Jetzt ist Schluss!

2. Februar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Wann ist Weihnachten vorbei? Je nachdem. Für die einen nach dem 2. Weihnachtsfeiertag, für die anderen am 6. Januar. In diesem Jahr endete die Weihnachtszeit am 27. Januar. Ab 2019 konstant am 2. Februar. Warum? Ein Blick in den kirchlichen Festkalender.

Was den Beginn der Weihnachtszeit anbetrifft, herrscht Klarheit. Wenn uns Mitte Oktober oder gar schon Ende September in den Supermärkten bunt eingewickelte Schokoladenweihnachtsmänner und Pfefferkuchenherzen anlachen, empören sich Christen: Das ist zu früh! Der Weihnachtsfestkreis beginnt am 1. Advent und nicht, wenn die Schokoladenindustrie und der Handel den Umsatz ankurbeln wollen.

So eindeutig der Beginn der Weihnachtszeit ist, so unterschiedlich sind die Auffassungen über deren Ende. Die meisten wissen nicht so recht, wann sie den Herrnhuter Stern und die Lichterketten abhängen sollen. Manche halten den Dreikönigstag am 6. Januar für das Ende von Weihnachten, andere Lichtmess am 2. Februar.

Richtig ist: Bisher markierte der Sonnabend vor dem Sonntag Septuagesimä das Ende der Weihnachtszeit, also jährlich zu einem anderen Zeitpunkt. Mit dem Kirchenjahr 2018/19 ändert sich diese Ordnung der evangelischen Kirchen, erklärt Professor Alexander Deeg, Leiter des Liturgiewissenschaftlichen Instituts in Leipzig. »Die Idee war, die Epiphanias- beziehungsweise Weihnachtszeit ›stabil‹ zu halten. Als Termin bot sich der 2. Februar an«, so der Theologieprofessor. Damit also jeder weiß, wann die erzgebirgischen Holzkrippen und die Lauschaer Glaskugeln in Kartons gehören, und der Termin nicht jährlich variiert, steht ab 2019 fest: Die Weihnachtszeit endet konstant am 2. Februar.

Weihnachten ist gegessen, der Osterhase steht in den Startlöchern … Fotos: Lars Koch–stock.adobe.com/Montage: Adrienne Uebbing

Weihnachten ist gegessen, der Osterhase steht in den Startlöchern … Fotos: Lars Koch–stock.adobe.com/Montage: Adrienne Uebbing

Die Termine für Weihnachten und Epiphanias stehen fest im Kalender: 25. Dezember und 6. Januar. Der Ostertermin aber ändert sich von Jahr zu Jahr. Er ist abhängig vom ersten Frühlingsvollmond, der in diesem Jahr am 31. März ist. Am Tag darauf, ein Sonntag, feiern wir Ostern. Der Ostersonntag ist immer der erste Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Der Frühlingsvollmond ist der erste Vollmond nach dem 20. März. Der Termin liegt jährlich zwischen dem 21. März und dem 19. April. Damit ist das frühestmögliche Osterdatum der 22. März, das späteste der 25. April. Wenn das Osterdatum variiert, entfallen unterschiedlich viele Sonntage auf die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern. Die sechs Passionssonntage vor Ostern wiederum – Invokavit, Reminiszere, Okuli, Lätare, Judika, Palmarum – stehen fest. Bisher gab es vor Invokavit drei feste Sonntage vor der Passionszeit: Septuagesimä, Sexagesimä und Estomihi.

Je nachdem, ob Ostern auf einen früheren oder späteren Termin fällt, dauert die Epiphaniaszeit mal länger, mal kürzer. Der letzte Sonntag nach Epiphanias, der die Weihnachtszeit abschließt, lag bisher immer vor Septuagesimä. Weihnachten endete also bisher am Sonnabend vor Septuagesimä. Das ist ab dem nächsten Kirchenjahr, das am 1. Advent 2018 beginnt, neu: Der Weihnachtsfestkreis schließt zu Lichtmess. Im Bewusstsein vieler Menschen ist der »Tag der Darstellung des Herrn« als Ende der Weihnachtszeit fest verankert. Das für diesen Tag vorgesehene Evangelium Lukas 2,22–24(25–35) berichtet, wie Jesus 40 Tage nach der Geburt in den Tempel gebracht wird, »um ihn dem Herrn darzustellen«.

Wie Alexander Deeg ergänzt, geht der Begriff Lichtmess zurück auf den mittelalterlichen Brauch, die bei Prozessionen und Umzügen mitgetragenen Kerzen zu weihen. In der Reformationszeit sei an Lichtmess als dem Abschluss des Weihnachtfestkreises festgehalten worden. Zudem kennzeichnete das Datum auch den Beginn des bäuerlichen Jahres. In vielen katholischen Gemeinden würde Lichtmess als das offizielle Ende der Weihnachtszeit angesehen, so der Theologe, auch wenn nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil Weihnachten bereits mit dem ersten Sonntag nach Epiphanias abschließt. Wenn nun auch für die evangelischen Kirchen Weihnachten mit Lichtmess seinen Abschluss findet, werde an ökumenische Traditionen angeknüpft. Und last not least, es wird in einer Zeit, in der alles beliebig ist, aber kaum jemand weiß, woran man sich halten kann, ein Fixpunkt gesetzt, der Orientierung schenkt.

