicht. Nicht alles, was diskutiert wird, wird sofort in Gesetzgebung umgesetzt. Zunächst darf ich darauf verweisen, dass die Kirchen einen Rechtsanspruch auf Staatsleistungen haben. Der Verfassungsauftrag zur Ablösung ist ein Auftrag an den Staat. Ablösung heißt nicht ersatzloser Wegfall, sondern Aufhebung gegen Entschädigung. Dazu braucht es aber ein vom Bundestag erlassenes Ablösegrundgesetz. Wenn der Staat sich zu einem solchen durchringen würde, würde sich unsere Kirche selbstverständlich verfassungsgemäß verhalten und wäre gesprächsbereit. Für eine Änderung beim Kirchensteuereinzug ist eine verfassungsverändernde Mehrheit im Bundestag nötig. Der staatliche Einzug der Kirchensteuer genannten Mitgliedsbeiträge hat sich bewährt. Er ist Ausdruck der Trennung von Staat und Kirche. Deshalb sehe ich diese Mehrheit nicht. Mein Problem sind nicht die Rechtspositionen, sondern der Rückgang der Gemeindemitglieder und damit der Kirchensteuerzahler aufgrund der Demografie.

Oberkirchenrat Michael Lehmann. Foto: Harald Krille

Oberkirchenrat Michael Lehmann. Foto: Harald Krille

Wir evaluieren gerade das Finanzgesetz und stellen Hochrechnungen an zunächst einmal bis 2025. Was darüber hinausgeht, ist mit Prognosen nur sehr schwer zu fassen. Jetzt haben wir gute Jahre und müssen – gut biblisch – für die mageren vorsorgen. Ich möchte deshalb auf den Bericht der Landesbischöfin vor der Synode verweisen, in dem inhaltlich der Umbaugedanke stark betont wird. Für mich stellt sich die Frage, wie wird sich nach den Prognosen unsere Finanzkraft entwickeln und wie muss letztlich dann die Personalsituation gestaltet werden? Auch die EKM kann nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt. Dazu kommt: Zwar stammen 80 Prozent unserer Einnahmen aus Kirchensteuern, aber 30 Prozent davon kommen über den EKD-Finanz­ausgleich aus »reicheren« Landeskirchen. Die Staatsleistungen machen bei uns etwa 20 Prozent aus. Das ist keine gesunde Struktur.

Dieser Finanzausgleich wird ja auch zunehmend von den Geberkirchen infrage gestellt …
Lehmann:
Es mag provokant klingen: Wenn man mal in die benachbarten Landeskirchen schaut – nach Hannover, Braunschweig, Bayern – und die Pfarrer dort fragt, für wie viele Gemeindeglieder sie zuständig sind, sind das im Schnitt mehr als 3 000. Es geht dabei ja nicht nur etwa um die Zahl der Gottesdienste. Auch die Zahl der Besuche und der Kasualien, also Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen, erhöht sich ja beträchtlich mit der Zahl der Gemeindeglieder. Wenn man Pfarrer von 3 500 Gemeindegliedern ist, gibt es andere Herausforderungen, als wenn man 1 250 hat. Dass sie mit uns solidarisch sind, hängt natürlich mit der geringen Kirchlichkeit in unseren Breiten zusammen und der großen Fläche, das sehen die Geberkirchen durchaus. Wir sind gut dran, dass wir so solidarische Nachbarn haben.

In unserer Kirche gibt es ja beides – krass minderheitskirchliche und durchaus volkskirchliche Regionen. Die landeskirchlichen Kriterien für die Zuweisung von Personalmitteln an die Kirchenkreise versuchen dem Rechnung zu tragen. Von da an aber ist es Aufgabe der Kirchenkreise, die Stellen in ihrem Bereich angemessen zu verteilen. Und wenn ich das richtig sehe, schaffen sie das mit ziemlich hoher Qualität. Dennoch gibt es Erwartungen, dass die Landeskirche für diese oder jene Aufgabe finanzielle Verantwortung übernimmt. Das konterkariert aber die Entscheidung, die Verteilung der Stellen vor Ort in die Hand der Kirchenkreise zu legen. Für die verbleibenden Ausgleichsmaßnahmen bleiben uns die genannten 30 Pfarrstellen für besondere Aufgaben. Sicher – mehr wäre immer schön.

