Damit die Beziehung zu Gott nicht abbricht
25. Februar 2011 von redaktionguh
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Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3, Vers 15

Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild
Als Kind spielte ich gern am Wasser. Hinter unserem Haus floss ein kleiner Bach. Mit wenigen Stöcken konnte man dort für eine kleine Überschwemmung sorgen. Man musste die Hölzer nur an der richtigen Stelle verkeilen. Das Wasser »stockte« dann. Aus einem fließenden wurde ein stehendes Gewässer, und auf dem Acker bildete sich ein kleiner See.
Dem betroffenen Bauern gefiel das gar nicht. Mit festen Handgriffen zog er die Stöcke heraus. Der Bach kehrte in sein Bett zurück. Immer wieder haben wir damals für diese »Verstockung« gesorgt. Alles Fließende kam zum Erliegen. Blockade. Stillstand.
Manchmal ist es in uns genauso. Irgendetwas liegt quer: ein schlimmes Wort, verkeilt in unserem Herzen. Vielleicht hat es jemand zu uns gesagt oder wir zum ihm. Der Fluss der Freude ist ins Stocken gekommen. Die Wasser der Verbindung zum anderen fließen nicht mehr. Wir sind »zu«, wie man umgangssprachlich so treffend sagt. Wenn das mit unseren Arterien passiert, merken wir, wie gefährlich es ist. Aber in der Flusslandschaft der Seele kann es auch großen Schaden anrichten.
Die Bibel spricht häufig von »Verstockung«, besonders im Alten Testament. Da begegnet uns manchmal ein richtiges »Trotzkopfvolk«. Oft genug kann man es ja auch verstehen.
Wer so lange durch die Wüste des Lebens irrt, der kann schon mal »zu« sein.
Verstockten Herzens.
Wer kennt das nicht aus den Wüstenerfahrungen seiner eigenen Biografie?
Nur, was passiert, wenn die Verstockung sich nicht löst? Wenn wir darin verkeilt bleiben? Davon spricht unser Bibelvers: Dann nämlich hören wir die Stimme Gottes nicht mehr. Damit ist der Gebetsfaden zu ihm zerrissen. Und das Gespräch mit Gott ist immer heilsam für unser kleines Leben. Es hat mit dem »Heute« zu tun.
Deshalb: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet!« Ja, dann bleibt offen dafür! Oder: »Verstockt eure Herzen nicht!«
Thomas Perlick
Ein guter Kompass für die Seele
17. Juni 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
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Foto: Pawel Kryj, sxc.hu
Herr, du erforschst mich und kennst mich.
Psalm 139, Vers 1
Sigmund Freud erforschte im letzten Jahrhundert mit großer Ernsthaftigkeit die Untiefen der menschlichen Seele. Des Menschen Lebensschnittmuster müsste doch in ihm selbst zu finden sein. Das Rätsel seiner Existenz muss sich aus den Landschaften seiner Psyche erklären. Und so wird die Hoffnung groß, endlich Licht in das Tiefendunkel der Seele bringen zu können. Aber das Jahrhundert Freuds ist eines der finstersten und seelenlosesten in der Geschichte der Menschheit geworden.
Die Dichter der Psalmen benutzen einen anderen Kompass für ihre ausgedehnten Wanderungen durch die Landschaft der Psyche. In Psalm 42 begegnet uns eine Seele, die nach Gott dürstet und schließlich fragt: »Was betrübst du dich, meine Seele?«
Die große Poesie der Psalmen nimmt das schwere Dunkel in den Blick. Allerdings fehlt ihr die permanente Selbstbezogenheit. Die Sehnsucht der Seele richtet sich nach Gott aus. Und so kann der Beter des 139. Psalms unbeschwert sagen: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.« Dieses Wissen steht am Anfang eines grandiosen Gebetes. Es ist der Text einer nach Gott hin weit geöffneten Seele. Nur Gott kennt mich wirklich, ganz und tief. Nur der mich geschaffen hat, kann erforschen, was in mir wohnt.
Reichtum und Gelassenheit dieses wunderbaren Psalms verdanken sich einer unerschütterlichen Gottbezogenheit der Seele. In großen Bildern öffnet sie sich auf die Nähe Gottes hin und lernt ein Staunen, aus dem die Seele ohne die gefährliche Verkrümmung in sich selbst leben kann. Und immer hört man den ersten Vers wie eine Grundmelodie heraus: »Herr, du erforschst mich und kennst mich.«
In einem weiten Bogen wandert der Beter durch diesen wunderbaren Text. Und mittendrin, in Vers 14, stimmt er den Lobruf seines gottbegeisterten Lebens an: »Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.«
Thomas Perlick, Pfarrer in Römhild