Sabine Kuschel

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Aus dem Hause Davids

7. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kommentar

Comments Off

Ich muss noch einmal auf die Weihnachtsgeschichte zu sprechen kommen. Das ist nicht zu spät, früher dauerte die liturgische Weihnachtszeit bis zum 2. Februar. Hintergrund meiner Rückblende ist die Frage einer Leserin: Warum wird im Lukas-Evangelium erwähnt, dass Josef aus dem »Hause und Geschlechte« Davids war und Jesus somit der in den Weissagungen erwähnte Sohn Davids sei? Jesus ist aber doch nicht Josefs Sohn? Das stimmt!

Man ist sich heute weitgehend einig, dass »nach dem Fleisch« eindeutig die physische Abstammung meint. Dadurch kommt tatsächlich nur Marias Stammbaum in Frage. Sie stammt direkt aus dem Geschlecht Davids, aus der königlichen Linie durch Davids Sohn Salomo. Während Joseph aus einer anderen Linie kam, die bei Davids Sohn Nathan ihren Ausgang nahm.

Die Weihnachtsgeschichte, so wie wir sie heute kennen und lieben ist nicht so geschehen, wie in der Bibel überliefert. Zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten weisen die Schilderungen auf. Sie hat sich in den ersten Jahrhunderten nach Jesu Geburt gewissermaßen entwickelt. Erst im zweiten Jahrhundert kommen die Könige ins Spiel. Hundert Jahre später wurden Anzahl und Namen der »Weisen aus dem Morgenland« hinzugefügt.

Wenn nun scheinbar aber nichts an der Darstellung der Geburt Jesu zusammenpasst, warum übt die Weihnachtsgeschichte auf der ganzen Welt immer noch eine derartige Faszination aus? Weil, wie ich es in einer Predigt Heiligabend gehört habe, die Weihnachtskrippe ein Sehnsuchtsort ist. Wir sehnen uns nach Geborgenheit, Frieden und nach einem Retter: »Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids« (Lukas 2, Vers 11).

Willi Wild

Kulturerbe mit O

1. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Kultur vor Ort

Comments Off

»O du fröhliche«: Das Weihnachtslied soll in die Unesco-Liste aufgenommen werden

Das berühmte Weihnachtslied »O du fröhliche« von Johannes Daniel Falk (1768–1826) soll in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen werden. Das zumindest wünscht sich der Johannes-Daniel-Falk-Verein aus Weimar und hat eine Bewerbung bei der Thüringer Staatskanzlei eingereicht.

An dem mehrstufigen Auswahlverfahren sind die Bundesländer, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Auswärtige Amt und die Deutsche Unesco-Kommission beteiligt.

Der Falk-Verein um Paul Andreas Freyer hat eine Hürde genommen: Die Bewerbung des Vereins wurde von der Thüringer Jury fachlich begutachtet und akzeptiert. Bis April kann Thüringen dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz bis zu vier Vorschläge benennen. Welche das sind, darüber soll im Januar entschieden werden.

Auf Basis der Vorschläge aller 16 Bundesländer erstellt das Sekretariat der Kultusministerkonferenz eine Liste, die einem Expertenkomitee der Deutschen Unesco-Kommission vorgelegt wird. Unabhängige Experten prüfen und bewerten die Dossiers; das soll im Sommer geschehen. Die Kultusministerkonferenz und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigen abschließend die Experten-Empfehlungen. So entsteht ein bundesweites Verzeichnis, aus dem kulturelle Ausdrucksformen bei der Unesco eingereicht werden können. Diese entscheidet dann über die Aufnahme. Wie die Entscheidung auch ausfällt: Gäbe es die Charts der deutschen Weihnachtslieder, würde »O du fröhliche« auf Platz eins stehen. Es wird in evangelischen und katholischen Kirchen gesungen, oft ist es das Abschlusslied im Heiligabend-Gottesdienst.

Ein Lied für arme Waisenkinder

Johannes Daniel Falk, geboren am 28. Oktober 1768 in Danzig, wurde in ärmlichen Verhältnissen groß. Der Stadtrat stiftete ihm ein Stipendium für ein Studium in Halle. Er soll mit den Worten verabschiedet worden sein: »Wenn dereinst ein armes Kind an deine Tür klopft, dann wisse, dass wir es sind, die alten, grauen Bürgermeister von Danzig. Weise sie nicht von deiner Tür!«

Doch zunächst widmete sich Falk der weltlichen Fröhlichkeit. Er brach das Theologie-Studium ab, dichtete Satiren und zog als Privatgelehrter nach Weimar. Dort wurde sein diplomatisches Geschick gelobt. 1813 aber wurde ein bitteres Jahr: Innerhalb weniger Wochen verlor er vier seiner sieben Kinder durch Typhus. Kurze Zeit später soll ein zerlumpter Waisenjunge vor seiner Tür gestanden haben. In diesem Moment habe er sich an die Worte des Danziger Stadtrates erinnert und nahm das Kind auf. Die gute Tat sprach sich herum, und so kamen immer mehr Kriegswaisen. Für sie dichtete er »O du fröhliche« – allerdings nur die erste Strophe. Sein Gehilfe Heinrich Holzschuher schrieb später die beiden anderen heute bekannten Strophen.

