Für die kostbaren Auenwälder
19. Dezember 2011 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Sachsen-Anhalt plus
Seit zehn Jahren kämpft »Pro Elbe Anhalt« für den Schutz des Stromes.

Der Widerstand gegen Bagger und andere Baumaschinen, die für Binnenschiffe die Natur an der Elbe zurückdrängen, hat seit gut einem Jahrzehnt auch einen Namen: »Pro Elbe«. Entlang des Flusses gründeten Bürger, Umweltschützer und Pfarrer Initiativen unter diesem Schlagwort. Kräfte gegen die staatlichen Pläne gewissermaßen vor der eigenen Haustür konnten so auch durch die Ende 2001 ins Leben gerufene Gruppe »Pro Elbe Anhalt« mit Pfarrer Dietrich Bungeroth gebündelt werden. Das Engagement zum Erhalt des Stromes reicht jedoch bis Anfang der 90er Jahre zurück. Mit an die Spitze hatten sich auch die Kirchen gestellt.
Als 1992 in den Bundesverkehrswegeplan eine »Tauchtiefenverbesserung« aufgenommen wurde, begannen in Coswig, Dessau und Wörlitz Elbegottesdienste zur Bewahrung der Schöpfung. Es folgten Unterschriftensammlungen, Protestaktionen, Synodenbeschlüsse in der Landeskirche Anhalts, anderen Landeskirchen und der EKD.
Ziel der Ausbau-Befürworter ist es, für Binnenschiffe eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Metern im gesamten Jahr sicherzustellen. Damit sinkt der Grundwasserspiegel. Aber auch durch neue, weit in die Elbe gebaute Buhnen wird der Fluss schneller, so dass er sich noch tiefer in sein Bett gräbt. Als Folge sinkt das Grundwasser und die kostbaren Auenwälder fallen trocken.
Die Elbelandschaft bedeute ein Stück Heimat und damit Identität, die etwa in der Industrie verlorengegangen ist, sagt Dietrich Bunderoth. Für den vor zwei Jahren in den Ruhestand gewechselten Pfarrer sorgt sich besonders darum, dass die UNESCO-Weltkulturerbestätte Dessau-Wörlitzer Gartenreich austrocknen könnte. Was niedriges Grundwasser anrichten kann, war bereits spürbar. Durch die Trockenheit 2003 starben vor allem viele uralte und riesige Eichen ab. »Das war ein Indiz für die Eintiefung, die das ganze Gartenreich bedroht«, warnt der 63-Jährige. Zum Gartenreich, das ab 1760 entwickelt wurde, gehören Parks, 60 Denkmalgruppen, Museen, Schlösser und zehn Kirchen.
»Kirchen spielen beim Engagement gegen den Elbeausbau eine unverzichtbare Rolle«
»Es ist immer zu wenig Geld in die Hand genommen worden, um zu prüfen, die Schiffe dem Fluss anzupassen und nicht umgekehrt«, kritisiert Bungeroth. Und es gebe auch genügend Schienentrassen für den Gütertransport. Ein privater Investor hätte Pläne zum Elbeausbau aus wirtschaftlichen Gründen längst aufgegeben. »Es sind unser aller Steuermittel, die da verknallt werden.«
2012 will die Bürgerinitiative die Baustellen an der Elbe beobachten und mögliche Rückwirkungen prüfen, kündigt Bungeroth an. Zudem ist die Beteiligung am Elbe-Kirchentag in Meißen, am Elbe-Badefest in Dessau und dem Gesprächsprozess zu einem Gesamtkonzept vorgesehen. Dazu haben die evangelischen Elbe-Anrainer-Kirchen und die Bundesregierung in Dessau-Roßlau eine Konferenz mit allen Interessengruppen vereinbart.
Die erste Initiative »Pro Elbe« wurde im Frühjahr 2001 in Wittenberg gegründet, Mitte 2001 folgte Magdeburg und dann Anhalt. Mittlerweile sind es etwa zehn Initiativen von der tschechischen Grenze bis zur Nordsee. »Kirchen spielen beim Engagement gegen den Ausbau der Elbe eine unverzichtbare Rolle.

Die Bürgerinitiativen können sich auf deren Unterstützung verlassen«, sagt Iris Brunar, Elbe-Koordinatorin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie steht zugleich an der Spitze des vierköpfigen Sprecherrates der Anhalt-Initiative, dem auch Bungeroth angehört. Zum festen »Kern« der Gruppe rechnet sie 30 Mitglieder.
Für den Kontakt der Gruppen untereinander stellen die Kirchen eine dichte Struktur zur Verfügung, weil sie selbst gut miteinander vernetzt sind, schätzt Brunar ein. Und nicht zuletzt hatte die Auferstehungsgemeinde in Dessau-Ziebigk vor zehn Jahren ihre Kirche für die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative geöffnet.
Karsten Wiedener
Ringen um die Schöpfung
20. August 2010 von Redaktion GLAUBE+HEIMAT
Abgelegt unter Titelseite