Große: Das neue Finanzsystem hat diese Diskussion natürlich auch provoziert. Das ist ein ganz bewusster Prozess, weil wir überzeugt sind, dass es richtig ist, die Kirchenkreise als eigenverantwortlich planende und selbstgestaltende Größen zu stärken. Es kann eben nicht von Erfurt aus bestimmt werden, was im Einzelnen in Salzwedel oder Hildburghausen passiert.

Der Tübinger Theologieprofessor Eberhard Jüngel etwa sieht die Zukunft der Kirche in freikirchlichen Strukturen, in denen Gemeinden weitgehend selbstständig sind. Sein Greifswalder Kollege Michael Herbst hat diese Sicht erst vor wenigen Tagen beim Willow-Creek-Leitungskongress in Leipzig bestätigt. Macht man sich auch in der EKM Gedanken um die grundsätzlichen Strukturen der Zukunft?
Lehmann:
Ja, sicher. Zum Beispiel werden wir noch in diesem Jahr ein geschlossenes Forum, eine Art »Internetkonvent« ans Netz gehen lassen, wo genau solche Zukunftsfragen durch die Betroffenen selbst offen und barrierefrei diskutiert werden können.

Ich selbst sehe die Freikirchlichkeit zurückhaltend. Denn einerseits ist unsere Kirchenstruktur ja da. Ob wir sie brauchen, ist vielleicht die falsche Frage. Wir sollten fragen: Wozu kann sie dienen, wenn sie schon da ist? Wie fördert sie das Leben der Gemeinde? Ich bin nicht davon überzeugt, dass kongregationalistische Strukturen, also die vollständige Selbstständigkeit der Gemeinden, das Zukunftsmodell sind. Denn das bedeutet eine Form von Selbstverantwortung einer Gemeinde, für die wir hier weder die Tradition noch die Kultur haben.

Oberkirchenrat Stefan Große. Foto: Harald Krille

Oberkirchenrat Stefan Große. Foto: Harald Krille

Stellen Sie sich vor, es finden sich nicht genügend Gemeindeglieder, die für den Unterhalt der Kirche und der dazugehörigen Pfarrstelle sorgen. Wenn das in Amerika passiert, wird ein Schloss vor die Kirche gehängt und sie wird verkauft. Versuchen Sie das mal in Mitteldeutschland! Das geht nicht: Wir haben viele schöne alte Kirchen. Und wie viele konnten in den letzten 20 Jahren saniert werden. Auf der anderen Seite sehen wir ja, dass das Finanzgesetz den Gemeinden die Verantwortung für 25 Prozent der Personalkosten in die Hand legt. Hier wächst eine neue Aufmerksamkeit der Gemeinden für die Stellenplanung ihres Kirchenkreises.

Große: Die Frage ist auch, würden freikirchliche Strukturen der Unabhängigkeit der Verkündigung des Evangeliums dienen oder nicht? Ich wage zu behaupten: Nein. Wenn nämlich der Pfarrer einige Male nicht so gepredigt hat, wie es dem Großspender in der Gemeinde gefällt, dann gibt der sein Geld vielleicht in eine andere Gemeinde. Diese Abhängigkeit hätte ich nicht gerne.

Lehmann: Unsere synodale Kirchenstruktur ist ein Schatz, den wir vielleicht manchmal deshalb so wenig schätzen, weil er uns selbstverständlich ist.

Große: Und sie erzeugt eine große Transparenz. Wir haben lange Diskussionsprozesse auf allen Ebenen zu den wirklich wichtigen Fragen geführt. Ich erinnere an die Verfassung oder das Finanzgesetz. Damit wurde auch eine starke Akzeptanz erreicht.

