Immer erreichbar

10. Dezember 2017 von redaktionguh  
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Telefonseelsorge in Ostthüringen jetzt in Trägerschaft der Diakonie

Für viele ist Weihnachten ein Fest der Freude, für einen zunehmenden Kreis von Menschen ein Fest, das Angst macht – Angst, vor dem Alleinsein, vor dem Gefühl der Verlassenheit. Einsamkeit ist ein großes Thema in der Telefonseelsorge, das größte überhaupt. In unserer hoch entwickelten Gesellschaft gerät eine zunehmende Zahl von Mitbürgern durch fordernde Berufe, Partnerlosigkeit und den Verlust des Arbeitsplatzes in die Isolation. Vor allem an freien Tagen wird die ganze Tragweite emotional spürbar. Dann ist es gut, wenn jemand da ist, der zuhört und versteht.

Einsamkeit ist lebensbedrohend

»In der Telefonseelsorge können Menschen aussprechen, was sie sonst nicht sagen können«, erzählt Sophie Voss, Leiterin der Einrichtung. Neben Einsamkeit lösen vor allem körperliche und psychische Krankheiten, familiäre Konflikte und Pensionierung Ängste aus, dass die Betroffenen froh sind, die kostenlose Beratung anrufen zu können. »Das Suizidrisiko bei den Alleinlebenden ist viermal so hoch wie bei Menschen in Beziehung«, erklärt Voss die Situation. Nicht nur einmal konnten die Berater bei einem Telefonat so weit helfen und das Selbstvertrauen stärken, dass die Anrufer den Weg zurück ins Leben
fanden.

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

Foto: bluedesign – stock.adobe.com

In der Telefonseelsorge, die in Trägerschaft der Diakonie agiert, beraten 40 Ehrenamtliche rund um die Uhr Anrufer, die in Not geraten sind. Oft hilft ihnen schon die Kontaktaufnahme, dass sich von der Seele reden der unterschiedlichsten Probleme. Am Telefon wird ihnen Aufmerksamkeit entgegengebracht, sie erfahren Beistand und können von einem anderen Standpunkt über die Frage nachdenken, wie sie aus der Situation herauskommen. Der Blick wird nach vorn gerichtet auf die Zukunft. Das ist oft mehr, als die Betroffenen erwarten.

Die Seelsorger am Telefon müssen emotional stabil sein, sich auf unterschiedlichste Menschen einlassen können und dürfen an ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Vorher werden sie für die Aufgabe geschult und durch regelmäßige Supervision geschützt. Die Telefonseelsorge verfügt über ein jahrelang gewachsenes Netz mit Fachleuten, die die Arbeit schätzen.

Sorgen kann man teilen

Für Sophie Voss ist die Einrichtung Herzenssache. Seit die Diakonie die Trägerschaft zum 1. Juli übernommen hat, leitet sie die Telefonseelsorge Ostthüringen mit Standorten in Jena und Gera. Während ihres Studiums in Rostock hat die diplomierte Theologin  sowohl eine kleine Mediatoren- als auch eine Notfallseelsorgerausbildung absolviert und behinderte Kinder und Jugendliche betreut. Nach ihrer Ankunft in Jena vor acht Jahren kam noch eine Hospizbegleiterausbildung dazu. Schließlich engagierte sie sich für soziale Belange als Grünen-Stadträtin im Jenaer Parlament, war Sozialausschussvorsitzende. Von diesen Funktionen ist sie zurückgetreten, hat sich ganz und gar auf das Seelsorgerische konzentriert. »Ich wollte schon immer in diese Richtung. Hier wird Beistand geleistet aus christlicher Nächstenliebe. Ich bin davon ausgegangen, der Nestbereiter für Seelsorger zu sein«, antwortet Voss auf die Frage, warum sie sich für die Stelle beworben hat. Unterstützt von einer Mitarbeiterin organisiert sie die Weiterbildung für die Ehrenamtlichen, sorgt sich um deren Wohlbefinden, um die Raumausstattung und Finanzen. Um beide Standorte optimal zu betreuen, ist sie immer unterwegs, ihr Büro trägt sie auf dem Rücken. Neben der Hotline kümmert sich die Telefonseelsorge um tabuisierte Themen wie Suizid.

Text und Foto: Doris Weilandt

Telefonseelsorge (0 800) 111 0 111

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Gemeinsam neue Wege gehen

27. November 2017 von redaktionguh  
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Jüdisch-Israelische Kulturtage werden 2018 gemeinsam mit »Achava« ausgerichtet

Mit einem Paukenschlag endeten die 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur in Thüringen: Das Festival wird im kommenden Jahr neu ausgerichtet und bekommt einen Mitveranstalter. Der Förderverein für jüdisch-israelische Kultur unter Vorsitz von Pfarrer i. R. Ricklef Münnich wird 2018 erstmals mit den Achava-Festspielen unter Leitung von Martin Kranz zusammenarbeiten.

