Schreiben aus Liebe zum Schönen

24. Oktober 2016 von redaktionguh  
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»Leila« hat der Römhilder Pfarrer Thomas Perlick sein neues Buch mit Erzählungen genannt. Nach einer Tänzerin, die das Leben so lustvoll liebte, dass sie es auch dankbar wieder loslassen konnte.

Wer das Buch eines Pfarrers erwartet, weil Thomas Perlick nun einmal ein Pfarrer ist, der irrt. »Leila« ist kein Buch über die Religion, keines über Theologie und schon gar keines über den Alltag eines Landpfarrers. Leila, so heißt die Zirkus­tänzerin in einer der zwölf Erzählungen. Leila, das ist die schöne Frau mit den roten halterlosen Strümpfen und dem kurzen schwarzen Kleid auf dem Einband. Leila, das ist die Frau, die dem Sterben nicht bös war, weil sie sich 49 Jahre so »rund gefressen« hat am Leben.

Thomas Perlick mit seinem frisch veröffentlichten Band im Arbeitszimmer. Foto: Susann Winkel

Thomas Perlick mit seinem frisch veröffentlichten Band im Arbeitszimmer. Foto: Susann Winkel

Eine echte Leila gibt es nicht. Sie hat so wenig ein Vorbild aus Fleisch und Blut wie Line oder Fridolin oder das Schmuddelkind. »Es gibt Erfahrungen und Begegnungen, aber alles bleibt fiktiv«, sagt Thomas Perlick. Fiktiv und manchmal auch fantastisch, denn in den Geschichten passiert zuweilen ganz ohne Aufregung ganz Unerhörtes. Da hat ein Mann Arme von jeweils drei Meter und zweiundsiebzig Zentimetern, was sich als vorteilig herausstellt. Da zieht ein Wolf in den Wahlkampf. Da kann ein Kellner sein Gesicht wachsen und wieder schrumpfen lassen. Einfach so.

Und dazwischen stehen ein paar Seiten, bei denen sich Thomas Perlick in ein wörtlich genommenes Wort vernarrt hat. Eines wie Altweibersommer. Das ihn liebevoll an die alten Weiber denken lässt, die sich in ihrem Sommer noch einmal schön machen. Eines, bei dem der 59-Jährige die jungen Männer ermahnt, denen solche alten Weiber in ihrem späten Sommer auch einmal hinterhersehen: »Tu ihnen nicht weh, damit sie dem Winter gewachsen sind, dem Altmännerwinter draußen auf dem Friedhof.«

»Leila« – das ist kein kompaktes Konzeptwerk, das ist eine Auswahl an Erzählungen, die in den letzten zehn Jahren jeweils für sich entstanden sind. Auf jede ausgewählte kommen zwei fortgelassene Texte, die nicht fertigzubringen waren, Texte, zu denen Thomas Perlick seine Liebe verloren hat, Texte, die nicht so recht für dieses Buch passen wollten.

Eigentlich hatte es gar nicht unbedingt noch ein weiteres Buch geben sollen. Wenn nicht die Freunde, die Familie oder mancher aus dem Ort und der Gemeinde immer wieder nachgefragt hätten, was er denn wieder Neues geschrieben hat. Einige Texte waren schon vorgelesen und verschickt, nun hat er sie noch einmal zusammengefasst. Zu seinem Geburtstag Anfang des Monats lag »Leila« dann gedruckt vor.

Es ist das fünfte Buch von Thomas Perlick. Sein erstes, »Glashaus«, war tatsächlich das Buch eines Pfarrers. Genauer gesagt das eines Vikars, der nicht sicher war, ob dieser Beruf der richtige für ihn ist. Dem voran ging ein Literaturwettbewerb der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, von dem sich der junge Theologe, der schon immer geschrieben hatte, ermutigt fühlte. Er reichte eine Kurzgeschichte ein, erhielt den zweiten Preis, »ein Sprungbrett«, erinnert er sich. 1988 war »Glashaus« fertig, erschienen ist es nach der Wende.