Dennoch, ist nicht ein Kulturwandel hin zu mehr Eigenverantwortung der Gemeindemitglieder nötig?
Große:
Natürlich, das ist ein wichtiger Punkt. Da sind wir schon mittendrin. Es war ein großer Streitpunkt im Finanzgesetz, ob denn die Kirchenkreise so viel Verantwortung tragen sollen. Es gab etliche, die gesagt haben: Wir wollen diese Verantwortung nicht. Es ist ja manchmal auch bequemer, wenn man sagen kann: Das hat die Landessynode so entschieden, da können wir gar nicht mehr viel machen hier im Kirchenkreis oder hier in der Kirchengemeinde.
Ein anderes Thema ist der Gemeindebeitrag. Wir haben das Gemeindebeitragsgesetz im letzten Jahr erneuert. Dazu gibt es eine Handreichung, wo genau diese Eigenverantwortung der Kirchengemeinden betont wird und konkrete Hilfen angeboten werden. Denn alles, was dabei gesammelt wird, bleibt in der Gemeinde vor Ort und schafft ihr Spielräume.

Dazu wünsche ich mir viele anregende Diskussionen und vor allem gute Ideen.

Bei all dem hören wir immer wieder auch die Klagen von Pfarrern, die sich überlastet und ausgebrannt fühlen. Zu Unrecht?
Lehmann:
Nein, das ist nicht von der Hand zu weisen. Und es greift einem natürlich ans Herz. Man muss sehen, dass es in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen fortwährenden Strukturwandel gegeben hat. Es ist ja nicht so, dass die Stellen mit einem Mal zusammengefasst wurden. Sondern es kam eine Gemeinde dazu, dann ein nächstes Dorf, dann drei Dörfer. Und jedes Mal muss sich die Pfarrerin oder der Pfarrer den Dienst neu organisieren, sich quasi neu erfinden. Da kann Erschöpfung wachsen.

Wir nehmen das sehr ernst. Wir haben mit dem Instrument der Mitarbeitergespräche darauf reagiert, damit wenigstens einmal im Jahr nachgefragt wird: Wie geht es dir eigentlich? Und was brauchst du? Wir sind dabei das Pastoralkolleg inhaltlich neu auszurichten. Drübeck ist ein guter Ort für Abstand und Einkehr. Wir wollen mit diesem Pastoralkolleg Ordinierte am Anfang, in der Mitte und am Ende ihres Dienstes begleiten. Wir haben deshalb auch Kurse eingeführt, die auf den Ruhestand vorbereiten. Da werden Fragen gestellt: Wie geht das, von 100 auf Null? Welche Dienste will ich fortan ehrenamtlich übernehmen? Wie ist es, wenn man im Pfarrhaus wohnen bleibt? Sollte man einen Ortswechsel vollziehen?

Das sind heikle Fragen, vor denen viele zurückschrecken, vor denen aber alle eines Tages stehen. Und bei den Bilanz- und Orientierungstagen kommen Pfarrerinnen und Pfarrer zusammen, um zurück- und vorauszuschauen und sich darüber miteinander auszutauschen.

Die Landeskirche ist den Gemeinden verpflichtet

17. Februar 2014 von redaktionguh  
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Interview: Nach fünf Jahren Evangelische Kirche in Mitteldeutschland und zwei Jahren mit neuem Finanzgesetz (Teil 1)

Seit fünf Jahren besteht die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Seit zwei Jahren ist das neue Finanzgesetz in Kraft. Dietlind Steinhöfel und Harald Krille sprachen mit den Oberkirchenräten Stefan Große (Finanzen) und Michael Lehmann (Personal) über Klagen von der Kirchenbasis.

Wir hören immer wieder, die Kirchenleitung schaue nicht genug auf die Fläche. Ein Kirchenkreis rechnet vor, dass 38 Prozent der Haushaltsmittel landeskirchlicher Anteil sei. Der Haushaltsplan spricht dagegen von 76 Prozent für die Kirchenkreise und -gemeinden. Woher kommt der Unterschied?