Neuanfang: Die mitteldeutsche Kirche entdeckt den Umweltschutz für sich.
Zu DDR-Zeiten war die Bewahrung der Schöpfung ein zentrales Thema der Kirche. Mit der Wende trat anderes in den Vordergrund. Jetzt soll das Augenmerk wieder verstärkt darauf gelenkt werden.
»Eigentlich«, sagt Hans-Joachim Döring, »geht der Umweltschutz uns alle an.« Ökostrom beziehen, Energie sparen oder Bio-Produkte kaufen sind nur einige der Möglichkeiten. Jeder könne seinen Beitrag leisten und etwas für die Bewahrung der Schöpfung tun. Der Leiter des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums in Magdeburg muss es wissen. Seit Anfang des Jahres ist er in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) für die Umweltarbeit zuständig.
Aber auch die Kirchengemeinden und die Landeskirche sieht Döring in der Pflicht. So sei die EKM nicht nur ein großer Land- und Waldbesitzer, sie verfüge auch über einen Bestand von 5.600 Gebäuden. »Hier«, ist er überzeugt, »müssen wir eine Strategie zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes entwickeln.« Als weitere Handlungsfelder nennt er das Projekt »Lebensraum Kirchturm« oder das kirchliche Umweltmanagement »Grüner Hahn«.
Einige positive Ansätze gibt es bereits. So entsteht in Jena ab September ein neues Gemeindezentrum, das nicht nur über Erdwärme geheizt werden soll, sondern auch eine Photovoltaikanlage erhält. Die Kirchengemeinde ist aus Kostengründen nicht selbst der Betreiber, verpachtet jedoch das Dach. Ein Beweggrund sei die Bewahrung der Schöpfung und die Nutzung alternativer Energien gewesen, erklärt Kirchmeister Friedrich Bürglen.
Auch in Wittenberg bemüht sich die Stadtkirchengemeinde um einen bewussteren Umgang mit Energie. Ein Team aus Ehrenamtlichen hat sich des kirchlichen Umweltmanagements angenommen. Das Gemeindehaus St. Martin in Friedrichstadt solle endlich eine vernünftige Wärmeisolierung erhalten, berichtet Friedemann Ehrig vom Umweltteam. Er findet es wichtig, konkret etwas zu tun. »Die Menschen erwarten zudem, dass sich die Kirche bei solchen Themen zu Wort meldet.«
Doch trotz dieser Beispiele hat die mitteldeutsche Kirche einigen Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz. In den letzten sechs Jahren ist hier nur wenig passiert. »Faktisch war die Umweltarbeit auf Landeskirchenebene nicht mehr existent«, räumt Döring ein. Das soll sich nun ändern. Die Synode hat einen ständigen Ausschuss eingesetzt, der sich mit Fragen von Umweltschutz und Landwirtschaft befasst. Zudem gibt es seit Anfang des Jahres ein EKM-Umweltteam. Als erstes gemeinsames Projekt hat das Ökumenezentrum mit dem Baureferat eine Handreichung zur Nutzung regenerativer Energien in kirchlichen Gebäuden herausgebracht. Zwar gebe es bereits Kirchengemeinden, die eine Photovoltaikanlage auf ihrem Gemeindezentrum betreiben. Doch mit insgesamt 15 Anlagen falle die Bilanz eher bescheiden aus, findet der Umweltbeauftragte.
Aber auch inhaltlich gibt es neue Ansätze. Vom 1. September bis zum Erntedanktag sind die Kirchengemeinden eingeladen, die Bewahrung der Schöpfung unter dem Motto »Die Erde ist des Herrn« zum Thema zu machen. Mit dieser »Schöpfungszeit« greift die EKM einen Beschluss der Dritten Ökumenischen Versammlung in Sibiu auf. »Die Feier der Schöpfung und das Ringen um ihren Erhalt gehört in das Herz unseres Auftrages als Kirchen hier vor Ort und weltweit«, schreibt Landesbischöfin Ilse Junkermann im Begleitwort.
Es soll jedoch nicht bei der Theorie bleiben. Derzeit ist die Landeskirche dabei, eine ganze Kampagne vorzubereiten. »Klimawandel – Lebenswandel« heißt das ehrgeizige Vorhaben, das auch vor konkreten Zielen bei der CO2-Reduzierung nicht zurückschreckt. »Der Klimawandel ist eine der drängendsten Überlebensfragen«, sagt EKM-Kampaignerin Annelie Hollmann. Letztlich lasse er sich nur aufhalten, wenn die Verursacher der Krise, die Menschen in den reichen Industriestaaten, bereit seien, ihren Lebensstil zu ändern.
Das sieht auch Hans-Joachim Döring so. Es gehe heute um eine »Ökonomie des Genug«, ist er überzeugt. Der Umgang mit der Umwelt und die Erfahrung der eigenen Geschöpflichkeit biete zugleich die Chance, mit Nichtchristen über solche Fragen und die Ehrfurcht für das Leben ins Gespräch zu kommen. Denn letztlich gehe es in der Umweltarbeit neben dem »wichtigen Dämmen der Häuser« immer auch um das Öffnen von Herzen.
Martin Hanusch
Die Arbeitshilfe zur »Schöpfungszeit« gibt es im
Ökumenezentrum,
Leibnizstraße 4, 39104 Magdeburg,
Telefon (0391) 53 46-492,
E-Mail kerstin.hensch@ekmd.de.