Hintergrund ist das Zerwürfnis zwischen dem Förderverein und der von ihm angestellten Projektmanagerin Caroline Fischer. »Sie hat sehr gute Arbeit geleistet. Wir hätten das gerne fortgesetzt«, betont Vereinsvorstand Ricklef Münnich und ergänzt: »Aber nach unseren Vorgaben.« Zwischen Verein und Projektmanagerin hatte es Auseinandersetzungen um Ausrichtung und Gestalt des Festivals gegeben.

Caroline Fischer wollte das Festival größer machen, mit mehr Veranstaltungen als den jetzigen 162 in 17 Thüringer Städten. Sie hält das Konzept eines Trägervereins für überholt, lieber wollte sie das »Netzwerk für jüdisches Leben« stärker einbeziehen.

Selbstkritisch merkt der Verein an, dass das Programm bislang auch einem Veranstaltungskalender glich, in den Lesungen oder Theaterproduktionen aufgenommen werden, ohne dass diese tatsächlich für die Kulturtage konzipiert worden sind. Der Verein ist unsicher, ob er mehr eigene Veranstaltungen überhaupt schultern kann und will. Und er hält an der bisherigen Struktur fest.

Mehrere Angebote, auch 2018 als Projektmanagerin zu arbeiten, hat Caroline Fischer abgelehnt, schildert Ricklef Münnich. »Am 8. November sagte sie endgültig ab«, bedauert der Vereinsvorsitzende. Und er erfährt, dass die Angestellte bereits Fördergelder für die Kulturtage 2018 beantragt hat, im Namen des Netzwerks für jüdisches Leben. »Frau Fischer hat unser Vertrauen missbraucht«, sagt Ricklef Münnich. Caroline Fischer entgegnet: Der Antrag sei keine Geheimaktion, sie habe seit Februar um Gespräche zur konzeptionellen Neuausrichtung gebeten.

Seit einiger Zeit stand seitens des Vereins eine Zusammenarbeit mit den Achava-Festspielen zur Debatte. Vereinsvorstand Münnich wollte im neuen Jahr dazu erste Schritte gehen. Nachdem nun das Tischtuch mit Fischer zerschnitten ist, kommt alles schneller: Achava-Mitbegründer und Intendant Martin Kranz schloss mit dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur vor wenigen Tagen einen Kooperationsvertrag. »Achava übernimmt Verantwortung, auch finanziell«, sagt Kranz.

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Vielfalt jüdischen Lebens: Theaterstücke, Lesungen, Musik und Führungen wie etwa durch die Alte Synagoge Erfurts (Foto) gehörten zum umfangreichen Programm der 25. Tage der Jüdisch-Israelischen Kultur. Foto: epd-bild

Beide Festivals bleiben bestehen und schärfen ihre Profile. Achava (hebräisch für Brüderlichkeit) ist interkulturell und interreligiös geprägt, es ist eine Einladung, gemeinsam über Fragen der Gegenwart nachzudenken. Den roten Faden der Jüdisch-Israelischen Kulturtage 2018 geben indes drei Jahrestage vor: 70 Jahre Staatsgründung Israels, 75 Jahre Aufstand im Warschauer Ghetto und 80 Jahre Pogromnacht. Achava-Intendant Martin Kranz verspricht, dass die Kulturtage weiterhin mit ihrer Veranstaltungsbreite und Regionalität punkten. »Gleichzeitig wollen wir die Kernidee und die Qualität garantieren«, so Kranz. Statt viele Programmpunkte anderer Vereine, Initiativen und Häuser einfach zu übernehmen, setze man selbst Schwerpunkte. So sind eigenkonzipierte Veranstaltungsreihen geplant, die durch den Freistaat touren. Auch deshalb soll das Netzwerk für jüdisches Leben ausgebaut und vor allem strukturiert werden, sagt Vereinschef Münnich.

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen mit ihren rund 800 Mitgliedern begrüßt die Zusammenarbeit zwischen Jüdisch-Israelischen Kulturtagen und Achava. »Die Festivals sind ganz wesentlich, nicht nur um die Lücke zu schließen, die der Nationalsozialismus gerissen hat, sondern vor allem als Beitrag zu einer lebendigen jüdischen Kultur in Thüringen«, sagt Vorsitzender Reinhard Schramm.

Katja Schmidtke

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Denkwege zu Luther

30. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Jugendbildungsprojekt der Reformationsdekade beendet


Sie sollten eine Verbindung schaffen zwischen den Problemstellungen der Reformationszeit und dem, was junge Menschen heute umtreibt. Die »Denkwege zu Luther« waren das einzige Jugendbildungsprojekt der Lutherdekade in ganz Deutschland. Am vergangenen Freitag fand die letzte Präsentation in der Eisenacher Nikolaikirche statt.

Dafür kamen Gymnasiasten aus Bayern und Thüringen in den Tagen zuvor in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg zusammen, um sich gemeinsam dem Motto »Entscheide dich! Die Qual der Wahl – Schwierigkeiten mit der Freiheit« zu stellen. Ihnen wurde Zeit und Raum gegeben um über ihre Lebenserfahrungen zu reden, die der anderen zu verstehen und eigene Texte zu verfassen.