Oberkirchenrat Stefan Große (li.) erläutert den Finanzplan, neben ihm Oberkirchenrat Michael Lehmann. Foto: Harald Krille

Oberkirchenrat Stefan Große (li.) erläutert den Finanzplan, neben ihm Oberkirchenrat Michael Lehmann. Foto: Harald Krille

Große: Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mir die Gelegenheit geben, darüber zu sprechen. Unser Finanzgesetz hat nicht umsonst als Hauptschwerpunkt die Finanzierung des Verkündigungsdienstes, das Eigentliche von Kirche! Dazu sind wir vom Haushaltsgesetzgeber, sprich der Landessynode der EKM, verpflichtet. Aus dem Haushalt 2014 fließen rund 76 Prozent in die Kirchengemeinden und Kirchenkreise. Die genannte Diskrepanz ergibt sich daraus, dass bei den 38 Prozent auch Ausgaben enthalten sind, die die Landeskirche stellvertretend für die Kirchenkreise und -gemeinden aufwendet. Das sind 6,2 Millionen für Sammelversicherungen für kirchliche Gebäude, Haftpflicht etc. sowie Beiträge zu den Berufsgenossenschaften. Wir wickeln das über die Landeskirche ab, um Verwaltungsaufwand zu sparen. Hinzu kommen Ruhestandsbezüge und Versorgung von Hinterbliebenen – das ist mit 17,3 Millionen Euro der größte Anteil. Dann gibt es noch kleinere Positionen: 400 000 Euro für Orgel- und 20 000 Euro für Glockensanierungen. Alle Details sind im Finanzbericht auf Seite 28 der Landessynode nachzulesen, der auch im Internet abrufbar ist.

Der Eindruck eines hohen Verwaltungsanteils ist also falsch?
Große:
Ich kenne kaum eine Landeskirche, die verpflichtet ist, so viel Geld in die Basis zu stecken. Dass das Geld knapper wird, hängt nicht damit zusammen, dass der landeskirchliche Anteil der Finanzierung wächst, sondern weil insgesamt die Mittel durch die Entwicklung der Gemeindegliederzahlen auf längere Sicht zurückgehen. Wenn uns jetzt die Kirchensteuereinnahmen mal ein bisschen helfen, weil die Konjunktur gut ist, können wir die Haushalte der Zukunft entlasten.

Wie viel wurde durch die Fusion eingespart?
Große:
Unser gesetztes Ziel, rund sieben Millionen Euro einzusparen, haben wir erreicht. Der Verwaltungsanteil an der jährlichen Plansumme – dieses Jahr 163 Millionen Euro – liegt zwischen sechs und sieben Prozent dieser Summe. Das ist ein extrem guter Wert. Gemeinnützige Organisationen bekommen noch ein Spendensiegel, wenn sie bei 20 Prozent Verwaltungskosten liegen! Und ich möchte betonen, wie viel dafür durch die Mitarbeiter geleistet wird. Das geschieht oft unter hohem Einsatz. Natürlich schauen wir immer, wo wir noch effizienter arbeiten können. Doch das stößt auch an Grenzen. Man kann nicht auf der einen Seite immer mehr und qualitätvollere Dienstleistungen erwarten und andererseits, dass der landeskirchliche Anteil weiter sinkt.

Es gibt immer wieder Stimmen, die zu viele neu eingerichtete Projekt- und Sonderpfarrstellen zulasten der Gemeindepfarrstellen beklagen.
Lehmann:
Zunächst einmal ist für mich zu klären, was Kirche überhaupt ist. Wenn ich höre, Kirche gibt Geld aus für …, aber nicht für …, dann klingt das so, als hätten wir einen hierarchischen Aufbau. Nach evangelischem Verständnis ist die Basis die Kirchengemeinde, und so baut sich auch das Finanzsystem auf und die Zuordnung der Stellen: Gemeindepfarrstellen, Gemeindepädagogen, Kantoren. Die Kirchenkreise haben die Möglichkeit, Stellen für kirchenkreisweite Aufgaben einzurichten – etwa Sonderseelsorge, Schulpfarrstellen. Es gibt darüber hinaus eine eng begrenzte Zahl an landeskirchlichen Stellen, die durchaus sinnvoll sind, also zum Beispiel Schulbeauftragte, die propsteiweit eingesetzt werden. Oder landeskirchliche Stellen in der Weiterbildung wie im Pastoralkolleg oder im Pädagogisch-Theologischen Institut. Dort tun sie Dienst für die gesamte Landeskirche.

