Hier weiß jeder, was zu tun ist

2. April 2011 von redaktionguh  
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Sachspenden, Geld und Zeit kann man teilen –  für die Helfer der Tafel wird dies zur täglichen  Erfahrung. Foto: Norbert Kleinteich

Sachspenden, Geld und Zeit kann man teilen – für die Helfer der Tafel wird dies zur täglichen Erfahrung. Foto: Norbert Kleinteich


Viele Ehrenamtliche engagieren sich in der »Sonneberger Tafel«.


»Unser tägliches Brot gib uns heute« – dieser Teil des »Vaterunsers« könnte auch über der Sonneberger Tafel hängen, die es seit Februar 2009 in der Spielzeugstadt gibt. In Trägerschaft des Diakoniewerkes der Kirchenkreise Sonneberg und Hildburghausen-Eisfeld ist es ein gemeinsames Projekt von Kirchenkreis und katholischer Pfarrgemeinde. Jährlich wechselt deshalb auch der Vorsitz. Im vergangenen Jahr lag er bei der Sonneberger katholischen Pfarrgemeinde »St. Stefan«, seit März hat ihn der evangelische Kirchenkreis inne.

Im Raum Sonneberg erhalten derzeit 483 Erwachsene und 168 Kinder Unterstützung durch die »Tafel«, im Raum Neuhaus am Rennweg, wo man in Kooperation mit der »Lebenshilfe« ebenfalls eine Ausgabestelle betreibt, sind es 92 Erwachsene und 30 Kinder.

Einst selbst auf Hilfe angewiesen, hat sich Gisela Börner als Rentnerin auf die Seite der Helfenden gestellt. Sie ist schon ein Jahr dabei und sagt voller Anerkennung: »Ich bin positiv überrascht, dass es wie ein Uhrwerk hier abläuft. Jeder weiß, was er zu tun hat.« Die operative Leitung der »Tafel« liegt in den Händen von Regina Buthmann. »Täglich fahren ein Kühlwagen und ein Kleintransporter Supermärkte und Bäcker im Kreisgebiet an, wo sie genießbare Waren empfangen«, berichtet sie. Man nimmt, was man bekommt. Und so finden alle Arten von Lebensmitteln, selbst Waschpulver, Tiernahrung, Kleidung, Spielsachen und vieles mehr den Weg zur »Tafel«. Hier wird sortiert und eingelagert, manches aber ist nur noch als Tierfutter verwertbar.

Schichtweise bringen sich insgesamt 30 bis 35 Ehrenamtliche bei der »Tafel« ein. Hannelore Gutsche beispielsweise arbeitete früher im Bauamt. Heute ist sie Rentnerin und als Ehrenamtliche seit der ersten Stunde für die Ausgabe und die Verlängerung der Tafelausweise zuständig. »Die Menschen sind sehr dankbar, freuen sich über die Unterstützung und sprechen auch über ihre Sorgen und Nöte.« Sie hat ein offenes Ohr für ­jeden, tröstet und weiß, dass dies ebenso manchmal hilft.

»Der ökumenische Gedanke ist uns sehr wichtig«, erklärt Superintendent Wolfgang Krauß. Einmal im Monat sei im Rahmen der ökumenischen Friedensgebete die Kollekte für die Tafel bestimmt. Ziel sei es, den christlichen Gedanken des Teilens und der Soli­darität zu vermitteln, betont er. Im Sonneberger Gymnasium arbeite man zudem mit Kindern am Projekt »Arm und Reich«. Dazu gehöre auch ein Einsatz bei der Tafel. Teilen müsse man rechtzeitig lernen, fügt der Superintendent hinzu.

Melanie Wagner-Köhler, die Leiterin der Kreisdiakoniestelle Sonneberg, weiß aus ihren Erfahrungen in der ­Familienarbeit, dass Hilfsangebote weiter greifen müssen. Im vergangenen Jahr initiierte man beispielsweise einen Kochkurs mit Ernährungsberatung für alleinerziehende Mütter, um eine sinnvollere Verwertung der Lebensmittel zu vermitteln. »Wir hoffen, dass wir das auch dieses Jahr wieder über neun Monate anbieten können«, sagt die engagierte junge Frau und wünscht sich auch weiterhin eine breite Unterstützung für die »Tafel«.