In seinem zweiten Buch »Die Tage der kleinen Göttin« beschäftigte er sich mit dem Tod seiner Mutter. Mit »Morgenroths Haus« bedankte er sich bei der Landstadt Themar, die ihn, den Halbwaisen, gerettet hat, wie er sagt. Dazwischen ein Kinderbuch: »Herr Pauli redet lieber mit Tieren«. Und dann die Abwendung auch von der eigenen Biografie. Er schreibt einfach drauflos, und so entsteht 2008 »Herr von Weidenfels auf Reisen« – die Reise eines Wasserleichnams auf einem Fluss. Das mag nicht jeder, weiß der Autor, das muss auch nicht jeder mögen.

Der Roman ist möglich und doch hielt es Thomas Perlick danach lieber mit der kurzen Form. Weil er bei kurzen Stücken nicht so lang dran bleiben muss. Weil jede neue Wortverliebtheit, jede Begegnung, jede Erfahrung einen neuen Text erlaubt. Aufgeschrieben meistens im Winter und immer zeitig am Morgen, weil er so ein furchtbarer Frühaufsteher ist, wie er erzählt. Seit einer Weile schon will es nicht mehr gehen mit dem Schreiben. Was sich trifft, weil er ja eigentlich gar kein Buch mehr schreiben möchte. Aber vielleicht noch eines veröffentlichen, nur mit Kindergeschichten, wenn einmal Enkelkinder da sind. Die Geschichten sind alle schon geschrieben, damals, vor vielen Jahren für seine fünf Kinder, die heute längst erwachsen sind.

Susann Winkel

Der Autor gibt gerne – ohne Honorar – Lesungen. Interessenten können sich an ihn wenden: Oberpfarrer Thomas Perlick, 98630 Römhild, Am Stift 2, Telefon (03 69 48) 8 02 64
Perlick, Thomas: Leila. Erzählungen, Salier Verlag, 132 S., Hardcover, ISBN 978-3-943539-69-1; 14,90 Euro

Sprachlos in Römhild

9. Mai 2016 von redaktionguh  
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Ganz im Süden Thüringens traf Landesbischöfin Ilse Junkermann Flüchtlinge und deren Unterstützerkreis

Samstag ist Putztag in der GU. Da halten es die Bewohner des ehemaligen Bürogebäudes am Ortsrand von Römhild wie viele Bürger der Landgemeinde im Kirchenkreis Meiningen. Das routinemäßige Reinemachen trifft sich, weil sich an diesem Samstag Besuch angekündigt hat. Aus Magdeburg. Landesbischöfin Ilse Junkermann will sich die GU ansehen, die alle nur GU nennen, weil Gemeinschaftsunterkunft so umständlich viele Silben hat.

Vorerst aber heißt es warten, denn das Navigationssystem schickt den Besuch zunächst einige Orte weiter nach Jüchsen. Es kennt die neuen Postleitzahlen im Grabfeld noch nicht. Als das irregeführte Auto mit dem Kennzeichen MD dann doch vorfährt, lässt sich Ilse Junkermann ihre Verwunderung anmerken. Die GU teilt sich das Gelände mit einem Schrott- und Edelmetallhandel sowie dem örtlichen Bauhof. Aufgereiht und verschlossen stehen die roten Holzbuden für den nächsten Weihnachtsmarkt bereit, dazwischen Zäune und Absperrungen.

Freundliche Begrüßung für die Landesbischöfin – manchmal sagen Gesten mehr als viele Worte. – Foto: Susann Winkel

Freundliche Begrüßung für die Landesbischöfin – manchmal sagen Gesten mehr als viele Worte. – Foto: Susann Winkel

Zur Verwunderung kommt in der GU Sprachlosigkeit. Selim fehlt. Der siebenjährige Syrer übersetzt sonst für seine Familie und die knapp sechzig Afghanen, die hier leben. Fünf Sprachen beherrsche Selim, erzählt ein Bewohner beeindruckt: Arabisch, Kurdisch, Persisch, Englisch, Deutsch. Aber er ist bereits in Meiningen, wo er und seine Familie an diesem Wochenende eine eigene Wohnung beziehen.