Aber das sind ja keine Projektstellen …
Lehmann:
Wir haben eine ausführliche Debatte darüber im Haushalts- und Finanzausschuss der Landessynode geführt. Und genau definiert, wofür wir Stellen vorhalten wollen. Zum Beispiel zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, für Forschung im kirchlichen Interesse und für die Personalentwicklung. Es ist gut, wenn wir begabte Pfarrerinnen und Pfarrer für eine Weile freistellen, damit sie eine Qualifikationsarbeit schreiben. Dafür haben wir acht Stellen zur Verfügung, aufgeteilt auf die beiden theologischen Fakultäten in Jena und Halle, die Hochschule für Kirchenmusik Halle und das Martin-Luther-Institut Erfurt. Zudem unterstützen wir mit vier Stellen die Kommunitäten, halten dadurch Kontakt, damit sie mit uns als Landeskirche verbunden bleiben. Sie würden sich viel mehr wünschen! Ein Verfassungsauftrag lautet, für besondere Formen von Gemeinde zu sorgen. Man muss dafür auch Stellenvalenzen vorhalten, sonst entsteht dort nichts. Im Moment haben wir diese Stellen gar nicht besetzt.

Zudem haben wir zehn bewegliche Pfarrstellen. Es sind Stellen für die Wiedereingliederung von erkrankten Pfarrern oder für jene, die im Ausland tätig waren. Sie werden auch benötigt, wenn es Konflikte zwischen Pfarrer und Gemeinde gibt, damit diese relativ schnell aus Konflikten herausgelöst werden können.

Und auch wenn Kirchenkreise Stellen einsparen, aber die Pfarrerinnen und Pfarrer weiter bezahlt werden müssen, steht die Landeskirche dafür gerade.

Wie ist das mit Berufsanfängern?
Lehmann:
Wir haben im Moment einen Korridor von 15 Stellen für Berufsanfänger, die jährlich in den Entsendungsdienst kommen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Kirchenkreise diese Stellen zur Verfügung stellen. Wenn es aber mal weniger als 15 sind, müssen wir um eines gesunden Lebensbaumes der Pfarrerschaft willen für solche Personen Aufgaben finden, damit sie im System bleiben, bevor ein Pfarrermangel entsteht.

Für alle diese Aufgaben haben wir in diesem Jahr 30 Stellen, also nicht einmal eine pro Kirchenkreis. Und sie kommen ja natürlich den Kirchenkreisen zugute! Ich räume ein, dass die Profilierung der Projektstellen erst im vergangenen Jahr zum Abschluss gekommen ist. Aber ich glaube, wir haben jetzt sehr transparente Kriterien und eine überschaubare Zahl.

Sind fünf Pröpste mit jeweils einer Sekretärin und einer halben Referentenstelle angemessen?
Lehmann:
Wer die Kirchenprovinz oder lutherisch Thüringen vermisst – der hat ja recht: Die alten Landeskirchen haben ja wirklich aufgehört zu bestehen, die vertrauten Kommunikationswege stimmen nicht mehr; Personen und die Orte sind andere geworden. Wir sind eine neue Landeskirche, die sich auch neu organisiert und in der die Regionalbischöfe andere Aufgaben wahrnehmen als die Pröpste in der früheren KPS oder die Visitatoren in der Thüringer Kirche. Das bedarf eines Kommunikationsprozesses, der noch nicht abgeschlossen ist. Da müssen Erwartungen austariert werden. Welche Funktionen haben die einzelnen Ämter? Und gerade beim regionalbischöflichen Amt macht sich das besonders deutlich, weil es ja wirklich ein neues Amt ist, auch wenn die Struktur ähnlich aussieht.