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Philosophische Fragerunde: Ehrliche Antworten von Unterstützern ihres Projektes erhielten die Schüler aus Gotha und Coburg. Foto: Mirjam Petermann

Die Resultate ihrer Gedankengänge präsentierten die Schülerinnen und Schüler vor einem kleinem Publikum – ihren Mitschülern und ausgewählten Gästen, die allesamt Unterstützer und Verbündete des Projekts waren. »Wer bin ich?«, »Wer will ich sein?«, »Bin ich frei?«; das waren Einstiegsfragen einer Gruppe von Elf- und Zwölf-Klässlern, die sie zu Martin Luthers Zitat »Nur wer sich entscheidet, existiert« führte. Weiter gingen ihre philosophischen Betrachtungen mit der Frage, was unsere Entscheidungen prägt, wie es um Luthers Entscheidungen stand und wie sie persönlich überhaupt sinnvoll Entscheidungen treffen können – beispielsweise die Berufswahl – ohne überhaupt alle Folgen erahnen zu können. Die Quintessenz ihres gedanklichen Diskurses lautete schließlich: »Wir sind frei in Entscheidungen, aber gezwungen sie zu treffen.«

Bereits seit drei Jahren kooperieren das Ernestinum Gotha und das Casimirianum Coburg im Rahmen der Denkwege als »Ost-West-Tandem-Projekt«, um gemeinsam voneinander zu lernen. Dreimal trafen sich dabei, zumeist wechselnde, Schülerinnen und Schüler zu einer Projektwoche. Das bundesweite Jugendbildungsprojekt »Denkwege zu Luther« wurde von den Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums in der Lutherdekade 2009 gestartet. In philosophischen und theologischen Gesprächen, durch kulturell-künstlerische Themenzugänge, beim thematischen Geocaching oder in Musik- und Schreibwerkstätten erschlossen sich Jugendliche Grundfragen der religiösen Dimension menschlichen Daseins und erarbeiten sich ein Grundverständnis für den bis heute wirkungsvollen historischen Aufbruch der Reformationszeit. Seit dem Projektbeginn wurden 430 Seminartage mit insgesamt 3 400 Jugendlichen und 2 100 Multi­plikatoren realisiert. Ab 2011 konnte das Projekt in größeren Dimensionen umgesetzt werden, da es seitdem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde.

»Es war ein Leuchtturmprojekt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), mit dem wir uns oft geschmückt haben«, sagte die Projektleiterin der Lutherdekade Christiane Schulz nach den Projektvorstellungen der Schüler am Freitag in Eisenach. Da die Förderung im Dezember 2017 endet, wird das Projekt seine Arbeit einstellen. Ähnliche Jugendbildungsprojekte soll es dennoch auch in Zukunft in der EKM geben.

Mirjam Petermann

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Damit der Himmel offen bleibt

9. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Begegnungsort: Von der Ruine zur Sonnenkirche, die Peter-und-Paul-Kirche in Neunheilingen

Gospel-Konzert, Astrid-Lindgren-Lesenachmittage für Kinder, Adventsmärkte und die über den Ort hinaus bekannt-berüchtigte Blechmusik mit dem Paukenschlag – vielfältig und bisweilen unkonventionell sind die Veranstaltungen, die mit schöner Regelmäßigkeit für »volles Haus« in der »Peter-und-Paul-Kirche« in Neunheilingen (Kirchenkreis Mühlhausen) sorgen – wobei der Begriff »Gotteshaus« in diesem Falle nicht ganz treffend ist, fehlt doch dafür ein wichtiger Bestandteil: das Dach.

Anziehungspunkt: Die Sonnenkirche ist ein Magnet für die Neunheilinger Bürger. Nicht nur – wie hier – zum »Luther­sommer«. Foto: Anke Pfannstiel

Anziehungspunkt: Die Sonnenkirche ist ein Magnet für die Neunheilinger Bürger. Nicht nur – wie hier – zum »Luther­sommer«. Foto: Anke Pfannstiel

Seit vier Jahrzehnten schon ist »Peter und Paul« eine Ruine. Zwar mangelte es nicht am Willen der Bewohner, den Verfall der Kirche zu stoppen. Doch widrige Umstände der Zeit und nicht zuletzt die Tatsache, dass es mit der kleinen Friedhofskapelle noch einen anderen nutzbaren Raum gibt, besiegelten – vorläufig – ihr Schicksal: 1976 musste die Gemeinde das Dach abnehmen lassen und einen Teil des Inventars, unter anderem den Altar, verkaufen.

Doch weil die Neunheilinger »Peter und Paul« dennoch nie ganz aufgaben, sollte der letzte Gottesdienst unterm Kirchendach zur Konfirmation im Jahr 1968 nicht der letzte gewesen sein:

30 Jahre später, am 31. Mai 1998, um 14 Uhr, feierte die Gemeinde hier erstmals wieder Pfingstgottesdienst. Statt über steinernen Fußboden liefen die Menschen nun über frisch gemähtes Gras, das Jugendliche ein Jahr zuvor ausgesät hatten. Und der Blick nach oben endet nicht am Deckengewölbe, sondern geht unversperrt gen Himmel.

