Schule als Gesamtkunstwerk

7. Oktober 2014 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

20 Jahre Christliches Gymnasium Jena: Säulenperformance als gefeiertes Finale

Pulsierendes Leben vom Keller bis in die oberste Etage, eine kaum zu bewältigende Fülle an Angeboten, emsige Akteure und staunende Eltern – so war am 25. September die Vernissage »Suchen, was trägt! Gefunden, was trägt« zum 20-jährigen Jubiläum des Christlichen Gymnasiums Jena (CGJ) in der Altenburger Straße 10 zu erleben. »Kleine Ideen haben große Früchte getragen und sind zu Säulen der Schule herangewachsen«, freut sich Schulleiterin Susanne Raab. Die Freude darüber stand allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. Seit ihrem Start ist die Schülerzahl kontinuierlich von 24 auf 450 Kinder und Jugendliche angestiegen.

Philipp Schäffler hatte alle Hände voll zu tun, um das Zusammenspiel der Säulen zu koordinieren. Foto: Christliches Gymnasium Jena

Philipp Schäffler hatte alle Hände voll zu tun, um das Zusammenspiel der Säulen zu koordinieren. Foto: Christliches Gymnasium Jena

Passend zum Motto der Feierlichkeiten erarbeiteten Schüler der Klasse 10c »Darstellen und Gestalten« mit ihren Lehrern über ein halbes Jahr eine Performance, bei der die 20 Stahlsäulen bespielt wurden, die auf dem Schulhof stehen und das große Vordach des Gebäudes tragen. Musiklehrer Philipp Schäffler hatte sie einmal zufällig angeschlagen und dabei festgestellt, dass sie »wie eine tiefe Glocke« klingen und je nach Anschlagart leicht variieren. Als er die Säulen durchgezählt hatte, war die Idee geboren, ein Stück mit 20 Säulen und 20 Schülern zum Jubiläum des Gymnasiums zu erarbeiten und damit seinem Wunsch näherzukommen, »das Schulhaus zum Klingen zu bringen und dazu Tim Helbig einzuladen«, der vor zehn Jahren am CGJ Abitur gemacht und inzwischen elektroakustische Komposition studiert hat.

Da es nicht möglich war, Melodien zu spielen, mussten neue Wege gefunden werden. So wurde seit März mit verschiedenen Rhythmen, Anschlagsarten und Materialien experimentiert. Tim Helbig erwies sich als ideenreicher Partner. Um an jeder Stahlsäule einen Klopfer und eine Glühbirne zu montieren, die über einen Computer bzw. eine Klaviatur gesteuert werden können, mussten 2 000 Meter Kabel gezogen werden. Dadurch verwandelte sich die »alltägliche« Hofüberdachung in ein facettenreiches Musikinstrument. Helbig konzipierte die räumliche Bewegung der durch Klopfer gespielten Klangquellen, die mit dem Aufleuchten der Glühbirnen korrespondierte. Die Schüler bauten eigene Holzschlegel und brachten die Säulen mit diesen bzw. ihren Händen oder Zeitungspapier zum Klingen. Die musikalischen Teile wurden durch Theateraktionen auf drei zwischen den Säulen befindlichen Bühnen ergänzt, in denen quasi pantomimisch elementare Lebenserfahrungen dargestellt waren.

Wie dies alles in eine Gesamtdramaturgie eingebracht und in atemberaubender Präzision umgesetzt wurde, verdient größte Hochachtung!

Michael von Hintzenstern