Wie hat sich denn die Struktur verändert?
Lehmann:
In der Kirchenprovinz Sachsen hat es über lange Zeit acht Pröpste gegeben, in Thüringen vier Visitatoren. In Thüringen wurde das mal von vier auf drei, in der KPS von acht auf fünf reduziert. Jetzt haben wir fünf Regionalbischöfe. Diese Pröpste speisen durch ihre Kontakte mit den Kirchenkreisen und Gemeinden in das Leitungshandeln der Kirche eine große Kompetenz ein, die wir brauchen. Regionalbischöfe sind auch ein Ansprechpartner in Konfliktfällen und begleiten Mitarbeiter seelsorgerlich. Es ist Aufgabe der Pröpste, die verschiedenen Interessen auf den verschiedenen Ebenen der Landeskirche wahrzunehmen und auf einen Interessensausgleich hinzuwirken. Wenn wir beispielsweise den Propstsprengel Stendal-Magdeburg anschauen – das ist ein gewaltiges Gebiet. Wenn dann ein Regionalbischof einen persönlichen Referenten mit einer halben Stelle hat, ist das unbedingt notwendig.

Große: Dieses Propstamt war eine bewusste Entscheidung, die mit der neuen Verfassung getroffen und vorher auch hinreichend diskutiert wurde. Die Klugheit zeigt sich schon jetzt, denn die Umbrüche in den Kirchenkreisen und Kirchengemeinden, die ja immer auch eine personelle Komponente haben, sind stark – ich erinnere nur an das neue Finanzgesetz. Da ist viel Begleitung in dieser von Bruder Lehmann geschilderten Draufsicht nötig. Hinzu kommt die Rückspiegelung in die Gremien der EKM. Einmal im Monat berufen wir das erweiterte Kollegium ein, in dem die Pröpste sehr konkret berichten. Wir erhalten als Amt so eine Sicht, die wir sonst nicht bekommen würden.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass der Bischofskonvent – Landesbischöfin, Pröpste und der reformierte Senior – gerade für theologische Standortbestimmung wichtig ist: Was ist jetzt dran in dieser Phase der Entwicklung der EKM? Welche geistlichen Impulse sind gerade hier in Ostdeutschland nötig? Wenn es das Propstamt nicht gäbe, müsste man es glatt erfinden.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Kirchenzeitung.

Ausgleich für Unterstützung

17. November 2013 von redaktionguh  
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Sachstand: Landeskirchen zahlen »Strukturbeitrag« an Sachsen-Anhalt

Der Evangelische Pressedienst titelte kürzlich: Protestanten fixieren Millionen-Hilfe für den Staatsetat Sachsen-Anhalts. Diese Formulierung hat Verwirrung gestiftet.

Im Oktober haben die Landesbischöfin der Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, der anhaltische Kirchenpräsident, Joachim Liebig, und der Bischof der Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber, der Landesregierung von Sachsen-Anhalt ein Angebot unterbreitet. Es beinhaltet, dass der Landesregierung von den drei Landeskirchen zum Reformationsjubiläum 2017 ein Strukturbeitrag von gut 1,7 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden soll.

Wie kam es dazu? Johannes Killyen, Pressereferent der Landeskirche Anhalts, erklärt: »Das Land Sachsen-Anhalt hat die drei in ihm vertretenen evangelischen Kirchen in einer Zeit großer Sparmaßnahmen im Landeshaushalt gebeten, sich an den immens hohen Kosten für das Reformationsjubiläum zu beteiligen.« Der Beitrag der anhaltischen Landeskirche liege bei 63 000 Euro im Jahr, also rund 1,50 Euro pro Gemeindeglied bei etwa 43 000 Kirchenmitgliedern. Entnommen werden solle das Geld dem allgemeinen Haushalt. Oberkirchenrat Stefan Große nannte für die Kirche Mitteldeutschlands 0,47 Euro pro EKM-Gemeindeglied. Dies entspricht einem jährlichen Beitrag von 383 000 Euro. Auf dem Gebiet des Bundeslandes Sachsen-Anhalt sind es 283 000 evangelische Christen, das entspricht 1,35 Euro pro Gemeindemitglied. Das Geld stamme aus den landeskirchlichen Rücklagen und betreffe nicht den laufenden Haushalt, so Große.