Es ist dieses besondere Ambiente, das neben dem Engagement der Neunheilinger dafür sorgt, dass »Peter und Paul« eine Wiederbelebung als »Sonnenkirche« erfährt. Doch das, was die Sonnenkirche so besonders macht, ist zugleich ihre größte Bedrohung: Wind und Wetter nagen ungehindert an ihrer verbliebenen Substanz. Das Mauerwerk, das seit dem Deckenabriss freiliegt, nimmt zusehends Schaden.

Doch dieses Mal wollen die Neunheilinger den weiteren Verfall verhindern, gründeten deshalb im Jahr 2014 den Verein »Sonnenkirche«. Über 30 Mitglieder fanden sich rasch zusammen; von Anfang 30 bis 80 sind alle Altersklassen vertreten, verschiedenste Berufsgruppen und Einstellungen zum christlichen Glauben ebenso. Was sie eint, ist der Wunsch, »Peter und Paul« zu bewahren, weil die Kirche zum Dorf und dessen Geschichte gehört.

Die Idee, die sie für die »Sonnenkirche« entwickelten, soll zwei Aspekte verbinden: Der Charakter der Offenheit, die Durchlässigkeit nach oben, soll trotz schützender Elemente erhalten bleiben, zugleich die Energie der Sonne genutzt werden. Eine Überdachung mit Sonnenkollektoren schwebt ihnen vor.

Die Möglichkeit, die Ideen als Projekt der »Internationalen Bauausstellung Thüringen« (IBA) zu konkretisieren und voranzubringen, ergibt sich nicht, weil andere Vorhaben den Zuschlag erhalten haben. Arbeiten von Architektur-Studenten der Fachhochschule Erfurt, die mit Unterstützung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) erstellt wurden, lieferten interessante Anregungen. Einen Durchbruch können auch sie nicht bringen. »Uns als Verein hat all das nicht entmutigt, sondern eher noch mehr zusammengeschweißt«, sagt der Sonnenkirchen-Vorsitzende Raimund Schmidt.

So sind sie weiterhin frohen Mutes, ihre Sonnenkirche voranzubringen und für die Nachwelt zu bewahren – und für den Weg dahin haben sie noch reichlich Ideen und Tatendrang im Gepäck, um »Peter und Paul« das zu geben, was sie verdient: Ein vielfältiges Gemeindeleben, geteiltes Leid und vor allem frohe gemeinsame Stunden mit Blick in den Himmel.

Anke Pfannstiel

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Landwirte wünschen sich mehr Anerkennung

2. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Bilanz: Landwirtschaftsministerin und Bauernverband beklagen durchwachsene Ernte

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen die harte Arbeit der Landwirte zu schätzen wissen. Gleiches gilt auch für den Wert der Waren: Lebensmittel dürfen nicht verramscht werden.« Das erklärte Thüringens Landwirtschaftsministerin Birgit Keller bei der diesjährigen Erntepressekonferenz in der Agrargesellschaft Pfiffelbach (Kirchenkreis Apolda-Buttstädt).

Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Thüringer Bauernverbandes, Lars Fliege, stellte Keller die Ergebnisse des Ernteertrages 2017 vor.

Diese sind eher durchwachsen. Starker und langer Frost im Frühjahr und viel Regen im Spätsommer hatten die Erwartungen auf die Ernte schon im Vorfeld stark gedämpft. Nun steht fest, dass die Erträge für Winter- und Sommergerste durchaus gut sind, der Winterraps sich jedoch schlecht entwickelt hat.

Thüringens Landwirte hatten bereits Anfang Juli begonnen, auf einer Fläche von etwa 350000 Hektar Getreide und auf 120 000 Hektar Winterraps zu ernten. Zuerst wurde die Wintergerste eingebracht, die vor allem als Futter für Schweine und Rinder dient. Der Winterweizen, die dominierende Fruchtart auf den Feldern, folgte Ende Juli.

Geliebte Paradiesfrucht: Der Apfel ist die Nummer eins der in Thüringen angebauten Obstsorten. Foto: epd-bild

Geliebte Paradiesfrucht: Der Apfel ist die Nummer eins der in Thüringen angebauten Obstsorten. Foto: epd-bild

Nun ist die Obsternte im Gange: Die Obstbauern hatten es in diesem Jahr besonders schwer. Dem Frost im Frühjahr fielen viele Blüten zum Opfer; es kam zu zahlreichen Ausfällen beim Obstbau. In Nordthüringen hat zudem Hagel die Erträge geschmälert.

Äpfel sind mit mehr als 1 000 Hektar die Hauptkultur im Obstbau im Freistaat. Hier belaufen sich laut Landwirtschaftsministerin Birgit Keller die Verluste auf rund 40 Prozent. Noch deutlicher sind die Einbußen bei der Süßkirschenernte. Deren Ertrag liegt sogar 60 Prozent unter dem des Vorjahres. Thüringen steht mit diesen Ergebnissen nicht allein. Auch die Landwirte in anderen Gebieten der Bundesrepublik beklagen Ernterückgänge, wenn nicht sogar -ausfälle. Ein Anstieg der Preise für die beliebten Paradiesfrüchte und viele andere Obstsorten ist daher wohl zu befürchten.

