Wettstreit

21. Januar 2010 von redaktionguh  
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lutherDroht den Bundesländern Sach­sen-Anhalt und Thüringen ein Wettstreit im Blick auf das Lutherjubiläum 2017?

Wenn man manchen Berichten der jüngsten Zeit Glauben schenkt, hat das Rennen um die beste Ausgangsposition in der Reformationsdekade längst ­begonnen. Da werden die Lutherstädte Eisleben und Wittenberg plötzlich zu Konkurrenten von Wartburg oder dem Lutherstammort Möhra erklärt. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) tut gut daran, sich an solchen Streitigkeiten und Spiegelfechtereien nicht zu beteiligen. Ihr Augenmerk muss vielmehr auf die inhaltliche Ausgestaltung der nächsten Jahre gerichtet sein.

Mit Erfurt, Eisenach, Eisleben, Möhra, Torgau und Wittenberg vereint sie fast alle wichtigen Lutherstätten auf sich, lediglich Schmalkalden und Coburg zählen nicht zu ihrem Gebiet. Diese Fülle an authentischen Orten ist zweifellos ein großes Pfund, mit dem die EKM in der Lutherdekade wuchern kann.

Schon aus diesen Gründen muss der Kirche daran gelegen sein, dass die beteiligten Bundesländer im Blick auf das große Jubiläum intensiv zusammenarbeiten. Ansonsten besteht die Gefahr der Zersplitterung, die niemandem weiterhilft.

Natürlich haben die Länder, was den Tourismus betrifft, eigene Interessen.

Allerdings dürfte sich ein amerikanischer oder skandinavischer Tourist, der auf den Spuren Luthers wandelt, kaum von deutschen Ländergrenzen beeindrucken lassen. Er wird die Wartburg genauso sehen wollen wie das Geburtshaus in Eisleben oder das Schloss Hartenfels in Torgau. Das sollte auch den Verantwortlichen klar sein.

Den Kirchen kann es zudem nicht allein um eine touristische Vermarktung des Reformators gehen.

Im Mittelpunkt aller kirchlichen Bemühungen um das Jubiläum 2017 muss vielmehr die Bedeutung des Reformators für Kirche und Gesellschaft stehen und die Frage, was uns das heute, 500 Jahre danach, zu sagen hat. Im stark säkularisierten »Kernland der Reformation« ist das wohl Aufgabe genug.

Martin Hanusch