Fantasie in Ton gebrannt

29. August 2016 von redaktionguh  
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Projekt der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg: »Kunst kennt keine Behinderung«


Keramik-Engel flankieren den Altar in der Samariterkirche in Magdeburg. Sie halten Kerzen in den ausgestreckten Händen. Geschaffen haben sie Mitglieder der Kreativwerkstatt der Pfeifferschen Stiftungen, die dem Bereich Behindertenhilfe Wohnen angegliedert ist. Seit 14 Jahren betreut der Künstler Paul Gandhi die behinderten Menschen. Nicht ganz so lange gibt es daneben eine Gruppe, die sich der Malerei widmet. Sie alle zeigen bis zum 9. September einige ihrer Arbeiten in der Kirche auf dem Stiftungsgelände. Die Tanzgruppe unter der Leitung von Birgit Heisel, die es erst seit April gibt, stellt sich mit eindrucksvollen Fotos von Dieter Drewitz vor.

Susann Scharp töpfert seit ihrem 13. Lebensjahr. Dieser Engel ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Foto: Renate Wähnelt

Susann Scharp töpfert seit ihrem 13. Lebensjahr. Dieser Engel ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Foto: Renate Wähnelt

»Kunst kennt keine Behinderung« ist die Ausstellung überschrieben. Die Künstler im Atelier bei Pfeiffers beweisen mit ihren Arbeiten, dass Fantasie, Talent und Kreativität in jedem Menschen stecken. Ulrike Mann, die die Malgruppe leitet, hat fasziniert beobachtet, wie bei einem Teilnehmer aus dem Ausmalen allmählich das selbstständige Gestalten wird. »Es geht bei uns um Künstlerisches«, unterstreicht sie den Anspruch. Da malt der eine filigran klein, ein anderer setzt große Farbflächen auf das Papier. Mit viel Geduld zeichnet eine Dritte ganze Märchen und biblische Geschichten.

Für Susann Scharp, die unter anderem einen der Altar-Engel ausstellt, ist das Töpfern vor allem ein Ausgleich zur Arbeit in der Elektrodemontage der Pfeifferschen Stiftungen. Sie hat einfach Freude daran und fragt Paul Gandhi immer seltener um Rat. »Kunst ist ein Prozess, die Spannung liegt im Werden«, beschreibt der seinen Anspruch an die Anleitung der Gruppe. »Wir freuen uns, dass wir so weit gekommen sind, an der Gestaltung von Plätzen und Gebäuden mitzuwirken. Dafür danke ich meinen Mitarbeitern.« Auf Magdeburgs Domplatz steht ein Schachbrett, das die Gruppe gestaltete. Und für das Hospiz der Stiftungen ist eine Wandgestaltung im Werden.
»Ich wünsche Ihnen, dass der Erfolg in der Kunst Ihnen im Leben weiterhilft und Sie andere anstecken können mit Ihrer Lebensfreude«, sagte Axel Gutsche bei der Vernissage. Der Bereichsleiter Wohnen ist dankbar, dass die Pfeifferschen Stiftungen das Kunstatelier ermöglichen. Dort werde Kunst gelebt, gebe es einen Schutzraum, sich zu öffnen und Stimmungen auszudrücken. »Wir haben ja schon mehrere Ausstellungen gesehen und können verfolgen, wie sich die Künstler entwickeln«, stellte er fest.

Renate Wähnelt

Bis 9. September, Samariterkirche Magdeburg, 8 bis 18 Uhr