Die Landwirtschaft ist in Thüringen ein wichtiger Wirtschaftszweig. Laut dem Thüringer Landesamt für Statistik gab es im Jahr 2015 3 500 landwirtschaftliche Betriebe im Freistaat.

Neben dem Anbau von Getreide und Obst ist auch die Forstwirtschaft von großer Bedeutung.

Die EKM ist einer der größten Landbesitzer in Deutschland und verpachtet einen Großteil ihrer Flächen an Landwirte. Im Oktober soll ein neues Pachtvergabeverfahren in Kraft treten.

(G+H)

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Allein Gott die Ehre

1. Oktober 2017 von redaktionguh  
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Das Festival »Güldener Herbst« präsentiert protestantische und katholische alte Musik

Von Bad Liebenstein im Westen bis Eisenberg im Osten, von Sondershausen im Norden bis Rudolstadt im Süden: Das Festival Alter Musik »Güldener Herbst« zieht bereits zum 19. Mal weite Kreise in Thüringen. Das Spektrum der Veranstaltungen reicht von Kantatengottesdiensten und Messen bis zur Kammermusik, vom Tanzspiel bis zum Orgelkonzert; auch Konzerteinführungen, Stadtführungen und eine Ausstellung ergänzen das Programm.

Anlässlich des Reformationsjubiläums widmet sich das Festival in diesem Jahr einem Thema, das in erster Linie Johann Sebastian Bach zugeschrieben wird. Doch »Soli Deo Gloria – Allein Gott die Ehre« galt Protestanten wie auch Katholiken bis hin zur Aufklärung als Lebensmotto. »Auch alles weltliche Schaffen stand unter dem Motto«, sagt Helen Geyer, Professorin für Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar und Mitbegründerin der Academia Musicalis Thuringiae, die das Festival organisiert.

Das stehe im Gegensatz zu heute, wo wir andere Maßstäbe haben, so Geyer weiter. Das Motto wurde auch als Motor für maximale künstlerische Leistung verstanden, da »Soli Deo Gloria« implizierte, dass nur das Beste gut genug für Gott sein könne.

Die Trennung der Werke nach katholisch und protestantisch sei nur selten musikalisch nachvollziehbar, sagt Helen Geyer.

Stilistisch gäbe es minimale Unterschiede. Vielmehr handelt es sich in der Regel um eine politische, religiös begründete Trennung und so liegt es nahe, beides miteinander zu präsentieren. Beispielsweise in Rudolstadt, wenn das renommierte Basler Barockensemble Musica Fiorita den Zuhörern neben katholischer Kirchenmusik von Niccolò Jommelli und Johann Adolf Hasse auch den Thüringer Zeitgenossen Johann Melchior Molter – alles aus den Rudolstädter Beständen – zu Gehör bringt. Aber auch Veranstaltungen, die nur eine der beiden Strömungen betonen, sind im Festivalprogramm zu finden. Etwa Christian Fürchtegott Gellerts »Geistliche Oden und Lieder«, vertont von Carl Philipp Emanuel Bach in Eisfeld (14. Oktober, 19.30 Uhr, Rathaussaal) oder zum Abschlusskonzert in Auerstedt, wenn eher der katholische Akzent zum Tragen kommt (15. Oktober, 15 Uhr, Maloca im Schlosspark). Es gehört zum Charakter des Festivals, dass die aufgeführten Stücke auch einen Bezug zu dem Ort haben, an dem sie erklingen. So werden beispielsweise in der Barockkirche im Bad Liebensteiner Ortsteil Steinbach (7. Oktober, 19.30 Uhr) barocke Motetten von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach zu hören sein, die im Pfarrarchiv des Ortes lagern.

Über die wissenschaftliche Betrachtung des »Soli Deo Gloria«-Anspruchs wird Helen Geyer in Wandersleben auch einen Vortrag halten (1. Oktober, 14 Uhr, Menantes-Literaturgedenkstätte). Sie betrachtet dabei auch, was es im 18. Jahrhundert bedeutete, eine Messe oder einen Gottesdienst zu besuchen. »Es war der Moment, in dem jeder Gläubige den Alltag verlassen hat und in die aufbauende Umgebung der Kirche getreten ist, mit Musik, die sonst nicht zu hören war«, sagt sie. Die Gesellschaft dadurch aufzubauen, war ihrer Ansicht nach die große Leistung der Kirchen jener Zeit.

Mirjam Petermann

www.gueldener-herbst.de

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Jesus im Hinterhof

22. September 2017 von redaktionguh  
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Offene Arbeit: Ein Synonym für Freiheit, politische Diskussionen, unangepassten Lebensstil inmitten der DDR und im Schoß der evangelischen Kirche. Hat die kirchliche Jugendarbeit den Herbst 1989 erst möglich gemacht?

