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	<title>⇒ Glaube + Heimat &#187; Ulrike Harnisch</title>
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	<description>Evangelische Wochenzeitung in Mitteldeutschland</description>
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		<title>Begegnung auf dem Kreuzweg</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 12:13:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion GLAUBE+HEIMAT</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jupp Kokott]]></category>
		<category><![CDATA[Nils Hoffmann]]></category>
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		<category><![CDATA[Ulrike Harnisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Kirchenjahr: Jugendliche und junge Erwachsene aus Erfurt inszenierten bemerkenswertes Passionsspiel rund um den Domberg
Passionsspiele gibt es nicht nur in Oberammergau.  Auch in der Thüringer  Landeshauptstadt haben evangelische und katholische Christen das Karfreitagsgeschehen anschaulich gemacht.
»Ans Kreuz mit ihm«, brüllt es ungehalten durch den Erfurter Dom. »Los, kreuzigen!«, erheben sich immer wieder Rufe aus den hinteren Reihen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kirchenjahr: Jugendliche und junge Erwachsene aus Erfurt inszenierten bemerkenswertes Passionsspiel rund um den Domberg</strong></p>
<p><em>Passionsspiele gibt es nicht nur in Oberammergau.  Auch in der Thüringer  Landeshauptstadt haben evangelische und katholische Christen das Karfreitagsgeschehen anschaulich gemacht.</em></p>
<div id="attachment_2352" class="wp-caption alignnone" style="width: 541px"><img class="size-full wp-image-2352 " title="Passionsspiel in Erfurt" src="http://www.glaube-und-heimat.de/files/2010/03/titel_guh13.jpg" alt="Der 21-jährige Theologiestudent Nils Hoffmann hat die Rolle als Jesus im Erfurter Passionsspiel übernommen – hier eine Aufnahme von den Proben. Foto: Susanne Kay" width="531" height="327" /><p class="wp-caption-text">Der 21-jährige Theologiestudent Nils Hoffmann hat die Rolle als Jesus im Erfurter Passionsspiel übernommen – hier eine Aufnahme von den Proben. Foto: Susanne Kay</p></div>
<p>»Ans Kreuz mit ihm«, brüllt es ungehalten durch den Erfurter Dom. »Los, kreuzigen!«, erheben sich immer wieder Rufe aus den hinteren Reihen der Menschenmenge, die sich ins Langhaus des Domes schiebt. Mit jedem Schritt wird diese Menge lauter, tosender. Fast wähnt man sich in einer Turnhalle – wäre da nicht noch das unbarmherzige Peitschen der Lederriemen. Nein, hier geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Hier geht es um Leben und Tod. Und bei allem Wissen darum, dass diese Szene eine gespielte ist, lässt sich diese seltsame Angst, die da fröstelnd in dem Beobachter aufsteigt, nur mit Mühe unterdrücken.</p>
<p>»Wir wollten die Passion nicht als etwas Vergangenes darstellen«, erklärt Schwester Ulrike Harnisch als Organisatorin und zugleich Co-Regisseurin der Erfurter Passionsspiele. Wiewohl der Auslöser durchaus ein geschichtlicher war: Weihbischof Reinhard Hauke nämlich hatte von einem geistlichen Spiel über die Auferstehung erfahren, das im 13. Jahrhundert zu Ostern im Erfurter Dom aufgeführt wurde. Für die vier (ausverkauften!) Aufführungen am vergangenen Wochenende wurde zwar nicht dessen Text, doch quasi der historische Faden wieder aufgenommen. »Ganz wichtig war uns aber zu fragen, wie Jesus den Menschen heute auf seinem Kreuzweg gegenübertreten würde«, unterstreicht Ulrike Harnisch.</p>
<p>Die Begegnungen, die Regisseur Jupp Kokott (im »richtigen Leben« ist der 31-Jährige Orthopädiemechaniker) und nicht weniger als 33 Laienschauspieler und Helfer aus katholischen wie evangelischen Gemeinden auf dem Domberg in Szene setzten, könnten eindrücklicher kaum sein. Nach dem Verhör bei Pontius Pilatus prügeln zwei Soldaten Jesus den Kreuzweg entlang bis zur letzten Station. 150 Menschen – die Besucher dieses Passionsspiels – folgen ihm von der Kunigundenhalle im Kreuzgang über den ganzen Domberg bis schließlich in den Dom.</p>
<p>Und so begegnen sie mit ihm auch Julia, der blutjungen Selbstmörderin. »Ich bin in einem Kerker«, schreit sie der Welt entgegen. »Ich bin meine eigene Gefangene. Alles geschieht ohne mich. Automatisch.« Als sie sich immer mehr dem Abgrund nähert, löst sich Jesus von seinen Peinigern. Trotz langen Zauderns lässt sie sich an seiner Hand aus der Gefahr führen. »Danke, dass du dich für das Leben entschieden hast. So ist mein Tod nicht umsonst.«</p>
<p>Nicht im Entferntesten eifernd spricht Nils Hoffmann seinen Jesus nach Versen aus dem Johannes-Evangelium. Während sich der 21-jährige Theologiestudent ungemein überzeugend zumeist an die Original-Texte hält, haben Anne Kaufhold alias Julia und all die anderen jungen Erwachsenen sich ihre Worte über Monate hinweg selbst erarbeitet. »Bist du moralisch oder was?« wird da die Freundin abgekanzelt, die auf einer Alkohol getränkten Party nicht wild mit rumknutschen will. In einer enormen atmosphärischen Dichte wollen in der Kriegsszene zwei Rekruten eine unschuldige Frau hinrichten. »Ich komm’ mir vor wie im Computerspiel«, flüstert es aus einer Gruppe Jugendlicher. Hammerschläge sind das Gröbste, das die Inszenierung von Jesu Tod erzählt. Später nur das leere Kreuz. Und der Choral »O Haupt voll Blut und Wunden«.</p>
<p>Manchmal sei sie richtig froh gewesen, weitergehen zu können, bekennt Karola Stöber, die für das Passionsspiel extra aus Georgenthal angereist war. Einfach zu beklemmend seien einige Szenen gewesen. Kein Vergleich zu ihrer Erfahrung aus Oberammergau, wo man allein schon durch die Theatersitzreihen viel weniger »drin« gewesen sei im Geschehen.</p>
<p>Was alles an Fragen aus der Ungeheuerlichkeit dieses Geschehens erwächst – der ein wenig belehrend vorgetragene Epilog vermag es ebenso wenig zu fassen wie der Prolog zum Anbeginn. Auch heute also rettet Jesus, segnet, verblüfft mit seiner radikalen Ehrlichkeit, und noch der niederträchtigste Soldat wähnt sich ihm überlegen. War er von Gott erwählt in dem Maß, wie er auf Erden verworfen wurde? Opferte er sich selbst um des Heils anderer Willen?</p>
<p>Am Ende zeichnet sich hinter einem Vorhang der Schatten eines Mannes ab, der segnend seine Hände über jene jenseits dieses Vorhangs breitet – in stummer und zugleich vielsagender Geste.</p>
<p><em>Kathrin Schanze</em></p>
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