Norbert Kleinteich

Mehr als eine Tafel

7. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Gerade für die Kleinen engagiert sich die »Täglich Brot ­Insel« in Stadtroda in besonderer Weise. Doris Leisering (rechts) ist eine Gewerbetreibende aus Hermsdorf, die ­freiwillig und unentgeltlich von Beginn an dabei ist. Sie hat die Insel mit eingerichtet und hier eine eigenständige Kinderarbeit aufgebaut. Maritta Schumann (links) ist, ­symbolisch gesprochen, aus der Warteschlange an der ­Lebensmittelausgabe herausgetreten und arbeitet schon lange aktiv mit. Zuerst tat sie das rein ehrenamtlich. Jetzt ist sie im Rahmen einer geförderten Maßnahme befristet angestellt. Beide Insulanerinnen haben auch das Kinderzimmer wohnlich gestaltet.	Foto: Carola Frindert

Gerade für die Kleinen engagiert sich die »Täglich Brot ­Insel« in Stadtroda in besonderer Weise. Doris Leisering (rechts) ist eine Gewerbetreibende aus Hermsdorf, die ­freiwillig und unentgeltlich von Beginn an dabei ist. Sie hat die Insel mit eingerichtet und hier eine eigenständige Kinderarbeit aufgebaut. Maritta Schumann (links) ist, ­symbolisch gesprochen, aus der Warteschlange an der ­Lebensmittelausgabe herausgetreten und arbeitet schon lange aktiv mit. Zuerst tat sie das rein ehrenamtlich. Jetzt ist sie im Rahmen einer geförderten Maßnahme befristet angestellt. Beide Insulanerinnen haben auch das Kinderzimmer wohnlich gestaltet. Foto: Carola Frindert

»Täglich Brot Insel« in Stadtroda und Kahla hilft Bedürftigen auf dem Land

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Tische in vielen Familien reich gedeckt mit allerlei Köstlichkeiten. Doch immer weniger Menschen können sich ein gutes Essen, ganz zu schweigen von bescheidenen Geschenken, für die Lieben leisten, nicht einmal zu Weihnachten. Nicht erst seit der Einführung der Arbeitsmarktreform Hartz IV vor fünf Jahren geht in Deutschland die Schere zwischen Arm und Reich zunehmend auseinander. Der Staat allein ist nicht in der Lage, sich den damit verbundenen Problemen anzunehmen, und so versorgen vielerorts gemeinnützige Organisationen Bedürftige mit dem Nötigsten.

Der Primärversorgung mit Lebensmitteln kommen bundesweit mehr als 800 Tafeln nach. Die »Täglich Brot Insel« mit ihren Ausgaben in Kahla und Stadtroda ist eine davon. Hervorgegangen aus dem Projekt »Zukunftswerkstatt regional« und 2006 als Verein gegründet, kämpft die Einrichtung vor allem gegen die Armut auf dem Land.

»Hier existiert Bedürftigkeit meist versteckt«, weiß Almut Arndt von der Diakoniekreisstelle in Stadtroda, in deren Händen die Organisation der Tafel liegt. Auf dem Land kenne man sich und es sei für viele beschämend, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch wenn es die Versorgung mit Lebensmitteln ist, die von den Bedürftigen am häufigsten nachgefragt wird, hat die »Insel« den Anspruch, mehr zu sein als eine bloße Tafel. »Unsere Maxime ist es, die Armut nicht einfach nur zu bedienen, sondern aktiv etwas dagegen zu unternehmen«, betont Diakonin Arndt. Armut bedeute nämlich nicht nur schlechte Ernährung, sondern auch zu wenig Bildung. Neben den beiden Lebensmittelausgaben gibt es daher für Kinder bedürftiger Eltern auch die Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung und Lernhilfe.

»Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter kümmern sich aber auch um die Kinder, während deren Eltern bei der Essensausgabe sind. Sie spielen mit ihnen, lesen Geschichten, schenken ihnen ihre Zeit und Aufmerksamkeit«, erzählt Arndt. Gerade für die Kleinen möchte sich die »Täglich Brot Insel« stark machen: So werden Kleider­basare veranstaltet, Ferienausflüge ­organisiert und Geld gesammelt, um bedürftigen Kindern die Schulspeisung zu ermöglichen. Projekte und Aktionen wie diese benötigen naturgemäß Menschen, von denen sie getragen werden. Neben der Diakonie und dem Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche, Christen wie auch kirchenferne Menschen bei der »Insel«.