Es gibt keine direkte Linie von der Offenen Arbeit zur friedlichen Revolution. Aber es gibt Protagonisten der Friedensbewegung und Opposition, die in der Offenen Arbeit lernten, Themen zu diskutieren und sich auf Augenhöhe mit anderen und ihren Meinungen auseinanderzusetzen. Junge Menschen, die nicht ins DDR-Raster passen wollten.

Die Jugendpolitik im DDR-Sozialismus zielte seit den 1960er-Jahren sehr stark auf Formierung und Homogenisierung. »Jugendlichen, die lange Haare hatten, in Jeans rumliefen und andere Musik hören wollten, wurden zunehmend die Räume verschlossen«, erklärt die Historikerin Katharina Lenski. Sie kennt die Zeit aus eigenem Erleben. Lenski hatte Medizin studiert, wurde aus politischen Gründen exmatrikuliert. Anschließend war sie in der Berliner Opposition aktiv.

Protest im Rahmen der Kirche: Jugendliche beim Kirchentag 1983 in Erfurt. Foto: Archiv

Protest im Rahmen der Kirche: Jugendliche beim Kirchentag 1983 in Erfurt. Foto: Archiv

Diesen Jugendlichen öffneten Seelsorger der evangelischen Kirche Räume. »Hier konnten die Konflikte zur Sprache kommen und wurden zu faszinierenden Bildungsprozessen. Politische Gestaltungsräume gab es ja kaum«, sagt Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung des SED-Unrechts. Karl-Marx-Stadt, Saalfeld, Jena, Bad Blankenburg, Halle-Neustadt und Erfurt waren einige der Standorte für Offene Arbeit. Pfarrer Walter Schilling war eine wichtige Symbolfigur der Offenen Arbeit in der DDR. Ein charismatischer Seelsorger, der das Rüstzeitheim in Braunsdorf bei Rudolstadt aufbaute, das von vielen jungen Menschen besucht wurde. Schilling praktizierte mit seiner Offenen Arbeit die »Konzeption der Konzeptlosigkeit«, ein Gegenmodell zur sozialistischen Erziehung. Er öffnete im Sommer 1978 die Rudolstädter Stadtkirche für Jugendliche und gab ihnen mit »June 78« ein Gefühl von Freiheit. In gewisser Weise entstand mit der Offenen Arbeit eine Insel im DDR-Alltag, meint Katharina Lenski. »Man hat versucht, sich dort mit konkreten Problemen auseinanderzusetzen.« Das bedeutete auch, dass man in diesem Rahmen Kritik äußern konnte. »Da war die Offene Arbeit doch förderlich, um doch einfach mal auch zu experimentieren, so unbeholfen das gewesen ist.«

Dass Offene Arbeit gelang, hing vor allem von den handelnden Personen ab. Walter Schilling oder Lothar Rochau riskierten mit ihrem Engagement viel – staatlich wie kirchlich. Rochau, Jugendwart der Offenen Arbeit in Halle-Neustadt wurde entlassen und sogar inhaftiert. »Im kirchlichen Selbstverständnis war diese Arbeit immer grenzwertig. Der Thüringer Bischof Werner Leich brachte dies auf die Formel, Kirche sei offen für alle, aber nicht für alles, so Dietrich. Im Fall von Rudolstadt hatte der dortige Superintendent die Veranstaltungen für Jugendliche und damit den Jugendpfarrer und seine Aktivitäten unterstützt. »Aber die höheren Hierarchien, die Oberkirchenräte, die haben das alle bekämpft. Und gleichzeitig mit der Staatssicherheit kooperiert«, weiß Historikerin Lenksi. Unangepasste Themen, Lebensweise, Äußeres – das beunruhigte Staat und Kirchenleitung.

Verantwortliche unterbanden mitunter die Arbeit der Jugendpfarrer. Somit brachen die Gruppen der Offenen Arbeit vielerorts immer wieder auseinander. Eine große Enttäuschung für die nach Vertrauen und Halt suchenden Jugendlichen. »Der Druck auf die jungen Menschen wurde stärker und ebenso die verdeckten Zersetzungsmechanismen, die dann auch soziale Erosionen hervorgerufen haben. Da haben sich Partnerschaften getrennt, Freundschaften sind zerbrochen«, so Lenski. Dass die Offene Arbeit nicht nur ein Jugendmodell war, betont Christhard Wagner vom Evangelischen Büro Thüringen. Alle Menschen seien willkommen gewesen, egal woher und in welchem Alter. Gelebtes Evangelium, unter sozialistischen Außenbedingungen. Der frühere Jugendpfarrer ist sich sicher: »Wenn Jesus wiederkommt, dann sitzt er zuerst im Hinterhof der Offenen Arbeit.«

Diana Steinbauer

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Wenn Musik den Glauben trägt

18. September 2017 von redaktionguh  
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Jubiläum: Saalfelder Vocalisten feiern 30-jähriges Bestehen