1816 soll Falk das »O du fröhliche« geschrieben haben, heißt es im Evangelischen Gesangbuch. Doch 2015 gab Paul Andreas Freyer vom Falk-Verein bekannt, dass das Lied offenbar älter ist. Der Kirchenhistoriker Herbert von Hintzenstern hatte recherchiert, dass Falk es vermutlich im Advent 1815 geschrieben hat, damit es 1816 im Lehrkalender für seine Zöglinge seiner Sonntagsschule erscheinen konnte. In Falks Jahresbericht für 1816 war »O du fröhliche« in der Liste der Lieder erwähnt, die die Kinder auswendig singen mussten. Aber die Ur-Handschrift des Textes fehlt bis heute, sagt Freyer. Der Nachlass von Falk sei in großen Teilen nicht gesichtet.

(epd/G+H)

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wenn der Weihnachtsmann die Fäuste schwingt

1. Januar 2018 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Kooperation: EKM und Bauhaus-Universität Weimar initiieren Wettbewerb zum Fest der Liebe

Die Aktion »Weihnachten geht weiter« der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist auch in diesem Jahr wieder gestartet worden. Dabei soll, so die Initiatoren, zum Nachdenken über folgende Fragen angeregt werden: Was bleibt, wenn die Weihnachtsfeiertage vorbei sind? Wie prägt die Botschaft des christlichen Festes den weltlichen Alltag? Karsten Kopjar, der die Aktivitäten der EKM in den sogenannten sozialen Medien koordiniert, zur Intention der Aktion: »Wir möchten damit zeigen, dass die Weihnachts-Botschaft weit hinausgeht über die drei Feiertage im Dezember.«

Weihnachten geht weiter: Wolfgang Kissel (links), Professor für Medien-Ereignisse, hat sichtbar Vergnügen am Beitrag von Christoph Stötzer. Foto: Maik Schuck

Weihnachten geht weiter: Wolfgang Kissel (links), Professor für Medien-Ereignisse, hat sichtbar Vergnügen am Beitrag von Christoph Stötzer. Foto: Maik Schuck

Konkret bedeutet das, dass ab Heiligabend bis zum 10. Januar 14 Kurzfilme des EKM-Kooperationsprojekts »Christmas Shorts« online zu sehen sein werden. Produziert wurden die Videoclips von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar im Rahmen eines Wettbewerbs. Die Filme von 90 Sekunden Länge sollen die Botschaft von Weihnachten individuell und kritisch unter die Lupe nehmen und aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachten, so die Anforderung.

Entstanden sind kurze Dokumentar-, Spiel- und Animationsfilme. Eine Studentin beispielsweise hat am 24. Dezember Geburtstag und beschäftigt sich in ihrer Videosequenz mit den Schwierigkeiten und Konflikten, die sich daraus ergeben. In einer Kurz-Komödie geht es um den »Wahnsinn« der Weihnachtszeit oder einen prügelnden Weihnachtsmann. In einem Film fragt sich ein kleiner Junge, warum
sein Vater Weihnachten arbeiten muss.

Eine Jury der EKM bestehend aus Vertretern der Evangelischen Jugend, kirchlicher Einrichtungen, Theologen, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Journalisten hat die Kurzfilme bewertet und wird die besten drei Arbeiten auszeichnen.

Auf ihrer Internetseite präsentiert die EKM die Videos und die Zuschauer können mit abstimmen, indem sie ihren Lieblingsclip bewerten. Bekanntgegeben werden die Ergebnisse am 12. Januar 2018.

Um auf die Aktion hinzuweisen, werden Postkarten in vielen Kirchengemeinden beim Heiligabendgottesdienst
verteilt.

(G+H)

www.weihnachten-geht-weiter.de

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

600 Baumanhänger aus Porzellan

25. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Foto: Thomas Klitzsch

Foto: Thomas Klitzsch

Das Ergebnis ihrer Arbeit im Museum Porzellanikon in Selb (Oberfranken) präsentieren Schüler aus Wittenberg und Selb in der Wittenberger Schlosskirche. Im Herbst hatten die Schüler Christbaumschmuck aus Porzellan gefertigt. Jetzt haben sie damit den Christbaum der Schlosskirche geschmückt (Foto). Die Engel, Sterne oder auch kleine Luther-Köpfe waren vorher in den Öfen des Unternehmens Rosenthal gebrannt worden. Auch die Tanne kommt übrigens aus dem Fichtelgebirge. Traditioneller Baumschmuck samt Christbaum aus Oberfranken war in der Vergangenheit bereits am Dienstsitz des Bundespräsidenten in Berlin oder im EU-Parlament in Straßburg zu bewundern.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Vom Friede-Freude-Eierkuchen-Landkreis »Heile Welt«

24. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

Philipper 4, Verse 4-5

Willkommen in Friede-Freude-Eierkuchen-Landkreis Heile Welt. Das gelbe Ortsschild markiert den Eingang. Der Weg hinein in das perfekte Dorf, die perfekte Stadt, das perfekte Haus. So, wie jeder und jede es mag: mit ohne Spitzendeckchen, mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche« … Landkreis »Heile Welt«. Harmonie, Liebe und Frieden erfüllen jedes Haus. Der Duft von Eierkuchen erreicht die Nasen der Kinder.

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Das gelbe Ortsschild thront nicht an einem festen Ort, aber das heißt nicht, das es nicht real ist. Wie oft steht es vor einzelnen Häusern – offensiv zur Schau gestellt, vielleicht durch leuchtende Rentiere oder einen reich geschmückten Weihnachtsbaum. Wie oft ist das Schild klein, unauffällig auf den Tisch gelegt – neben den gestärkten Servietten, bescheiden, aber sichtbar. Freuet euch – es ist der heilige Abend. Weihnachten ist da! Es ist das Fest des Friedens, der Freude, der Eierkuchen. Abermals sage ich: Freuet euch!

