Aktivisten geben nicht auf

18. Februar 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT  
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Bürgerinitiative lädt zum 200. »Friedensweg« durch die Colbitz-Letzlinger Heide ein

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. 	Foto: Karsten Wiedener

Immer am ersten Sonntag im Monat lädt die Bürgerinitiative zum »Friedensweg« ein. Strenger Frost ist kein Grund, die Wanderung ausfallen zu lassen. Foto: Karsten Wiedener


Bei eisiger Kälte stehen 50 Demonstranten an der Bundesstraße 189 in Colbitz (Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt). Sie hören geduldig den Rednern zu, die auf dem glatten Fußweg zum Mikrofon rutschen und sich kritisch über den militärischen Einsatz in Afghanistan und den Übungsbetrieb der Bundeswehr in der Colbitz-Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg äußern. Bei dem 199. »Friedensweg« der Bürgerinitiative Offene Heide am 7. Februar werden zudem die Flugblätter für die 200. Auflage der Wanderungen am 7. März verteilt.

Auch bei der Jubiläumstour wird die Bürgerinitiative – wie seit ihrer Gründung vor mehr als 16 Jahren – gegen die Panzer und Soldaten in der Heidelandschaft protestieren. Dabei legen die Friedensaktivisten stets Wert darauf, humanistisch gesinnte Vereine, Parteien und andere Initiativen sowie Gewerkschaften und Kirchen einzubeziehen. Ein besonders gelungenes Beispiel von Ökumene kommt in Colbitz zum Ausdruck. Nach der Kundgebung, mit denen die »Friedenswege« traditionell beginnen, führt die Route bei Minusgraden in die katholische Kapelle des Dorfes, in der es kaum weniger kalt ist. Zu der Kirche Sankt Nikolaus von der Flüe wurde mit Unterbrechungen von 1955 an eine alte Scheune ausgebaut. Die Weihe erfolgte vor 50 Jahren.

Die Christen seien gerufen, Ordnung zu schaffen auf dieser Welt und Frieden zu stiften, sagt der evangelische Pfarrer Karl-Heinrich Schroedter aus Stendal in einer Andacht dort. »Gott geht auch mit uns durch die Heide. Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«, betont der 81-jährige Ruheständler.

»Wir sind unterwegs in der Heide, um Verantwortung für einen friedlich Umgang miteinander zu zeigen«

Im Anschluss wandert die Bürgerinitiative zum evangelischen Gemeindehaus, in dem der »Friedensweg« mit der Vorführung eines Films über das Projekt eines zivilen Friedensdienstes im Krisengebiet von Israel und Palästina beendet wird. Zuvor mahnt Pfarrer Dieter Kerntopf als Gastgeber an, bei der Kritik an der bei Colbitz geplanten Trasse für die Nordverlängerung der Autobahn 14 auch die Colbitzer Bevölkerung und nicht nur die Natur zu sehen. Wegen des Verkehrs auf der Bundesstraße 189, die durch das Dorf führt, könnten die Anwohner kaum noch schlafen. Jede Verzögerung beim Bau einer Ortsumgehung oder der Autobahn würde für die Einwohner weitere Einschränkungen in ihrer Lebensqualität bedeuten.

Die 60.000 Hektar umfassende Heide gilt als eine der größten unbesiedelten Flächen in Deutschland. Auf rund einem Drittel davon betreibt die Bundeswehr einen hochmodernen Gefechtsübungsplatz. Auf ihm trainieren auch Truppen anderer Staaten vor allem für Auslandseinsätze zum Beispiel in Afghanistan. Die Bürgerinitiative war mit dem ersten »Friedensweg« und einem Zeltlager am 1. August 1993 entstanden. Mit den Wanderungen soll die Heide »Stück für Stück« symbolisch in zivilen Besitz genommen werden. Rund 1.000 Kilometer wurden bereits zurückgelegt.

Auch wenn seitdem so gut wie nichts Zählbares gegen den Truppenübungsplatz zu verzeichnen ist, denken die Aktivisten nicht ans Aufgeben. So sind für dieses Jahr neben den monatlichen »Friedenswegen« ein Ostermarsch sowie die Teilnahme an Kirchentagen und am Sachsen-Anhalt-Tag im August in Weißenfels vorgesehen.

Karsten Wiedener