Ein sommerlich-lauer Sonntagnachmittag. In einer kleinen Dorfkirche im Saaletal singen die Saalfelder Vocalisten geistliche Lieder. Es ist andächtig still. Dann kommt der Applaus – und die Ansage: Teil zwei des Konzertes gibt es im Nachbardorf. Es ist nicht ganz üblich, bei Nachbars in die Kirche zu gehen, wenn man doch selber eine hat. Aber jetzt, wo die Gemeinden zusammengelegt werden, da muss man wohl. Nach Kaffee und Kuchen wandert die ganze Gemeinde weiter zur nächsten Kirche. Die Vocalisten gehen voran, sie locken ihre Konzertgemeinde von einem Dorf ins nächste und von einer Kirche in die andere. Ach guck, die ist auch schön. Die Vocalisten sind ein gutes Zugpferd für die Gemeindearbeit, weiß die Pastorin. Und die acht Männer lassen sich gerne einspannen. Kleine Konzerte in kleinen Dorfkirchen – das ist völlig in Ordnung und hat auch etwas mit Heimat zu tun und mit ihrem Selbstverständnis. Sie sind – obwohl kein Kirchenchor – aktive Christen. Das wiederum kommt auch von der Musik. »Wenn es nicht so schöne Kirchenmusik gäbe – ich weiß nicht, ob ich an das Evangelium glauben könnte«, sagt Arnulf Heyn, der Blumenhändler. »Ich werde durch die Musik im Glauben getragen.«

Die Saalfelder Vocalisten: Im Repertoire haben sie hauptsächlich geistliche Lieder. Foto: Saalfelder Vocalisten

Die Saalfelder Vocalisten: Im Repertoire haben sie hauptsächlich geistliche Lieder. Foto: Saalfelder Vocalisten

Begonnen haben die Vocalisten bei den Thüringer Sängerknaben. Die strenge Schule von Walter Schönheit hat sie geprägt, später von Michael Schönheit. Mit Matrosenkrägelchen standen sie als Achtjährige schon auf der Empore der Johanniskirche in Saalfeld und sangen Motetten und Oratorien und in unzähligen Gottesdiensten. »Da gehen einem die gottesdienstlichen Abläufe in Fleisch und Blut über.«

Konzerte, Chorreisen – die Kirchen wurden eine zweite Heimat. »Und wenn dann die Morgensonne durch die Bleiglasfenster hereinscheint, geht mir das Herz auf«, erinnert sich Stefan Matz. »Da spüre ich die Religion.« Er ist Diplomkaufmann und bewertet Immobilien. Es sei der größte Lohn, die Zuhörenden mitzunehmen, sodass sie am Ende still und berührt aus der Kirche gehen.

Begonnen haben die acht Männer mit Trinkliedern in Kneipen und für Freibier. Dann wurden die Bühnen größer – vom Kulturhaus Rudolstadt-Schwarza bis ins ZDF und von Thüringen aus ging es bis in die USA, nach Japan und Südafrika. Hauptsächlich geistliches Liedgut von Bach bis Biller ist in ihrem Repertoire, aber auch Stücke von den Comedian Harmonists. Drei CDs haben sie eingespielt, eine DVD dokumentiert ihre Japanreise.

Nun sind sie seit 30 Jahren ein Team. »Wenn einer denken würde, er könne seinen Schädel durchsetzen, wären wir nicht mehr zusammen.«

Einmal saß der Kloß im Hals. Das war bei der Beerdigung ihres Chorbruders Bertram. Trotzdem haben sie gestanden und gesungen und sich hinterher in den Armen gelegen. Jesum bleibet meine Freude.

Singen wollen sie noch lange, sagt Henrik Pfeiffer, der Schornsteinfegermeister. Nur die Qualitätslatte bleibt hoch. »Wenn wir schlechter werden, ist irgendwann Schluss. Hoffentlich noch lange nicht.«

Ulrike Greim

Jubiläumskonzert am 23. September um 17 Uhr im ehem. Franziskanerkloster Saalfeld (Stadtmuseum)

www.saalfelder–vocalisten.de

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Um Schimmels willen! – Mysteriöser Pilzbefall an Orgeln

11. September 2017 von redaktionguh  
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Vor zwei Jahren ist in der EKM eine Online-Umfrage zum Schimmelbefall an historischen und neuen Orgeln gestartet worden. Bei der Befragung ging es zum einen um die Gefährdung der Instrumente, aber auch um gesundheitliche Risiken. Über das Ergebnis sprach Michael von Hintzenstern mit Christoph Zimmermann, dem Orgelreferenten im Landeskirchenamt.