Ich fahre im Auto und sehe die Rückseite des gelben Schildes: Friede-Freude-Eierkuchen – durchgestrichen mit einer dicken roten Linie. Ja, hier endet sie, die »Heile Welt«. Hier beginnt die Normalität. Der nächste Ort? Ramsin – Roitzsch – Holzweißig. Ganz normal – mit ohne Spitzendeckchen, mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche«.

Nicht immer so, wie jeder und jede es mag, sondern vermag. Landkreis »Unheile Welt«. Am ersten Weihnachtsfeiertag flimmern einige Lichter des Rentieres; die ersten Kugeln des geschmückten Weihnachtsbaumes sind zerbrochen; die Servietten im Wäschekorb. Der Friede währte nur kurz, die Freude ist weniger geworden, die Eierkuchen verbrannt. Ich fahre durch die Orte. Der Herr ist nahe – heute, hier in diesem Haus; in den Orten des Landkreises »Unheile Welt«. Heute ist der heilige Abend. Mit ohne Adventskranz, mit ohne »Last christmas«, mit ohne »O du fröhliche«. Willkommen in der heilen unheilen Welt. Freuet euch, ihr in der unheilen Welt: Der Herr ist nahe!

Anna Mittermayer, Pfarrerin in Sandersdorf-Brehna

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Der Countdown läuft

24. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Von Predigtgedanken, Fußballfreunden, Sauerkraut und Kirchenglocken: Ein Gedankentagebuch des Schlotheimer Pfarrers Frank Freudenberg in den Tagen vor Weihnachten, im vergangenen Jahr.

Aufgezeichnet von Katharina Freudenberg

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

7.42 Uhr: Ein heißer Tee wärmt mir den Magen. Dann bringe ich unsere beiden Kinder zum Kindergarten.
8.04 Uhr: Großes Gewusel im Gemeindebüro. Es gibt noch viel zu organisieren: Die Liederhefte für die Gottesdienste müssen noch in die Ortschaften gelangen. Drängende Frage: Reichen die Präsente als Dank für die Krippenspielkinder?

9.35 Uhr: Den Urlaubsantrag für die Tage nach Weihnachten muss ich noch schnell ins Kirchenkreisbüro schicken.

22. Dezember, morgens im Gemeindebüro: Die Liederhefte für die Christvespern werden sortiert. Fotos: Katharina Freudenberg

22. Dezember, morgens im Gemeindebüro: Die Liederhefte für die Christvespern werden sortiert. Fotos: Katharina Freudenberg

9.45 Uhr: Am Schreibtisch angekommen setzte ich mich an die Predigt. Der Kerngedanke ist mir schon lange im Sinn: »Fürchtet euch nicht!« Wovor fürchten wir uns heute? Jetzt, nach dem Anschlag in Berlin liegt das Thema ganz oben auf. Es gibt so viele Ängste.

12.01 Uhr: Mitarbeiterweihnachtsessen in Sondershausen: Wir halten Rückblick auf das vergangene Jahr. Ich genieße den Moment der Besinnung. Es ist ein ereignisreiches Jahr gewesen. Ohne diese Zeiten des Innehaltens rast es einfach weiter.

14.24 Uhr: Einige Besorgungen liegen noch an: diverse Weihnachtsgeschenke und ein Kreativkoffer für die Christenlehre.

16.10 Uhr: Weihnachtsfeier des Fußballinternats, mit dem die Kirchengemeinde zusammenarbeitet. Angeregtes Gespräch mit einem ehemaligen Trainer über das anstehende Reformationsjubiläum und die Bewertung Martin Luthers in der evangelischen Kirche. Er ist überhaupt kein Kirchgänger, aber dennoch sehr interessiert.
17.05 Uhr: Nun ist es Zeit, den morgigen Gottesdienst im Seniorenheim vorzubereiten. Habe ich alle Weihnachtspräsente für die Senioren?
18.03 Uhr: Abendessen mit der Familie

20.01 Uhr: Zurück am Schreibtisch: aktuelle Zeitungslektüre. Erstaunlicherweise findet sich das weihnachtliche Motiv »Fürchtet euch nicht« in etlichen Zeitungskommentaren. Mir gehen einzelne Menschen durch den Kopf und wie sie das »Fürchtet euch nicht« wohl hören werden. Menschen zum Beispiel, deren Emotionen hochkochen, wenn sie das Wort »Geflüchtete« hören. Ich denke auch an manche Gemeindeglieder, die ein geliebtes Familienmitglied im vergangenen Jahr verloren haben. Und es gab schwere Schicksalsschläge.

Die Krippe der Pfarrersfamilie Freudenberg im Schlotheimer Pfarrhaus. Fotos: Katharina Freudenberg

Die Krippe der Pfarrersfamilie Freudenberg im Schlotheimer Pfarrhaus. Fotos: Katharina Freudenberg

10.01 Uhr: Gottesdienst im Seniorenheim: Wir singen schon mal die Weihnachtslieder, denn die meisten der Senioren können nicht in die Kirche kommen. Angeregte Stimmung, viele Redebeiträge. Jeder Gottesdienstteilnehmer bekommt ein kleines Geschenk zum Abschied. Jetzt geht’s los auf die Stationen – zu den Menschen, die das Bett nicht mehr verlassen können. Auch sie sollen einen kleinen Gruß bekommen.