Weil miteinander reden kaum möglich ist, wird über die Besuchten geredet. In der oberen Etage gebe es gar keine Probleme, berichtet der Hausmeister. Ob es in den anderen mehr gibt, lässt er offen. Das Putzen lasse zu wünschen übrig, trotz bildreicher Erklärungen an den Türen von Küche und Duschraum, die mit Schriftzeichen in Paschto und Dari ergänzt sind, jener beiden Sprachen, die in der GU gesprochen werden. Einige Zimmer öffnen sich für den Besuch, Tee und Kaffee werden angeboten. Ilse Junkermann begrüßt freundlich, wird aber auch deutlich zu den Mitarbeitern des Landratsamtes, die zur kleinen Delegation gehören: In der zuvor besuchten GU in Schönbrunn sei es zehnmal schöner.

Vom Bemühen, das Leben in Römhild für die Geflüchteten annehmlicher zu gestalten, erzählt Pfarrer Thomas Perlick. Er zeigt vor dem Haus eine Tischtennisplatte aus Stein, in die die Logos ihrer Geldgeber eingraviert sind – neben einem Unternehmen aus dem Ort auch die Landeskirche. Die massive Ausführung sei eine Vorgabe des Trägers, ebenso wie die Verankerung der neuen Holzbänke.

Bänke, Tischtennisplatte, Deutschunterricht, Spieleabende, Kleiderkammer, Sportkurse – das sind alles Ideen und Initiativen vom Unterstützerkreis WIR. WIR heißt »Willkommen in Römhild!« und jene, die das sagen, warten schon im Pfarrhaus auf Ilse Junkermann, deren Fahrt diesmal von einem Mai-Umzug durch den Ort gebremst wird. Sie haben ein kleines Büfett vorbereitet, ohne Schweinefleisch und Alkohol – so ist es längst selbstverständlich, wenn ihre muslimischen Gäste dabei sind –, und auch eine Präsentation mit Bildern über ihr Engagement der vergangenen Monate. Fußballspielen im Schnee, Zuckertütenfest, Wandern auf den Großen Gleichberg, Familienpatenschaften, ein Fest kurz vor Weihnachten, für das ein Koch aus dem Ort zwei Hammel zubereitet hat.

Es gibt mehr zu zeigen und zu erzählen, als es die Besuchsstunde an diesem Samstag erlaubt. Vom aromatischen afghanischen Reis, der immer extra aus Erfurt beschafft wird. Von Bürokratie. Von der kleinen Mariam, die im Dezember geboren wurde. Damit nicht zu viel vergessen wird, hat der Unterstützerkreis ein Fotobuch für die Landesbischöfin vorbereitet. »Wir wollten damit Danke sagen. Es ist eine Würdigung unserer Arbeit, dass sie uns besucht«, sagt Achmed Berthold, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit von WIR kümmert.

Der Kreis, der in der Mehrheit gar nicht aus Gemeindemitgliedern besteht, hat in der evangelischen Kirche vor Ort einen Partner gefunden. Mit Kontakten und Infrastruktur. Im Gemeinderaum kann Deutsch unterrichtet werden, in der Gemeinde finden sich Mitstreiter, die sich etwas einfallen lassen für Integration und Abwechslung im tristen GU-Alltag. »Wir sind auf Hilfe angewiesen, und von der Kirche erhalten wir wahnsinnig viel Unterstützung«, erklärt Achmed Berthold.

Beeindruckt sei sie, sagt die Landesbischöfin mit dem großen Geschenk in der Hand. Und sie wirkt gar nicht mehr so sprachlos und verwundert wie am Beginn ihres Besuches in Römhild.

Susann Winkel

In den Sorgenhäusern des Lebens und des Sterbens

7. September 2013 von redaktionguh  
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Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
1. Petrus 5, Vers 7

Neben meinem Elternhaus stand eine Villa. Dort wohnte die feine Dame. Sie war alt, reich und trug Pelz im Winter. Während man bei uns die ­Kohlen vor den Hintereingang kippte, wurden sie bei ihr in den Keller getragen. Ich sehe die Männer noch vor mir. Tief gebeugt trugen sie die dicken ­Säcke auf dem Rücken. Die Arbeit war schwer, aber sehr begehrt. Denn am Ende bekam man dafür von der feinen Dame heimlich das bunte Geld aus dem Westen. Es war Gold wert. Damals.