»Wir sind kein Mitglied des Tafelverbandes und mussten uns selbstständig ein Netzwerk aus Helfern und Sponsoren aufbauen. Das kostet viel Mühe, Zeit und Kraft,« sagt Arndt. Daher sei sie auch für jedwede Unterstützung dankbar.
Gefragt nach ihren Wünschen für das neue Jahr, antwortet Almut Arndt: »Ich würde mir wünschen, dass die Wärme in unserer Gesellschaft wächst, sich die Menschen mehr mitgenommen fühlen und dass wir Einrichtungen wie unsere nicht mehr brauchen.«

Beatrix Heinrichs

Geben, was der andere braucht

25. September 2009 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Mit einem Auto voller Waren war Beate Weber-Kehr (l.) vom Bundesverband Deutscher Tafeln gekommen. Die Leiterin von Hildburghausen, Tina Lenk, nahm sie ­entgegen.	(Foto: Wolfgang Swietek)

Mit einem Auto voller Waren war Beate Weber-Kehr (l.) vom Bundesverband Deutscher Tafeln gekommen. Die Leiterin von Hildburghausen, Tina Lenk, nahm sie ­entgegen. (Foto: Wolfgang Swietek)

31. Tafel von Thüringen in Hildburghausen eröffnet

Wenn ein Kreisstadtbürgermeister und ein Landtagsabgeordneter, die beide der Partei »Die Linke« angehören, zu einem Festgottesdienst in die Kirche kommen, wenn ein evangelischer und ein katholischer Geistlicher dort gemeinsam zum Gebet auffordern und das an einem Dienstagmittag, dann muss dies ein ganz besonderer Anlass sein. Grund für das Kommen von Bürgermeister Steffen Harzer und Tilo Kummer sowie Oberpfarrer Christoph Victor von der evangelischen Kirchengemeinde Hildburghausen und Dietmar Ruhlig von der katholischen Kirchengemeinde St. Leopold war die Eröffnung der 31. Tafel im Freistaat Thüringen, die am Donnerstag dieser Woche erstmals ihre Pforten für die Bedürftigen der ­Region öffnet.

»Alle eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch.« Mit dem Spruch der Woche hatte Oberpfarrer Christoph Victor am 22. September den ökumenischen Gottesdienst in der Christuskirche eröffnet. Das sage aber im Umkehrschluss auch, so Victor, dass Sorgen da sind und dringend Hilfe gebraucht werde. Und das in einem der reichsten Länder der Erde.

Überwältigend war die Bereitschaft, welche die Diakonie erfuhr, als sie mit der Eröffnung dieser Tafel eine letzte Lücke im Freistaat Thüringen, im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld, schließen wollte. Sofort hatten sich Helfer gemeldet – 46 sind es inzwischen – die bereit waren, sich für das Wohl ihrer Mitbürger zu engagieren. Dietmar Ruhlig dazu: »Unsere beiden Kirchen standen in DDR-Zeiten in aller Bedrängnis zusammen. Nun arbeiten wir wieder gemeinsam – Diakonie und Caritas – mit dem gleichen Anliegen.« Auch wenn die beiden Kirchen ­dabei federführend sind, sei dies doch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. So sei es erfreulich, dass es keinerlei Überzeugungsarbeit bedurfte, als die Kirchen in der Stadtverwaltung und im Landratsamt vorgesprochen hatten.

Bürgermeister Steffen Harzer und Landrat Thomas Müller waren beide bereit zur Hilfe und sicherten dies auch persönlich bei der Eröffnung der Tafel erneut zu. Das Motto der Tafel-Bewegung, einst im thüringischen Blankenhain formuliert und nun bei allen 854 Tafeln deutschlandweit gültig, solle auch hier umgesetzt werden: »Einem anderen geben, was er braucht – ein Stück Brot, ein Lächeln, ein offenes Ohr.« Den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und keine Lobby haben, ein Stück ihrer Würde und Lebensqualität zurückgeben, das will die Tafel erreichen.

Wolfgang Swietek