Ungefährlich: Was wie Staub aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Schimmelpilz, von dem aber keine Gefahr ausgehen soll.  Foto: Christoph Zimmermann

Ungefährlich: Was wie Staub aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Schimmelpilz, von dem aber keine Gefahr ausgehen soll. Foto: Christoph Zimmermann

Wie viele Gemeinden haben sich beteilig und welche Ergebnisse konnten ermittelt werden?
Zimmermann:
Unser Online-Fragebogen wurde für ca. 400 Instrumente aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ausgefüllt. Das hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen und freut uns sehr. Es handelt sich dabei um Instrumente mit und ohne Schimmelbefall. Die Umfrage war Teil eines durch die EKM initiierten Forschungsprojektes zu den Ursachen des zugenommenen Schimmelbefalls an Orgeln. Im Ergebnis dieser Befragung wurden etwa 50 Orgeln besichtigt und untersucht. Daraus wurden noch einmal 20 Instrumente für eine vertiefte Untersuchung ausgewählt. Ziel des Forschungsprojektes ist zunächst die Untersuchung der Ursachen für diesen Befall.

Welche Ursachen gibt es?
Zimmermann:
Klar ist, dass die Klimaverhältnisse in der Kirche und speziell in der Orgel eine große Rolle spielen. Wieweit auch die Beschichtungen auf den Oberflächen eine Rolle spielen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Was sollen Kirchengemeinden unternehmen, deren Orgeln von Pilzen befallen sind?
Zimmermann:
Grundsätzlich sind die zuständigen Orgelsachverständigen erste Ansprechpartner zu den Fragen der Orgel. Unser Forschungsprojekt ist noch nicht abgeschlossen. Wir empfehlen zunächst, möglichst keine Eingriffe (Reinigung nur wegen Pilzbefall, Behandlung mit Fungiziden o.ä.) vorzunehmen, sondern die Projektergebnisse abzuwarten. Sinnvoll ist aber, geeichte Messgeräte (Datenlogger) in den betroffenen Instrumenten und Kirchenräumen auszulegen. Die Temperatur- und Feuchtedaten von wenigstens einem Jahr sind für eine Bewertung der örtlichen Klimasituation sehr hilfreich.

Kann man nach dem jetzigen Forschungsstand gesundheitliche Gefährdungen ausschließen?
Zimmermann:
Es hat sich bei unseren untersuchten Instrumenten herausgestellt, dass fast ausschließlich Pilze der Aspergillus-glaucus-Gruppe anzutreffen sind. Von diesen geht im Normalfall keine Gesundheitsgefahr aus. Auch wirken sie nicht holzzerstörend. Bei einer anstehenden Reinigung durch Fachleute sollten diese sich trotzdem mit entsprechendem Schutz ausrüsten, um im Einzelfall eine mögliche allergische Reaktion auszuschließen.

Wie soll in Zukunft – auch bei Baumaßnahmen – mit drohendem Pilzbefall umgegangen werden?
Zimmermann:
Im November findet im Rahmen des Forschungsprojektes ein Kolloquium in Erfurt statt. Dabei werden die bis dahin ausgewerteten Ergebnisse Orgelsachverständigen, Orgelbauern und Kirchenbaureferenten vorgestellt und diskutiert. Dies wird uns hoffentlich in einigen Punkten Klarheit bringen und die Grundlage sein, auf der wir in einem Folgeprojekt auf konkrete Handlungsmuster hoffen.

Heilige Schrift im Bild

14. August 2017 von redaktionguh  
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Weimarer Kinderbibel eine Woche in Wittenberg

Mitteldeutsch-2-32-2017Unter dem Motto »Bild und Bibel« steht die 13. Themenwoche der Weltausstellung Reformation vom 16. bis 21. August in Wittenberg. Besucher können alte Ikonen und neue Icons entziffern, mit Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen, über Bilderverbote diskutieren und vieles mehr.

Mit dabei ist im Bugenhagenhaus die Weimarer Kinderbibel, geschrieben und gestaltet von Kindern.

Mit inzwischen sechs Staffeln kann das Projekt der Kinderbibel einen Erfolg vorweisen, der beim Start im Jahr 2012 nicht abzusehen war. Im Lauf der Jahre haben sich über 500 Kinder aus Weimar und anderen Orten in Thüringen beteiligt.

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Kinder des ersten Jahrganges der Weimarer Kinderbibel blättern im fertigen Exemplar. Foto: Maik Schuck

Bei der Themenwoche in Wittenberg anwesend ist auch die Ideengeberin, die promovierte Sprachwissenschaftlerin Annette Seemann. Die von Frank Nolde kuratierte Ausstellung im Bugenhagenhaus zeigt ausgewählte Geschichten und Gestaltungen aus den sechs Jahren Projektarbeit mit Kindern der Klassenstufen vier bis sieben. Hinzu kommen Fotos vom Entstehungsprozess der Kinderbibeln und natürlich die Bibeln selber.

Ebenfalls im Bugenhagenhaus präsentiert sich unter dem Thema »Kirchliche Kunst im ganzen Land« die 1999 gegründete Kirchliche Stiftung Kunst- und Kulturgut.

(G+H)

Literarische Gesellschaft Thüringen (Hrsg.): Weimarer Kinderbibel. Geschrieben und gestaltet von Kindern: Erlesene Geschichten und Bilder, Wartburg Verlag, 168 S., ISBN 978-3-86160-278-1, 14,90 Euro

https://r2017.org/nc/weltausstellung/programm/kalender

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