Solche Träger sehe ich heute auch wieder. Nur sind keine Kohlen in ihren Säcken, sondern Sorgen. Die Sorgen der anderen. Und es gibt kein buntes Geld dafür. Ich sehe viele Träger ohne Lohn. Sie ­gehen in die Sorgenhäuser des Lebens und Sterbens: In die Klinik. Ins Pflegeheim. Ins Hospiz. Auch in die Häuser der bitteren Trauer. Dort füllen sie
ihre Säcke mit den Sorgen der Anderen. Manchmal einfach durch ihr Dasein und Schweigen.

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild

Viele von ihnen tun das aus der Kraft solcher ­Bibelworte. Sie werfen ihre Sorgen auf IHN. Sie ­hoffen darauf, dass ER mit ihnen trägt. »Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.«

Was geschieht, wenn ich aus einer solchen Zusage lebe? Bin ich dann das Sorgengewicht meines Lebens los? Wohl kaum. Es ist eher so, als ob man eine schwere Last viele Kilometer lang getragen hat. Plötzlich spürt man, wie sie leichter wird. Ein Anderer trägt mit. Das ist eine wunderbare Erfahrung. Der Rücken streckt sich wieder durch. Das Laufen wird unbeschwerter. Und in den Königs­momenten der Lastenträgerei tanzt man nun sogar ein bisschen. Die Kraft dazu kommt aus der Erfahrung des ­mittragenden Christus und der Zusage: »Er sorgt für euch.«
Beides haben viele tief in ihren Herzen, wenn sie in die Sorgenhäuser des Lebens gehen. Sie füllen dort ihre Tragekörbe mit den Sorgen anderer. Als wären noch nicht genug eigene drin. Ich danke Gott, dass es diese Menschen gibt. Und den mittragenden Christus.

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild

Von der Kanzel in die Bütt

17. Februar 2012 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Zum Karneval lässt Pfarrer Thomas Perlick seinem närrischen Talent freien Lauf

In den Karnevalswochen ist der Römhilder Pfarrer Thomas Perlick äußerst gefragt. Dann nämlich tut der redegewandte Kirchenmann seine vergnüglichen Beobachtungen über den Alltag im Grabfeld auch aus der Bütt kund. Foto: Susann Winkel

In den Karnevalswochen ist der Römhilder Pfarrer Thomas Perlick äußerst gefragt. Dann nämlich tut der redegewandte Kirchenmann seine vergnüglichen Beobachtungen über den Alltag im Grabfeld auch aus der Bütt kund. Foto: Susann Winkel

Bestens behütet mit großem schwarzen Zylinder sieht man Thomas Perlick in diesen Tagen häufig durch das Grabfeld eilen. Insbesondere zu später Stunde an den Samstagabenden. Das Ziel des Römhilder Pfarrers sind dann die Kulturhäuser in der Region und besonders oft das Vereinsheim der Römhilder Karnevals­gesellschaft.

Wenn die Narren tagen, dann darf der beredte Kirchenmann nicht fehlen. 13 Auftritte dürften es in dieser Saison sein, schätzt Thomas Perlick. In Römhild, Milz, Mendhausen und Dingsleben. An manchem Abend gleich mehrere. Dabei ging alles ganz beschaulich los.

Vor einigen Jahren stieg er zum ersten Mal in die große Tonne, ein Dankeschön für die Bewohner von Mendhausen, die mit großer Mühe den Kirchenweg ausgebaut hatten. »Ich war mir sehr unsicher, wie es ankommen würde. Es war ja eine Premiere«, erinnert sich der Pfarrer heute. Am Sonntagmorgen nach seinem Karnevals-Debüt stand eine Delegation des Römhilder Elferrates vor dem Pfarrhaus.

