Den Auftrag vor Augen haben

23. April 2015 von redaktionguh  
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Landessynode: Vom 16. bis 18. April tagte die Landessynode der EKM im Kloster Drübeck

Die neue Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland scheute sich nicht, von Anfang an Tacheles zu reden.

Neben einem Wahlmarathon stand ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der ersten Zusammenkunft der II. Landessynode der EKM: die Veränderungen im Finanzgesetz. Finanzdezernent Stefan Große erläuterte die Änderungen am vergangenen Freitag vor der Synode in Drübeck. Die anschließende Aussprache zeigte, dass die neuen Synodalen kein Blatt vor den Mund nehmen und die Probleme am Schopfe packen.

Zur konstituierenden Tagung der II. Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war ein Wahlmarathon zu bewältigen. Foto: Frank Drechsler

Zur konstituierenden Tagung der II. Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war ein Wahlmarathon zu bewältigen. Foto: Frank Drechsler

Die Überprüfung des Finanzgesetzes der EKM, zu dem sich Kirchengemeinden, -kreise und Gremien vom 1. April bis 30. Juni 2014 in einem Stellungnahmeverfahren äußern konnten, ist abgeschlossen und zahlreiche Vorschläge sind aufgenommen. Am 1. Januar 2016 soll es in Kraft treten.

Zuerst die gute Nachricht: Die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen verschaffen der Landeskirche Luft. Die Erhöhung der Gemeindegliederzahlen pro Pfarrstelle von 1 200 auf 1 350 kann dadurch bis einschließlich 2018 aufgeschoben werden. Geplant war die Umsetzung schon ab nächstem Jahr. Die drei Jahre können jedoch kein Ruhekissen sein, sondern müssen für ein Umdenken und Suchen nach neuen Wegen genutzt werden. Darin waren sich die Synodalen und die Vertreter der Kirchenleitung einig. Denn 2019 stehe noch mal eine Kürzung um 75 Pfarrstellen an, wenn die Kirchenmitgliederzahl weiter sinkt. Die demografische Situation und die Abwanderung aus den Regionen legen dies nahe.

Der Synodale Ulrich Neundorf mahnte eine ehrliche Debatte an. »Was hindert uns daran, über eine ›Perspektive 2030‹ nachzudenken, ohne gleich ein Gesetz verabschieden zu müssen.« Ihn wie auch andere Synodale bedrückte, dass »Städte begünstigt werden und Druck auf die kleineren Kirchenkreise ausgeübt wird, sich zusammenschließen«.

Darüber müsse man langfristig reden und nicht scheibchenweise drehen. Volker Wilde kritisierte: »Mir fehlen die Visionen. Wir schrauben nur innerhalb unseres Systems. Wir müssen Mut haben, den Problemen ins Auge zu sehen.« Und Ernst-Ulrich Wachter fragte: »Schrumpfen die da oben genauso wie wir?« Für die klaren Worte bedankte sich Stefan Große ausdrücklich. Er unterstrich, dass die Finanzierung der kirchlichen Arbeit mit dem Finanzgesetz und den aus der Erfahrung gewachsenen Änderungen des Gesetzes auf einem guten Weg sind. So wird zukünftig zum Beispiel beim Kreis­anteil für allgemeine Aufgaben nicht nur die Zahl der Einwohner, sondern auch die der Gemeindeglieder berücksichtigt. Man müsse jedoch langfristig denken, so Große.

Dass das Problem nicht nur am fehlenden Geld liegt, machte der Synodale Wilfried Kästel deutlich. »Die Kirche hat kein Finanzproblem, sondern ein Glaubensproblem«, zitierte er den derzeitigen Leiter der Finanzabteilung der EKD, Thomas Begrich.

Angesichts der munteren Debatte kann man mit einer sehr kreativen Arbeit der II. Landessynode rechnen. Das macht Hoffnung, wie von Synodalen und kirchenleitenden Vertretern zu hören war. Landesbischöfin Ilse Junkermann brachte es auf den Punkt: »Ich bin sehr froh über die Diskussion. Wir können nicht nach dem bisherigen Vorgehen einfach weiter abbauen, sondern wir müssen umbauen. Aber wir haben keine Patentrezepte.« Mit Blick auf die große Belastung der Mitarbeitenden sagte sie: »Alle sind erschöpft, aber wir sollen das Frohmachende verkündigen! Wir haben einen Auftrag in der Welt. Meine Sorge ist, dass wir durch die Sorge um uns selbst diesen Auftrag nicht mehr sehen.«

Dietlind Steinhöfel

Alle Dokumente unter: www.ekmd.de