Drei Landeskirchen beteiligen sich an den Ausgaben des Landes Sachsen-Anhalt zur Reformationsdekade. Die Kirchengemeinden haben deswegen keine Kürzungen zu befürchten. Foto: Silencefoto/Fotolia.com

Drei Landeskirchen beteiligen sich an den Ausgaben des Landes Sachsen-Anhalt zur Reformationsdekade. Die Kirchengemeinden haben deswegen keine Kürzungen zu befürchten. Foto: Silencefoto/Fotolia.com

Die Synodalen der Landeskirchen müssen auf ihren Herbsttagungen noch zustimmen. In Zerbst wird vom 14. bis 16. November getagt, in Erfurt vom 21. bis 23. November. Alle nötigen Informationen liegen ihnen vor. Vorbehaltlich dieses Beschlusses bleibe festzuhalten, so Killyen, dass die Zahlungen tatsächlich zur Unterstützung des Reformationsjubiläums gedacht sind und nicht etwa zur allgemeinen Sanierung des klammen Landeshaushaltes. Zudem seien sie bis Oktober 2017 begrenzt.

Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser, Beauftragter der evangelischen Kirchen für Landtag und Landesregierung in Sachsen-Anhalt, erläutert die Situation. Das Bundesland trage mit 80 Millionen Euro den größten Anteil am Reformationsjubiläum. Aus diesem Topf würde beispielsweise allein mit zwei Millionen Euro die Sanierung der Stadtkirche in Wittenberg gefördert.

Auslöser des Angebots war jedoch, laut Steinhäuser, weniger das Jubiläum als die Diskussion um die mittlerweile immer häufiger infrage gestellten Staatsleistungen. Auf Druck namentlich der Linkspartei werde das Finanzgeflecht zwischen Kirche und Staat vielfach thematisiert. Dabei sei es immer schwerer plausibel zu machen, dass in allgemeinen Sparzeiten jährlich 30 Millionen Euro allein von Sachsen-Anhalt an die Kirchen gezahlt werden. Grundsätzlich werde gefragt, ob solche Zahlungen noch in unsere Zeit passen. Vertragsbeginn war 1803. Um diesem Disput ein wenig an Schärfe zu nehmen, hätten sich die drei Landeskirchen zu dieser einmaligen Zahlung entschlossen. Zumal sie selbst in hohem Maße vom Etat des Landes zum Reformationsjubiläum durch Bau- und Kulturzuschüsse profitieren.

Dem Kirchgänger, der das kritisiert und moniert, dass es in seine Kirche tropfe und es keine Fördermittel vonseiten der Landeskirche für ihn gebe, hält er entgegen: »Sollte die Stimmung im Lande kippen, wenn Blindengeld und Sozialleistungen gestrichen werden und trotzdem Geld an die Kirchen fließt, dann stehen die Staatsleistungen bald wirklich zur Disposition. Rechtlich sind sie sicher, doch moralisch stünden sie damit auf dem Prüfstand. Dann tropft es nicht, dann läuft es bald in deine Kirche.« Und Stefan Große unterstreicht: »Der Strukturbeitrag für Sachsen-Anhalt eignet sich nicht als Präzedenzfall, weil die Fülle und Bedeutung der Reformationsstätten und die vielen Investitionen in Bau und inhaltliche Aktivitäten durch das Land ein klares Alleinstellungsmerkmal für Sachsen-Anhalt darstellen. Anfragen hierzu aus Thüringen liegen nicht vor.«

Regina Englert

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