Empört, dass das eigene Kirchenoberhaupt in die Bütt des Nachbarortes gestiegen war, nicht aber in die seines Wohnortes. Kurzerhand gab es eine neue Rede, nun auf die Römhilder zugeschnitten. Und dann auch noch eine für die Milzer, die ebenso wenig auf Thomas Perlick verzichten wollten.

Das närrische Talent des Pfarrers hat sich längst herumgesprochen. Seine wortverspielten Büttenreden, in denen er mit schelmischem Augenzwinkern seine Erlebnisse in Römhild und Umgebung beschreibt, gehören zu den Höhepunkten der Sitzungen. Dabei vergisst Thomas Perlick nicht, sich selbst gehörig auf die Schippe zu nehmen. Etwa seine abenteuerliche Suche nach jenem merkwürdigen Ort »Dräch«, als er gerade wenige Wochen in seiner neuen Pfarrstelle war. Eine Frau aus Milz erbarmte sich schließlich: »Kamst zweimal durch Dräch, nur dass du’s weißt: Weil Dräch nämlich eigentlich Eicha heißt.«

Wie irritierend der Dialekt zuweilen für Zugezogene sein kann, erzählte der Pfarrer auch ein Jahr später in der Bütt. In der Zwischenzeit hatte er herausgefunden, dass »nachte« keine Tageszeit ist, sondern schlicht »gestern« heißt.

Seine Themen sammelt Thomas Perlick das ganze Jahr über. In dieser Saison wird es aus aktuellem Anlass um die Bildung der Großgemeinde »Stadt Römhild« gehen, aber auch um sein vorübergehendes Studentendasein an der Universität Jena, den Diebstahl seines Motorrades vor der Sülzdorfer Kirche und um den Empfang des heiklen Slusia-Preises, jener barbusigen Nixe, die alljährlich von der Stadt Schleusingen vergeben wird.

Dass es auch einzelne kritische Stimmen in der Gemeinde über seine närrischen Aktivitäten gibt, weiß Thomas Perlick: »Ich respektiere diese Meinung natürlich, teile sie aber nicht. Der Pfarrer gehört unter die Leute. Er begleitet ihr Leid an vielen Stationen ihres Lebens. Er sollte auch ihre Freude und ihre Unbeschwertheit teilen. Denn auch dazu sind wir in der Welt, dass wir das Leben feiern.« Ein Weg, den in Thüringen nur eine Handvoll Geistliche bestreitet.

Die Leute im Publikum hintersinnig unterhalten ohne jemanden verbal zu verletzen, ihnen auf Augenhöhe mit all seinen kleinen so menschlichen Fehlern begegnen – das möchte Thomas Perlick auch in diesem Jahr, wenn er sich wieder seinen schwarzen Zylinder aufsetzt. Übrigens erstmals als Mitglied der Römhilder Karnevalsgesellschaft. In den Verein eingetreten ist er im vergangenen Sommer zum Turmfest, nachdem die Karnevalisten ordentlich und unentgeltlich bei der Sanierung des Kirchturmes angepackt hatten. »Und die Moral von der Geschicht’: Ich lass so manches, aber die Bütt wohl nicht.«

Susann Winkel

Eine kleine Sammlung von Thomas ­Perlicks Büttenreden ist im Römhilder Pfarramt, Telefon (03 69 48) 8 02 64, für den Preis von 10 Euro erhältlich. Die Hälfte des Geldes ist für die Hungerhilfe Ostafrika bestimmt.

Damit die Beziehung zu Gott nicht abbricht

25. Februar 2011 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3, Vers 15

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild

Als Kind spielte ich gern am Wasser. Hinter unserem Haus floss ein kleiner Bach. Mit wenigen Stöcken konnte man dort für eine kleine Überschwemmung sorgen. Man musste die Hölzer nur an der richtigen Stelle verkeilen. Das Wasser »stockte« dann. Aus einem fließenden wurde ein stehendes Gewässer, und auf dem Acker bildete sich ein kleiner See.