12.15 Uhr: Problem. Der Josef ist uns abhandengekommen. Schon zur Generalprobe war er nicht da und seine Handynummer stimmt offensichtlich nicht mehr. Ärger steigt in mir hoch. Krippenspiel ohne Josef – das geht nicht. Im Team beraten wir, wer spontan einspringen könnte. Ich vielleicht? Ich telefoniere rum. Wer hat Josef gesehen? Ob Maria damals wohl auch solche Schwierigkeiten hatte?

14.03 Uhr: Besuch zum 91. Geburtstag eines Gemeindeglieds im Nachbardorf. Früher hat sie sich immer um das Krippenspiel gekümmert. Die Tochter der Jubilarin trällert ein Lied­chen.

15.27 Uhr: Im Seniorenheim: Plötzlich steht der Josef da. Er konnte zu den letzten Proben nicht kommen, sein Telefon war kaputt. Aber jetzt ist er da. Erleichterung macht sich breit. Erst recht als die Aufführung doch besser lief als befürchtet und ich nicht in die Rolle des Josef schlüpfen musste. Das Kostüm hatte ich schon dabei.

16.45 Uhr: Am Heiligabend soll es wie jedes Jahr ein traditionelles Weihnachtsgericht bei uns zu Hause geben. Genau das gleiche, mit dem ich aufgewachsen bin. Die Bratwürste sind schon besorgt. Aber das Sauerkraut und die Kartoffeln für die Klöße fehlen noch. Also schnell in den Supermarkt, auch wenn es um diese Zeit kein Spaß ist, sich durch die Gänge zu schieben.

17.45 Uhr: Was sein muss, muss sein – ab zum Fußballtraining der Alten Herren. Nach Möglichkeit lasse ich keine der wöchentlichen Trainingszeiten aus. Sonst bewegt man sich ja gar nicht mehr – und die Jungs in der Mannschaft hab ich einfach gern. Manchmal sagen sie, dass in der Mannschaft, in der ich mitspiele, noch einer mehr dabei ist und zeigen dabei augenzwinkernd Richtung Himmel.

19.54 Uhr: Ein Gutenachtlied für die Kinder.

20.15 Uhr: Mein Magen knurrt. Damit mein Gehirn noch arbeitstüchtig bleibt, brauche ich dringend etwas zu Essen. Meine Frau hat die Suppe schon warmgemacht.

20.40 Uhr: Die Endfassung der Predigt steht an.
8.43 Uhr: Erste wichtige Aufgabe des Tages: den Weihnachtsbaum aufstellen. Nachdem er schon ein paar Tage draußen im Kalten gewartet hat, darf er nun in die gute Stube. Rein in den Baumständer, noch ein bisschen ausrichten und schon können die Kinder mit dem Schmücken beginnen.

9.54 Uhr: Ein Freund bringt uns den Weihnachtsbraten – er hat das Reh am Vortag erst geschossen. Das wird ein Fest!

11.44 Uhr: Die Nudelsuppe können wir noch alle zusammen essen, bevor wir am Nachmittag in verschiedene Kirchen aufbrechen.

13.15 Uhr: Mein Schwager trifft ein, um die Kinder zu hüten.

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

Illustrationen: kirche.nelcartoons.de

15.01 Uhr: Christvesper mit kleinem Krippenspiel. Das Glockenläuten bringt mich zur Ruhe. Ich bin aber eindeutig zu warm angezogen, denn die fürsorglichen Kirchenältesten haben einen Gasheizer direkt neben meinem Platz aufgestellt; Nebeneffekt: der Gasheizer raubt mir den Sauerstoff, ich muss gähnen. Nun ist das Vorspiel vorbei, ich bin dran. Hoffentlich kann ich die Erwartungen, mit denen die vielen Menschen jetzt in der Kirche sitzen, gut aufnehmen und in Worte fassen.

Mit dem »Gloria« des Kirchenchors kommt Weihnachtsstimmung auf. Am Ausgang dann die persönliche Verabschiedung: Ich sehe viele Menschen, die schon lange nicht mehr hier wohnen, aber zu Weihnachten zu ihren Ursprüngen zurückkehren. Da sind die stolzen Omas, die ihre Kinder beim Krippenspiel bewundert haben. Ich drücke auch die Hände derer, von denen ich weiß, dass bei ihnen in diesem Jahr ein Stuhl leer bleibt. Und natürlich sind da auch die freudestrahlenden Kinder, die es kaum erwarten können, dass es nun endlich zur Bescherung geht.

16.30 Uhr: Christvesper mit Krippenspiel im nächsten Dorf: Zum Glück komme ich frühzeitig an. Ich muss sehen, dass ich noch kurz mit dem Organisten sprechen kann. Dann geht es auch schon los. Bei der Predigt steige ich auf die Kanzel. Das mache ich im restlichen Jahr nie. Bei den Anspielungen auf die Geflüchteten erahne ich in einigen Gesichtern Widerspruch. Aber es bleibt bei der Ahnung, am Ausgang spricht mich niemand darauf an.

18.39 Uhr: Zum Glück komme ich zwanzig Minuten vor Beginn der nächsten Christvesper an. Die Krippenspielkinder sind unglaublich aufgeregt. Auch Josef ist da – puuh! Jetzt geht es darum, für Ruhe zu sorgen, jedes Kind braucht seinen Platz. Wichtig ist auch ein letzter Technik-Check. Mein Blick streift durch das Kirchenschiff. Fast alle Plätze sind bereits besetzt. Wie schön, einige Gesichter zu sehen, die sonst nicht kommen. Am Ende dann »O du Fröhliche« im Stehen – es erinnert mich an die Weihnachtsgottesdienste meiner vogtländischen Kindheit.

19.42 Uhr: Zu Hause angekommen. Der Duft von Bratwurst, Klößen und Sauerkraut strömt mir schon auf der Treppe in die Nase. Die Kinder kommen mir freudestrahlend entgegengerannt. Ich muss schnell die langen Unterhosen loswerden und mir ein frisches Hemd anziehen. Dann kann der Weihnachtsabend beginnen.

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Wir bekommen ein Kind

22. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Mitteldeutschland

Comments Off

Weihnachtsbetrachtung von Landesbischöfin Ilse Junkermann

Ein Krippenspiel ohne Kind, das geht gar nicht! Zur Generalprobe stapft die siebenjährige Maria mit ihrer großen Babypuppe unterm Arm nach vorn und legt sie beherzt in die Krippe. Da treten alle theologischen Einwände von wegen Licht als Symbol für das Kind in den Hintergrund. Ob wir wollen oder nicht: Wir bekommen ein Kind. Das ist Weihnachten. Das sollen auch alle sehen!

Aber warum ein Kind? In der Geschichte von Dietrich Mendt »Die Erfindung der Weihnachtsfreude« kommt Gott Vater nebst Thronrat und Erzengeln zu dem Schluss: Der Messias soll weder ein machtvoller König noch ein markanter Prophet sein. Ein Kind soll er sein, denn über ein Kind, da freuen sich die Menschen richtig!

Altarretabel Kirche St. Jakobus, Rottenbach, Saalfelder Werkstatt 1498, Detail Christuskind (Evangelische Kirchengemeinde Königsee-Rottenbach, Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) Foto: Ulrich Kneise

Altarretabel Kirche St. Jakobus, Rottenbach, Saalfelder Werkstatt 1498, Detail Christuskind (Evangelische Kirchengemeinde Königsee-Rottenbach, Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld) Foto: Ulrich Kneise

Ein ganz normales Kind und zugleich ein besonderes Kind, denn sein Vater ist Gott. Das ist das Geheimnis von Weihnachten, Gott wird ein Mensch!

Diesem Geheimnis sind unzählige Darstellungen vom Christuskind auf der Spur, auch das Christuskind aus der Rottenbacher Jakobuskirche im Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld. Es ist ein besonderes Christuskind mit einem besonderen Ausdruck.

Da ist zuerst: Nackt und bloß schaut es in die Welt. Es braucht keine Kleider, wie sie sonst »Leute machen«. Es ist schon wer. Es muss sich nicht über äußere Pracht hervorheben. Es muss auch nicht etwas bemänteln oder retuschieren.

Darin liegt Segen über der Welt. Die Segensgeste der rechten Hand, wie beiläufig erhoben, unterstreicht das: Vor Gott, als Gotteskind musst Du Dich nicht verstellen. Gott will nichts aus sich machen oder etwas hermachen. Wie könnte er das besser ausdrücken als so: als Kind, nackt und bloß.

So ist das Christuskind wer: Selbstbewusst, aufrecht, fast schelmisch schaut es in die Welt. Offen und direkt geht es in Blickkontakt, mit seiner ganzen Person Aufmerksamkeit. Und bringt so Gottes Botschaft: Du Menschenkind, vor mir brauchst Du nichts aus Dir zu machen. Du bist wer. Denn ich bin Mensch an Deiner Seite Mensch. Wie Du, wie jedes Neugeborene komme ich nackt und arm zur Welt. So schaue ich Dich an, Du Menschenkind: Sag ja zu Deinem Menschsein, leg alle Verkleidungen ab, lass die Anstrengungen um Anerkennung sein. Sei lieber ein bisschen heiter und schelmisch.

Deshalb ein Kind: Gott blickt freundlich auf mich. Darin liegt Segen. Gottes Blick macht mich frei. Da muss ich nichts mehr aus mir machen; oder mich danach richten, wie andere auf mich blicken und mich beurteilen. Da kann ich friedlich, ja, auch heiter, mit mir und anderen umgehen.

Und auf Friedlichkeit setzt Gott für die ganze Welt. Dieses wehrlose und verletzliche Kind hält die Welt in seiner linken Hand. So zeigt uns Gott den Weg zum Frieden. Er macht sich wehrlos, hilflos, bloß jeglicher Kennzeichen von Macht oder Pracht oder militärischer Gewalt. Friede wird auf der Welt durch Freiheit von Gewalt.
Wie geht das? Die Wirkung eines hilflosen Kindes ist erstaunlich. Lacht es, freuen wir uns mit; weint es, wollen wir es fürsorglich beruhigen. Ein Kind aktiviert das Schönste, was Gott in uns hineingelegt hat – Fürsorglichkeit und Mitgefühl, Liebe. Deshalb ein Kind.

Aber ist das nicht naiv, darauf zu setzen? Und gefährlich? Ja! So sehr ein Kind das Beste in uns weckt – Liebe, Zärtlichkeit – so sehr ist es gefährdet.

Eine andere Maria geht mir nicht aus dem Kopf, sieben Jahre alt. Im Kinderhospiz in Tambach-Dietharz bin ich ihr dieses Jahr begegnet. Ihr leiblicher Vater hat sie als Säugling so schlimm geschüttelt, dass sie seitdem mehrfach behindert ist. Ihr ist fast alles an Entfaltung genommen. Bei Pflegeeltern lebt sie nun, immer wieder von schlimmen Anfällen geplagt.

