Losgelöst?
30. Juli 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Kommentar
Comments Off

Foto: Svilen Milev, sxc.hu
Beim Abendmahl erklangen fröhliche Sambarhythmen, die Predigt handelte von Klimagerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Deutlicher als mit dem am vergangenen Sonntag aus der Stuttgarter Stiftskirche übertragenen Fernsehgottesdienst konnte kaum gezeigt werden: Tagungen kirchlicher Gremien erinnern zuweilen an Inseln der Seligkeit.
Im Gottesdienst mit den Delegierten des Lutherischen Weltbundes (LWB) erinnerte nur eine Fürbitte daran, dass am Abend vorher junge Menschen am Rand der Love-Parade ums Leben gekommen waren. Natürlich, am Montag wurde ein Statement verabschiedet, das zum Gebet für die Opfer aufruft, aber vielleicht saßen bereits am Sonntag Angehörige verzweifelt vor dem Fernseher.
Ansonsten hat die Vollversammlung durchaus Marksteine gesetzt und Pflöcke eingeschlagen, die in ihrer Wirkung weit über den kirchlichen Alltag hinausgehen können. Das gilt etwa für die Wahl des Palästinensers Munib Younan zum Präsidenten des LWB, die auch außerhalb der kirchlichen Szene für Aufsehen sorgte. Denn Younan ist ein profilierter Vertreter einer Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten – aber auch ein profilierter Gegner der israelischen Besatzung.
Und im Gegensatz zu den Anglikanern haben es die Lutheraner in Stuttgart auch geschafft, die inneren Differenzen zwischen den liberalen Kirchen Nordamerikas und Europas auf der einen und den Kirchen Afrikas auf der anderen Seite nicht zu groß werden zu lassen.
Spannungen waren spürbar, aber es hielt sich im Rahmen: Die oft herbeigeunkte Spaltung ist zurzeit nicht wirklich wahrnehmbar. Zu einem großen Teil ist dies das Verdienst des Führungsduos, des afrikanischen Generalsekretärs Ishmael Noko und des amerikanischen Präsidenten Mark S. Hanson. Es ist dem LWB nur zu wünschen, dass es auch der neuen Führungsspitze gelingen wird, den eingeschlagenen Kurs an dieser Stelle fortzusetzen.
Benjamin Lassiwe