Dem betroffenen Bauern gefiel das gar nicht. Mit festen Handgriffen zog er die Stöcke heraus. Der Bach kehrte in sein Bett zurück. Immer wieder ­haben wir damals für diese »Verstockung« gesorgt. Alles Fließende kam zum Erliegen. Blockade. Stillstand.

Manchmal ist es in uns genauso. Irgendetwas liegt quer: ein schlimmes Wort, verkeilt in unserem Herzen. Vielleicht hat es jemand zu uns gesagt oder wir zum ihm. Der Fluss der Freude ist ins Stocken gekommen. Die Wasser der Verbindung zum anderen fließen nicht mehr. Wir sind »zu«, wie man umgangssprachlich so treffend sagt. Wenn das mit unseren Arterien passiert, merken wir, wie gefährlich es ist. Aber in der Flusslandschaft der Seele kann es auch großen Schaden anrichten.

Die Bibel spricht häufig von »Verstockung«, besonders im Alten Testament. Da begegnet uns manchmal ein richtiges »Trotzkopfvolk«. Oft genug kann man es ja auch verstehen.

Wer so lange durch die Wüste des Lebens irrt, der kann schon mal »zu« sein.

Verstockten Herzens.

Wer kennt das nicht aus den Wüstenerfahrungen seiner eigenen Biografie?

Nur, was passiert, wenn die Verstockung sich nicht löst? Wenn wir darin verkeilt bleiben? Davon spricht unser Bibelvers: Dann nämlich hören wir die Stimme Gottes nicht mehr. Damit ist der Gebetsfaden zu ihm zerrissen. Und das Gespräch mit Gott ist immer heilsam für unser kleines Leben. Es hat mit dem »Heute« zu tun.

Deshalb: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet!« Ja, dann bleibt offen dafür! Oder: »Verstockt eure Herzen nicht!«

Thomas Perlick

Ein guter Kompass für die Seele

17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Foto: Pawel Kryj, sxc.hu

Foto: Pawel Kryj, sxc.hu

Herr, du erforschst mich und kennst mich.
Psalm 139, Vers 1

Sigmund Freud erforschte im letzten Jahrhundert mit großer Ernsthaftigkeit die Untiefen der menschlichen Seele. Des Menschen Lebensschnittmuster müsste doch in ihm selbst zu finden sein. Das Rätsel seiner Existenz muss sich aus den Landschaften seiner Psyche erklären. Und so wird die Hoffnung groß, endlich Licht in das Tiefendunkel der Seele bringen zu können. Aber das Jahrhundert Freuds ist eines der finstersten und seelenlosesten in der Geschichte der Menschheit geworden.

Die Dichter der Psalmen benutzen einen anderen Kompass für ihre ausgedehnten Wanderungen durch die Landschaft der Psyche. In Psalm 42 begegnet uns eine Seele, die nach Gott dürstet und schließlich fragt: »Was betrübst du dich, meine Seele?«

Die große Poesie der Psalmen nimmt das schwere Dunkel in den Blick. Allerdings fehlt ihr die permanente Selbstbezogenheit. Die Sehnsucht der Seele richtet sich nach Gott aus. Und so kann der Beter des 139. Psalms unbeschwert sagen: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.« Dieses Wissen steht am Anfang eines grandiosen Gebetes. Es ist der Text einer nach Gott hin weit geöffneten Seele. Nur Gott kennt mich wirklich, ganz und tief. Nur der mich geschaffen hat, kann erforschen, was in mir wohnt.

Reichtum und Gelassenheit dieses wunderbaren Psalms verdanken sich einer unerschütterlichen Gottbezogenheit der Seele. In großen Bildern öffnet sie sich auf die Nähe Gottes hin und lernt ein Staunen, aus dem die Seele ohne die gefährliche Verkrümmung in sich selbst leben kann. Und immer hört man den ersten Vers wie eine Grundmelodie heraus: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.«

In einem weiten Bogen wandert der Beter durch diesen wunderbaren Text. Und mittendrin, in Vers 14, stimmt er den Lobruf seines gottbegeisterten Lebens an: »Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.«

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild