Mehr weibliche Führungskräfte angemahnt
28. Januar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Mitteldeutschland
»Forum Gleichstellungsarbeit« diskutierte in Halle über konkrete Schritte

In Gleichstellungsfragen kompentent: Katja Albrecht, Foto: Archiv
An der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) stehen Frauen: eine Bischöfin und eine Kirchenamtspräsidentin. Das spiegelt jedoch nicht die Situation in der Landeskirche wider. So werden im Landeskirchenamt lediglich zehn der 29 Referate von Frauen geleitet. Noch weniger weibliche Führungskräfte finden sich auf der mittleren Ebene. Nur acht Superintendentinnen werden in den 38 Kirchenkreisen gezählt. Thomas Claus vom Gender Institut Sachsen-Anhalt (GISA) aus Magdeburg stellte am 23. Januar beim »Forum Gleichstellungsarbeit« in Halle erste Ergebnisse einer Auswertung vor, welche die Geschlechtergerechtigkeit in der EKM untersucht.
Rund 30 Teilnehmerinnen – Männer eingeschossen – diskutierten das Thema. Die Studie habe bisher gezeigt, so Claus, dass zwar in der EKM die Geschlechtergerechtigkeit für richtig gehalten werde, doch es gebe keine strukturelle Verankerung. Gleichstellung müsse einmal durch Führungspersönlichkeiten und zum anderen durch das stetige Bewusstmachen vermittelt werden.
Silke Kösel vom Diakonischen Werk der EKD rollte das Thema biblisch-theologisch, historisch und strukturell auf. Frauen hätten zwar viel angestoßen, aber »Frauen in der Kirche hatten immer schon mehr Dienst als Einfluss«. Kirche und Diakonie bewegten sich gerade in der Gleichstellungsfrage zu langsam. »Wir sind keine Heißsporne des Wandels«, verwies die promovierte Theologin auf die Trägheit der Institutionen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion und den Arbeitsgruppen ging es um konkrete Schritte. Die Gleichstellungsarbeit müsse aus der »Frauenecke« raus, denn sie sei nicht nur eine Geschlechterfrage, sondern beträfe auch Menschen mit Behinderungen oder Migranten. Einig waren sich die Teilnehmerinnen, dass die Gleichstellungsarbeit nicht alleinige Aufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten sein könne.
Katja Albrecht, die dieses Amt in der EKM innehat, war mit dem Ergebnis des Tages zufrieden. Die Teilnehmerinnen hätten sehr konzentriert gearbeitet und konkrete Ziele benannt, unter anderem: EKM-Verfassung in gerechter Sprache, Begleitung von Frauen in Führungsämtern, Fortführung des Mentorings. Katja Albrecht hofft, dass die Kreativität und die Energie dieses Forums in die EKM hineinwirkt. Sie wertete es als positives Zeichen, dass die Landeskirche eine Gender-Studie in Auftrag geben hat mit dem Ziel, den Frauenanteil unter den hauptamtlichen Mitarbeitern zu erhöhen. In der EKD sei solch eine Untersuchung bisher einmalig.
Dietlind Steinhöfel