Als Kind, zerbrechlich und ausgeliefert, angewiesen auf Hilfe, so gibt sich Gott dieser Welt hin. Ja, das ist riskant. Die Liebe riskiert es. Die Liebe Gottes riskiert alles, um in uns Liebe zu erwecken, damit wir IHM wieder ähnlicher werden.

Gott riskiert es immer wieder. In jedem Kind und in jedem Verfolgten, in jedem Armen und in jedem Leidenden – Gott schaut uns an und braucht uns mit unseren schönsten Eigenschaften: Fürsorglichkeit und Mitgefühl, Liebe.

So finden wir uns nicht damit ab, dass in unserem Land jedes fünfte Kind unter Armut leidet, und dass weltweit täglich 800 Kinder nur deshalb sterben, weil sie keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Wenn wir Gott dienen wollen, dann in diesen Kindern. Auch deshalb ein Kind.

Und schließlich: Auch deshalb ein Kind, damit die, die keine Zukunft haben, Zukunft erhalten; damit wir, die oft aufgeben wollen und sich abfinden mit dem, wie die Welt eben ist, sich wieder aufrecht hinsetzen und dem Kind folgen.

Ein Kind, das ist auch ein Bild des Anfangs. Ein Anfang, den wir immer wieder suchen und aufnehmen können. Das Kind ermuntert uns: »Jede Minute kann etwas ganz Frisches und Neues beginnen.« So schaut uns das Kind an und träumt in uns vom neuen Anfang, vom Neu-geboren-Werden. Auch darum ein Kind.

Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland


Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Christbaum aus dem Kirchenwald

18. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Blickpunkt

Comments Off

Alle Jahre wieder im Advent beginnt in den Wäldern das Schlagen von Weihnachtsbäumen. Wer selbst die Axt anlegt, wird mancherorts zu Glühwein und einem zünftigen Imbiss eingeladen.

Weihnachtsbäume aus heimischen Wäldern haben in Thüringen eine lange Tradition. Über Generationen holten sich vor allem die Bewohner der waldreichen Bergregionen ihren Christbaum selbst aus dem Wald. Damit kam zum Fest stets ein frisches Exemplar in die gute Stube. Der alte Brauch erfreue sich mittlerweile wieder zunehmender Beliebtheit, sagt Horst Sproßmann vom ThüringenForst: »In einigen Orten ist das Baumschlagen bei Glühwein und Bratwurst oft ein Event für die ganze Familie.«

Auch auf kirchlichen Waldflächen wird so manche Fichte für das Weihnachtsfest geschlagen. Mit etwa 6 000 Hektar entfällt knapp die Hälfte des Kirchenforstes in der mitteldeutschen Kirche auf Thüringen, das wiederum zu einem Drittel mit Wald bedeckt ist – insgesamt mit mehr als 550 000 Hektar. Zu den rund 800 Hektar kirchlicher Waldflächen in Ostthüringen gehören 270 Hektar des Schleizer Geistlichen Hilfsfonds, der bereits am Heiligabend 1605 errichtet wurde. Seither sind die Überschüsse aus der Waldwirtschaft des Fonds jeweils zur Hälfte für kirchliche und für schulische Aufgaben bestimmt. Gelegentlich sei er dabei gewesen, um in diesem Stiftungswald Christbäume für die Kirche zu schlagen, erinnert sich Pfarrer Andreas Göppel. Als er vor einigen Jahren aus Sachsen-Anhalt in die kleine Gemeinde Tanna im Grenzland zu Sachsen und Bayern wechselte, sei es für ihn etwas Neues gewesen, selbst die Axt mit anzulegen.

Gleichwohl seien Christbäume aus dem Kirchenwald in Kirchengemeinden oder Gemeindehäusern eher die Ausnahme, sagt Kirchenoberforsträtin Susann Biehl vom Erfurter Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Als wichtigsten Grund für die Zurückhaltung vermutet sie das Austrocknen der zumeist verwendeten Fichten in geheizten Räumen und das damit verbundene frühzeitige Verlieren der Nadeln.

Aktuelle Trends: Die Nachfrage nach kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter nimmt zu. Außerdem spielt Regionalität zunehmend eine Rolle: 30 Prozent der Bäume werden direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben gekauft, weitere 30 Prozent im Straßenhandel und der Rest in Supermärkten sowie in Garten- und Baumärkten. Fotos: by-studio – stock.adobe.com

Aktuelle Trends: Die Nachfrage nach kleineren Bäumen von 1,50 bis 1,75 Meter nimmt zu. Außerdem spielt Regionalität zunehmend eine Rolle: 30 Prozent der Bäume werden direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben gekauft, weitere 30 Prozent im Straßenhandel und der Rest in Supermärkten sowie in Garten- und Baumärkten. Fotos: by-studio – stock.adobe.com

Die Verwendung der Nadelbäume als Weihnachtsschmuck ist für die Kirchenwälder ohnehin nur ein Nebenaspekt. In erster Linie gehe es um eine wirtschaftliche Nutzung des natürlichen Rohstoffs Holz, um damit einen Ertrag für die Mitfinanzierung von kirchlichen Aufgaben zu erzielen, sagt die Forstfachfrau. Als Beispiele nennt sie die Pfarrerbesoldung und die finanzielle Unterstützung für den Erhalt von kircheneigenen Gebäuden.

