Von Anfang an dabei

24. Dezember 2014 von redaktionguh  
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Das Weimarer Rock-Urgestein »Kani« bereichert Feier »Weihnachten bei Sophie«

Gibt es etwas Schöneres, als anderen Menschen eine Freude zu bereiten?«, sagt Bernhard »Kani« Kanold (70) beim Gespräch im Weimarer Theater-Café. Seit über 50 Jahren steht das Urgestein der Rockmusik auf der Bühne. Dabei ist er nicht nur in der Klassikerstadt bekannt wie ein bunter Hund, sondern weit darüber hinaus. An ihm rockt sozusagen alles. Seine kompromisslose Begeisterung für diese Musik hat ihm zu finsteren DDR-Zeiten manches Verbot eingebracht. Kani ließ sich von alledem nie abschrecken. Er war immer nahe bei den Menschen. Ob in der Fußgängerzone oder im Café: Schnell greift er zur »Luftgitarre« und stimmt einen Song an. Der Rhythmus steckt in ihm. Sein Repertoire scheint unerschöpflich. Für jede Situation fällt ihm das passende Lied ein. Dazu gehört natürlich auch »Christmas Rock«. So ist er in diesem Jahr wieder dabei, wenn am Heiligen Abend unter dem Motto »Weihnachten bei Sophie« von der Weimarer Tafel und dem Falk-Verein zu einem Festessen mit Programm in den Saal des Sophienhauses eingeladen wird.

Der Altrocker brachte 2013 alle zum Mitsingen und sorgte für gute Stimmung. Foto: Maik Schuck

Der Altrocker brachte 2013 alle zum Mitsingen und sorgte für gute Stimmung. Foto: Maik Schuck

»Keiner bleibt einsam, wir feiern gemeinsam« – die Idee hierzu wurde bereits 1998 geboren. Kani erinnert sich, dass ihn damals der MDR-Moderator Willi Wild fragte, ob er einige Lieder vortragen könne. Am Anfang seien 20 Personen erschienen, inzwischen kommen mehr als 100. Der Rocker war sich schnell darüber im Klaren, dass zu einem solchen Abend eine echte Bescherung gehört. »Da sind doch viele Familien, die sich Weihnachtsgeschenke gar nicht leisten können!« Er fing mit dem Verteilen von Plüschtieren an, wollte aber bald mehr ermöglichen. So machte er sich auf die Suche nach Unterstützern und Sponsoren. »Ich kenne doch jeden Vierten in Weimar«, erzählt Kani lachend. Es sollten richtige Geschenke sein, nichts aus zweiter Hand, sondern wirklich neue Sachen. So besorgte er Kleidungsstücke, Kaffeemaschinen, Fahrräder oder Flachbildfernseher. Unvergesslich für ihn seien die leuchtenden Augen eines Mädchens aus der Ukraine, das an diesem Abend ihre erste Jeans erhielt. Natürlich wisse er, dass er nicht alle Teilnehmer mit hochwertigen Geschenken beglücken könne, »aber die besonders Bedürftigen sollten einmal diese Freude verspüren«.

Um dies zu bewerkstelligen, scheut Bernhard Kanold keinen Aufwand. So gelang es ihm im Juli, die Bühne des Sommertheaters, die um das Goethe-Schiller-Denkmal gebaut worden war, für ein Benefizkonzert zu erobern. Er ließ nicht eher locker, bis ihm DNT-Intendant Hasko Weber grünes Licht gab und alle zuständigen Ämter ihre Zustimmung erteilten. Die für Goethes »Reineke Fuchs« errichtete Spielstätte platzte fast aus den Nähten!

Kani schwärmt vom guten Miteinander aller Beteiligten, die seit Jahren »Weihnachten bei Sophie« gestalten. So ließ sich bald der in Weimar geborene Schauspieler und Fernsehstar Thomas Thieme gewinnen. MDR-Moderator Paul Andreas Freyer vom Falk-Verein sorgt für einen abwechslungsreichen Ablauf, die hochbetagte Kantorin Ebba Wachler begleitet Weihnachtslieder am Flügel und das Leonardo-Hotel stiftet ein schmackhaftes Festmenü.

Jedes Los ein Gewinn, heißt es bei der Tombola, für die viele Geschäfte und Einrichtungen Jahr für Jahr ihren Beitrag leisten. Am Heiligen Abend soll schließlich keiner leer ausgehen!

Michael von Hintzenstern