Gemeinde wächst am Bau

27. Mai 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
Abgelegt unter Thüringen (Archiv)

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Beim Treffen der Thüringer Kirchbauvereine in Gotha erhielt Göttern »Goldenen Kirchturm«.

 
Axel Stelzner, Vorsitzender des Kirchbauvereins in Göttern, muss es wissen. »Wo die Kirchen verfallen, verfallen die Menschen«, sagt der 73-jährige Medizinprofessor. Nicht nur Kriege, auch Wasser und Versäumnisse hatten zur Zerstörung der Dorfkirche in der 380-Seelen-Gemeinde bei Weimar beigetragen. Stelzner ergriff nach der friedlichen Revolution die Initiative und rief mit einigen ­Mitstreitern einen Kirchbauverein ins ­Leben.

20 Jahre gab man sich »aus Freude und Dankbarkeit Mühe«. Jetzt erstrahlt das Gotteshaus wieder in ­voller Schönheit. Der Kirchbauverein Göttern erhielt deshalb von einer Fachjury den mit 3000 Euro dotierten »Goldener Kirchturm«.

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen. Den eigentlichen Preis wird Propst Reinhard Werneburg, Regionalbischof der EKM, im Gottesdienst am 26. Juni vor Ort überreichen.

»Es gab nichts, was wir nicht restauriert haben«, berichtet Stelzner in seiner kurzen Dankesrede. Angefangen beim Gesangbuch über Boden, Dach, Gestühl, Orgel, Glocke und Winterkirche habe man systematisch und beharrlich gewirkt. Immer nach einem genauen Konzept. »Wir haben nie rote Zahlen geschrieben, nur getan, was wir konnten. Jetzt lebt die Kirche wieder.«

In diesem Jahr konnte man 20 Taufen verbuchen – mehr als in Jena, stellte der engagierte Vereinsvorsitzende, der auch als Organist tätig ist, heraus.

Das Publikum – Vertreter mehrerer Kirchbauvereine – bat er, im Engagement nicht nachzulassen. Dass Kirchen Ortsbilder von Städten und ­Gemeinden prägen, darin waren sich die Tagungsteilnehmer einig. Allein in Thüringen gibt es 109 Kirchbauvereine, die sich alle für den Erhalt der Gebäude einsetzen. Dass mit dieser Anstrengung nicht nur das Gebäude von außen wächst, sondern auch Kirche von innen, bezeichnete Werneburg als besonders wichtigen Punkt.

Lutz Stiehler, Vorsitzender des erst im Oktober 2010 ins Leben gerufenen Kirchbaufördervereins »St. Nicolai« in Suhl-Albrechts, konnte dem nur zustimmen. Gegründet habe man sich, um den Innenausbau des Gotteshauses und die Orgel auf Vordermann zu bringen. Sein junger Verein bemühe sich derzeit um die Emporen der Nicolaikirche. Die Kanzel sei bereits fertig. »Insgesamt werden wir bestimmt auch 20 Jahre brauchen«, meint Stiehler. Erste Einnahmen aus Benefizveranstaltungen konnten die 14 Vereinsmitglieder schon verbuchen.

»Das Gemeindeleben wächst daran«, ist sich Stiehler sicher. Auch das bevorstehende 900-jährige Ortsjubiläum biete für den Förderverein sehr gute Möglichkeiten, sich einzubringen.

Beispielsweise wollen die Vereinsmitglieder in diesem Rahmen Kirchturmführungen anbieten. Eine entsprechende Entrümpelungsaktion habe schon stattgefunden.

Tagungen wie in Gotha sind gerade für junge Vereine wertvoll, um Kontakte zu knüpfen und sich zu informieren. Dies bestätigt auch Volker Seits vom Kirchbauförderverein Eishausen, der gerade den Turm der Marienkirche saniert übergeben konnte.

Bernd Rüttinger, Kirchenoberbaurat der EKM, stellte in einem Workshop verschiedene Kirchen vor, die eine multifunktionelle Nutzungen erfahren haben. Als eindrucksvolles Beispiel nannte er die Kirche in Rödigen im Altenburger Land. Insbesondere der dort eingebaute zweite Saal werde weitläufig genutzt.

Ob Familienfeiern, Gymnastikstunden oder Kaffeenachmittage – es sei erstaunlich, wie die Kirche mit Leben gefüllt wäre. »Es gibt eine Bandbreite an Möglichkeiten«, ist sich Rüttinger sicher. Als Erstes solle man immer das Nutzungsziel vor Augen haben. Zu allen Zeiten hätten Menschen ihre Kirchen entsprechend ihrer Bedürfnisse umgebaut, machte er Mut.

Annett Recknagel

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen.

Den symbolischen Scheck nahmen Axel Stelzner sowie seine beiden Vereinskollegen Rudi Prüfer und Reiner Scheidt schon zum Treffen der Thüringer Kirchbauvereine am 21. Mai im Gothaer Augustinerkloster entgegen.