Für die Bewirtschaftung ihrer Waldflächen hat die EKM strenge Kriterien festgelegt. Sie sollen dazu beitragen, den Wald als Teil der Schöpfung zu erhalten und zu pflegen. »Dabei hat Nachhaltigkeit die oberste Priorität«, betont Biehl. Die wichtigsten Grundsätze seien der Verzicht auf Kahlschlag und Pestizide, schonende Verfahren zur Holzernte und die ständige Einbeziehung des Naturschutzes.

Dazu gehörten neben dem Schutz von Boden- und Wasserflächen auch der Beitrag des Waldes zum Klimaschutz als Speicher für Kohlenstoff. Darüber hinaus sei der Erhalt des Waldes als Kulturgut unverzichtbar, fügt sie hinzu. Vor diesem Hintergrund sei der Waldumbau von der Monokultur zu einem Mischwald mit anderen Nadel- und Laubbäumen auch für den Kirchenwald eine besondere Herausforderung. Erste positive Veränderungen auf diesem Gebiet hat die jüngste Inventur der kirchlichen Waldflächen in Thüringen ergeben. Gegenüber der Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2002 zeige sich der Thüringer Kirchenwald heute gemischter und auch stabiler gegenüber Klimaveränderungen, resümiert die zuständige Mitarbeiterin im Erfurter Kirchenamt. Rund ein Drittel des Bestands seien Buchen, Eichen und andere Laubbäume.

Am häufigsten wachsen jedoch auf den kirchlichen Waldflächen nach wie vor Fichten. Sie haben das romantische Bild vom »deutschen Wald« seit dem 19. Jahrhundert auch in Thüringen maßgeblich geprägt. Mit dem grundlegenden Waldumbau sollen diese Bestände keineswegs verschwinden, sagt Biehl. Doch künftig werde es auch im Kirchenwald mehr andere Nadelbäume geben, die als Weihnachtsbaum langlebiger sind. Wie etwa die Weißtanne, so die Forstfachfrau.

Thomas Bickelhaupt (epd)

Wissenswertes
Das Saatgut der hierzulande als Weihnachtsbaum beliebten Nordmanntanne wird vor allem aus Georgien importiert. Zur Ernte werden die Zapfen von Bäumen oft in einer Höhe von 60 Metern von Hand gepflückt. Übrigens: Die Forschung, z. B. an der Uni Kopenhagen, sucht nach dem noch perfekteren Weihnachtsbaum mit noch schönerem Wuchs, höherer Frosttoleranz, geringerem Nadelverlust und sogar nach dem schwerer entflammbaren Baum. Auch der Online-Weihnachtsbaum­verkauf wächst kontinuierlich, bisher noch auf niedrigem Niveau. Das Angebot in diesem Jahr war bereits umfangreicher. Eine Lieferung ins Haus – sogar geschmückt – ist inzwischen möglich.


Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

Auch das noch: In all der Hektik Gott empfangen

16. Dezember 2017 von redaktionguh  
Abgelegt unter Wort zur Woche

Comments Off

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.

Jesaja 40, Verse 3 und 10

Advent – das bedeutet: Gott kommt zu mir! Dieser Spruch für die neue Woche in diesem Advent ist für mich wie ein Stolperstein. Hoppla, was gilt denn jetzt? Kommt Gott zu mir oder was muss ich tun, um Gott nahe zu sein? Im Laufe des Jahres stelle ich mir diese Frage immer wieder. Aber jetzt, gerade im Advent, kommt mir immer wieder die Botschaft zu Ohren, dass Gott mir auf besondere Weise nahe ist.

Dieses Wort des Propheten Jesaja ist eine Aufmunterung an uns Menschen: Bereitet dem Herrn den Weg! Da frage ich mich, wie mir das gelingt. Ich spüre einen hohen Anspruch. Ob ich dem gerecht werden kann? Ich gehe durch den Alltag mit vielen Terminen im Kalender und vielem, was ich noch nicht erledigt habe, weil ich es zeitlich einfach nicht geschafft habe. Und jetzt soll ich dem Herrn auch noch den Weg bereiten! Bin ich dazu überhaupt in der Lage oder ist das eine viel zu hohe Anforderung?

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Gott kommt zu mir! Gott ist mir nahe! Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass durch die Begegnung mit anderen Frauen, Männern und Kindern Gott auf besondere Weise präsent ist. Zum Beispiel dann, wenn ich in ein interessantes Gespräch verwickelt werde. Wir reden über Gott und die Welt – dann ist Gott nahe. Oder, wenn ich jemandem einen kleinen Gefallen tun konnte – dann ist Gott nahe. Wenn Türen aufgeschlossen werden, damit sich Menschen begegnen können – dann ist Gott nahe. Wenn sich Frauen oder Männer zur Taufe entscheiden, wenn sie ihren Glauben wechseln, weil ihnen das jetzt wichtig ist, in dieser Kultur zu leben und mit ihr vertraut zu sein – dann ist Gott nahe. Wenn Frauen, Männer und Kinder ein Krippenspiel einüben, um es am Heiligen Abend aufzuführen – dann ist Gott nahe. Dann öffnen sich verschlossene Türen. Jesus hat einmal gesagt: Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden. (Johannes 10,9)

Ich glaube, wir können dem Herrn den Weg bereiten und machen dabei eindrückliche Erfahrungen. Ich wünsche Ihnen gesegnete Wege, auf denen Sie Gott spüren.

Bettina Reinefeld-Wiegel, Pastorin in Weimar

Kommentare bitte an: leserbriefe@glaube-und-heimat.de

nächste Seite »